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Full text of "Antibarbarus der lateinischen Sprache, nebst einem kurzen Abriss der Geschichte der lateinischen Sprache und Vorbemerkungen über reine Latinität;"

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UNIVERSITY OF 
TORONTO PRESS 



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University of Toronto 



http://www.archive.org/details/antibarbarusderl02kreb 



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ANTIBAÄBAÄUS 



DER 



LATEINISCHEN SPRACHE. 



ZWEITER BAND. 



ANTIBARBARUS 



DER 



LATEINISCHEN SPRÄCHE. 

NEBST EINEM KÜRZEN ABRISS DER GESCHICHTE 
DER LATEINISCHEN SPRACHE UND VORBEMERKUNGEN ÜBER 

REINE LATINITÄT 

VON 

J. PH. KREBS. 



SIEBENTE GENAU DURCHGESEHENE UND VIELFACH 
UMGEARBEITETE AUFLAGE 



VON 



J. H. SCHMALZ. 



ZWEITER BAND. 



BASEL. 
BENNO SCHWABE, VEBLAGSBUCHHANDLUNG 

1907. 



SCHWEIG HAUS ERISCHE BUCH D RUCKE REI. 



L. 1. 

Labascere, anfangen zu wanken, einzufallen, steht A. L. bei den 
Dichtern Ter. u. Lucr. und spätlat. bei Gell. 15, 2, 7, sowie Ennodius 
167, 16; 269, 17 H., Claud. Mam. 37, 10; 109, 21; es ist nicht 
mehr anwendbar; man drücke es aus durch labi, labare, nutare, 
titubare, vacillare. Vgl. Collabascere, Sittl im Archiv I S. 492 und 
Schulze Symm. S. 80. 

Labi, verfliessen, von der Zeit, ist nur P. und Sp. L., z. B. 
cum dies tertius laberetur, Eugipp 55, 3 Kn.; gleichwohl wird es in 
diesem Sinne im N. L. wie elabi und praeterlabi gebraucht. Vgl. 
mehr unter Elabi. — Labi = cadere im militärischen Sinne, wie unser 
fallen, sagt Tac. ann. 2, 11 nach dem Vorgange der Dichter, welche 
es auch in allgemeiner Bedeutung für mori gebrauchen, s. Nipperdey 
zu d. St. des Tacitus. Gut ist spe labi — eine Hoffnung verlieren 
nach Caes. Gall. 5, 55, 3. 

Labia, oder labea, wie Götz bei Plaut. Stich. 721, Hertz-Hosius 
bei Gell. 10, 4, 4; 18, 4, 6; 19, 11, 4 und Ribb. durchweg in den 
fragm. com. schreiben, während bei Apul. labia gelesen wird, die 
Lippe, kommt A. L. vor; in klass. Zeit hat es P. Nigidius (bei Gell. 

10, 4, 4) neben labrum: labeas primores, läbris proiectis, labcas 
coercemus folgen sich unmittelbar; dann wurde es erst Sp. L. wieder 
gebraucht für labrum, labellum und neben diesen, z. B. bei Gell. 19, 

11, 4 in einem Gedichte. Daher heisst die Oberlippe, labrum superius 
(Caes. Gall. 5, 14, 3); die Unterlippe, labrum inferius. Von labium 
findet sich vor Quint. kein prosaisches Beispiel; gewöhnlich kommt 
es im Plural vor, wie es schon Plaut, u. Ter. brauchen, vgl. Plaut. 
Mil. 93, aber auch Lorenz z. St., der labium für unplaut. erklärt, 
Ter. Eun. 336. Fürs Sp. L. mag bemerkt werden, was Georges 
nicht hat, dass in der Vulg. sehr häufig labia, aber auch oft der 
Sing, labium angetroffen wird; aus der Vulg. ging es dann zu den 
Eccl. über, vgl. z. B. Oros. A. 11, 7 Z summis tabiis me honoras, 
Commod. 2, 35, 7. Vgl. noch Tegge S. 219. 

Labilis, hinfällig, leiclit verschwindend, ist Sp. L., z. B. bei 
Amobius vires labiles, labilis in vitia u. ähnl. für c<t<lurns, brevis, 
mfirmus, f> , i//iis. debilis, imbecillus, non tenax u. a.; für memoria 
labilis et incerta ist klass. bei Cicero (Att. 12, 1, 2) memoriola 
vacillare. 

Lahor ist in der bildlichen Bedeutung geistige oder künstlerische 
Arbeit (von etwas Ausgearbeitetem) oder gleich unserm Werk nur 
I*. und Sp. L.: qui meos labores legunt, Aug. de dono persey. o, ,;s 

K reba-Schmulz, Antibarbarus II. 1 



Laborare — 2 — Laborare 

und lahor litterarius, Aug. confess. 9, 2 u. contra Iul. lib. 6, c. 21 
(opp. T. 14), für opus, und bei Tacitus (ann. 4, 11) bildlich cura. 
Nach Cicero (Tusc. 3, 81) suchen sich die Philosophen eine Arbeit 
(opus), etwas zur Bearbeitung. Für unser Kunstarbeit wird teils 
opus, teils artificium gebraucht: Cic. Verr. 4, 103 antiquo opere, von 
ultcr Arbeit; act. 1, 14 qui (deus) antiquo artificio factus videbatur. 
Nirgends aber findet sich in dieser Bedeutung läbor. Labor ist zu- 
nächst die materielle Anstrengung, daher summi laboris esse = der 
grössten Anstrengung fältig, höchst ausdauernd sein, bei Caes. Gall. 

4, 2, 2; sodann aber bedeutet labor wie unser Arbeit auch das durch 
die Anstrengung zu stände gebrachte materielle Werk (welches eigent- 
lich opus ist wie: quadringentorum annorum opus, Liv. 1, 29, 6 und 
tarn longi temporis opus, ib. 5, 7, 3), so multgrum mensium labor . . 
puncto temporis interiit, Caesar civ. 2, 14, 4. — Wenn gesagt worden 
ist, ohne Mühe heisse nicht sine labore oder nullo labore, sondern 
sine idlo labore, nullo negotio, so ist dabei vor allem das synonymische 
Verhältnis von lahor und negotium zu beachten. Nun ist labor die 
Mühe und Anstrengung, welche jemand auf tuenden muss, um zu 
einem Ziel zu gelangen, z. B. Liv. 39, 1, 5 loca montana et aspera 
et ipsis capere labor erat, negotium dagegen bezeichnet die Schwierig- 
keit, welche dem Objekt anhaftet, auf das handelnde Subjekt hem- 
mend oder Verlegenheiten bereitend zurückwirkt; vgl. P. Manut. zu 
Cic. fam. 3, 10, Dietsch zu Sali. Jug. 5, 36. Es kann daher, je 
nachdem die eine oder die andere Beziehung hervorgekehrt werden 
soll, sowohl sine labore, nullo labore und — was die Negation hervorhebt 

— sine ullo labore, als anderseits nullo negotio, sine negotio, sine 
idlo negotio gesagt werden; über sine labore vergleiche man: Non 
est, quod existimes idlam esse sine labore virtutem, Cic. Sest. 103, 
Sen. de v. b. 25, 5, Quintil. 2, 12, 12, Suet. Nero 52; ebenso ist 
ohne Mühe, Beschwerde, Gefahr etwas zu stände bringen, erlangen 

— sine labore, molestia, perimdo aliquid conficere, referre u. dgl. 

5. rhet. Her. 3, 39, Liv. 10, 10, 12, Tac. hist. 1, 51, Lact, de ira D. 
13, 5. Ebenso gut ist nullo labore, s. darüber Cic. dorn. 91, Sest. 
87, Rull. 2, 16, Tusc. 2, 51, Verr. 2, 135. Dagegen Cic. Attic. 10, 
16, 3: Cato Siciliam teuere nullo negotio potuit = die Behauptung 
von Sizilien hatte für Cato keine Schwierigkeit , war keine schwere 
Aufgabe, vgl. auch Caes. Gall. 2, 17, 2 und über sine negotio Nepos 
Ages. 5, 4. Da der läbor seinen Hauptgrund oft in der Schwierig- 
keit der Aufgabe hat, so können nullo labore und nullo negotio in- 
soweit auch ohne Unterschied gebraucht werden; vgl. noch Landgraf 
zu Cic. S. Rose. S. 169. 

Laborare, leiden, Not leiden an etwas, wird verbunden ab, ex 
aliqua re, auch bloss aliqua re; krank sein, krank liegen an etwas, 
aliqua re oder ex aliqua re; bei einem einzelnen leidenden Teile 
braucht Cicero ex, z. B. ex capite, ex pedibiis, e renibus, ex alvo, 
Celsus aber den blossen Ablativ, capite u. s. w. Wenn aber die 
Krankheit selbst allgemein oder einzeln, erwähnt wird, so steht bloss 



Lacaenus — 3 — Lacrimare 

der Ablativ, z. B. morbo, febri, pestilentia (Liv. 1, 31, 5), wiewohl 
Celsus auch ex partu laborare sagt. Jedoch drehen die Lateiner 
auch die Redensart um und machen den leidenden Teil zum Subjekte, 
z. B. caput alicuius laborat, artus laborant (Cic. Tusc. 2, 61). Bei 
geistigen Krankheiten braucht man ex, z. B. ex invidia, ex desiderio. 

— In der Bedeutung wegen jemandes in Sorgen, behämmert sein 
heisst laborare de aliquo (Cic. inv. 2, 78), pro aliquo (Cic. Plane. 28), 
und in der Bedeutung sich mit ehuas beschäftigen, mit etwas be- 
schäftigt sein, laborare in aliqua re (Cic. Yerr. 3, 124); laborare in 
aliqua re bedeutet aber auch in oder mit ehuas in Bedrängnis, in 
der Klemme sein (Cic. Attic. 4, 1, 3). — P. L. ist aliquid laborare, 
etwas arbeiten, zu stände bringen, was im N. L. oft sich findet, und 
auch hier nur, z. B. bei Yergil, kommt laboratus, gearbeitet, ver- 
fertigt, vor. Ygl. Elaborare. — Laborare wird auch mit dem Infinitiv 
verbunden, doch Kl. nur in der Verbindung mit der Negation: si 
soeiis prospicere non laboratis, Cic. Verr. 3, 127 und: quod audiri 
(Wesenberg und Müller laudari) non laborarit, Attic. 5, 2, 2. Ne 
quaerere quidem de tanta re laborarunt, Nep. Pelop. 3, 1. Hingegen 
bei Lucil., Catull, Horaz und in N. Kl. Prosa auch in positiven Sätzen : 
probari dominis . . laborant, Plin. epp. 1, 4, 4 und amari ab eo 
laboravi, ibid. 1, 10, 2 u. 2, 5, 9. — Laborare ut findet sich auch 
in Kl. Sprache bei positivem Yerbum, wiewohl auch hier negiertes 
laborare häufig ist, vgl. Cic. Yerr. 5, 126 nemo laborat ut; zu den Stellen 
bei Landgraf elocut. S. 6 Anm. füge noch bei fam. 14, 3, 3 quod 
laboras, ut tuto sim. Ygl. noch Georges Jahresber. 1880 S. 426. 
Laborare ne hat Cic. Att. 7, 17, 3 laborare eum, ne omnes abessemus. 
Schliesslich merke man non laborare mit Fragesatz, z. B. Cic. fam. 
3, 7, 6 hoc assequere, ut, quam in partem tu aeeipias, minus laborem. 

— Elaborare scheidet sich so von laborare, dass ersteres bedeutet, 
sich mit Erfolg bemühen, vgl. Hofmann zu Cic. fam. 2, 4, 2. — Man 
verwirft als N. L. laborare angustia temporis, an Zeit Mangel haben. 
nicht Zeit genug oder zu wenig Zeit haben, für exeludi angustiis 
temporis oder bloss tempore. 

Iiacaenus, a, um als Adj. ist P. L. für Lacedaemonius ; aber 
als Subst. gen. fem. ist das gewöhnliche Lacaena, die Lazedämonierin, 
nicht Lacedaemonia, — und das Masc. Laco und Lacedaemonius, der 
Lazedämonier. Ygl. Cic. Tusc. 1, 100 u. 102 u. 111. Jedoch ist 
der Plural Laconcs für Lacedaemonn nicht KL, kommt aber Liv. -">~>, 
12, 8 und im silb. Latein vor. Ygl. Spartanus, 

Laconia, das Land der Lazedämonier, findet sich nur Plin. nat. 
17, 133, sonst heisst es überall Laconica oder auch Laconice, /.. B. 
Ncp. Timoth. 2, 1. KL ist überhaupt keine dieser Formen. 

Lacrimare (lacrumare), weinen, findet, sich in kl. Sprache nirgends 
transitiv = beweinen, zu dulden ist höchstens der A.oo. des Neutrum 
eines r><>n., z. B. Ter. Eun. 829 num id lacrimat virgo; bei Nepoa 
Alcib. 6, 4 steht jetzt easu illacrimarit, was altertümliche Form für 
casui ist, vgl. Lupus s. 34, Kipp. Spie. S. .').">, Andresen ha! oasui; 



Lactare — 4 — Laetatio 

mit einem Objekte aber stehen collacrimare (aliquid) oder illacrimare, 
iüaerimari (alicui, auch aliquem, s. das Wort Illacrimare). Das 
Deponens lacrumor ist unklassisch (vgl. Hellmuth act. Erl. I S. 119 
bezüglich Verr. 5, 121, welche Stelle bei Merguet fehlt; sie ist um 
so mehr nachzutragen, als alle übrigen Stellen aus Cic. oratt. nur 
das Partiz. lacrimalis aufweisen); es gehört dem Vulgärlatein, vgl. 
Hygin fab. 126, S. 110, 17 Schm., und dem Sp. L. an; vgl. Neue- 
Wagener 3 III S. 51, Hoppe Synt. Tert. S. 61. 

Lactare und lodere sind unklassische Yerba; Cic. kennt nur ein 
Partizip lactens, z. B. Romains lactens fulmine idus, div. 2, 47, wofür 
aber Cat. 3, 19 quem (Romulum) ladantem die bessere Überlieferung 
ladantem bietet. Der Unterschied beider Wörter — mater ladat, 
in/ans ladet — wurde von den Alten selbst nicht immer beobach- 
tet, und so dürfen wir wohl bei Cic. ladans neben lactens = saugend 
annehmen; jedenfalls finden wir bei Varro r. r. 2, 4, 16 lactantes, 
2, 4, 21 ladentes, ferner puer ladans (Liv. Andr. tr. 26 R), parvulos 
lactantes bei Firm. Mat. de err. 19, 3, vgl. Dressel S. 3, und ladans, 
sowie parvulus ladans bei Commodian, schliesslich ladayitis infantiae 
Ennod. 333, 2 II. ; jedoch ist auch die Überlieferung vielfach unsicher, 
vgl. Ribbeck zu Liv. Andr. tr. 26, C. F. W. Müller und Clark zu Cic. 
Cat. 3, 19, Keil zu Varro r. r. 2, 5, 16, Schulze Symm. S. 84, 
Gölzer Hieron. 116, Rönsch Sem. III S. 54. — Ein anderes gleich- 
falls unklassisches lactare ist das Intensivum von lacio; dasselbe 
gehört der Volkssprache an und wurde in Kl. Zeit nur von Varro 
gebraucht. Vgl. Stünkel S. 62, Schulze Symm. S. 76, Rönsch Ital. 
S. 213, Meissner zu Ter. Andr. 648, Jonas II S. 11. 

Laedere findet sich mit dem Acc. maiestatem verbunden nur 
bei späten Juristen, z. B. qui maiestatem publicam laeserit, vgl. 
Dirksen s. v. Maiestas; der Ausdruck laesa maiestas ist unklassisch, 
bei crimen, lex, iudicium maiestatis wird laesae regelmässig wegge- 
lassen, also z. B. maiestatis aliquem arcessere, damnare, absolvere; 
maiestatis crimine coneidere; und so auch damnatus, arcessitus maie- 
statis (de maiestate), ivegen beleidigter, verletzter Majestät; vgl. Cic. 
Cluent. 116, Phil. 1, 21 u. 23; Verr. 4, 88, Piso 50. Doch ist der 
Beisatz von laesae nicht ohne Autorität; es findet sich schon bei 
Sen. controv. 9, 2, 13 und öfter Sp. L. bei Amin. Marcell. 16, 8, 4; 
19, 12, 1; 21, 12, 19 u. 16, 9; 22, 9, 8 u. 26, 10, 13. 

Laetari hat in klass. Sprache nur den Accus, eines Pronomens, 
z. B. illud laetor, oder den Abi., z. B. praeclaris suis operibus laetari, 
Cic. fam. 1, 7, 7, oder de mit Abi., z. B. laetari de communi solide, 
Cic. Marc. 23, oder in mit Abi., vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 295. 
Der Acc. eines Substantivs bei laetari ist Sp. L., abgesehen von 
Stellen wie Sali. Jug. 14, 22 laetandum magis quam dolendum puto 
casum tuum, wo doleo vorwiegt. 

Laetatio, die Freude, steht nur ein einziges Mal bei Caes. Gall. 
5, 52, 6, jedoch nicht sicher; es ist das von ß überlieferte laetitia 
vorzuziehen, vgl. Meusel s. v. diutinus. 



Laetificare — 5 — Laiix 

Laetificare ist ein Wort der Volkssprache, vgl. Wölfflin Cass. 
Fei. S. 425 f.; es steht schon bei Plaut., z. B. Aul. 725, namentlich 
kommt es so oft Sp. L. in der Yulg. z. B. Ps. 103, 15: vinum 
laetificat cor hominis, aber einmal selbst bei Cicero vor, s. darüber 
Cic. nat. deor. 2, 102: sol tum quasi tristitia quadam conträhit terram, 
tum vicissim laetificat, at cum caelo hilarata esse videatur; ebenso 
ist es Kl. in der bildlichen Bedeutung- fruchtbar machen, z. B. bei 
Cicero nat. deor. 2, 130: Indus (der Fluss Indus) agros laetificat, wie 
N. Kl. bei Plin. nat. 18, 120; 17, 50. 

Laetitia kommt in Prosa regelmässig nur im Singular vor; A. 
u. P. L. im Plural laetitias für das prosaische gaudia; denn auch 
bei Cicero (fam. 2, 9, 2) ist incessi omnibus laetitiis dem Caecilius 
entnommen, vgl. Caecil. 252, com. R., Landgraf act. Erlang. II S. 27. 
Bei Cicero Attic. 1, 17, 6 vidi enim sollicitudines et laetitias tuas ist 
wie Tusc. 5, 16 und leg. 1, 32 laetitias durch Angleichung an den 
Plural entstanden. Vgl. dagegen Bednara im Arch. XIV S. 537. 

Lamentum, die Klage, kommt mit Ausnahme der latein. Bibel- 
übersetzung, der Vulg., nirgends im Singular vor, sondern nur im 
Plural lamenta; vgl. Cic. Pis. 89, Liv. 5, 39, 4; 6, 3, 4 u. sonst, 
Schmidt 1889 S. 6. 

Lampada, die Leuchte, für lampas, gehört der späteren Latinität 
an, welche an solchen Substantivierungen des Accus, reich ist, z. B. 
decada für decas, hebdomada für hebdomas; vgl. Rönsch Ital. S. 258 f., 
Gölzer Hieron. S. 280, Nestler S. 9. Fürs A. L., wo z. B. Ter. Ad! 
907 lampadas von lampas herkommt, vgl. Ritschi op. II, 636. 

Laniatio, das Zerfleischen, steht N. Kl. bei Seneca clem. 2, 4, 
2; Cicero braucht dafür laniatus oder laceratio, z. B. Tusc. 1, 104; 
3, 62. 

Laniena ist in der Bedeutung Niedermetzelung , Blutbad Sp. L., 
namentlich bei Apul., Amm., Prud. üblich, vgl. Kretschmann Apul. 
S. 44, für laniatus, caedes, strages, occisio; im A. u. Kl. L. (aber 
nicht bei Cic, Caes., jedoch bei Varro 1. lat. 8, 55 u. Liv. 44, 16, 10) 
bedeutet es die Schlachtbude, das Schlachthaus. Die Pariser Blut- 
hochzeit kann daher nicht laniena, sondern eher caedes Parisiensis 
genannt werden. 

Lanio, der Fleischer, Metzger, ist, wenn man den Gebrauch 
bei Petronius ausnimmt, erst Sp. L. Form für lau ins oder auch 
maceUarius. 

Lanx. Die Redensart: lance aequa aliquid pensitare, oticus 
imparteiisch ab- oder erwägen, findet sich beim altern Plinius 7, 44, 
wofür die Klassiker einfacher sagen: diligenter, diligentissime aliquid 
ex- oder perpendere. Doch ist „da in beiden Sprachen von der 
Wage nicht wenig gleiche Bilder entlehnt werden" (Nägelsbach Stil. 9 
S. 547) und Cicero selbst fin. 5, 91 virtuHs amplitudinem quasi in 
altera librae lance ponere und de or. 2, 159 quae non aurificis sta- 
tera, sed populari quadam trutina examinantur schreibt, die Metapher 
liier nicht ängstlich zu meiden. Besonders häufig ist sie freilich im 



Lapidare — 6 — Laqueare 

Sj). L., vgl. z. B. lance aequa aliquid pensitare oder pendere (Ambros. 
exhortat. virg. n. 3) oder examinare (Ambros. epp. 41, 22) und aequa 
lance perpendere (August, c. Jul. Pelag. lib. 6, § 26, opp. T. 13),j;an 
pendere lance cunctos Arnob. 6, 2, aequa lance pensare Ambrosius, 
sermo 7 in Ps. 118, 23. — Im N. L. liest man oft: per lancem 
saturam in der Bedeutung gemischt, bunt unter einander. Die Alten 
brauchten diese Ausdrucksweise nicht (die Stellen für lanx satura 
siehe Wölffiins Archiv V S. 37 unten), sondern bloss per saturam. 
In Kl. Zeit finden wir jedoch per saturam nur bei Sali. Jug. 29, 5 
und zwar mit dem Zusätze quasi, der auch noch im 8p. L. fest- 
gehalten wird, vgl. Ammian 16, 6, 3 tamquam per saturam cuhi- 
cular iis subito suffragantihus / vgl. Fritzsche zu Hör. sat. S. 8 f., 
Dietsch zu Sali. Jug. 29, 5, namentlich aber Funck in Wölffiins 
Archiv Y S. 37 ff. • 

Lapidare kommt in der Bedeutung steinigen, einen oder etwas 
mit Sie inen werfen, nur im b. Hisp. 22, 4 und dann N. Kl. bei 
Sueton, Flor. u. sonst, sowie Sp. L. z. B. bei Cyprian u. Commodian 
oft vor, denn bei Livius steht es nur impersonal: lapidat, es regnet 
Steine, und ebenso bei ihm lapidatum est mit und ohne de caelo; 
vgl. Bagge S. 32, Weissenborn zu Liv. 44, 18, 6, Riemann etudes 
S. 105. Man brauche für unser steinigen kqndibus appetcre (Cic. 
dum. 13), percutere (Cic. dorn. 13), cooperire (Cic. Verr. 1, 119). — 
KL aber sind lapidatio, die Steinigung, und lapidator, der mit Steinen 
wirft, und lapidationem facere, mit Steinen tverfen; vgl. Cic. dorn. 
12, 13 u. 67; Verr. 4, 95; Hellmuth act. Erl. I S. 141 spricht 
merkwürdigerweise nicht von lapidationem facere, trotzdem es Yerr. 
4, 95 vorkommt, freilich nur im Passiv fit lapidatio, vgl. oben s. v. 
Gratulatio, doch Cic. dorn. 67 quas lapidationes fecerit. 

Lapidaris, die Steine betreffend, ist nur aus einer Inschrift er- 
wiesene Form für die bessere, aber auch unklassische lapidarius ; 
Kl. ist nur lupideus, z. B. Cic. div. 2, 60 imber lapideus. Der 
Lapidarstil heisst nicht stilus lapidaris, sondern scriptum lapidaria. 

Lapis. Die Redensart omnem lapidem movere in der Bedeutung 
alles versuchen findet sich nirgends bei einem Lateiner und kann, da 
sie aus dem Griechischen genommen ist, vgl. Plin. ep. 1, 20, 15 
omnia pertempto, omnia experior, Tzävra deuique tifiov xcvw, nur mit 
dorn Zusätze ul (iraeri dieunt, ut in Graecorum proverbio est an- 
gewandt werden, für das gewöhnliche omnia experiri. 

Lupsio kommt nur bei Cicero und hier nur Tusc. 4, 28 vor, 
in der Bedeutung das Abgleiten, die Neigung zum Schlimmen und 
ist, wie es scheint, von Cicero selbst als philosophisches Wort ge- 
bildet, für das gewöhnliche lapsus; vgl. Nägelsbach-Müller 9 S. 238. 
Dieses lapsus aber ist nur Subst. nach Deck IV., nie nach Deck IL; 
ein Substantiv lapsum aber gibt es nicht. • 

Laqueare, hangen, ist kein gut lat. Wort; Peter wollte es mit 
Unrecht hist. Aug. Trig. 9, 4 aus Konjektur setzen; vgl. Novak hist. 
Aug. S. 28. Ich kenne es nur aus Antonin. Plac. itin. 177, 19 



Lar — 7 — Lassare 

vidimus catenam ferream, cum qua se laqueavit infelix Judas, was 
mit Matth. 27, 5 (cod. Sang.) et abiens laqueavit se übereinstimmt, 
vgl. Rönsch Sem. III, 55, sowie aus Cassian C IC, 18, 2 und J 
7, 7, 3. 

Lar, der Hausgott, mit und ohne familiaris, in der Bedeutung 
Haus, für domus, ist für uns nicht mehr anwendbar, trotzdem noch 
Ennodius 376, 12 H. larem statuerat = habitabat braucht und 
Arnobius 246, 24 dem loewples den liomo angusto Iure gegenüber- 
stellt. Vgl. Klotz Stilist. S. 156. 

Large ist das Adv. zu largus; nur bei Caes. Gall. 1, 18, 6 u. 
bei Brut. 1, 17, 6 (ist kein Brief Cic, wie Leipold S. 19 meint) 
steht in klass. Zeit largiter, vgl. Köhler act. Erl. I S. 379; öfter 
findet es sich N. Kl, vgl. Köhler 1. 1., Leipold S. 19, Näg.-Müller 9 
S. 624. 

Largiri in der Bedeutung einräumen, zugestehen, verlangt einen 
Dativ und Accusativ oder dafür einen Satz mit at, z. B. Cic. Cato 
83, und ist darum weniger zu brauchen als coucedere, weil es nicht 
gerade bloss das gewöhnliche zugeben, zugestehen bedeutet, sondern 
gern, gütig, gleichsam freigebig einräumen. Ygl. Cic. Mil. 46 videte, 
quid vobis largiar. — Sprichwörtlich ist largiri de alieno = von 
fremdem Gute freigebig spenden, mitteilen; es steht bei Livius 3, 1, 
3 largieudo de alieno populärem fieri, sowie bei Iust. 36, 3, 9 facile 
In iic Romanis de alieno largientibus, welche gern freigebig spendeten 
(facile ist hier sehr charakteristisch zu largiri gesetzt; denn aus 
fremdem Beutel freigebig sein, ist nicht schwer). 

Largihulo, die Freigebigkeit, für largitas, soll Nepos (in einer 
verlornen Schrift) gebraucht haben; sonst findet es sich noch bei 
llieron. inxta largitudinem et misericordiam salvatoris; vgl. Gölzer 
Hieron. S. 107, Lupus S. 219 Anm. und Charis. S. 101 K. 

Larva kommt in der Bedeutung Maske nur bei Horaz und 
Petronius vor für das gewöhnliche persona. 

Lascivitas, der Mutwille, ist sehr Sp. L. für laseivia. 

Lassare, ermüden, müde machen, ist nicht nur P. L., sondern 
findet sich prosaisch einmal bei Cels. 1, 3 und bei Curt. 9, 5, 1. 
Sonst sind nur beide Seneca noch als Autoritäten aufzuführen, vgl. 
epp. 88, 10: ciäus 'Patrimonium tabularios lassat; epp. 68, 13; 70, 
3; 107, 2; de const. 9, 5; de clem. 1, 19, 4 u. de benef. 4, S, 1; 
1, 1, 7 u. 7, 14, 6 und: tum cito lassatae i>rcr<>s tuae sunt/ 
Sen. controv. 3 (7), 22, 6; dann Plin. nat. 9, 36 und 30, 149 (Sillig 
aber liest lassescere), schliesslich aus dem Sp. L. Ennodius. Ge- 
wöhnlicher ist fatigare, defatigare, lassitudine conficere, languefac 
u. a. Intransitives /ossäre ist nur Sj>. L., vgl. Aug. sonn. 216, 1 
ubi nulla /'mm 1 , nulla siti lassabitis, vgl. Ronseh Bern. 111 8. ">'i. 
/jissos = müde, ist so wenig A7. als losso,e; bo\ Cicero, < ' ; i * - - ; 1 1- 
und Livius steht es gar nicht, bei Sali. Jug. 53, 5 ist es sohlechl 
beglaubigt (vgl. Mauienbrecher Jahresber. L899 11 8. 242), Seneca 
wird es wohl nach dem b. Alex. 30, 2 zuerst in Prosa gebraucht 



Latere — 8 — Latinus 

haben. Vgl. ausserdem noch folgende pros. Autoritäten: Plin. epp. 
5, 6, 14; 6, 21, 1 und 9, 36, 5, Flor. 3, 5, 5, lust. 28, 4, 5. Ge- 
wöhnlicher ist fessus, fatigatus, defatigatus. — Kl. aber ist lassitudo, 
vgl. Cic. fam. 12, 25, 6; N. L. lassificare. 

Latere, verborgen sein, wird meistens ohne Objekt gebraucht, 
so immer von Caesar; Yarro aber verbindet es mit einem Objekte, 
bald im Dativ, z. B. oculis et auribus latere solent (ling. 9, 92), wo 
jedoch L. Spengel oculos et auris vermutet, bald im Accusativ, z. B. 
quod latet nostrum sensum, r. r. 1, 40, 1 ; letztere Konstruktion hat 
auch das b. Afr. 56, 3 Caesarem non latebat, vgl. Wölfflin z. St. und 
Archiv YI S. 99; ihnen folgen Dichter und einige spätere Prosaisten, 
welche lateo bald mit dem Dativ, bald mit dem Accusativ verbinden; 
vgl. darüber Dräger H. Synt. I S. 356, Obermeier S. 37, Seck II 
S. 16, Gorges S. 27 und dazu Georges Jahresbericht 1884 S. 119, 
Landgraf zu Reisig-Haase S. 601, Anm. 542 a., Hoppe Synt. Tert. 
S. 14. Bei Cicero steht lateo wie bei Caesar ohne Objekt; die 
Stellen Süll. 65 und Cat. 1, 15 enthalten bei C. F. W. Müller kein 
lateo und sind ohne Anmerkung darüber, aber p. red. in sen. 13 
tibi nobis liaec auetoritas tamdiu tarda latuit ist nobis ethischer 
Dativ; vgl. auch Bonnet Greg. S. 546. — Das impersonale latet me 
ist unklassisch und durchaus verwerflich, da wir an fugit, fallit, 
praeterit me Kl. Wendungen haben; allein es findet sich doch Ov. 
Pont. 4, 9, 126; Plin. nat. 2, 82; Gell. 9, 16, 1 und 13, 29, 6, hier 
jedoch in Verbindung mit fugit, z. B. ne nos forte fugeret lateretque; 
lust. 13, 8, 6; 31, 2, 2. Verdächtig wird die Redensart auch 
noch dadurch, dass Quintilian (10, 1, 12) als Synonym von scio 
nicht non tatet mihi oder me erwähnt. — Über latere in angulo, in 
einem Winkel verborgen sein, für latere occidte oder in occülto, s. Angulus. 

Latex, die Flüssigkeit, Wasser, ist nicht nur P. L. für liquor, 
aqua, sondern findet sich auch bei Liv. 44, 33, 2. 

Latinismus, Eigenheit der lateinischen Sprache, ist zwar ein 
Kunstwort der Grammatik, werde aber als N. L. so sehr als möglich 
vermieden durch proprietas latini sermonis. 

Latinum, das Latein, ist zwar, aber nicht vollständig, substan- 
tiviert (s. das Wort Graecum), es ist daher mit oder ohne Beiwörter 
N. L.; z. B. tuum, hoc, bonum latinum, dein, dieses, gutes Latein, 
da es nur eine linguam latinam, sermonem latinum gibt, wo, wenn 
nicht von der lateinischen Sprache im Gegensatze zu einer andern 
die Rede ist, das Adjektiv immer nachsteht; z. B. observationes lin- 
guae latinae, nicht latinae linguae. — Was wir das Latein nennen, 
ist entweder latinitas oder sermo latinus, lingua latina, oder litterae 
latinae, z. B. Küchenlatein, latinitas culinaria, nicht latinum culina- 
rium, Vgl. Cidinarius. — Wenn aber gesagt wird: in latinum 
aliquid convertere (Cic. Tusc. 3, 29), so ist latinum das Neutrum, 
vgl. Nägelsbach-Müller S. 112. 

Latinus, a, um, lateinisch, hat, wie das Adv. latine, erst Sp. L. 
die Gradformen latinior, latinius, latinissimus, latinissime, z. B. nihil 



Latium — 9 — Latus 

latinius legi, M. Caes. bei Fronto 2, 3 ; der Superlativ steht erst bei 
Hieronymus ; vgl. WöJfflin Kompar. 8. 2, Ebert 8. 333, Georges 
Jahresbericht 1880 S. 412, Gölzer Jlieron. 8. 285 f. Dies findet man 
bisweilen im N. L. nachgebraucht; aber für scriptor latinior und 
latinissimus ist scriptor purioris und purissimae latinitatis zu setzen. 
— Übrigens sagt man ausser latine loqui auch latine stire, lateinisch 
verstehen, vgl. M. Müller zu Liv. 1, 28, 9, ebenso latine nescire 
Festus s. v. Osce: Osce et Volsce fabulanlnr, quin latine nesciunt 
(sc. fabulari), auch Kl., vgl. Cic. Brut. 140 non enim tarn praeclarum 
est stire latine quam turpe nescire; auch latine docere äliquem (Plin. 
epp. 7, 4, 9) und latine doctus, der Latein verstellt. — Gerade wie 
wir sagen „deutsch", d. h. deutlich und ernstlich mit jemandem 
reden, sagten die Kömer latine loqui, z. B. Cic. Yerr. 4, 1 ; Phil. 
8, 6; vgl. Otto in Wölfflins Archiv III S. 376 Anm. — Schliesslich 
bedeutet latine, wenn es nicht im Gegensatze zu einer anderen 
Sprache steht, das Hochlatein im Gegensatze zur Volkssprache; so 
ist auch des Naevius Grabschrift zu verstehen. Vgl. Sittl im Archiv 
YI S. 559. — Über bene latine loqui u. a. vgl. unter Bene. 

Latium ist in seinem Gebrauche beschränkt auf die Landschaft 
um Rom; N. L. ist es aber in der Bedeutung die Lateiner oder 
Römer und das römische Reich, für Latini, Romani, Imperium Ro- 
manum. Daher ist monumenta Graeciae Latiique nicht zu billigen. 
Vgl. Hellas. 

Latius, a, um, Lateinisch, ist P. Form für Latinus. 

Lator kommt nie in der gewöhnlichen Bedeutung Träger vor, 
denn bei Senec. (tranq. 6, 4) steht für latore jetzt actore; auch 
nicht in der Bedeutung Überbringer, z. B. eines Briefes, also der 
Briefträger, für tabellarius oder qui litteras reddit. Richtig ist es 
nur in Verbindung mit den Genitiven legis, rogationis, legum, plebis- 
titi u. a., der etwas öffentlich in Vorschlag bringt. 

Latus. Wird durch unser Seite der Raum, die Gegend, die 
Richtung von einem Punkte her oder nach einem Ziele hin absolut 
bezeichnet, so ist dies lateinisch nicht latus, z. B. nach welcher Seite 
hin strömt der Fluss? nicht: in quod oder in utrum latus, sondern 
in quam oder in utram partem; keine Briefe von meiner Seite nullae 
meae, auch a me litterae. Wird hingegen in der Anschauung eines 
Körperganzen bei dem Begriffe der Seite an alle Seiten oder Rich- 
tungen, nach denen sich etwas im Räume ausdehnt, gedacht, oder 
wird von den Seitenteileil im Gegensatz zur vordem, h intern, minieren 
Flüche oder Ausdehnung gesprochen, dann ist latus zu gebrauchen, 
es mag von Menschen, Tieren oder toten Sachen die Rede sein. 
Unter den ersteren Gesichtspunkt fällt es, wenn Amin. Marceil. omni 
ex latere gebraucht, 19, 7, 7, oder wenn Plin. mir. 37, -i'> sagt: 
Crystattum nasci sexangulis lateribus, oder wenn wir endlich im 
b. Alex. 28, 4 lesen: (locus) tribus ex lateribus variis generum mu- 
nitionibus tegebatur. Unter den zweiten Gesichtspunkt hingegen isl 
es zu stellen, wo von alterum, dextrum, utrumque lutus u. älml. - 



Latus — 10 — Laurus 

sprochen wird. Nur ist es nicht notwendig, dass der die Relation, 
den Gegensatz zu latus bildende Begriff immer ausdrücklich ange- 
geben werde; dies geschieht nur, wenn wie z. B. bei Tac. ann. 3, 
74 der Gegensatz ausdrücklich betont ist. Auch beachte man, dass 
latus tropisch in Ausdrücken wie a latere alieuius nunquam discedere, 
lateri alieuius adhaerere, a latere alieuius esse etc. von denjenigen 
gesagt wird, tuelehe beständig um jemanden sind. Ygl. Seyffert- 
Müller z. Lael. S. 8. — Bei Abstammung von väterlicher, mütter- 
licher Seite sagt man Kl. paterno, materno genere; doch kommt 
dafür auch latus nicht nur poetisch und in der Prosa der Dig., 
sondern auch bei Plin. epp. 8, 10, 3 vor: quibus (liberis) videor a 
mco tuoque latere pronum ad honores iter relicturus. — Man merke 
auch, dass in Beziehung auf die Anstrengung der Seite, wo wir Brust 
sagen, Kl. nur der Plural latera üblich ist, und erst N. Kl. bei 
Plinius, Quintilian und Celsus der Sing, latus. — Endlich heisst 
einem zur Seite stellen — helfend beistehen, alicui assistere, also mit 
Weglassung von latus; aber einem zur Seite sitzen ist = sedere ad 
latus alieuius, vgl. Cic. Yerr. 5, 107. 

Latus, a, am, weit, breit, wird von Raschig (Progr. S. 25) in 
Verbindung mit sensus, der weitere Sinn, bezweifelt; vielleicht mit 
Recht, und besser braucht man wohl late, latius patere; z. B. hoc 
verbum latius patet, dieses Wort hat einen weitem Sinn; ebenso 
Im ius verbi eis latius patet, nicht latiore est sensu. Ygl. Angustus. 
In die Breite ist = in tu tum, freilich erst N. Kl. u. Sp. L.; vgl. 
oben s. v. In und Gölzer Hieron. S. 120. In lato ist Sp. L., z. B. 
Orosius 1, 2, 77 u. ö. Latitudo ist klass., z. B. bei Caes. öfters, auch 
übertragen, z. B. Cic. de or. 2, 91 verborum lätitudinem imitatur. 

Laudabilis ist klass. nur passiv, z. B. Cic. Brut. 325 quorum 
sunt orationes laudäbiles; Sp. L. auch aktiv; so ist bei Cypr. lauda- 
bile testimonium = laus, vgl. Watson S. 304. 

Laudare. Über /'// os und pleno ore laudare vgl. Os, und über 
plena mana laudare vgl. Manus. 

Laudatio, die Lobrede; — auf jemanden wohl nie in aliquem, 
sondern mit dem Genitiv alieuius; z. B. nonnullae mortuorum (auf 
Verstorbene) laudationes (Cic. Brut. 61). Eine sohlte Lobrede Italien 
auf jemanden ist latein. nicht laudationem habere in aliquem, sondern 
einfach laudare aliquem. Interessant ist bei Sen. ep. 102, 15 die 
Darlegung des Unterschiedes von laus und laudatio: ad animum 
refertur laus, non ad verba, quae coneeptam laudem egerwnt et in 
notitiam plurium emittunt, und laus alit artes, non laudationem dicit, 
quae corrumpit artes. 

Laurus, der Lorbeerbaum, Lorbeerkranz. Der Dativ und Ab- 
lativ Plural lauris oder lauribus sind N. Kl. u. Sp. L.; z. B. lauris 
steht bei Plin. nat. 15, 101 u. 17, 88, lauribus nur bei Serv. zu 
Yerg. Aen. 10, 089, aus Kl. Zeit weiss ich den Plural weder von 
laurus noch von laurea zu belegen; vgl. auch Neue- Wagener 3 I 
8. 768. — Über lauream in mustaeeo vgl. Mustaceum. 






Lava — 11 — Lectio 

Lava, die Lava, ist eiü N. L. Kunstwort von der aus feuer- 
speienden Bergen ausströmenden, heissen, flüssigen Masse. Man sage 
dafür: vulcauius torrens, amnis, oder wenn die Lava fest geworden, 
massa vulcanii amnis, torrentis durata. 

Lavacrum, das Bad, der Badeort, ist Sp. L. für den Plural 
balneae oder balnea; ebenso in der Bedeutung das Baden, für lavatio 
oder lotio. Vgl. Schulze Symm. S. 50, Rönsch It. S. 39, Gölzer 
Hieron. S. 91, Chruzander S. 39, Eegnier S. 166, Kubier Archiv VIII, 
196, Nestler S. 20. — Im christlichen Latein bedeutet lavacrum = 
Taufe, besonders im Volksmunde, vgl. Koffmane Kirchenlat, ö. 21, 
Watson S. 264. 

Lavari. Nicht anwendbar ist für uns statt pueri hup aber es, 
Meine Kinder, die nur bei Dichtern vorkommende Redensart: qui 
nondum aere lavantar, was nur poetisch und von Kindern unter 4 
Jahren gesagt wurde, welche die öffentlichen Badeanstalten frei hatten, 
während ältere Kiuder und Erwachsene zahlen mussten. — KL ge- 
brauchte man für baden, sich baden nur die mediale Form lavari, 
was auch in der silbernen Latinität vorkommt. Daneben wird aber 
vor- und nachklass. auch lavare gesagt, z. B. Plaut. Bacch. 105 eamus 
hinc intro, at laves, vgl. Archiv X S. 7. — Der Ort, wo man badet, 
verlangt in mit Ablativ, die Art des Bades: kaltes, warmes Bad 
nehmen wird durch den blossen Ablativ ausgedrückt: lavari frigida, 
aqua calida. Vgl. Lorenz zu Plaut. Most. 157 und Meissner zu Ter. 
Andr. 483, sowie Riemann etudes S. 202. — Von den 3 Partizipien 
lautas, lotus und lavatus ist lautas von Plaut, bis Cic. ausschliesslich 
herrschend; weil lautas auch Adj. war, wagte man lavatus, mit 
wenig Erfolg; so trat das vulgäre Iotas ein, das im silb. Latein sich 
öfters findet; näheres bei Neue-Wagener 3 III S. 536, Hey Semas. 
Stud. S. 143. 

Laxamen, die Linderung, Erleichterung ', ist N. L. für laxamen- 
tum; Phrasen mit laxamentum sind besonders bei Livius üblich, vgl. 
M. Müller zu Liv. 2, S. 152; vgl. aber auch Cic. Cluent. 89, Treb. 
bei Cic. fam. 12, 16, 3. 

Laxativus, lindernd, mildernd, auflösend, ist Sp. L. für laxans, 
laxandi virn habens; alvum solvens, resolvens, movens. 

Lectare, lesen, ist kein lat. Wort. Die Scholiasten Porph. und 
Cruq. wollten dasselbe in dem Verse des Horaz (serm. 1, 6, 122) 
finden, wo aber lecto, wie das damit verbundene scripto, Ablat. des 
Part, ist; vgl. Schütz u. Pritzsche z. 8t. 

Lectica ist nicht unser Traf/s tu hl, worin man sitzend fortge- 
tragen wird, welcher sella gestatofia heisst, sondern eine Sänfte, in 
welcher die Alten lagen. Dir Träger der Sänfte heissen lecticarii, 
vgl. Scrv. bei Cic. fam. 4, 12, 3, Petron ( .)(>. 

Lectio bedeutet im bessern Latein nur aktiv das Sammeln, Zu- 
sammenlesen und das Lesen von etwa- Geschriebenem; im N. L. 
alter hat es einige andere Bedeutungen erhalten. Man braucht 
nämlich 1) für Vorlesung über einen Gegenstand, /. B. lectio de 



Lector — 12 — Lectura 

antiquitatibus Romanorum, de historia antiqua, de Homero, de Pan- 
dectis, de anatomia u. dg]., für schola; z. B. eine Vorlesung halten, 
scholam habere, nicht lectionem; jemandes Vorlesung besuchen, ad 
uJicuius scholam (scholas) venire. — Das Verbum legere und prae- 
legere in der Bedeutung lesen, d. h. Vorlesung halten über etwas, 
kommt zwar vor, aber N. L. ist legere de aliqua re, über einen 
Gegenstand eine Vorlesung halten, z. B. wie oben: de antiquitatibus 
Romanorum u. s. w., für scholam habere de aliqua re, tradere aliquam 
disciplinam, artem u. dgl. Auch sagt man nicht lectionem aperire, 
eine Vorlesung eröffnen, sondern scholam aperire, docendi oder 
scholam habendi initium facere. — Richtig ist aber legere, wenn der 
Name eines Schriftstellers im Accus, dazu tritt, z. B. legere Vergilium, 
was, wenn es von einem Lehrer in einer Schule gesagt wird, be- 
deutet: eine Vorlesung über Vergil halten, ihn erklären; aber nicht 
legere de Vergilio. Vgl. Fraelegere. — 2) braucht man es auch in 
der Bedeutung die (verschiedene, abweichende) Lesart in einer 
Schrift, und dafür ist es heutzutage in der Kritik Kunstausdruck. 
Es wird dies für unlateinisch erklärt, und Reisig (Vorlesungen S. 138) 
nennt es eine Erfindung neuerer Notenschreiber; jedoch finde ich 
diese Bedeutung bei Isidor (origin. 1, 20, 3): obelus apponitur, tibi 
lectio aliqua (irgend eine Lesart) falsitate notata est; vgl. Hagen zu 
Reisig-Haase Anm. 87 f., der für lectio — Text, Schriftstelle Macrob. 
sat. 7, 7 u. Cod. Just. 6, 61, 5 zitiert. Andere wollen dafür scrip- 
tnra oder scrip)tio, welche aber in dieser Bedeutung ebenfalls neu 
sind, so dass lectio als Kunstwort giltig bleiben wird und nicht zu 
verwerfen ist. Doch hüte man sich vor reeta lectio, die richtige 
Lesart; dies kann nur vera lectio heissen; vgl. C. F. W. Müller zu 
Cic. off. 3, 74 über verus. — N. L. endlich ist lectio in der Be- 
deutung: das zum Lernen aufgegebene Stück, z. B. lectionem discit, 
facit, recitat. Man brauche dafür pensum oder wähle eine Um- 
schreibung. 

Lector in der Bedeutung Leser wird von Cicero nicht gerne 
gebraucht; es steht z. B. fam. 5, 12, 4 nur der Abwechslung halber, 
da animos hominum in legendo vorausgeht; auch Livius sagt praef. 
4 legentes, während Nepos zuerst wohl ohne Not nach lector griff 
(so Wölfflin brieflich). — In der Bedeutung Vorleser ist es neben reci- 
tator, Cic. Cluent. 141, gut und Kl, z. B. bei Cic. de orat. 2, 223, 
da ja auch legere — vorlesen und lectio — das Vorlesen bedeutete, 
gleich recitare, recitatio, recitator. Vgl. für legere — vorlesen Boot 
u. Hofmann zu Cic. Att. 1, 16, 8, Madvig zu Cic. fin. S. 29; für lector 
= Vorleser hat 0. Jahn im Hermes II S. 420, Anm. 7 Stellen aus 
dem N. Kl. Latein angegeben, z. B. Suet. Aug. 78, Plin. ep. 1, 15, 2 
u. 9, 17, 3 u. a. So ist denn lector das echt latein. Wort für das 
griechische anagnostes und hat über dieses auch im Kirchenlatein 
den Sieg davongetragen, vgl. Koffmane Kirchenlat. S. 26. 

Lectura ist als Substantiv in der Bedeutung Lektüre N. L. und 
muss durch legere oder lectio ausgedrückt werden; z. B. ich beschäftige 



Legalis — 13 — Legere 

mich mit griechischer Lektüre, in graecis legendis operam eonsumo 
(Cic. fin. 1, 1); um angenehmer Lektüre willen, legendi ei delectationü 
causa (Cic. de orat. 2, 341). Lectionem sine ulla delectatione neglego 
=. eine unerquickliche Lektüre, Cic. Tusc. 2, 7; tempora matiitina 
lectiunadis consumere, die Morgenstunden mit angenehmer Lektüre 
verbringen, Cic. fam. 7, 1, 1. — Das konkrete lectio ist erst Sp. L., 
z. B. Hieron. ep. 52, 7 sacra de manibus litis nunquam lectio depo- 
natur, vgl. Gölzer Hieron. S. 260. 

Legalis, gesetzlich, die Gesetze betreffend, findet sich erst N. Kl. 
und nur bei Quintilian, wo es ein rhetorisches Wort für einen Teil 
gerichtlicher Reden ist; — Sp, L. aber ist es in der Bedeutung den 
Gesetzen gemäss, rechtlich, gut, für legibus conveniens, seeundum 
legem, bonus, pius, sanetus u. dgl. Ebenso Sp. L. ist legäliter für 
legitime, lege, ex lege u. a. Nirgends aber kommt legalitas vor. Vgl. 
Gölzer Hieron. S. U8, Nestler S. 27. 

Legare aliquem ad aliquem, in aliquam terram heisst einen zu 
jememden eds Gesandten schicken, bestimmen, z. B. Sali. Jug. 21, 4, 
Cic. Yerr. 3, 114. Etwas anderes ist aliquem alicui legare — 
jemanden einem Magistrat als Gehilfen oder Stellvertreter in der 
Provinzialvemvaltung oder Kriegführung beigeben, oder alicui, alieuius 
esse legatum = diesen Posten bei jemanden bekleiden. Vgl. über den 
Genit. Suet. Galb. 3, Vell. 2, 11, 1, Liv. 38, 58, 8, Caes. civ. 
1, 8, 2, Cic. fam. 1, 9, 21, off. 3, 79. Über diese ganze Materie 
s. unter andern Hofmann und Boot zu Cic. Attic. 4, 2, 6. — Das 
Wort legatorius aber, welches die Lexica aus Cic. Att. 15, 9, 1 an- 
geben (legatoria provincia), ist zweifelhaft. Vgl. Baiter, Boot und 
Wesenberg z. St. 

Legere, lesen. Wenn man im modernen Latein gesagt hat codex 
legit, editio legit, Codices legunt = die Handschrift, Ausgabe hat die 
Lesart, so ist dies allerdings unlateinisch, aber nur deswegen, weil 
die damit angenommene Personification von codex oder editio für den 
Lateiner ein Unding ist. Allein wie man in diesem Sinne sagt: 
est in codice, habent Codices, so kann dafür auch das Pass. von 
legere gewählt werden. Sehr häufig ist dies bei dem Kirchenvater 
Augustin: in aliis codieibus non peccato, sed peccatis legit ur, c. lul. 
Pelag. 1, § 22; in Graeco non legitur nXeovsqca, sed (pekapfopia, in 
Ps. 118, Serm. 11, § 6; vox quia in nonnullis codieibus tatinis non 
legitur, Locut. de Genesi 1, 60 und 173; tertiu petitio est: fiat 
voluntas tua in caelo et in terra vel, quod in plerisque codieibus 
legitur, sicut in caelo et in terra, de dono persev. $ 6 inir. und 
noch öfter. So ist auch legitur bei einem Zitat nicht anlat., denn 
der genannte Kirchenvater sagt ja: de hac quippe vita legitur in libro 
lob: numquid non tentatio est vita humana super terratnf de prae- 
dest. sanet. 14, 26 g. Ende. Wenn ferner Meissner zu Cic. Cato 69 
bei den Worten ut scriptum rndeo, ich lese, bemerkt, dase lesen in 
diesem Sinne nicht durch lego wiederzugeben Bei, so isl auch die« 
nicht stichhaltig. Es steht nämlich scriptum < nicht nur im 



Legislator — 14 — Lentus 

Gegensatz; ego vero haec didici, haec vidi, haec scripta legi, Cic. 
Plane. 94, sondern auch für sich allein: legi etiam scriptum, esse 
avem quandam, quae . . Cic. nat. deor. 2, 124; at scriptum legimus, 
compunetum notis Thraeciis destricto gladio iubebat anteire, off. 
2, 25; cid magnificentissima dona, ut scriptum legimus, usque ad 
Numantiam misit, Deiot. 19. Scriptum legimus, Gallos in venatibus 
tinguere sagittas elleboro, Gell. 17, 5 g. E. Relatum legere steht 
gleichfalls so bei Nep. Praef. § 1 : cum relatum legent, quis musicam 
docuerit Epaminondam. Für scriptum legimus heisst es bei Cicero 
auch: de hoc homine scriptum aeeepimus mit Acc. c. inf., Tusc. 5, 
57. — N. L. ist legere in libro, in einem Buche lesen, d. h. ein 
Buch lesen, für librum legere; richtig ist diese Ausdrucks weise nur 
dann, wenn ein Objekt (was man darin liest) im Accusativ beigesetzt 
ist. — Über legere, lesen in der Bedeutung eine Vorlesung halten, 
vgl. Lectio, und über legere de charta, de folio — ; vom Papier, vom 
Blatte ablesen, vgl. Charta und Folium. 

Legislator; vgl. Bare. 

Legitimare, legitimieren, ist N. L. Ist legitimieren = beglaubigen, 
so ist fidem facere alicui rei zu sagen. Sich in irgend einer Eigen- 
schaft durch den Yorweis der betreffenden Bolutmente legitimieren, 
z. B. als Gesandten wird man ganz gut nach Hieron. opp. T. II, ed. 
Paris. S. 60 übersetzen können durch legatum se probare. So steht 
auch bei Suet. Claud. 16 g. E. opulentum se probare. Ist legiti- 
mieren endlich das, was bisher nicht als rechtlich oder gesetzm'dssig 
galt, für gesetzlich erklären, z. B. ein uneheliches Kind, so kann man 
etwa sagen: (nothum) legitimum declarare oder noch besser: legitimum 
natum pronuntiare. 

Legumentum, die Hülsenfrucht, findet sich nur zweimal Sp. L. 
bei Gellius für das Kl., N. Kl. und Sp. L. legumen; vgl. über dies 
in seinem kollektiven Gebrauch Gölzer Hieron. S. 298. 

Lenimen, die Linderung, ist nur P. L., und lenimentum kommt 
N. Kl. bei Yal. Max., Plinius mai. und Tacitus, sowie Sp. L., z. B. 
bei Oros. 4, 12, 8 und vielleicht Amm. 27, 3, 9, vgl. Novak Amin. 
8. 54, vor, für levamen, levamentum, levatio, mitigatio oder mit den 
Yerba lenire, levare, mitigare u. a. 

Lenitudo, die Milde, Sanftheit, steht jedenfalls nicht bei Cic. 
Quint. fr. 1, 1, 38 (wo lentitudinis gelesen wird); es findet sich nur 
einmal in Kl. Prosa bei Cicero (denn in Tusc. 5, 46 steht lenitudo 
orationis im Verse aus Pacuvius), Verr. 4, 136; Lambin und Grävius 
wollten dafür lentitudo, und C. F. W. Müller notiert: lentitiidine post 
alios mihi in mentem venit corrigere. Sji. L. findet es sich noch 
bei Amm. 18, 10, 4 u. 30, 8, 6 (aber 18, 5, 6 steht lentitudinis in- 
crepans), Aur. Vict. Caes. 16, 9 u. Lact. inst. 7, 10, 6. 

Lentus. Soll lediglich das Moment der langen Zeitdauer aus- 
gedrückt werden, so ist lateinisch dafür nur diuturnus, diutinus, 
longus und longinquus zu setzen, und lentus dafür zu wählen ist 
mit wenig Ausnahmen, z. B. Sen. epp. 70, 3: tranquillitaiis lentissi- 



Leo — 15 — Letum 

mae taedium = der Überdruss an der so lange dauernden Wind- 
stille sonst nur poet. Sprachgebrauch. Lentus hingegen bezeichnet 
das, was nicht plötzlich und auf einen Schlag, sondern allmählich 
und langsam seine Kraft und Wirkung an den Tag legt. Was wir 
also ein schleichendes Gift nennen, heisst lat. lentum venenum bei 
Tac. ann. 6, 32, Suet. Tib. 73; ebenso werden die lentae maxiUae des 
Kaisers Tiberius (Suet. Tib. 21) sehr gut durch langsam zermahlende 
Zahne wiedergegeben. So verhält es sich auch mit leuta remedia 
bei Curt. 3, 5, 13 und lentum mortis genas = langsame Todesari 
im Gegensatz zu mors subita celerisque, Suet. Caes. 87, sowie lentä 
poena, sed certa bei Oros. 7, 28, 3. Von Personen gesagt bedeutet 
lentus einen indolenten Menschen, z. B. Cic. Att. 1, 18, 4 nihil est Hin 
homine lentius, vgl. Boot z. St. 

Leo. Für unsere tropische Redensart: sie kämpften wie die 
Löiven muss lateinisch gesagt werden ferarum ritu pugnabant, indem 
(von dem dichterischen Gebrauch bei Petron abgesehen) leo erst in 
später Prosa bei Tertull. cor. mil. 1 und Sidon. ep. 5, 7 in praetoriis 
leones, in castris lepores, vgl. Otto in Wölfflins Archiv III S. 392, 
so vorkommt. — Die Löwin heisst erst bei Catull 60, 1 und Yavro 

1. lat. 5, 100 leaena; der national sich ausdrückende Lucrez sagt 5, 
1318 lea, Plaut, gar fr. 215 Winter femina leo. Cicero hat leaena 
auch angenommen, vgl. C. F. W. Müller de gloria fragm. 12, Riese 
zu Catull 60, 1, Süss S. 42, Saalfeld im tens. s. v. 

Lesbicus, Lesbisch, von der Insel Lesbos, ist eine nicht erweis- 
liche Form für das Kl. Lesbiacus, z. B. Cic. Tusc. 1, 77, oder das 
N. Kl. Lesbius, z. B. Plin. nat. 14, 74; doch ist Lesbius auch P. L., 
wie ausschliesslich es sind Lesbous und Lesbis, welches letztere wie 
auch Lesbias als Subst. die Lesbierin bedeutet. 

Lessus, das Klagegeschrei, ist nur A. L. für lamentatio oder 
lamenta im Plural; es kommt nur der Accus. Sing, vor bei Cic. leg. 

2, 59 in einem Fragment der XII tabb. midieres genas ne radunto 
neve lessum funeris ergo habe?üo. Bei Plaut. Truc. 731 hat man es 
aufgegeben, vgl. Fr. Scholl z. St. 

Letalis, tötlich, ist P., in Prosa finden wir es N. Kl. bei Plin. 
mai. u. Suet. Caes. 82, und /SJp. L. (Commodian A. 887, 1018, Aug. 
serm. 351, 5, Greg. M. epp. 9, 110, öfter auch bei Apul. und Paneg.), 
für mortifer (Cic. div. 1, 63 morbus mortifer u. a.). Noch mehr /'.. 
ausser bei Columella, ist letifer. Bei Livius 8, 18, 7 haue Weissen« 
born früher letalia (wie auch Hertz) aufgenommen, jetzt aber ist von 
ihm das von Madvig Einend. Liv. S. 29 ans Codd. entlehnte alia in 
den Text gesetzt. Nur bei Amin, stellt letabilis 19, 4, 7. 

Letum, der Tod, ist mehr P. als prosaisch, jedoch finde! es Bich 
auch bei Cicero für mors, vgl. Boot zu Cic. Att. 10, 10, .">, nach P, 
Meyer Progr. Hol" S. :> nur da, wo Cic. es seinen Quellen entnahm, 
am meisten wohl in feierlicher Keile, wi(^ in dem Sehw uro hei lavins 

22, ö:;, 11, und in Formeln, z. B. der alten Formel hei Ankündigung 
eines Leichenbegängnisses ollus Qairis leto <i<iins, vgl. Thielmann 



Leuctra. — 16 — Levigare 

Dare S. 122. Ohne diesen Grund Liv. 1, 51, 9; 2, 40, 10; 31, 18, 
7 und Nep. de reg. c. 3, vgl. Lupus S. 213. 

Leuctra, der Flecken in Boeotien, kommt nie als Sing, nach 
Deck I, sondern nur als Plural nach Deck II vor. Ganz vereinzelt 
ist Leuctrae, arum bei Solin. 7, 7, vgl. Neue- Wagener 3 I S. 714. 

Levare, erleichtern, erträglich machen ist gut, z. B. annonam, 
Cic. Mik 72, calamitatem, Cic. S. Rose. 7, luctum, Cic. Phil. 9, 12, 
sumptum levare, Plin. epp. 10, 52, 2 und inopiam multum levare, 
Caes. civ. 3, 48, 1. Levare aliquem aliqua re bedeutet sowohl 
jemanden etivas erleichtern, als jemanden von etwas befreien; im 
erstem Sinne steht es bei Cic. fam. 16, 9, 2: quae (litterae) me 
molestia valde levarunt, utinam omnino liberassent, dagegen in der 
andern Bedeutung: haec sieubi facta sunt, facta sunt, ut homines 
ptopidares supplicio aut exsilio levarentur, Cic. Verr. 5, 13. Immer- 
hin aber deckt sich levare und liberare nicht, wie neben Cic. fam. 
16, 9, 2 noch Cic. Att. 6, 2, 4 his ego duobus generibus facultatem 
ad se aere alieno liberandas aut levandas dedi zeigt. Ygl. Seyffert 
z. Laek S. 449. — Levare, in die Holte lieben, hat in Prosa zuerst 
wohl Livius, z. B. 21, 58, 8, vgl. Riemann et. S. 19, cruce levari 
gekreuzigt iverden, sagt Commod. A. 454, 457; unklassisch ist ferner 
se levare in dem allgemeinen Sinne von sich erheben, aufstehen, vgl. 
Colum. 9, 12 apis se confestim levat sublimius, öfters bei Dichtern, 
z. B. Ovid met. 2, 427 de caespite virgo se levat; doch ist beides 
lat. ; aber franz.-lat. wäre se levare = sich aus dem Bette erheben, 
aufstehen für surgere e lecto, e lectulo oder im Zusammenhange bloss 
surgere. Reflexives levare = se levare ist Sp. L. u. vielleicht nur 
in den Reichenauer Glossen zu finden, vgl. Rönsch Sem. III S. 56. 
— Endlich kann noch bemerkt werden, dass man lat. sowohl sagt 
levare alicui aliquid, z. B. metum, Cic. Tusc. 2, 59 als alieuius: 
levare calamitatem innocenüum, S. Rose. 7; doch levare aliquem 
ab aliqua re ist gegen Ciceros Sprachgebrauch, vgl. Seyffert z. Lael. 
S. 449; diese Konstruktion ist erst Sp. L., z. B. Commod. A. 314 
Adam levatur a morte. 

Levidensis, geringfügig, kommt in der bessern Prosa bei Cicero 
nur einmal vor (fam. 9, 12, 2): munusculum levidense crasso filo; 
erst ganz Sp. L. findet es sich wieder bei Isidor (orig. 19, 22, 19): 
(vestis dicitur) levidensis, quod raro filo sit leviterque densata; — 
und um dieser Stelle willen kann die Echtheit des Wortes kaum 
bezweifelt werden. Ygl. Stinner S. 17. 

Levigare, glätten, geht im guten Latein nie über die eigentliche 
Bedeutung hinaus; es bedeutet also nicht bildlich verbessern, ver- 
schönern (von der Rede), wie z. B. in Ulis libris levigandis et polien- 
dis, wo das letzte allein genügt hätte. Doch finden wir es so bei 
Diomedes, der levigare vetustatis horrorem 435, 26 und sonus illevi- 
gatue 500, 17, vgl. auch Paucker Diom. S. 23, schrieb, sowie bei 
Arnobius, welcher gerade von der Rede 56, 8 R compositionibus 
/hiere levigatis sagt. Die klass. Sprache kennt das Wort gar nicht; 



Leviusculus — 17 — Libens 

wenn daher auch Plinius nat. 13, 81 sagt scabritia chartae dente 
levigatur, so gebraucht Cicero doch nicht den Ausdruck levigata 
üharta, sondern dentata (Q. fr. 2, 15, G). 

Leviusculus, etwas leichter oder etwas glätter, findet sich nur 
in altern Ausgg. bei Plinius (ep. 1, 16, 5), jetzt aber ist es ohne 
Autorität. Vgl. Molliusoülus. 

Lex, das Gesetz, die Vorschrift, wurde nach Reisig-Haase-Heer- 
degen S. 30 ausser der juristischen Bedeutung wenig im allgemeinen 
Sinne gebraucht; nie z. B. von Gesetzen oder Vorschriften in einer 
Wissenschaft, wie in der Grammatik, wo die Alten nicht lege«, sondern 
praeeepta brauchen. Dies ist durchaus irrig. Über grammaüca lex 
vgl. Gell. 13, 20 (21), 22; über lex dialectica oder lex diseiplinae 
dialecticae ibid. 16, 2, 1; über citharae leges Tac. ann. 16, 4; über 
beneficii lex Sen. benef. 2, 10, 4; über lex opusciili, metri Plin. epp. 

4, 14, 5 und 8; über lex dicendi, sermonis Quintil. 8, Prooem. 2 und 

1, 5, 29 und c. 8, 14; über die Philosophie als lex vitae Cic. Tusc. 

2, 11 und 4, 62, Balb. 18, acad. 2, 23 und 27, Sen. epp. 108, 6 und 
benef. 1, 4, 2; über leges philosophiae und philosophorum Cic. Tusc. 5, 
19 und 108, ibid. 4, 7, Sen. epp. 94, 15; über leges historiae Cic. leg. 
1, 5, de or. 2, 62, fam. 5, 12, 3; über lex naturae, Sen. epp. 25, 4. 
— Über praescribere legem vgl. Praescribere, und über dare legen/. 
legis (legnm) dator und datio vgl. Dare. — Der Satz silent leges inter 
arma wird als eine perantiqiia sententia bei Heiricus (Traube Poet, 
lat. aev. Carol. III, 2 S. 429) zitiert, vgl. Weyman Archiv VIII 

5. 30; vgl. Cic. Mil. 11. 

Lexicon, das Wörterbuch, ist zwar erst im N. L. aus dem 
Griech. genommen, aber durch kein kurzes lateinisches, den Begriff 
erschöpfendes Wort zu ersetzen. Vgl. Dictionarium. — Man hüte 
sich aber, jedes Verzeichnis von andern Dingen, ausser von Wörtern, 
so zu nennen, indem z. B. ein Lexicon hominum eruditorum (ein 
Gelehrten- oder Schriftsteller -Wörterbuch), lexicon libroriim, editionum 
u. dgl. Undinge sind; — ebenso lexicon bibliographicum und ähnliche 
neue Namen. — Lexidion aber in derselben Bedeutung (wie H. 
Goldhagen ein lexidion graecolatinum schrieb) ist falsch, da das 
griech. Wort nur Wörtchen bedeutet, vgl. Gell. 18, 7, 3. 

Libatio hat nie konkrete Bedeutung = was ausgegossen wird, 
sondern bezeichnet das Ausgiessen des Weines selbst, also die Hand- 
lung, gleich dem Verbum libare; daher ist libationem effund 
z. B. inter effundendam libationem falsch für inter libationem oder 
libandum. 

Libellum, die kleine Schrift, ist N. L. für libeUus. über die 
Bedeutung von libellus vgl. Archiv VI S. 242. 

Libens (lubens), gern, aus freiem Anhieb, als Adr. zu brauchen, 
für libenter oder für den Ausdruck des Superl.: libentissimo 
nn mm (is), s. Caes. civ. 1, 15, 1, ist ohne alle Autorität ; gleichwohl 
findet man es im N. L., z. B. innumeri (für innumerdbiles) e1 
clarissimi viri lubens tatentur. 

K rebu-Sc L malz, Antibarbarua 11. 



Libenter — 18 — Libe 



rare 



Libenter (liibenter), gern. Jemanden gern haben ist carum 
habere aliqaem, sehr gern haben carissimnm habere, vgl. Cic. Phil. 
13, 1; Lig. 37, Phil. 10, 4; mehr Stellen bietet Thielmann in 
Wölfflins Archiv II S. 385. Libenter habere ist durchaus unge- 
bräuchlich, in welchem Zusammenhang es auch sei; dagegen kann 
man sagen libenter aadire, dare, commodare, cenare u. dg]., was alles 
Kl. sich findet. Wenn gerne = cpcXecv oder dem sallustischen amare 
(Sali. Jug. 34, 1) ist, so meidet man libenter und ersetzt es durch 
saepe, facile, plernmque, fere; hat es die Bedeutung mit Fleiss, so 
sagt man dedita opera, de industria. Auch das Adj. liibens steht 
sehr häufig, wo wir libenter erwarteten, z. B. Ter. Ad. 887 tibi 
liibens bene faxim, Curius bei Cic. fam. 7, 27 quo facilius te ad ver 
libentes videre possimus; vgl. Z. f. G. W. 1881, S. 138, Spengel zu 
Ter. Andr. 107, Stinner S. 32. — Dass libenter auch die Bedeutung 
„nach freiem Belieben, ungeniert u haben kann, hat Landgraf zu Cic. 
S. Rose. S. 197 gezeigt. 

Liber, das Buch. Die Redensart libris assidere, bei den 
Büchern sitzen, kann nicht nur im eigentlichen Sinne gebraucht 
werden, sondern auch in dem Sinne unseres fleissig studieren. 
Denn dies drückt Plinius (ep. 3, £, 19) auf ähnliche Art aus: litteris 
assidere. 

Liber, frei; — von etwas, in Prosa mit und ohne a; P. L., 
N. Kl. und Sp. L. mit dem Genitiv; vgl. Plaut. Amph. 105, Verg. 
Aen. 10, 154, Plin. pan. 36, Sulp. Sev. hist. sacr. 1, 4; näheres siehe 
bei Haustein S. 23, Obermeier S. 51, Lagergren S. 149, Hoppe Synt. 
Tert. S. 23. Nur selten wird es in Beziehung auf Amts- und Staats- 
geschäfte gebraucht, für vaeuus (Cic. Brut. 20), und von Abgaben 
und Kriegsdienst, also unser steuerfrei, wo immimis oder qui militia 
vacat gesagt wird; — dasselbe gilt für Freiheit; vgl. Libertas. Auch 
sagt man wohl nicht in dem Sinne von guter, edler Erziehung , li- 
bere educatus, sondern liberaliter educatus; vgl. Cic. Plane. 81. Da- 
her heissen freie Künste nicht liberae, sondern liberales, ingenuae 
artes, und Cicero spricht off. 1, 150 de artifiens et quaestibus, qui 
liberales habendi, qui sordidi sint. — Dass liber auch als Subst. für 
liber homo gebraucht wird, darüber vgl. die Nachweisungen Mahnes 
in Miscell. Latinit. I S. 70; ich verweise nur auf Cic. har. resp. 34, 
Yerr. 2, 58, Piso 57, Flacc. 97. 

Liberare wird von Cicero regelmässig mit dem Abi. verbunden, 
z. B. metu; eine Ausnahme findet sich nur Tim. 19 ab omni erra- 
tione eum liberavit, Att. 10, 15, 4 te a quartana liberatum gaudeo; 
bezüglich Marc. 13 vgl. C. F. W. Müller z. St. Die Stellen' mit ab 
bei Personen, z. B. div. Caec. 55 qui a Vettere se liberaverunt, und 
mit ex, z. B. Verr. 5, 23 multos ex his incommodis peeunia se libe- 
rasse sind anderer Art; jenes heisst sich von jemand losmachen, 
dies sich aus eitler Lage vermittelst einer Sache befreien, wo der 
Instrumentalis keinen Separativ ohne Präpos. neben sich duldet. Vgl. 
Boot zu Cic. Att. 10, 15, 4, Kühner Gramm. II S. 275. Die Kon- 






Liberatrix — 19 — Liberi 

struktion liberare de ist nur 8p. L., z. B. Tert. lud. 2 Noe deus de 
diliwio liberavit; vgl. Hoppe Synt. Tert. S. 34. 

Liberatrix, die Befreierin, Retterin, was Muret einigemal braucht, 
kommt nur auf einer Münze der nachklass. Sprachperiode und bei 
Eccl. (aber nicht bei Tert., Hieron., Cypr., Lactant.) vor, man sagt 
dafür besser servatrix. 

Liberi, die Kinder. Die Frage „ Was heisst ,die Kinder' ? u ist 
gründlich behandelt von Funck im Archiv VII S. 73 — 103. In Be- 
tracht kommen liberi, pueri, nati, filii, parvuli, infantes. Liberi 
wird gebraucht in Bezug auf die Eltern, pueri in Bezug auf das 
Lebensalter. Den pueri folgen im Alter die adulescentes, sie sind 
also noch Unerwachsene, weswegen auch für liberi gesagt werden 
kann pueri, wenn sie noch unerwachsen sind, nicht aber umgekehrt 
liberi für pueri. Ygl. Cic. Q. fr. 3, 9, 2, wo pueri nostri für filii oder 
liberi nostri steht. Pädagogen, die über Kinder er ziehunt) im all- 
gemeinen schreiben, dürfen daher ihre Bücher nicht betiteln: de li- 
beris rede instituendis (educandis), de liberorum educatione, sondern 
de pueris rede instituendis, de puerorum educatione, de pueris edu- 
candis. Wer aber von der Erziehung seiner Kinder schreibt und 
spricht, sagt de libe?~is meis recte institue?idis oder educandis. Doch 
gilt dies nur vom klass. Sprachgebrauch. Schon Varro (nach Gellius 

4, 19, 2) schrieb ein Buch Catus aut de liberis educandis; hier hat 
liberi bereits eine allgemeinere Bedeutung; im N. Kl. aber sagt 
man liberos educare (educere) unbedenklich von denen, welche 
andrer Leute Kinder auf- oder erzogen, vgl. Curtius 3, 3, 23 in his 
erant liberi regis et quae educebant eos, Quint. 1, 11, 17 praecepUt 
Chrysippi de liberorum educatione. Dies ist leicht erklärlich ; ge- 
rade der Begriff „Kinder" musste als ein täglich zum Ausdruck 
kommender in seinen mehrfachen Bezeichnungen vielen Wechsel 
erleiden. Hatte hier liberi sein Gebiet erweitert, so sehen wir um- 
gekehrt aus Dresseis schöner Darstellung S. 2, dass es im Sp. L. 
zurücktritt, wenn es auch nie ganz ausser Gebrauch kommt. Doch 
nicht sofort wird es durch infam (enfant) ersetzt; zunächst kommt 
filii an die Reihe, dann durch den Einfluss der Eccl. parvuli, und 
erst als die Abstammung von infans nicht mehr so lebhaft gefühlt 
wurde, tritt infantes für filii und parvuli in den Vordergrund. Nati 
ist selten im A. L., findet sich bei Cicero im Gegensatz zu parentes, 
z. B. Lael. 27 Caritas qtiae est inier natos et parentes, und gehör! 
dann zürn Wortschatz der daktylischen Poesie, welcher liberi sich 
nicht fügte. — Dass liberi auch von einem Kinde gesagt wurde, 
darüber habe ich ausführlich in Z. f. G.W. 1881, S. 121 gehandelt; 
ergänzt wird meine Darlegung durch Landgraf zu Cic. 8. R< 

5. 311 f.; vgl. auch Frohberger zu Lysias 1, 4. Liber Sohn ist 
sehr selten, vgl. Quint. deck 2, 8. — • Kinder von jemanden haben 
heisst liberos ex (nicht ab) aliquo (aliqua) habere, Caes. eiv. 3, L10, -\ 
Cic. Quinct. 1(>; anders steht es mit Cic. Pi§, 25, wo hohen 
verdanken haben ist; vgl. oben s. v. II<<l><rr. 



Liberias — 20 — Libido 

Liberias, die Freiheit, wird wie über, teils in 'politischem, teils 
in moralischem Sinne, teils in dem von Freimütigkeit gebraucht. — 
Alles mehr in löblichem Sinne ; aber nur selten bedeutet es Freiheit 
von Abgaben, welche immunitas heisst, — vom Dienste, welche vacatio 
muneris (publici), vacatio militiae genannt wird, und ebenso Alters- 
freiheit — vacatio aetatis (Cic. leg. 1, 10); oft sind auch copia und 
facultas statthafter. — ■ Erst Sp. L. hat es auch die eben angeführten 
Bedeutungen. — Der Plural libertates kommt nur bei Plautus, Tac. 
ann. 15, 55, vgl. Dräger z. St., und den spätem Juristen vor. — End- 
lich wo wir von einem Volke sagen: die deutsche, griechische, rö- 
mische Freiheit, übersetze man nicht libertas germanica u. s. w., 
sondern Germanorum, Graecorum, Romanorum, oder, wenn es der 
Sinn fordert, Germania, Graecia, Roma libera. 

Libertinus und libertus heissen beide der Freigelassene; aber 
libertinus kann nur in Bezug auf den Stand der Freigelassenen im 
Staate gebraucht werden, da sie eine eigene, zwischen den Freige- 
bornen (ingenui) und den Sklaven (servi) stehende Klasse bildeten; 
— libertus hingegen heisst der Freigelassene in Bezug -auf seinen 
Herrn. Der Name des Herrn steht alsdann im Genitiv dabei oder 
wird durch meus, tuus, suus u. s. w. angedeutet; z. B. mens libertus, 
nicht mens libertinus. Man sagt daher wohl mit Rücksicht auf den 
Stand : Tiro fuit libertinus, nicht libertus, aber mit Rücksicht auf 
den Herrn, der ihn freigelassen, Ciceronis libertus, nicht libertinus, 
und man kann nicht fragen: cuius est libertinus f sondern libertas. 
Fälschlich glaubt man, libertinus heisse nur der Sohn eines libertus. 
Vgl. Laur. Vallae Elegant. IV, 1. Wenn auch im N. Kl. und 
Sp. L. libertus für libertinus gebraucht wird, so wird doch umge- 
kehrt nie libertinus wie libertus mit Gen. verbunden, vgl. Chruzander 
8. 39. 

Libet (lubet), es beliebt, hat im Perf. libuit, in der Umgangs- 
sprache und so auch bei Cic. Tüll. 32 libitum est, vgl. noch leg. 2, 
69, de orat. 2, 348 u. Hellmuth act. Erl. I S. 120. Es findet sich 
nur mit dem Dativ oder absolut, wozu oft noch ein Infinitiv tritt, 
z. B. mihi libet exclamare; die Konstruktion mit dem Accus., welche 
Pareus als eine syntaxis insolens bezeichnet, ist jetzt im A. L. nicht 
mehr zu erweisen, da Götz bei Plaut. Merc. 128 labet scire ex hoc 
und nicht mehr lubet me scire liest. Vgl. Götz z. St. Aber im 
Sp. L. lesen wir bei Coripp pr. 3 scribere me libuit magnum per 
bella Iohannem, vgl. Appel S. 50. — Der Gebrauch des Plurals : 
quae cuique libuissent bei Suet. Caes. 20 ist wie bei licet (s. z. B. 
Sen. ad Polyb. 7, 2) nur A. L. und iV. Kl. Bei Sali. Cat. 51, 9 lese 
ich gegen Jordan mit der besten Überlieferung quae victoribus collu- 
buissent; somit wird auch bei Suet. Caes. 20 die Überlieferung nicht 
mit Madvig anzutasten sein. Vgl. Bagge S. 32. 

Libido ist nach C. F.W. Müller zu Cic. off. S. 12 der Mangel 
an Selbstbeherrschung den Leidenschaften gegenüber; selten ist es 
allgemein gleich cupiditas, wofür es Sallust braucht, vgl. Fabri zu Sali. 



Libitus — 21 — Licentia 

Jug. 40, 3, sondern meistens sinnliche Lust, Wollust, wie es denn 
im Plural fast nur diese Bedeutung hat. Es nimmt auch einen 
Genitiv zu sich, wie voluptatum, ulciscendi libido, Cic. Tusc. 3, 4 
und 3,, 11. 

Libitus (lubüus), Willkür, Neigung, ist ein sehr Sp. L. und sehr 
seltenes Wort, vgl. Stowasser Xen. Austr. S. 160; es hat sich im 
N. L. über Gebühr eingebürgert, besonders im Abi. mit und ohne 
pro — pro libitu, nach Lust und Liehe, willkürlich, oder mit ad — 
ad libitum in derselben Bedeutung. Nur Tacitus hat libitum als 
Subst. und nur im Plural libita, z. B. ann. 12, G adlibita Caesarum. 
Für libitu und pro libitu sage man urhitratu meo, tuo — ; ad ur- 
bitrhim meum — , und für ad libitum — ad libidinem, z. B. Cic. 
fin. 1, 19, ad arbitrium (sehr oft bei Cicero), ex libidine (Sali. Cat. 

Librare kommt bildlich in der Bedeutung abwägen, erwägen 
erst Sp. L., z. B. öfter bei Cyprian, vor für perpeiidere; und wie 
man im Sp. L. librare momenta meritorum findet, so sagte Hemsterh. 
(oratt. S. 9): librare momenta rerum, für perpeiidere momenta, was 
schon Cic. Mur. 3 und noch Amm. Marc. 22, 9, 9, sowie Arnob. 16G, 
16 R. hat. Bei Paneg. 10, 219, 11 omuia meritorum momenta per- 
pendit librat examinat sind drei Synonyma zusammengestellt, vgl. 
Chruzander S. 39. 

Librarius, in der bessern Prosa mit und ohne servus oder scriba, 
wird nur von den Bücherabschreiber n gebraucht. In der Bedeutung 
Bucliliüudler kommt es einmal N. Kl. bei Seneca ben. 7, 6, 1 und 
Sp. L. vor; der eigentlich technische Namen für Buchhändler ist 
biblio2)ola. Noch unpassender ist librarius in der Bedeutung Buch- 
drucker, In der Bedeutung von Buchhändler kann neben bibliopola, 
was N. Kl. schon Plin. epp. 9, 11, 2 steht, wohl auch librorum 
venditor gesetzt werden. — Libraria = Buchladen findet sich bei 
Gell. 5, 4, 1 u. 13, 30, 1, vgl. noch Rönsch Coli. phil. S. 197; libra- 
rium = Bibliothek bei Amm. 29, 2, 4. 

Libratio ist in der Bedeutung Schwingung, schwingende Be- 
wegung unerweislich für impetus, z. B. caeli (Cic. nat. deor. 2, 97). 

Librator, der Schleuderer, steht N. Kl., abgesehen von den In- 
schriften, nur bei Tacitus, aber hier in der Form libritor, vgl. Nipp. 
zu Tac. ann. 2, 20, neben funditor, von welchem es sich dadurch 
unterscheidet, dass bei libratores an Leute gedacht wird, welche mit 
der Hand Steine werfen, während es die funditores vermittelst der 
Schleuder tun. 

Licentia, die Freiheit, ist nicht nur die tadelnswerte Freiheit, 
sondern einem Freiheit, Erlaubnis geben, etwas m tun, hrisst neben 
alicui potestatem alieuius rei faeere oder facultatem dare, alieux <///- 
quid permittere, auch licentiam dare, •/>. B. nobis nostra Academia 
magnam licentiam dat, ut . . . Cic off. 8, 20. Pueris non omnem 
Imlcndi licentiam damus . . ibid. 1, l ().'{, wo omnem licentiam un- 
bedingte Freiheit ist. Poetische Lizenz ist bei Ciö. de or. ■!. I 



Licet — 22 — Licet 

poetarum licentia, bei Sen. nat. quaest. 2, 44, 1 bereits licentia poe- 
iica, ebenso bei Quint. 2, 4, 3 und so auch im Sp. L., z. B. Claud. 
Mam. 162, 18 E. Im Sp. L., z. B. bei Firm. Maternus, tritt der Be- 
griff der Willkür bei licentia ganz zurück oder verschwindet sogar, 
so dass eloquentiae potestas und orationis licentia sich geradezu 
decken; vgl. Dressel S. 23, für das Juristenlatein Kalb Roms Ju- 
risten S. 145. — So ist auch licens nicht nur ausgelassen, frech, mut- 
ivillig, sondern auch frei, uneingeschränkt, wie licentior dithyrambus 
bei Cic. de orat. 3, 185. Daher licenter und per licentiam unser 
ungeniert, s. Richter zu Cic. S. Rose. 26, welche Stelle übrigens kri- 
tisch sehr unsicher ist, vgl. Landgraf. Für unser modernes cum li- 
centia alicuius von einem mit obrigkeitlicher Gutheissung heraus- 
gegebenen Buche wird man besser sagen: liber editus permissu ali- 
cuius, nach Liv. 5, 48, 4. 

Licet, es ist erlaubt, wird entweder mit dem Accus, c. infin. 
konstruiert, z. B. : in quibus (locis) te habere nihil licet, Cic. Verr. 5, 
45 und das. die Bemerkung von E. Thomas, sowie Rück im Progr. 
München 1881, S. 51 zu Cic. dorn. 37 und 51, oder es kann nach 
licet mihi der blosse Infin. folgen. Das letztere ist das gewöhnlichste; 
deshalb will auch Novak Stud. Liv. S. 206 bei Liv. 42, 36, 6 ne- 
mirii (nicht neminem) eorum per Italiam ire liciturum schreiben. 
Wenn der Infin. von sum oder andern intransitiven Verben noch ein 
deklinierbares Prädikat bei sich hat, so steht auch dieses gewöhn- 
lich im Dativ: lieuit esse otioso Themistocli, Cic. Tusc. 1, 33; unus 
ex 2)atriciis, cid tribuno pl. fieri non liceret, Cic. har. resp. 44. Alle 
Beispiele dieser Konstruktion hat Lease im Archiv XI S. 21 zu- 
sammengestellt. Doch ist auch der Accus, klass., z. B. Cic. Balb. 
29 si elvi Romano licet esse Gaditanum. Bezieht sich licet auf eine 
allgemeine, durch ein Partizip bezeichnete Person, so ist in klass. 
Sprache der Accus, c. infin. notwendig: quare licet etiam mortalem 
esse animum iudicantem aeterna moliri, Cic. Tusc. 1, 91. Ganz selten 
ist Inf. mit Prädikativ ohne Dativ oder Acc, z. B. Cic. Lig. 18 liceat 
esse miseros, und prädikativer Dativ ohne vorausgehenden Dativ 
steht wohl bei Hör., Ov., Liv., aber nicht bei Cic. und Caes., z. B. 
Hör. sat. 1, 1, 19 atqui licet esse beatis. Näheres hierüber gibt 
Lease Archiv XI S. 23. — Die Bemerkung, dass nach licet der 
Infin. des Act. viel gebräuchlicher sei, als der des Pass., ist im all- 
gemeinen ganz richtig, erfordert jedoch eine etwas eingehendere Be- 
sprechung. Wird bei licet an eine tätige Person (mihi, tibi, nobis, 
Ciceroni, Themistocli u. s. w.) gedacht, so kann in dem davon ab- 
hängigen Satze in klass. Sprache nur der Infin. Act. stehen, z. B.: 
licet nemini contra patriam ducere exercitum, Cic. Phil. 13, 14; mea- 
met facta mihi dicere licet, Sali. Jug. 85, 24. Nicht verschieden da- 
von ist der (oft vorkommende) Fall, dass bei licet ein Dativ zwar 
nicht ausgedrückt, aber aus dem Zusammenhang hinzuzudenken ist, 
z. B. : liceretne extra ordinem in provocantem hostem pugnare? Liv. 
23, 47, 1 steht der Infin. des Act., weil der Fragende zunächst an 



Licet — 23 — Licet 

sich selbst denkt und der Sinn ist, ob er nicht etc.; miles damare 
et poscere, nt perculsis instare liceat (i. e. sibi), Liv. 2, 65, 2; vere- 
tur autem, ne non liceat teuere hereditatem, Cic. Att. 13, 48, 1. Wenn 
aber der von licet abhängige Infin. sich nicht auf ein wirkliches, be- 
stimmtes Subjekt, sondern auf eine allgemeine, dem Sprechenden 
bloss in Gedanken vorschwebende tätige Person bezieht, so steht auch 
in diesem Falle bei Cicero sehr häufig der Infin. Act., so nament- 
lich in den rhetorischen Schriften, z.B.: in admirabili genere causae 
. . principio benevolentiam comparare licebit, Cic. inv. 1, 21 und locos 
communes aut ex causa ipsa . . multos et graves saniere licebit, 
ibid. 2, 71 u. 74; 2, 29: et de natura licet aliquantum ducere suspi- 
cionis, ebenso bei Cic. de orat. 2, 45: licebit etiam laudationem or- 
nare; ebenso licebit concludere, top. 60; licet hoc videre, de orat. 3, 
99; licet idem exemplum convertere, top. 23; shdtitiam quamvis co- 
piose accusare licet, Tusc. 3, 73; si adulterum occidere licet, Quintil. 
5, 10, 88; hie subitam r er um commutationem videre lieuit, Caes. civ. 
3, 27, 1 und in castris Pompei videre lieuit . . ibid. 3, 96, 1. Hin- 
gegen folgt nach licet oft auch der Infin. Pass., sofern von jeder ivirk- 
lichen oder gedachten Person gänzlich abgesehen und alles Gewicht 
auf die betreffende Sache gelegt ivird: id primum in poetis cerni 
licet = die Wahrnehmung kayin cm den Dichtern gemacht iverden, 
Cic. de orat. 3, 27; nunc totum illud concludi sie licet, fin. 2, 104; 
idque cum multis rebus, tum e pontificio iure intellegi licet, Tusc. 1, 
27; sententias daci licebit, de orat. 2, 321; licebitne decerni libere? 
Attic. 14, 14, 4; hie cognosci lieuit, Caes. civ. 3, 28, 4; cuius ex 
epishdis intellegi licet, quam freque?is fuerit Piatonis auditor, orat. 
15; sescenta licet eiusdem modi proferri, divin. 2, 34; intellegi licet, 
rep. 1, 60; qua lege vel cito absolvi vel tarde condemnari licebat, 
Verr. 1, 26; ut legem ferri liceret, Sest. 74; haec nimis esse diver sa 
neque ullo modo coniuneta intellegi licet, orat. 202 ; quam (beneficien- 
tiam) eandem vel benignitatem vel liberalitatem appellari licet, off. 1, 

20. Aus dieser Grundanschauung, den Infin. Pass. nach licet dann 
zu setzen, wenn von jeder (wirklichen oder gedachten) Person ab- 
gesehen wird, ist es nun auch hervorgegangen, dass nach licet mir 
ganz seltenen Ausnahmen nur der Infin. Pass. gebräuchlich ist, wenn 
licet das bezeichnet, was gesetzlich, staatsrechtlich, nach besondern 
Verträgen, Statuten, religiösen Satzungen erlaubt oder unerlaubt ist: 
quid duos patricios creari non, liceret, Liv. 27, 34, 9; casu erat in 
eo portu fanum Dianae, cid vitulum immolari (aber Friedrich liest 
immolare) non licebat, Cic. inv. 2, 95; maledioere, <[uod tum Athenis 
fieri licebat, de orat. 3, 138; tute scripsisti ml me quoddam capui 
legis Clodium in curiae poste fixisse, ne refern neve dici liceret, 
Cic. Att. 3, 15, 6; evocari ex insula Cyprios non licet, ibid. -\ 

21, 6; aliis plebücitis cautum ur . . neu . . utique liceret <-<>nsti/es 
tiiiihos plebeios <reari, Liv. 7, 42, 2; cum c<> ventum n/7, ut utntnh 
que plebeium <<>n±t<l<i)i fieri liceret, ibid. 8, 12, 1(5; legem recitari 
iussit, qua intra <h'<<'»i anno* eundem conmlem refici >k>ii liceret, 



Licet — 24 — Licet 

ib. 10, 13, 8; quia plus quam unam ex patriciis creari non licebat, 
ib. 39, 32, 7 ; ut decreto gentis Manlianae neminem patricium Man- 
ila m Marcum vocari licet, sie . . Cic. Phil. 1, 32; caput rogationis 
(Clodianae) proponi scribis, quare in senatu dici nihil liceat, Attic. 

3, 12, 1; Catone et Domitio poshdante, ut apud magistratus inquiri 
liceret, Attic. 1, 16, 12; quamvis liceat absentis rationem haberi (Be- 
stimmung der lex Julia) bei Cic. epp. ad Brut. 1, 5, 3. Lata lex 
est . . ut omnibus fastis diebus legem ferri liceret, Sest. 33 ; cum 
sacratis legibus et duodeeim tabidis sanetum esset, ut ne cui Privi- 
legium irrogari liceret, . . . ibid. 65; consecuti dies pauci omnino 
Laituario mense, per quos senatum haberi liceret, ibid. 74; nunquam 
succedetur iis, nisi cum ea lege referetur, qua intercedi de provineiis 
non licebit, prov. cons. 17; legem ferri, intercedi Heere, ibid. 46; quid 
erat, cur ex ipso foedere Gaditanum in civitatem nostram reeipi non 
liceret f Balb. 35; cum more maiorum de servo in dominum ne tor- 
mentis quidem quaeri liceat, Cic. Deiot. 3; pupillum redimi non lice- 
bat, Yerr. 1, 148 vgl. mit 142; reeipi nomen absentis licet, ibid. 2, 
101 u. ibid. 2, 120; si Heere peeunias isto nomine capi iudicatis, 
ibid. 3, 219: Flaccus sanxit edicto, ne ex Äsia aurum exportari li- 
ceret, Flacc. 67; nee Hermas imponi licebat, leg. 2, 65; ab omni 
iudicio poenaque provocari Heere indicant duodeeim tabulae compluri- 
btis legibus, rep. 2, 54; in XII tabidis debitoris 'corpus inter credi- 
tores dividi lieuit, Quintil. 3, 6, 84; ut satis appareret, si sicagi liceret, 
vietam legem esse, Liv. 3, 11, 8; tot enim iam creari licebat, Liv. 

4, 16, 6. Im ganzen hat Cic. gegen 50 Beispiele des pass. Inf., 
aber mehr als 500 des akt. Inf.; Caes. hat nur civ. 3, 28, 4 pass. 
Inf., Liv. 8 pass. auf 123 akt. Inf.; näheres hierüber und über die 
Verbreitung der Konstruktion im N. Kl. u. im Sp. L. gibt Lease im 
Archiv XI S. 15. ff.; er meint, die Schulgrammatik könne nichts 
Besseres tun, als die Konstruktion mit pass. Inf. totzuschweigen. — 
Auch folgt nach licet oft der blosse Konj., s. Cic. Attic. 1, 16, 8 und 

5, 1, 4, inv. 1, 97, S. Rose. 49, Pis. 87; doch ist diese Konstruktion 
klass. nur nach licet und selten nach licebit üblich, vgl. Stegmann 
N. Jahrb. 1887 S. 259. — Licet ut ist nicht klass.; bei Cic. Mur. 8 
neque enim iam mihi licet neque est integrum, ut laborem non im- 
pertiam ist ut durch integrum est bedingt, wie Cic. Tusc. 5, 62 zeigt; 
Sp. L. findet sich vereinzelt licet ut, z. B. Paneg. 12, 289, 8 si per 
te liceret, ut cerner et, vgl. Chruzander S. 102. — Das Perf. von licet 
heisst lieuit, in der Umgangssprache auch licitum est; letzteres findet 
sich bei Cicero nur in den Erstlingsschriften und in den epp. Von 
licitum est hat man dann wieder licitum fuit gebildet, wie sich ja 
auch porta clausa fuit neben clausa est freilich in anderer Bedeutung 
findet; jedoch vulgär deckte sich licitum fuit mit licitum est, wie 
z. B. auch Plautus oblitus fui statt oblitus sum sagt. Näher habe 
ich mich hierüber Z. f. G.W. 1881 S. 95 ausgesprochen; für Liv., 
der nur 3, 50, 6 si licitum fuisset schreibt, sonst regelmässig si li- 
cuisset u. ä., vgl. Archiv X S. 59, dann Lease Archiv XI S. 10, 



Licet — 25 — Lignuni 

Wotke Wiener Stud. 1886 S. 130. — Der persönliche Gebrauch 
von licet ist P., N. Kl. und Sp. L., vgl. Iust. 8, 3, 12 quasi omnia 
ei licerent, vgl. Seck I S. 21 und oben zu Libet. 

Licet in der Bedeutung einer konzessiven Partikel bei Einleitung 
eines Nebensatzes: wenngleich, ungeachtet, gesetzt auch, zugegeben 
dass hat im bessern Latein nur den Konjunktiv des Praesens oder 
Perf. bei sich, den Konj. Imperf. oder Plusq. nur im b. Hisp. 16, 3, 
dann N. KL bei Dichtern wie luv. 13, 56, Mart. 5, 39, 8 u. Sp. L. 
bei Eccl. in Prosa; erst Sp. L. den Indikativ; vgl. Neue Jahrb. 1891 
S. 216. Fehlerhaft schreibt daher Mahne (Yita Wyttenb. 8. 1) : 
licet agnovi et habui. Zu verwerfen ist es auch, wenn licet wie ein 
Adverb mit einem Adj. oder Partiz. ohne Yerbum verbunden wird, 
wie quamquam, quamvis, etsi, da es seiner Natur nach als ein un- 
vollständiges Yerbum noch ein Yerbum fordert. Inkorrekt ist: haec 
via, licet (wiewolil) lubrica, tarnen — . Jedoch findet sich diese 
Konstruktion bei Prop. und Ovid, vereinzelt N. KL, häufiger im 
Sp. L. auch in Prosa, vgl. meine Synt. 3 § 182. Vgl. mehr in Hand 
Tursell. III S. 543—546, Sittl lok. Verschieden^ S. 134, wo licet mit 
Indikativ besonders aus der Africitas nachgewiesen ist, Koffmane 
Kirchenlat. I S. 132, Hassenstein S. 41, Ehrismann S. 62 f., West- 
hofF S. 35, Kalb Roms Juristen S. 5, Spandau S. 28, besonders Lease 
im Archiv XI S. 24 ff. 

Liceri, bieten; — auf ekvas mit dem Accus., z. B. libros, auf 
Bücher, vgl. Cic. Att. 12, 38, 4. Das Wieviel steht bei bestimmtem 
Preise im AbL, bei unbestimmtem im Genit. oder Abi. Dagegen 
bedeutet die aktive Form Heere, ausgeboten, feil, käuflich sein; der 
Preis steht dabei, wie bei liceri. Beispiele aus der Kl. Sprache sind 
für Heere und liceri mit Wertbestimmung höchst selten, z. B. Cic. 
Att. 12, 23, 3 de Drusi hortis, quanti tu licuisse scribis, id ecjo 
quoque audieram. 

Licite, auf erlaubte Weise, ist erst Sp. L. für iuste, honeste, 
legitime u. a., ebenso licito = mit Recht, wohl Analogiebildung nach 
merito, vgl. Lease im Archiv XI S. 9. Das Adj. licitus ist P. L., 
N. KL, z. B. bei Tac. ann. 15, 37, u. Sp. L.; sonst sagt man dafür 
honestus oder permissus, so z. B. honestae, permissae völuptates. 

Ligare, binden, zubinden, verbinden, ist kein A7. Wort; Cicero 
kennt auch nicht ligatus, was noch Nizolius zitiert; erst die aug. 
Dichter haben es eingeführt, von wo es in die N. Kl. Prosa über- 
ging; mit dem Accus, vulnus, eine Wunde, ist es nur P. L. für 
obligare oder allig are. 

Ligatura, das Band, ist sehr Sp. L. für das KL, vinculum und 
die N. KL ligamen und ligamentum, 

Lignuni, Holz, bezeichnet Holz als Stoff oder ein Stück Holz; 
der Plural wird notwendig, wo Holz Verbrauchsgegenstand (nämlich 
Brennheiz) ist, z. B. Caes. civ. 1, 84, l aquae, lignorum, frumenti 
inopia; Cic. Verr. 1, 69 ligna et sarmenta circuandare, Lii iN 

4 fimo bübulo pro lignis utuntur; vgl. Riemann etudes B 



Liguriuus — 26 — Linea 

Unser „Wasser in den Rhein tragen" kann nach Hör. sat. 1, 10, 34, 
vgl. Fritzsche z. St., durch l'igna in silvam ferre gegeben werden. 

Ligurinus, Ligurisch, aus Ligurien, ist nur P L. und selten 
für Ligusticus oder Ligustinus ; Cicero kennt nur Ligus, z. B. Sest. 
68 intercessit Ligiis iste nescio qui. 

Lilybaeus oder Lilybetus, Lilybäisch, ist P. L. für Lilybaetanus 
oder wie Nohl schreibt Lilybitanus, vgl. Nohl praef. zu Cic. Verr. 
S. VI. 

Linien, die Schiuelle, ist in der bildlichen Bedeutung Anfang, 
für initium, nicht nur P. L., sondern auch in N. Kl. Prosa nicht 
allzuselten, wie bei Tac. ann. 3, 74: in limine belli, vgl. darüber 
auch Plin. nat. 7, 143, Sen. epp. 22, 16; Sp. L. bei Lact. 6, 3, 6, 
Iust. 14, 3, 9, Ennod. 30, 4 in ipso limine vitae, ebenso 158, 8; 
449, 7 H. Ygl. auch Klotz Stil. S. 85. Man meide es und halte 
sich an initium. 

Limes ist nicht Grenze im allgemeinen Sinne, sondern nur eine 
bestimmte, durch einen Weg, Rain oder etwas Sonstiges bezeichnete 
Grenze; daher wird es auch nie von den natürlichen oder politischen 
Grenzen eines Landes gebraucht, für fines. Hingegen die befestigte 
Grenzlinie, der Grenzivall kann ganz richtig durch limes ausgedrückt 
werden. "Vorzugsweise P L. und selten steht es in bildlichem Sinne. 
Doch liest man bei Quintil. 9, 1, 3 qnaedam per quam tenui limite 
dividuntttr — werden nur durch eine überaus schwache Grenzlinie 
von einander geschieden, d. h. unterscheiden sich beinahe in nichts 
von einander. Verwerflich ist daher limitibus circumscribere in der 
bildlichen Bedeutung einschränken, für circumscribere allein, oder mit 
dem Abi. cancellis verbunden, oder coercere u. a. 

Limitare, die Grenze abstecken, begrenzen, wird fast nur auf 
Örter beschränkt und kommt selbst so selten vor; dagegen mehr 
limites ponere, terminis circumscribere u. a. Nur einmal steht limitare 
bildlich bei Varro r. r. 2, 2, 1 mit dem Accus, quaestionem in der 
Bedeutung bestimmen, für definire, determinare, finem praescribere 
u. a. — Das Adj. limitaneus aber, angrenzend, nahe liegend, ist 
Sp. L. für finitimus, confinis, vicinus u. a. 

Limpidus, hell, klar, ist in Prosa nur N. Kl. u. Sp. L. und 
selten, für clarus, purus, liquidus. Vgl. Landgraf in Z. f. ö. G. 
1882 S. 431. 

Linea ist in der Bedeutung Zeile bei etwas Geschriebenem oder 
Gedrucktem N. L. für versus, versiculus. Vgl. Cic. Att. 2, 16, 4. 
Im N. L. findet sich linea oft in dieser Bedeutung, z. B. vix sin- 
gulae textus lineae. — Sp. L. bei Juristen steht paterna, materna 
linea, von den Stämmen der Verwandtschaft, was wir väterliche, 
mütterliche Linie nennen, für genas paternum, genas matemum. — 
N. L. ist ferner linea aequinoctialis , die Äquinoktiallinie, für limes, 
circidus aequinoct. Auch merke man, dass in gerader Linie, z. B. 
sich senken, durch ferri ad lineam oder reeta linea (rectis lineis) aus- 
zudrücken ist; vgl. Cic. Tusc. 1, 40; fin. 1, 19. Gut ist auch 






Lingua — 27 — Litigator 

primas lineas ducere, velut primis lineis designare, mit einem von 
der Malerei entlehnten Bilde = die Skizze, den Qrundzug, ersten 
TJmriss von etwas entwerfen. S. Quintil. 2, 6, 2 u. 4, 2, 120. In 
erster Linie = am liebsten, z. B. in erster Linie, in zweiter etc. 
wünschen, heisst lat.: maxime, secundo, tertio loco. S. Cic. Caec. 23 
und fam. 1, 6, 1 und 2. 

Lingua bedeutet eigentlich die Zunge und meton. dann die 
Sprache. Versteht man aber unter Sprache das Sprachverm'ögen, so 
ist dies lat. nicht lingua, sondern loquendi facultas, s. Quintil. 10, 1, 
10. Für unser die Sprache iviederbehommen kann man darum lat. 
auch nicht sagen linguam recipere, sondern facultateni, asum loquendi 
oder linguae recipere, vgl. Amm. 17, 12, 10. Bekanntlich wird das 
Adj. dem Subst. nachgesetzt, wenn von einer einzelnen Sprache 
allein ohne Yergleichung mit einer andern die Rede ist. Soll indes 
der Name einer Sprache besonders betont werden (also besonders 
im ausgesprochenen oder gedachten Gegensatz gegen eine andere 
Sprache), so steht das Adj. voran: quod quidem Latina lingua sie 
observat, nemo ut . . Cic. orat. 150; so sagt Curtius von dem Perser- 
könig Darius: haud rudis Graecae linguae Dareus erat, 5, 11, 4 und 
§ 7: Bessus quamquam erat Graeci sermonis ignarus . . .; inter quos 
(captivos) erat quidam Graecae Fersicaeque linguae peritus, ibid. 5, 
4, 4; Graeca lingua loquentes, Nep. Milt. 3, 2; Graeca et Latina 
lingua, Yarr. r. r. 2, 1, 6; von dem Punier Hannibal berichtet 
Nepos: aliquot eius libri sunt Graeco sermone confecti. Die Be- 
sonderheit des sprachlichen Ausdrucks in Beziehung auf Satzbau, 
Ton und Aussprache etc., wie wir sagen: die Sprache verrät dich, 
ist Kl. nur sermo, z. B. Cic. off. 1, 111 sermone eo debemus uti, qui 
innatus est nobis, ferner sermo te prodit, Liv. 23, 34, 6 u. 31, 14, 
8. N. Kl. sagt Seneca freilich ntar enim historica lingua, nat. 
1, 13, 3 und: si philosophorum lingua uti voluissem, ib. 2, 2, 4. 

Lippus, einer, der ivehe, triefende Augen hat. Die sprichwört- 
liche Redensart lippis et tonsoribus notum est, vgl. Hör. sat. 1, 7, 2, 
wird von den Alten nie in Bezug auf gelehrte, sondern nur in Bezug 
auf gewöhnliche, dem Yolke bekannte Dinge gebraucht. Man wende sie 
daher nicht falsch an, und auch nicht wohl ohne den Zusatz ut aiunt. 

Liquide als Adv. ist Sp. L. Form für die Kl. liquido, z. B. 
Gell. 2, 21, 2, vgl. Gorges S. 37. Übrigens braucht Cicero liquido 
nur in den Erstlingsreden und in den Briefen — mit gutem ( 
wissen, z.B. Yerr. 3, 136; 4, 124, fam. 15, 6,1; 11, 27, 7; wir 
in vielen Dingen, stimmt er auch im Gebrauche von liquido um 
Terenz, vgl. Meissner und Spengel zu Ter. Andria 729, Böcke] iu 
Cic. epp. 56, 1. Liquidius steht Cic. flu. 2, 38, fam. 10, 10, 1. 

Liquidität, die Flüssigkeit, ist Sp. L. für liquor, humor. 

Litigatio und litigatus, der Streit, die Zänkerei, Biod - s '/'. />. Kur 
lis, iurgiuui, certatiOf concertatio. 

Litigator, der Zänker, üb! N. KL nur bei Plin. nat. praef. g 
und bei Lad. .'1, 8, 1 zu finden. In der Bedeutung Streiter vor 



Litigium — 28 — Litterarius 

Gericht, Prozessführender kommt es schon bei Cicero fam. 12, 30, 1, 
dann bei Quintilian, Sueton, Tacitus ann. 13, 42 u. PJin. pari. 80, sowie 
8p. L. bei Ammian und Symmach. vor, vgl. Schulze Symm. S. 11, 
Liesenberg I S. 5. Auch das Verb litigare ist Kl., vgl. Cic. rep. 4, 
8 iurgare lex putat (vetatf) inter se vicinos, non litigare. 

Litigium, Zank, Streit, ist nur A. und Sp. L. für lis, iurgium 
u. a., aber litigiosus Prozesskrämer ist klass., vgl. Cic. Plane. 82. 

Littera, der Bachstabe, hat im Plural (litterae, die Bachstaben) 
ein beigefügtes Zahlwort nur als Kardinalzahl bei sich, z. B. daae, 
tres, quattuor, es sei denn, dass der Sinn eine Distributivzahl ver- 
langte, vgl. hierüber s. v. terni; steht aber Utterae in der Bedeutung 
Brief (z. B. Caes. civ. 1, 40, 1 u. öfter, und Utterae venemnt a . . 
Cic. Attic. 13, 7, 1), so erhält es nur ein Distributivzahkuort, jedoch 
so, dass ein Brief unae, nicht singidae, zwei — binae, drei — trinae, 
nicht temae, vier — quaternae u. s. w. heisst. — Litterae Graecae, 
Latinac kann nicht geradezu für lingua Graeca — gebraucht werden, 
und falsch werden die Anfangsgründe der griechischen Sprache — 
rudimenta Graecar. litterarum genannt, wie es im N. L. geschieht. 
Sehr passend aber sagt Cicero einigemal (Tusc. 1, 1, fin. 1, 4) 
aliquid Latinis litteris ilhistrare, etwas ans Licht stellen, d. h. zu 
Ehren bringen, da hier an die Schrift, litterarische Darstellung ge- 
dacht wird. Sonst umfasst jener Ausdruck mehr, nämlich die ge- 
samte wissenschaftliche Kenntnis oder Litteratur eines Volkes, z. B. 
der Griechen — , ihre Sprache, Geschichte, Philosophie, Altertümer 
u. s. w., und so unterscheidet auch Livius (9, 36, 3) Etruscae litterae 
von lingua Etrusca. — Endlich heisst Buchstabe für Buchstabe, 
buchstäblich, nicht littercüiter, was TV. L. ist, sondern ad litteram, 
auch ad verbum. Der Buchstabe im Gegensatz von Geist, Sinn 
eines Gesetzes ist scriptum, litterae, verba legis, opp. sententia, Cic. 
inv. 2, 141. 

Litterarius kommt zuerst wohl bei Varro r. r. 3, 5, 10 ad tabu- 
lae litterariae speciem, dann N. Kl. beim altern Plinius, Quintilian, 
Sueton u. a. vor, aber hier nur mit ludus verbunden, von einer 
Schule, in welcher die Anfangsgründe alles Wissens, Lesen, Schreiben 
und Rechnen gelehrt, nicht aber höherer, wissenschaftlicher Unter- 
richt gegeben wird, dem ludus gladiatorius, einer Fechtschule, ent- 
gegengesetzt. Im Sp. L. ist das Wort sehr üblich, vgl. Schulze 
Symm. S. 62; erst hier findet sich litterarius auch mit andern Sub- 
stantiven verbunden, z. B. magister, munus u. a. Ebenso ist litte- 
rarius im N. L. sehr gebräuchlich; wir sprechen von res litteraria 
und labor litterarius, respublica litteraria, civitas litteraria, libri litte- 
rarii u. a. mehr. Dies ist durchaus zu meiden, da es nicht an echt- 
lat. Sprachmitteln zur Bezeichnung der genannten Ausdrücke mangelt; 
man übersetze z. B. die gelehrte, litterärische Müsse durch otium 
litteratum (nach Cic. Tusc. 5, 105 quid est enim dulcius otio litteratof), 
und für labores litterarii, litterärische, gelehrte Arbeiten (wo ohnehin 
labores Sp. L. ist), sage man studia oder litterae, wie bei Cicero 



Litterator — 29 — Litterio 

(fam. 15, 4, 12): omnis varietas litterarum mearum, alle meine 
mannigfaltigen gelehrten Arbeiten. 

Litterator kommt schon in klass. Zeit vor, aber nur bei Catull 
14, 9, vgl. Riese z. St.; N. Kl. bei Sueton und Spätem, aber in der 
Bedeutung Elementarlehrer, der nur Lesen und Schreiben lehrt. So- 
dann auch in dem Sinne von Sprachgelehrter, Grammatiker und (im 
Gegensatz von litteratus, litteras sciens, dem wissenschaftlich Gebil- 
deten, wirklichen Gelehrten) Halbwisser • vgl. Gellius 18, 9, 2, Suet. 
gramm. 4. Im N. L. hat es seine Bedeutung so erweitert und er- 
höht, dass man darunter nicht allein einen Bücherkenner, sondern 
sogar einen Altertumskenner versteht. Dies ist aber lat. ganz anders 
wiederzugeben, s. Georges s. v. Altertumskenner. 

Litteratura kommt zwar Kl. bei Cicero part. 26 vor, aber nur 
in der Bedeutung die Buchstabenschrift, das Schreiben, und prima 
litteratura, wofür später auch litteratura allein genügte, war nach 
Seneca (ep. 88, 20) die Unterweisung, per quam pueris elementa 
traduntur, also die ersten Anfangsgründe im Lesen und Schreiben. 
Erweitert, in dem Sinne von Sprachgelehrsamkeit überhaupt, braucht 
es Quintilian, z. B. 2, 1, 4 grammatice, quam in Latinum transferentes 
litteraturam vocaverunt, und so die Spätem, z. B. Diomedes. In der 
Bedeutung „Schriftentum" findet es sich vielleicht schon Yitruv 6, 
praef. 6, jedenfalls bei Tertullian, und bezieht sich hier wesentlich 
auf die heidnische Litteratur. Der klass. Ausdruck für Litteratur 
ist litterae, z. B. Cic. Brut. 78 Graecis litteris studere, griechisdie 
Litteratur studieren, treiben; ib. 125 damnum C. Gracchi interitu 
Latinae litterae (die lateinische Litteratur) fecerunt; Quintil. 10, 1, 
123 litterae Romanae paucissimos tulerunt, in der römischen Littera- 
tur kommen nur sehr ivenige vor. Ygl. Wölfflin Arch. Y S. 49 — 55. 

Litteratus wird oft bei Cicero von Personen gesagt, die gelehrt 
sind und gelehrte, ivissenschaftliche Studien treiben. Er legt es aber 
auch Tusc. 5, 105 dem otium, der freien, ungestörten Masse bei, 
wenn sie auf Wissenschaften verwendet und mit gelehrten Studien 
hingebracht wird. Vgl. das Wort litterarius. Und so kann auch 
wohl die vita und jeder Zeitabschnitt des Lebens, der von dieser 
Art ist, so genannt werden, wie denn auch Cicero wirklich ein 
solches Greisenalter senectutem litteratam nennt (Brut. 265). Aber 
litteratus labor ist nicht nachzuahmen, denn conünuatio litterati labo* 
ris findet sich erst bei Apul. Apol. S. 388 (Oudend.). 

Litterio steht nur Sp. L. bei Ammian 17, 11, 1 u. 28, 4, 14 
und bei August, ep. 118, 26, Migne 33, 444 und contra advers. leg, 
1, 24, Migne 42, 635; an letzterer Stelle sagt Augustinus: legunt 
quippe isti littrrioues, sie enim potius quam litterati appellandi sunt, 
und Ammian nennt den Julian einen litterio graecus; vgl. Fisch 
S. 96 und 104. Das Wort ist offenbar von den Soldaten gebildet 
(Archiv XII S. 273) und kann im Spott naebgebranoht, aber ein 
Grammatiker kann im Ernste nicht so genannt werden, önl isl 
semidoctus. 



Litoreus — 30 — Locus 

Litoreus, das Ufer betreffend, ist nur P. L. und Sp. L. bei 
Ammian für das N. Kl. littorälis oder noch besser mit dem Sub- 
stantiv littus. 

Litus ist Meer- und Seeufer, Gestade; ripa ist Flussufer; ora, 
die Küste mit Inbegriff des Landes am Meere; daher heissen Küsten- 
länder — orae maritimae oder maritima (seil, loca), nicht litora. 

Liturare, etwas Geschriebenes ausstreichen, ist sehr Sp. L. bei 
Sidon. ep. 9, 3 für lituram facere, delere, aliquid (z. B. nomen) in- 
ducere. 

Livere ist in der Bedeutung beneiden ebenso wie livor, Neid, 
und wohl auch lividus, neidisch, der KL Sprache abzusprechen (C. 
F. W. Müller liest Cic. Tusc. 4, 28 malivoli [et lividi]). Jedoch 
braucht Tac. livere z. B. ann. 13, 42 livere iis qai, vgl. Nipp. z. St., 
lividus haben beide Sen., livor sogar schon D. Brutus bei Cic. fam. 
11, 10, 1, dann Plinius min., Tac, Suet., vgl. Gebhard S. 7, Bagge 
S. 33, Flach zu Martial 1, 40, 2. Alle diese Wörter eignen sich 
mehr für poetische Diktion, man hält sich besser an invidere, invidus 
und invidia. 

Localis, örtlich, ist sehr Sp. L. und entbehrlich, da locus in 
jeder Beziehung ausreicht, z. B. adverbia loci, bei Quintilian, für 
localia bei den späten Grammatikern ; ein örtliches Verdienst heisst 
meritum ex loco (Tacit. ann. 4, 14). 

Locare, stellen, setzen; — ivo, wohin wird nur durch in aliquo 
loco ausgedrückt, nicht durch in aliquem locam. Vgl. Collocare. 

Loculus steht in der Bedeutung Sarg N. KL bei Plin. nat. 7, 
75, sowie Sp. L. bei Iust. 39, 1, 6, locellus ligneus bei Eugipp. v. 
Sev. 43, für arca bei Liv. 40, 29, 3 und an andern Stellen. Andere 
wollen conditorium (nach Suet. Oct. 18). Vgl. Heraus Progr. Offen- 
bach 1899 S. 27. 

Locus, der Ort, die Stelle, hat im Plural loci und loca. Ist die 
Rede von der räumlichen Ausdehnung: (hier, Gegenden, so ist dafür 
der Plural loca das gewöhnlichste; doch kommt in dieser Bedeutung 
auch loci ohne Unterschied des Sinnes vor. S. Dietsch zu Sali. Jug. 
18, 4, Kritz ibid. c. 76, 1, Liv. 5, 35, 1 u. 24, 2, 10, und umgekehrt 
steht loca auch von Ämtern, Ehrenplätzen: ut patricii recuperarent 
duo consularia loca, Liv. 10, 15, 8 und quinque augarum loca, ib. 
c. 8, 3 u. 42, 34, 15. Hingegen steht von locus das Mascul. plur., 
wenn dabei Stellen in Büchern, philosophische Materien, Beweis- 
quellen, allgemeine Betrachtungen gemeint sind. Ist aber dafür auch 
loca nicht ohne Autorität, s. Horaz epp. 2, 1, 223, so darf doch in 
diesem Falle nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch der besten 
Prosaiker nur loci gesagt werden. S. Cic. fin. 1, 7 und sonst oft, 
Quintil. 1, 1, 36 u. 1, 4, 4. Man sage daher nicht: observationes 
in varia loca Ciceronis, Yergilii u. dgl.; nicht, wie Manutius (zu Cic. 
Q. fr. 3, 1): loca sunt in antiquorum scriptis. Vgl. auch Seyffert zu 
Cic. Lael. S. 325. — Kraner bemerkt zu Caes. Gall. 1, 26, 6, dass 
bei locus im uneig entlichen Sinne die Präposition gewöhnlich weg- 



Locus — 31 — Locus 

gelassen werde, besonders wenn ein Genitiv hinzutrete, also gewöhn- 
lich eodem loco esse, Livius 42, 37, 8, fratris loco esse, Cic. fam. 5, 
3, 1, criminis loco esse, ib. 7, 3, 0, loco vitii esse, Quintil. 6, 1, 7, 
virtutum loco esse, Sen. epp. 85, 25 und sonst oft, hostiwn loco esse, 
Liv. 2, 4, 7, parentis loco esse, Cic. divin. in Caec. 19, 61, eodem loco 
esse, Sen. de benef. 3, 8, 2 und 7, 14, 6. Dagegen wird in doch 
auch beigesetzt: in eodem loco esse, Liv. 37, 14, 5, vi liberum loco 
esse, Cic. de orat. 2, 200 und p. red. in sen. 35 und Plane. 28. 
Gewöhnlich sagt man auch bei habere, chicere, ponere, numerem 
aliqiiem aliqao loco (ohne m), z. B. : eodem loco habere quo, Cic. 
prov. cons. 41, eodem loco, hostis, hostium, obsidum loco habere, 
Caes. Gall. 1, 26, 6; 1, 42, 6; 7, 77, 3; civ. 1, 84, 2; 2, 25, 3; 

1, 74, 5; 3, 21, 5 u. c. 42, 5; ebenso loco sententiae habere, Quint. 
3, 7, 2 u. iustae uxoris loco habere Suet. Yesp. 3, und summo loco 
ponere, Quintil. 8, 6, 67, solacii loco ponere, Sen. n. q. 6, 2, 1, 
argumenti loco ponere, ib. 6, 6, 2, virtutis loco habere, Lact. 6, 17, 
15, victoriae loco ducere, b. Mex. 38, 2, nullo loco habere, Cic. leg. 

2, 12, eo loco ponere, Sen. de const. 3, 3, am /cum eodem loco habere, 
quo . . . Sen. epp. 95, 63 und servatoris loco aliquem numerare, Sen. 
de benef. 2, 21, 2. Dagegen seltener mit in: in mercedis poüus quam 
beneficii loco numerare, Cic. fam. 2, 6, 1, cur eos habes in loco patrm 7 
Phil. 2, 98 und in liberum loco habere, Verr. 1, 40 und in beneficii loco 
ponere, fam. 15, 4, 12, in hostium loco habere, Caes. civ. 2, 25, 6 
und in uxoris loco habere, Ter. Heaut. 104; in parentis aliquem loco 
colere, Cic. Brut. 1, vgl. Frese S. 44 f. Noch merke man, dass für 
unser deutsches: es ist am Platze, es ist am Orte um . . . auch 
lateinisch gesagt wird: locus est, ut . . . s. Cic. S. Kose. 33, vgl. 
dazu Landgraf, und Tusc. 4, 1. — Das deutsche an die rechte, gehörige 
Stelle kommen heisst lat. einfach ad locum venire, Cic. fam. 5, 12, 2; 
am rechten Orte ist loco oder in loco, wie: etsi posuisti loco versus 
Accianos, Cic. fam. 9, 16, 4 und epistulae offendunt non loco redditae, 
ib. 11, 16, 1, und in loco bei Terent. und Hör., aber auch bei Cic. 
Verr. 5, 37, wie Landgraf zu Reisig-Haase Anm. 566 richtig gegen 
Dräger H. Synt. § 222, B, b erinnert. — Ad id locorum = ad id 
tempus ist bei Livius nicht selten, s. Fabri zu 22, 38, 12; dies 
findet sich auch bei Sali. Jug. 63, 6 u. 73, 2, inte reu loci dagegen 
ist nur A. L. bei Plaut, und Ter.; vgl. Landgraf zu Reisig-Haase 
S. 568 Anm. 530; aber eodem loci hat auch Cic. Att. 1, IM, 5, e<> 
hei Sest. 68, quo loci div. 2, 135, vgl. Landgraf 1. 1. S. 575, 
Kalb Roms Juristen S. 134 (der aus Ulpian noch ul'muo loci, <<li<> 
loci, certo loci zitiert), Leipold S. 5, Praun S. 90, Müller Apoll. Sid. 
S. 57. — Falsch ist in loco, auf der Stelle, in der Bedeutung sogleich, 
augenblicklich, für ilico, extemplo, e vestigio u. a, — Ist für unser 
deutsches: Leute uns vornehmen, adeligen, unbekannten u. dgl. 
Häusern oder Geschlechtern, bei loco oder genere natum esse, der 
Singular oder der Plural anzuwenden? Der Plural hat nur \ 
klassische Autorität: Num quid aliud fecii nisi quod suinmis gnati 



Locutio — 32 — Longe 

generibusf Plaut. Mosteil. 1141. Sonst ist der Singular wie bei 
aequo animo und wohl aus dem gleichen Grunde das gewöhnliche: 
Quid illas bono genere natos . . . opinamini animi habuisse, Cato bei 
Gell. 10, 3, 17, Q. Cic. de pet. consul. 2, 7, Yerr. 5, 167 u. 180, 
Catil. 4, 16, Rab. Post. 26, rep. 1, 51 u. 2, 12, fam. 2, 18, 2, Liv. 

2, 3, 2, Yal. Max. 3, 4, 1 u. 8, 1, 13 Absol., Plin. epp. 8, 6, 16. 

Locutio ist, wie Quintilian 1, 5, 2 bemerkt, in der Bedeutung 
ein einzelnes Wort erst A T . KL; man brauche, sagt er, für das viel- 
deutige Wort verbum auch vox, dictio und locutio, was er zu miss- 
billigen scheint; auch braucht er es selbst nicht für verbum. Man 
halte sich an verbum und vocabxdum, auch wohl an vox. Aber in 
der Bedeutung Redensart ist locutio wohl zulässig neben dem griechi- 
schen phrasis, welches dafür grammatisches Kunstwort ist. — Un- 
nötig aber sagt man locutio proverbialis, eine sprichwörtliche Redens- 
art, für das einfache proverbium. 

Logodaedalus, ein Wortkünstler, kommt erst im N. L. vor, ist 
aber unnötig aus dem Griechischen genommen, für verborum artifex, 
architectus verborum (Cic. Brut. 118), ebenso logomachia, der Wort- 
streit, für verbi oder verborum discordia oder dissensio, verbi contro- 
versia (Cic. de orat. 1, 107). Aber logodaedalia ist Sp. L. bei 
Ausonius S. 167 P. — Das Wort logus kommt in der Bedeutung 
Wort, leeres Wort, Witz, Scherzrede nur A. L. bei Plautus und 
Terentius (Phorm. 493) und = die Fabel, bei Seneca (ad Polyb. 8, 

3, ed. Haase) vor. 

Londinum, die Stadt London, ist N. L. Form für Londinium, 
wie Tacitus (ann. 14, 33) u. a. diese Stadt nennen. Ebenso sagt 
man Londiniensis, nicht Londinensis, wie heutzutage geschrieben 
wird. 

Longaevus, hochbejahrt, ist P. L. und Sp. L., z. B. bei Ammian, 
Arnob., Hieron., Symmachus, Cyprian u. a., vgl. Schulze Symm. S. 
119 u. Gölzer Hieron. S. 114, für senex, aetate provectus, grandis 
natu u. a. Longaevitas, das hohe Alter, das lange Leben, für senec- 
tus oder longa vita findet sich nur Sp. L. bei Hieronymus, Enno- 
dius, Ambros., Macrobius u. a., vgl. Gölzer Hieron. S. 134, Rönsch 
Coli. phil. S. 59. 

Longanimitas, die Langmut, für moderatio, patientia, lentitudo, 
animus mitis, lenis, iniariarum tolerans, — ebenso longanimis, lang- 
mutig, für lenis, mitis, clemens, facilis, lentus ist nur Sp. L., vgl. 
Gölzer Hieron. S. 134, Paucker Beitr. S. 648, Wölfflin Freising. 
Ital. S. 9. 

Longe. Dieses Adverb wird am häufigsten von der Länge, 
Weite im Raum gebraucht: ab eo oppido non longe funum est Iuno- 
nis antiquum, Cic. Verr. 4, 103; Rhenum transierunt non longe a 
muri, quo Rhenus infinit, Caes. Gall. 4, 1, 1. Von der Zeit wird 
lange nur in Verbindungen mit ife^wörtern, wie tempas, anmts, dies, 
triduum u. dgl. angewendet, z. B.: longius anno remanere uno in 
loco, Caes. Gall. 4, 1, 7, vgl. dazu Held und Kraner; daturum se 



Longe — 33 — Longe 

operam, ne longius triduo a castris absit, ib. 7, ü, 2; demonstrat se 
exigne Hierum XXX habere frumentum, seil panllo etiam longius 
tolerari posse parcendo, 7, 71, 4; neque longius quam dictum esset, 
debere (eos) passus est, Nep. Attic. 2, 4, vgl. dazu Nipp. -Lupus; bei 
longius kann das Vergleichungswort auch weggelassen und aus dem 
Zusammenhange einfach ergänzt werden: vitam hominis longius 
producere == dem Leben eines Mannes eine längere Dauer zur 
schreiben, Cic. Brut. 60; neque urbem ab insidiis private Gonsilio 
longius tneri poterat = als bisher. Sali. Cat. 29, 1, vgl. dazu Fabri; 
solche Zeitwörter sind auch ante und post, indem selbst Cic. (Tusc. 
3, 29) sagt: quae venientia longe ante videris, aber gewöhnlicher 
sind dafür die Ausdrücke multo ante, multo post, oder longis tem- 
poribus ante und post, wie Cicero (rep. 2, 59) sagt: non longis 
temporibus ante, für non multo oder paullo ante. Schliesslich finden 
wir temporales longe bei Dichtern u. A T . KL, sowie Sj)- L. auch ohne 
obige Voraussetzungen, z. B. Hör. od. 2, 20, 4 neque morabor longius, 
vielleicht auch Verg. Aen. 5, 406; 10, 317, Juvenal 7, 41 (vgl. 
Hosius Berl. Ph. Woch. 1903 S. 1449), Quint. 1, 1, 14, Gell. 17, 
21, 47. — Longe verstärkt auch, wie multo, aber nur bei Adjektiven 
und Verben der Entfernung, der Verschiedenheit und des Vorzugs; 
z. B. longe alius, diversns, dissimilis; longe abesse, abliorrere, dissen- 
tire, praestare, antecellere u. a.; beim Adverb aliter konkurriert multo 
mit longe, doch ist longe aliter vorzuziehen und allein klass.; der 
Thes. kennt für midto aliter nur Ter. Andr. 4, Varro r. r. 2, 3, 6 
al., Nep. praef. 7 al., Hier. ep. 57, 7 al. In Verbindung mit dem 
Superlativ lasse man in der Schule nur longe gebrauchen; denn so 
schreibt Caesar immer, Cicero an den meisten Stellen, ebenso Livius, 
vgl. Wölfflin Komp. S. 38, Sali, freilich zieht das altertümliche multo 
vor, vgl. Kunze Sali. III, 1, 19, wie auch Varro nur multo gebraucht, 
vgl. Krumbiegel S. 17. Anders steht es beim Komparativ; hier dulde 
man nur multo. Longe mit regelmässigem Komparativ lesen wir 
zuerst bei Sallust 3, 48, 9 M. longe saevior, dann bei Voll., Val. Max., 
Curt., Sen. phil., Colum., Quint, und andern Autoren, die Stellen sehe 
man bei Wölfflin Komp. S. 40, Kunze Sali. III, 1, 19, Georges Vell. 
S. 34, Rauschning S. 50, Kottmann S. 6, Chruzander S. 72. Mit 
unregelmässigem oder eines entsprechenden Positivs ermangelndem 
Komparativ treffen wir longe schon im b. Alex. 46, 4, b. Hisp. 7, ">. 
dann bei Verg., Liv., Vell., Sen., z. B. longe melior Verg. Aen. • '. 
556, longe 8uperior b. Hisp. 7, 5, vgl. Köhler act. Erl. I S. 411 
Verstärkt wird longe durch angefügtes longeque, vgl. Hör. Bat L, *>. 
18 a volgo longe longeque remotos, Ovid met. 4, 325 longe longeque 
beatior, Cic. fin. 2, 68 longe l<>ngc>iuc plurimum tribuere lionrshift. 
Vgl. noch zum ganzen Thielmann Cornif. S. 67, Landgraf 8. K 
S. 201, Leipold S. 17. Selten ist die Nachstellung von longe, z. B, 
Liv. 8, 13, Kl id firmissimum longe Imperium est, vgl M. Müller 
Liv. 2, ii;. 2. — Sp. L. sind hnge divea, longe fortia, longe affirma 
laudare u.a. für valde, vgl. Wölfflin Archiv l, 192, wo hnge ui 

Krebs-Sr hinulz, Antibaiburus II. O 



Longitudo — 34 — Longus 

longe aeqitum aus Juristen nachgewiesen ist, vgl. noch Wölfflin 
Komp. S. 87, Leipold S. 18. — Sich tveit verbreiten in bildlichem 
Sinne heisst longe lateque fluere. Übrigens sagt man gleich gut longe 
und alte petere (repetere) aliquid, etwas iveit herholen. — Ygl. noch 
Hand Tursellin. III S. 551. 

Longitudo, die Lange, mit dem Genitiv temporis findet sich wohl 
nur, wenn es der brevitas temporis entgegensteht, s. Cic. Yerr. 5, 26; 
sonst heisst lange Dauer = longinquitas, diuturnitas temporis, vetu- 
stas. Bei Massen sagt der Lateiner regelmässig in longitudinem, 
nicht in loyigitudine, vgl. Caesar Gall. 1, 2, 5. Doch habe ich oben 
I S. 703 schon in loyigitudine nachgewiesen; dazu kommt N. Kl. in 
longo, was sich bis ins Sp. L. erhalten hat, z. B. Hieron. ex utraque 
parte calamo uno tarn in longo quam in latum, vgl. Gölzer Hieron. 
S. 120, Oros. 1, 2, 77 und öfter. 

Longus. Wenn bereits unter longe gezeigt wurde, dass es mit 
Zeitbegriffen richtig verbunden werde, so gilt dies auch von longus; 
gut ist also longum tempus, z. B. : haec est absoluti clientis post longum 
tempus salutatio, Sen. contr. 7, 17, 2; non potui satiari oculis, 
non potui ab illo tarn cito distrahi; nolite mirari, post. longum tempus 
illum videram, ib. 9 (4), 28, 12, per longum tempus, Suet. Nero 
57, longa vita, Liv. 2, 40, 6 und 9, 17, 6, in tarn longo spatio, ibid. 
9, 18, 10, in tarn longa aetate, Cic. Cato 66, vita longior, Tusc. 1, 
94, in longum sufficere, Tac. hist. 4, 22 und ann. 11, 20, wo Dräger 
zeigt, dass dies bei Tacitus öfter vorkommt. Mit andern als tempo- 
ralen Wörtern wird longus nicht oft verbunden, bei Cicero vielleicht 
nur Sest. 82 paido longior opinio mortis und Cato 41, wo die besten 
Handschriften voluptas longior, nicht longinquior bieten (vgl. Dahl 
Cato mai. I S. 18, II S. 28; C. F. W. Müller liest longinquior), ebenso 
bei Livius: longa caedes, lange dauerndes Gemetzel, Liv. 6, 8, 7 und 
longi aliorum principatus, Tac. hist. 2, 55, vgl. Heraus zu Tac. hist. 
1, 5, 1, memoriam nostri longam efficere, Sali. Cat. 1, 3, morbus 
longus, Liv. 27, 23, 6 und Cels. 3, 1, 1. — Bezweifelt wird longum 
est tempus, quod — ; es ist lange Zeit her, dass — ; für diu est, cum 
— oder diu verbunden mit dem nächsten Satze. Ygl. Iamdiu u. 
meine Synt. 3 § 291. — In der Redensart: nihil longius mihi est 
oder videtur, quam — ; nichts ist (scheint) mir länger, als — ; folgt 
quam dum oder quam ut; vgl. Cic. Yerr. 4, 39 und dazu Richter, 
fam. 11, 27, 1, Süpfle-Böckel zu Cic. epp. 413. Aber nihil longius 
est quam mit Inf., z. B. Cic. Rab. Post. 35 heisst nichts ist lang- 
lueiliger als. — Gut ist ne longum faciam, damit ich es nicht lange 
mache, und ne longum fiat Cic. leg. 2, 24, vgl. Hofmann-Andresen 
zu Cic. epp. IY, ep. 5, sowie man sagt ut breve faciam, damit ich es 
kurz mache. — Für unsere Redensart : es wäre zu weitläufig sagt man 
gut lat. bekanntlich nicht longum esset, sondern nur longum est, aber 
auch nicht nimis longum est, was erst Sp. L. bei dem Kirchenvater 
Augustin vorkommt, z. B. epp. 162, 9 und 190, 2 und de trin. 15, 
35; hingegen in dem adjektivischen Gebrauche von longus kann 



Loquentia — 85 — Loqui 

nimis zu longm erforderlichen Falles ganz wohl beigesetzt werden: 
sed in rebus apertissimis nimium longi sumus, Cic. fin. 2, 85. Ex- 
ordium, quod nimis longam est, rhet. Her. 1, 7, 11. 

Loquentia. Dieses Wort ist erst von Julius Oandidus um den 
Anfang des zweiten Jahrhunderts nach Christus aufgebracht worden 
nach Plin. epp. 5, 20, 5. Allein es war nicht = eloquentia, sondern 
bedeutete vielmehr im Gegensatz zu derselben nur im tadelnden 
Sinne die Zungenfertigkeit, das gute Mundstück. Vergeblich ver- 
suchte der Grammatiker Yalerius Probus (nach Gellius 1, 15, 18) 
bei Sali. Cat. 5, 4 loquentiae anstatt eloquentiae einzuschwärzen, quod 
„loquejitia" novatori verborum Sallustio maxime congrueret, „eloquentia" 
cum insiirieyitia minime conveniret; die Überlieferung eloquentiae, 
welche auch durch die Nachahmung des Fronto S. 107 N. bestätigt 
wird, gilt heute allein; vgl. Jordan und Dietsch zu Sali. Cat. 5, 4, 
Hertz zu Gell. 1, 15, 18. Vgl. auch Stangl Cassiod. S. 575, der 
Compl. 18, 21, S. 96, 48 loquens für eloquens zurückweist. 

Loqui, reden, sprechen, wird oft falsch gebraucht und falsch 
verbunden, z. B. loqui aliquam linguam, irgend eine Sprache sprechen, 
reden, für lingua aliqua (Abi.), also lingua Graeca, Latina loqui, 
oder mit Adverbien Oraece, Latine — loqui. Ygl. Cic. fin. 2, 14; 
Nep. Milt. 3, 2; Ale. 2, 1; Dion. 1, 5, und noch Commodian 
A. 168 lingua diversa loqui. — So steht in der Vorrede eines 
lat. Gebetbuches: Latinum loquimur linguam; anderwärts: lingua, 
quam hodie Graeci loquuntur, non est antiqua, für qua hodie. 
Ganz gut aber wird bekanntlich loqui mit dem Neutr. Sing, oder 
Plur. eines Pron., dem Neutr. Plur. eines Adj. oder Partiz. : hoc, 
haec, paueula, plura, pugnantia loqui verbunden. Auch wäre es 
sehr einseitig, bei loqui = aliquid in ore habere, ehvas im 
Munde führen, den Gebrauch des Accus, bei rein substantivischen 
Wörtern zu verwerfen, wie: Ne semper Curios et Luscinos loquamur, 
Cic. parad. 50. Multi etiam Catilinam atque illa portenta loque- 
bantur, Cic. Mil. 63. Mera scelera loquuntur, Cic. Attic. 9, 13, 1 
u. ibid. § 8 und 9, 2, a, 3, s. darüber auch Boot zu Cic. Att. 9, 
2 a, 3, Heraus zu Tac. hist. 4, 12, 3 und Nipp, zu Tac. ann. 6, 4. 
Allein etwas freier, nach poetischer Weise, steht loqui aliquid in 
der rednerischen Prätention bei Liv. 5, 5, 6 u. ibid. c. 54, 5 ; in 
diesem Falle heisst es gewöhnlich: quid loquar de — s. Weissenborn 
zu Liv. 5, 5, 6. Richtig ist bene, male de aliquo loqui = über 
jemanden gut, übel, böse reden, vgl. Sen. controv. 2, 9, 5, S. 1.").) K 
loquar de filiis eius bene? Der gegenteilige Ausdruck mute de ul/<j/t<> 
loqui ist ebensowenig anzufechten. Erstens nämlich kommt dafl 
synonyme secus de aliquo loqui nicht nur bei Tac. ann. 2, 50 \«>r, 
sondern secus ((liquid de aliquo dicere findet sich auch Cic. Attic 1, 
19, 11. Sodann aber erscheint male opinari de aliquo bei Buefc 
Aug. 51, male existimare ----- l<»i'(/ de aliquo bei Ben, de im •"», 22, 2. 
Endlich findet sich male loqui absolut gebraucht nicht nur bei Terena 
Andr. 873, sondern auch bei Cic. S. Kose. 140, vgl. dazu Landgraf. 



Loquutio — 36 — Lucifugus 

Nach alledem kann es nicht im mindesten auffallen, wenn male de 
aliquo loqui in der Yulg. Sirach. 8, 5 u. Capitol. v. Cl. Albini c. 2 
gefunden wird. Dazu kommt noch, dass Kaiser Augustus in einem 
Briefe an Tiberius (bei Suet. Aug. 51 Ende) sagt: Noli indignari . . . 
quemquam esse, qui de me male loquatur. — Wiewohl loquimtur secum 
richtig ist in der Bedeutung sie überlegen bei sich, wobei daran ge- 
dacht wird, was jeder einzelne im Stillen, lediglich für sich selbst, 
bloss im eignen Herzen spreche, so ist es doch falsch in der Be- 
deutung sie reden mit einander, was lat. loquuntur inter se heisst. — 
P. L. ist loqui ad aliquem, zu jemand reden, ihn anreden, für älr 
loqui aliquem oder loqui cum, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 48; 
P. L. und Sp. L. ist loqui alicui, z. B. Claud. Mam. 94, 19 E lo- 
quitur mihi veritas ; näheres über diese unter dem Einfluss des 
Griechischen ausgebildete Konstruktion siehe bei Landgraf Progr. 
1899 S. 26, Rönsch Ital. S. 440 und Coli. phil. S. 58, Bonnet Greg. 
S. 542. — Ungewöhnlich ist und nirgends bei Cicero bedeutet vis loquendi 
die Kraft zu reden, für vis dicendi. — Über cum aliquo loqui in der Be- 
deutung sich der Worte jemandes bedienen, für alicuius verbis uti, vgl. 
unter Cum, und über loquendi ratio, die Redensart, vgl. Ratio. 

Loquutio; vgl. Locutio. 

Lotio, lotura, das Baden, Waschen, sind seltene N. Kl. Formen 
für das Kl. lavatio. 

Lubitus, lubitum ; vgl. Libitus. 

Lubricitas, die Schlüpfrigkeit, ist Sp. L. für das Neutr. lubri- 
cnm, was sich Kl. in der präpositionalen Wendung in lubrico versari 
Cic. orat. 98 findet und N. Kl. auch mit dem Genitiv verbunden 
wird, wie bei Plin. (ep. 3, 3, 4): in hoc lubrico aetatis; equi lubrico 
pallidum lapsantes, Tac. ann. 1, 65; doch kann man es auch durch 
das Adj. lubricus geben. 

Lubricus, schlüpfrig. N. L. ist die Komparativform lubricior. 
Beachtenswert ist, was Nipperdey zu Tac. ann. 14, 56 anmerkt: lubri- 
riim ist nicht bloss das, auf dem man leicht ausgleitet, sondern was 
selbst leicht gleitet. Also ist qua in parte lubricum adulescentiae 
nostrae declinat == wenn die unsichere Periode meines Lebens die 
Bahn verlüsst, wie 13, 2: lubricam principis aetatem retinere. Ist 
unser : sich auf schwierigem, schlüpfrigem Boden bewegen trop. ge- 
braucht, so kann man dafür lat. mit Cic. div. Caec. 36 sagen: sco- 
puloso difflcilique in loco versari; aber auch in lubrico versari ist 
klass., vgl. Cic. orat. 98. 

Lucide, klar, deutlich, verständlich, kommt Kl. wohl gar nicht 
vor, denn Cic. de orat. 2, 108 liest Sorof breviter uterque definiat 
ohne lucide oder dilucide, vgl. Krit. Anh. S. 193, ebenso Stangl; es 
findet sich N. Kl. bei Sen. und Quint. Auch das Adj. lucidus ist 
in Prosa erst N. KL, steht aber bei Quintilian für das Kl. dilucidus; 
Sp. L. hat es Oros. 6, 1, 10. 

Lucifugus, eigentlich lichtscheu^ ist nur poet. und spätlat. Trop. 
steht es von Menschen: latebrosa et lucifuga natio, Min. Fei. 8, 4 



Lucrari — 37 — Lucta 

ed. Halm (die codd. lucifugax) u. substant. Lucil. sat. 468 Marx u. Cic. 
fin. 1, 61 (hier im Plural), also ganz gut für unser menschenscheu. 

Lucrari, gewinnen, und hierum, der Gewinn, setzen in der 
bessern Prosa durchaus die Absieht voraus, gemeinen Vorteil zu er- 
langen, und dürfen daher nicht von dem Vorteile gebraucht werden, 
welchen edle, geistige Beschäftigungen bringen. Raschig (Progr. S. 23) 
erklärt daher für schlecht lat. : quid lucratae sunt litterae (was haben 
die Wissenschaften gewonnen) doctorum hominumopera? und: quantum 
Uteri faeimus (quantum lucramur) e diligenti litterarum traetatione? — 
was freilich, wie er hinzusetzt, für unser Zeitalter passt, sofern man 
aus geistigen Beschäftigungen hären Gewinn zieht. Wo dieser ge- 
dacht wird, passt hierum und quaestus, wo aber nicht, commodum 
und fruetus. — N. L. ist lucrari in der Bedeutung verdienen, als 
Lohn für Arbeit bekommen, für merere. Man sage also nicht : operarius 
(opifex, ein Handwerksmann) in diem tres denarios lucratur, sondern 
ternos denarios nieret. — B. L. ist causam lucrari, einen Prozess ge- 
ivinnen, für causam obtinere, causa vincere. — Sp. L. ist lucrari = 
entgehen, z. B. Amm. 19, 4, 3 poenas, Cypr. 306, 23 manus cruciar 
tusque carnificis, vgl. Watson S. 308. Ahnlich ist b. Hisp. 36 suum 
maleficium lucri facere = den Folgen ihrer Missetat entgehen. 

Lucrativus, gewinnbringend, ist klass., vgl. Cic. Att. 7, 11, 1 
unam tecum apricationem in illo lucrativo tuo sole malim quam omnia 
istiusmodi regna. Doch ist ein lukratives Geschäft wohl besser quaes- 
tuosum oder fruetuosum negotium, wie Cic. Tusc. 5, 86 von einer quae- 
stuosa mercatura und fruetuosa aratio spricht. 

Lucrosus, Gewinn, Vorteil bringend, vorteilhaft, ist N. KL und 
wird nur in unedlem Sinne gebraucht ; man halte sich an fruetuosus, 
frugifer in gutem Sinne, und an quaestuosus in unedlem. Nicht gut 
nennt Muret Macedonien lucrosior anstatt des Kl. quaestuosior. — 
Ganz unlat. ist lucrosus in der Bedeutung gewinnsüchtig, für lucri 
cupidus, quaestui deditus. 

Lucta, das Bingen (als Kampfübung), ist V. L. und Sp. L. für 
luctatio oder mit dem Verbum luctari. — N. Kl. findet sich nur 
beim altern Plinius luctatus. Ebenso Sp. L. ist luctamen vom Bingen 
als Übung, wiewohl es bildlich bei Dichtern das anstrengende Be- 
mühen bedeutet, wofür Kl. luctatio und luctari gesagt wird. Unser 
ringen trop. genommen und zwar physisch: mit Aufbietung körpi 
licher Kraft mit etwas ringen, kämpfen, heisst nachklass. gleichfalls 
luctari cum aliqua re. So steht es bei Vell. 2, 115, 2; 2, 86, 2; 
2, 63, 3, vgl. Georges Vell. S. 48, bei Sen. und Plin., ferner bei 
Curt. 3, 1, 18: ille nequaquam diu luctatus cum latentibus nodis und 
luctandum est non sohim cum ardore et siccitate regionis, sed etiam . . 
ibid. 4, 7, 7; Livius sagt dafür in pestilenti et arido solo luctari, 7, 
38, 7. Endlich gebraucht man Kl. luctari cum aliquo auch von 
dem Kämpfen oder Hingen der geistigen Kraft: non luctabor tecu 
amplius, Cic. de orat. 1, 74 und Süll. 17. Nicht verwerflich isl dai 
A. L. und N. Kl. luctatoTf der Binger, für das griech. athleta. 



Luctus — 38 — Ludere 

Lucius ist die in lauter Jammerklage oder konventionellen Zeichen 
sich äussernde Trauer um einen Toten und nach römischen Be- 
griffen auch um einen Landesverwiesenen, der durch die Verbannung 
nach der Sprache der Römer sein caput, d. h. den Inbegriff aller 
Freiheits-, bürgerlichen und Familienrechte verlor, — kurz, um jeden, 
dessen Leben und Glück man aufgibt; — ebenso lagere. — Die 
tiefe Betrübnis, welche in der Sympathie für fremdes Unglück 
wurzelt, ist maeror, maerere, tristitia, tristis. Cicero verbindet bis- 
weilen Indus und maeror, wie Sest. 128, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. 
S. 59, Tegge S. 310. 

Lacubratio bedeutet Kl. und N. KL nicht arbeiten überhaupt, 
sondern nur das Arbeiten bei Licht, und lucubrare nur bei Licht 
arbeiten; so sagt Varro ling. 5, 9 non solum ad Aristophanis lucer- 
nam, sed etiam ad Cleanthis lucubravi. Im Sp. L. und daher wohl 
auch im N. L. werden sie auch von jeder Arbeit gebraucht, was 
gegen den alten Sprachgebrauch ist; so sagt Firm. Mat., vgl. Dressel 
S. 24, lucubratio artis und L virtutis, das Bemühen tugendhaft zu 
sein. Mit Unrecht fasst Georges lucuhratio bei Cic. fam. 9, 2, 1 
konkret auf; Andresen sagt richtig, dass lacubratio KL nur das 
Nachtarbeiten bedeute, nicht aber das Gearbeitete. — Nicht ver- 
werflich ist lucubratiuncula, wiewohl es erst Sp. L. bei Gell., Hieron. 
und Front, epp. ad M. Caes. 1 , 4, S. 9, N. vorkommt. Dass man es 
aber missbraucht, zeigt der Titel der Sammlungen von Anmerkungen 
verschiedener Gelehrten, z. B. zu Ciceros Schriften: Lucubrationes 
doctissimor. viror. in Cic. orationes, die doch wohl meistens Tages- 
arbeiten sind und die Lampe wenig oder gar nicht geschmeckt 
haben. 

Ludificare, zum Gespötte haben, verspotten, ist fast nur A. L. 
Form und Sp. L. für ludificari als Deponens, z. B. Ennod. 374, 7 H.; 
Cicero sagt Quinct. 54 ludificare, rep. 3, 9 u. S. Rose. 55 ludificari, 
vgl. Landgraf z. St. und Neue -Wagener 3 III S. 53. 

Ludere, spielen (etwas zum Zeitvertreibe), z. B. Ball, Würfel, 
wird A. L., Ter. Ad. 739, KL, Cic. de orat. 1, 73 u. 217; 2, 253, 
Tusc. 5, 60, fat. 34, Phil. 2, 56 und N. Kl. (s. Yal. Max. 8, 8, 2, Sen. 
de tranq. a. 14, 7, epp. 18, 1, 33, Suet. Aug. 83, Quintil. 6, 3, 71) 
mit dem Ablat. verbunden, pila, talis, alea; passiv also luditur pila, 
talis u. dgl., N. KL mit dem Accus, aleam ludere nur bei Suet. Aug. 
70, Claud. 33 und Nero 30, vgl. Bagge S. 33, und alea luditur bei 
Ovid. trist. 2, 471 und Juven. 3, 8, 10. Ludere in -pila hat Lucil. 
359, wie man sagt in alea ludere, vgl. Marx zu Lucil. 641. — 
N. L. gebraucht man ludere von musikalischen Instrumenten, für 
canere oder cantare, von deren Konstruktion unter Canere die 
Rede war. Ebenso heisst das Spiel auf musikalischen Instrumenten 
nicht ludus, sondern cantus. — Eine Rolle spielen heisst nicht ludere 
personam oder partes, sondern agere partes, auch bloss agere (Cic. 
de orat. 1, 124 hodie noluit agere Roscius); jemandes Rolle spielen, 
aliquem agere, nicht ludere; z. B. er spielt die Rolle des Chaereas, 



Ludificari — 39 — Ludus 

agit Chaeream (Cic. Rose. Com. 20), nicht ludit Chaeream oder per- 
sonam Chaereae. Vgl. unter Agere. — Wenn aber Cael. (Cic. fam. 
8, 9, 1) sagt: civem bonum ludit, so sagt er dies mit Spott: er spielt 
auf eine komische, lächerliche Weise den Patrioten, vgl. Burg 8. 66. 
Und bei Suet. Aug. 70 Phoebi Caesar mendacia ludit ist dies nach 
Kuhnken = per lusum se simulat esse Apollinem, vgl. Bagge S. 33. 
— In der Bedeutung spotten, scherzen über jemanden oder über 
etwas sagt man ludere aliqitem oder aliquid, wohl nicht in aliquem, 
wie bei Müdere, Cicero (de orat. 3, 171): In Albuciuin illudens m 
a me quidem abstiuuit. — Endlich heisst unser etwas spielend tun, 
d. h. ohne Anstrengung , gemächlich, auch latein. ludens (Cic. parad. 
prooem. 3) oder ludibundas (Cic. Verr. 3, 156, fam. 16, 9, 2), aber 
nicht ludendo ; vgl. Stöcklein S. 50, der darauf hinweist, wie ludi- 
bundus ein Sinken des Begriffes ludere zeigt, während sonst die Adj. 
auf bundus eine Steigerung des Begriffes darstellen. Doch liege 
hier nur Keaktion auf Übertreibung vor und ludibundus sei — ganz 
spielend. 

Ludificari; vgl. Ludificare. 

Ludus. Wenn der Plural ludi von Schauspielen, 'öffentlichen 
Spielen gebraucht wird, so kann damit nur ein Distributivzahlwo rt , 
nie ein Cardinale, verbunden sein, z. B. bini, trini; vgl. Cic. Mur. 40 
qui trinos ludos aedilis feceram und dazu Landgraf. Ist der Name 
der Spiele zugleich auch Name des Festes und ein Neutrum, z. B. 
Floredia, Megalesia, Cerealia, Consualia, Taurilia, Olympia, Pythia 
u. dgl., so wird oft ludi als Hauptwort vorgesetzt und der einzelne 
Name bleibt im Neutrum unverändert und geht nicht in das Adject. 
über. Daher sagte man in der bessern Prosa nur ludi Floralia u. s. w., 
nicht ludi Florales (wie Yal. Max. 2, 10, 8 schreibt), Metfalenses 
u. s. w. ; nicht ludi Olympici, sondern ludi Olympia u. a. Ygl. Quintil. 

1, 5, 52 und die Ausleger zu Livius 1, 9, 6. Doch kann der 
Name des Ortes, wo Spiele gefeiert werden, oder der Name der 
Spiele selbst auch im Genit. beigesetzt werden. S. darüber Curt. 4, 
5, 11, Liv. 28, 7, 14; 33, 32, 1; 34, 41, 1 und Cic. nat. deor. 

2, 6 ludis Olympiae, wenn Olympiae nicht von ludis zu trennen und 
als auf die Frage ivo ? gesetzt aufzufassen ist. — Gelobte, d.h. durch 
ein Gelübde verheissene Spiele heissen ludi votivi; wenn Spiele unter- 
brochen worden sind und wieder erneuert werden, ludi instaurativi, 
und Spiele von neuem anstellen, wieder erneuern heisst Judos iustun- 
rare. Spiele halten, feiern heisst gewöhnlich ludos fueere. Vgl. Cfefe- 
brare. — Bei oder während der Spiele, während <h r der 
Spiele heisst bloss ludis, nicht in ludis, z. B. bei den Circensischen 
Spielen, Circensibus ludis. Vgl. Schmalz Asinius PolÜO 8 8. K s . — 
Ludus bedeutet bekanntlich auch die Schule, vgl. CSc. Q. fr. B, l. ,; 
ilucens mecum Ciceronem meum in In du tu discendi, non Ins ton 
Doch glauben wir nicht, dass ludus das hoste Wort für unser Schule 
im allgemeinen sei, im Gegenteil wird man dafür schola gebrauchen 
müssen, wie dies Quintilian tut, wenn er 1, 2 die Präge erörtert) 



Lugdunum — 40 — Lumen 

ob Schul- oder Privatunterricht besser sei? Vgl. auch ibid. 2, 3, 10. 
Im Gegensatz dazu sind ludi litterarii oder ludi litterarum oder 
schlechthin Indus nicht höhere (wissenschaftliche), sondern Elementar- 
Schalen, in denen es sich um die litterae, d. h. um Lesen und 
Schreiben handelt. S. Cic. orat. 144, fam. 9, 18, 1, Nep. Attic. 10, 
3, Liv. 3, 44, 6 und 6, 29, 5, Hör. sat. 1, 6, 72, Quintil. 1, 4, 27, 
Plin. nat. 9, 25, Tac. ann. 3, 66, Suet. Calig. 45. Selbstverständlich 
kann dafür auch schola als der weitere Begriff angewendet werden, 
z. B. also in scholam und in ludum ire, itare, convenire, vgl. Gell. 
15, 11, wo im gleichen § schola und ludus nebeneinander vor- 
kommen. Ebenso gleichmässig werden schola und Indus ohne Unter- 
schied der Bedeutung von den Scillaen der Grammatiker und Rhe- 
toren gebraucht, welche als höhere Stufe der Schulbildung der 
römischen Jugend all das darboten, was zur Humanistik ge- 
rechnet wurde, s. Bremi zu Suet. Tib. S. 253. Also ist scholam 
aperire — ludum docendi aperire, Suet. gramm. 16 und rhet. 4, 
und in schola se sustentare, scholam frequentare, scholam tueri, s. 
Suet. gramm. 15; 7; 8, weist schola überall auf die Schule der 
Grammatiker hin, während dafür ludus bei Suet. gramm. 4, rhet. 
1 und 4 und ludos habere ibid. 1 steht. Vgl. auch Cic. de or. 2, 
94; 3, 35 und Brut. 32. Ebenso wird ludus auch von dem Orte 
gebraucht, an dem man etwas zur eigenen Kurzweil und Übung 
oder zur Kurzweil anderer oder als friedliches Spiel betreibt. 
Hierher gehört in erster Beziehung ludus fidicinus, die Musikschule, 
in zweiter ludus gladiatorius und bei Livius (7, 33, 2) ludus militaris 
von den zum Vergnügen angestellten Übungen und Wettkämpfen, 
durch welche junge Männer sich in unblutigem Spiel auf den blu- 
tigen Ernst des Krieges vorbereiten und stärken. S. Weissenborn 
z. d. St. Hingegen ist die höhere ivissenschaftlich entiuickelnde Schule 
für Jünglinge und Männer ausschliesslich schola, z. B. : e philo- 
sojjliorum scholis tales fere evadunt, Cic. orat. 95, a pliilosophoritm 
scholis, Quintil. Prooem. 1, § 17 und 12, 3, 12; ebenso wird da, wo 
Schide die Schüler eines ivissenschaftlichen Lehrers bedeutet, nur 
schola gebraucht. S. Cic. de orat. 1, 56, Quint. 3, 11, 26, Suet. gramm. 
17; endlich sind gelehrte Untersuchungen, Vorlesungen etc. nur scholae. 

Lugdunum ist der alte Name der franz. Stadt Lyon. Das 
davon abgeleitete Adj. Lugdunensis bedeutet auch den Einwohner. 
Derselbe Name wurde später auch der zur Zeit der Alten noch 
nicht vorhandenen holländischen Stadt Leiden gegeben, aber mit dem 
Zusätze Batavorum, durch welchen sie auch heutzutage von der 
andern durchaus unterschieden werden muss ; — N. L. ist der Name 
Leida, welchen Holländer aufgebracht haben. Das Adj. aber für 
Leiden heisst nicht Lugdunensis, wie es bisweilen im N. L. vor- 
kommt, sondern L<ugdiino-Batavus oder, nach jener neuen Benennung, 
Leidensis. 

Lumen. Bekanntlich sagt man sowohl lumen als lucem alicui 
rei afferre. Man hat sich aber darüber gestritten, ob man für unser 



Luscus — 41 — Lux 

die dunkehi Worte einer Schriftstelle aufhellen, klar machen lumen 
oder lucem afferre sagen müsse. Nun bedeutet lumen tropisch aller- 
dings das den Verstand, das Gedächtnis, irgend ein Objekt er- 
leuchtende, aufhellende, Klarheit über eine Sache verbreitende Vrinzip, 
aber es ist uns keine Stelle bekannt, dass lumen afferre speziell auf 
eine dunkle, der Erklärung bedürftige SchriftsteUe von einem Alten 
bezogen worden sei. Was aber lucem afferre betrifft, so kann es 
zur Aufhellung der dunkeln Worte eines Schriftstellers wohl noch 
weniger verwendet werden, denn lucem afferre bedeutet bei Cicero 
Pomp. 33 keineswegs lichte Klarheit über eine dunkle Stelle ver* 
breiten, sondern ist vielmehr Heil und Bettung bringen, also = 
sälutem afferre, vgl. Landgraf zu S. Rose. S. 303 und Seyff'ert- 
Müller z. Lael. S. 324. Demnach würde sich lumen loco afferre 
noch eher empfehlen als lucem loco afferre. Allein man bedarf weder 
des einen noch des andern, da dafür exponere, explicare, explanare, 
interpretari, enarrare, expedire die geeigneten Ausdrücke sind. 

Luscus ist in der Bedeutung scliielend N. L. für strabo; jenes 
bedeutet einäugig. Bei Juv. 7, 128 ist statua lusca eine Statue, die 
ein Auge zudrückt, wie man es beim Zielen macht, vgl. Weidner 
z. St. 

Lusiuncula, das Spielchen, ein scherzhaftes Diminutiv von lusio, 
ist N. L. 

Lutosus, schlammig, kotig, ist A. L. bei Cato, dann kommt es 
N. Kl. bei Columella, Plinius dem altern u. a. sowie 8p. L. vor, 
für luteus, latulentus, vgl. Rönsch Coli. phil. S. 120. 

Lux, Licht. Verworfen wird von Raschig (Progr. S. 25) : ali- 
quid, z. B. librum, in lucem mittere oder emittere, wiewohl res oc- 
cultas in lucem emittere natürlich und gut ist und daher auch wohl 
auf die Herausgabe einer verborgen gewesenen Schrift angewendet 
werden kann; — sonst sagt man nur vulgare, emittere, foras dare, 
edere u. a. — Ebenso N. L. ist: hie liber in lucem (und wohl gar 
noch publicam) prodit, wie wir sagen: ans Licht treten, was ebenfall> 
nur bei einer versteckten und verborgenen Sache passt. Gut aber 
ist in lucem edi = das Licht der Welt erblicken, gehören werden, 
s. Cic. Tusc. 3, 2; erst Commodian A. 33 gebraucht lucem videre = 
nasci. Ebenso richtig ist zwar lux meridiana, das Mittagdicht, wie 
sol meridianus, die Mittagssonne; aber um unser sonnenklar aus- 
zudrücken, brauche man keins von beiden, da die Lateiner nur das 
einfache sol oder lux anwenden, des Mittags aber dazu nicht be- 
dürfen und bloss sagen luce clarius (Cic. Tusc. 1, 90) oder solis l 
clarius (divin. 1, G) oder ea sole ipso illustriora et clariora sunt (fin. 
1, 71). Noch mehr Beispiele, auch aus dem Sp. />.. biete! Otto in 
Wölf'fiins Archiv IV S. 18 und Wölt'fiin selbst im Archiv V 1 S. |.V>. 
Dagegen findet sich oft im N. L. sole meridiano oder luce meridiai 
clarius. — Gut ist lux = Tag, daher nicht nur das bekannte ante 
lucein, prima luce, sondern auch luce allein, /. B. luce castra ■ 
u. dgl. öfter bei Livius, s. Weissenborn zu •">">, l, 5 und Cic, 3. Rosa 



Luxuria — 42 — Macerare 

56. Am hellen Tage heisst im b. Hisp. 42, 4 und Liv. 23, 10, 7 
luce dura. 

Luxuria hatte neben sich noch die Form luxuries, aber gewiss 
ohne Unterschied der Bedeutung, wie barbaria und barbaries, materia 
und materies u. a. m. Über das Verhältnis zu magnificentia vgl. 
Cic. Mur. 76 odit populus Romanus privatum luxuriam, publicum 
magnificentiam diligit. Übrigens bedeutet luxuria Hang zur Schwel- 
gerei, luxus aber — das indes bei Cic. wohl gar nicht vorkommt, denn 
Verr. 3, 62 ist sehr unsicher, öfters aber bei Sali, und Liv. sich 
findet — Schwelgerei, insofern sie in Handlungen sichtbar hervor- 
tritt, vgl. Tegge S. 45 ; erst Sp). L. z. B. Arnob. 44, 22 R finden wir 
luxurias ac vitia vestra lacerant. — Luxusartikel sind bei Plin. nat. 
13, 100: nitidioris vitae instrumenta, Luxusgesetz ist lex sumptuaria 
oder lex de coercendis sumptibus. Kleiderluxus ist unter anderem 
auch hubitus luxuriuns (bei Sen. rhet.). 

Lycaonius, der Lycaonier, kommt wohl nicht vor, für Lycao. 
Vgl. Cic. fam. 3, 10, 10. 

Lydias, der Lydier, ist nicht üblich für Lydus; als Adject. ist 
Lydus nur poet. für das prosaische Lydius, a, um. 

Lympha, Wasser, ist nur P. L. für aqua. 

Lymphaticus und lymphatus, wahnsinnig, besinnungslos, ausser 
sich vor Furcht, Schrecken sind nicht bloss N. Kl. und Sp. L., 
sondern kommen auch (durch das vorgesetzte velut gemildert) bei 
Liv. 10, 28, 10 und 7, 17, 3 von einem panischen, besinnungslose?! , 
blinden Schrecken vor, also nicht durchaus zu verwerfen. — Lym- 
phatus aber in der Bedeutung gewässert, wässerig ist N. L. für aqua 
temperatus. 

Lyricen, der Leierspieler, ist nur Sp. L. aus Gloss. Labb. er- 
weislich für fidicen, qui lyra oder fidibus canit. 



M. m. 



Macedonius, Mazedonisch, ist nur P L. Form für Macedonicus. 
Das Subst. ist Macedo; daher Alexander Macedo, Alexander aus 
Mazedonien, Cic. Phil. 5, 48. 

Macerare ist in der Bedeutung körperlich oder körperlich und 
geistig zugleich aufreiben, verzehren, quälen, ängstigen nicht nur P. L. 
für cruciare, conficere, torquere, sondern wurde durch Liv. 26, 13, 8 
in eigentlicher und 5, 54, 3 in übertragener Bedeutung in die Prosa 
eingeführt, wo es sich auch erhalten hat, vgl. Curt. 5, 13, 24, Vell. 
2, 112, 3, Quintil. 12, 10, 77; vgl. Georges Vell. S. 48 und Frieders- 
dorff zu Liv. 26, 13, 8, Schulze Symm. S. 84; sich quälen, zer- 
martern ist in Prosa gewöhnlich discruciari, nicht macerari; doch 
soll selbst Caesar, freilich in einem Verse (vgl. Sueton S. 297 Roth) 
unum hoc maceror ac doleo tibi deesse geschrieben haben ; und mace- 
rari desiderio sagt Seneca. 



Macrescere — 43 — Magis 

Macrescere, mager werden, kommt bei Horaz, Varrd und Colu- 
mella vor, gewöhnlich sagt man dafür macie confici, corrumpi oder 
extabescere. 

Macritas und macritndo, die Magerkeit, sind Gem. L. für macies; 
ebenso macor 

Made. Dies vielumstrittene Wort ist sicher Yokativ, wie dies 
aus Cic. Attic. 12, 6, 3 und Tusc. 1, 40 deutlich hervorgeht. Allein 
schon in Kl. Zeit verlor sich das Bewusstsein dafür, so erklärt sich 
Cic. Att. 15, 29, 3 macte in Bezug auf den vorausgehenden Plural 
Buthrotiis, ferner bei Liv. 7, 36, 5 macte este und Liv. 2, 12, 14 
iuberem macte virtute esse. Ich rechne macte zu den erstarrten 
Kasusformen und finde es daher auch begreiflich, dass man es als 
Adverb ansieht. Es kann unbedenklich in der Anrede gebraucht 
werden, besonders in der Verbindung mit virtute, wie es schon Lucil. 
225 hat. Näheres bei Koch lex. Horat. s. v., M. Müller zu Liv. 2, 12, 
14, Madvig Vorrede zu lat. Gramm. S. 13, ib. § 268, a, Anm. 3, 
Vogel -Weinhold zu Curt. 4, 1, 18, Kräh I S. 19. Der Plural macti 
steht nur noch Plin. nat. 2, 55 und auch da nicht sicher. — Das 
Verbum mactare in der Bedeutung verherrlichen ist Kl., z. B. Cic. 
rep. 1, 67 honoribus mactare, doch ist dies nach Wölfflin Scipionen- 
elog. S. 201 eine archaische Phrase, ebenso Kl. ist es in der Be- 
deutung bestrafen, z. B. Cat. 1, 27, vgl. auch Tegge S. 162; über 
die Bedeutungsentwicklung des Wortes vgl. Hey Archiv XIII S. 223 
u. IX, 216. 

Madere, nass, feucht sein, triefen, ist in der Bedeutung voll, 
reich sein P. L. ; nur Plin. nat. 17, 31 sagt Caecubae vites in PoMp- 
tinis paludibus madent, und gekünstelt nennt Sjh L. Gellius 13, 8, 5 
tadelsüchtige Philosophen intercutibus vitiis madentes. Es kann nur 
im Spott angewandt werden. Lächerlich aber ist oratio madet copia 
gravium verborum ac sententiarwn, für abundat oder magna est in 
hac oratione copia etc. 

Maenalius ist in der Bedeutung Arkadisch nur P. L. für Ar- 
cadicus. 

Maeotis, Mitotisch, beschränkt sich als Adj. in Prosa auf palus 
oder locus Maeotis, der Mitotische See, sonst ist es nur P. L. für 
Maeoticus. 

Maeror ist stille Betrübnis, tiefer, verzehrender Schnur:, dessen 
Wirkung sich in Mienen und Geberden und daher auch in lauter 
Äusserung des Schmerzgefühls aussprechen kann. Vgl. Cic. Tusc. 
4, 18, Klotz zu Cic. Tusc. 1, 30, Tegge S. 311 und oben s. v. 
Lucius. 

Magis, mehr. Unser deutsches mehr und mehr ist Kl. magis 
magisque, und daran halte man sich beim Schreiben; ganz Belten, 
z.B. Cic. Att. 14, 18, 4, unsicher ob auch Ati. 16, 8, 1, w<> et 
magis vom Fälscher Bosius stammt, Lambin ba( nur magis, 0. !•'. W. 
Müller cotidie magis, ist magis et magis; viel häufiger, aber nicht 
bei Cic, Caes. und auch nicht bei Quint., findet sich magis ac mou 



Magis — 44 — Magis 

das im silb. Latein beliebt ist; für die hexametrischen Dichter 
eignete sich besonders magis atque magis; das ursprüngliche asyn- 
detische magis magis steht noch bei Catull und Vergil, nirgends in 
Prosa. — Wenn sich auch magis magisque mit in dies, horas, colti- 
die u. a. verbindet, so genügt doch dem strengeren Stile in dies 
magis; vgl. Cic. Mil. 25, Sali. bist. 3, 48, 28 M. ; magis magisque 
oder magis et magis lesen wir bei in dies, cottidie, z. B. Sali. Cat. 5, 
7, Jug. 7, 6, Cic. Phil. 1, 5, Cic. fil. in fam. 16, 21, 2, Attic. 14, 18, 
4, Brut. 308, Liv. 7, 32, 6. Näheres hierüber siehe bei Wölfflin 
Gemination S. 464 f., Preuss S. 68 f., Wölfflin Komp. S. 46. — 
Selten, aber Kl. (s. Cic. Tusc. 5, 63) ist magis quam alii, mehr 
als andere, für praeter ceteros, und magis quam omnes, für maxime 
omnium ; z. B. Cicero zeichnete sich mehr als andere durch Bered- 
samkeit aus, eloquentia praeter ceteros eminuit; er studierte Griechisch 
mehr als edle, qui maxime omnium nobilium graecis litteris studuit 
(Cic. Brut. 78). Ygl. auch unter Minus. — Mehr oder weniger heisst 
magis minusvc, plus minusve oder magis aut minus, wie bei Seneca 
(ep. 40, 11): quaedam et nationibus puto magis aut minus convenire 
oder aut minus aut magis (Sen. epp. 82, 14). Näheres hierüber 
sowie über magis vel minus, plus vel minus, magis et minus 
und andere Verbindungen findet man bei Preuss S. 47. Em- 
pfehlenswerter als alle diese Phrasen, die meines Wissens sämtlich 
unklassisch sind, ist, wie sich Cicero einigemal ausdrückt, mit 
alius (alia, aliud) magis alio (alia), z. B. Tusc. 4, 53 defiuitiones 
Stoicorum declarant notiones alia magis alia, erMären mehr oder 
weniger die Begriffe, und fin. 3, 11 philosophorum diseiplinae has 
res alia magis alia aut in bonis aut in malis numerant, — zählen 
mehr oder iveniger diese Dinge entweder — ; vgl. Madvig z. St., der 
noch auf fin. 4, 43 sed alius alio magis u. Liv. 29, 15, 11 alii aliis 
magis recusare ac reclamare verweist. — Non magis quam bedeutet 
ebenso wie non minus quam nicht mehr, ebenso sehr als, jedoch mit 
dem Unterschiede, dass bei non magis quam der Nachdruck auf 
dem zweiten Satzgliede ruht, so auch im Griechischen, vgl. Thuc. 
7, 19, 5, u. dazu F. Müller, dann aditus ad constitutum . . . non 
magis nobilitati quam virtuti pateret, Cic. Mur. 17; ins bonumque 
apud eos non legibus magis quam natura valebat, Sali. Cat. 9, 1 ; 
obsistere, circumire etc. non duces magis quam milites callent, Curt. 
3, 2, 14; vgl. meine Anm. zu Sali. Cat. 9, 1, wo noch Plancus bei 
Cic. fam. 10, 17, 2 non magis sibi quam rei publicae se convaluisse 
existimans zitiert ist. Bei non minus quam hingegen fällt der 
Schwerpunkt auf das erste Glied: crede me non minus pro tua fide 
quam pro mea solide esse sollicitum, Curt. 3, 6, 13. Es bedeutet 
aber non magis (plus) (quam auch ebenso wenig eds, wenn entweder 
ein negativer Satz vorangeht oder der Zusammenhang auf die Ne- 
gation des Prädikates hinweist: nee nunc quidem vires desidero adu- 
lescentis . . non plus quam udulescens tauri aut elephanti desidera- 
ham, Cic. Cato 27. Ite igitur, diäte . . omnia scire Romanum nee 



Magister — 45 Magnanimus 

magis iam dolo capi quam armis vinci posse, Liv. 10, 4, 10; pro 
certo habens non magis Antonio eripi se quam Caesari Cassium et 
Bratum posse, Sen. suas. 6, 17; in dicendo irasci, dolere . . mm 
sunt figurae, non magis quam, suadere, minari, Quiutil. 9, 1, 23. — 
Wann die Umschreibung des Komparativs durch magis eintreten 
muss, darüber handelt ausführlich Wölfflin Komp. 8. 31 ff. liier 
will ich nur noch erwähnen, dass Cicero neben libentius quam verius 
Mil. 78 auch magis audacter quam parate Brut. 241 sagt, ebenso 
bei Adj., z. B. Att. 10, 1,4 disertus magis quam sapiens; näheres 
hierüber s. bei Landgraf in unserer Neubearbeitung von Reisig-Ilaase 
S. 163 Anm. 398. Ebenda S. 165 findet man auch den Unterschied 
zwischen plus amo und magis amo; ersteres heisst mehr Beweise von 
Liebe geben, letzteres drückt einen höhern Grad der Liebe aus oder 
besagt z. B. magis amo quam diligo, ich habe mehr Recht zu sagen 
amo. — Sp. L. ist seit magis, oder vielmehr, zur Yerbesserung des 
Yorhergesagten, für vel oder seu potius, wie überhaupt im Sp. L. 
oft magis für potius eintritt, vgl. Dombarts Index zu Commodian 
s. v. Magis. Doch kennt auch die klass. Sprache schon magis im 
Sinne von potius, vgl. Cic. Att. 10, 8, 2 ist um enim victorem 
magis relinquendum puto quam victum, vgl. Hofmann z. St., Fabri 
zu Sali. Jug. 85, 49 und Kunze Sali. III, 2 S. 218. — Wie magü 
schon frühe z. B. bei Sali. Jug. 107, 3 der Bedeutung von sed nahe 
kommt, zeigt Hey im Archiv XIII S. 204. Ygl. noch Aut. 

Magister, der Lehrer, hilft oft unser deutsches Schule ersetzen, 
z. B. Cic. S. Rose. 75 vita autem haec rustica parsimoniae, diligentia^, 
iustitiae magistra est ist eine Schale der Sparsamkeit, Wirtschaftlich- 
keit und Gerechtigkeit. Ygl. noch Quint. 1, 6, 3 consuetudo vero 
certissima loquendi magistra. 

Magistratiis im Sing, bedeutet nicht nur ein einzelnes (obrig- 
keitliches) Amt oder einen einzelnen Staatsbeamten, sondern auch 
kollektiv wie das griechische dp^rj die obrigkeitliche Behörde, das 
Magistratskollegium, s. Nepos Themist. 7, 4, Lysand. 4, 3, Epam. 
4, 3. Bei Cicero, z. B. Att. 7, 12, 5; 7, 13, 1, vgl. Boot z. St. und 
Wesenberg emend. S. 25, steht dafür nur der Plural; vgl. Nipp.- 
Lupus zu Nep. Them. 7, 4 und Lupus S. 213. 

Magnanimitas, die Seelengrösse, die Grossmut, findet sich bei 
Cicero nur einmal (off. 1, 152) als philosophisches Wort, wahrschein- 
lich von ihm selbst gebildet, dann hat es ihm erst wieder der 
Philosoph Seneca, z.B. epp. 74, 13; 115, 3 und de clem. 1, 5, 3, 
hierauf Plin. nat. 7, 93 und Plin. pan. 58, 6, vgl. Lagergren 8. »'»T, 
nachgebraucht, für animi magnitudo, wie Cicero sonst und andere 
sagen; ausserdem auch animi altitudo, elatio oder atnplüudo. Sp. !■■ 
ist es häufig, z. B. Flor. 1, IS, 16; 2, 6, 47, Arl. Lampr. Beliog, 
32 init. u. Macr. sat. 1, 11, 24 und 29, Amin. MLaro. L6, 5, 9, Bowie 
Symm. 4, 31, vgl. Schulze Symm. S. 35, Skutsch Archiv XII, 209. 

Magnanimus hat zuerst Plaut. Amph. 212, dann steht ea i>.'i 
Cic. off. wiederholt, z. B. 1, 63 viroa fortes et magnanim . I, 



Magnates — 46 — Magnificus 

88 magnanimi et fortis viri, in den Reden nirgends, denn Cic. Deiot. 
26 liest Clark mit «BD magni animi, nirgends bei Caesar, der es 
Gall. 5, 6, 1 durch magni animi ersetzt, ebenso wenig bei Sallust. 
Um so häufiger findet man es bei den Dichtern namentlich des 
N. Kl. und Sp. L. S kutsch vermutet (Archiv XII S. 210), dass 
Ennius das Wort nach ficeydd-üfio^ geschaffen ; dann hat es Cicero 
aufgegriffen, als er nach einem Äquivalent für [ieyaÄö<ppwv suchte, 
und später Yergil, als er das epische Beiwort fisyd#ufj.og wieder- 
geben wollte. Durch Cic. u. Yerg. sei das Wort den spätem Schrift- 
stellern empfohlen worden. Das Adverb magnanimiter, von dem 
Sp. L. magnanimis, vgl. Bergmüller Jord. S. 12, ist gleichfalls nur 
Sp. L. ; Kl. sagt man magno animo, z. B. Caes. Gall. 7, 10, 3 ut 
hostium impetum magno animo sustineant. 

Magnates, die Grossen, grossen Herren, ist Sp. L., ebenso mag- 
nati, wozu Ott im Progr. Rottweil 1869 S. 7 Stellen aus Yulg. 
Jes. Sirach beibringt; vgl. auch Neue -Wagener 3 I, 663; II, 27 und 
136. — Bei uns heissen so die Reichsbarone, d. h. die höchsten 
Regierungsbeamten nebst dem Adel in Ungarn; man sage dafür 
etwa optimates, proceres, primores, summates mit dem Zusätze: quos 
Uli (Iiungari) Magnates appellant. 

Magne als Adverb zu magnus findet sich in der guten Latinität 
nicht und werde deshalb gemieden. Es gehört dem Sp. L. an. Die 
Belegstellen sehe man bei Wölfflin Komp. S. 7, Archiv I S. 93 und 
573, Georges Jahresber. 1880 S. 396 und 1884 S. 91; Rönsch Sem. 
II, 74. 

Magnes als Adj., Magnesisch, aus Magnesia, ist nur P. L., ausser 
dass der Magnetstein — lapis Magnes oder bloss Magnes heisst; 
Adjekt. ist Magnesius, Subst. aber jenes Magnes, der Magnesier ; im 
Plural Magnetes. 

Magnidicus, grossspreclierisch, findet sich A. L. nur bei Plautus, 
z. B. Mil. 923 und Sp. L. bei Amm. Marc. 23, 6, 80 für grandi- 
loquus, magnifice loqxiens, gloriosus, glorians; es hat weder Komp. 
noch Superlativ. 

Magnificare, erheben, verherrlichen, steht bei Plautus und Ter. 
und N. Kl. nur beim altern Plinius und häufig im Kirchenlatein, 
wie in der Vulgata, für magni facere, amplificare, ornare, celebrare 
u. a., vgl. Lorenz zu Plautus Pseud. 927, Rönsch Ital. S. 144 ff. und 
Sem. III S. 57 und Wölfflin Cass. Fei. S. 426, sowie Archiv XII 
S. 191. Bei rhet. Her. 3, 8 ist rei dilucide magjiiftcandae causa von 
Kayser und von Friedrich in Klammern gesetzt, vgl. Thielmann 
Cornif. S. 103, Marx jedoch hält magnificandae und schreibt rei di- 
lucidae magnificandae causa. — Sp. L. ist das Subst. magnificatio, 
die Verherrlichung, für amplificatio. 

Magnificus kommt in der Bedeutung grosstuend (mit Worten), 
grossspreclierisch A. L. bei Plautus, für gloriosus u. a. (vgl. Magni- 
dicus), ebenso magnifica verba und magnificentia (verborum) bei 
Terenz vor; auch Sallust, vgl. Fabri zu Jug. 55, 1, Livius, z. B. 7, 



Magniloquus — 47 — Magnopere 

32, 11, Tacitus, z. B. hist. 3, 73 und Suet. Calig. 44 brauchen mag- 
nificus in diesem Sinne, nirgends aber Cic. u. Caec. Zu bezweifeln 
ist, ob man gut latein. eine Person ohne einen näher bestimmenden 
Abi., wie bei Livius (1, 10 vir f actis magnificus), in der Bedeutung 
angesehen, ausgezeichnet u. dgl., virum magnificum nennen könne. 
Denn ausser in der Bedeutung grosssprecherisch, stolz, übermütig 
sich geberdend == superbiens wird es sonst nur von prachtvollen 
Sachen gebraucht, z. B. funus magnificum, Curt. 4, 8, 8, reu gestae 
magnificae senatui visae, Liv. 26, 2, 1 und öfter bei Sallust; Per- 
sonen aber werden nur dann so genannt, wenn sie sich durch Pracht 
und äussern Glanz auszeichnen, s. Sali. Catil. 9, 2: in suppliciis deo- 
rum magnifici erant, ebenso bei Suet. Nero 30. Sp. L. aber wird 
dies anders; in den Briefen des Ennodius ist vir magnificus oder vir 
sublimis et magnificus stehende Form, um jemanden mit Auszeich- 
nung zu nennen. Daher wird wohl auch das im N. L. übliche 
rector magnificus stammen. — Das Adverb magnifice in Verbindung 
mit Adj., z. B. magnifice utilis oder felix ist N. Kl. u. Sp. L., vgl. 
Wölfflin Archiv I S. 93, doch magnifice descripsi sagt Lucil. 888. 

Magniloquus, grosssprecherisch, prahlerisch, ist abgesehen von 
Tac. Agr. 27 nur P. L. und Sp. L. für magnifice loquens u. a. ; vgl. 
Magnidicus; — Kl. aber ist, jedoch in anderer Bedeutung = Er- 
habenheit, magniloquentia, z. B. Cic. orat. 191 u. fam. 13, 15, 2; erst 
Liv. 44, 15, 2 und dann das Sp. L. kennen magniloquentia = 
Prahlerei. 

Magnitudo, die Grösse, ist von Leibesgrosse ohne den Zusatz 
corporis, und bei mehrern corporum N. Kl. und Sp. L. : vgl. Plin. 
nat. 9, 22 adulescunt celeriter, decem annis putantur ad summam 
magyiitudinem pervenire, ibid. 9, 54 delphini magnitudinem excedere 
und so öfters bei Plin. mai., dann habebat ursos ferociae ac magni- 
tudinis sitae simillimos, Lact. mort. pers. 21, 5, Goliath quidam, 
vir mirae magnitudinis et roboris, Sulp. Sev. chron. 1, 34, 3 und: 
elephantus ferus infinitae magnitudinis ultro se obtulit, Iust. 15, 4, 
19. Man sage daher in dieser Bedeutung wie Caes. Gall. 1, 39, 1 
magnitudo corporis (corporum), oder umschreibe es durch statura, 
corporis forma; z.B. jener war sehr gross, nicht sehr gross, ille fuit 
ampla (exigua) corporis magnitudine, corporis forma oder statura : 
ich weiss nicht, wie gross er war, — qua fuerit statura. — Sonst 
ist magnitudo richtig von der Grösse, dem grossoi Umfange anderer 
körperlichen Gegenstände, z. B. eines Buches; magnitudo voliiminis 
bei Nepos praef, 8. — Vgl. noch Magnus, — Aber Grossartigkeit 
der Worte heisst nicht magnitudo, sondern granditas üerborutn, vgl. 
Cic. Brut. 121. 

Magnopere oder magno opere wird auch, wie unser sehr, mit 
verneinenden Wörtern verbunden, non magnopere, nicht sehr, >ti<-ht 
eben, z. B. Pomp, bei Cic. Att. 8, 12 C, 4 non magnopere confido; 
ibid. 7, 2, 8 ut nihil magnopere metuarn ; magno 
niemand sehr, wohl fast niemand, nicht leicht jemand, Cio. fam. l i. 



Magnus — 48 — Magnus 

4, 4. Ebenso non valde. — Im N. L. verbindet man es wohl nicht 
selten mit einem Adjektiv, was zwar bei Cic. Att. 1, 8, 1 magnopere 
iucundus vorkommt, hier aber, wie Wölfflin Archiv I S. 93 sagt, 
als eine Ausnahme zu betrachten ist. Sonst wird es nur mit Yerben 
und Verbaladjektiven verbunden, z. B. magnopere desiderare, expe- 
tere, laborare u. a., magnopere expetendus, damnandus u. a., vgl. 
P. Meyer Progr. Hof 1900 S. 34. — N. L. findet es sich auch zur 
Angabe des Grades bei Yerben der Hochschätzung und Hochachtung, 
für magni oder seltener magno; man sage also nicht: te magnopere 
aestimo oder facio, sondern magni te aestimo. — Magnopere und 
magno opere sind gleich gute Formen. Nach der Überlieferung 
scheint Caesar magnopere, Cicero aber magno opere zu bevorzugen; 
manche Autoren halten sich ausschliesslich an eine Form, wie z. B. 
nach Ebert S. 330 Fronto nur magno, tanto, maximo, nimio opere 
sagt. Die Form summopere finden wir Cic. inv. 1, 26, sonst nirgends 
bei einem guten Prosaiker, aber maximopere und maximo opere sind 
klass.; vgl. Cic. fam. 3, 2, 1 und Novak Stud. Liv. 1894 S. 172 (bei 
Liv. ist summa ope Superlativ zu magnopere), die Wortstellung opere 
magno, tanto, maximo ist P. Näheres sehe man bei Reisig-Haase- 
Hagen S. 288, Neue -Wagen er 3 II S. 759, Z. f. G. W. 1881 S. 117; 
Reisig-Haase-Heerdegen S. 113, Lor. zu Plaut. Most. 752, Heerdegen 
Unters. III. 

Magnus bedeutet nur P. u. 8p. L. körperlich gross von Men- 
schen und Tieren. Man brauche also longus (Cic. inv. 1, 35 longus 
an brevis, ob gross oder Mein), grandis, homo magni corporis, habitu 
corporis magno, magnae oder amplae staturae, amplae corporis for- 
mae, ingenti corporis magnitudine, ingens visu, gross von Ansehen 
(bei Tacitus). — Wenn einzelne Personen magni heissen, so hat es 
den Sinn unseres angesehen und achtungsiuürdig ; z. B. Alexander 
magnus, homo magnus (Cic. Att. 2, 2, 2), vir magnus (nat. deor. 2, 167). 
Dennoch wird kein Volk in diesem Sinne magnus oder maximus 
genannt, da magnus sich bei einem Yolke auf Umfang, Grösse der 
Macht und Zahl bezieht, wenn nicht ein bestimmender Zusatz dazu 
tritt. Sonst steht magnus bei jeder grossen, umfangreichen Sache, 
z. B. epistula magna, maxima (Cic. Q. fr. 3, 1, 11). — N. L. ist es, 
magnus mit Adjektiven zu verbinden, die substantivisch gebraucht 
werden, z. B. magnus amans, doctus, eruditus, familiaris, stultus — 
und was man sonst der Art wohl verbunden findet, um bloss einen 
hohen Grad anzuzeigen. Meistens wird dafür bloss der Superl. ge- 
braucht, z. B. mein grosser Frewxd, meus amicissimus, mei aman- 
tissimus. Magnus amicus ist richtig, aber in welchem Sinne, ist 
unter dem Worte amicus bereits gezeigt worden. In der Redensart: 
es ist grosses Gerede von etwas wird nicht magnus, sondern muMus 
sermo gesagt; vgl. Cic. Att. 7, 23, 2. So sagt man auch gewöhn- 
lich multo post tempore, weil dabei an die einzelnen Zeiträume und 
Jahre gedacht wird, während magnum tempus öfter im bell. Hisp. 
aus der Yulgärsprache genommen ist und magno post tempore bei 



Maiestas — 49 — Maior 

Iust. 11, 10, 14 und 32, 3, 10 auf den ganzen Inbegriff der Zeit, 
die ganze Zeitmasse geht. S. Benecke zu Just. 32, 3, 10. — Zur 
Bezeichnung des unbestimmten Preises bei Kauf, Verkauf u. dgl. 
gebraucht Cicero folgende Ausdrücke: magno, pluris, tanti, quanU, 
tantidem, maximi, plurimo; parva, minoris, minimo; man vergleiche 
folgende Stellen: Verr. 3, 40; 3, 43; off. 3, 59; Tüll. 14; nicht 
nachzuahmen ist Phaedr. 2, 5, 25 maioris venire, ebenso wenig 
maximo vendere, was Paneg. 11, 259, 7 haben. — Wiewohl mit 
grosser Mühe heisst magno negotio (Caes. Gall. 5, 11, 1), so wird 
doch wohl nie ohne grosse Mühe durch sine magno negotio über- 
setzt, sondern durch parva labore (nach Tibull 4, 1, IG). Auch 
merke man, dass gross in Worten fast nur durch grandis, selten 
durch magnus bezeichnet wird. Ygl. Cic. Brut. 29; 126 u. a. Über 
Maior vgl. unter diesem Worte. — Immer noch nicht genug be- 
achtet trotz Nägelsbachs, Wölfflins und anderer Mahnung ist der 
Gebrauch von magnus, wo wir andre Adjektive setzen. Ich erachte 
es für dringende Pflicht jedes Lateinlehrers, den § 70 bei Nägels- 
bach-Müller genau zu studieren und darauf bei der Exegese und im 
Lateinschreiben immer zu merken. Zu den Beispielen bei Nägels- 
bach-Müller S. 278 füge ich bei: Cic. Lig. 21 magnum vinculum, 
ein enges Band; fam. 13, 17, 1 maximwn vinculum; Att. 4, 3, 4 
magnum convicium, schivere Beschimpfung ; Cic. fam. 7, 32, 1 magnus 
usus, lebhafter Verkehr, Phil. 7, 23 magna pax, orat. 4 m. artes, 
fam. 3, 10, 3 maximis suis rebus, eigene Angelegenheiten von höch- 
ster Wichtigkeit, Yerr. 4, 86 imber maximus, sehr starker Regen ; vgl. 
noch Wölfnin zu Liv. 21, 43, 3. 

Maiestas, Majestät, als Titel der Könige und Kaiser, findet sich 
schon von Augustus bei Horaz ep. 2, 1, 258 sed neque porvum Car- 
men maiestas recipit Uta; es hat sich von da ab erhalten, wie Phaedrus 
2, 4 (5), 23, Suet. Cal. 22, Martial praef. 8, Jord. Get. 189 u. 215 
zeigen; vgl. Schöner S. 495, Engelbrecht Titelwesen S. 57, Berg- 
müller Jord. S. 35. Maiestas von der Gottheit gebraucht, findet sich 
oft bei den Eccl., vgl. Dombarts Index zu Commodian und S. 125 
der ed. des Min. Fei. — Über laesa maiestas vgl. Laedere. — .V. /.. 
ist das Adj. maiestaticus, die Majestät bezeichnend, gross, herrlich, 
für maiestatem designans, maiestati conveniens u. a., nach Verschieden- 
heit des Sinnes. 

Maior, grösser. Der Genitiv maioris, um den höhern Werl bei 
Verben wie aestimare, facere, habere u. s. w. zu bezeichnen, findet sieh 
nur P. L. bei Phaedrus und N. Kl. bei Seneca und ist nicht oachzu- 
biauchen, für pluris; vgl. Landgraf zu Keisig- II aase S. 573. — N. L. 
ist auch in diesem Sinne der Abi. maiore oder maiore pretio, beides 
ohne Autorität. — Richtig ist aber maioris bei dem zugesetzten 
pretii, z. B. ornatum muliebrem pretii maioris, r<>>i höherem Werte 
Cic. inv. 1, 51; Varro r. r. 1, L3, <*> viüae rusticae erant maioris 
pretii quam urbanae neben l. 7, 1 pluris pretii; darnach ist Kloti 
Stil. S. 8 zu korrigieren. — Was wir Majorität nennen, ist lat. maior 

K re b«-S c h in ;i Iz , AntiburburuH II. [ 



Maiorennis — 50 — Maledicere 

parä, z. B. maior pars tribunorum Liv. 9, 46, 7. — Grösser werden 
von einer Krankheit wird meistens durch ingravescere, increscere u. a. 
ausgedrückt. 

Maiorennis, mündig, volljährig, majorenn, ist N. L. für puber, 
qui in suam tutelam venu, sui iuris est. 

Malaria, die Meeresstille, das griechische fiaÄaxta, hat Caesar 
(Gall. 3, 15, 3) vielleicht aus der Schiffersprache als Kunstwort un- 
bedenklich aufgenommen, jedoch in Verbindung mit dem erklärenden 
tr anquill itas, um so den ganz bewegungslosen Zustand des Meeres 
auszudrücken, vgl. Landgraf zu Reisig-Haase S. 200 Anm. 406 K. 
Ygl. noch Sen. ep. 67, 14 in otio inconcusso iacere non est tranquilli- 
tas: malacia est. Cicero begnügt sich (Tusc. 5, 16) mit tranquillitas 
maris; an dies halte man sich und meide malacia. Näheres siehe 
Archiv IV S. 259. — Ein gemeiner Name für unser Meeresstille war 
der Plural flustra, was sehr selten bei Suet. fr. und Tertull. vor- 
kommt und auch von alten Grammatikern erwähnt ist. 

Malacissare, erweichen, findet sich A. L. bei Plautus für mollire ; 
vgl. darüber Funck in Wölfflins Archiv III S. 414. N. Kl. bei Se- 
neca wird jetzt epp. 66, 53 malaxandos articulos gelesen. 

Male. Über male audire, schlecht hören und in schlechtem Rufe 
stehen, vgl. Audire, und über male contentus, missvergnügt, vgl. Con- 
tentus. Gut ist male = mit Unrecht: male reprehendunt praemedi- 
tationem rerum futurarum, Cic. Tusc. 3, 34, ebenso wie unser 
schlecht = nicht gehörig, nicht recht: male tegere mutationem for- 
tunae Tac. hist. 1, 66, male sustinenti arma gladium superne iugulo 
defigit Liv. 1, 25, 12. — Besonders wichtig aber ist male in Ver- 
bindung mit Adj., wo es bald ein fehlerhaftes Zuviel, bald ein Zu- 
wenig bezeichnet, z. B. Horaz sat. 1, 3, 45 male parvus, verteufelt 
klein, od. 1, 9, 24 male pertinax = non admodum pertinax, vgl. 
Heraus zu Tac. hist. 1, 17, Krüger u. Fritzsche zu Hör. sat. 1, 3, 45, 
Nauck zu Hör. od. 1, 9, 24, namentlich aber Langen Winterlektions- 
katalog Münster 1882 S. 10. Über male = valde, vehementer bei 
Adj. oder Verben, welche an sich schon eine schlimme Bedeutung 
haben, z. B. odisse, timere, cruciare habe ich Asinius Pollio 2 S. 44 
gehandelt. Es gehören indes alle diese Wendungen, wie male me- 
utere, peius odisse, pessime vexare dem Umgangston an und finden 
sich bei Cicero nur in den epp. u. Erstlingsschriften. Vgl. noch Wölff- 
lin Komp. S. 15 f., Süss S. 32. 

Maledicentia, die Schmähsucht, das Schimpfen, Schelten, kommt 
nur Sp. L. bei Gellius vor, für maledictio, procacitas, petulantia, 
temeritas linguae. 

Maledicere, jemanden schimpfen, auf jemande?i schmähen, wird 
schon im A. L., z. B. Ter. Eun. 799, dann im Kl. L. z. B. Cic. de 
or. 2, 305 si quis mild male dicat und N. Kl., z. B. Sen. contr. 1, 
3, 10 und 1, 4, 1 und Plin. epp. 10, 97, 5 mit dem Dativ kon- 
struiert, Sp). L. mit aliquem, was nicht nachzuahmen ist; vgl. über 
Sp. L. Thielmann Apoll. S. 16, Rönsch Ital. S. 440, Kaulen S. 228, 






Malefacere — 51 — Malus 

Gölzer Hieron. S. 302, Koffmane Kirchenlat. S. 78. Das Partizip 
maledicens steht A. L. bei Plautus Mcrc. 410 für das Kl. maledicus, 
wozu der Komparativ maledicentior und Superlativ maledicentissimus 
bei Plaut. Mercat. 142, Cic. Flacc. 7, Nepos Ale. 11, 1 sich findet; 
maledictus, verflucht, verwimscM, kommt Sp. L. vor, für exsecrabilis, 
detestabilis. 

Malefacere ist A. L. bei Plaut. Ter., Cic. hat es nur fam. 11, 
21, 1 di isti malefaciant und medef actum nur inv. 2, 108; Sp. L. 
taucht es aber wieder auf, vgl. Thielmannn Archiv VIII S. 511. 

Malefactor, der Übeltäter, steht nur A. L. bei Plautus und 
Sp. L. in der Vulg. und bei Pseudo-Cypr. 111, 21 H. für homo male- 
ficus; malefactio ist sehr Sp. L., vgl. Archiv X S. 566 und XII S. 456. 

Malevolens, übelwollend, übelgesinnt, findet sich nur A. L. bei 
Ennius Sc. 9 V. und bei Plautus, z. B. Capt. 580 für malevolus. 
aber Kl. ist der Superlativ. S. Cic. fam. 1, 7, 7 u. 1, 9, 17. 

Mellitus zitiert Ulpian aus Labeo, vgl. Kalb Roms Juristen S. 43, 
sonst kommt es nirgends vor. 

Malle, lieber wollen. — Nicht N. L. ist pro oder prae aliqua 
re aliquid (aliud) malle, für etwas ehvas (anderes) lieber wollen, etwas 
lieber wollen als ein anderes, eines dem andern vorziehen; denn Sali, 
sagt Cat. 17, 6 incerta pro certis malebant, und Tac. hist. 2, 86 yro 
certis et olim partis nova ambigua aneipitia malebat; richtiger jedoch 
ist aliquid malle quam aliquid oder alicui aliquid praeferre; vgl. 
Fabri zu Sali. Cat. 17, 6. — Einem günstiger, gewogener sein, ist 
malle alicui, s. Cic. Attic. 2, 16, 4: in hac re malo universae Asiae 
et negotiatoribus, und mit dem Accus, der Sache = einem etwas 
mehr oder lieber gönnen — alicui aliquid malle, Cic. Plane. 59. — 
Nach malo folgt Inf., Acc. c. inf., Konj. ohne ut häufig ; seltener ist 
malo ut, Cic. hat vielleicht nur ein Beispiel, Att. 1, 16, 14 mallem, 
ut ires, denn ib. 8, 9, 4 steht nihil malle Caesarem quam ut (aber 
daneben nihil malle Caesarem quam . . vivere)) Stellen aus A. L. 
und N. Kl. — sieben im ganzen — hat Sjöstrand Loci S. 15. — 
Eine Hinzufügung von potius zu malo ist ein gerade nicht besonders 
empfehlenswerter Pleonasmus, der sich bei Cicero sehr selten (nicht 
Lig. 5, was Georges zitiert), z. B. div. Caec. 21 qui sc ab omni/ins 
desertos potius quam abs te defensos esse malunt, dagegen wiederholt 
in den epp. an Cicero findet, vgl. Süpfle-Böckel l) 8. 399. — Eine 
interessante, noch nicht genugsam bekannte Ausgleichung eweier 
Konstruktionen bespricht Andresen zu Cic. fam. 4, 7, 4; es ist dies, 
wenn matte oder ähnliches in einer Frage steht. Da kann ebenso 
gut eine Doppelfrage angewendet werden als eine einfache IV: 
mit folgendem quam; z. B. Cicero Plane. 19 utrum magü für 
putas Atiuud's uii Tu8Culail08 suis f und Cic. fam. 4, 7, 4 norme 
muris tfine periculo tuae dornt esse quam cum pericülo edienaef und 
ib. Eomaene an Mytüenis malles vioeref 

Mulus, u, um. So vieldeutig dieses Wori auch ist und unter 

anderem auch wie unser Übel daran sein vom Kranken gesagt wird 



Malus — 52 — Mandare 

(in malis esse, male esse, pessimum esse == übel, sehr übel daran 
sein im Gegensatz von meliorem esse, Cels. 3, 15 extr. und 3, 5, a. 
medd. : peiorem fleri), so -findet man es doch nicht von leidenden und 
kranken Teilen des Leibes gebraucht, wo wir unser böse brauchen; 
z. B. böse Augen, böse Füsse, böse Hände heissen nicht mali oculi, 
mali pedes, malae manus. Böse Augen heisst entweder oculi affecti, 
oder es wird durch lippitudo (Cicero Tusc. 4, 81) oder durch 
lippire, ocidis laborare u. dgl. ausgedrückt. So sagt auch Cicero 
(fam. 14, 4, 6) : valetndine oculorum impediebatur, d. h. durch 
Augenweh, durch böse Augen wurde er verhindert. — Böse sein auf 
jemanden, d. h. erzürnt sein heisst nicht alicui malum esse, sondern 
irasci, iratum esse, suscensere, und böse sein in demselben Sinne 
ohne einen Zusatz — indignari, moleste ferre u. a. — Böse Luft 
heisst nicht malus aer, sondern aer crassus, pestifer, adversus, non 
salubris, gravis, caeli gravitas, caelum grave u. dgl.; — böser Wind, 
nicht ventus malus, sondern ventus adversus, gravis, saevus, mo- 
lestus u. a.; ich bin schlecht (übel) zu Fusse, nicht malus sum pe- 
dibus, sondern non valeo pedibus und ähnliches andere. — Man sagt 
auch nicht bonum (bona) malo (malis) pensare, Gutes mit Bösem 
vergelten, sondern benefacta maleficiis pensare, und Gutes mit Gutem 
vergelten : beneficia beneficiis pensare bei Sen. de benef. 3, 9, 3. Wäre 
wohl auch beneficium beneficio reddere richtig? Wir bezweifeln es, 
weil wir 1) dafür keine Autorität kennen, 2) weil bei reddere sonst 
nicht aliquid aliqua re, sondern pro aliqua re verbunden wird, s. 
Sen. de benef. 6, 5, 2, Caes. Gall. 6, 16, 1 und Ter. Phorm. 336: 
pro maleficio beneficium reddere und Vulg. öfter reddidit mihi malum 
pro bono. 

Malus, der Apfelbaum, und malum, der Apfel, werden im bessern 
Latein nicht verwechselt, was im N. L. wohl geschieht. 

Mandare bedeutet nicht nur auftragen, Auftrag geben, sondern 
es steht besonders in der militärischen Sprache oft synonym mit 
iubere und imperare, z. B. : Caes. Gall. 3, 11, 2 u. 3, ibid. 6, 10, 3 
u. 4, Numidas obequitare iubet hostium portis . . . Haec mandata 
Numidis, Liv. 21, 54, 4; 36, 3, 12 u. 13. So bedeutet denn auch 
mandatum eine Ordre, einen Befehl, eine Instruktion zur Ausführung 
von etwas, z.B.: legatis occulta mandata data sunt, ut corpus Achae- 
orum dissolverent, Iust. 34, 1, 5, Sali. Jug. 35, Cic. Phil. 6, 10, Verr. 
4, 84; 4, 15, wo sich das früher verworfene mandata publica findet. 
Besonders oft kommt mandatum so N. Kl. von geheimen Blutbefehlen 
der Kaiser vor. S. Tac. ann. 2, 43 u. 71 u. 3, 16 u. hist. 4, 49 u. 
Suet. Galba 9 und Tib. 52. Die Person, der etwas aufgetragen 
wird, steht im Dativ, N. Kl. und Sp. L. auch mit ad u. Accus., vgl. 
Suet. Calig. 25 mandasse ad Pisonem, vgl. Rönsch Coli. phil. S. 58. 
— Das Subst. mandatus kommt nur im Abi. vor, z. B. Cic. Süll. 65 
und Caec. 19. — Die regelmässige Konstruktion von mandare ist 
mit ut oder ne, z. B. Cic. Caec. 15 mandat, ut fundum sibi emat, 
oder mit Konjunkt. ohne ut, z. B. Caes. Gall. 3, 11, 2 huic mandat, 



Mandatarius — 53 — Manere 

Remos reliqnosque Beigas adeat; alle übrigen Verbindungen sind 
unklassisch und nicht nachzuahmen, so namentlich auch das von 
Dräger II S. 822 nicht erwähnte mandare mit Acc. Gerund, bei Suet. 
u. Just., z. B. rapiendos mandabat, vgl. Seck II S. 5, ferner der In- 
finitiv bei Vitruv, vgl. Praun S. 17, der Acc. c. inf. bei Paneg. und 
sonst, vgl. Chruzander S. 102. — Man merke mandare memoriae, 
litteris, immortalitati u. ä., welche Phrasen eine Dauer des beabsich- 
tigten Zustandes ausdrücken wollen; vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 9. 
Kl. ist mandare magistratum und honores, auffällig aliquem honore 
mandare im IV Scipionenelogium, vgl. Wölfflin S. 201, aber un- 
lateinisch mandare auctoritatem. 

Mandatarius, der Bevollmächtigte, beruht auf einer zweifelhaften 
Lesart in dem Juristen Ulpian. Der Auftraggeber ist Kl. qui mandat, 
in der Juristensprache auch mandans und mandeitor, der Mandatar 
aber ist Kl. qui mandatum suscepit oder recepit oder cui mandahir, 
in der Juristensprache procurator ; näheres siehe bei Landgrat' zu S. 
Rose. S. 333. 

Meine, früh, am Morgen. Unser am andern, am folgenden 
Morgen heisst weder meine sequenti, noch mane altero oder seeundo, 
sondern meine postridie, postridie meine, postero die meine, postridie 
eins diei meine, Caes. Gall. 5, 10, 1 oder, wie Columella sagt, mane 
postero; Sp. L. erst bei Oros. 5, 10, 9 lesen wir alio mane; am 
heutigen Morgen ist nicht hodierno meine, sondern hodierno die mane 
oder hoelie mane; etm gestrigen Morgen, nicht hesterno mane, sondern 
hesterno die mane oder heri mane; morgen früh, cras meine; am 
frühen Morgen, ganz oder sehr früh, bene meine (Cic. Att. 10, 16, 1), 
multo meine (ib. 5, 4, 1); Varro 1. lat. 9, 73 cum primo meine, ebenso 
b. Afr. 62, 5, Sp. L. die Epit. Alex. 17; primo meine, Just. 1, 10, 4 
u. Colum. 12, 1, 3; heute geinz früh, prima hoelierna luce (Liv. 1, 
16, 6). Vom frühen Morgen au. ist bei Plaut., z. B. Most, 534 und 
überhaupt in der älteren Sprache a maui, vgl. Lorenz zu Plaut. 
Most. 534 und zu Mil. 700; später aber sagte man a mane, /. B. 1). 
Afr. 42 und 61 a meine, Cic. fam. 9, 26, 3 cenam te quaerere a mane; 
a primo mane sagt Colum. 11, 1, 14; vom Morgen bis zum Abend 
a meine ad vesneram, Suet, Cal. 18; doch Caesar sagt civ. 1, 81 a 
jui/ma luce, er verschmäht meine mit Präpositionen, vgl. Wölfflin l>. 
Afr. 42 und Archiv XII S. 194, sowie Köhler act, Erl. I S. 396. 

Manere, bleiben, bedeutet das Fortdauern eines früheren Zu- 
standes und passt daher in manchen Redensarten nicht; z. B. diese 
Vorlesungen bleiben unbesucht heisst scholae vacuae oder infreqtietites 
relmquuntur oder sunt, oder non frequentantur ; dieses bleibt nicht 
ungestraft. Itoe non impune est, nicht impunitlim »tauet; dieses blieb 
mir unbekannt, mihi fuit (nicht mansif) incognitum, hoc ignoravi und 
ähnl. Ferner ist manere in der Umgangssprache auch unser wohnen, 
übernachten und mansio du* Nachtquartier, woher das französische 
rnemm. B.Fabri u. Wölfflin zu Li?. 22, 18, 8, sowie Bool ; l 
Att. 16, 10, 1 u. Uönsch Sem. 111 8. 57; Thielmann Ardm III, 540; 



Mania — 54 — Manifeste 

Wölfflin Archiv VIII, 18 u. Kubier ib. VIII, 196, besonders Geyer 
Arch. VIII S. 476; Watson S. 311. Wenn ferner bleiben — .sein, 
existieren bedeutet, wie in unserm Deutschen: wo bleiben diejenigen, 
welche . . so sagt man dafür lat. nur: tibi sunt ii, qui . . Cic. Tusc. 

4, 79. Hingegen unser bleiben = sein Verbleiben bei ehvas haben, 
ausgemacht sein, feststellen ist auch lat. mauere, wie maneat ergo, Cic. 
Mil. 11, fam. 13, 36, 1; darnach folgt der acc. c. inf., z. B. maneat 
ergo, quod turpe sit, id nunquam esse utile, off. 3, 49. — Es bleibt 
übrig heisst reliquum est, relinquitur, restat; der Unterschied ergibt 
sich aus Seyffert schol. lat. IS. 17 : relinquitur es bleibt von mehreren 
Möglichkeiten schliesslich eine als notwendig, reliquum est und restat 
leiten den letzten Teil einer Auseinandersetzung ein; stehen bleiben, 
insistere, subsistere; bei den Bedingungen bleiben, stare (nicht manere) 
condicionibus (aber gut ist in condicione, pactione manere, s. Liv. 8, 
21,6, Cic. Verr. act. I, 16, Attic. 7, 15, 3, Nepos Agesil. 2, 4 und: 
si in eo manerent, quod convenisset, Caes. Gall. 1, 36, 5); bei seinem 
Eide bleiben, conservare iusiurandum ; bei den Gesetzen bleiben, ob- 
servare leges. — Bei seinem Vorsatze bleiben heisst zwar auch mauere 
in proposito, in sententia, aber auch stare in proposito, sowie stare 
pacto Liv. 9, 5, 5. — In dem Sinne von auf einen warten, ihm be- 
vorstehen, sagt Antonius bei Cic. me manet aliquid, vgl. Phil. 13, 45 
sin autem me aliud fatum manet; aber bei Cic. Phil. 2, 11: cuius 
tibi fatum manet bedeutet manere nicht erwarten, sondern verbleiben, 
sicher beschieden sein, vgl. Halm z. St. Diese Konstruktion ist vor- 
wiegend poetisch, näheres bietet Landgraf Anm. 557 a zu Reisig- 
Haase S. 644, Klotz Stil. S. 199. Über manere = exspeetare, z. B. 
Liv. 42, 66, 3 hostium adventum elatus successu mansit spricht 
Riemann Etudes S. 18; er weist es der langage populaire zu. — 
D. L. ist in proelio manere, im Treffen bleiben, in der Bedeutung 
im Treffen fallen, sterben, für cadere (in) proelio. 

Mania, die Raserei, ist erst Sp. L. aus dem Griech. (pavia) 
aufgenommen; Cicero (Tusc. 3, 11) erwähnt es für die latein. furor 
und insania. 

Manifestare, offenbaren, kund tun, bekannt machen, kommt 
zwar schon bei Ovid met. 13, 106 insidias prodet manifestabitque 
latentem vor, nachher aber erst Sp. L. bei Justin, Commodian, Hier., 
Lucif. Cal., sowie beim Juristen Scaevola, bei Ulpian u. a., namentlich 
bei Justinian für in vulgus edere, enuntiare, declarare, aperire, osten- 
dere, patefacere, vulgare, manifestum facere; vgl. Kalb Roms Juristen 

5. 105. Statt manifestatus findet man manifestus, z. B. Curt. 8, 2, 6, 
Tac. hist. 1, 41, auch Sp. L. noch bei Cassiodor, vgl. Stangl Berl. 
Woch. 1905 Sp. 699, Bayr. Gymn. 1898 S. 555. — Sp. L. ist mani- 
festatio, die Kundmachung , und manifestator, der Offenbarer, wofür 
die eben angegebenen Verba zu brauchen sind; vgl. Gölzer Hieron. 
S. 72. 

Manifeste, Adv. von mayiifestus, steht N. Kl. bei Celsus praef. 
S. 9, 1 D., sonst ist es Sp. L. Form für das Kl. manifesto, z. B. 



Manipretium — 55 — Manus 

bei Commod.; Merguet zitiert zwar für manifeste noch im Hand- 
lexikon Cic. Cluent. 48, aber dort liest C. P. W. Müller u. jetzt auch 
Clark manifesto, ebenso an allen Stellen, die Nizolius aus Cic. für 
manifeste beibringt. 

Manipretium, Macherlohn (bei Kunstsachen, das franz. fagon) 
ist seltene Form für manupretium oder in zwei Wörtern manus pre- 
tium. Ygl. Drakenb. Liv. 34, 7, 4, C. F. W. Müller zu Cic. Verr. 
1, 117. 

Mantissa, ein im N. L. oft gebrauchtes Wort in der Bedeutung 
die Zugabe, ist so selten, dass es nur von einem späten Lexiko- 
graphen als altes Wort erwähnt wird, nach welchem es eine unnütze, 
wertlose Zugabe bedeutet. Additamentum, sagt er, quod p&nderi 
adicitur, sed deterius et quod sine idlo usu est. Gleichwohl brauchen 
es die Neuern für ihre oft wertvollen Anhänge und Zusätze, für 
addendum, addenda, additamentum, appendix. 

Manualis kommt als Adj. nur N. KL einigemal vor und wird 
von gewöhnlichen Sachen, wie von Steinen, Besen u. s. w. gebraucht, 
welche die Hand füllen, aber in der Bedeutung Handbuch kommt 
nur das substantivierte Neutrum Plural, manualia einmal vor, für 
enchiridion, libellus, epitome. Bekannt ist in neuern Zeiten das 
manuale Epicteti als Übersetzung des griechischen iy^sipedeov, woher 
man es auch mit Handbuch oder Handbüchlein übersetzt hat. Es 
ist durchaus verwerflich. 

Manuductio, die Hundführung •, Handleitimg, Leitung, Anleitimg, 
ist N. L. und kommt als Titel mancher neuen Bücher vor, wie man 
z. B. eine manuductio ad linguam graecam (Romae 1G96) hat, und 
so ähnliche andere. Janus schlägt in seinem Lexikon dafür duetus 
und praeeepta vor; man könnte noch ars hinzufügen. 

Manu factum, die Manufaktur, ist gleichfalls N. L. gebildet 
von manu f actus; man kann dafür sagen: offlcina operum manu 
factorum. 

Manumittere wird vielfach als ein Wort geschrieben. Jedoch 
trennt Cicero beide Wörter Mil. 57 manu vero cur miserit, si id 
potius ijiiaeris; demnach wird man richtiger manu mittere schreiben. 
Indes kann auch in diesem Falle zu manu kein Possessiv treten, 
also sagt man nicht mea manu missus est, sondern a nie manu missus 
est, vgl. Cic. fam. 13, 21, 2. — Seltener ist manu aliquem emittere, 
was nach Brix zu Plaut. Capt. 405 allein bei den Komikern üblich 
war, sich in KL Sprache nicht findet und in Prosa erst von Liv. 24, 
18, 12 und nach seinem Vorgange N. KL von Tacitua und Sueton 
gebraucht ist. Ygl. Kühnast S. 169 Anm., namentlich aber Kalb im 
Progr. Nürnberg 1880, S. 20. 

Manus, die Hand. Man beachte, dass die Lateiner manus oft 
in eigener Verbindung und Bedeutung brauchen, /.. B. in manibus 
esse, videri = in nächster Nahe sein, wie bei Caesar Gall. -, 19, «. 
Verg. Aen. 10, 280. Daran schliesst sich Beyfferi /u Oic. Lael, 

S. 551 — die zweite Bedeutung: es steht etwas in unserer Gewalt, 



Manus — 56 — Manus 

man kann es ergreifen und sich seiner bemächtigen, z. B. Liv. 7, 36, 
10 dum occasio in manibus esset, wiewohl dafür der Sing, mit dem 
Zusätze eines Pronomens wie nostra oder nobis das gewöhnliche ist; 
z. B. Cic. fam. 14, 2, 3 verum Jiaec non sunt in nostra manu; vgl. 
Dietsch zu Sali. Jug. 14, 4, Burg S. 61, Lorenz zu Plaut. Most. 577. 
Daher sagt Liv. 34, 2, 11: in manu esse parentium, fratrum, virorum. 
Die Phrase es liegt in deiner Hand, dies zu tun kann klass. nicht 
mit in tua manu est gegeben werden, denn dabei steht nie ein Satz. 
Nur Sp. L. finden wir dabei den Acc. c. inf. (Apul.) oder ut (Paneg.) 
Sonst stimmt die deutsche und die lat. Sprache in den von dem 
Worte manus entlehnten Ausdrücken im eigentlichen oder tropischen 
Gebrauche meist zusammen, z. B. in Händen, unter den Händen 
haben (ein Buch, den Sieg, die Hoffnung), in manibus habere (Cic. 
Cato 22); auch (eigentlich) in manu habere, teuere, wenn man nur 
eine Hand braucht: lauream, pyxidem veneni in manu habere, tenere, 
Liv. 40, 37, 3, Cic. Cael. 65. Manu tenere aliquid wird auch trop. 
von dem Handgreiflichen, Offenkundigen, TJnividersprechlichen gesagt, 
wie indicia mortis manu tenere, Cic. Brut. 277. Yon geistigen 
Werken — sie in oder unter den Handelt haben, sich mit ihnen 
beschäftigen, an ihnen arbeiten, ebenfalls in mayiibus habere; z. B. 
Cic. acad. 1, 2: habeo opus magnum in manibus; Cato 38: septimus 
mihi Originum liber est in manibus, ich habe unter den Händen, 
schreibe an dem Buche, — wofür Plinius (ep. 2, 5, 2 und 5, 5, 7) 
sagt: inter manus habere; die letzte Hand = Vollendung ist extrema 
manus bei Cic. Brut. 126, summa manus bei Ovid trist. 1, 6, 28 und 
Quint. 10, 1, 97, idtimam manum imponere bei Yell. Pat. 2, 33, 1. 
Endlich wird in manibus esse auch von den litterarischen Werken 
gebraucht, die sich in den Händen des Publikums befinden, s. Cic. 
Lael. 96, Cato 12, Brut. 125; auch in der Bedeutung sprechen über 
ehvas (Cic. Tusc. 5, 18); ferner: bei der Hand, d. h. in Bereitschaft 
sein, ad manum esse, gleich in promptu esse; bei der Hand haben, 
ad manum habere; etwas aus der Hand, aus den Händen lassen, ex 
manibus aliquid dimittere; in jemandes Armen sterben, in alicuius 
manibus mori (Cic. inv. 1, 108); jemand auf den Händen tragen, in 
manibus habere (Cic. fam. 1, 9, 10); jemanden etwas in die Hände 
spielen, in manus tradere (Liv. 5, 27, 4); etwas in die Hand, in die 
Hände nehmen, in manus (selten in manum) sumere. Seine Hand 
an jemand legen ist manum inicere aliciii nach Cic. Qu. Rose. 48 ipsa 
mihi veritas manum inicit; man hüte sich wohl, das Possessiv zu 
manus zu setzen, dies findet sich nur im Vulgärlatein, z. B. Vulg. 
Luc. 21, 12. Hand an sich legen ist sibi manus afferre; manus dare 
= sich für besiegt erklären, Caes. Gall. 5, 31, 3, Cic. Lael. 99 und dazu 
SeyfFert-Müller S. 540, Boot zu Cic. Att. 2, 22, 2; sich mit Händen 
und Füssen wehren = manibus pjedibusque nach Ter. Andr. 161, vgl. 
Meissner z. St., aber weder Hand noch Fuss haben = nee caput nee 
pedes nach Curius bei Cic. fam. 7, 31, 2, vgl. Z. f. G. W. 1881, S. 
140, Anm. 71. Die Hände in den Schoss legen == compressis 



Manuscriptum — 57 — Mappa 

manibus sedere (Liv. 7, 17, 7, wo der Zusatz quod aiunt den Satz 
als sprichwörtlichen erkennen lässt). In der Umgangssprache scheint 
beliebt gewesen zu sein sub manus oder sub manu, z. 13. Plauens 
bei Cic. fam. 10, 23 und Sen. ep. 71, 1 sub mann, quod aiunt, nascatur 
consilium. Noch mehr hierüber bieten Rebling 1 S. 18, Köhler act. 
Erl. I S. 468, Andresen und Böckel zu Cic. fam. 10, 23, besonders 
aber Bergmüller Plane. S. 52. Nur A. L. und Sp. L. ist prae um im 
= in promptu esse, vgl. Gorges Gell. S. 68, Landgraf Z. f. ö. G. 
1882, S. 432, Sittl Lok. Versch. S. 124, Kalb Roms Juristen S. 128. 
Unser: wegen einer Sache keine Hand umkehren, d. h. sich lediglich 
nichts, auch nicht das geringste aus ihr machen, ist auch lat. : alieuius 
rei causa ne manum quidem vertere, vgl. Cic. fin. 5, 93 und Apul. de 
mag. 56 extr., vgl. Koziol S. 249. Man beachte auch, dass Kl. ge- 
sagt wird: aliquid est manu alieuius, etwas ist von jemandes Hand, 
nicht ab alieuius manu. Ygl. Cic. Attic. 7, 2, 3 : quae (epistulae) 
quidem erant tua manu. Von Menschenhand hergestellt, künstlich 
gefertigt ist manu, arte, opere, hominum manu atque opera, hominum 
labore et manu, hominum opera f actus, aber nicht hominis oder 
humana manu f actus, vgl. Nägelsb.-Müller 9 S. 72, Stangl Philol. 1905 
S. 312. — Gut ist auch inter manus: es bedeutet entweder ver- 
mittelst der Hände, auf den Händen, so bei Caes. civ. 2, 2, 3 agger 
inter manus proferebatur; oder es drückt aus: durch den fortgesetz- 
ten Fleiss, unter der Pflege meiner Hände, wie bei Seneca ep. 12, 
1: villa crescit inter manus, ferner manus, wie unser Hand, in der 
Bedeutung Schrift, Handschrift. Ygl. Cic. Att. 8, 3, 1, Cat, 3, 12. 
Auch sagte man von dem, der jemandes Hauptbeistand und Gehülle 
ist und das meiste für ihn tut, est eius dextra, wie wir: er ist seine 
rechte Hand. So sagt wenigstens etwas spöttisch Cicero (Att. 14, 
20, 5): Quintus filius, ut scribis, Antonii est dcxtella. Mit voller 
Hand, mit vollen Händen geben ist auch lat. plena manu dare, munera 
congerere, s. Sen. benef. 1, 7, 2, epp. 120, 10 und ad Polyb. 9, 7 
im Gegensatze zu vaeuis manibus aliquem a se abire pati, Sen. de 
brev. v. 14, 5. Endlich wird von einigen die sprichwörtliche Redens- 
art: plena manu aliquem laudare verworfen und dafür pleno ort 
laudare (aus Cic. off. 1, 61) empfohlen; aber auch jenes braucht 
Cicero (Att. 2, 25, 1): Hortalus quam plena manu, quam ingenue 
nostras laudes in astra sustulit. — Einige Phrasen, in denen das 
Deutsche mit dem Lat. nicht stimmt, gibt Nägelsbach 9 , vgl. l/<ind 
und manus im Register. — Über manu proprio, vgl. Vroprius. 

ManuScriptum, das Manuscript, die Handschrift, ist als Neutrum 
N. L. für liber, oder codex (manu) scriptus. Im Zusammenbang 
genügt auch bloss liber, codex oder liber scriptus im Gegensatze von editio 
zu sagen; oder alle Handschriften und gedruckten Ausgaben ist auch 
omnes libri et manu et typis <lrs<-/ii>fi. S. auch unter «1. A. Tmprim < 

Mappa wird im X. L. in dm- Bedeutung Tischtuch gebraucht, 
welches aber mantele oder maulilc hiess; jenes bedeutet die s * rrtetfe. 
Ygl. Quint. 1, 5, 57. 



Marcius — 58 — Margo 

Marcim werde nicht mit Martins verwechselt; jenes hängt mit 
Marcus zusammen, dieses aber ist das Adj. von Mars. Der König 
Auchs hiess Marcius, nicht Martins, wie man bisweilen seinen Bei- 
namen gedruckt findet ; dagegen heisst der Monat März nicht mensis 
Marcius, sondern Martins, da er dem Mars geweiht war. 

Marc Dass fast nur terra marique gesagt wird, ist bekannt. 
Die Stellen dafür hat Preuss S. 35, vgl. meine Ergänzung dazu in 
Philol. Rundschau I S. 1055. Bemerkenswert ist, dass im Sprich- 
wort terra marique auch dazu dient, die äusserste Anstrengung zu 
bezeichnen, z. B. Yatin. bei Cic. fam. 5, 9, 2 terra marique conquirere, 
vgl. Progr. Mannheim 1881 S. 48, Thielmann Apoll. S. 20 Anm., 
Landgraf Bayr. Gymn. 16, S. 279, Otto im Archiv IV S. 15. Ausser 
terra marique finden wir, aber selten, das Asyndeton terra mari, z. B. 
Liv. 41, 3, 1; 44, 22, 8, ferner terra et mari bei Cic. Attic. 10, 4, 
3, mari ac oder atque terra bei Flor. 2, 8, 11, Sali. Catil. 53, 2. 
Ebenso selten ist aut terra aut mari Cic. Att. 7, 22, 2, terra ac mari 
Yerr. 2, 4 und mari terraque bei Liv. 37, 11, 9, ib. c. 52, 3. 
A. L. und P. L. sind terra pelagoque und marique terraqim für unser 
zu Wasser and zu Laude. Hingegen et mari et terra oder et terra 
et mari findet sich öfter und ist ganz untadelhaft, weil dadurch jedes 
der beiden verbundenen Glieder als für sich allein bestehend und 
von gleicher Wichtigkeit gedacht wird, während bei dem enklitischen 
que das Gegenteil stattfindet. S. darüber Nepos Themist. 2, 4, 
Aristid. 2, 3, Alcib. 1, 2, Hamilc. 1, 2, Hannib. 10, 2, Cic. Verr. 2, 
96; 5, 131, Mur. 33; Liv. 37, 29, 5 et in terra et in mari, Sen. 
ep. 60, 2 u. 101, 4. Über mare Mediterraneum vgl. Mediterranem ; 
auch vgl. Aqua und Iter. — Noch merke man, dass die Ablativform 
auf e, mare für mari, P. L. ist; in Prosa ist sie von den Gramma- 
tikern für Varro bezeugt, auch sonst handschriftlich geboten, vgl. 
Neue-Wagener 3 I S. 354 und Rönsch Coli. S. 171. 

Margo, der Rand (eines Buches und ähnlicher Dinge), wird in 
dieser Bedeutung bezweifelt; aber so kommt es schon bei Ovid am. 
1, 11, 21 oculosque moretur margine in extremo littera rasa meos, 
dann bei Juvenal vor (sat. 1,5): plena iam margine libri, mit schon 
vollem (voll beschriebenem) Rande des Buches, und ebenso bei Quint. 1, 
1, 27 continebitur enim idrimque marginibus, sowie 8p. L. bei Sidon. 
Apoll, ep. 8, 16 iam venitur ad margines umbilicorum. Es ist also 
für diesen Begriff Kl. und werde dem Worte ora, welches man in 
diesem Sinne ohne alle Autorität gebraucht, vorgezogen. — N. L. 
aber ist marginales, und oft kommen observationes, glossae marginales 
u. dgl. vor, für ad marginem scriptus oder margini adscriptus, oder 
nach andern in margine, in vacua Charta oder verbis scrizitoris ad- 
ditus, adiectus, adscriptus, auch qui (quae, quod) in margine est. 
Übrigens scheint das Genus des Subst, margo nicht nur masc, sondern 
auch femin. gewesen zu sein, jenes aber bei den Bessern; vgl. Neue- 
Wagener 3 I S. 975; Cicero, Caesar, Sallust kennen das Wort über- 
haupt nicht. 






Maritare — 59 — Mars 

Maritare, verheiraten, ehelich verbinden, findet sich schon A. L. 
bei Plautus; es war wohl das gewöhnliche Wort für diesen Begriff, 
auch in der bessern Zeit, weswegen auch Augustus sein Gesetz über 
die Ehen — legem de maritandis ordinibus nannte, wie es bei 
Sueton (Aug. 34) vorkommt. Um so auffälliger ist, dass Cicero, 
Caesar und Sali, es nicht gebrauchen. — Was das Verhältnis von 
maritus und coniux = der Gemahl betrifft, so ist zu beachten, dass 
coniux in dieser Bedeutung prosaisch im ganzen seltner ist; es rindet 
sich, abgesehen von Yal. Max., Gell., Justin, nur zweimal bei Cicero, 
Cael. 78 und Tusc. 4, 69, hier in einer Dichterstelle, nur einmal bei 
Sen., ad Helv. 19, 5, nur zweimal bei Tacitus, ann. 3, 34 und 13, 
44, dagegen nie bei Caesar, Nepos, Sallust, Livius, Yell., Curtius, 
Celsus, Plinius dem Jüngern, Quintilian und Sueton. Die gewöhn- 
liche Bezeichnung des Gatten im Gegensatze zur Gattin gibt die 
klass. Sprache bekanntlich in vir, während man dafür spätlat. und 
nachklass. zwar nicht ausschliesslich, aber mit Vorliebe mar/Ins wählt; 
vgl. Sen. de benef. 2, 18, 1 und sonst, Gell. 1, 17 u. s. oft, Iust. 1, 
7, 19 u. s. w., oft bei Suet., z. B. Caes. 43 und c52 und c. 81, Tac. 
ann. 1, 5 u. s. w., Plin. epp. 1, 14, 1 und 2, 20, 2 und sonst oft, 
Quintil. 3, 11, 4 u. s. w. Auch Livius hat maritus 1, 57, 10 und 
selbst Cic. inv. 1, 52, Rab. p. r. 8. Wenn aber der blosse Stand 
(Ehemann) substantivisch bezeichnet werden soll, ist maritus die vox 
proprio,. Der neue Ehemann ist darum novus, recens maritus, s. 
Plaut. Cas. 782, Cic. Catil. 1, 26, dorn. 37, Liv. 36, 17, 8 und Plin. 
epp. 7, 24, 3 und 8, 23, 8. So finden wir denn auch im Gegen- 
satze von caelebs natürlich nur maritus, vgl. Plaut. Cas. 290 und 
Mercat. 1018, Quintil. 5, 10, 26, Sen. epp. 15, 2, 8 und Gell. 2, 15. 

Mars, wofür Mavors poet. Form ist, kann trop. : meo, tuo. suo 
Marte = durch eigene Kraft, ohne fremde Hilfe, selbständig ebenso 
gut gebraucht werden als das gleichfalls sprichwörtliche und unan- 
gefochtene pingui, crassa, invita Minerva, z. B. : hanc pariem relictam 
explebimus nidlis adminiculis, sed, ut dicitur, Marte nostro, Cic. off. 
3, 34, Verr. 3, 9; vgl. Otto in Wölfflins Archiv III S. 215 f. Weiter 
kommt in Betracht, dass Mars, Mars belli eine sehr gewöhnliche 
Metonymie ist für Streit und Kampf: pugna vom in manus, iam ad 
gladios, ubi Mars est atrocissimus, venerat wo der Kampf, das 
Schlachtgewühl am grässlichsten ist, Liv. 2, 46, 3. So ist Mars auch 
Kriegsgin eh-, verso Marte, Liv. 29, 3, 1 1 — versa fortuna, ib. 21, 
1, 2 und beüum ancipüi Marte gestum = der mit schwankendem 
Glücke geführte Krieg, Liv. 7, 29, 2. Communis Marx, communis 
Mars belli aber ist wörtlich der über beiden (kriegführenden) Teilen 
gemeinschaftlich waltende Kriegsgott, d. h. das von dem einen Teüe 
so gnt ivie von dem andern zu erhoffende Glück der Waffen; ebenso 
ist aequo, pari Marte pugnare, discedere ganz dasselbe, was aequa 
um n n discedere bei Sali. Cat 39, 4 oder aequis manibus abt 
Tac. ann. 1, 63 oder pari, aequo i>roe/i<> discedere, Nep. Them. 3, 
Caes. civ. 3, 112, 7, nämlich mit gleichem Glücke, mit gleichem Vor* 



Martius — 60 — Mater 

teile wie der Gegner, d. h. unbesiegt aus dem Kampfe hervorgehen. 
Endlich wird aequo Harte oder pari Marte nicht bloss von dem 
gleichen Krieg sglücke, dem gleichen, d. h. unentschiedenen Erfolge, 
sondern auch von der Gleichheit der Yerhältnisse gesagt, unter denen 
man in den Kampf zieht, ohne dass eine der leiden streitenden 
Parteien vor der andern etwas voraus hat, s. darüber Caes. Gall. 7, 
19, 3 und dazu Kraner und 8, 19, 2 und Curt. 4, 1, 8. 

Martius wird oft falsch gebraucht für Marcius; vgl. Marcius. 

Martyr, m. und f., der Zeuge, und die Zeugin {martyria, ae 
steht nur Ennod. carm. 1, 17, 23 H), ist erst im Kirchenlatein (zur 
Bezeichnung der Blutzeugen für die Wahrheit des Christentums) aus 
dem Griechischen aufgenommen worden und kann für diesen neuen 
Begriff nicht durch testis ersetzt werden, wiewohl Aug. serm. 319, 3 
martyr graece, testis latine sagt, — ebenso martyrium, sacra martyrii 
Corona, (martyrii palma bei Greg. M. dial. 3, 28), s. Ambros. off. 2, 
28, das Martyrium, oder auch ein den Märtyrern geweihter Tempel, 
vgl. Gölzer Hieron. S. 212 und 293, Watson S. 290. Beide Wörter 
sind in dieser Bedeutung nicht zu verwerfen, so besonders in Phrasen 
wie martyria facere, edere, auch tollere, sämtliche aus Cyprian. 

Mas, der Mann, das Männchen, hat im Gen. plur. im Kl. L. 
marium, vgl. Cic. part. orat. 35, vgl. Neue-Wagener 3 I S. 423, im 
Abi. nur mare, nicht muri; vgl. C. F. W. Müller zu Cic. nat. deor. 2, 
128 und Neue-Wagener 3 I 8. 367. 

Mascidinus und mascidus, männlich, kommen erst N. KL, z. B. 
beim altern Plinius vor, welcher oft genus masculinum braucht, was 
denn auch zu Quintilians Zeit der grammatische Kunstausdruck war ; 
dagegen sagt Kl. Yarro nur genus virile, vgl. lat. 10, 30 virilia et 
midiebria et neutra und 10, 21. Ebenso sind Kl. nur mas und 
virilis; bei Tieren nie anders, als mas; z. B. eine männliche Schlange, 
mas unguis, nicht mascidinus unguis. Ygl. Cic. divin. 1, 36 u. a. — 
Noch viel weniger kann eine männliche, d. h. kräftige Bede gut lat. 
oratio mascula oder masculina genannt werden, sondern nur virilis. 
Erst Sp. L., z. B. bei Ennodius, lesen wir lingua und dictio mascula, 
sowie dieta mascula. Als altes und allgemein angenommenes Kunst- 
wort aber behalte man genus masculinum bei. 

Mater. Die Haus- oder Familienmutter heisst gleich gut mater 
familiae und mater familias, welche Form sich hier erhalten hat; 
näheres siehe Progr. Mannheim 1881, S. 32, und Wagener Phil. 
Rundschau I S. 198 f., sowie Neue -Wagener 3 I S. 11 ff. — Ober 
matris frater und soror vgl. Matris. — Mater, bildlich von der Ur- 
heberin, der Quelle, dem Ursprünge u. dgl. gebraucht, ist lat. häufig 
und hat die besten Autoritäten; denn will man auch absehen von 
der Sprache der der späten Zeit angehörigen christlichen Autoren, 
wie Ambros. hexaem. 5, 1, 2, Arnob. 1, 57, Aug. in Ps. 83, 1 
und sonst, Greg. M. epp. 4, 31 u. a. und Lact. 3, 8, 32 und sonst, 
so kann man über diesen Gebrauch von mater doch verweisen auf 
rhet. Her. 2, 34, Horaz sat. 1, 3, 98, Plin. nat. 35, 156; 37, 80; 



Materia — 61 — Materialis 

Quintil. 9, 3, 89. Dazu kommt, dass diese trop. Verwendung von 
mater auch bei Cicero häufig vorkommt, z. B.: philosophia mater 
omnium bene factorum, Brut. 322 und inv. 1, 76, de orat. 2, 171, 
leg. 1, 47, ibid. 58, rep. 3, 23 und ibid. 5, 3, acad. 1, 39, Plane. 80. 
Über Mutter stadt vgl. Metropolis. 

Materia und materies sind Kl. gute Formen, gewiss aber ohne 
Unterschied der Bedeutung, wie ihn einige ausgesonnen haben. Über 
das Vorkommen beider Formen vgl. Neue -Wagener 3 I S. 561 und 
Madvig fin. S. 448. Was die Bedeutung betrifft, so wird — s. Dietsch 
zu Sali. Catil. 10, 3 — durch materia alles bezeichnet, wodurch 
etwas gebaut, gebildet, zustande gebracht wird. Daher ist das 
Wort oft = Quelle, Veranlassung, Gelegenheit, z. B. Cic. Phil. 11, 
21, Liv. 3, 46, 3, Tac. hist. 4, 4 und Weissenborn zu Liv. 35, 12, 10. 
Nach dieser Allgemeinheit der Grundbedeutung bezeichnet materia 
auch den idealen Stoff, das geistige Zeug, d. h. Talent und Anlage. 
S. Cic. Yerr. 3, 160, Liv. 1, 39, 3 und 1, 46, 6, Quint. 2, 4, 7. 
Ebenso ist materia oder materies auch der Stoff oder Gegenstand 
von Künsten und Wissenschaften. S. Cic. off. 1, 16, inv. 1, 7, 
divin. 2, 12. Der Stoff, das Objekt, das Thema einer ivissenschaft- 
lichen Erörterung, einer Rede, Schrift, Abhandlung u. ähnl. wird 
klass. bekanntlich regelmässig durch res, locus, quaestio, causa, argu- 
mentum, aber doch auch durch materia ausgedrückt. Die erstge- 
nannten Ausdrücke bezeichnen den Stoff, das Thema als Ganzes, als 
Einheit; wird hingegen auf den Inhalt eines Sujets im einzelnen und 
konkreten Rücksicht genommen, so tritt dafür materies oder m — a 
ein, das alle Gedanken, Daten, das gesamte Material bezeichnet, 
welches bei der Erörterung eines Themas zu verwenden ist, z. B.: 
Est etiam deformitatis et corporis vitiorum satis bella materies ad 
iocandum, Cic. de orat. 2, 239. Materiam rei non ignoras, Cic. Q. 
fr. 2, 1, 1. Si ornate locutus est physicus ille Democritas, materies 
illa fuit physici, de qua dixit, ornatus vero ipse verborum oratoris 
putandus est, Cic. de orat. 1, 49. Ygl. auch Cic. S. Rose. 89 in 
singulis rebus eiusmodi materies, so reiche Materialien, so reicher 
Stoff zum Heden; fam. 5, 12, 3 ist die Beschreibung des Konsulates 
Ciceros bis auf seine Rückkehr aus dem Exil materies. ein reicher 
Sto/f für Geschichte; ibid. 3, 6, 4 materia sermonis, Cic. Q. fr. 1, 2, 
3 u. a. Nachklass. aber bezeichnet materia oft dasselbe, was klass. 
durch res, locus, quaestio, causa, argumentum ausgedrückt ist, s. Sen. 
ep. 87, 11, Quintil. 5, 10, 9 und 10, 3, 14 und mehrmals heim 
jungem Plinius (vgl. ep. 2, 5, 5; 3, 13, 2 pulchritudo materiae, 
für rei oder argumenti dignitas; 5, 13, 3 materiaan ex titulo cog- 
nosces: cetera liber explicabit; 5, 17, 2; 9, 11, l iL a.i. \ 
kann auch dieser Gebrauch von materia nicht durchaus verworfen 
werden. 

Mateiialü ist ein 8p. />. Wort, welches besonders bei den Eccl. 
beliebt ist, vgl. Gtölzer Hieron. B. L45, wo auf mehrere Stellen bei 
Pauoker verwiesen wird. Man meide es. Als Ersatz dien! /. B< 



Maternus — 62 — Maturus 

corporis in voluptas corporis, materieller Genuss, vgl. Klotz Stil. 
S. 101; vielfach liegt der Begriff schon im Subst., z. B. utilitate 
studia metirij nach dem m. Nutzen bemessen, Cic. Phil. 2, 111 quaestu 
suo omnia metiri, nur materiellen Eriverb im Auge haben. 

Maternus, mütterlich. Wo wir sagen: von mütterlicher Seite, 
z. B. der Grossvater, die Grossmutter von mütterlicher Seite, wird 
zwar maternus gebraucht, aber ohne ein Subst. (wie pars oder gar 
latus) , sondern entweder sagt man bloss avus maternus, avia materna, 
oder materno genere. [Doch vgl. Latus.'] Ferner, wo wir von Mutter- 
sprache, die uns angeboren ist, sprechen, brauchen die Lateiner nicht 
maternus (also nicht materna lingua, maternus sermo == die Sprache 
der Mutter), sondern sermo patrius (Lucrez 3, 260 patrii sermonis 
egestas, Cic. fin. 1, 4) oder sermo, qui nobis natus est, in quo nos 
nati sumas, auch nostra lingua im Gegensatz von aliena; vgl. auch 
Bünemann zu Lact. 3, 16, 14. 

Mathesis, die Mathematik (im Genitiv besser mathesis, als das 
gewöhnlich übliche matheseos) kommt erst Sp. L. vor für das früher 
übliche mathematica als Sing. Doch wird jenes mathesis, als das 
üblichste Kunstwort, nicht zu verdrängen sein. — An Stelle des 
N. L. Adv. mathematice, mathematisch, z. B. etivas mathematisch be- 
iveisen, sage man mathematicoram ratione, wie Cicero (fin. 5, 9): ut 
multa — necessaria mathematicorum ratione concluderent. 

Matris frater, der Mutter-Bruder, kommt wohl nur als Er- 
klärung des kurzen, gesetzlichen avunculus vor. Vgl. Avunculus; 
— ebenso die Mutter- Schivester, matris soror, nur als Erklärung 
von matertera; soror ex matre (Caes. Gall. 1, 18, 7) hingegen ist 
Schivester von mütterlicher Seite. 

Maturare wird Kl. konstruiert alicui aliquid, z. B. Cic. Cluent. 
171 huic mortem maturabat inimicus, ferner mit Inf., z. B. Cic. Att. 
4, 1, 8 und dazu Boot, Caes. Gall. 2, 5, 4, Sali. Cat. 18, 8 und dazu 
Fabri. Mit Unrecht sagt Dräger H. Synt. II S. 319, dass letztere 
Konstruktion erstmals bei Cicero auftrete; sie steht schon Plaut. Mil. 
1093 und Ter. Heaut. 496. 

Mature heisst das Adverb zu maturus, vgl. Cic. fam. 3, 3, 1 ut 
mature proficisceremur, Nep. Att. 2, 1 pater mature decessit; maturo 
zitiert Charis. S. 205, 20 K. aus Cato, Rönsch Coli. phil. S. 44 aus 
Heges. 1, 44, 3; es ist nicht nachzuahmen. Ygi. noch s. v. Maturus. 

Maturus, a, um, reif, früh, frühzeitig, werde vorsichtig ge- 
braucht. Breal und nach ihm Hey Archiv XIII S. 217 weisen 
darauf hin, dass maturus in seiner Bedeutungsentwicklung vom Verb 
maturare beeinflusst wurde und so schliesslich weise, überlegt be- 
deutet. Matura aetas {maturum aevum bei Commod. 1, 6, 4) z. B. 
heisst nicht das frühe Kindesalter, sondern vielmehr das höhere 
Alter, und maturis annis (Tac. ann. 1, 4, bei Commodian A. 70 aevo 
maturus) = ein Mann von gereiftem Alter; jenes ist durch primi 
anni, prima aetas oder pueritia, iniens pueritia (Cic. fam. 10, 3, 2) 
auszudrücken; maturum iudicium kommt zwar vor bei Cic. Caec. 7, 



Maxime — 63 — Maxime 

bedeutet aber nicht ein reifes Urteil, sondern ist rasche, prompte 
Rechtsentscheidung, das reife Urteil aber ist indicium senile (Cic. 
Sest. 111), firmim (orat. 24), subtile (fam. 15, 6, 1), certum iudicium 
(de orat. 3, 183); — ein frühzeitiger Tod, der vor der Zeit, gleich- 
sam zur Unzeit eintritt, heisst nicht matora mors, maturus interitus, 
sondern immatura mors, immaturus interitus (Cic. Brut. 125), während 
„schon frühe sterben" nach Nep. Att. 2, 1 mature decedere ist. Über 
mature, vor der Zeit, und zur rechten Zeit handelt Landgraf zu Cic. 
S. Rose. S. 361 ; er verweist auf Plaut. Cure. 380 qui homo mature 
quaesivit peeuniam, nisi eam mature parsit, mature essurit, wo mature 
jedesmal eine andere Bedeutung hat. — Früher oder später heisst 
nicht maturius aut serins, sondern seriös ocios, citius tardiosve (Sen. 
nat. 2, 59, 7), seriös aot citios (Ovid met. 10, 33), wie denn auch 
Cicero (inv. 1, 39) sagt: quid ocios et quid seriös futurum sit, und 
Tusc. 4, 32 ocios — tardias einander gegenüber stellt; vgl. Preuss 
S. 48, Landgrafeioc. S. 30. — Im Superl. ist die Form maturrimus 
ungewöhnlich (Tac. ann. 12, 65), rhet. Her. 4, 25 sagt maturissimus, 
Cicero und Caesar brauchen keines von beiden; das Adverb heisst 
bei Cicero matorissime, Caec. 7, aber auch maturrime, de orat. 3, 74, 
bei Caes. Gall. 1, 33, 4 matorrime, ebenso bei Sali. orat. Phil. 16; 
die beiden letzten Stellen lassen darauf schliessen, dass maturrime 
namentlich in der Verbindung quam matorrime üblich war; vgl. 
Neue-Wagener 3 II S. 190, Kritz und Fabri zu Sali. orat. Phil. 16. 
Maxime, verbunden mit einem Superl., steht überall bei bessern 
Schriftstellern, wie bei Cicero und Livius (wo es noch die Ausgaben 
haben), sehr unsicher. Bei Cic. Yerr. 2, 160 hat man es ganz auf- 
gegeben; Cic. Att. 12, 38, 3 wurde vielfach zu ändern versucht, vgl. 
Boot z. St., Liv. 41, 23, 6 ebenfalls, indes vgl. Wölfflin Komp. S. 47. 
Jedenfalls darf man eine solche pleonastische Fügung, welche der 
Freiheit des Briefstils oder dem Sp. L. mit seinem verblassten 
Sprachgefühl hingehen mag, nicht nachahmen. Ygl. noch Ott N. 
Jahrb. 1875, S. 792, Landgraf Anm. 404 zu Reisig-Haase. — Wichtig 
ist maxime „am liebsten" oder n ivo möglich", z. B. Cic. fil. ad fam. 
16, 21, 8 feto ot librarius mittat ur, maxime qoidem Graecus, vgl. 
C. F. W. Müller zu Cic. off. S. 4, sowie im Progr. Breslau 1888 S. 2, 
Fabri zu Sali. Jug. 35, 4. Ebenso merke man et maxime, ac maxime, 
maximeqoe, ond zwar besonders, namentlich, z. B. Caes. Gall. 5, 45, 
1, Cic. Lael. 10, vgl. dazu Seyffert-Müller, Sali. Jug. 14, 1; 66, 2 u. 
dazu Kunze Sali. III, 2, S. 165. — Cum maxime mit oder ohne nunc 
heisst gerade jetzt besonders, z.B. Cic. off. 2, 23 und Yerr. 4, 82: 
qui com res maximas gesserit monumentaque suarum verum gestarum 
com maxime constitu&t = jetzt grade. Thalia, de qua cum maxime 
agitur, apud Hesiodum Cliaris est } Sen. de benef. 1, «'>, 10; es kann 
indes cum maxime auch von der Vergangenheil gebrauch! werden, 
vgl. Cic. de omt. 1, 84 sed cum maxime tarnen hoc significabat, ferner 
coeptantem cum maxime coniurationem disiecit, Tac. ann. I. 27 und 
3, 59, vgl. Drager /. St. und: hoste . . reparante cum maxime bell 



Meare — 64 — Mederi 

. . . de die inibat convivia, Curt. 5, 7, 2, vgl. Vogel- Weinhold Anh. 
§ 60. Im letztern Falle ist jedoch das nur von der Yergangenheit 
stehende tum maxime gewöhnlicher, s. Liv. 27, 4, 2, wo Drakenborch 
eine Menge von Stellen dafür zitiert. Wenn man das Moment der 
Zeit schärfer hervorheben will, steht sowohl tum cum maxime, s. Liv. 
33, 9, 3; 40, 13, 4, ibid. c. 32, 1 und 43, 7, 8, als tunc cum 
maxime, Curt. 3, 2, 17. Über nunc cum maxime s. Cic. Cluent. 12, 
Cato 38, Liv. 29, 17, 7. Ygl. C. F. W. Müller zu Cic. off. S. 103, 
Sorof zu Cic. de orat. 1, 84. — Maxime = grösstenteils, z. B. das 
Buch ist grösstenteils griechisch ist N. L., dafür sagt man maximam 
partein; vgl. Landgraf zu Reisig-Haase S. 179, Anra. 403. 

Meare, gelten, ist nicht nur P. L. oder Sp. L. für ire, ambulare 
u. a., sondern kommt in nachklass. Prosa auch von Flüssen, von 
Schiffen, vom Lauf der Gestirne, überhaupt von Beiuegungen vor, 
die innerhalb eines gegebenen Raumes oder nach gegebenen Gesetzen 
mit einer gewissen Regelmässigkeit fortdauern. Auch das Subst. 
meatus ist erst N. Kl., aber nicht bloss bei Plinius dem altern und 
Tacitus, sondern auch bei Quintil. 7, 10, 10 und Plin. epp. 6, 16, 
13; meatus siderum ist nicht nur P. L., sondern steht in Prosa 
öfters im N. Kl. und Sp. L., z. B. Sen. ad Marc. 25, 2, Lact. 3, 5, 
2; ebenso meatus fluminum im Sp. L., vgl. noch Schulze Symm. 
S. 17 und Bünemann zu Lact. 1. 1., sowie Chruzander S. 40. 

Meckanicus kommt als Subst. in der Bedeutung Mechaniker 
schon N. Kl. vor, erst später als Adj. in der Bedeutung künstlich, 
mechanisch. Als Kunstwort werde es überall beibehalten, wo die 
Mechanik ins Spiel kommt; wo wir aber z. B. mechanische Künste 
den geistigen oder echt wissenschaftlichen entgegensetzen, da sage 
man nicht artes mechanicae, sondern bloss artes, oder artificia, oder 
artes mit den Adjektiven vulgares, sordidae, illiberales, wogegen die 
wissenschaftlichen — artes liberales, ingenuae, optimae hiessen. — 
N. L. aber ist mechanismus, wofür oft machinatio passen wird, Sp. L. 
bei Cassiod. var. 1, 45 mechanisma. 

Medela, Heilung, Heilmittel, ist erst Sp. L. für cura, curatio, 
mediana, medicamentum; vgl. Rönsch Ital. S. 46, Glölzer Hieron. 
S. 90. 

Mederi, heilen, wird in der bessern Prosa nur mit dem Dativ 
verbunden, A. L. und V. L. mit dem Accus., z. B. bei Ter. und 
Yitruv, vgl. Praun S. 89, Sp. L. bei Tert. bapt. 5 qui vitia corporis 
remediabant, nunc spiritum medentur, vgl. Iloppe Synt. Tert. S. 15. 
Bei Yitruv hat es ein unpersönliches Passiv, 6, 8 (,11), 6 ut huic 
vitio medeatur, Sp. L. bei Hier. ep. 22, 8 ein persönliches ut stomachi 
dolor et freqnens mederetur infirmitas, vgl. Gölzer Hieron. S. 353, 
ebenso bei Firm. Mat., vgl. Dressel S. 24, Keue-Wagener 3 III S. 55. 
Wölfflin sagt mit Recht Rhein. Mus. 1882, S. 116, dass der passive 
Gebrauch von mederi durch die Vermischung mit curari begünstigt 
wurde. — N. Kl. bei Plin. nat. 20, 50 und sonst findet sich contra 
aliquid, z. B. contra omnes ictus. 



Mediare — 05 — Medicare 

Mediare ist in der Bedeutung vermitteln Sp. L. und nicht zu 
empfehlen für intervenire, intercedere, se interponere; davon ist B. L. 
medialus und Adv. mediale, mittelbar, für alio intervenierte, deprecante; 
aber Sp. L. finden wir als Vorläufer des französischen moyennant, 
z. B. bei Claud. Mam. mediante, was bezüglich der Konstruktion zu 
§ 29, b meiner Syntax 3 (praesente nobis, astante civibus) gehört, 
vgl. Engelbrecht Claud. S. 48 und 116, Dresse! S. 24, Wölffiin Arch! 
VIII S. 95. Die Bedeutung der Vermittlung gibt man auch durch 
die Praep. a und per. Belehrend ist Cic. S. Rose. 29, 80: Per 
qitos et a qiiibas (oeeidebanturf), wo der Unterschied der beiden 
Präpositionen in die Augen springt; Landgraf vergleicht damit S. 
Rose. 67 quoniam cuius consilio sit occisus invenio, cuius manu 
sit perenssus non laboro. Schlechte Stilisten brauchten freilich auch 
per, wo ab am Platze war, davor aber ist zu warnen; vgl. wie Cic. 
fam. 5, 2, 6 das per te des Metellus in a te verbessert. Als Adverb 
dient bisweilen quodam modo (Cic. Tusc. 4, 59). Vgl. Immediatus. 
— Eine mittelbare Ursache heisst causa adiuvans et effkiendi aliquid 
socia, wie es Cicero umschreibt. — Sp. L. sind mediatio, die Ver- 
mittlung, für deprecatio, commendatio (commendatione oetdorum), und 
mediator, der Vermittler, Mittler, Fürbitter, besonders im Kirchen- 
latein von Christus gesagt, vgl. Rönsch Ital. S. 57, Gölzer Hieron. 
S. 49, Regnier S. 163, Wölffiin Archiv VIII S. 593, Watson S. 249 
(Cyprian hat es nur einmal), für conciliator, deprecator (salutis), 
internuntius, interpres, paeificator, arbiter, diseeptator, qui se 
interponit; Vermittlerin des Friedens — oratrix pacis, Cic. rep. 
2, 14. 

Medicabilis, heilbar, ist nur P. L. und stand früher in den Aus- 
gaben Sen. ep. 95, 29, für das jetzt aufgenommene remediabüis ; — 
Kl. sagt man dafür sanabilis. In der Bedeutung heilsam, Heilung 
bringend ist es N. Kl. und selten, nur bei Columella und ähnlichen, 
für salutaris, salubris (saluber). 

Medicare und medicari, heilen, sind in Kl. Sprache unbekannt; 
mit Unrecht haben daher viele Schulgrammatiken medieakis sinn als 
Ersatz für das fehlende Perfekt von mederl vorgeschlagen (zu em- 
pfehlen ist nur sanavi). Die Form des Deponens ist in Prosa äusserst 
selten, vgl. Neue -Wagener 3 III S. 55, medicare dagegen kommt 
namentlich mit seinen passiven Formen nicht nur bei Dichtern, 
sondern auch bei Columella, Celsus, Curtius, Seneca, dem altera 
Plinius, Plinius dem Jüngern, Mela, Sueton und Frontinus vor. Sodann 
ist zu beachten, dass es bei den genannten Prosaisten und den 
Dichtern der Augusteischen Zeit bedeutet etwas mit etwas, nament- 
lich mit flüssigen Ingredienzen versetzen, künstlich zubereiten, an- 
machen, z.B.: semiua omnia eueo herbae, quae sedum appellatur, 
medicare, Colum. 11, 30, 40, Verg. g. 1, 1 1 > : > ff.; exigua portione 
medicatur aqua, Colum. 6, 4, 4 und ( .>, L3, '•> und $ 7; vinum 
incdicatum ist - : künstlicher, angemachter Wein, ibid. 1, 6, 20; 
boletus medicatus = eingemachter Champignon, Sun. Olaud. ii: 

K r t-bb-Sc h in iil /., AntiburbaruH II. J 



Medie — 66 — Meditari 

medicatum merum, Front, strat. 2, 5, 12; faba medicata, Colum. 2, 
10, 11; herbae medicatae, ibid. 11, 3, 64; mortui medicati sind ein- 
balsamierte Tote bei Mela 1, 57 (P.). Oder medicatus bedeutet die 
von der Natur oder Kunst vollzogene (und damit heilkräftig gewor- 
dene) Mischung von Stoffen : sapor (aquae) medicatus == der minera- 
lische Geschmack des Wassers, Plin. ep. 8, 20, 4 und aquae gravitas 
medicatae, Sen. nat. 3, 25, 9; medicati fontes sind mineralische und 
dadurch heilkräftige Quellen, offenbar ein technischer Ausdruck bei 
Cels. 4, 5, Sen. prov. 2, 1, Plin. nat. 2, 207; potio medicata, Curt. 
3, 6, 2; medicata potentia (aquarwn), Sen. nat. 3, 20, 2. Ygl. noch 
Fuchs Archiv XI S. 42. 

Medie, Adv., mittelmässig, ist Sp. L. für mediocriter. 

Medietas, Mitte, Hälfte. Dieses Wort hat Wölfflin im Archiv 
III S. 458 — 470 zum Gegenstand einer eingehenden Untersuchung 
gemacht. Daraus geht hervor, dass medietas zur Zeit Ciceros nicht 
gebildet war, denn Cicero sagt selbst im Timaeus 23 vix enim audeo 
dicere medietates, quas Graeci fjLsaövrjTag appellant. Erst Apulejus 
nahm das Wort an und zwar in der Bedeutung „Mitte, Mittelstellung u , 
und so erhielt es sich bei Tertull., Arnob., Lact. u. a. Die Be- 
deutung „Hälfte" hat medietas zuerst bei Palladius, dann bei Yeget., 
Ammian, Jord., vgl. Rönsch It. S. 317, Paucker Hier. S. 37, Berg- 
müller Jord. S. 15, Rönsch Coli. phil. S. 125, Liesenberg I S. 20, 
Wölfflin Arch. IX S. 14. Man meide medietas und behelfe sich mit 
medium, dimidium, dimidia pars. 

Mediocritas geradezu in der Bedeutung Mass und Ziel ist wohl 
unerweislich, für modus, moderatio; es bedeutet bloss die Mittelstrasse, 
die Mitte zwischen zwei Extremen oder entgegengesetzten Dingen. 
Mediocritas nostra, mea — meine Wenigkeit als Ausdruck der Be- 
scheidenheit steht bei Yell. 2, 111, 3, Gellius 14, 2, 25, Cyprian, 
Lactanz u. a., vgl. Bünemann zu Lact. 3, 30, 1 ; Watson S. 273. 
Vorbereitet ist es durch Cic. Phil. 2, 2 non video, in hac mea me- 
diocritate ingenii quid despicere possit Antonius. — Die Litotes non 
mediocriter, welche nach Weyman S. 526 Anm. 261 sehr häufig in 
der gesamten Prosa ist, merke man als starken Ausdruck z. B. Caes. 
Gall. 1, 39, 1 ut non mediocriter omnium mentes animosque pertur- 
baret, eine fieberhafte Aufregung hervorrufen. Näheres hierüber jetzt 
bei Bergmüller Plane. S. 30 und Hellmuth Baibus S. 52. 

Meditari kommt im Partiz., meditatus, Kl. auch passiv, vor, 
z. B. bei Cic. (Tusc. 3, 30) : sint semper homini humana meditata. 
Bei Cicero Cat. 1, 26 ad huius vitae Studium meditati sunt Uli, gui 
feruntur, labores tui ist aktive und passive Deutung möglich, denn 
meditari ad sagt Cicero auch fam. 2, 3, 1 und labores tui ist nach 
Nägelsb.-Müller 9 S. 616 Du in deinen Arbeiten. Eine beliebte Ver- 
bindung war paratus meditatusque, gründlich vorbereitet, z. B. von 
Schauspielern, Anwälten, vgl. Landgraf elocut. S. 23 f. P. und N. Kl. 
ist meditatus = eingelernt, z. B. Plin. pan. 3, luv. 6, 539, vgl. Vollmer 
zu Stat. silv. 2, 1, 74. 



Mediterraneus — 07 — Medium 

Mediterranem ist ein Kl. Wort; es bedeutet, was mitten im 
Lande liegt und wohnt, von Erde und Land umgeben ist; es steht 
dem maritimus entgegen, und loca mediterranen sind, was wir 
Binnenland nennen. Das Meer, welches wir jetzt Mittelmeer nennen, 
hiess bei den Römern bekanntlich mare nostrum, vgl. Kraner zu 
Caes. Gall. 5, 1, 2, und am gewöhnlichsten nostrum mare, Liv. 26, 
42, 5, internum mare (bei Plin. nat.), lauter Ausdrücke, welche sich 
auf die Oberherrlichkeit der Römer über dieses Meer und seine 
Küstenländer gründeten und eben darum nur noch historische Be- 
deutung haben. Wir müssen uns deshalb an die erst im sechsten 
Jahrhundert (Isid. 13, 16) aufgekommene Bezeichnung halten: mare 
mediterraneum, d. h. das inmitten von Asien, Europa und Afrika 
liegende Meer. 

Medium. Cicero und Caesar brauchen medium nie mit einem 
Genitiv, sondern immer nur entweder das Adj/ medius im gleichen 
Kasus mit dem folgenden Subst. verbunden, oder auch medius locus 
mit dem Gen., z. B. Cicero Tusc. 5, 69: medium mundi locum petere, 
oder endlich wird in medio, in medium, de medio (e media tollere 
gehört dem rhet. Her. und Livius an, Cicero sagt nur e medio gellere 
off. 3, 37; Kl. ist nur de medio recedere z. B. S. Rose. 112, a medio 
habe ich nirgends gefunden) Kl. ohne Beifügung eines Genit. sehr 
oft angetroffen; vgl. Nägelsb. -Müller 9 S. 108 f. u. Landgraf zu Cic. 
S. Rose. S. 169. Was die Verbindung von medium mit dem Genit. 
betrifft, so kommt sie zuerst bei Verg., vgl. Aen. 9, 230 castrorum 
et campi medio, vor und ging wie so manches andre von da auf 
Livius über, wo sie gar nicht selten ist, wie: in medio aedium, 5, 
41, 2 u. 1, 57, 9; medio diei, 37, 29, 2 und medium diei erat, 26, 
45, 8; medium aestatis erat, 37, 23, 2; signa in medium campt 
prolata 37, 39, 5; in medium campi procedere 37, 38, 8; iam medium 
autumni erat, 38, 27, 9; cum agmine in media urhis iretur, 26, 40, 
9; agminis medium, 22, 2, 3 und ad medium viae obvium esse, 33, 
1, 3; insidias medio ferme viae ponere, 37, 13, 10 und sonst. Dies 
findet sich auch im silb. und Sp. L.: ad medium fluminis processit, 
Yell. 2, 107, 1; öfter bei Plin. nat. incresecns ad medium noctis 
exuberat, 2, 228 und sonst; medio campi, Tac. ann. 1, 61, medio 
diei, bist. 3, 11, vgl. Panhoff S. 28; in medio Panel ist, Lact. 2, 
12, 16; in medio aetatis, Gell. 3, 4, 3 und sonst. — 8p. />. ist 
medium in der Bedeutung das Mittel, um etwas auszurichten, gul zu 
machen, zu entfernen; dafür setze man med tri nu (Cic. Seat. 43), 
tnedicamentum, remedium, besonders bei Krankheiten; Mittet, etwas 
zu erreichen, ist adiumentum, instrumentum, ratio, modus (z. B. 
quibus modis bei Sali. Catil. 5, 6, also Art und Weise), ein, ins, 
sogar telum bei Cicero (nou medioere telum ad res gerendas existi- 
mare oportet benevolentiam civium, Cic. Lael. (>1); quaeunque <>i>c, 
Cicero Mil. 30. In geistigen Dingen kann man auch ausser den 
vorhin erwähnten Substantiven Studium brauchen. Vgl. darüber 
auch Nägclbadi^ lai. Stil. 9 S. 63 und sonst. Mittel in dem Sinn« 



Medullitus — 68 — Medullitus 

von Vermögen heisst opes, facultates, sumptus — und so nach Ver- 
schiedenheit des Sinnes. — Das Wort Mitte steht oft = dem 
latein. numerus, z. B. ex nostro, ex militum numero, oder numerus 
ist = Klasse, Kategorie wie bei Cicero Verr. 4, 3, Nep. Epain. 7, 
2: numero militls = in der Kategorie, Eigenschaß eines gemeinen 
Soldaten, wofür Caes. Gall. 4, 27, 3 oratoris modo sagt. Auch 
beachte man, dass medius, jedoch nicht in Kl. Sprache, auch == halb 
gebraucht werden kann, weil die Mitte jeden Körper in zwei Hälften 
teilt, so bei Varro r. r. 3, 7, 9, Colum. 11, 2, 39, Quintil. 6, 2, 17; 
vgl. Nägelsbach Stil. 9 S. 281. Diese Bedeutung von medius ist be- 
sonders dem 8p. L. eigen, wo ja auch medietas = Hälfte wird; 
näheres bei Rönsch It. S. 333, Paucker scr. hist. Aug. S. 152, Oros. 
S. 7, Bergmüller Jord. S. 15, Gölzer Hieron. S. 266. Endlich machen 
wir noch darauf aufmerksam, dass medius mit einem Subst. verbunden 
oft dazu dient, den ' Superlativen Grad seines Hauphuortes oder die 
engste Zusammengehörigkeit zweier Dinge zu bezeichnen; vgl. Cic. 
off. 1, 63 quae sunt ex media laude iustitiae, Cic. part. 139: ex media 
academia effloruerunt und: ingressio e media philosophia repetita est, 
orat. 11, ebenso leg. 2, 53; in media dimicatione bei Suet. Aug. 10 
ist = im heissesten, heftigsten Kampfe; Sali. or. Lic. 8 ex f actione 
media; vgl. Pabri z. St. Ebenso selbstverständlich ist in medio 
maerore et dolore = im tiefsten Gram und Schmerz, Cic. Tusc. 4, 
63, ebenso Q. fr. 2, 15, 1 und aetas in medio robore virium — das 
in der höchsten, in der Vollkraft des Lebens stehende Alter, Liv. 28, 
35, 7, ferner: in medio ardore belli, Liv. 24, 45, 4; ex mediis 
sapientiae praeceptis orationem trahet == ex intimis sapientiae prae- 
ceptis, wie Cicero sagt: ex intima philosophia haurienda est iuris 
disciplina, leg. 1, 17; in medium dimicationem se infert, Liv. 3, 5, 7 
= ins heisseste Schlachtgeiuühl; in media mole pugnae = im heftig- 
sten Schlachtgetümmel, Livius 7, 32, 11; ad honestum consilium per 
medium infamiam tendere, Sen. epp. 81, 20 = den sittlich guten 
Zweck auch mitten durch die übelste Nachrede hindurch verfolgen; 
in media republica = im Ceyür alpunkt, im Herzen des Staates, Cic. 
Deiot. 10; haec autem esse penitus in media philosophia retrusa, quae 
isti rhetores ne primoribus quidem labris attigissent, Cic. de orat. 1, 
87, endlich in media pace = im tiefsten Frieden, s. Liv. 36, 11, 2, 
Sen. de ira 2, 2, 6, epp. 18, 6 u. 91, 5 u. Curt. 8, 10, 17. — Man 
stellt gewöhnlich in medios hostes, de medio citrsu; doch findet sich 
auch bei Cicero medium in agmen de or. 1, 157, medio in cursu de 
or. 3, 7; vgl. Sorof zu Cic. de or. 1, 157. Man vergleiche noch Cic. 
Yerr. 3, 105 in medio foro, 4, 86 medio in foro und 5, 161 in 
foro medio. 

Medullitus, im Marke, von Herzen, inniglich, z. B. amare, findet 
sich A. und Gem. L. bei Plautus, z. B. Most. 241 L. u. Enn. sat. 
7 Yahl. für ex animo. Die späten Liebhaber des Alten suchten es 
wieder hervor, z. B. Apul. u. Ammian, vgl. Kretschmann Apul. S. 63, 
Ennodius, Claud. Mam., Cyprian. 



Medus — 69 — Membraneus 

Medus als Adj., Medisch, ist nur P. L. für Medicus; jenes ist 
in Prosa nur Subst., der Meder, Bewohner Mediens. 

Megara, eine Stadt in Megaris, einer griechischen Landschaft, 
wird Kl. nach der 1. u. 2. Dekl. abgewandelt, vgl. Cic. div. 1, 57 cum 
Megaram venissent und div. 2, 135 illo interfecto a caupone Megaris, 
vgl. Neue-Wagener 3 I S. 714 ff. Das Subst. dazu ist Megarensis 
und Megarius, s. Quintil. 5, 11, 40, das Adj. Megaricus. 

Mehercule. Dies ist die urbane Form, wie Cic. orat. 157 selbst 
sagt und wie der Sprachgebrauch in seinen sorgfältig stilisierten 
Reden zeigt. Über die andern Formen und deren Gebrauch vgl. 
Hellmuth act. Erl. I S. 122, Schmalz Vatinius S. 35, Schmalz Pollio 8 
S. 14, Burg S. 16, Becher S. 12, Hellmuth Baibus S. 34, Landgraf 
S. Rose. S. 195 u. 247. 

Melancholia, die Schwermut als Krankheit, wird von Cicero 
Tusc. 3, 11 nur griechisch erwähnt und damit das lat. furor ver- 
glichen, aber einigemal gebraucht er das Adj. melancholicus, z. B. 
div. 1, 81, Tusc. 1, 80, während Celsus die Melancholie als Krank- 
heit durch morbus atme bilis bezeichnet. Erst 8p. L. findet es sich 
bei Cael. Aur. acut. 3, 12 u. Hieron. ep. 125, 6, vgl. Gölzer Hieron. 
S. 212. Wird Melancholie trop. von der trüben, gedrückten, nieder- 
geschlagenen Gemütsstimmung verstanden, so ist dafür lat. aegritudo 
animi, gravitas mentis, angores, maestitia zu sagen. 

Meliorare, verbessern, besser machen, kommt nur 8p. L. bei den 
Juristen (aber nicht bei Gaius, vgl. Kalb in Wölfflins Arch. I, 89) 
und Eccles. vor, und ebenso melioratio, die Verbesserung , für melius 
aliquid reddere, facere, in melius mutare, in melius traducere (Sen. 
de ira 2, 13, 3), reparare, reficere, emendare u. a.; vgl. Wölfflin 
Cass. Fei. S. 418, Gölzer Hieron. S. 173, Rönsch Ital. S. 172. — 
Nur aus Gloss. Labb. ist nach Sittl in Wölfflins Archiv I S. 485 zu 
belegen meliorescere, besser werden, für melius fieri. — Ferner bei 
Kranken sagt man: er ist etwas besser, meliusculus est, wie Ter. 
(Hec. 354 meliuscula est, sie ist etwas besser) und Cels. (3, 22, Ende 
meliusculus esse coepit), und wo wir sagen: es ist mit ilnn (oder 
bloss im Dativ ihm) etwas besser, heisst es ei (nicht cum co) melius- 
cule est, wie bei Cic. (fam. 16, 5, 1 cum meliuscule tibi esset, wenn 
es dir besser iväre, mit dir besser ginge), und es ist mit ihm besser 
geworden, was auch wie im Deutschen bedeutet: er ist wieder gesund 
iieworden, ei melius est factum, Cic. Tusc. 1, 86; vgl. besomln> 
Stinner S. 30. 

Melodia, die Melodie, ist erst ganz Sp. L. für modulatio, ebenso 
noch andere, von dem Griech. ttiZo<. der Gesang, abgeleitete Wort 
die fast alle erst aus dem Griech. genommen sind, z. B. melodus, 
vgl. Werth S. 320; klass. ist nur melicus bei Cic. opt. gen. 1. Aber 
auch melox, der Gesang, das Lied, findet sich nirgends in Proaa und 
ist unnötig wegen carmen, cantus und cantiettm. 

Membraneus und membranoceus werden beide, jedoch daa letz- 
tere mehr als das erste, von Handschriften auf Pergament, ohne 



Membrum — 70 — Meminisse 

Unterschied gebraucht. Einen solchen nimmt Reisig (Vorles. S. 162, 
S. 232 ed. Hagen) an. Nach seiner Ansicht wäre membraneus, was 
von Pergamenthaut gemacht ist, membranaceus aber, was derselben 
nur ähnlich ist oder aus einer ähnlichen Masse wie Pergament be- 
steht. Es scheint jedoch, dass Codices und pugillares membranacei 
ganz dasselbe wie Codices, pugillares membranei ausdrückt. Ausser- 
dem aber kann man einen Pergament- Codex durch codex in mem- 
brana scriptus bezeichnen, s. darüber Plin. nat. 7, 85. 

Membrum, Glied, braucht Ovid trist. 4, 10, 48 von Gliedern 
einer Gesellschaft (membra convictus mei); damit lässt sich vergleichen 
Sen. ep. 21, 6 membra et partes alienae potentiae, Genossen und 
Teilhaber; sonst ist membrum in dieser Bedeutung nicht gebräuch- 
lich in Prosa; man sagt dafür sodalis. Auch in dem Sinne, wie wir 
z. B. sagen: Ratsglied, Gemeindeglied, kann nicht membrum gebraucht, 
sondern es muss dies durch andere Wendungen angedeutet werden, 
z. B. homo oder vir senatorius oder geradezu Senator; membrum 
darf höchstens dann gebraucht werden, wenn das Ganze ebenfalls 
metaphorisch durch den Begriff von corpus dargestellt würde; 
vgl. Suet. Aug. 48: Nee aliter universos quam membra partesque 
imperii curae habuit; vgl. noch lustin 5, 10, 10; 34, 1, 2. — B. L. 
wird es von den Gliedern oder Reihen der Soldaten gebraucht, für 
ordines. — Unser anfangen an allen Gliedern zu zittern heisst nach 
Cicero (de or. 1, 121) artubus omnibus contremiscere. 

Meminisse kommt in der Bedeutung von erwähnen = comme- 
morare, mentionem facere Sp. L. nicht selten vor, hingegen in der 
früheren Zeit ist es nicht häufig, hat aber so gute Autoritäten, dass 
es unbedenklich nachgebraucht werden kann: Gran. Licin. 8 B. 3 
Graccho, cuius paulo antea memini, consule, vgl. Flemisch S. 66 
Anm. ; meminerunt huius coniurationis Tanusius Geminus in historia, 
M. Bibulus in edictis, Suet. Caes. 9; Lydiae Ticida meminit . . 
Dianae Cinna, id. de grammat. 11; nee postremo quasi paedagogi 
eins meminisse dedignemur Iidii Hygini, Colum. 1, 1, 13; sed tu, 
qui huius iudicii meministi, cur oblitus es Ulms . . Plin. epp. 1, 5, 
13; neque omnino huius rei meminit usquam poeta ipse, Quintil. 11, 
2, 16; Achillam, cuius supra meminimus, omnibus copiis praefecit, 
Caes. civ. 3, 108, 2; vgl. hiezu Landgraf Untersuchungen S. 79. 
Aber aus Cicero lässt sich die Konstruktion nicht erweisen. 
Bei Cic. Phil. 2, 91 ist meministi parallel dem scis, und von 
beiden hängt quid dixeris und von dixeris dann de exsulibus 
ab; bei Cicero Att. 15, 27, fam. 5, 3, 2 ist das de nicht mit 
meminisse zu verbinden, es ist vielmehr der präpositioneile Ausdruck 
völlig selbständig gleich einem quod attinet ad zu fassen, vgl. Boot 
zu Cic. Att. 15, 27, 3, Hofmann-Andresen zu D. Brutus bei Cic. fam. 
11,9, Sinner S. 69. Unbestritten steht meminisse de bei Cic. wohl 
nur leg. agr. 2, 3 de quibus meminisse possimus (Stegmann), aber 
= sich besinnen auf. Sp. L. lesen wir in der Bedeutung erwähnen 
auch meminisse de, z. B. Iord. Get. 16 de hac insida Claudius Pto- 



Memorabile — 71 — Memoria 

lomeus meminit dicens, vgl. Bergmüller Jord. S. 19. — Wenn Schnei- 
der sagt, unser: wie ich mich erinnere sei nie ut memini, sondern 
dieses sei immer das Hauptverbum zu dem folgenden Accus, c. infin., 
so ist dies doch nicht absolut richtig, vielmehr ist ut memini = .so 
viel ich mich erinnere zum bescheideneren Ausdruck einer Be- 
hauptung gut: velim me certiorem f actus . . PubUus Crassus . . 
vivone P. Crasso considari mortuus sit, ut ego meminisse videor, 
an . . Cic. Attic. 12, 24, 2; qaot eratis? ut nunc maxime memini, 
duo, Plaut. Men. 1118. — Unser bekanntes memento mori würde, 
wenn es bei den Alten vorkäme, nichts anderes bedeuten, als: denk' 
daran zu sterben, wenn es z. B. die Ehre erfordert, während der 
moderne Sinn von memento mori durch memento te moriturum esse 
oder memento mortem, te mortalem esse oder wie Servius bei Cic. 
fam. 4, 5, 4 sagt hominem te esse natu/m zu geben wäre. — Memini 
mit Acc. c. inf. wird eingehend behandelt von Landgraf zu Cic. S. 
Rose. S. 851, Dräger H. Synt. II S. 383, Landgraf zu Reisig-Haase 
S. 354 Anm. 454, mir in meiner Syntax 3 § 153 Anm. 2. Das ur- 
sprüngliche ist der Accus, c. inf. praes., welcher im A. L. allein 
üblich ist; mit Cicero kommt auch der Inf. perf. auf, offenbar um 
die Handlung als eine vergangene ausdrücklich darzustellen. 

Memorabile, Neutr. von memorabilis, als Subst., die Merkwürdig- 
keit, ist äusserst selten, wie: hactenus de mundo ipso sideribusqae, 
nunc reliqua coeli memorabilia, Plin. nat. 2, 102 = die übrigen Merk- 
würdigkeiten des Himmels; multa iam memorabilia et in domesticis 
et in bellicis rebus effecerat, Cic. Brut. 49 ; gewöhnlicher ist res me- 
morabilis oder commemoratu, memoria digna. Ungewöhnlich ist also 
der bekannte Titel: Xenophontis memorabilia Socratis, für Xeno- 
phontis commentarii dictorum et factorum Socratis, ebenso: vidi me- 
morabilia urbis, regionis u. dgl. 

Memorare, erwähnen, gedenken, findet sich nicht bei Caesar, 
selten bei Cicero, wie leg. 2, 62, Tim. 39, Verr. 4, 107; um so be- 
liebter ist es bei Sallust, der es gerne mit de konstruiert, vgl. Bad- 
stübner S. 12, Fighiera S. 174; auch trifft man es häufig im N.Kl. 
und noch Sp. L., vgl. Schulze Symm. S. 85, im Sp. L. besonders 
auch memorari = sich erinnern, gedenken, z. B. memorabitur Jim na» 
jyrineipatum tuum, vgl. Rönsch Sem. III, 58. — B. L. aber ist es in 
der Bedeutung memorieren, d. h. dem Gedächtnisse einprägen, i'ür me- 
moriae maudare. — Das Subst. memoratio, die Erwähnung, ist 
Sp. L. und selten. 

Memoria, das Gedächtnis. Selten, aber gut ist ex memoria in 
der Bedeutung mit Hilfe des Gedächtnisses, aus dem Kopfe, mit 
Yerben der Rede verbunden, z. B. respondere, dicere, pronuntiare, 
wirrare, exponere n. dgl. (bei Cic. Catil. 3, 13 ex memoria exponer« 
— Orationem habere in memoriam aUcuius u. dgl., zu jemandes 

Gedächtnis um/ Andenken mint, eine < / ediiehtnis, e ■■/, auf jemanden 
Indien, ist zwar nicht klassisch, aber doch mit, Tgl. das Wort ///. 
Kl. aber wäre ad memoria/m alieuius orationem habere, b. Cic. Brat, 



Memorialis — 72 — Mendum 

62. — Es entfallt etwas aus dem Gedächtnis ist entweder mit dem 
Deutscheu wörtlich übereinstimmend aliquid excidit de memoria, Liv. 
29, 19, 13, oder aliqaid e memoria oder ohne Präposition memoria 
cedit, excedit, s. Liv. 26, 13, 5; 2, 33, 9 u. 7, 32, 15, wohl auch 
memoria alicuias rei (vetustate) abiit, Liv. 2, 4, 2. — Wiewohl man 
aber memoriam vitae alicuins componere sagen kann, s. Suet. Claud. 
1 extr., so beruht doch memoria in der Bedeutung Gedächtnisrede, 
Lebensbeschreibung, Erzählung von jemandes Leben, erst auf sehr 
später Autorität und muss geradezu verworfen werden; man sage 
also nicht: scribere alicuius memoriam, habere alicuius memoriam, 
eine Gedächtnisrede auf jemanden halten, da letzteres nur bedeutet: 
an jemanden denken. Vgl. noch Reisig ed. Schmalz und Landgraf 
S. 710. 

Memorialis, ivas zur Erinnerung, zum Gedächtnisse dient, kommt 
N. Kl. bei Sueton Caes. 56 vor, mit über verbunden, in der Be- 
deutung ein Gedenkbuch, ebenso im Plural ohne Über bei Gell, praef. 
8 est qui memoriales titulum fecerit, und für diesen Begriff ist es 
brauchbar; aber N. L. ist wohl der Sing, memoriale, während der 
Plural memorialia = Denkschrift, Memoiren wenigstens Sp. L. 
Autorität hat; vgl. Ott im Progr. Rottweil 1869 S. 8, Gölzer Hier. 
S. 95. 

Memoriter, auswendig, aus dem Kopfe, wird im N. L. mit meh- 
reren Yerben unpassend verbunden, z. B. memoriter scire, auswendig 
wissen, für memoria oder memoriter teuere, alicuius memoriam teuere 
(Cicero Brut. 322), memoriter complecti u. a.; ferner memoriter reci- 
tare, auswendig hersagen, was Nizolius mit Cic. Att. 4, 3 belegt, wo 
aber nichts davon steht, für memoriter dicere, pronuntiare (Cic. de 
orat. 1, 88), da recitare Kl. wenigstens — vorlesen bedeutet, nicht 
hersagen. Vgl. Recitare. — Nach Madvig (zu Cic. fin. 1, 34) be- 
deutet aber memoriter nicht auswendig, sondern sich wohl erinnernd, 
auf sein Gedächtnis sich verlassend, und dient als Lob der Person, 
die das Gehörte und Gelesene im Gedächtnis treu bewahrt und es, 
ohne etwas zu vergessen, wieder erzählen und hersagen kann. Erst 
Sp. L. bedeutet memoriter auswendig und hier findet sich z. B. bei 
Hieron. memoriter discere, wofür man Kl. ediscere oder memoriae 
mandare sagt. Übrigens streift bei Cic. Vat. 10 memoriter respondeto 
ad ea schon nahe an die Bedeutung auswendig. Vgl. Nägelsbach 
Stil. 9 S. 214, Seyffert-Müller z. Lael. S. 7, Klotz Stil. S. 174. 

Mendaciolum, die kleine Lüge, beruht bloss auf Cicero de or. 2, 
241, wo nur eine alte Ausgabe mendaciolis liest, die neuern Ausgaben 
jedoch mendaciunculis (von mendaciunculum), was allein handschrift- 
lich beglaubigt ist. Jenes werde also als unlateinisch vermieden. 

Mendum (nicht menda, was P. u. N. Kl. ist, vgl. Neue -Wagener 3 1 
S. 818) ist alles Fehlerhafte im Geistigen und Leiblichen, jedes Ver- 
sehen, jeder Fehler, nicht bloss, worauf es einige beschränken, ein 
Fehler im Schreiben; — ebenso mendosus, fehlerhaft, wie denn Cic. 
(Brut. 62) eine Geschichte so nennt, welche viel Falsches enthält. 



Mens — 73 — Mensa 

Vgl. Antons Progr. S. 51. — Über das N. L. in mendo cubare vgl. 
Ciliare. 

Mens, Seele, Geist, Sinn. Der Unterschied zwischen mens und 
animus ist folgender: der denkende Geist, der Verstand ist meistens 
mens, der fühlende und begehrende meistens animus. Daher heisst 
in den Sinn kommen, an etwas denken, sicli erinnern nur in meutern, 
nicht in animum venire, was sich erst bei Fronto finden soll. - Was 
die Konstruktion von in mentem venire betrifft, so lässt Ci cero den 
Subjekts-Nominativ nur bei dem Sing, und Plur. der Neutra von 
Pronomen und Adjektiven zu, während er sonst mit ganz seltenen 
Ausnahmen (z. B. har. resp. 55) den Genitiv der Person oder Sache, 
an die man sich erinnert, anwendet. Im A. L. ist. der Nominativ 
der Subst. gleichfalls selten, scheint aber seit Liv. zu überwiegen. 
Der Gen. bei in mentem venu erklärt sich nach Analogie der Verba 
reminiscendi ; vgl. Ziemer Streifzüge S. 99, Reifferscheid Lekt. Katal. 
Breslau 1885 S. 4; anders Hübschmann S. 111, vgl. Landgraf zu 
Reisig-Haase Anm. S. 532, meine Synt. 3 § 67. — Im Sinne haben, 
d. h. Willens sein, nur in animo, nicht in mente habere, wiewohl 
man in der Verbindung mit esse nicht nur in animo, sondern auch 
in mente esse sagt. Doch ist in mente habere = an etwas denken 
Sp. L. gebraucht von Ambros. exposit. in Ps. 118, n. 27. Hingegen 
etwas im Sinne haben, sich mit einem Gedanken, Plan beschäftigen 
ist sowohl animo, in animo, mente, in mente aliquid agitare, und 
zwar so nicht nur bei Livius, sondern auch bei Cicero: habet enim 
nihil aliud, quod agitet in mente, nat. deor. 1, 114; über nihil 
agitare mente s. Cato 41 und über mente agitare auch Nep. Hamilc. 
1,4; vgl. auch s. v. agitare. — Nicht unlat., aber Sp. L. sind die 
Umschreibungen der Adverbia mittels mente; viele Beispiele aus 
Cassiod. hat Stangl in Bayr. Gymn. 1898 S. 275. Aber hac, ca, qua 
mente findet sich schon klass., freilich selten bei Cic, z. B. Phil. 1, 6, 
Vatin. 30, nicht bei Caes., aber bei Nep., vgl. Nipp, zu Nep. Con. 
4, 4, Landgraf Untersuchungen S. 56. 

Mensa. Tisch im eigentlichen Sinne, das Gerüste, der Aufsatz 
zur Aufstellung der Speisen, ist selbstverständlich mensa, z. B. am, 
vom gleichen Tisch essen, ist ex eadem mensa vesci, Sen. contr. 1, 2, 
11. Ist aber unser Tisch — Essen, Mahlzeit, so wird dafür tat. 
meist cena gebraucht, z. B. bei, über Tisch = inier oder S. Kl. bei 
Suet., Gurt. u. a. super cenam; zu Tische kommen, einladen ad 
cenam venire, invitarc; den Tisch bei jemanden Indien = apud ali- 
quem cenare, in alieuius convißtu esse u. dgl. Indes gehen die Be- 
griffe von mensa und cena doch aucli nicht selten so in einander 
über, dass Tisch auch für das genommen wird, was auf demselben 
sieht, d. h. für Mahl, Speise, Gericht, z. B. de mensa »/Ufere (dien/, 
Cic. Attic. 5, 1, 4, vgl. auch Tac. ann. 13, IC», Cio. Tuso. 5, 100, 
Plaut. Mil. 51 ; so auch bei mensa seeunda oder, wie gewöhnlich | 
stellt wird, seeunda mensa, z.B.: seeundam mensam servis disperhit, 
Nep. Agesil. 8, 4 und: 8ecunda mensa bona stomaeho nü nocet, Gele. 



Mensor — 74 — Mercatura 

1, 2 g. E., Cic. Attic. 14, 6, 2 und ib. 21, 4; conditurae quae 
lautioribus mensis adhibentur, Colum. 12, 47, 5; mehr Stellen siehe 
bei Heraus Progr. Offenbach 1899 S. 28. Hiernach kann es nicht 
auffallend erscheinen, wenn mensae aliquem adhibere von Colum. 11, 
1, 19 = ad cenam vocare, invitare gebraucht wird; dasselbe gilt 
auch von apud oder super mensam. Vgl. über ersteres Plaut. Trin. 
478, Gell. 2, 22, 1 u. 19, 7, 2, über letzteres Flor. 4, 2, 69 und 
Curt. 7, 4, 7. Falsch ist gesagt worden, dass dafür nie in mensa 
gesetzt werde, denn s. dagegen Tibuil 1, 10, 32. Mensa lusoria, 
der Spieltisch, ist nicht neulat., vielmehr findet es sich bei August, 
conf. 8, 6, sonst ist Spieltisch == äbacus lusorius, vgl. Archiv I 
S. 433. 

Mensor ist nicht nur der Messer im allgemeinen, sondern auch 
Feldmesser — decempedator, Kl. geometres, daneben Sp. L. Nebenform 
geometra, vgl. Neue -Wagener 3 1 S. 51. 

Mensura, Mass, wird nie in der bildlichen Bedeutung unseres 
Mass und Ziel gebraucht; dafür modus. Daher heisst Mass halten 
modum teuere oder facere alicuius rei (in etivas). — Auch ist es 
nicht zu brauchen in der Bedeutung Takt oder Melodie; dafür nu- 
merus, modus. 

Meyisurabilis, messbar, ist Sp. L. und werde umschrieben durch 
quod metiri possumus, quod sub mensuram cadit; vgl. Rönsch Ital. 
S. 113 und Coli. phil. S. 283, Gölzer Hieron. 137. 

Mensurare und alle dazu gehörigen Formen sind Sp. u. Gem. L. 
für metiri, vgl. Wölfflin Freising. Ital. S. 15; Rönsch Ital. S. 156, 
Coli. phil. S. 169 u. 283; als Subst. brauche man mensio, dimensio, 
mensura, nicht mensuratio. — Nicht N. L., sondern gleichfalls-^. L. 
ist mensurator ; vgl. Paucker spie. add. lex. lat. S. 100, Gölzer Hieron. 
S. 49. 

Mentio. Die Phrase mentionem facere hat Kl. ebenso gut den 
Gen. nach sich als die Präpos. de, z. B. Cic. Brut. 131 non fecissem 
hominis paene infimi mentionem und Cic. fam. 4, 4, 3 cum a L. Pisone 
mentio esset facta de Marcello. 

Mercari, kaufen, wird gleich gut verbunden aliquid ab und de 
aliquo, vgl. Cic. Yerr. 2, 170 qui ab isto aliquid mercabantar und 
Flacc. 46 fuudum mercatus est de pupillo. 

Mercator, Kaufmann, Krämer, kommt nirgends bildlich mit den 
Genit. iuris und litium so vor, wie wir unser Prozesskrämer brau- 
chen von dem, welcher mit dem Rechte und mit Prozessen Gewerbe 
treibt oder gern Prozesse führt. Prozesskrämer sind homines liti- 
giosi, z. B. Cic. Mur. 26. 

Mercatura und mercatus bedeuten nur Kauf, Einkauf, Handel, 
nicht den Ort, wo gekauft wird; daher sagt man ad mercaturam, 
ad mercatum ire, proficisci, gehen, reisen, um einzukaufen. Man 
nenne daher nicht bildlich eine Schule oder eine Universität merca- 
tura (= Stapelplatz) bonarum artium, wie man im N. L. findet : 
Lipsiam mercaturam bonarum artium proficisci, nach Leipzig, dem 



Mercimonium — 75 — Merere 

Staiielplatze — reisen; es beruht dies auf einem Missbrauch der 
Worte Ciceros off. 3, 6 ad qaos (Äthenas et Cratippum) cum tarn- 
qnam ad mercaturam bonarum artium sis profectus. Vergleichsweise 
ist die Phrase anzuwenden, wie Cicero dies auch gemeint hat. 

Mercimonium, die Ware, steht A. L. bei Turpil. und Plaut, und 
wurde N. Kl. von Tacitus, sowie Sp. L. von Hieron., Aug., Eugipp 
u. a. Eccl., sowie Jord. wieder gebraucht für merx. Bei Firm. Mat. 
bedeutet der Plural mercimonia Handelsbeziehungen, vgl. Dressel 
S. 24. Vgl. ausserdem Gölzer Hieron. S. 92, Bergmüller Jord. S. 11, 
Könsch It. S. 30, Coli. phil. S. 140. 

Merere und mereri. Inhalt: Dienen in militär. Sinne; — 
merere u. mereri unterschieden im Gebrauch; — s. gut, schlecht 
verdienen; — merere mit nt, cur, Infin.; — merer. = accipere, 
s. zuziehe?! ; — merens u. meritus; — meritum Subst.; — wohl 
verdient, sich w. v. machen; — wider Verdienst, unverschuldet; 
— nach Verdienst; — mit Hecht; — merito = gratia; — adv. 
des Superl. — Dienen unter jemanden (in militärischem Sinne) 
heisst merere imperatore aliquo oder stipendia merere oder 
mereri von den Kriegsdiensten, zu denen alle römischen Bürger ver- 
pflichtet waren; vgl. Cic. Mur. 12 eum patre imperatore libentiss'nue 
meruisse pietatis est; C. Rab. perd. 21 quo tu imperatore, Labiene, 
meruisti; merere sub aliquo kommt erst mit Livius auf, vgl. 21, 

4, 10, während cum aliquo in gleichem Sinne Kl. ist, Yg\. Cic. 
Verr. 5, 161; zu Pferde, eqiio, und bei mehreren meistens equis; zu 
Fusse, pedibus. — Wenn auch mereo und mereor sich in der Be- 
deutung nicht unterscheiden, so ist doch im Gebrauch einiges zu 
bemerken. 1. Es wird vorwiegend die aktive Form vom eigent- 
lichen Eriverben im Handel und Wandel gebraucht mit dem Accus, 
dessen, was man verdient und sich erwirbt ; auch trop. wird merere 
verwendet, wie nomen gloriamque merere bei Tac. bist. 2, 37 und: 
egregiam — flagitiosissimam f'amam merere, ibid. c. 31, was ganz 
gut ist, da odium merere schon bei Caes. Gall. 6, 5, 2 steht. 2. Die 
Deponensioxm. mereri wird verbunden teils aliquid, sich etwas ver- 
dienen, z. B.: fidem mereri = Glauben verdienen Vell. 2, 104, 4, 
immortalitatem mereri, Cic. Phil. 1, 34; laudem mereri, divin. in Caec. 
60 und Caes. Gall. 1, 40, 5; iram alicuius mereri, Tac. Agric. 4, 
gratiam mereri, Liv. 45, 24, 7, Quint. 4, 2, 39, wofür jedoch besser 
gratiam inire ab aliquo gesagt wird, teils de aliquo, de aliqua 
sicli um einen, um etwas verdient machen, A. L. auch mit erga ; 
daher de civibus, de patria u. a., und so auch meritus, der sich 
verdient gemacht hat. — Da mereri von gutem und schlechtem Ver- 
dienste um etwas gebraucht wird, so tritt in jenem Falle, wo nicht 
der Zusammenhang deutlich das gute bezeichnet, noch bene, melius, 
optime, mirifice u. dgl. hinzu, bei dem Gegenteile aber mu/e, 
peius, pcssiiue. Aber mctxirne mereri ist in hohem Grade eh 
verdienen, so z. B. Plaut. Capt. 936, vgl. aooh Wölfflin Komp. 

5. 33. Auch dieses mereri hat im Perf. mehr merui, ;il^ merihu 



Merere — 76 — Merere 

sunt, s. Kalb Roms Juristen S. 15 und N. Jahrb. 1891 S. 219. — 
Wenn ein zweites Yerbum dazutritt, welches wir mit dem Infinitiv 
oder mit dass anreihen, so folgt im Lateinischen ut, seltener cur 
oder der Infin., welchen mehr die Dichter, N. KL und Sp. L. 
brauchen, z. B. Vell., Yal. Max., Quint, Tac, Flor., Tert. u. a. Man 
halte sich an ut, z. B. ich verdiene es, gelobt zu werden, ut lauder, 
nicht laudari; vgl. Cic. de or. 1, 232 respondit sese meruisse, ut 
ampUssimis honoribns decoraretur ; die Stelle fam. 14, 16, 1, welche 
Dahl S. 282 noch aus Cicero zitiert, kann ich nicht finden ; es wird 
also nach Dräger II S. 258 dabei sein Bewenden haben, dass merere 
ut nur einmal bei Cicero vorkommt. Ebenso hat auch Liv. es nur 
einmal, 28, 19, 6. Vgl. noch Dahl S. 282, wo aber auch Caes. Gall. 
7, 16 falsches Zitat ist, Meissner zu Ter. Andr. 281, Brix zu Plaut. 
Capt. 419, Dräger H. Synt. II S. 258. Über den Infinitiv nach 
merere vgl. Dräger H. Synt. II S. 331 und Gehrmann im Progr. 
Rössel 1887, S. 13; fürs Sp. L. Gölzer Hier. S. 367, Hoppe Synt. 
Tert. S. 46, Chruzander S. 102. — Über mereri = accipere, was 
die Juristen häufig haben, aber auch sonst das N. Kl. u. das Sp. L., 
vgl. Kalb Roms Juristen S. 15 u. N. Jahrb. 1891 S. 219; über mereri = 
sich zuziehen z. B. iram, vgl. Tac. Agric. 4, vielleicht auch Caes. Gall. 
6, 5, 2 ex eo, qiwd meruerat, odio, vgl. jedoch Kraner z. St. — Von 
dem Partizip merens, der sich verdient macht, verdient gemacht hat, 
kommt erst ganz Sp. L. merentissimus vor, wofür meritissimns zu 
brauchen ist. Das Part, meritus hat, wie das Verbum, nur Adverbien 
der Art und Weise, nicht der Grösse und Stärke bei sich, also nicht 
valde, magis, maxime, summe, sondern bene, male, praeclare, mirifice, 
melius, peius, optime, pessime u. ähnl., was zu merken ist, da wir 
statt wohl verdient auch sehr verdient sagen. Verdient ist somit bene 
meritus, unlat. wäre Cicero quo nemo erat de patria meritior oder 
Sestius quantopere de patria meritus esset, exposuit. — Das Neutr. 
meritum als 8 übst., das Verdienst sowohl in bonam als in malam 
partem (s. Benecke zu Iust. 1, 6, 8), wird aber nicht mit de ver- 
bunden, sondern mit erga oder in aliquem, z. B. merita erga oder 
in patriam. Dieses Subst. lässt Adjektive, wie magnus, summus, 
amplissimus u. dgl. zu. Mit Unrecht ist auch meritum ingens 
bezweifelt worden. Es ist zwar nicht Kl, findet sich aber in der 
mit Livius beginnenden poetisierenden Prosa öfters, z. B. Ampla qui~ 
dem, sed pro ingentibus meritis praemia acceperant, Tac. ann. 14, 53. 
Vgl. ausserdem August, tract. II in c. 1 evang. Joann. § 5, Sen. de 
benef. 3, 8, 2, Suet. Nero 3, Curt. 8, 3, 14, Plin. pan. 36, 5, ibid. 
89, 3 und Liv. 39, 49, 11. Sich ein Verdienst um jemand eriverben 
ist nicht meritum sibi parere de, sondern einfach bene mereri de. — 
Eine ivohl verdiente Strafe, wie wir sagen, heisst nicht poena 
bene merita, sondern poena merita ac debita, iusta et debita; ein 
tvohl verdienter Triumph ist meritus debitusque triumphus, Liv. 39, 
4, 6. Und obgleich meritus de aliquo gewöhnlich ist, so ist doch 
ungebräuchlich se meritum de aliquo facere, sich um einen verdient 



Meridialis — 77 — Merltare 

machen, für mereri de aliquo, merita in aliquem reportare oder colli- 
gere; z. B. ich glaube mich um dich verdient gemacht zu haben, nicht 
de te me meritum fecisse puto, sondern ohne fecisse. Vgl. Cic. fam. 
2, 6, 1. — Endlich sagt man nicht: praeter meritum meum, tuum, 
suum u. s. w., wider mein, dein — Verdienst, unverdient, unver- 
schiddet, als Beisatz zu einer Person, sondern immerens oder mit 
dem Adv. immerito oder nullo meo merito, nulla mea culpa oder 
mihi fit aliquid indigno, s. Liv. 27, 34, 8. — Gut, aber nicht klass., 
ist pro merito, nach Verdienst, oder ex merito, Liv. 26, 31, 9 und 
Tac. hist. 4, 50. Gut ist auch: quod ob meritum = um welcher 
Verschuldung willen? s. Liv. 25, 6, 4 und Tac. ann. 5, 9: quod ob 
delictum") — Wo wir oft einzeln zu etwas Gesagtem hinzusetzen: mit 
Recht, sagen Cicero und andere nicht merito allein, sondern idque 
merito, wie auch wir meistens und das mit Hecht Vgl. auch Ins. — 
Schliesslich bemerke man, dass im Sp>. L., besonders im afrikani- 
schen merito mit Gen. = gratia ist, z. B. Treb. Poll. trig. tyr. 22 
Alexandrinus virtutum merito vocatus est, vgl. darüber Wölffiin im 
Archiv I S. 174 f., Landgraf Z. f. ö. G. 1882 S. 432, Gölzer Hier. 
S. 333, Dressel S. 24, Hoppe Synt. Tert. S. 31. — Im Superl. sage 
man im Adv. meritissimo, z. B. Cic. de or. 1, 234; erst Sp. L. ist 
meritissime. 

Meridialis, mittägig, ist Sp. L. für meridianus, australis, spec- 
tans ad meridiem oder ad austrum. Ygl. auch Meridionalis. 

Meridianus, mittägig, ist gut und Kl. ; aber meridiana luce 
oder meridiano sole clarius ist N. L., wovon bereits unter Lux die 
Rede war. 

Meridies, der Mittag (als Zeit) und der Süden (als Weltgegcnd), 
sind beide gut; aber N. L. wird es von einem nach Mittag oder 
im Süden liegenden Lande gebraucht, wie wir unsere Wörter 
brauchen. Man sage also nicht: meridies terra est fere incognita, 
der Süden ist fast unbekannt, für terra australis oder meridiana 
fere est ine. — Die Etymologie von meridies bespricht Hintner im 
Progr. Akad. Gymn. Wien 1886 gegen Stowasser im Archiv I 
S. 273 ff.; vgl. noch Archiv III S. 566; Stowasser schlägt vor, merir 
dies nicht von medi — dies, sondern von merus — dies herzuleiten. Seinen 
Standpunkt meridies = medi — dies verteidigt nicht ohne Geschick 
Hintner im Progr. Akad. Gymn. Wien 1890 „Noch einmal merid 
mit einem Exkurs über merus"". Ygl. noch Keller Etymol. S. 72 u. 
S. 174, Yolksetym. S. 132, Archiv YII S. 605. Usener hat N. Jahrb. 
117 S. 79 die Entstehung von meridies aus meridie, das allein bei 
Plautus vorkomme, erwiesen, Skutsch stimmt bei in Festschrift für 
C. F. W. Müller (N. Jahrb. Suppl. XXYII S. 95) und Archiv XII 
S. 207. 

Meridionalis, mittägig, was jetzt sehr gebräuchlich ist, ist gani 
Sp. L.; bei Lact. 2, 9, 9 wird dafür längst meridiana gelesen. 

Mcnltirc, rcrtüenen (von Gelderwerb), für >> im böchsi 

selten; nur einmal findet es sich bei Cicero, Verr. •>, 119, vgl. Hell- 



Messeniacus — 78 — Methodus 

muth act. Erl. I S. 124; A. L. bei Cato S. 88, 5 J. steht es = me~ 
rere in Verbindung mit stipendia, nach Festus 152, 10: Meritavere 
Cato ait pro merere. Sonst hat es in Prosa nur noch Plin. nat. 7, 
129. Vgl. Jonas 1879 S. 8, Wölfflin im Archiv IV S. 219, Helm- 
reich in Berl. Phil. Woch. 1903 S. 1374 (meritare nicht bei Calp. 
Flacc). 

Messeniacus, Messenisch, aus Messenien, kommt nirgends vor 
für Messenias. 

Meta wird in der Bedeutung Ziel, Ende (da in der Rennbahn 
eine Säule, welche meta hiess, das Ende bezeichnete) zwar von 
Dichtern für finis, terminus, extremum gebraucht, nie aber in Prosa 
ohne Anspielung auf die Renn- und Laufbahn (Varro r. r. 1, 4, 1 u. 1, 
18, 1), oder ohne den Zusatz ut ahmt, ut dicitur. Man meide daher meta 
vitae, was P. L. ist, verbinde meta auch nicht mit andern Genitiven, 
wie virtutis, gloriae, perfectionis u. a. So ist auch N. L. : ad metam 
pervenire in der Bedeutung zu seinem Zwecke gelangen, seinen 
Zweck, seine Absichten erreichen, denn ad naturae metas pervenire 
bei Varro ling. 8, 31 bedeutet etwas anderes. Vgl. Raschig Progr. 
S. 27. 

Metamorphosis, die Verwandlung der Gestalt, hat im Genitiv 
die Endung is, wie ähnliche griechische Wörter auf is, nicht die 
griech. eos oder ios, die man im N. L. für gelehrter und schöner 
hält, wo man auch im Genit. Plur. für metamorphosium lieber sagt 
metamorphoseon, ja wohl gar halb griech., halb lat. metamorphosecov 
schreibt. Das Wort brauchen Ovid u. a. nur von den fabelhaften 
Erzählungen verwandelter Gestalten, nie in allgemeinem Sinne, wo 
nur formae mutatio oder conversio, auch wohl transfiguratio zu 
brauchen sind. Zur Bezeichnung jener fabelhaften Verwandlungen 
behalte man es bei. 

Metaphora übersetzt zwar Cicero (de orat. 3, 155) durch 
translatio, und die folgenden Rhetoren haben dies neben dem 
griech. Worte aufgenommen; gleichwohl bleibt jenes das rhetorische 
Kunstwort. 

Metempsychosis, die Seeleuivanderung , findet sich erst 8p. L. 
bei Tert. und Porphyrio; man wird es nach Cic. Tusc. 1, 27 und 
1, 98 durch migratio animorum oder animarum umschreiben; aber 
als philosophisches Wort des Pythagoras werde es beibehalten. 

Methodus, die Methode, die Art und Weise, etwas zu betreiben, 
kann durch genus ausgedrückt werden, z. B. unsere Lehrmethode heisst 
bei Cic. Q. fr. 3, 3, 4 nostrum instituendi genus, wofür man auch 
docendi via sagen kann, Cic. orat. 114; exercitationis via, bei Cic.de 
orat. 1, 14, ist der methodische Gang der Übungen in der 'öffentlichen 
Rede. Noch gewöhnlicher aber wird für das griech. fiedodog lat. 
das zusammengesetzte ratio ac via angewendet; die Methode, die 
metJiodisclie Anleitung zur Beredsamkeit ist also ratio dicendi et via, 
Cic. de orat. 1, 113; die Methode dazu verstehen = dicendi rationem 
ac viam nosse, ibid. 1, 87; die richtige Anleitung dazu geben = dar e 



Meticulosus — 79 — Metrum 

certam viam rationemque dicencli, rhet. Her. 1,3; dasselbe System, 
dieselbe Methode der Verteidigung ivird nun von jenen versucht ist 
eadem nunc ab Ulis defensionis ratio viaque temptufur, Cic. Yerr. 
5, 4 und so auch via ac ratio rei publicae capessendae, Sest. 
103; ebenso wird das Adverb metliodisch durch den modalen 
Abi. via et ratione oder ratione ac via ausgedrückt, z. B. systematisch, 
methodisch philosophieren ist ratione ac via philosophari, Cic. Tusc. 
2,6, und von einer methodisch angelegten Rede sagt Cicero: omni*, 
quae via quadam et ratione habetur oratio, praescribere debet, ut . . 
fin. 2, 3; mit wissenschaftlicher Methode, systematisch über etwas 
disputieren heisst ratione ac via de aliqua re disputare, orat. 10; die 
Rede, die Entwickelung schreitet methodisch fort = ratione et via 
procedit oratio, fin. 1, 29; vgl. ausserdem noch Cic. orat. 116 und 
Yerr. 5, 151. Ygl. Klotz Stil. S. 111. 

Meticidosus (A. L. metucidosus), furchtsam, ängstlich, besorgt 
und furchtbar (s. Lorenz zu Plaut. Most. 1101), steht A. L. bei 
Plautus und wurde Sp. L. wieder hervorgesucht, für timidus, anocius, 
sollicitus, suspensus u. a. ; vgl. Rönsch Ital. S. 125, Coli. phil. S. 64. 

Metiri, messen. Das Partizip metitus ist Sp. L. Form für 
mensus. Ygl. auch Dimetiri. — Etwas messen, beurteilen nach etwas, 
aliquid aliqua re, selten ex aliqua re, z. B. Cic. parad. 44 und Plane, 
bei Cic. fam. 10, 4, 2 fidelitatis, quam ego ex mea conscientia metior. 
Das Partizip mensus hat Kl. auch passive Bedeutung, abgemessen, 
z. B. Cic. nat. deor. 2, 69. — Kl. ist metiri alicui aliquid zumessen, 
z. B. militibus frumentum, z. B. Cic. Yerr. 3, 73, Caes. Gall. 1, 16, 5. 

Metricus, metrisch, das Mass (besonders der Yerse) betreffend; 
aber metrica oratio = gebundene, poetische Spraclie lässt sich nur 
durch ganz Sp. L. Autoren, z. B. Cassiod. und Isidor stützen. Man 
sagt dafür entweder oratio poetica oder versibus scripta, 

Metropolis, die Mutterstadt anderer Städte, kommt teils in dieser 
Bedeutung, teils in der Bedeutung Hauptstadt eines Bezirkes erst 
Sp. L. vor, wo auch das ähnliche metrocomia, das Mutterdorf anderer 
Dörfer, sowie urbs metropolitana vorkommt, vgl. Rönsch Coli. phil. 
S. 42. Dafür brauche man origo, s. Iust. 23, 1, 6 und Liv. 37, 37, 
3, oder origines, vgl. Liv. 26, 13, 16 und 38, 39, 10; ein guter 
Ausdruck ist auch maior patria bei Curt. 4, 3, 22 (aber Kinch, 
Stangl u. Yogel -Weinhold lesen maioram patria). Yielleioht kann 
man geradezu eine solche Stadt mater oder parens nennen, da d\> 
Benennung den Lateinern für diesen Begriff nicht zu fern liegt, wie 
denn auch Livius (37, 54, 19) Mutterstädte — parentes nennt und 
Catull 67, 34 Brixia Veronae mater amata meae, sowie Ammian 26, 
1, 3 Nicaea in Bithynia mater est urbium Bagt, vgl. Ott Progr, 
Rottweil 1869, S. 7, Cölzer Hieron. S. 212. Bei Personen kann man 
auch conditores sagen: Massilienses pro Phocaeis conditoribus suis . . 
legatos Eomam deprecatum unser''. Inst. .*57, 1, 1. 

Metrum, Mass, Messung, ist beschränkt auf Verse; ausserdem 
braucht man nur mensura, modus. 



Metuere — 80 — Metuere 

Metuere, fürchten und metus, die Furcht; für sich etwas von einem 
fürchten heisst in Kl. Sprache nur metuere aliqnid ab aliquo, z. B. Cic. fam. 
5, 6, 2 a me insidias metuunt und Att. 7, 13, 1 quid est quod ab eo 
non metuas. Jedoch schon rhet. Her. 2, 28 a quo sibi non iniuria 
summum periculum metuebat setzt sibi hinzu; dies findet sich häufiger 
erst im Sp. L., z. B. Gregor M. : metuere sibi ab aliquo periculum, 
homil. 1, 14, 2 und: a quo domino sibi metuebat graves cruciatus, 
August, lib. arbitr. 1, 4, 9 (opp. I); gerade so findet sich auch 
sibi aliquid ab aliqua re, ab aliquo timere bei August, c. acad. 2, 8 
(opp. I); und de nupt. et concup. 2, 9 (opp. 13). Wie metuere 
wird auch metus mit a verbunden und zwar in der klass. wie nachkl. 
Zeit, z. B. Cic. nat. deor. 1, 45 metus omnis a vi atque ira deorum 
pulsus esset; metus a praetore Romano, Liv. 2, 24, 3; 23, 15, 7; 
25, 33, 5 und 45, 26, 7, bei Sallust steht hist. 1, 11 M. metus a 
Tarquinio, beliebt ist es bei Livius, vgl. M. Müller z. Liv. 2, 24, 3. 
Wie man ferner, wenn auch selten und nicht Kl,., sagt metuere pro 
aliquo, so ist auch metus pro . . gut: metus pro universa re publica, 
Liv. 2, 24, 4. Und wie sich bei Sallust metuere ex aliquo findet 
(Cat. 52, 16), so kommt bei Tacitus auch metus ex imperatore vor, 
ann. 11, 20. Ygl. Ott Progr. Rottweil 1869 S. 8; beides ist jedoch 
unkl. Ungewöhnlich hingegen ist metum alicui intentare (Tac. ann. 
15, 54), für incutere, inicere. — Für jemanden oder am jemandes 
willen ist meistens alicui, selten und, wie bereits bemerkt, unklassisch 
pro aliquo, vgl. Celsus (3, 11), Seneca (Thyest. 485) und Petronius 
123, 231. Für etivas fürchten ist metuere de aliqua re, z. B. de 
vita sua metuere, Cic. Attic. 10, 4, 6. Dies bedeutet eigentlich hin- 
sichtlich, inbetreff einer Person oder Sache in Sorge sein, z. B. Cic. 
Verr. 2, 1, 6 de absolutione istius popidus Romanus metuit. Ahnlich 
ist es bei timere, vgl. Caes. Gall. 3, 3, 1 ; vgl. noch Stegmann Neue 
Jahrb. 1885 S. 233. — Sich vor jemanden oder bloss jemanden 
fürchten heisst aliquem metuere; sich fürchten, scheuen, bedenken, 
etwas zu tun, metuere aliquid facere, also mit dem Infin., in Kl. 
Zeit aber nur bei rhet. Her. 4, 25, nirgends bei Cicero und Caesar, 
aber wieder bei Livius; ebensowenig ist metus est mit Inf. klass., 
vielleicht ist es erst Sp. L. bei Paneg., denn bei Ter. u. Liv. folgt 
wohl Acc. c. inf., aber nicht der Inf. auf metus est, wie Chruzander 
S. 102 meint; vgl. noch Sjöstrand Loci S. 9. — Fürchten, dass etwas 
geschehen möchte ist metuere, ne quid fiat; der Acc. c. inf. findet sich 
hier nicht vor Plin. maior, Dräger H. Synt. II, 395. — Fürchten dass 
nicht = ne non, oder ut, vgl. Cic. Plane. 96 metuit, ut . . posset, 
agr. 2, 61 metuere, ne non possit; so schon Ter. Ad. 217 ne non. — 
Die Porm mellitus, gefürchtet, welche Lucrez 5, 1138 braucht, ist 
in Prosa ohne alle Autorität. Man sagt dafür horribilis, terribilis 
u. ähnl., z. B. : eunetis litoribus terribilis classis, Yal. Max. 5, 6, ext. 
4, dies horribilis aliis (hominibus), Cic. Tusc. 1, 118, populus Romanus 
terribilis exteris gentibus, Phil. 2, 65, hostis tarn terribilis omnibus 
regionis eius, Liv. 38, 17, 1, alicui formidini, terrori esse, Sali. Cat. 



Meus — 81 — Militia 

20, 7 und Sen. de benef. 1, 13, 3, se e contempto metuendum effecit, 
Sali. bist. 1, 77, 3 M. 

Meus. Der Vokativ heisst in der bessern Prosa mi, mea, meum; 
A. und Sp. L. aber mens für mi, und dagegen mi auch für mea, 
was nicht nach zubrauchen ist. Indes merke man wohl, dass Plaut, 
den Nomin. für den Yokat. braucht, also meus ocellus sagt, da ja 
auch sonst überall Nomin. und Vokativ zusammenfallen, während 
Sp. L. meus zum Vokat. hinzutritt, z. B. bei Hieron. popüle meus. 
Mi statt mea wird in der Umgangssprache der Kaiserzeit üblich und 
erhält sich dann im Sp. L., z. B. Jul. Val. 1, 22 mi maier, vgl. 
Neue-Wagener 3 II S. 367, Keller Etym. S. 33, Gölzer Hieron. S. 281, 
Bücheier im Archiv I S. 105, Landgraf in Z. f. ö. G. 1882, S. 431, 
Klussmann em. Front. S. 73 f., Skutsch im Archiv XV S. 42. 

Mi, als Dativ von ego, für mihi, gehört der Umgangssprache 
an, findet sich oft in Cic. epp. ad Att., selten in den epp. ad fam., bei 
Horaz in den Satiren und sonst. Näheres habe ich zusammengestellt 
Progr. Mannheim 1881, S. 33 ; vgl. noch Süss S. 26 und Kluss- 
mann em. Front. S. 73, Hellmuth Baibus S. 33, Becher S. 11, Burg 
S. 11. 

Migrare, wandern. Man sagt zwar migrare ad aliquem, zu 
jemanden und in aliquem locum, in einen Ort wandern, ziehen, aber 
nie per aliquem locum, durch einen Ort, wofür peragrare aliquem 
locum gesagt wird. Sonst heisst aus einem Orte, a, ex, z. B.: con- 
silium migrandi a Tarquiniis cepit, Liv. 1, 34, 5 und so e fano, 
ex urbe und trop. ex oder de vita migrare; letzteres, Cic. fin. 1, 62, ist 
Euphemismus für sterben, vgl. Hey Archiv XI S. 522. — Migrare 
wird auch bildlich gebraucht in der Bedeutung etwas überschreiten , 
nicht beachten, z. B. Cic. fin. 3, 67 ins civüe migrare im Gegensatz 
zu conservare, Plaut. Trin. 639 officio migrat iveicht vom Pfade der 
Pflicht ab, vgl. Brix z. St. 

Mile, milies; vgl. Mille. 

Militia, der Kriegsdienst. In der Bedeutung Soldaten, wie wir 
Miliz brauchen, hat es zuerst Ovid (heroid. 8, 46) und Livius (4, 
26, 3), für milites, exercitus, copiae; ausserdem aber kommt es bei 
Val. Max. 1, 6, 11 u. Iust. 32, 2, 2 vor und ist daher nicht durchaus 
zu verwerfen. Dass im bessern Latein der Genitiv militiae in der 
Bedeutung im Kriege nie ohne den Beisatz dornt gebraucht worden 
sei, ist nicht ganz richtig. Wie bei Ter. Haut. 112 rem et gloriam 

armis belli repperi, ferner acer belli bei Vell. 1, 3, 1 und res 

belli gerebantur bei Cic. rep. 2, 56 steht, so kommt auch militiae 
für sich allein, ohne die Verbindung mit domi vor bei Sali. Jug. 84, 
2, Cic. leg. 3, 6, Tac. bist. 2, 5, 1 und Fronto 8. L23 N.. ja rielleichl 
schon Enn. ann. 447. Also wird man, obgleich am häufigsten domi 
müitiaeque gesagt wird, doch auch militiae allein gebrauchen dürfen. 
Darnach ist auch meine Syntax 8 § !>'•> zu ergänzen. Vgl. noch 
Fabri zu Sali. Jug. 84, 2, Funaioli Arch. XIII B. 308 u. 314. 
Der Plural militiae in der Bedeutung Kriegsdienste, Feldzüge, isl in 

K r ebn- Seh in a I I. Anliltarbiims II. 



Mille — 82 — Mille 

Prosa wohl unerweislich; dafür sagt man stipendia; inkorrekt ist 
daher: ubi Socratis militiae memorantur. Sp. L. ist die Ausdehnung 
der Bedeutung von militia auf Dienste aller Art; hier steht auch 
der Plural, z. B. Greg. Tur. h. F. 8, 39 militias saeculares exercere, 
vgl. Bonnet Greg. Tur. S. 291. 

Mille, tausend. Dieser Sing, wird im A. L. ganz gewöhnlich, 
selten im Kl. L., wenn er im Nomin. oder Acc. steht, als Subst. 
betrachtet und mit einem Genitiv verbunden = ein Tausend; die 
regelmässige Konstruktion jedoch ist, dass er, wie unser tausend, un- 
verändert zu dem mit ihm verbundenen Subst. gesetzt wird; z. B. 
mille passnum und mille passus; mitte hominum und mitte homines. 
Wenn mitte als Subst. einen Genitiv bei sich hat, kann das Verbum, 
wenn mitte Subjekt ist, nicht nur im Sing., sondern auch, was 
jedoch seltener ist, im Plural folgen. Vgl. Cic. Milo 53, rep. 6, 2, 
S. 367 ed. C. F. W. Müller: ut mille hominum — descenderent u. a. 
S. darüber die von mir zu Reisig-Haase S. 27, Anm. 335 verzeichnete 
Litteratur, wozu noch Schmidt in Z. f. G. W. 1868, S. 537 beigefügt 
werden kann und Brix zu Plaut. Trin. 425, sowie Sorof zu Cic. de 
orat. 2, 255. — Wenn nur ein Tausend gedacht wird, ist der 
Plural milia falsch, z. B. tausend Perser, nicht milia Persarum, 
sondern mille Persarum oder mille Persae. Unbestimmt viele Tausende 
sind bloss milia c. Genit. : ante milia annorwn = vor Tausenden 
von Jahren Plin. nat. 14, 3, ebenso 8p. L. milia tumulorum, Prud. 
c. Symm. 1, 516. — N. L. ist es, um mehrere Tausende auszudrücken, 
mille im Sing, mit einem Kardinalzahlworte zu verbinden, z. B. 
mit duo, tria, quattuor u. s. w., z. B. decem mille stipendiarios, 
quinque mille florenorum, für decem milia stipendiariorum und quinque 
milia florenorum. Nur P. L. wird mille mit Zahladverbien verbunden, 
z. B. bis mille, ter mitte, für duo milia, tria milia, was in Prosa 
nicht nachzuahmen ist. — Der Plural milia, also Tausende, wird 
nur als Subst. angesehen und mit dem Genit des dazu gehörigen 
Substantiv. Wortes verbunden, also duo milia peditum. Indes wäre 
es sicherlich irrig, alle Stellen, an denen milia mit dem betreffenden 
Substantiv im gleichen Kasus gesetzt ist, für fehlerhaft zu erklären. 
Geht milia seinem Substantiv voran, dann lässt der Lateiner aller- 
dings das Substantiv gewöhnlich in das Verhältnis der Abhängigkeit 
treten, d. h. er fügt es zu milia im Genitiv bei. Wenn aber das 
betreffende Substantiv dem Zahlworte vorangeht, dann kann die 
Unterordnung unterlassen und milia als Apposition oder Ergänzung 
im gleichen Kasus mit dem Objekt, auf welches das Numerale sich 
bezieht, hinzugesetzt werden; also pedes duodeeim milia = Fuss, 
nämlich V2 000. Poppo führt in seinem Programm von 1850 aus 
Colum. 5, 1 mehrere Stellen an, wo pedes vorangeht und milia im 
gleichen Kasus nachfolgt. Bei Livius finden sich in verschiedener 
Auffassung beide Konstruktionen neben einander: inde auxiliares 
mixti omnium generum duo milia et septingenti et duo milia 
catttphractorum equitum, 37, 40, 11. Damit ganz überein- 



Millenarius — 83 — Millenarius 

stimmend Liv. 38, 38, 13: talenta Attica duodecim milia. Doch 
kann dies appositive Verhältnis auch da zutage treten, wo milia dem 
Substantiv vorangeht, wenn auch seltener, z. B. Varro r. r. 3, 2, 17 
quadraginta milibus sestertiis, 3, 17, 3 ex aedifieiis duodena sestertia 
eapiebat, Val. Max. 7, 6, 6 sex milibus denariis u. Liv. 37, 40, 9 
quatuor milia mixti Cyrtaei funditores et Elymaei sagittarii. Vgl. 
ausserdem Liv. 37, 58, 4, Caes. civ. 2, 18, 4 und 3, 4, 3 u. das. 
Kraner, Curt. 3, 9, 2 und 5, 1, 41, abgesehen von den Stellen, 
in denen die Zahl unmittelbar als Prädikat erscheint, wie bei 
Liv. 34, 52, 7; vgl. meine Synt. 3 § 37 Anm., Mützell zu Curt. 
5, 1, 41, namentlich aber Richter im Progr. von Oldenburg 1880, 
S. 41, ferner Seck I S. 15, II S. 12, Bieligk S. 83 Anm., 
Dräger H. Synt. I S. 107, Koziol S. 258 und ganz besonders Hellmuth 
Galba S. 13 ff., der bei Cic. Rab. P. 21 decem milia talenta deshalb 
lesen will, da Cicero die eigenen Worte des Volkstribunen Memmius 
anführe. — Unser tausend andere heisst seit Liv. mitte alii, aliae, 
alia, wie bei Liv. 28, 28, 12; 29, 18, 7 und bei Quintil. 2, 15, 23: 
mitte alia, ebenso bei Plinius dem Jüngern, der wie Livius niemals 
sescenta, sondern alia mitte gebraucht (siehe Lagergren S. 117), auch 
bei Seneca (ep. 24, 14): mitte alia instrumenta, wofür klass. sescenta 
alia, vgl. Cic. Att. 7, 11, 1, gesagt wurde. — Auch wird das Wort 
mitte mit seinem Adv. millies in der Bedeutung unzählige, unzählige- 
mal bei starker hyperbolischer Rede gebraucht. Vgl. Liv. 2, 28, 4 : 
nunc in mitte curias — dispersam esse rempublicam; ib. 3, 14,4: 
mitte pro uno Kaesones exstitisse; so auch schon klass., z. B. Cic. 
off. 1, 113: millies; Att. 7, 11, 1 vel potius mori mittles; rep. 3, 17 
genera iuris — millies mutata sunt u. a. m. Sonst wird klass. in 
demselben Sinne sescenti und sescejities gesagt. Dieses sescenti hat 
Plaut., der mitte in diesem Sinne noch nicht kennt, und ganz besonders 
Cic. ; nach Cic. tritt sescenti gegenüber mitte zurück und, wo es später 
vorkommt, beruht es auf Reminiscenz. Vgl. meine Stilist. 5 § 30 u. 
besonders Wölfflin im Archiv IX S. 184 ff. — Unser tausendmal 
hesser heisst auch latein. millies melius (Cic. Phil. 2, 112) oder millies 
■praestat, Att. 14, 9, 2, was besonders in Verbindung mit mori, perin 
u. ä. üblich war, vgl. Landgraf S. Rose. S. 183, und mehr <<ls tausend- 
mal, plus millies. Ob aber je sescentesimus bildlich gebraucht wurde, 
wo wir sagen der Tausendste, für millesimus, erscheint mir unwahr- 
scheinlich; der übertragene Gebrauch ging nicht auf das Ordinale 
über; hier finden wir nur millesimus, z. B. Cic. Att. 2, 4, 1 mülesimam 
partem vix intellego; Cels. 2, 6 in millesimo corpore. 

Millenarius, tausend enthaltend, ist ein 8p. L. Wort, vgl. Gölzer 
Hieron. S. 140, dafür brauchte man früher milliarius, waa die Kl. 
Sprache jedoch nur im Neutrum Meilenstein keimt, vgl. unten 

s. v. Miliums. Das Neutrum als Subst. millenarium ist gleichfalls 
8p. Ij., z.B. sexto annorwm mülenario, vgl. Gölzer I. 1.; dafür wird 

auch tempus nulle <t nnorinn, ferner uerum ini/l/nrimn hei Ten all. de 

an. 351, 12 gebraucht. Andere schlagen das den Wörtern bienniu 



Milleni — 84 — Milvius 

triennium u. s. w. analoge mülennium vor, welches nicht zu ver- 
werfen ist, mag es auch ohne Autorität sein. 

Milleni, ae, a, je tausend, ist keineswegs zweifelhafte Form, für 
welche man sich allerdings auf Plaut. (Bacchid. 928): millenum (d. i. 
millenarum) numero navium, nicht mehr berufen kann, da Götz dort 
miüe cum numero liest. Allein milleni ist im Sp. L. oft, z. B. bei 
Scaev. dig. 31, 89, § 1, Lampr. Heliog. 21, 7 und 26, 6, Inscr. 
Henzen 7145 und vielen andern zu finden, vgl. Gölzer Hieron. S. 401, 
Ott Progr. 1869, S. 9, Neue -Wagener 3 II S. 327. Die bessere 
Sprache braucht dafür milia, vgl. Wölfflin zu Liv. 22, 36, 3. Für 
das distributive je ein, zwei, drei tausend ist singiäa milia, bina, 
terna milia u. s. w., nicht bis milleni u. dgl. gebräuchlich. Ebenso 
unlat. ist millena milia, eine Million, für decies centena milia, wofür 
in einigen Yerbindungen meistens bloss decies üblich ist, z. B. decies 
sestertium, eine Million Sesterze; darüber s. unter Sestertium. 

Millesies, tausendmal, ist N. L. Form für millies, von dessen 
bildlichem Gebrauche unter Mille die Rede war. 

M/lliaris, milliare, als Adjekt., ist wohl ohne Autorität; auch 
findet sich nirgends milliare in der Bedeutung Meile. Die latein. 
Form ist nur milliarius, wovon das Neutr., milliarium, den Meilen- 
stein bedeutete; von einem zum andern war ein Raum von tausend 
römisclien Schritten. Jeder Stein war von der Hauptstadt an ge- 
rechnet mit seiner Nummer bezeichnet, z. B. secundus. Deswegen 
hat milliarium oder lapis als Längenmesser in der Regel nur eine 
Ordinalzahl bei sich, z. B.: a tertio lapide ad decimum oder a tertio 
milliario, vgl. Cic. Att. 8, 5, 1, Richter Progr. Oldenburg 1880, 
S. 40. Falsch aber hat man gesagt, der Plural milliaria komme 
nirgends vor. Denn dass unser Meilensteine setzen oder ergänzen 
durch den Plural übersetzt werden muss, ist selbstverständlich und 
wird überdies auch noch durch Inschriften hinlänglich beglaubigt, 
s. Klotz, lat. Hdwtb. unter milliarium; milliaria lapidea steht auch 
bei August, serm. 351, 11. Bei Sueton Nero 31: Fossam longi- 
tudinis per centum sexaginta milliaria wird seit Oudendorp milia 
gelesen. — Für uns ist milliarium, da es nicht unsere Meile bedeutet, 
ganz unanwendbar, indem die Alten die Entfernungen nur nach 
römischen Schritten berechneten, so dass 5000 Schritte (qninque 
millia passimm) die Weite einer Meile umfassten. Bedenklich ist 
es daher auch, das Wort milliarium als Kunstwort in der Bedeutung 
Meile einzuführen, wenn gleich die Berechnung nach Schritten zur 
Bezeichnung der Entfernung sehr umständlich ist. Ygl. unter dem 
Worte Hora. 

Millio, die Million, ist N. L. für decies centena millia. Ygl. 
Milleni. 

Milvius, der Geier, ist fehlerhafte Form für milvus; über das 
Geschlecht des Wortes, das die Gramm, nur als femin. zulassen, vgl. 
Heraus Progr. Offenbach 1899, S. 22; wir kennen es nur als masc, 
vgl. Neue-Wagener 3 I S. 922. 



Mina — 85 — Minimus 

Mina im Sing., die Drohung, ist aus keinem Autor zu erweisen, 
vgl. Neue-Wagener 8 I S. 702; üblich ist nur der Plural minae, 
Drohungen. — Im N. L. wird minae von den militärischen Minen 
oder unterirdischen Gängen zur Sprengung der Felsen, Mauern u. dgl. 
gebraucht, für mniculus. 

Minaciae, die Drohungen, findet sich A. L. nur bei Plautus u. 
zwar Mil. 374, Rud. 795, Truc. 948 für minae; es ist ein vulgäres 
Wort. Näheres bei Ritschi op. II S. G50 und Gröber in Wölf'flins 
Archiv IV S. 116, Haupt op. II S. 110, C. F. W. Müller Plaut. Pros. 
S. 216 Anm., Neue-Wagener 3 I S. 702. 

Minanter, drohend, steht P. L. bei Ovid ars am. 3, 582 für 
minaciter; letzteres ist, wie M. Müller zu Liv. 2, S. 146 nachweist, 
KL; es steht bei Cicero de or. 1, 90; Phil. 5, 21. 

Minari, drohen; was unten über minitari mit Acc. und Abi. 
gesagt ist, gilt auch für minari. — Wird der Gegenstand der 
Drohung durch einen ganzen Satz bezeichnet, so folgt bei Plaut. 
Asin. 604 der Accus, c. infin. freies., sonst aber nicht nur bei Ter. 
und Suet. (Caes. 24), sondern auch bei Cicero der Accus, c. /n/in. 
fut.: dolor se patientiam debilitaturum minatnr, Cic. Tusc. 5, 76. — 
P. L. sind die Redensarten minari magna, pulchra, multa in der 
Bedeutung grosses, herrliches, vieles verkündigen oder mit grossen 
Dingen umgehen; vgl. Hör. sat. 2, 3, 9; epist. 1, 8, 3; nicht zu 
empfehlen ist daher puero tarn magna minanti. Unrichtig wäre 
minari in Sätzen wie ein Krieg droht auszubrechen = videtur esse 
futurum, ein Unglück droht = imminet oder impendet. 

Minerva. Die sprichwörtlichen Redensarten: sus Minervam und 
pingui, invita, crassa Minerva brauche man nur mit dem Zusätze 
ut ahmt, ut dicitur, mag auch Cicero bei der ersten bisweilen, z. B. 
fam. 9, 18, 3, nichts hinzugesetzt haben. Ygl. Seyffert-Müller zu 
Cic. Lael. 5, 19, Genthe S. 6, Archiv III S. 62, Otto im Archiv IV 
S. 214 f. 

Minerval ist in der Bedeutung Schul- oder Lehrgeld so wenig 
zu erweisen, dass es nicht wohl in diesem Sinne gebraucht werden 
kann, indem es in den Stellen, wo es dies zu bedeuten scheint 
(Varro r. r. 3, 2, 18 und Tert. de idol. 10), wohl nur ein Geschenk 
für Belehrung bedeutet. Man brauche merces. Vgl. Honorar min. 

Mini nie mit dem Genit. rerum, in der Bedeutung durchaus 
nicht, ist N.L.; mag auch rerum bisweilen zu Superlativen zur 
Verstärkung hinzutreten, wie man z. B. findet: suavissimus rerum, 
jnilelwrriiiins rerum u. a., s. Krüger zu Hör. serni. 1, 9, 1. 1mm einem 
Adverb findet es sich nirgends. Man sagt auch nicht minime poi 
minime valere, um /reuigsten vermögen, sondern minimum p< s 
mninnum rulere, ebenso wie man nur sagt muHuiu und plurimum 
jinsse. — Selten (bei Coluni. und (Visus) ist es in der Bedeutung 
Wenigstens, ZUm /reuigsten, für minimum. sultem. 

Minimus, wovon man Sp. L. die halbbarbai ische Form min 

simns findet (ygl. Neue -Wagener 8 11 S. '24 1), kann im Genit., min 



Minister — 86 — Minitari 

nicht zur Bestimmung des Preises bei Kauf und Verkauf gebraucht 
werden, sondern nur im Abi. minimo; vgl. oben s. v. Magnus. — 
Nicht N. L., sondern Sp. L. und höchst selten ist ad minimum, zum 
wenigsten, als Adv., für Minimum ohne ad. Vgl. unter Ad. — 
Über die Litotes non minimum = oby^ rjxcora habe ich Z. f. G. W. 1881 
S. 136 gehandelt; meine Angaben sind ergänzt von Weyman 
Litotes S. 531; auch Varro hat r. r. nou minimum, vgl. Berl. 
Phil. Woch. 1902 S. 1451; oft hat es Colum., vgl. Kottmann S. 65. 
Selten ist non minime, findet sich aber doch auch bei Cic. de orat. 

Minister verbi divini ist eine neue Bezeichnung unserer (geist- 
lichen) Prediger, wie man sie auch im Deutschen Diene}' des gött- 
lich en Wortes nennt. Insofern auch bei den Alten die Priester einer 
Gottheit ministri (dei alieuius) hiessen und ihre Besorgung des 
Gottesdienstes ministerium genannt wurde, ist minister auch wohl 
der neuen Idee nicht unangemessen. Tatsächlich finden wir minister 
und ministerium als Bezeichnung der christlichen Priester bei Tert., 
Cyprian u. a.; näheres sehe man bei Watson S. 260. Übrigens ist 
es falsch, wenn behauptet worden ist, dass nicht einmal aus dem 
Kirchenlatein eine andere eigene Benennung derselben bekannt sei. 
Die Predigt, als die mündliche Verkündigung des göttlichen Wortes, 
ist praeconium, praeconium facere bei Tertull. de resurr. carn. c. 39 
Ende und Lactanz 1, 4, 8. Die Verkündiger, Prediger der Herr- 
lichkeit Gottes — die Propheten — werden von Lactanz 1, 4, 4 
praecones maiestatis divinae genannt. In der Vulgata I. Cor. 2, 4 u. 
ibid. 15, 14 und bei Lactanz mort. pers. 2, 2 wird Predigt als Ver- 
breitung christlicher Lehre durch praedicatio und predigen durch 
praedicare bezeichnet; doch die Bedeutung zum Gottesdienste ord- 
nungsmässig predigen, hatte praedicare damals noch nicht. Vgl. 
s. v. praedicare, aber auch Watson S. 272. 

Minitari. Die Madvigsche Regel, wonach minitari (minari) den 
Instrumentalis oder den Acc. annehme, je nachdem das Werkzeug 
der Drohung oder das angedrohte Übel angegeben werden soll, ist 
nicht ganz richtig. Cicero sagt Süll. 78 quaestiones nobis servorum 
aecusator et tormenta minitatnr, Phil. 13, 21 omnibus bonis cruces 
ac tormenta minitatur, Brut, und Cass. bei Cicero fam. 11, 3, 3 
(nicht Cicero selbst, wie C. F. W. Müller meint) quin consul arma 
minetur, Liv. 3, 57, 3 vir gas securesque omnibus minitari, Val. Max. 
3, 2, ext. 3 compedes, Sen. contr. 19, 1 catenas, Fronto S. 252 N. 
securim. Bei Cic. Cat. 2, 1 kann daher ferrum flammamque mini- 
hintern mit Rücksicht auf den Sprachgebrauch wohl stehen, aber 
die beste Überlieferung spricht für ferro flammaque, wie ja auch 
Phil. 11, 37 liuic urbi ferro ignique minitantur und 13, 47 cui igni 
ferroque minitatur gelesen wird. Vgl. C. F. W. Müller zu Cic. Cat. 
2, 1. Somit ist der Accus, und der Abi. des Werkzeuges bei minari 
und minitari gleich üblich; doch sagt man wohl nur indicium, sup- 
plicium, mortem u. ä. minitari (minari). 



Minorennis — 87 — Miraculum 

Minorennes, minderjährig, immündig, minorenn, ist N. L. für 

minor annis, nondum adulta aetate u. dgl., und, sofern er unter Vor- 
mundschaft stellt — pupillus, Fem. pupilla. 

Minuere. Das Fartiz. Praes. wird bei Caes. Gall. 3, 12, 1 
minnente aestu intransitiv gebraucht, dies bat auch Plin. nat. luna 
minuens; Plin. min. verwendet minuere als Verb, finit. bereits in- 
transitiv, vgl. Frese S. 65, Wölfflin Archiv X, 9. 

Minus, weniger. — N. L. ist ad minus, für minus. Unser 
weniger (als Adverb) als alle heisst nicht minus quam omnes, sondern 
in iitime omnium; z. B. du bist damit weniger unbekannt als alle, 
hoc quidem tu minime omnium ignoras. Vgl. Magis. Wo wir 
bei einer Zahlenangabe sagen nicht ganz, nicht völlig, steht 
bei Caesar und Livius öfter das adverbial gebrauchte minus, 
z. B.: hostium minus duo milia capti, siehe Fabri zu Liv. 23, 19, 17 ; 
Richter Progr. Oldenburg 1880 S. 16 f., Wölfflin Komp. S. 49, Ziemer 
Komp. S. 67 Anm. 2. — Über minus = non vgl. meine Synt. 3 § 351 
und 344 und Stil. 3 § 40, dann auch Hey Archiv XI S. 527 und 
S. 98. 

Minutio, die Verminderung, Verkleinerung, kommt erst N. Kl. 
bei Quintilian, dann Sp. L. vor und ist selten für diminutio; es 
werde daher vermieden. 

Minutiöse ist N. L.; man sage diligenter. 

Mirabilis, wunderbar. Von diesem Adj. macht Cic. in den 
Briefen einen ausgiebigen Gebrauch, auch vom Adverb mirabiliter ; 
ebenso werden mirandus und miriflcus, sowie mirifice in den Briefen 
gerne verwendet, vgl. P. Meyer Progr. 1900 S. 30. Von mirabilis 
findet sich der Kompar. öfter, auch bei Cicero, doch orat. 39 liest 
man magis mirabiles; der Superlat. steht nur Colum. 6, 36, 3 und 
wird dort angezweifelt, vgl. Neue-Wagener 3 II S. 251. Bei Cicero 
bilden nur folgende Adj. auf ilis einen Superlat.: amabilis, fertilis, 
mobilis, nobilis, utilis, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 350. — Das 
substantivierte Neutr. plur. mirabilia — Wunder findet sich öfter im 
aS^;. Li., z. B. Hier. ep. 108, 14 in quibus Deus fecit mirabilia, vgl. 
Gölzer Hier. S. 110, sowie s. v. Miraculum. Bei Cicero in der 
philosophischen Sprache bedeutet es izapddo^a, vgl. Seyffert-Müller 
z. Lael. S. 314. 

Mirabilitas, die Bewunderung* Würdigkeit, ist Sp. L. und findet 
sich zwar bei Lactanz 7, 4, 1, ist aber unnötig wegen admirubilitas, 
welches mit einem Genitiv verbunden die gleiche Bedeutung hat. 
S. Cic. nat. deor. 2, 90. 

Miraculosus, wunderbar, ist N. L. und wird heutzutage nicht 
selten gebraucht für mirus, mirabilis, mirandus, miraculo dignus, 
und stärker portentosus und das P. u. N. Kl. prodigiosus. — Als 
Adverbium findet sich Sp. L. miraculose; für besser aber gelten 
mirabiliter, mirifice, mire. 

Miraculum, Wunderbarkeit, Seltsamkeit, wird selten von Natur- 
wundern gesagt, wo fast nur prodigium, portentum, ostentum, mon- 



Miratio — 88 — Misanthropus 

strum gebraucht werden. — Das christliche Wunder ist bei den 
besten Eccl. nicht miraculum, sondern mirabilia; Wunder verrichten 
ist mirabilia facere Lact. 1, 331, 4, aber mort. pers. 2, 174, 15 
nlc/r mir acuta; Cypr. kennt miraculum = Wunder so wenig als 
Lact, (falls mort. pers. unecht ist) ; vgl. Watson S. 245. 

Miratio, die Verwunderung, wird nur aus Cic. divin. 2, 49 an- 
geführt : causarum ignoratio in re nova mirationem facit; Cic. Att. 5, 

4, 1 liest Müller mei rationem; ausserdem steht es noch 8p. L. bei 
Chalcid. Tim. 25 D. ; vgl. Nägelsbach-Müller 9 S. 238, Gölzer Hieron. S. 81 . 

Mire ist klass., z. B. Cic. Att. 16, 6, 11 mire favere, 1, 11, 
3 mire quam delectat; doch finden sich dafür auch verschiedene Um- 
schreibungen, wie mirum in moditm, miro quodam modo, mirabilem 
in modum, mirandum in modum, vgl. P. Meyer Progr. Hof 1900 

5. 30 f. 

Miras, wunderbar. Dass dieses Adj. den Kompar. durch magis 
mirus ersetzt, hat Wölfflin Archiv IY S. 5 aus Plaut. Mil. 539 und 
Amph. 1107 und Archiv I S. 100 durch N. Kl. und Sp. L. nach- 
gewiesen; der Grund zur Vermeidung des mirior liegt in dem kako- 
phonischen doppelten r. Neue -Wagener 3 II S. 260 belegt mirior nur 
aus Fragmenten des Titinius 161 Ribb. und des Varro. Der Super- 
lativ heisst maxime mirus bei Cic. Caec. 65. — Das Adjektiv mirus 
ist bei Cic. sehr beliebt, er sagt sogar Att. 3, 18, 2 mirus homo 
(wie 2, 2, 2 mirabilis vir). Selbstverständlich jedoch kann das 
nimmt mich, wunder nicht hoc me mirum habet heissen; man sagt 
einfach miror, z. B. Cic. S. Kose. 1 credo ego vos mirari, quid sit, 
quod . . . dass es euch wunder nimmt. Daher kommt auch mirari, 
nicht he; /reifen können, und verwundert fragen, vgl. Nägelsbach- 
Müller 9 S. 441. Das sollte mich wunder nehmen, wenn ist miror, 
si, vgl. Cic. Lael. 54 und dazu Seyffert-Müller S. 362 und 206. Kein 
Wunder wenn . . non mirum, si, z. B. Cic. harusp. 8; mehr Beispiele 
siehe bei Dräger H. Synt. II, S. 734 f. Es sollte mich wundern, wenn 
nicht = mirum est, nisi, mirum ni, z. B. Plaut. Pseud. 1216 mira 
sunt, ni Pseudulust, vgl. Oskar Brugmann S. 17, Bibbeck Part. S. 16, 
Meissner zu Ter. Andr. 598 ; dies mirum est nisi, mirum ni gehört 
jedoch ausschliesslich dem A. L. an; nur bei Petron 69 lesen wir 
mirabor, nisi omnia ista de fimo facta sunt, das müsste merkwürdig 
zugehen, wenn nicht . . — Ahnlich wie mit midtimodis (s. dieses) 
verhält es sich auch mit mirimodis, welches indes nur A. L. und 
Sp. L. ist, vgl. Brix zu Plaut. Trin. 931. — Mirum quam findet sich 
wie mire quam bei Cic. Att., vgl. Wölfflin Komp. S. 28, P. Meyer 
Progr. Hof 1900 S. 31. 

Misanthropus, der Menschenfeind, kommt nur als griechischer 
Name des Timon bei Cicero (Tusc. 4, 25) vor: de Timone, qui 
fjuffdv&pamos uppellatur, ist aber nie als lateinisches Wort in die 
Sprache übergegangen. Man kann dafür sagen : Itostis generis hu- 
mani, qui homines odit, hominum adspectum lucemque vitat, odium 
in hominum Universum genas exercet u. dgl. 



Miscellus — 89 — Missionarius 

Miscellus findet sich schon bei Varro r. r. dreimal, nirgends Kl. 
oder N. Kl. ausser bei Col. und Suet. ; daneben hat Petron 50 mis~ 
cellaneus, dann Apul. met. 3, 2; subst. miscellanea lesen wir bei Juv. 
11, 12, im Sinne von Schrift gemischten Inhalts erst bei Tert. adv. 
Val. 12; vgl. Heraus Progr. Offenbach 1899 8. 11. Klass. sind Mis- 
zellen variae et diver sae et in omnem partem diffusae äisputationes, 
oder überhaupt mit midtus et varius zu geben, z. B. Cic. de or. 
2, 214. 

Miscere. Mischen mit ist miscere aliquid aliqua re, z. B. Cic. 
off. 2, 48 inest in oratione mixta modestia gravitas; der Abi., der 
sich schon A. L. findet, erhielt sich besonders beim Part. Perf. Pass. 
Näheres siehe bei Landgraf Progr. 1899 S. 21. 

Miser anter, kläglich, ist Sp. L. bei Gell. 10, 3, 4 für miser a- 
biliter, calamitose. 

Miserari, über etwas Mitleid äussern, Magen, sich beklagen, etwas 
bejammern, wird verbunden mit dem Accus., aliquem, aliqiäd; P. L. 
und Sp. L. mit dem Genit., alicuius; z.B. bei lustin 15, 3, 6; 
43, 4, 8, vgl. Seck I S. 7. 

Miserere, Mitleid fühlen, wird in der bessern Prosa nur imper- 
sonal mit dem Accus, der Person, die Mitleiden hat, und dem Ge- 
nitiv dessen, mit dem sie Mitleiden hat, verbunden, z. B. me miseret 
alicuins, tui, vestri — ; wobei nur die Formen nostri, vestri, nicht 
nostrum, vestrum angehen. Dagegen ist personal und (selten) im- 
personal, z. B. Cic. Verr. 1, 77 neque me tui neqne tuorum liberum mise- 
reri potest, nach Priscian auch Cic. Lig. 14 cave te fratrum miser ea- 
tur (alle edd. jedoch misereat) das Deponens misereri, und hat eben- 
falls den Genitiv des Gegenstandes bei sich, z. B. misereor tui, vestri, 
für welchen Genitiv erst Sp. L. der Dativ steht; wenn in neuern 
Gebetbüchern neben dem Genitiv auch der Dativ vorkommt, bald 
miserer e nostri, bald miserere nobis, erbarme dicli unser, so kann 
darauf hingewiesen werden, dass Hieron. im nämlichen Satze quo- 
modo pater miseretur filiorum, misertus est dominus timentibus se 
schreibt (doch zitiert Rönsch Coli. phil. S. 173 diesen Satz aus einem 
Palimpsest mit Dativ filiis)', vgl. Gölzer Hieron. S. 313, Rönsch Ital. 
S. 413, Coli. phil. S. 173, Hartel in Wölfflins Archiv IH S. 25. 

Miser icorditer, aus Mitleiden, mitleidig, ist A. u. Sp. L. und 
wird selten gebraucht für cum misericordia, cum miseratione, miseri- 
cordia captus, ductus, permotus, oder mit dem Adj. miserwors, wel- 
ches bei Personen mit in c. accus, von Cicero, z. B. Ligar. 15, Curt. 
9, 6, 12, Sen. contr. 7, 23, 1 K., mit in c. ablat. von Sali. Cat. 52, 
12 verbunden wird. Bei Sachen ist nur der Ablat. zulässig, s. Cic. 
Sulla 72. Ygl. Gölzer Hieron. S. 285, Rönsch It. S. 152, Bergmüllcr 
Jord. S. 12. 

Missionarius, ein Gesandter, Abgesandter, ist X. L., in welcher 
Bedeutung es auch sei, für legatus oder emissarius; ewrissarius w'wd 
nur in verächtlichem Sinne von Leuten gebraucht, die man als Spione 
oder Werkzeuge zu schlechten Handlungen gebraucht, s. Cic. Verr. 2, 



Mistio — 90 — Mittere 

22 u. ibid. 3, 91, Vell. Pat. 2, 18, 6, Suet. Dom. 11 und Bremi zu 
Suet, Galba 51. 

Mistio; vgl. Mixtio. 

Mitificare kommt selten in der Bedeutung zahm machen vor, 
nur N. Kl. beim altern Plinius 8, 23 für mausuefacere ; bei Cic. 
divin. 2, 57 ist cibus mitificatus loohlverdaut. 

Mittere. Mitto und mitte mit Infinitiv findet sich schon bei 
Plaut, und Ter., vgl. Spengel zu Ter. Andr. 873, mitto, nie mitte, 
auch bei Cicero, aber abgesehen von Süll. 22 mitto quaererc nur 
in den Erstlingsreden, z. B. Quinct. 85, S. Rose. 53. Gewöhnlich 
sagt sonst Cicero omitto, z. B. rep. 1, 47 omitto de te dicere. Die 
Konstruktion von mitto mit Inf. hat sich in N. Kl. Prosa erhalten, 
sie steht Val. Max. 7, 2, ext. 2, Quint. 5, 10, 18. Die mangelhaften 
Angaben bei Dräger H. Synt. II S. 337 werden ergänzt durch Land- 
graf eloc. S. 40, id. S. Rose. S. 236, id. Sulla S. 69, Hellmuth act. 
Erl. I S. 171, Gehrmann S. 3, Schäfler S. 80, Georges Jahresber. 
1880 S. 428 und 431. Mitto quod ist klass., vgl. Cic. prov. 3. — 
Die Phrase missum facere gehört der Umgangssprache an; wir treffen 
sie schon bei Plaut, und Ter., bei Cicero besonders in den Erstlings- 
reden, in Briefen (aber nicht Ciceros), im offiziellen Stil (vgl. Caelius 
bei Cicero fam. 8, 8, 7) und sonst. Überall wird missum verändert, 
z. B. missam, missos facere, nur Pomp, schreibt bei Cic. Attic. 8, 
12 B cohortes ad me missum facias. Man hüte sich mit Kühner lat. 
Gr. II S. 573 dies missum als Supin. aufzufassen; es ist hier missum 
facere vielmehr als ein Wort anzusehen, als eine Art Kompositum. 
Näheres bei Hellmuth act. Erl. I S. 141, Köhler act. Erl. I S. 452, 
Thielmann Cornif. S. 28, id. Dare, S. 43, Landgraf Bayr. Gymn. 
1880 S. 326, id. S. Rose. S. 277, Spengel zu Ter. Andr. 680, fürs 
Sp. L. bei Wölfflin Arch. XII S. 193; vgl. noch s. v. Effectus. — 
Die Redensart mittere sanguinem, Blut oder zu Ader lassen, wird 
gleich gut verbunden mit in aliquo loco und ex aliquo loco, z. B. am 
Arme, in oder ex hrachio ; aber freilich sagt man nur ex venu, nicht 
in venu. Ygl. dazu Celsus, z. B. 2, 10. Sanguinem mittere wird 
auch übertragen gebraucht, vgl. Boot zu Cic. Att. 1, 16, 11. — 
Ferner vertausche man bisweilen lieber mittere, ivegsenden, ah sc] ticken 
(bei mehrern Personen), mit dimittere, wenn nicht nach einem, son- 
dern nach mehrern Orten hin gemeint ist, wie bei Cic. (Tusc. 5, 40): 
multas naves in omnem oram maritimam dimisit, nicht misitf denn 
durch dimisit tritt die Verteilung der Schiffe klarer hervor. Über- 
haupt gewöhne man sich, im Lateinischen das richtige Kompositum 
zu setzen, wo wir im Deutschen das Yerbum simplex anwenden, 
z. B. deduecre, deportare, conferre, dimittere, auferre u. ä., z. B. omnia 
in na um locum contulcrunt, sie brachten edles an einen Ort. — Über 
mittere in exsiliwu siehe oben s. v. Exsilium. — Dass im Sp. L. mittere 
in der Regel nicht = schicken ist, sondern dem griechischen ßdAAeev, 
iri.^UMcvj (nizTciv entspricht, während transmittere, dirigere u. ä. = 
schicken sind, darüber vgl. oben s. v. Dirigere u. Stangl Cassiod. 



Mitylene — 91 — Moderare 

S. 587. Manchmal ist mitto = immitto, vgl. Stangl 1. 1. Anm. 3 (mit 
Litt.). 

Mitylene oder richtiger Mgtilene, eine Stadt auf Lesbos, heisst 
Kl. Mytilenae, z. B. Cic. fam. 4, 7, 4 Mytilenis aut Rliodi, 7, 3, 5 
Bhodum aut Mytilenas, P. und N. Kl. ist die Form Mytilene, 
z. B. Hör. od. 1, 7, 1, Teil. 1, 4, 4, vgl. Neue-Wagener 3 I S. 598. 

Mixobarbarus, a, um, ivas mit Fremdem, Ausländischem gemischt 
ist, also halbbarbarisch, hat Muret ohne alte Autorität aus dem Grie- 
chischen herüberzunehmen gewagt. Man sage semibarbarus, was sich 
zuerst Suet. Caes. 76, von da ab aber öfter findet, vgl. Gölzer Hier. 
S. 163, Schulze Sym. S. 119. 

Mixtio oder mistio, die Vermischung, ist Gem. L., vielleicht aus 
der Volkssprache genommen, und findet sich bei Vitruv; sonst ist 
es Sp. L., aber selten, für mixtum, permixtio, welches letztere frei- 
lich gleichfalls sehr selten ist, aber die besten Autoritäten hat, z. B. 
Cic. Tim. 42, Sali. Jug. 41, 10. 

Mixtum, die Mischung, Vermischung, kann klass. nicht von der 
künstlichen Vermischung zweier Metalle mit einander gebraucht wer- 
den, da man diese temperatio nannte. Vgl. Cic. Verr. 4, 98. So 
sagte man temperatio aeris Corinthii, die Mischung des Korinthischen 
Erzes, wiewohl der ältere Plinius dafür auch mixtura und temperies 
brauchte. 

Mobilis, beweglich. Die Ausdrücke mobiles res, bewegliche Dinge, 
mobilia bona, bewegliche Güter, Hab and Gut, was fortgebracht 
werden kann, finden sich nur bei den spätem Juristen, und mobilis 
res und census im gleichen Sinne bei Amm. 26, 8, 13; 28, 1, 3; 
28, 6, 26; für uns genügt meistens supellex oder res, qitae moveri 
possunt. — Veränderlich oder wankelmütig einem gegenüber ist mo- 
bilis in aliquem nach Metellus bei Cic. fam. 5, 1, 2. 

Moderamen, die Lenkung, Mässigung, ist P. L. und Sp. L. für 
moderatio; Sp. L. ist moderamentum. Für weise Mässigung sagt 
man lateinisch bekanntlich nicht sapiens moderatio, sondern nimmt 
dafür das sv ocä dodlv moderatio et sapientia. 

Moderare, massigen, kommt nur A. u. 8p. L. bei Juristen vor, 
für das Deponens moderari, vgl. Neue -Wagener 3 III S. 64. Bei 
moderari, welches den Dativ und Accus, regiert, beachte man, dass 
der Dativ dann gesetzt werde, wann es massigen, einer Sache Mass 
und Ziel setzen, dem Übermasse einer Sache steuern bedeutet, der 
Accusativ aber in der Bedeutung beherrschen, bezähmen, zügeln, 
leiten, regieren. Wenn schon bei Sali, und Cic. sich die ersten An- 
fänge einer Verwischung dieses Unterschiedes zeigen, vgl. Jug. 82, 2 
mit Cat. 51, 25 sowie Cic. fam. 11, 27, 8, so tritt dieselbe recht deutlich 
erst im silb. Latein bei einem Nachahmer Sallusts hervor, bei Voll., 
z. B. 2, 94, 3 inopiam moderatus est, er milderte die Not. Vgl. Land- 
graf zu Keisig-Haasc S. 606 Anm. 544 a. — Moderatus vom absoluten 
moderari, z. B. Sali. Jug. 42, 2 und 45, 2, bedeutet einer, der sieh 
beherrschen gelernt lud, z. B. Cic Cato 7 moderati senes; bei Sachen, 



Modernus — 92 — Modo 

z. B. Plane, in Cic. fam. 10, 3, 2 ut ab re publica potius moderata 
quam ab uuo infinita speraret ist moderatus in passivem Sinne zu 
nehmen, also mit modero zusammenzustellen. Vgl. noch Cic. Mur. 63 
omnes virtutes medioeritate quadam esse moderatas und off. 2, 60, 
sowie Tegge S. 337, Bergmüller Plane. S. 7. 

Modernus, neu, jetzig, nach Skutsch N. Jahrb. Suppl. XXVII 
S. 95 von modo, das Sp. L. = nunc ist, ist Sp. L. für novus, re- 
cens, huius aetatis, hodie usitatus, qui nunc est u. a. ; z. B. moderni 
scriptores, für recentiores, huius oder nostrae aetatis scriptores u. a. 
Zuerst kommt modernus nach Wölfflin Rh. Mus. 37 S. 83 — 123 bei 
Ennodius vor, dann findet es sich auch sonst im Sp. L. Vgl. auch 
Georges Jahresbericht 1882 S. 261, Wölfflin Archiv XII S. 3. 

Modicus, massig, hat im Komp. magis modicus (vgl. magis immo- 
dicus bei Liv. 38, 23, 8). Seine Bedeutung ist „massig der Quantität 
nach"; es bezieht sich somit auf Grösse, Umfang und Menge. Sein 
Verhältnis zu medioeris ergibt sich aus Cic. parad. 47 mea peeunia 
est ad volgi opinionem medioeris, ad tuam nulla, ad meam modica, 
wo medioeris fast = gering, modicus aber = gerade recht bedeutet. 
Vgl. Tegge S. 337, wo aber medioeris fehlt, Schultz Synonym. S. 144, 
sowie s. v. Mediocritas. Das Neutr. als Adv. zu brauchen, ist Sp. L ; 
man setzt dafür modice, modice locuples, Liv. 38, 14, 9 und dolorem 
modice ferre = mit Ergebung , Cic. Tusc. 1, 111. Ebenso Sp. L. ist 
modicum als Subst. ; es findet sich nicht vor Apul., vgl. Gölzer Hieron. 
S. 121 und Helmreich im Archiv II S. 128. — Wie modicum = ein 
wenig bedeutet, nimmt modicus Sp. L. die Bedeutung von parvus 
an, vgl. Kubier Archiv VIII S. 196, Stangl Cassiod. S. 554. — Mit 
dem Genitiv steht modicus wiederholt bei Tacitus, z. B. ann. 2, 73, 
bei Vell. 1, 12, 4: modicus virium, bei Apul. und Dichtern, vgl. 
Haustein S. 70; Cicero sagt modicus in, z. B. orat. 69 modicus in 
delectaudo. 

Modifieare oder richtiger modificari — denn modificare steht nur 
Fronto S. 65 Nab. und hier nicht sicher, vgl. Goldbacher Z. f. ö. G. 
1888 S. 1086 — istalsVerbum nur Sp. L. bei Apul., Fronto, Symm., 
Claud. Mam., vgl. Koziol S. 293, Ebert S. 337, Schulze Symm. S. 117, 
Neue -Wagener 3 III S. 64. Wo wir sagen modifizieren, sagt man 
latein. besser modum f'aeere oder constituere, ad modum aliquem re- 
stringere, aecommodare; in der Bedeutung massigen auch moderari, 
temperare. — Kl. aber ist modificatus, gehörig abgemessen, von 
Worten und Gliedern der Kede, die taktmässig geordnet sind und 
so vorgetragen werden, z. B. Cic. de orat. 3, 186. 

Modo, bald. Das zweite bald wird Kl. meistens wieder durch 
modo ausgedrückt, seltener durch tum, z. B. Cic. nat. deor. 1, 31 und 
2, 102, vgl. Wölfflin im Archiv II S. 253; Caesar hält sich im Gall. 
an die strenge Responsion, w r eniger im nicht überarbeiteten civ.; 
Sallust lässt modo — interdum, der auetor b. Hisp. 5 modo — nonnun- 
quam sich entsprechen. Näheres hierüber sehe man Archiv II 
8. 233 — 254, wo Wölfflin über bald — bald eingehend gehandelt hat. — 



Modulamen — 93 — Modus 

N. und D. L. ist modo sie, modo aliter esse, bald so, bald anders 
sein, wofür mobilem oder varium esse u. dgl. zu brauchen ist. So 
sagt Nep. (Pausan. 1) : varius in omni g euere vitae fuit, er war in 
allen Verhältnissen des Lebens bald so, bald anders. Aber modo sie, 
modo sie ist als Sprichwort aus Petron 45 bekannt. — Falsch ist 
modo — modo in der Bedeutung teils — teils, für partim — partim, 
cum — tum, — In der Bedeutung eben geht es nur auf etwas in der 
nächsten Vergangenheit Geschehenes, nicht auf das, was man eben 
oder erst noch tun will; es ist gleich vor kurzem; vgl. Cic. Mur. 86, 
wo modo vor kurzem und nunc jetzt einander gegenüber stehen. Man 
sage also nicht: modo dicam oder dicturus sum, ich ivill eben sagen, 
sondern nunc, proxime, statim. Nur A. L. und dann erst wieder 
bei Liv. 26, 15, 3, sowie Sp. L. bei Terentian, geht modo auf die 
nächste Zukunft, z. B. Ter. Andr. 594 domum modo ibo, vgl. Meissner 
z.St., Friedersdorff zu Liv. 26, 15, 3 und Werth S. 364, sowie Skutsch 
in N. Jahrb. XXVII Suppl. S. 96 mit Anm. 1. — Über modo = nur 
bei Zahlbegriffen, z. B. unus modo, duo modo vgl. Eberhard zu Cic. 
Phil. 2, 119, dies ist klassisch, vgl. noch s. v. Unus; über modo = 
nur noch beim Komparativ, z. B. Sali. Jug. 47, 3 impensius modo, 
vgl. Kraut Progr. Blaubeuren 1881 S. 6. — P. L. ist modo denique, 
eben jetzt erst, für nunc demum, und modo non in der Bedeutung 
fast, für paene. Über nullo modo vgl. Modus. 

Modidamen und modiüamentum, der Wohlklang, ist Sp. L. für 
modulatio ; vgl. Gölzer Hieron. S. 59. 

Modidus, das Mass, findet sich erst Sp. L. bildlich vom Geiste 
gebraucht, z. B. bei Ennodius, Claud. Mam., Arnob., Hier, unus- 
quisque pro suo modulo et sensu intellegat, vgl. Gölzer Hieron. S. 127. 

Modus. Die Grundbedeutung ist, vgl. Tegge S. 18 und Reisig- 
Haase-Heerdegen S. 31, das Mass, womit etwas nach allen Dimen- 
sionen der Quantität bestimmt, begrenzt oder gemessen wird, daher 
denn auch tropisch est enim ideiscendi et pxmiendi modus Cic. off. 1, 
33 ; modum alicui rei facere = Mass halten, eintreten lassen, Liv. 
4, 50, 4 ; sine modo ac modestia = ohne Mass und Ziel = immo- 
dice, Sali. Jug. 41, 9 und Liv. 26, 48, 11; modum transire, über das 
Mass hinausgelien, Cic. Tusc. 4, 40 und modum cupiditatibus, inimici- 
tiarum staiuere, Cic. Sulla 48, Horaz sat. 1, 2, 111. Daher kommt 
auch die beliebte Verbindung mit finis, z. B. Plaut. Merc. 652 qiiis 
modus, qui finis, Lucr. 1, 964 caret ergo fine modoque, Hör. sat. 1, 
1, 106 est modus, sunt . . fines, Cic. off. 1, 102 finem et modum 
transeunt, Verr. 2, 118 modum et finem orationi facere, Vell. 
Pat. 2, 46, 2 aut modum aut terminum, Min. Fei. 35, 3 auf modus 
aut terminus; näheres siehe Schmalz Pollio 2 S. 49, Wölfflin zu b. 
Afr. 54, 3. Die Bezeichnung der Qualität dagegen wird durch genus 
gegeben, z. B. Dichtungsart, genus poesis; ein Befehl neuer .1a/, 
edictum novi generis (Cic. Sest. 89). Indes lässt sich nicht Leugnen, 
dass auch modus bisweilen gut klass. = Art und Weise gebraucht 
wird (s. darüber Cic. S. Rose. 100: nulluni um,! um esse oeeidendi 



Modus — 94 — Modus 

hominis quo . . und modus vitae = Lebensweise, Cic. Tusc. 5, 66), 
besonders oft in adverbiellen Wendungen. Hat modus in diesem 
Falle ein Pronomen bei sich, so wird bei liic, is, qui sowohl der 
Abi. hoc etc. modo, als der Accus, mit in oder ad gebraucht: quo 
modo und quemadmodum, ad oder in hunc modum. Dabei ist nur 
zu bemerken, dass in hunc modum A. L. nirgends vorkommt, ad 
hunc modum oft bei Plaut., bei Ter. und Cicero äusserst selten ist, 
er hat es in den Erstlingsschriften, nie in den Reden, dafür ist hoc 
modo und ähnl. ihm geläufiger; anders steht es bei Caesar, der ad 
hunc modum öfters hat, z. B. Gall. 2, 31; 3, 13; 5, 24 und sonst; 
doch Liv. bevorzugt in, weshalb auch 34, 13, 4 in hunc modum zu 
lesen ist. Vgl. Thielmann Cornif. S. 78, Landgraf zu Reisig-Haase 
S. 707. Bei aliquis, quidam, qiävis, quicunque, quisquis hingegen 
ist nur der Abi. : aliquo, quodam, quovis u. s. w. modo zu gebrauchen. 
Dasselbe ist der Fall, wenn mit modus gewisse auf eine Qualität 
hinweisende Adjektive wie talis, oder eine Ähnlichkeit, Gleichheit, 
Vielheit, Allheit ausdrückende Eigenschaftswörter, wie tali, pari, si- 
mili, omni modo, multis, omnibus modis verbunden werden. Ist mit 
modus ein Genitiv verbunden, z. B. nach der Art und Weise des 
Friedens, so kann sowohl pacis modo (aber nicht umgekehrt modo 
pacis, s. Weissenborn zu Liv. 23, 3, 8) als in (ad) modum pacis gesagt 
werden, vgl. Cic. Att. 11, 17, 1; Liv. 37, 46, 8 wird wohl in (nicht 
ad) modum fugientium zu lesen sein; vgl. Fabri zu Liv. 21, 30, 8, 
Novak Stud. Liv. 1894 S. 176. Wird endlich mit modus ein einen 
sächlichen Begriff ausdrückendes Adjektiv unmittelbar verbunden, 
so erfordert es der gewöhnliche Sprachgebrauch in modum zu sagen, 
also servilem in modum oder auch in servilem modum, vgl. Caes. 
Gall. 6, 19, 3, Suet. Calig. 56, das im Briefstil beliebte maiorem in 
modum, z. B. Cic. fam. 13, 16, 4; in maiorem modum ib. 13, 2; so 
auch schon Plaut. Trin. 767 in peregrinum modum. Doch ist auch der 
Ablat. nicht ohne Beispiel : humano modo Cic. Verr. 2, 9, miris modis, 
Liv. 1, 57, 6 und Horaz carm. 2, 17, 21. Im A. L. finden wir oft 
diesen Abi., namentlich im Plural, also malis, veris, indignis, mi- 
seris modis, s. unter midtimodis, doch auch im Sing., z. B. novo modo 
für das fehlende nove. Auch nullo modo = durchaus nicht, keines- 
wegs, in keinem Falle ist gut, vgl. Plaut. Trin. 729, Cic. nat. deor. 
3, 21, Verr. 5, 170, Deiot. 37, fin. 2, 102 und oft, Suet. Tit. 2. Aus 
diesem nullo modo, welches weiter nichts ist als ein starkes non 
oder nihil und sich zu diesem verhält wie nullo tempore zu nun- 
quam, mag zugleich erkannt werden, wie beliebt modus in der Um- 
gangssprache war; es nahm die Stelle ein, welche in nachkarolingi- 
scher Zeit mens (woraus die französische Adverbialendung ment) er- 
hielt. Wir treffen daher in der Umgangssprache gar viele Wen- 
dungen mit modus, welche der edleren Sprache fremd blieben; 
so genügte humane, und humano modo ist bei Cicero nur 
Verr. 2, 9 aus Rücksichten der Konzinnität gewählt. — Die Wen- 
dungen mit modi wie aliusmodi, illiusmodi, eiusdemmodi fanden bei 



Moechari — 95 — Mollis 

Cicero zumeist nur in den Erstlingsschriften umfängliche Aufnahme 
und treten gegenüber den einfachen Pronomina alius, tcdis, iste immer 
mehr zurück. Im späteren Latein wird eiusmodi und Jiuiitsmodi fast 
ausschliesslich für talis gebraucht, so besonders im afrikanischen 
Latein, wo es sogar unmittelbar Präpositionen zu sich nehmen kann, 
z. B. in huiusmodi, pro eiusmodi u. ä. Wir begegnen daher auch in 
den romanischen Sprachen noch manchen Phrasen mit modus, welche 
auf vulgärlat. Verbindungen zurückweisen, z. B. a mio modo nach 
meinem Belieben, wie Plaut. Men. 250 tuo modo und Ter. Andria 153 
meo modo, ferner oltre modo, wie Celsus S. 89, 18 Dar. ultra modam 
sagt. Näheres bei Ladyzynski, der den Sprachgebrauch bei den 
szenischen Dichtern genau verfolgt, bei Praun S. 84 Anm., Sittl 
lok. Versch. S. 131, Georges Jahresber. 1884 S. 137, Wölfflin Cass. 
Fei. S. 413, id. Rh. Mus. 37, S. 83 — 123 und dazu Georges Jahres- 
ber. 1882 S. 263, id. Archiv VIII S. 144, Werth S. 328, Bonnet 
Greg. S. 467, Kalb Roms Jur. S. 7, Hellmuth act. Erl. I S. 168, 
Nägelsbach-Müller 9 S. 215 Anm., Rebling Lat. und Roman S. 95. 

Moechari, ehebrechen, ist P. L. und Sp. L., z. B. oft in der Vulg. 
für adidterari, adidterum esse, impuram esse u. a. — A. und P. L. 
sind di-e Subst. moechus und moeclia, für adidter, adidtera. 

Mola ist ein einzelner Mühlstein, weniger also eine solche Mühle, 
die aus mehreren, wenigstens aus zwei Steinen besteht; daher findet 
sich auch in dieser Bedeutung öfter molae. Die Papiermühle nennt 
aber Plinius (nat. 18, 89) nicht mola oder molae chartariae, sondern 
offlcina chartaria. Ganz Sp. L. ist molendinum in der Bedeutung 
Mühle, z. B. bei Ps. Cyprian 259, 2 H. Gottes Mühlen mahlen 
langsam, aber sicher ist nach Sen. contr. 10 praef. 6 sunt di immortales 
lenti quidem, sed certi vindices generis humani. 

Molestare, belästigen, ist Sp. L. für molestia afficere aliquem, 
molestum alicui esse, molestiam alicui afferre oder exhibere. 

Moliri bedeutet eigentlich cum labore aliquid movere, vgl. Tegge 

5. 22, Schultz Synon. S. 118, daher das bekannte montes sede sua 
moliri, moliri fores Tac. ann. 1, 39, clausum aditum domus (s. Curt. 

6, 8, 20), sodann ist es tropisch = ehvas unternehmen, mit etwas 
umgehen, und wird meistens verbunden mit dem Acc. aliquid oder 
bei einem Verbum mit dem Infin., z. B. Cic. Tim. 4, orat. 37, Phil. 
14, 33, jedoch auch absolut, endlich mit de, z. B. bei Cicero (rep. 
2, 60): moliontem de occupando regno, wo de — in Beziehung auf 
bedeutet. Auch sagt man moliri in aliqua re facienda, bei citrus 
tütig sein, geschäftig sein etwas zu tun; z. B. bei Cicero (Yerr. 4, 
95): in demolicndo signo permulti homines moliebantur. 

Mollis. Man beachte, dass mollis (auf Menschen bezogen) nicht 
bloss weichlich bedeutet, sondern auch in bonam partem gebrauch! 
wird, z.B.: mollis et iucunda scnectus bei Cic. Cato 2 ist ein hc- 
h<i(/liclu>s } fröhliches Aller, und ibid. 5 ist molliter ferre = etwas mit 
Resignation tragen (aber Cic. fin. 2, 64 ist molliter ferre in schlim- 
mem Sinne aufzufassen, vgl. Madvig z. St.); ita cum placidum >iu>l- 



Momentaneus — 96 — Moraentura 

lemque reddidi, ut . . . Cic. Caec. 28 = ich, machte ihn so sanft und 
leidenschaftslos, dass ... So ist mollia ostentans in den Orleaner 
Sallustfragmenten IX Col. 1 = milde Bedingungen in Aussicht 
stellend, vgl. Hauler in Wiener Studien 1887 S. 29 und Archiv III 
S. 538, wo noch auf Verg. georg. 3, 44 mollia iussa und Tac. ann. 
1, 40 mollibus considtis verwiesen ist. Der Diktion des Tacitus ent- 
sprechen ferner aliquid in mollius aeeipere, in mollius referre = minder 
ernst, glimpflicher aufnehmen, u. s. w. S. Nägelsb.-Müller 9 S. 115, 
Heraus zu Tac. hist. 3, 13, Weyman Litotes S. 527. Weichlich sein in 
Beziehung auf etwas ist mollis in aliqua re, z. B. Cic. off. 1, 71 in 
dolore mollior em esse, bei Liv. 22, 2, 4 ad aliquid; ferner sagt man 
mollior ad == geyieigter zu, empfänglicher für, vgl. Cic. Hortens. fr. 
51 S. 319 C. F. W. Müller boni mores et modestiores et ad capienda 
praeeepta mollior es und bei Liv. 42, 62, 6. 

Momentaneus, momentarius und momentosus, augenblicklich, kurz 
dauernd, sind Sp. L. und verwerflich, für brevis, brevissimus, quod 
momento oder puncto temporis fit; vgl. Rönsch It. S. 124, Coli. phil. 
S. 64, Gölzer Hieron. S. 150, Kretschmann Apul. S. 51, Paucker 
Hier. S. 73 u. 169, Bergmüller Jord. S. 12. Es wird Kl. ersetzt z. B. 
momentaner Schmerz: brevis temporis dolor nach Klotz Stil. S. 103; 
momentan weiss ich nichts zu erwidern: nunc quidem non habeo, 
quod dicam u. ä. 

Momentum wird in der Kl. Sprache Ciceros und Caesars noch 
nicht in der Bedeutung Augenblick im strengen Sinne des kürzesten 
Zeitteils gebraucht, dafür sagen beide punctum temporis, z. B. mul- 
torum mensium labor puncto temporis (in einem Augenblicke) interiit 
(Caes. civ. 2, 14, 4); uno et eodem temporis puncto, in einem und 
demselben Augenblicke (Cic. div. 2, 95); dagegen wird bei Livius 
schon momentum temporis so gefunden, z. B. 35, 11, 13 momento 
temporis castra relicta erayit, ja es wird momentum auch ohne den 
Zusatz temporis = Augenblick, vgl. Fabri und Wölfflin zu Liv. 21, 
14, 3; dies ist bei Celsus bereits ausschliesslich in Übung, wie 
Brolen S. 18 sagt. Und so bezeichnet momentum mit oder ohne 
Genitiv N. Kl. nicht bloss den kürzesten Zeitteil, der in unserem 
Augenblick liegt, sondern auch den kurzen, schnellen Zeitverlauf, die 
kurze Weile, binnen welcher sich etwas vollzogen hat, wie horae 
momento Liv. 5, 7, 3, vielleicht nach Hör. sat. 1, 1, 7, vgl. Archiv X 
S. 55, Curt. 9, 6, 21. Aber falsch ist hoc temporis momento im 
gcgeniv artigen Zeitpunkte, für das einfache hoc tempore. — Tropisch 
bedeutet momentum (zunächst die Bewegung des Züngleins an der 
Wage) das Gewicht, den Ausschlag, den jemand, etwas in die Wag- 
schale der Entscheidung legt, s. Heraus zu Tac. hist. 1, 59; in diesem 
Falle ist es mit dem Adj. niagnus oder den negierenden parvus, 
nullus u. dgl. meistens anwendbar. Aber so richtig es ist, den Ge- 
nitiv magni etc. momenti prüdicativ zu verwenden: res est magni 
momenti, so richtig werden auch Genitive, wie magni, parvi, nullius 
momenti attributiv zu Substantiven gesetzt: Exponunt se tentasse etiam 



Monacha — 97 — Monarchia 

haud magni momenti finitimarum gentium auxilia, Liv. 10, 16, 5; 
43, 23, 8, aber nicht 30, 34, 1, wo magna eadem in re gerenda 
momenta gelesen wird, vgl. Luchs z. St. und Tac. hist. 3, 8 ; Kl. ist 
dies indes selten, aus Cicero kenne ich nur fin. 4, 47 propensionem 
ne minimi qaidem momenti, aus Caesar gar kein Beispiel. Wenn 
maximi momenti haheri, nidlius momenti putari gut ist, vgl. Cic. 
Yatin. 1 cnins testimonium nullius momenti putaretur, und auch haud 
parvum momentum bei Livius vorkommt, so ist als livianisch zu 
rechtfertigen: quaestio haud parvi momenti putanda est; denn nach 
Planer S. 42 findet sich haud parvi momenti 15 mal bei Livius. 
Richtig ist auch: hoc nihil habet momenti, dieses hat kein Gewicht, 
ist imbedeutend (Cic. fin. 2, 38); vgl. noch Yerr. 5, 3; Font. 14; 
Mur. 62 und 90. — Die Entscheidung bei etwas geben ist latein. 
nicht momentum dare, sondern Kl. momentum habere ad, Cic. Yerr. 
act. 1, 52, momentum afferre ad, z. B. Caes. civ. 1, 51, 6 oder momen- 
tum esse, z. B. Cic. Yerr. 5, 153 cuius nullum in re publica momen- 
tum unquam fuit, der niemals ein entscheidendes Wort im Staate 
hatte, bei Livius auch momentum facere in aliqua re, z. B. in regno 
dando, Liv. 1, 47, 6, oder ad aliquam rem, Liv. 35, 39, 3, ferner 
alicuius rei momentum facere, Liv. 25, 18, 3. — Es treten zu mo- 
mentum nur Adjektive der Grösse, wie magnus, parvus, levis, par, 
nullus und ähnliche, nicht Adjekt. der Eigenschaft, wie terribilis, 
schrecklich. Man sagt also nicht terribile momentum, ein schrecklicher 
Augenblick (Moment), wo meistens discrimen anwendbar ist. — Nie 
sagt man auch momentum mortis für unser der Augenblick des Todes, 
was im N. L. hier und da vorkommt, für ipsa mors, extremus Spiri- 
tus oder mit dem Yerb mori; der Jurist Papinian schreibt 28, 7, 
28 (Leipold S. 45 Anm. 1) extremo vitae momento. — Endlich ist 
momentum N. L. für unser den Augenblick, in der Bedeutung so- 
gleich, für continuo, statim; z. B. der Senat wurde den Augenblick 
zusammengerufen, wo momentum oder punctum temporis lächerlich 
wäre; aber momento restituitur sagt Celsus S. 76 D. 

Monacha, die Nonne, ist das älteste Wort für diesen Begriff, 
ebenso als Masc. monachus, der Mönch, monachium und monaste- 
rium, das Kloster, und als Adj. monasterialis, klösterlich. Gleich 
gut sind coenobita und coenobium, wiewohl weniger im Gebrauche. 
Yon monacha kann man im Dativ und Ablativ Plural, unbedenklich, 
auch ohne Autorität, monachabus, zum Unterschiede von monachis, 
sagen. Ygl. Gölzer Hieron. S. 212. 

Monarchia, die Alleinherrschaft, auch das Land eines Königs, 
ist spät ins Lateinische aus dem Griechischen herübergenommen und 
von allen frühern Lateinern nicht einmal leise erwähnt worden; wir 
finden das Wort erst bei den scr. h. Aug., bei Tert., Lact., Hieron., 
Heges., vgl. Gölzer Hieron. S. 212, Rönsch Coli. phil. S. 39. Es ist 
nur als Kunstwort in der Politik erträglich, da bei Cicero u. a. sich 
viole Ersatzwörter finden, z. B. unius dominahcs oder äominatio } 
impcrium singulare (Cic. rep. 1, 50; 2, 15), regnum (ibid. 1, 26), 

K rebs- Schmalz, Antibarburuu II. 7 



Monere — 98 — Moneta 

regium Imperium, regalis res publica (ibid. 3, 47), tyrannis, dominatus 
regius, regia oder regalis potestas, singularis potentia (Nep. Dio 9, 5). 
Daher heisst ein monarchischer Staat — civitas, quae unius dominatu 
teuetur; ein Monarch, Alleinherrscher — rex, Imperator, princeps, 
unter Umständen auch dominus, tyrannus. Unerweislich ist das 
Subst. monarcha; denn bei Mar. Victor, liest Baehrens fragm. poet. 
Roman. S. 397 Nr. 106 nicht monarcha, sondern Menoeta. 

Monere. Einen an etwas erinnern heisst Kl. nur monere ali- 
quem de aliqua re, z. B. Cic. Att. 11, 16, 5 ut Terentiam moyieatis 
de testamento, erst N. Kl. und ausschliesslich bei Tacitus ist der 
Genitiv: temporis et necessitatis monere, ann. 1, 67 init, gewöhnlich 
ist auch de mit Abi. bei Komp. wie admoneo, commoneo, z. B. Cic. 
fam. 7, 13, 5 admonere de cautionibus, Q. fr. 3, 1, 14 de aede Tel- 
Juris; part. 96 de periculo commonendi ernnt; der Genitiv steht bei 
commonefacio Cic. Yerr. 5, 112 sceleris et cnidelitatis commonefiat; 
vgl. s. v. Admoneo, commoneo und commonefacio. Mit dem Accus, 
steht es nur bei den Neutra hoc, id, illud, miüta, z. B. Sali. Cat. 
58, 3, quo vos pauca monerem und Cic. fam. 3, 3, 1 ea me ex tuis 
mandatis monuit. — Was geschehen soll, folgt in der Kl. Sprache 
mit ut, was nicht geschehen soll, mit ne; der Infinitiv bei monere 
ist vorwiegend poetisch. In Prosa finden wir ihn nicht bei Caesar, 
bei Sali, und Cicero nur dann, wenn kein Objektsaccusativ im Satze 
und das Subjekt unpersönlich ist, vgl. Sali. Cat. 52, 3, Jug. 19, 2; 
Cic. inv. 2, 66 und fin. 1, 66 (aber nicht fat. 6, wie Stegmann N. 
Jahrb. 1887 S. 262 zitiert); mit Recht macht Thielmann Cornif. 
S. 82 u. S. 74 Anm. darauf aufmerksam, dass sich diese Konstruk- 
tion bei Cic. ausser in der Erstlingsschrift de inv. nur noch de fin. 
findet, wo Cicero auch sonst manches sich hingehen Hess. Häufig 
ist moneo mit Inf. bei Tacitus, z. B. ann. 1, 63; 4, 67; 12, 46; 13, 
37; 16. 11 und hist. 4, 33; 5, 24. Ygl. noch Badstübner S. 42, 
Constans S. 167, Dräger H. Synt. II S. 323, C. F. W. Müller zu Cic. 
Verr. 1, 63, oben s. v. Admoneo, Meissner zu Cic. Cato 32, welche 
Stelle ich übrigens nicht hieher rechne, Hoppe Synt. Tert. S. 46, 
Gölzcr Hier. S. 365; fürs Passiv Cic. fat. 5 Philippus has quadri- 
gulas vitare monebatur. — Man vermeide, was im N. L. oft vor- 
kommt, monere in der Bedeutung etwas bemerken, anmerken, er- 
ivähnen, lehren, wie man so oft liest: ut monet Wolfius, hoc monuit 
Ernestius; — man brauche dafür commemorare, dicere, docere, 
annotare. Aber in der Bedeutung belehren wird es bei den Histori- 
kern nicht selten transitiv mit dem Accus, c. infinit, gebraucht. S. Caes. 
civ. 3, 89, 3, Nep. Phoc. 2, 4, Tac. ann. 12, 12 und bei Quintil. 5, 10, 
83. — Die Phrase res monet gebraucht auch Cic. Att. 10, 8, 1, 
sonst scheint sie dichterisch gewesen zu sein. Gut ist jedoch res 
postalat, vgl. Cic. Balb. 56, Caes. Gall. 4, 23, 5, civ. 2, 40, 2, vgl. 
Bergmüller Plane. S. 36, Landgraf Rose. S. 210. 

Moneta, die Münze als Ort, ist Kl., als Geldstück hingegen 
P. L. u. N. Kl. für nummus. Über falsa moneta und falsus num- 






Monitorius — 99 — Monticola 

mus vgl. Falsus. Bildlich, in der Bedeutung Wert, wie wir Münze 
brauchen, kommt es nur P. L. bei »Tuvenal 7, 55, vgl. Weidner z. 
St., vor und kann von uns in Prosa höchstens mit vorgesetztem quasi 
gebraucht werden. Ebenso auch, wo wir bildlich von einem Worte 
sagen: das ist aus unserer Fabrik, hoc est ex nostra, ut ita dicam, 
moneta, wie Seneca (benef. 3, 35, 1) sagt: iam tempus est quaedam 
ex nostra, ut ita dicam, moneta proferri. — Ein Yerbum monetäre, 
münzen, Münze schlagen, gibt es nicht; dafür sage man signare, 
percutere nummum (nummos). 

Monitorius, zur Ermahnung, Erinnerung, Warnung dienend, 
ist N. KL bei Sen., aber monitorium substant. = Warnung, Erinne- 
rung, Mahnung an eine Schuldigkeit ist N. L. (beim Juristen 
Callistratus ist ad edictum monitorium noch nicht sicher erklärt, vgl. 
Kalb Roms Juristen S. 120); klass. ist admonitio oder monitum, z. B. 
Cic. fam. 6, 6, 5 quid ego praetermisi aut monitorum aut querelamm. 
Das Subst. monitus kommt Kl. nur im Abi. sing, vor, z. B. Cic. div. 
2, 86 Fortunae monitu; N. Kl. u. P. L. findet sich auch Nom. u. 
Acc. Plur., die übrigen Kasus aber entlehnt es von monitum. 

Monoculus, einäugig, ist ein Zwitterwort und ganz 8p. L. für 
luscus, alter o oculo oder lumine captus oder orbus; A. L. kommt 
auch bei Plautus und bei Acc. (Gell. 3, 11, 5) unoculus vor. 

Monomachia, der Kampf mit einem, der Zweikampf, ist Sp. L. 
für certamen singulare, pugna singidaris. Fordert einer einen andern 
zu einem Zweikampfe heraus, so heisst dies lateinisch bekanntlich 
(ohne das in diesem Zusammenhange überflüssige singidaris) ad 
imgnam, ad certamen aliquem provocare. Ygl. Duellum. 

Monstrare, zeigen. Mit Recht verwirft man als D. L. se mon- 
strare, sich zeigen = se praebere, ebenso seine Kunst, Wissenschaft, 
Kenntnisse zeigen. Man sage dafür animi, ingenii, consdii lumen 
alicui ostendere, nach Cic. rep. 6, 12, oder ostendere quid valeas, 
possis. 

Monstruosus, unnatürlich, abenteuerlich, seltsam ist im Vergleich 
mit monstrosus die bessere, durch die Handschriften bei Cicero und 
andern gebotene Form, z. B. monstruosarum libidinum, Suet. Cal. 16 
und vita scriptisque monstruosus, ibid. gramm. 15 und monstruo- 
sissima bestia, Cic. divin. 2, 69; in der späteren Prosa wird jedoch 
monstrosus häufig, vgl. Archiv V S. 208; VIII S. 9. Über die Stelle 
Ciceros fin. 1, 61 sind unsere Kritiker nicht einig. Lambin hat dort 
monstrosi als ganz unpassend durch das dem Zusammenhange ganz 
angemessene morosi ersetzt, was Madvig und C. F. W. Müller billigen ; 
aber Madvig hat auch noch in ed. III monstrosi propter auetori- 
tatem beibehalten, während Baiter-Kayser und C. F. W. Müller 
morosi lesen; vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 432. — Sp. L. ist aber 
das Subst. monströs/ tas (S. August, civ. 7, 26) für monstrum, prodi- 
gium, portentum, forum monstruosa. 

Monticola, der Bergbewohner, steht vielleicht nur bei Ovid met. 
1, 193 für incola monüs, homo montanus. 



Montosus — 100 — Morari 

Montosus, bergicht, gebirgig, wird für die weniger gute Form 
gehalten, als montuosus, was wenigstens bei Cicero und Plin. mai. 
die besten Handschriften bestätigen; vgl. Seyffert-Müller zu Cic. Lael. 
S. 432. Die hexametrischen Dichter aber griffen auf montosus, wie 
auf monstrosus, weil montuosus und monstruosus nicht in den Yers 
passen. Vgl. Archiv V S. 207. 

Mora, der Verzag, die Zögerimg. — P. L. ist moram trahere, 
aufhalten, verzögern, für moram facere, afferre, inferre, inicere, 
interpoliere u. a. Über die Phrasen mora est in und in mora est, 
welche unklassisch sind, vgl. Schmalz Pollio 2 S. 50, Bergmüller Plane. 
S. 51. Zeit zu gewinnen suchen, bis . . ist moram temporis quae- 
rere, dum . . Liv. 30, 16, 14, vgl. mit Caes. Gall. 1, 7, 6: ut spatium 
intercedere posset, dum . .; von meiner Seite steht nichts im Wege 
Ter. Andr. 593 per me nullast mora. — Wie man sagt impedinmito 
aliquid est ad, so auch morae est ad, vgl. Liv. 31, 40, 9 qui morae 
ad decernendum bellum fuerat. Andere Phrasen mit mora im N. Kl. 
siehe bei Nieländer 1894 S. 7. 

Moralis, moralisch, sittlich, ist, obgleich ein Kl. Wort, doch in 
der Bedeutung unseres Wortes moralisch, d. h. sittlich gut, N. L. 
für bene moratus, bonus, probus, honestus. Ebenso ist moralitas in 
der Bedeutung Sittlichkeit, sittlich gutes Betragen ohne Autorität und 
N. L. für probitas, honestas, integritas morum, integri mores, auch 
bloss mores, morum conditio u. a. — Jenes Adjektiv schuf vielleicht 
Cicero für seine philosophische Sprache und bezeichnete dadurch den 
moralischen Teil der Philosophie; er sagt (de fato 1): quia pertinet 
ad mores — nos eam partem philosophiae de moribus appellare 
solemus; sed decet augentem linguam Latinam nominare moralem. 
Es blieb nachher bis ins Sjh L. beständiges Kunstwort in der 
Philosophie, welche man später in moralem, naturalem und rationalem 
teilte. Vgl. Seneca epp. 88 und 89, Quintil. 12, 2, 10, Gölzer Hieron. 
S. 148. — Die Morallehre heisst daher kurz philo sophia oder doctrina 
oder scientia moralis, wofür Cicero (Tusc. 3, 8) umschreibend sagt: 
haec omnis quae est de vita et moribus philosophia. So wird auch 
die christliche Moral von Augustin im Zusammenhange kurz und gut 
bezeichnet durch vitae morumque doctrina, de fide et opp. § 1 (opp. 
T. 11). Auch liegt der Begriff Moral, Moralist und ähnliche in 
Redensarten, wie: officii magister (Cic. Tusc. 2, 12), qui artem vitae 
profitetur (ib.), hunc locum philosophi solent in officiis traetare (orat. 
72), descriptio expetendarum fugiendarumve rerum (Tusc. 5, 68), 
cognitio virtutis (ib. 5, 71), ab iis inventa et perfecta virtus est (ib. 
5, 2). Während Hieron. von praeeepta moralia spricht, werden wir 
richtiger praeeepta morum oder praeeepta officii sagen, vgl. Cic. off. 
1, 5 und Klotz Stil. S. 101. — Endlich was wir moralisches Gefühl 
nennen, heisst lateinisch sensus honestatis. Moralische Kraft ist vis 
animi bei Plin. epp. 1, 12, 5 u. 5, 16, 4. 

Morari ist klass. nur Deponens, über aktives morare vgl. Neue- 
Wagener 3 III S. 66, zu ergänzen durch Burg S. 13 und Leipold 



Moratus — 101 — Morbus 

S. 33. Morari intrans. heisst sich aufhalten, aber nur als Fremder, 
da es sich verweilen bedeutet, nicht als Einwohner, wo es gleich- 
bedeutend mit unserm wohnen wäre; letzteres heisst nur habitare, 
aliquem locani iucolere. Dies beweisen viele Stellen aus Cic. epp. 
Erst der N Kl. Latinität ist dies Gefühl abhanden gekommen, und 
Yell. braucht morari, wo Kl. versari am Platze gewesen, z. B. in 
imperiis morari, vgl. Georges Yell. S. 39. — Man beachte, dass morari 
transit. in der Bedeutung hindern sowohl mit dem Genitiv als Dativ 
der Person vorkommt: conanti dextram moratur manam, Caes. Gall. 
5, 44, 8 und oculos auresque morari Caesar is, Hör. epp. 1, 13, 17; 
einen an etivas hindern ist morari aliquem ab aliqua re, Liv. 23, 28, 
9 und dort Fabri. — Nihil moror te, vos etc. war die Formel, mit 
welcher der Vorsitzende eine Versammlung oder der Ankläger einen 
Angeklagten entliess: ich halte euch nicht auf, ihr könnt gehen, ich 
habe dir weiter nichts an. Daraus entwickelte dann die Umgangssprache 
den Sinn von ich mag nicht, ich ivill nichts wissen von etivas, s. 
Lorenz zu Plaut. Most. 746 und Brix zu Plaut. Irin. 297: nil ego 
istos moror faeceos mores und: vina nihil moror istius orae, Hör. 
epp. 1, 15, 16; nihil moror ist aber auch zustimmend — meinetwegen, 
ich habe nichts dagegen, dass . . mit ff. Accus, c. infin.: nil moror 
eum tibi esse amicum, Plaut. Trin. 337 u. Antonius in Cic. Phil. 13, 
35 nihil moror eos salvos esse, vgl. meine Syntax 3 § 157. — Der In- 
finitiv steht und zwar Kl., am meisten jedoch bei Dichtern nach 
morari zögern, Anstand nehmen etivas zu tun : toto oppido munitiones 
circumdare moratur, Hirt, bei Caes. Gall. 8, 34, 4 und: cui bellum 
moremur inferre, Cic. Phil. 5, 33; vgl. noch Catull 52, 4, Ovid met. 
13, 529, Hör. epod. 16, 24, ebenso oft bei N. Kl. Dichtern. Nicht 
zögern etwas zu tun ist non morari quin: nee morati sunt, quin 
decurrerent ad castra, Liv. 40, 31, 8; mit ff. quominus bei Liv. 3, 
54, 4. 

Moratus bedeutet nur irgendwie gesittet, geartet, beschaffen. 
Wenn wir gesittet = wohl gesittet brauchen, so hat moratus diese 
Bedeutung nur in Verbindung mit den Adv. bene, melius, optime, 
da es auch einen male moratus geben kann; so steht wenigstens in 
den von Ritschl op. II S. 286 aus Plaut. Most, entfernten Yersen 
133 mulier si moratast male u. Stich. 109 facile invenies et peiorem 
et peius moratam. Erst Sp. L. bekommt moratus die Bedeutung 
gut gesittet. 

Morbus. Da die Alten fast nur von morbus gravis, levis, diffh 
cilis (die schwer zu heilen ist) sprechen, nicht von morbus magymis, 
parvus, indem Celsus nur die Epilepsie morbus maior nennt, so sagt 
man auch nicht: morbus maior fit, die Krankheit wird grösser, son- 
dern ingravescit (Cic. Catil. 1, 31) oder adgravescit (Terenz Hec. 337), 
amplior fit, crescit, increscit. — Die Krankheit hat ihn verlassen, 
morbus (ab eo) discessit, nicl;t eum dcseru.it (doch s. d. W. Febris}\ 
r/m' Krankheit bekommen, nicht morbum aeeipere, sondern implicari 
morbo oder in morbum rudere (Cic. Tusc. 1, 79), ineidere in morbum, 



Mordere — 102 — Morigerari 

morbo affligi, conftictari, morbum nancisci (Nep. Attic. 21, 1); die 
Krankheit lässt nach, morbus levior est, wieder genesen, ex morbo 
convalescere. Dass das Wort morbus schon frühzeitig zurücktritt und 
schliesslich ganz verschwindet, so dass in den romanischen Sprachen 
keine Spur erhalten ist, darüber vgl. Wölfflin Cass. Fei. S.387, Dressel 
S.4 ff., Mohr Progr. Bremerhaven 1886 S. 11; Thielmann Apoll. S. 32, 
Praun S. 105. 

Mordere, beissen wird von Plaut, nur im eig. Sinne gebraucht; 
doch schon Ter. hat es metaphorisch, u. von da ab finden wir es 
allenthalben übertragen. Conscientia mordet, das Gewissen beisst 
(was wir in der Redensart : mein Geivissen beisst mich nicht, brauchen) 
findet sich allerdings erst Sp, L., z. B. Oros. 6, 21, 29, bei August, serm. 
211, 3, kann aber sicherlich nachgebraucht werden, da das passive 
morderi conscientia schon Cic. Tusc. 4, 45 vorkommt, so dass selbst 
morsus conscieuüae, die Gewissensbisse, recht wohl neben cruciatus 
conscientiae, conscientiae maleficiorum (Cic. parad. 18), und angor oder 
angores animi bestehen können. Pungit me conscientia peccati ist 
zwar Sp. L. bei Hier, in Ps. 21, F. ed. Paris, a. 1546, ebenso August, 
in Ps. 31, enarr. 2, 5 und c. Jul. Pelag. 5, § 39 (opp. T. 13), aber 
sowohl an und für sich gut als gerechtfertigt durch Stellen wie 
Lucr. 3, 827 praeteritis male admissis peccata remordent und hunc 
ex animo scrupulum, qui se . . . stimulat ac pungit, Cic. S. Rose. 
S. 6 und: epistula ita me pupugit, Attic. 2, 16, 1; vgl. noch fam. 3, 
12, 2; Att. 13, 12, 1. — Über das Wort mordicus vgl. Bücheier 
in Wölfflins Archiv I S. 104 ff., Langen K Jahrb. 1882 S. 763. 

Mori. Als ungewöhnlich verwirft man mori in bello, in pugna 
für cadere oder oeeidere in bello, in proelio, proeliantem, pugnantem 
oder perire in bello. Auch hielt man für Sp. L. und bezweifelte 
den Ausdruck f'ame mori, Hungers sterben, aber mit Unrecht, denn 
s. darüber Petr. 10; Pomp, bei Gell. 10, 24, 5; f'ame et siti mori, 
Liv. 7, 35, 8, siti mori, ibid. 4, 30, 8; fame mori steht ferner auch 
Plaut. Stich. 640, Frontin strat. 4, 5, 23, Sen. contr. 1, 1, 3 u. 1, 

7, 8 und sonst, endlich auch bei Cic. Att. 6, 1, 6. Daneben sagt 
man auch fame confici, necari, perire, interire. Selten ist frigore 
mori, vor Kälte sterben, erfrieren, für frigore confici. — Eine Leiche 
ist mortuus, z. B. Gaius dig. 11, 7, 7 pr. qui intulit mortuum in 
locum aliennm, Cic. Mil. 75 mortuum se in domum eins inlatarum; 
im Singular setzt man jedoch gerne homo dazu, z. B. Cic. leg. 2, 60 
homini mortno ne ossa legito. Tote, leblose Dinge sind nicht mortua 
— orum, noch auch res mortuae, sondern res sensu carentes, Quintil. 

8, 6, 11 oder inanima ibid. § 10. 

Morigerus, gehorsam, findet sich nur Ä. L. bei Plautus, Terenz 
und Lucrez, und Sp. L. Apul. mag. 14, g. E. und c. 74, met. 2, 5 
extr., Paneg. 10, 241, 3; vgl. Kretschmann Apul. S. 54, Piechotta 
S. 37, Chruzander S. 41. 

Morigerari kommt in der Bedeutung geliorchen, Folge leisten, 
sich nach etwas richten, bei Cicero nur einmal orat. 159 voluptati 



Mors — 103 — Mors 

aurium morigerari debet oratio vor, sonst ist es nur .4. L., z. B. 
Plaut. Capt. 194; doch kann es neben morem gerere, obsequi, oboe- 
dire recht wohl angewandt werden. Aber m&rigeratus in der Be- 
deutung gesittet, sittsam, ist N. L. für bene moratus. 

Mors bedeutet nicht nur den natürlichen, sondern auch den ge- 
waltsamen Tod, den Tod als die höchste Strafe der vergeltenden 
Gerechtigkeit, daher steht morte adficere Cic. Yerr. 1, 9, Cluent. 169, 
inv. 1, 35, morte multare nicht nur bei Lact. 2, 9, 24, Tac. ann. 6, 
9, Plin. epp. 8, 14, 15, Vell. 2, 12, 6, sondern auch bei Cic. Tusc. 
1, 50, Verr. 1, 14 und morte midtatus, Tusc. 1, 97; daher denn auch 
morte punire, Plin. epp. 8, 14, 12, Tac. ann. 4, 44 und 11, 18 und 
mortis poena = supplicium, capitis poena bei Cic. Cat. 4, 7 uud 
morti addicere, zum Tode verurteilen, off. 3, 45. Für morte damnare 
kennen wir bis jetzt bloss Sen. epp. 71, 15, aber auch dort nicht ah 
Akt der strafenden Gerechtigkeit, sondern als Naturgesetz, welchem 
das ganze menschliche Geschlecht unterworfen ist; denn Gewalt haben 
über Leben und Tod als integrierendes Beeilt der Obrigkeit heisst 
Kl. stets vitae necisque potestatem habere und es ist eine nicht nach- 
zuahmende Besonderheit von Seneca, wenn er Polyb. 16, 2 sagt: M. 
Antonius avium suorum vitae sedebat mortisque arbiter. Wird aber 
der Tod als phgsische Potenz betrachtet und Gott insofern als Herr 
über Leben und Tod erklärt, so ist vitae mortisque arbiter allein 
richtig, wenn es auch aus begreiflichen Gründen bei keinem profanen 
Autor gefunden wird. Also vollkommen korrekt heisst es im Buche 
der Weisheit 16, 13 nach der Yulgata von Gott: tu es enim, domine, 
qui vitae et mortis habes potestatem. — Einen auf den Tod anklagen 
heisst aliquem capitis anquirere (Liv. 2, 52, 5) und capite anquirere 
(ib. 8, 33, 17), capitis aecusare (Nep. Paus. 2, 6). Über damnare ad 
mortem, s. unter Damnare. Zum Tode verwunden ist in mortem 
vulnerare erst Sp. L. bei Jul. Obs. 69 (129); Cic. sagt red. in sen. 
7 vulneratus ferro confectusque est. — Auch hier will ich dem 
Irrtum entgegen treten, dass mors bei Cic. Mil. 86 Leichnam bedeute ; 
vielmehr bedeutet mortem eins lacerari = dass er noch im Tode 
zer fleischt werde, vgl. consolari eins dolorem, ihn in seinem Schmerze 
trösten. In der Yulgär spräche ist allerdings mors = Leiche. Vgl. 
Nägelsbach-Müller 9 S. 617, Köhler act. Erl. I S. 395, Philol. Woch. 
1882 8. 305, Riemann etudes S. 46 u. S. 72, Osenbrüggen zu Cic. 
Mil. 86, Chruzander S. 41. — Des Todes sterben ist morte mori bei 
Ambr. off. 1, 5, 250 ad quae si alienigena accesserit, morte morictur. 
Mit einem Attribut hat die Phrase schon Sali. bist. 1, 43 M. ne 
snnpUci quidem morte moriebantur; Cic. jedoch sagt Cluent. 173 
repentina morte periit, vgl. auch Landgraf act. Erl. II S. 30, Hoppe 
Terfci 8. 32 {morte mori sei „hebräischer Pleonasmus"). — Unser dem 
Tode nahe ist Kl. bloss moriens, Sp. L. dagegen wird auch morti 
proximus gefunden, s. Greg. M. dial. 4, 14, Ambros. de bono mort. 
8, 37, Aug. civ. I). 22, 8, consensu evang. 2, 28, 65, Apul. 
met 1, 72 und 4, 3 g. E., Fronto ncp. am. S. 235 oben (N.). 



Mortalis — 104 — Mortalis 

Einen Anklang an diese Sp. L. Weise hat schon Hör.: maturo 
propior funeri, cann. 3, 15, 4 u. Ov. : propior leto, met. 7, 163. 
Ein weiterer Ausdruck ist im Sp. L. morti vicinus, s. darüber Jul. 
Capit. in Max. duo, c. 18 u. Gord. tr. 9, Hier, in Joel, 1, 13, 
August, util. jej. § 12 u. serm. 306, 10. Dasselbe liegt auch in 
der Phrase: in extremis positum esse, bei Ambros. de bono mort. 
8, 37, wofür Petron. sat. 101 in ultimis esse sagt. Dies findet sich 
aber auch bei Sen. conti*. 2, 12, 4. Ohne stützendes Partiz. sagt 
Quintil. 6, Prooem. § 11: ut me in supremis consolatus est. Yon 
Tacitus endlich wird unser dem Tode sich nahem durch appropin- 
quare supremis, ann. 6, 50 ausgedrückt. Als weiterer Ausdruck 
kann auch dienen: mors allem propinqiia, appropinquante morte, Cic. 
divin. 1, 65 u. ibid. § 64; mors appropinquat alicui nach Cic. 
fin. 5, 31. Den Tod suchen aus Liebe zum Vaterlande ist ad mortem 
se offene pro patria, Cic. Tusc. 1, 32. — Des Todes sein ist mori in 
Phrasen wie moriar, si Cic. Att. 5, 20, 6; moriar ni Cic. fam. 7, 13, 
1 ; weniger fein und nirgends bei Cicero zu finden ist peream si, 
vgl. Burg S. 34, Gebhard S. 20, oder gar dispeream ni, was Hör. 
sat. 1, 9, 47 dem Schwätzer in den Mund legt. Gut ist auch ne 
vivam Cic. Att. 4, 17, 5 oder ne sim salvus Cic. Att. 16, 13 a, 1. — 
Dies mortis = Todestag, ist allerdings selten: ut prorogetur tibi dies 
mortis, nihil proficitur ad felicitatem, Sen. de benef. 5, 17, 6 und: 
hoc tibi circa mortis diem praesta, Sen. epp. 27, 2 und auch 
bei Celsus: mausurum est Vitium usque diem mortis,/!, 7, 15 init. ; 
aber tempus mortis steht bei Cic. Tusc. 1, 49. Über extremum 
morte couficere diem in der Bedeutung sterben, vgl. das Wort Con- 
ficere. 

Mortalis ist in der Bedeutung tödlich Sp. L., z. B. crimen mor- 
tale bei Cyprian S. 407, 21 II. N. L. ist peccatum mortale, eine 
Todsünde, eine Sünde, die den Tod verdient, für capitale, mortiferum. 
Das Masc. mortalis, besonders im Plural mortales, in der Bedeutung 
der Mensch, die Menschen zu brauchen, ist ganz richtig, wenn das 
ganze menschliche Geschlecht von denjenigen unterschieden wird, 
die keine sterbliche Natur haben. S. Dietsch zu Sali. Cat. 1, 5, Liv. 
3, 17, 6. Caesar braucht es so niemals, Cicero nur mit vorgesetz- 
tem midti oder omnes, wie es schon Naev., Enn. u. a. haben; multi 
mortales war begünstigt durch die Alliteration, omnes mortales liess 
den Gleichklang omnes homines vermeiden; Plautus kennt diese 
Einschränkung nicht, vgl. O. Seyffert Berl. Ph. Woch. 1903 S. 1042. 
Im Sing, verbindet Cic. es mit nemo, z. B. Lael. 18, nie aber ver- 
wendet er mortalis ohne eines dieser Wörter; dagegen Sallust u. a. 
brauchen „studio quodam gravitatis et magnificentiae" mortales 
geradezu für homines ohne alle Hervorhebung des Begriffes. Ganz 
zum Substantiv erhoben ist mortalis im Sp. L., wo es geradezu = 
homo, vgl. Schepss im Archiv III S. 317. Näheres Landgraf S. 
Rose. S. 149, meine Anm. zu Sali. Cat. 1, 5, Nägelsb.-Müller 9 S. 126, 
Klotz Stil. S. 190, Riemann etudes S. 82, M. Müller zu Liv. 1, 1, 7, 



Mortifer — 105 — Motus 

Schmidt 1889 S. 11, Brünnert S. 12, Priebe II S. 12, Cramer im 
Archiv VI S. 342. 

Mortifer oder mortiferus, era, erum. Der Nom. Sing. Masc. 
kommt Kl. nicht vor, vgl. Neue-Wagener 3 II S. 7, aber N. Kl. u. 
Sp. L. in beiden Formen; jedoch finden wir bei Cicero vulnus 
mortiferum, plaga mortifera u. ä. Ygl. Deipser S. 9 und für Cic. 
acad. 2, 120 noch ib. S. 16. Bildlich ist mortifer nicht immer an- 
wendbar. Man sage z. B. nicht odium mortifermn, ein tödlicher 
Hass, für odium capitale; nicht inimicitiae mortiferae, tödliche Feind- 
schaften, für inimicitiae graves, wohl aber lesen wir Sen. contr. praef. 
1, 7 nihil tarn mortiferum ingeniis quam luxuria est. 

Mortificare, töten, mortificus, Tod bringend, und mortificatio , 
die Tötung, finden sich gewöhnlich nur Sp. L. und sind durch ne- 
care, oeeidere, mortifer und occisio auszudrücken. Doch kommt 
mortifico vulnere ictus wenigstens bei Val. Max. 5, 6, 1 vor. Ygl. 
Gölzer Hieron. S. 190 u. 72, Regnier S. 169, Rönsch Ital. S. 75, 
Piechotta S. 50. 

Mortualis, den Toten betreffend, kommt nur im A. L. und nur 
im Plural mortualia, die Leichen- oder Totengesänge, Leichen- oder 
Trauerkleider vor, für das KL carmina funebria, vestis feralis, vesti- 
mentum funebre, und zwar so, dass vestimentum funebre das Kleid 
der Leichenbegleiter, vestis feralis (tunica funebris) das Kleid der 
Leiche bezeichnet. Die Leichenrede heisst bei den alten Römern 
laudatio funebris; das Leichenfest — feralia oder iusta funebria. 
Dass für die christliche Leichenrede im allgemeinen nur sermo, oratio 
funebris passt, wird der Erinnerung kaum bedürfen. 

Morturio ist nach Augustin von Cicero gebraucht worden, vgl. 
C. F. W. Müller fragm. S. 413, 22. Sonst ist das Wort nicht bekannt. 
Vgl. Wölfflin im Archiv I S. 412. 

Mos. Nach Sitte heisst more; Nep. Con. 3, 2 hat ex more Per- 
sarum, sonst ist ex more oder auch de more P. u. N. Kl.; vgl. s. v. 
Ex; über de more bei Dichtern Leo Sen. trag. S. 220. 

Mosaicus, Mosaisch, den Moses betreffend, ist keine N. L. Form; 
sie steht Hieron. ep. 112, 9 abolitio legis Mosaicae, vgl. Gölzer Hier. 
S. 152. 

Motiancula, der kleine Fieber sc! tauer, Fieberanfall, steht N. Kl. 
bei Sueton und Seneca, ist aber gut neben commotiuneula bei Cicero 
(Att. 12, 11), zumal da Celsus Fieberschauer — motioncs nennt. 

Motus. Man sagt zwar divino motu, auf göttliche Anregung, 
göttlichen Antrieb, aber wohl nicht suo oder gar proprio motu, auf 
eigene Beivegung, eigenen Antrieb, was gewiss Ä T . L. ist, für sua 
sj)0)äe. Man verwechsle aber hier nicht den Innern Antrieb, die 
innere Anregung mit der äussern körperlichen, bei welcher recht 
wohl motu suo gesagt werden kann. — Sich Bewegung machen, 
z. ß. mit dem JJidle, heisst nicht motu/m sibi facere püa, sondern 
moveri ji/ln. — Den Plural malus braucht Cicero nicht von den 
körperlichen Bewegungen, Gebärden und der Gestikulation eines 



Movere — 106 — Mox 

Redners, sondern nur den Sing, mötus corporis, ebenso wie gestus, 
was auch nur im Sing, gebraucht wird. 

Movere, bewegen, stossen, verdrängen; — einen (etwas) aus einem 
Orte, von einem Orte weg, loco, ex und de loco; für d loco steht mir 
kein KL Beispiel zur Verfügung. — Aliquem movere ad aliquid, 
einen zu etwas bewegen, aufmuntern, antreiben, für adducere, impel- 
lere u. a., ist nicht N. L.: legatos censuit circa reges mittendos, qui 
. . suis quemque stimulis moverent ad Bomanum bellum, Livius 35, 
12, 5, s. auch Fabri zu Liv. 23, 31, 11. Über movere Acheronta 
vgl. AcJteron, und über movere omnem lapidem vgl. Lapis. Himmel 
und Erde in Bewegung setzen = omnes terras, omnia maria mo- 
vere, Cic. Attic. 8, 11, 2. — Res moventes, bewegliche Habe, findet 
sich bei Livius 5, 25, 6 und bei Juristen, ebenso moventia bei den 
letzteren; besser ist nach Nepos Them. 2, 8 omnia, quae moveri po- 
terant, vgl. Riemann etudes S. 201, Archiv X S. 10, Neue -Wagener 3 
III S. 12, Kalb Juristenlatein S. 15. — Movere ohne Objekt = auf- 
brechen hat Caesar nicht, er gebraucht nur castra movere ; aber Cic. 
Att. 9, 1, 1 schreibt Ute Canusio moverat, b. Afr. 7, Hisp. 20 ebenso, 
dann Liv., auch Suet., vgl. Riemann etudes S. 207, Freund S. 56, 
Elter Rh. Mus. 41 S. 542. — Über movere — sich bewegen, was schon 
A. L. ist und bei Liv., z. B. terra movit, sich findet, vgl. Archiv X 
S. 9; es wird aus der Prodigiensprache stammen, vgl. auch Hoppe 
Synt. Tert. S. 64. 

Mox, bald, bezieht sich KL nur auf die Gegenwart des Sprech- 
enden, bezeichnet also bald, bald hernach, z. B. mox veniam, mox 
ad te scribam, vgl. Archiv III S. 292 gegen Tegge 290. Unser wie 
bald ist auch latein. quam mox: exspeetabant, quam mox comitia 
edicerentur, Liv. 3, 37, 5, vgl. noch Cic. inv. 2, 85 und Rose. com. 
1 u. 44; vgl. Brix Plaut. Men. 701 und Hellmuth act. Erl. I S. 136, 
sowie Archiv X S. 30, wo die Phrase exspeetare quam mox auf Ennius 
zurückgeführt wird; und Archiv XIV S. 524. — N. KL bei Columella 
u. a., was aber nicht nachzuahmen ist, geht mox auf die nächste Ver- 
gangenheit, wo KL modo, ante (antea), supra gesagt wird. Inkorrekt 
ist daher: ut mox diximus; ut mox ex Plinio vidimus, de his pauca 
mox annotavimus. — N. KL ist es auch in der Bedeutung 
hernach, in der Folge, späterhin, für postea. Noch weniger kann 
gebilligt werden, wenn der ältere Plinius paulo mox oder mox paulo, 
paucis mox horis und ähnliches sagt, für paulo post, paucis horis 
post, kurz, bald, wenig Stunden nachher ; vgl. meine Stilistik 3 § 41. 
— Nicht N. L. ist mox — mox in der Bedeutung bald — bald; 
es findet sich allerdings so erst sehr 8p. L., z. B. bei Gregor M. u. a., 
ist aber früher schon, ja bei Vell. 2, 63, 3 nunc adiutor Bruti, mox 
einsdem proditor vorbereitet. Näheres bei Wölfflin Archiv OJ3. 251 f. 
Man sagt dafür besser modo — modo oder tum — tum. — Über das 
8p. L. mox ut oder bloss mox sobald als, auch mox atque, mox 
quam, mox cum vgl. Paucker Oros. S. 40, Hartel im Archiv III 
S. 26, Archiv IV, 614; XI, 248; XIV, 526; Bonnet Greg. S. 320, 



Mulcedo — 107 — Multifarius 

Petschenig im Archiv YI S. 267, Kalb Roms Juristen S. 136, Berg- 
müller Jord. S. 17, meine Syntax 3 § 301. 

Mulcedo, die Annehmlichkeit, ist Sp. L. und selten für suewitets. 

Mulciber ist nur P. L. für Vukanus. 

Malta (oder mulctei) ist meist Strafe an Geld und Geldeswert; 
eine solche bestimmen, zuerkennen, auferlegen heisst edicui maltam 
dicere, Cic. Phil. 11, 18, und als Subst. multae dictio (Cic. rep. 2, 16). 
Indes kommt maltet auch im weiteren Sinne von jeder Streife vor, 
ivelcher jemand zur Sühnimg einer Verschuldung sich unter ziehen 
muss, s. Fabri zu Liv. 24, 16, 13, Heraus zu Tac. hist. 1, 66 und 
Tegge S. 36. 

Midier verwerfen einige in der Bedeutung Gattin, Ehefrau, für 
uxor, coniux. Allerdings ist, wo es bei Cicero so vorzukommen 
scheint (fam. 14, 18, 1 und Q. fr. 2, 6, 1 midieres nostreie), mehr 
allgemein gesprochen == unsere Frauenzimmer, und von Gattinnen 
und Töchtern zu verstehen. Indes lässt sich nicht leugnen, dass 
midier im Gegensatz gegen die Ledige nicht selten auch die Ehe- 
frau bedeutet. So findet sich midier öfter bei Lactanz, s. Büne- 
man zu 1,17, 8, und bei Horaz. epod. 2, 39, ja auch Cicero hat es 
bei Quintil. 6, 3, 75 und Verr. 1, 63, sowie 1, 107 u. 4, 99, wo 
virgo und mulier einander gegenübergestellt sind. Auch findet es sich 
so auf Inschriften, z. B. C. I. L. VII, 355. Vgl. noch Linderbauer 
S. 20. 

Multi, mit feicere verbunden, in der Bedeutung hoch schätzen, 
steht nur Ä. L. bei Plautus Rud. 381 und Cato 40, 5 J., vgl. Jor- 
dan z. St., für meigni facere. Ebensowenig gut ist es in der Ver- 
bindung mit aestimare, interest und refert; vgl. Wölfflin Archiv IX 
S. 104. 

Multifariam, ein altes Adv., steht schon bei Cato 19, 9 J. 
cum saucius multifariam factus esset, Kl. hat es die Bedeutung an 
vielen Orten, Seiten, Stellen, vgl. Cic. de or. 1, 174 eturum, quod esset 
Multifariam elefossum; man brauche es daher nicht falsch, z. B. in 
der fremdartigen Bedeutung von oft und vielfältig; man sage also 
nicht: saepe et multifariam secum cogitare, oft und vielfältig bei sich 
denken, für multum. Sp. L. wurde auch multifarie — auf vielfache 
Weise für multis moelis, veirie gebraucht, was nicht nachzuahmen ist; 
vgl. Gölzer Hieron. S. 195. 

Multifarius, vielfältig, vielseitig, vielartig, ist ein im N. L. sehr 
beliebtes Wort, obgleich es erst Sp. L. bei Gellius vorkommt, 5, 6, 
1, militeires coronae multifariae saut (doch liest Hosius multae, 
varieie), sowie bei Tert., Hieron., Solin., Sidon. u. a. Man braucht 
es im N. L. für vetrius, multiplex, varii gener is, in den oben ange- 
führten Bedeutungen. — Neuere sprechen von multifaria eruditio in 
der Bedeutung vielseitige Gelehrsamkeit, für varietas doctrinae (Cic. 
de orat. 3, 80), oder z. B. ein Mann von vielseitiger Gelehrsamkeit, 
hmno eirtibus honestis copiosus (Tac. ann. 3, (jiS)^ vielseitig und wissen* 
schaftlich gebadet, phuimis atque optimis artibus ornatus (Matiua in 



Multigenus — 108 — Multiplicare 

Oic. fam. 11, 28, 1); — andere sprechen von multifaria ars, multi- 
faria consecutionis vis u. dgl. mehr. Vgl. Gölzer Hieron. S. 156 f., 
wo neben multifarius noch andere Sp. L. Wörter mit farius und 
fariam, z. B. bifarius, plurifarius u. a. besprochen sind. 

Multigenus, a, um, in derselben Bedeutung wie das vorige und 
folgende, steht nur A. L. bei Lucr. 2, 335, sowie Sp. L. in der Vulg., 
vgl. Thielmann Arch. VIII S. 244 zu Sap. 4, 3, und bei Pseudo- 
Cyprian 306, 34 H, wiederholt bei Jul. Val., vgl. Landgraf Z. f. ö. G. 
1882 S. 431; derartige Zusammensetzungen, wie das unten be- 
sprochene multimodiis, ferner midtifidus, multinodiis und ähnl. sind 
besonders der afrikanischen Latinität eigen, vgl. Kozioi S. 275; bei 
Plinius wird jetzt nat. 1 1, 1 von der Nominativform multigenerus das 
Femininum multigenera gelesen. A. L. bei Plautus Capt. 159 ist 
mulügeneris, was Lipsius auch bei Sen. epp. 95, 29 vorschlug. Allein 
man liest dort mit Recht multis [remediorum Hense fort./ generibus, 
multis observationibus. 

Midtimodis, vielfach, auf vielfache Art, ist eine aus malus modis 
zusammengezogene Form, welche sich altlat. bei Pacuv. tr., Enn., 
Plaut, und Lucrez findet. Bei Cic. fin. 2, 82 gehen die Ansichten 
aus einander, indem Madvig a. a. 0. auch in der 3. Aufl. an multis 
modis festhält und unter Berufung auf orat. 153 midtimodis dem 
Cicero abspricht, während G. F. W. Müller midtimodis bietet. Bei 
Nep. Them. 10, 4 liest Andresen midtis modis'; midtimodis dagegen 
ist bei Nipperdey aus der Volkssprache beibehalten. Näheres siehe 
bei Ladyzynski S. 19, der wieder auf Danielsson stud. gramm. Upsala 
1879 S. 5 verweist; Neue-Wagener 3 II S. 609, Lorenz zu Plaut. 
Most, 784 u. Mil. 656, Ebert S. 331, Georges Jahresber. 1882 S. 269, 
Nipp.-Lupus zu Nep. Them. 10, 4, Lupus S. 120, Vahlen zu Enn. 
Sc. 22. — Wenn früher auch ein Adj. multimodiis aus Liv. 21, 8, 
4 belegt wurde, so war dies einfach falsche Lesart, für welche schon 
Drakenborch aus Handschriften multifariam aufgenommen hat, wie 
jetzt alle neueren Kritiker lesen. Aber dem Sp>. L. lässt sich das 
Adj. multimodiis nicht absprechen, z. B. sagt Oros. 7, 33, 1 multi- 
moda actio, Claud. Mam. 142, 5 E. midtimodus veritatis gladius, Ps. 
Cypr. 284, 46 H midtimodo partu, liieron. multimoda diaboli ingenia, 
vgl. Gölzer Hieron. S. 169, Kretschmann Apul. S. 54. 

Multiplex heisst allerdings bisweilen viel; aber multiplici modo, 
auf vielfältige Weise, ist ohne Autorität, für multis modis. Für das 
seltene Adv. multipliciter , welches N. Kl. und Sp. L. ist, vgl. 
Georges Jahresber. 1884 S. 92, kann man multis modis, multis rebus, 
multis locis gebrauchen. — Über den tropischen Gebrauch von 
multiplex 1) venvickelt und 2) unbeständig handelt SeyfF. -Müller zu 
Lael. S. 418. 

Multiplicare, vervielfältigen. Unser multipliziert mit wird durch 
ein Adv. numerale und ein Distributivum übersetzt, z. B. 240 multi- 
pliziert mit 120 macht 28,800, ceuties vicies duceni quadrageni fiunt 
ciginti octo milia et octingenti (Colum. 5, 2, 3). Daher heisst zwei- 



Multissimus — 109 — Multus 

mal drei oder drei multipliziert mit zivei macht sechs, bis terni fiunt 
sex; etivas mit sich selbst multiplizieren, aliquid in se multiplicare. 
S. Colum. a. a. 0. 

Multissimus] sehr viel, für plurimus, steht im Mediceus und ging 
in die alten Ausgaben von Cic. Att. 11, 2, 1 (multissimis ) über, 
weshalb es der Ciceronianer Bembus auf Treu und Glauben annahm 
und brauchte ; jetzt aber liest man dafür miätis meis, so dass niemand 
mehr jene wunderliche Form schreiben wird. Vgl. Boot zu Cic. 
Att. 11,2, 1. 

Midtitudo, die Menge, passt allerdings meistens da, wo wir das 
Wort Menge brauchen, sogar wo wir darunter den grossen gemeinen 
Haufen verstehen (Cic. fin. 1, 25, Cluent. 79, Sest. 124); aber dennoch 
muss es bei einigen Substantiven, die ein Ganzes bezeichnen, ver- 
mieden und mit magnitudo vertauscht werden, z. B. bei pecuniae, 
aeris alieni, copiarum (Truppen, Heer). Auch sprechen die Lateiner 
nicht von midtitudo frumenti, vini u. a., sondern nur von copia, magnus 
numerus, magna vis, so wenigstens Caesar, Cicero und Livius. — 
Midtitudo ist für den Lateiner immer mit der Vorstellung einer mehr 
oder weniger bedeutenden Menge, Masse verbunden. Daher lässt es 
wohl Adjektive wie magna, tarda, ingens zu, aber es widerstrebt 
der lateinischen Sprache, verkleinernde Adjektive, wie parva, exigua 
zu midtitudo hinzuzusetzen ; man sagt dafür paucitas, parvus numerus. 
Doch findet sich einmal mediocris midtitudo bei Liv. 7, 12, 3. Man 
sage daher nicht: secum parvam (exiguam) midtitudinem militum 
habuit, sondern exiguas copias, paucitatem militum (nicht copiarum, 
S. unter Copia und Paucus) secum habuit. So erklärt sich auch, 
dass midtitudo = Übermacht ist, z. B. Liv. 21, 5, 12 midtitudine 
freti, vgl. Wölfflin z. St. 

Multoties, vielmals, oft, ist sehr Sp. L., vgl. Georges Jahresber. 
1884 S. 130, Rönsch Coli. phil. S. 182, und gänzlich zu vermeiden 
für saepe, saepenumero, crebro u. a.; — ebenso in der Bedeutung 
vielmal, für multis partibus, z. B. maior, vielmal grösser. 

Multus, a, um, viel. Inhalt: multus bei Stoff-, Gattungs- und 
Kollektivnamen; magna peamia — multae pecuniae; — multi facere ; 

— multum posse u. ähnl.; — multo um vieles; — multum adverb. ; 

— multum vor Adjekt. im Positiv; — mult. bei intransitiv. Verben; 

— multum (multus) sum cum (in); — multus neben einem Adjektiv 
mit et verbunden, asyndetisch; — multi saepe; — mult. verdoppelt; 

— multi = mehr als einer. Dass Ausdrücke wie multus labor, viele 
Arbeit, midta cura, viele Sorgfalt, multus sermo und ähnl. auch im 
Lat. ganz richtig sind, bedarf wohl keines Beweises. Bemerkens- 
werter dagegen scheint es, dass multus auch mit Substantiven, die 
einen Stoffnamen bezeichnen, verbunden wird, z. B. exstructa mensa 
multa carne siibrancida, Cic. Pis. 67, ebenso kommt multus sanguis 
nicht bloss bei Livius vor: multo sanguine . . ea Poenis victoria 
gtetit, Liv. 23, 30, 2, sondern auch bei Curtius steht mulfum sanguinem 
haurire f profundere, effundere, s. Gort. 4, 14, 17; 4, 15, 17; 8, 14, 



Multus — 110 — Multus 

32 und so auch bei Cicero: stilus ille Ums . . multi sudoris est, de 
orat. 1, 257; besonders trifft dies auch bei Gattungs- und Kollektiv- 
namen zu, z. B.: multo cibo et potione completi, Cic. Tusc. 5, 100; 
multa arena, Curt. 4, 6, 8; malta arbor, ibid. 7, 4, 26; mnlta cedrus, 
ibid. 5, 7, 5; multa silva, ibid. 8, 10, 14; multus limas, ibid. 
9, 4, 9; multae vestis iniectu opprimi, Tac. ann. 6, 50; multa et 
lauta supellex, Cic. Phil. 2, 66; auch an multum aurum et argentum 
ist kein Anstoss zu nehmen, es steht so schon bei Plaut. Rudens 
1295 und ibid. 309: cum auro atqae argento multo; auch bei Sali. 
Jug. 13, 6; ministros multo auro ad scelus cogunt, Tac. ann. 6, 33; 
vehicula multo auro argentoque caelata, Curt. 3, 3, 12 und bei Livius: 
aecolae multo auro argentoque id templum exornatum habebant, 26, 
11, 9. Jedoch multus mit andern als Stoffnamen und im Sinne der 
Mehrzahl gehört der P. und N. Kl. Sprache an, z. B. multa victima, 
miäto wdn&re u. ä.; vgl. Riemann etudes S. 50, Obermeier S. 6; im 
Sp. L., wo multus fast = magnus wird, finden sich diese Ver- 
bindungen häufig, vgl. Landgraf Rose. I S. 16 Anm. 4. Ferner 
scheint multum aes alienum nicht vorzukommen statt magnum bei 
Cic. Catil. 2, 18, oder aes alienum grande, ingens bei Sali. Cat. 14, 
2; 24, 3; 16, 4 und magnitudo aeris alieni, 33, 2; ebenso verwerf- 
lich ist multa pecimia, für magna, Sali. Jug. 97, 1, permagna, Cic. 
Verr. 1, 138; grandis, Sest. 56; innumerabilis, de orat. 2, 265. 
Selten, aber klassisch ist tantum peeuniae für tantam peeuniam 
Cic. off. 2, 76 und Yerr. 3, 173, quantum peeuniae für quanta 
peeunia, Cic. Yerr. 1, 92 u. Nep. Arist. 3, plus peeuniae für maior 
peeunia, Cic. inv. 1, 88. Für maior peeunia vgl. Cic. Yerr. act. 1, 
17, parad. 44, für maxima pecimia inv. 1, 80, z. B. sich recht 
viel Geld machen, maximam peeuniam facere, Yerr. 2, 17, ad 
maximas peeunias venire, de or. 2, 269;- alles Geld ist tota pe- 
eunia, z. B. Yerr. 3, 170, auch omnes peeuniae, ib. 171, omnis 
peeunia, ib. 174; wenig Geld ist parva peeunia, Yerr. 2, 61, medio- 
cris oder tenuis peeunia, Hortons. 88 Klotz, weniger Geld, minor 
peeunia, Yerr. 2, 25 u. 45. Da aber der Plural peeuniae = Geldsummen 
im eigentlichen Sinne mehrere, getrennte, verschiedene Geldposten 
bedeutet, so versteht es sich von selbst, dass derselbe auch ein Adj. 
der Zahl wie multus zulässt, was beim Singular von peeunia unge- 
wöhnlich ist, z. B.: in multas peeunias alienissimorum hominum in- 
vasit, Cic. Phil. 2, 41, Verr. 5, 48, Plin. epp. 10, 28, 3, vgl. Nägelsb. 9 
S. 276. — Über den Gebrauch des Genitivs multi (für magni) bei 
aestimare und facere, in der Bedeutung hoch, vgl. Multi. — Bei 
posse und valere, können, vermögen, wird zur Angabe des viel, mehr, 
sehr viel nur der Sing, multum, plus, plurimum, nicht der Plural 
multa, plura, plurima gebraucht; ebenso wenig sagt man magis oder 
maxime valere oder posse. — Selten ist bei Cicero der Ablat. multo, 
um vieles, der zur Verstärkung des Superlativs dient. Die archaische 
Latinität hat den Superlativ nur mit multo gesteigert, Cicero hat 
dafür longe aufgebracht, das sich auch seitdem erhalten hat; die 



Multus — 111 — Multus 

Ausnahmen sind vereinzelt, so namentlich bei maximus, vgl. Sali. 
Cat. 36, 4, Jug. 6, 1 und rhet. Her. 4, 58: multo maxime exercemur; 
midtoque id belhim maximam fuit, Livius 1, 11, 5 und pars multo 
maxima, ibid. 30, 18, 14; bei Cicero magna ac multo maxima pars, 
Pomp. 54 und Catil. 4, 17 und civitas Siciliae multo maxima, Verr. 

4, 50; simulacrum multo antiquissimum, Verr. 4, 109; frequens con- 
spectns vester multo iucundissimus, Pomp. 1 ; vgl. hiezu Wölfflin 
Komp. S. 37 f., Thielmann Cornif. S. 67, Kunze Sali. III, 1, 19. — 
Für den Ablat. multo ist das adverbiale multum zu vermeiden 
vor secus und aliter, anders, vor Komparativen, Superlativen und 
allen Verben des Vorranges und Vorzuges, z. B. antecedere, ante- 
vre, antecellere, praestare (besser sein, den Vorzug haben), malle 
(lieber ivollen), vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 411, u. a., bei welchen 
multo oder longe häufiger ist; vgl. meine Synt. 3 § 88 Anm. 1. Klass. 
findet sich dies midtum nur bei Verben, z. B. Cic. Mur. 29 multum 
antecellit, fin. 2, 109 plurimum praestat; vgl. noch Liv. 28, 14, 10 
aliquantum aucti. Wohl kaum bei Cicero (z. B. fam. 3, 11, 1 per- 
multum ante, vgl. dazu Hofmann und namentlich Landgraf Anm. 
400 zu Reisig-Haase S. 168) ist dieses multum für midto bei ante 
und post, mögen sie nun als Präpositionen oder Adverbien vor oder 
vorher, nach oder nachher bedeuten, zu finden; man sage nur multo 
ante, midto post, nicht midtum, wiewohl midtum N. Kl., z. B. bei Tacitus, 
nicht selten so vorkommt. Ygl. ausser vielen andern Stellen Cic. 
divin. 1, 101 non multo (nicht midtum) ante urbem captam; Süll. 
56 aliquanto ante furorem; Liv. 5, 39, 2 haud midto ante solis 
occasum; 27, 42, 13 multo ante noctem u. a. m. — Multum vor 
Adjektiven im Positiv ist bei Cicero Ausnahme, es steht off. 1, 109 
multum dispares und leg. agr. 3, 13 vir midtum bonus; es gehört 
der Umgangssprache an und ist daher bei Plaut, und den Archaisten 
üblich, vgl. Wölfflin Komp. S. 8 und Archiv I S. 94 und S. 573, Ebert 

5. 335, Köhler act. Erl.-I S. 413. — Bemerkenswert ist auch multum 
bei intransitiven Verben, z. B. multum prodesse, obesse, ebenso in 
Verbindung mit uti, loqui u. ähnl. Verben, mit credere, f allere, amare, 
consulere; alle diese Phrasen finden sich bei Cicero nur in epp. und 
Erstlingsschriften; sie gehören mehr dem Umgangston an, wie sich 
denn auch adverbiales midtum sehr oft bei Verben im A. L. in der 
Komödie findet, vgl. Thielmann Cornif. S. 71, Madvig fin. S. 14, P. 
Meyer Progr. Hof 1900 S. 34; O. Seyffert Burs. Jahresber. 80, 294, 
Sjögren S. 60. — Kl. ist das adverbiale midtum sum cum aliquo, 
ich bin viel bei einem, um einen, gelte viel mit einem um: sum mid- 
tum equidem cum Phaedro in Epicuri hortis, Cic. fin. 5, 3 ; ebenso 
multum und multus sum in aliqua re, was heisst ich beschäftige mich 
viel mit etwas: in, eodcm (/euere causarum muH um eruf 1 '. fuventius, 
Cic. Brut. 178 und Sali. Jug. 84, 1 und 96, 3; Tac. Agr. 20 multus 
in agmine, vgl. Schönfeld S. 20, Nägelsb. 9 S. 279; multus in eo proelio 
Caesar /'in/. Flor, 4, 2, 50, und (bei der Rede) in etwas weitläufig 
sein, vgl. Plaut. Men. 316 und dazu Brix, Cic. de orat. 2, 17, nat. deor, 



Multus — 112 — Multus 

2, 119 u. a. — Steht multus neben einem andern Adjektiv, so wird 
es 1. vom Deutschen abweichend mit demselben durch ^verbunden. 
Wir sagen z. B. viele g?vssen Kämpfe, was lat. heisst multae et 
magnae contentiones, Cic. Phil. 2, 7 und 3, 26; viele herrlichen 
Taten = multa et äara facinora, Tac. ann. 12, 31; viele guten 
Geistesgaben = multae bonaeque artes animi, Sali. Jug. 28, 5; vieler 
grossen Vorzüge — multarum magnarumque virtutum, Mela 2, 3, 6; 
viele verschiedenartige Besorgnisse = midti et varii timores, Liv. 3, 
16, 3 ; viele unbedeutenden Klagepunkte = multae et parvae discep- 
tationes, ib. 39, 48, 2 ; viele schweren Anstösse = o midtas et graves 
offensiones, Cic. Attic. 11, 7, 3; viele harten Schmerzen === multi et 
graves dolores, Verr. 5, 119 u. s. w. 2. Asyndetisch hingegen steht 
multus vor einem andern Adjektiv, a) wenn letzteres substan- 
tivisch gebraucht ist, z. B. multa infanda = viele Untaten, Liv. 
28, 12, 5, ebenso multa falsa, Liv. 35, 23, 2, multi improbi, Cic. 
off. 2, 28 und 65, multi boni, docti, pudentes, Flacc. 9; multi 
nolnles, Plane. 50, midta acerba . . . habuit ille annus, Sest. 
58 und 139; vgl. Nägelsbach - Müller 9 S. 126, b) wenn das auf 
multus unmittelbar folgende Adj. mit einem Subst. zu einem Begriff 
verschmilzt: multa seeunda proelia = viele Siege, Liv. 9, 42, 5; 
35, 1, 3 und 41, 17, 1; multa libera capita == Freie, ib. 42, 41, 
1 1 ; midtae liberae civitates = viele Freistädte, Cic. Yerr. 4, 68 ; 
midtos fortes viros, Catil. 3, 5 und Mur. 17; midti clari viri = viele 
M. von Adel, leg. 1, 17; midti primarii viri = prineipes, Yerr. 
2, 149. Aus dem gleichen Grunde wird midtus ohne et einem 
im Superlativ stehenden Attribut eines Substantivs vorausgeschickt: 
multi clarissimi, amplissimi viri, Cic. Phil. 11, 24, Deiot. 39, 
fin. 2, 55, famil. 10, 25, 2, Attic. 10, 8, 7 und 16, 16, 11, 
Yerr. act. 1, 19; multi honestissimi viri, famil. 15, 15, 3; 
midti peritissimi homines, Caec. 69; midti summi homines, Arch. 
30 u. p. red. ad Quir. 12, har. resp. 56; multi clarissimi et 
scqnentissimi viri, Plane. 11, Cael. 43. c) Ausgelassen kann ferner 
et auch dann werden, wenn das betreffende Substantiv zwischen 
ziveien Adjektiven in der Mitte steht: in veteribus patronis 
multis, Cic. divin. Caec. 2; multa praeterea bella gravia, agr. 2, 
90; multis supplieiis iustis, Catil. 1, 20; multa maiores nostri 
magna et gravia bella gesserunt, Pomp. 6; plurima signa pulcher- 
rima, Yerr. 1, 61. d) Stehen endlich beide Adjektive nach ihrem 
Subst., so können sie gleichfalls asyndetisch neben einander gestellt 
werden: prodigia multa foeda, Liv. 40, 19, 1; utebatur hominibus 
improbis multis, Cic. Cael. 12, wodurch der Hauptton auf das an 
zweiter Stelle gesetzte Adjektiv fällt. Umgekehrt kann natürlich in 
diesem Falle auch das verbindende et stehen: wie virtutes animi midtae 
et magriae, Cic. Pomp. 64 und causas ille multas et graves habuit, 
Cluent. 82. — An der Yerbindung multi saepe ist kein Anstoss zu 
nehmen, sie ist KL, vgl. Cic. Yerr. 4, 107 multa saepe prodigia vim 
eins numenque declaraverunt ; näheres siehe bei Seyffert-Müller z. 



! 



Mundanus — 113 — Mundus 

Lael. S. 12, M. Müller z. Liv. 2, 35, 8, Novak Prag 1894 S. 240, 
Landgraf Cic. S. Rose. 302; die Stellung scheint immer multi saepe 
gewesen zu sein, für Liv. vgl. Novak 1. 1. — Die Beobachtung Land- 
grafs zu Cic. S. Rose. S. 364, dass die lat. Sprache die Yerdoppelung 
der Adj. omnis und multus liebt, habe ich bestätigt, gefunden; vgl. 
zu Landgrafs Beispielen noch Cic. fam. 13, 2 miüta multorum opera, 
ib. 13, 5, 1 cum multi a me petant multa, Q. fr. 1, 3, 5 scribunt 
ad me quidem multi multa; näheres noch s. v. Omnis und meine 
Stilist. 3 § 62 Anm. 2. — Dass multi = mehr als eine?' bedeutet, habe 
ich N. Jahrb. 1891 S. 144 an Cic. fam. 2, 4, 1 erwiesen; vgl. noch 
für multi = complures Kalb Roms Juristen S. 21, Kunze III, 1, 78, 
Stangl in Berl. Woch. 1905 Sp. 700, Philol. 26, 103. 

Mundanus, der Welt ungehörig, brauchte Cicero (Tusc. 5, 108) 
als Übersetzung des griech. xöa/jitos von dem, welcher Bürger der 
Welt, nicht eines einzelnen Staates sei, ein Weltbürger, gleich mundi 
incola et civis, was er auch zur Erklärung hinzufügt. Sonst findet 
es sich in dieser Bedeutung nicht gebraucht. — Sp. L. wird es 
mit annus und anima verbunden, so dass jenes das grosse Welt- 
jahr, dieses die Weltseele bedeutet. — Sp. L. ist es ferner in 
der Bedeutung weltlich, weltlich gesinnt, vergänglich, irdisch, für 
vanus, vilis, cadueus, periturus u. a. ; so lesen wir bei Ennod. vitia, 
flagitia mundana, mundana lux, bei Sedulius error, sapientia, pompa, 
regnum mundanum u. ä. m. Dies mundanus im schlimmen Sinne 
entwickelt sich aus mundus die böse Welt, vgl. die Sp. L. Reime bei 
Wölfflin Archiv I S. 376 in mundum tamquam in mare profundum 
und S. 377 quisquis amas mundum, tibi prospice, quo sit eundum, vgl. 
noch Koffmane Kirchenlat. S. 46. Sp. L. brauchte man ebenso 
mundialis, vgl. Paucker Scrut. S. 47, Rönsch Ital. S. 120, Gölzer 
Hieron. S. 145, z. B. mundiales curae, mundialia negotia ; jetzt ist 
auch die Form mundalis im Archiv III S. 261 nachgewiesen, die 
übrigens Huemer schon bei Sedulius c. 3, 329 pompa mundalis auf- 
genommen. Aus einer Yergleichung von Sedul. c. 3, 329 und S. 253, 
7 ergibt sich bei völlig gleichem Inhalte beider Stellen, dass mun- 
dalis begrifflich sich mit mundanus deckt, aber für poetischer 
galt. 

Mundare, säubern, reinigen, findet sich N. Kl. nur einmal bei 
Columella (12, 3, 8), sonst ist es Sp. L. für nurgare, emendare; vgl. 
Gölzer Hieron. S. 276 und Hoppe Synt. Tert. S. 35. Bei Plin. nat. 
33, 103 liest man jetzt emundatwm nitro. 

Mundus wird in der Bedeutung Schmuck in der bessern Prosa 
nur vom weiblichen Putze und Schmucke gebraucht, nicht für das 
allgemeine omatus, Verzierung, Ausschmückung. Daher steht es 
auch fast nur mit dem Adj. muliebris verbunden, weswegen Livius 
(34, 7, 9) sagt: munditiae et ornatus et eultus, haec feminarum in- 
signia sunt: bis gaudent et' gloriantur: hunc mundum muliebrem 
appellarunt maiorea aostri. Bei Caesar kommt indes mundus in dieser 
Bedeutung gar nicht vor, aus Cicero erwähnt es Coluni. (C. F.W, 

K rebn-Sc h inulz, AntilmrbaruB II. $ 



Mundus — 114 — Mundus 

Müller fragm. oecon. S. 309), in den erhaltenen Schriften findet es 
sich nicht. — Die gewöhnlichste Bedeutung ist die Welt, vom Weltall, 
besonders vom Himmel (vgl. Riese zu Catull 64, 206 und Süss 
S. 38), wogegen wir unser Welt auch oft' in andern Bedeutungen 
anwenden, z. B. Welt und Weltteil für Erde, Erdteil. Für diese Be- 
deutung nun wäre mundus und mundi pars zwar nicht unlat., da 
dieser Gebrauch sich nicht nur bei Dichtern, sondern pros. auch bei 
Plin. nat. 14, 149: nulla in parte mundi cessat ebrietas und 30, 8, 
bei Flor. 4, 1, 1 und Iust. 30, 4, 9, und mit einem mildernden ut 
ita dicam auch bei Sen. epp. 119, 7 findet; doch ist dafür das ge- 
wöhnliche und regelmässige partes oj'bis terrae oder partes o?'bis ter- 
rarum; man sage also nicht caput totius mundi, die Hauptstadt 
der ganzen Welt, für caput omnium terrarum, potentia mundi, 
die Weltherrschaft, für potentia rerum; cursus mundi, der Weltlauf, 
d. h. der Gang der Dinge, für cursus rerum (Cic. fam. 4, 2, 3); di- 
vitiae omnis (totius) mundi, die Schätze der ganzen Welt, für divitiae 
orbis terrarum (Nep. Epam. 4, 2). — Mundus = der von Menschen 
besiedelten Welt, der Menschheit als eines Ganzen kommt in der Zeit 
des Horaz auf und findet sich so vielleicht zuerst Hör. sat. 1, 3, 112, 
vgl. Kiessling z. St., öfters erst im Sp. L., z. B. Hieron. ep. 8 expolito 
iam artibus mundo, vgl. Gölzer Hieron. S. 270. Man meide daher 
die bekannten Redensarten, wie mundus vult decipi, für homines 
roliint decipi; mundus factum tuum comprobat, für homines compro- 
bant; vitat magmim mundum, er meidet die grosse Welt, für vitat 
lucem (Cic. Süll. 74), secretus vivit u. a. ; ich kenne diese Welt, novi 
ego nicht hunc mundum, sondern hoc saeculum, s. Plaut. Trin. 
283; Christus tollit peccata mundi (die Sünden der Welt), was sich 
oft in lat. Gebetbüchern findet, für peccata hominum suscipit; mundus 
vetus, die cdte Welt, d. h. die Alten, für aetas vetus (Quintil. 12, 
1, 36 quos gravissimos sapientiae magistros aetas vetus credidit, Tac. 
Agric. 2 g. E.); nihil in mundo me delectat, und nihil in mundo 
sapientem terret, wo nichts in der Welt durch nihil omnium rerum, 
nihil humanarum rerum auszudrücken ist; quid videtur in mundo 
ei magnum, cid — , für in rebus humanis ; ubi in omni mundo, ivo 
in aller Welt, für ubi terrarum, ubi tandem, welches tandem in 
Redensarten des Ausrufes so übersetzt werden kann; ubi tantum in 
mundo, wo nur in der Welt, für ubicunque ; mundo renuntiare, der 
Welt entsagen, für rebus humanis nuntium remitiere, res humanas 
contemnere; mundi imperitum esse, mit der Welt unbekannt sein 
(von einem Menschen, der noch nicht viel erfahren hat), für rerum 
imperitum ; die Eitelkeit der Welt r res inanes, delectamenta inania, — 
und mehr dgl., wo wir das Wort Welt brauchen, während im Lat. 
mundus keineswegs angeht. Endlich heisst seit Erschaffung der Welt, 
seitdem die Welt steht, nur selten ab aedificato oder creato mundo, 
ul> initio mundi, sondern gewöhnlich post hominum memoriam, post 
homines natos, post hominum genus natum. — Bei Eccl. ist mundus 
^= Welt im theolog. Sinne, z. B. diabolo et mundo renuntiare; dafür 






Mundus — 115 — Munus 

steht auch saecidum, vgl. Watson S. 287. Über mundus = böse 
Welt vgl. s. v. Mundanus. 

Mundus, als Adj., rein, wird im profanen Latein nicht im 
ethischen Sinne genommen, dafür purus, integer. Dies findet sich 
erst Sp. L. in der kirchlichen Sprache, z. B. ; cor mundum crea in 
me deus, Yulg. in Ps. 50, 12, und beati mundo corde, quoniam . . 
Yulg. bei Matth. 5, 8. Ebenso Sp. L. ist mundus ab rein in 
Hinsicht auf, z. B. Hieron. mundi a midiere, vgl. Gölzer Hieron. 
S. 335. 

Munerare, beschenken, ist .4. L. bei Attius, Turpilius und 
Plautus, s. Neue -Wagener 3 III S. 66; Kl. steht es vielleicht bei Cic. 
Deiot. 17: rex te munerare constituerat (doch Clark liest mit a mune- 
rari) und einmal N. Kl. bei Sen. epp. 119, 5: me muneras. Ge- 
wöhnlicher ist bei Cicero die Form des Deponens munerari, welche 
inv. 2, 3, Attic. 7, 2, 3, parad. 39 feststeht; vgl. Hellmuth act. Erl. I 
S. 119, Schulze Symm. S. 85. 

Munimen, Schutz, Schutzmittel, ist P. und Sp. L. für muni- 
mentum, vgl. Schulze Symm. S. 46, Bergmüller Iord. S. 30. Muni- 
mentum findet sich nicht bei Cicero, wohl aber bei Caes. Gall. 2, 17, 

4, bei Sali., öfters bei Liv., im N. Kl. und Sp. L., so besonders auch 
in der Phrase pro munimento habere, uti u. ä., vgl. Nieländer 1894 

5. 8. — Munitio ist Kl. gebräuchlich und zwar sowohl als Errichtung 
von Befestigung sie erken, wie auch als Yerschanzung selbst; aber in 
der Bedeutung Kriegs- oder Schiessbedarf, wie wir Munition brauchen, 
ist es N. L. für apparatus ad usum tormentorum necessarius, pulvis 
pyrhts, tela u. dgl. 

Munus. Muneri mittere ist klass., z. B. Cic. Yerr. 5, 64; auch 
Nep. Att. 8, 6; aber muneri dare kennt Cic. so wenig als dono dare; 
jedoch Nep. hat es an mehreren Stellen, auch N. Kl. finden wir 
muneri dare und mittere, jedoch nirgends muneri esse, auch nirgends 
dono esse = als Geschenk dienen. Näheres hierüber bei Nieländer 
1874, 1877 und 1894. — Seine Aufgabe erfüllen ist Kl. munus ex- 
plere, vgl. Cic. Lael. 67. — Zu munus gibt es einen doppelten Plural 
munera und munia; der letztere ist selten bei Cic, wohl nur Mur. 
73 und Sest. 138; Gen. und Dat. dazu sind nur Sp. L. zu finden 
und zwar munium, muniorum, muniis, vgl. Neue -Wagener 3 I S. 434 
und 442. Tacitus differenziert die beiden Formen so, dass munia 
Pflichten, Beschäftigung eyi, munera aber Geschenke, Leistungen be- 
deutet, vgl. Nipperdey zu Tac. ann. 3, 2; über Differenzierung der 
Pluralbildungen überhaupt Paul 2 S. 213. In der Kl. Sprache unter- 
scheiden sich officia und munera Dienstleistungen so, dass die letz- 
teren ganz frei sind, die ersteren auf einer gewissen Yerpflichtuii^ 
beruhen, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 343. — Wenn auch muni- 
ficus KL ist, so finden wir doch munificentia weder bei Cicero, noch 
bei Caesar; bei Cic. Scaur. 47 hat es C. F. W. Müller mit Recht 
beseitigt. Öfter steht munificentia bei Sallust und im N. KL. vgl. 
Fighiera S. 36, Bagge S. 35. 



Musa — 116 — Mut 



are 



Musa. Man kann wohl sich mit gelehrten Dingen, mit Gelehr- 
samkeit beschäftigen, studieren durch cum Musis habere commercium 
ausdrücken (nach Cic. Tusc. 5, 66), aber ein Studierender, den wir 
auch wohl Musensohn nennen, kann nicht wohl Musarum filius ge- 
nannt werden, für litterarum studiosus, da ein solcher Tropus den 
Alten fremd ist; man müsste denn sagen: qui a Germanis Musarum 
filius dicitur, quem Germuni M. filium dicunt. 

Muscularis, muskulös, ist N. L. Form für musculosus. 

Museum, was nur als Benennung einiger, zum Aufenthalte für 
gelehrte Männer da und dort errichteter Gebäude vorkommt, hat 
nie, wie im N. L., die allgemeine Bedeutung Studierzimmer, Studier- 
stube ; will man es dafür brauchen, so setze man ut ita dicam hin- 
zu; z. B. meum conclave seu, ut ita dicam, museum, mein Studier- 
zimmer. 

Musica oder Musice (auch im Plural Musica, orum) kommt schon 
früh als eingebürgertes Wort vor, mit ars Ter. Phorm. Prol. 16, ohne 
ars rhet. Her. 2, 43, Cic. inv. 1, 94, vgl. Archiv X S. 242; nirgends 
aber findet sich musica vocalis, die Vokalmusik, für cantus vocum, 
noch auch musica Instrumentalis , die Instrumentalmusik, für cantus 
nervorum et tibiarum oder cantus tibiarum nervorUmque und sym- 
phonia als Orchester. — Ein Adj. musicalis (unser musikalisch) gibt 
es nicht; dafür wird musicus gebraucht. 

Mustaceum oder mustaceus (vgl. Cato agr. 121), der Mostkuchen. 
Die sprichwörtliche Redensart lauream (laureolam) in mustaceo quae- 
rere, in einer Kleinigkeit Ruhm suchen (richtiger sich auf eine ivohl- 
feile Weise ein Lorbeerkränzchen zu erhaschen suchen) kann auch, 
ohne dass man sie durch ut, quod ahmt als Sprichwort bezeichnet, 
gebraucht werden, vgl. Cic. Attic. 5, 20, 4: Bibulus in eodem Amuno 
coepit laureolam in mustaceo quaerere; vgl. Boot z. St. 

Mntare ist synonym mit movere; so sagt Plaut. Amph. 275 neque 
se Tu na quoquam mutat, Lucil. 674 mutes aliquo te. Es wird daher gerne 
mit ihm zusammengestellt, vgl. Cic. Rab. Post. 25 quod neque moveri 
neque mutari potest und Phil. 1, 17 ea non muto, non moveo und auch 
intransitiv gebraucht, freilich nicht in Kl. Sprache, z. B. Tac. ann. 
2, 23: postquam mutabat aestus, und 12, 29, Liv. 3, 10, 6; 5, 13, 
1; 9, 12, 3; 29, 3, 10 und 39, 51, 10; vgl. noch die Stellen, welche 
Gellius 18, 12, 6 — 9 aus Varro zitiert und Hoppe Synt. Tert. S. 63, 
sowie Stangl Cassiod. S. 546 und Archiv X S. 9; der Gebrauch 
scheint mit Recht von Riemann Etudes S. 202 für archaisch-vulgär 
erklärt worden zu sein. — Der Umgangssprache gehört an muto ich 
bereue, z. B. Cic. fam. 16, 1, 1 neque nunc muto, vgl. Landgraf Cic. 
S. Rose. S. 310. — Etivus mit etiuas, sich mit etivas, z. B. mit den 
■Jahren, mit dem Winde u. dgl. verändern ist mutare, mutari cum 
aliqua re. S. darüber nicht nur Ambros. in Abrah. 2, 10, 68, son- 
dern auch Sali. Jug. 78, 3: fades locorum cum ventis simul mututur ; 
ij/ii cum fori u na non animum mutasset, Yell. 2, 82, 2; quarum 
fuvarum) vini iueunditas cum regione mututur, Colum. 3, 2, 16. 



Mutescere — 117 — Mutuare 

Etwas gegen etwas, mit etwas vertauschen ist aliquid mutare (per- 
mutare, Curt. 4, 11, 12, Suet. Octav. 92) aliqua re und zwar so, 
dass bald das eine, bald das andere die eingetauschte Sache ist, vgl. 
Liv. 5, 30, 3: victrice patria victam mutare, dagegen umgekehrt: 
victoriae possessionem pace incerta mutare, 5, 19, 3. Ehvas an, mit 
jemanden austauschen ist mutare aliquid cum aliquo, s. Ter. Eun. 572, 
Cic. Pis. 5 provinciam, quam cum Antonio commutavi. Dafür kann 
aber bei mutare und seinen Komposita auch gesagt werden mutare 
aliquid cum aliqua re, z. B. : cum amplificatione vectigalmm nomen 
Hieronicae legis mutare noluerunt, Cic. Yerr. 3, 19; habitus hie, quem 
cemis in meis manibus, cum isto squalore permutandus tibi est, Curt. 
4, 1, 22, vgl. Kräh I S. 19; ut arma aurea permutasse Glaucum 
diceret cum Diomedis armis, Plin. nat. 33, 7; quibus sine dolore li- 
citum est mortem cum vita commutare, Serv. bei Cic. fam. 4, 5, 3; 
videbatur ea condicione tarn fortis fuisse, ut cum patriae caritate con- 
stantiae gloriam commutaret, Cic. Sest. 37; nee quiequam dignum 
reperit, quod cum tempore suo permutaret, Sen. brev. v. 7, 5; im- 
perium consulare cum regio permutandi populo Romano causam 
dedit, Val. Max. 6, 1, 1. Um den Gegensatz der Tauschobjekte 
schärfer zu markieren, kann für cum auch die Präposition pro ge- 
nommen werden : non debere eum incerta pro certis mutare, Sali. Jug. 
83, 1 ; nihil esse cuiquam tarn pretiosum, quod non pro salute prae- 
sidis sui commutatum velit, Sen. clem. 1, 19, 7. So auch, wenn 
die Tauschobjekte Personen sind: mutatos pro Macedonibus Romanos 
dominos, Liv. 34, 49, 6; aber etwas gegen ein anderes an jemanden 
vertauschen ist mutare aliquid aliqua re cum aliquo, Sali. Jug. 44, 
5: eaque mutare cum mercatoribus vino advecticio et aliis talibus. 
Vgl. Dräger H. Synt. I S. 554, Riemann Etudes S. 272. 

Mutescere, verstummen, ist Sp. L. für das Kl. obmutescere; die 
Stellen verzeichnet Sittl im Archiv I S. 482. 

Mutilare, verstümmeln, ein Stück von etwas abschneiden, ver- 
kleinern, kommt bei Cicero nur Phil. 3, 31 exercitum mutilatum in 
Gallium ducit vor, vgl. Hauschild S. 28; sonst findet es sich noch 
bei Ter., dann P. u. N. Kl. Man braucht es nur von alltäglichen 
Dingen, wie nasum, aures, naves, freilich auch Patrimonium und 
exercitum, aber nie von Stellen einer Schrift; also nicht locus muti- 
hi las, eine verstümmelte, mangelhafte Stelle. Man sage, weil ein gutes 
passendes Wort dafür fehlt, locus, ut ita dicam, mutilatus oder quasi 
mutilatus, wenn man es nicht umschreiben will. "Vgl. noch Schulze 
Symm. S. 85. 

Muttire (auch mutire geschrieben), murksen, kommt nur A. L., 
bei Petron 61, und 8p. L. vor, z. B. Plaut. Most. 401 intus cave 
muttire <iii<'i>i(ituini siveris; es ist ein Volkswort, deren man mehrere 
ähnliche, gleichbedeutende hatte, z. B. mussare } mussitare; KL ist 
dafür hücere; näheres bei Pleräus Progr. Offenbach 1899 S. 15. 

Mutuare, borgen, lehnen, ist in der aktiven Form, ausser im 
.1. /... in der bessern Prosa ganz unsicher und werde durch das 



Mutuus — 118 — Mystagogus 

Deponens mutuari ersetzt; höchstens das Partiz. mutuatus kann man 
in passiver Bedeutung, geborgt, entlehnt, verwenden nach Plin. nat. 
2, 45; vgl. Neue -Wagener 3 III, 68. Und so möchte es nicht ganz 
zu verwerfen sein, wenn man sagt: locus mutuatus, eine (von einem 
andern) entlehnte Stelle; verba mutuata, entlehnte Worte, wiewohl man 
dafür (ab aliquo) adsumptus, petitus sicherer braucht. — Mutuari 
bedeutet aber nur etwas von einem andern borgen, lehnen, gleich 
aliquid ab alio mutuum sumere, nicht aber einem andern etivas, 
z. B. Geld leihen, was credere alicui pecuniam, dare alicui pecuniam 
mutuam heisst (Cic. Att. 10, 11, 2; 11, 3, 3). — Falsch sagt Seyffert, 
Progymn. S. 168, 68, dass mutuari nur im eigentlichen Sinne ge- 
braucht werde; es wird sogar in Kl. Sprache übertragen gebraucht, 
z. B. Cic. Tusc. 2, 43 a viris virtus nomen est mutuata; vgl. noch quem 
(sensum) a Latrone mutuatus est, Sen. contr. 3, 10, 8; figuras mu- 
tuari a . . Quintil. 8, Prooem. § 25 und: (verba) ex proximo mu- 
tuari licet, ibid. 10, 1, 13; a personis affectus mutuari, ibid. 11, 3, 
73; sicut Uli a nobis quoque (verba) mutuantur, 1, 12, 58 und 12, 
10, 27. Sp. L. ist mutuari de, z. B. Hieron. ep. 36, 1 de eins fonti- 
bus mutuarer. 

Mutuus, a, um. Der Abi. mutuo kommt in Kl. Zeit in der 
Bedeutung ivechselseitig, ivieder, zur Vergeltimg vor, so z. B. Plane, 
bei Cic. fam. 10, 7, 2; 10, 9, 3; Lepidus bei Cic. fam. 10, 34, 3; 
aus Cicero kenne ich keine Stelle, nat. deor. 2, 132 hat C.P.W. 
Müller mutuo ganz fallen lassen und fam. 5, 2, 4 und 5, 7, 2 liest 
man mutue; auch Caesar gebraucht mutuo nicht, doch steht es b. 
Alex. 48, 2. Ygl. Bergmüller Plane. S. 45, Landgraf Untersuch. 
S. 48. Sp. L. ist es wieder zu finden, z. B. Claud. Mam. 170, 16 E. 
ut mutuo non contemplentur solum, sed etiam conloquantur. — In 
der Bedeutung leihweise steht mutuo bei Cic. or. 80, wo freilich 
Lambinus mutuum wollte, dann aber erst wieder lustin 17, 2, 13 
und in der Yulgata. — Regelmässig ist seit Plautus mutuum aliquid 
dare oder sumere, was auch Cicero hat, z. B. Yerr. 1, 28; Flacc. 10; 
leg. agr. 2, 83. Ygl. Lorenz zu Plaut. Mil. S. 3 Anm. 3, Most. S. 44. 
Darnach wäre das substantivische mutuum aufs A. L. und N. Kl. 
beschränkt, z. B. Sen. epp. 119, 2. — Über den Unterschied von 
commodare und mutuum dare sprechen die scriptt. different., vgl. 
Archiv II S. 129 und III S. 549 commodamus amico pro tempore 
animal, vestem et cetera hanc ipsam rem quam dedimus reeepturi, 
mutuum damus ut vinum, quae mutua reeipiuntur. — Mutuum im 
Sprichwort finden wir Archiv III S. 61 : mutuum midi scabunt, ein Esel 
kraut den andern; vgl. noch Genthe S. 7 und Düringsfeld I Nr. 427. 

Mgropola, der Salbenhändler, ist ein fremdes und wegen des 
lat. unguentarius unnötiges Wort. 

Mysius ist nur Adj., Mysisch ; das Subst. ist Mysus, der My- 
sier, Bewohner Mysiens; vgl. Cic. Q. fr. 1, 1, 19. 

Mystagogus ist bei Cicero (Yerr. 4, 132) nur die griech. Be- 
nennung eines Tempelfuhr er*, der die Merkwürdigkeiten eines Tem- 



Mythicus — 119 — Namque 

pels zeigte; er macht aber sonst keinen Gebrauch von diesem Worte, 
wie es im N. L. geschieht, wo man darunter jeden Führer, sogar 
jeden Lehrer versteht, also für dux, ductor, magister. Höchstens 
könnte Symm. ep. 5, 64 amicitiae meae Scipio te mystagogo usus 
accessit als Entschuldigung für diesen Gebrauch angeführt werden; 
sonst kommt das Wort überhaupt nirgends vor. 

Mythicus, mythisch, fabelhaft. Dieses griechische Adj. findet 
sich nur Sp. L., wo ein Fabeldichter — scriptor mythicus genannt 
wird; bei Plin. nat. 7, 184 liest man jetzt mysticus statt mythicus. 
Obgleich es neben den Adj. fabulosus und fabiäaris zu entbehren 
ist, so bleibt es doch in der Wissenschaft als Kunstwort unent- 
behrlich. 

Mythistoria, fabelhafte Geschichte, und mythistoricus, fabelhaft, 
Fabeln enthaltend, sind erst Sp. L. und entbehrlich für narratio 
fabiäosa, fabula u. dgl. 

Mythologicus, mythologia und mythus kommen erst im N. L. 
vor; der Plural mythologiae ist nur als Titel eines Werkes des 
Fulgentius bekannt. Das Wort mythus für fabula nahm nach Wolf 
(Museum B. I S. 59) zuerst der Holländer van Swinden in der 
Mitte des vorigen Jahrhunderts aus dem Griechischen ins Lateinische 
auf. Jetzt sind jene drei Wörter in der Wissenschaft fast unent- 
behrlich; ausserdem aber brauche man fabula, welches auf vielerlei 
Weise angewandt werden kann ; z. B. wie es in der Mythologie 
(Fabellehre) heisst, ut est in fabulis, ut in fabulis narratur, etwas 
in das unhistorische Gebiet der Fabel versetzen ist aliquid ad erro- 
rem fabidae traducere, Cic. Tusc. 5, 8 u. a. — Da ferner mythologia 
auch nur das allgemeine Fabellehre als Wissenschaft bezeichnen kann, 
so ist z. B. mythologia Iovis, Neptuni, dei Somni u. dgl. unrichtig, 
und man sagt dafür fabula oder fabidae. 



TS. n. 

Nae, s. unter ne. 

Namque. Im Zeitalter Ciceros wird namque von den meisten 
Schriftstellern zu Anfang des Satzes und meist nur vor Vokalen 
gesetzt. Bei Caesar ist dies unseres Wissens immer der Fall, auch 
bei Nepos und Sallust steht namque überwiegend vor Vokalen und 
nur selten vor Konsonanten, wie Nepos Them. 6, 2, Agesil. 2, 1, Sali. 
Jug. 41, 5 und 85, 35, b. Alex. 26 und Hirt. Gall. 8, 28, 4, Ant. bei 
Cicero Phil. 13, 45, Balb. bei Cic. Attic. 9, 13, A. § 2; was aber 
Cicero selbst betrifft, so steht bei ihm namque ausschliesslich am 
Anfange des Satzes; jedoch wird unrichtig behauptet, dass es bei 
ihm nur vor Vokalen stehe: Namque tum latus ei condoluisse accer 
pimus, de orat. 3, 6; namque nimis multi, Tusc. 3, 65 und namque 
Ca/rneades, divin. 1, 62. Das erste Beispiel der Nachstellung Buden 
wir in Poesie bei Catull, vgl. Kiese zu Cat. 64, 383 und Süss S. 33, 



Nancisci — 120 — Naris 

in Prosa bei Yarro 1. lat., denn in r. r. gebraucht er nur nam. Yon 
Livius an wird namque bald zu Anfang des Satzes, bald an zweiter 
Stelle und bald vor Yokalen und bald vor Konsonanten gesetzt, 
z.B.: namque et Luccuws, 26, 12, 2, vgl. jedoch Luchs z. St. und 
42, 56, 5; namque tribuni, 4, 56, 2 u. s. w.; nach M.Müller zu 
Liv. 2, Anh. S. 154 sind es 27 Stellen, an denen bei ihm namque 
nachgestellt ist; vgl. die reiche Stellensammlung von Novak Stud. 
Liv. 1894 S. 69 f., die nachweist, dass namque vor gewissen Konso- 
nanten (b, f. j, l, n, q, r) nicht von Liv. gebraucht wird. Häufig 
ist diese Wortfolge im N. Kl., vgl. Curtius: is namque vates erat, 
9, 4, 28; eo namque tractu, Plin. nat. 3, 144 und namque montes 
duo, ibid. 2, 199; namque Palaestina . . 5, 66; namque Persarum 
regna, 6, 41 ; plurimi namque Bituricam . . Colum. 3, 7, 1 ; egregie 
namque auctoritate . . Yal. Max. 9, 2, 1 ; tu namque, Postumi, ibid. 
2, 7, 6; hello namque, quo . . 3, 2, 23; testis namque in reum pro- 
ductus, 4, 1, 11; Aulum namque Gabinium . . 4, 2, 4; constat 
namque eos . . 8, 8, 1 und sonst. Bei Tacitus endlich steht: vidit 
namque ut . . dial. 19^ und ebenso finden wir nachgestelltes namque 
noch ann. 1, 5 und 4, 21, sonst immer an erster Stelle, aber stets 
vor Konsonanten, s. hist. 2, 23; 2, 100 und 3, 15, ibid. c. 52 und 
5, 22. Ygl. Dräger H. Synt. II S. 161 f., meine Syntax 3 § 255. 
Fürs Sp. L., wo nachgestelltes namque häufig ist, vgl. Opitz Progr. 
Dresden 1884 S. 18 für Fiorus, Paucker Z. f. ö. GL 1883 S. 340 und 
Cotta S. 40 für scr. h. Aug. (nur Yopiscus kennt namque), Dressel 
S. 25 für Firm. Mat., Seck II S. 21 für lustin, Bednarz S. 11 für 
Boethius. 

Kancisci heisst erlangen, erhalten, finden durch einen günstigen 
oder ungünstigen Zufall (wie febrim nancisci, Nep. Attic. 21, 1, 
Ter. Phorm. 543), vgl. Held zu Caes. civ. 1, 61, 1, Seyffert-Müller 
zu Lael. S. 199. Ygl. Adipisci. Das Part. perf. heisst nanctus und 
nactus, beide Formen sind gleich gut. Näheres über das Yorkommen 
von nanctus und nactus bieten Schmalz Pollio 2 S. 13 und dazu 
C. Wagener in Phil. Rundschau II Nr. 48 S. 1528, Wölfflin Archiv 
YI S. 87. — Passives nanctus ist Sp. L., z. B. Hyg. fab. 8 ex occasione 
nacta fugae se mandavit, vgl. Rumpf S. 35; dies occasione nancta 
hat auch Iordanes, ausserdem nanctam oportunitatem, vgl. Bergmüller 
Iord. S. 45; einige andere Sp. L. siehe bei Neue -Wagener 3 III 
S. 68, Georges Lex. Wortformen s. v., Rossbach Philol. 51 S. 512. 

Narboua, die jetzige Stadt Narbonne, ist ganz Sp. L. Form für 
die Kl. Narbo. 

Naris (als Sing.), das Nasenloch, ist abgesehen von Plin. mai. 
und Celsus wohl nur bei Grammatikern zu finden; in der Bedeutung 
Nase ist es in Prosa N Kl. und Sp. L., vgl. Apul. met. 7, 9 con- 
tosta et vituperanti nare, sonst nur P. L. für nares, die Nase. Nur 
Dichter wenden es im Sing, und Plur. scherzend meistens zu Spöt- 
tereien an. Dahin gehören denn auch die Redensarten: homo 
emunctae naris (ein Mann von feiner Beobachtung) und homo obesae 



Narrare — 121 — Nasci 

naris, welche in ernster Rede nicht zu brauchen sind. Ygl. Neue- 
Wagener 3 I S. 667, Nägelsbach -Müller 9 S. 13. — Der Nase nach 
gelien ist ire quo pedes ferunt, Hör. epod. 16, 21, oder pedes ducunt, 
Plin. ep. 7, 5, 1, vgl. Archiv VI S. 329. 

Narrare, erzählen, mündlich oder schriftlich, daher auch vom 
Schriftsteller gegenüber dem Leser, s. Cic. fani. 2, 10, 3. "Wenn man 
gesagt hat, dass die passiven Formen dieses Yerbs in der bessern 
Prosa selten vorkommen, so ist diese Behauptung ganz irrig. Man 
vgl. darüber Suet. Cal. 22, Plin. epp. 7, 27, 3, Quint. 3, 8, 11; 4, 
2, 76; 6, 3, 37 und sonst, Liv. 39, 6, 6, Cicero inv. 1, 29, Cael. 
bei fam. 8, 1, 4 und ibid. 9, 22, 1. Wenn narrare in der pas- 
siven Konstruktion zu seinem Objekt nicht ein einzelnes Wort, 
sondern einen ganzen Satz hat, so ist das impersonale narratur mit 
folgendem Accus, c. infin. ganz selten; es kommt nicht vor bis Ovid 
met. 5, 311, dann in N. KL Prosa bei Tac. Germ. 33, 2 und Plin. 
nat. 35, 121, während ibid. 8, 35 von v. Jan jetzt narrantque für 
narratur gelesen wird, schliesslich bei Frontin strat. 4, 3, 9, vgl. 
Dräger H. Synt. II S. 458. Aber auch die persönliche Konstruktion 
ist selten und jedenfalls nicht Kl. ; in Prosa steht sie zuerst Liv. 39, 
6, 6 quae in provincia procid ab oculis facta narrabantur, dann bei 
beiden Plin., schliesslich im Sp. L., wo die Konstruktionen mit Nom. 
und Infin. überwiegen, bei Hieron. ep. 147, 4, vgl. Menna S. 103, 
Gölzer Hieron. S. 375. — Besonders beliebt ist narrare in der Um- 
gangssprache, wo es auch mit substantivischem Objekt wie Plaut. 
Men. 402 quam tu mihi nunc navem narras ?, sogar mit persönlichem, 
Ter. Eun. 148 hui, regem elegantem narras vorkommt. Ygl. Süpfle- 
Böckel zu Cic. fam. 9, 16, 7, Halm zu Cic. Yerr. 4, 85, Meissner 
zu Ter. Andr. 367, Spengel zu Ter. Ad. 398 und 777 ; auch im 
Sp. L. zeigt sich diese Yorliebe für narrare wieder, z. B. bei Lucifer 
Cal. und Ennodius, vgl. Harteis Index. 

Nasci, geboren werden. Werden die Namen der Eltern nur 
ganz allgemein angeführt, so geschieht dies zunächst durch den 
blossen Abi., z. B. : Mela, quibus Gallio et Seneca parentibus natus, 
Tac. ann. 16, 17; honestis parentibus natus, Sen. contr. 7, 21, 1; 
amplissima familia nati adulescentes , Caes. Gall. 7, 37, 1. Doch 
kann dafür auch ex genommen werden: quod ex nobis natos liberos 
appellamus, Cic. nat. deor. 2, 62; ex müitibus Romanis et ex His- 
panis mulieribus . . . natos se niemorantes, Liv. 43, 3, 2. Handelt 
es sich um den Vater im allgemeinen, ohne dass der Name desselben 
genannt wird, so steht bei natus gewöhnlich der blosse Abi.: Sa- 
bina quaestorio patre natu, Suet. Nero 33; natus erat patre splendi- 
dissimo, Sen. contr. 10, 16; patre principe equestris ordinis naht*. 
Yell. 2, 127, 3; deus deo natus, Liv. 1, 16, 3; imperioso patre natus, 
Liv. 7, 4, 5 und 9, 1, 2; patre certo nasci, Cic. S. Rose. 46; eodem 
patre natus, Nep. Cim. 1, 2, Epam. 2, 1; Agathocles patre figülo 
natus, lust. 22, 1, 2; selten mit ex und vielleicht nur vor Pron., 
die kein Substant. bei sich haben: Neoptolemus, er uno natu est 



Nasutus — 122 — Nasutus 

Olympias, Iust. 17, 3, 14; ex hoc Domitius nascitur, Suet. Nero 4, 
init. ; ego (Anaxagoras) illum ex me natum sciebam esse mortalem, 
Yal. Max. 5, 10, ext. 3; ex quo nasci nepotes deceat, Plin. epp. 1, 
14, 2; am seltensten mit de, wohl nur bei Dichtern und in der Um- 
gangssprache, z. B. Plaut. Capt. 274 quo de genere gnatus, Yitruv 8 
praef. 1 nasci de aere, vgl. Köhler act. Erl. I S. 437. Ist von der 
Mutter ohne Namensang ebung die Rede, so steht meist der Ablativ 
mit ex: nata fllia ex aliqua captiva, Sen. contr. 1, 6, 2; ex meretrice 
natus, ibid. 2, 12, 7, ebenso bei Quintil. 7, 6, 3 und 11, 1, 82; 
cum ex utraque (uxore) filius natus esset, Cic. de orat. 1, 183; cuius 
ex fllia natus est Sestius, fam. 13, 8, 1; Servius Tullius ex serva 
Tarquiniensi natus, rep. 2, 37 ; auch wenn an den Namen einer 
Mutter gedacht wird, steht ex, z. B. : ex hac femina (Cornelia) de- 
buit nasci, qui . . . Sen. Helv. 16, 6; natam sibi ex Poppaea 
filiam . . . Tac. ann. 15, 23 init. Wird der Name der Mutter nicht 
genannt, so kann für ex auch der blosse Abi. genommen werden: 
serva natus, Yal. Max. 1, 6, 1, Liv. 3, 44, 6; 1, 39, 5; c. 40, 3 u. 
c. 47, 10; captiva natus, Liv. 4, 3, 12; Datames matre Scythissa 
natus, Nep. Dat. 1, 1 ; mortalibus nati matribus, Cic. nat. deor. 3, 
45. Bei den Eigennamen steht natus gewöhnlich mit dem blossen 
Abi.: quos omnes Erebo et Nocte natos ferunt, Cic. nat. deor. 3, 44; 
Hercules love natus, ibid. 3, 42 und Nilo natus; Thaumante natus, 
ibid. 3, 51; nascetur Oedipns Laio, Cic. fat. 30; patre Marte natus, 
rep. 2, 4; Paido natus, off. 1, 121; Papia natus, Cluent. 27, Liber 
Semela natus, Tusc. 1, 28; Ascanius Creusa matre natus, Liv. 
1, 3, 2; Tarquinia sorore regis natus, ibid. 1, 56, 7; Iulia natus, 
Yell. 2, 47, 2 und 2, 88, 1. Doch kann auch ex verwendet werden: 
ex Thetide natus, Quintil. 3, 7, 11; ex Urbinia natus, ibid. 7, 2, 
5; Alexandri filius natus ex Barsine, Iust. 13, 2, 7; negantis (Do- 
mitii) quidquam ex se et Agrippina nisi detestabile et malo publico 
nasci potuisse, Suet. Nero 6. Das Ergebnis obiger Beispielsammlung, 
die aus N. Jahrb. 1887 S. 257 (Stegmann) ergänzt werden kann, 
ist: bei natus steht zur Angabe der Eltern der Abi. meist ohne 
Präposition, nur bei einem Pronomen ist die Präposition erforderlich. 
— Aus einer guten Familie abstammen heisst nie ex honesta, ampla, 
amptlissima familia natum esse, wohl aber kann neben dem bereits 
oben angegebenen blossen Abi. auch in c. abl. gewählt werden: in 
amplissima familia natum esse, s. Cic. parad. 36. — Wird nasci 
trop. gebraucht = entstehen, hervorgehen, so kann ausser ex auch 
die Präposition a stehen, z. B.: fateor ea me studiose secutum, ex 
quibus vera gloria nasci posset, Cic. fam. 15, 4, 13 und: facinus 
natum a cupiditate, Cic. Yerr. 2, 82 u. Font. 37, sowie Att. 11, 23, 3 u. 
dazu Boot. Über nasci (von den Erzeugnissen der Natur) s. unter 
Crescere. — Zur Bezeichnung des Standes dient natus honesto loco, 
genere, familia stets ohne Präposition; Stellen hat Stegmann 1.1. S. 257. 
Nasutus, wovon man im N L. auch ein Demin. nasutulus ge- 
bildet hat, kommt in der Bedeutung spöttisch, ivitzig u. dgl. nur bei 



Natalis — 123 — Natio 

Dichtern vor. In Prosa war es der Rhetor Seneca, welcher zuerst 
nasus suas. 1, 6 und auch nasutus suas. 7, 12 so brauchte. Das 
Wort nasutus findet sich in Prosa nur bei Sen. rhet.; erst im 
Sp. L., z. B. Pseudo-Cypr. S. 89, 27 H. homines nasutissimi taucht 
es wieder auf. 

Natalis mit und ohne dies, der Geburtstag ; indes ist die Ellipse 
von dies Kl. selten, bei Cic. in den Reden nicht zu finden, wohl 
aber ad Att., z. B. 7, 5, 3 natali meo; aber das Geburtsfest heisst 
nicht festum natale, da festum in der bessern Prosa nicht üblich 
war (vgl. Festum), auch nicht festus dies natalis, noch bloss festus 
natalis (denn bei Nep. Timol. 5, 1 und Plaut. Poen. 501 ist festum 
habere = feiern, vgl. Thielmann in Wölfflins Archiv II S. 387, so- 
mit festum Prädikatsadjektiv zu habere), sondern natalicia, und den 
Geburtstag feiern, agere diem natalem, natalem celebrare (Plin. ep. 6, 
30, 1); einen Geburtstag sschmaus geben, dare nataliciam (cenam), vgl. 
Cic. Phil. 2, 15 und dazu Hirschfelder in Z. f. G. W. 1871 S. 38, 
der natalicia als Neutr. plur. verteidigt; allein die Autorität des 
Yaticanus hat doch für nataliciam entschieden. — Man vermeide 
aber den Plur. natales vom einzelnen Geburtstage eines einzelnen, 
weil darunter nur mehrere Geburtstage eines einzelnen oder mehrerer 
verstanden werden ; N. Kl., besonders bei Tacitus, bedeutet es Stand 
und Geburt oder Familie; vgl. Bagge S. 35, Lagergren S. 111, 
Dräger zu Tac. ann. 11, 21, ebenso Sp. L., z. B. Arnob. 77, 21 
R., Symmachus, vgl. Schulze S. 61, öfters bei Ennodius, Eugipp 15, 
23 Kn. u. a. Bei Plin. mai. und Sp. L. bei Tertull. wird es sogar 
in Bezug auf Sacheyi = origo oder initium gebraucht, z. B. natales 
impatientiae, vgl. Schmidt de lat. Tert. S. 32. — Sehr gewöhnlich 
wird im N. L. der Tag der Geburt Christi — natales Christi ge- 
nannt, für dies natalis; Weihnachten aber übersetzt man am schick- 
lichsten durch dies natalis Christi. — Natalicius dies = Geburtstag 
belegt Wölfflin im Archiv Y S. 433 durch Mart. 8, 38, 12 und dann 
durch Stellen aus Sp. L. ; ich füge bei Sedulius 276, 4 H. — 
Während Rönsch Ital. S. 104 ein Neutrum natale annahm, bestritt 
Georges die Existenz eines solchen. Nach den Überschriften bei 
Firm. Mat. natalia seu geniturae oder natalia genituraeque scheint 
das Sp. L. aber doch natale und natalia zu brauchen (vorausgesetzt, 
dass die Überschriften echt sind); näheres s. bei Dressel S. 25 und 
Schulze Symm. S. 61. Dieser Ansicht ist auch Kubier im Arch. VIII 
S. 197; da man von der Zeit der Antonine an die natalis statt die 
natali sagte, so fasst Kubier dieses natalis als Genitiv von natale, 
das er in der passio Perp. et Felic. 2, 8 natale tunc Getae Caesaris 
und in der passio Mariae, sowie in den act. fr. arv. 11, 4 natale 
divi Augußti findet. Literatur hiezu bietet Kühler 1. 1. — Geburts- 
jahr ist annus natalis bei Cinna fragm. 3, 4 natali urbis ab anno. 
Xulutus, das Schwimmen, ist nur F. L. u. - s '/'. />. für natatio, 
Natio ist ursprünglich identisch mit natura; in der Phrase ua- 
tione Güllus ersehen wir den Übergang zur späten) Bedeutung; hier 



Nativitas — 124 — Natura 

gebraucht man es wie gens meistens von einem ganzen Volksstamme, 
der eine gemeinsame Sprache und Abstammung hat; nur ist gens 
noch allgemeiner als natio, welches oft nur den Unterstamm einer 
gens anzeigt, z. B. gens Graecorum, natio Atticorum. Dagegen 
bezeichnet populus nur die Bewohner eines einzelnen Staates, z. B. 
populus Atheniensium ; vgl. Tegge S. 48, S. 255, Fabri zu Sali. 
Cat. 10, 1, C. F. W. Müller zu Cic. off. 2, 26, wo popiili = Repu- 
bliken, nationes = unzivilisierte Völker bedeutet, denn populus = 
Volk inbezug auf gesetzliche Yereinigung. — Für die christliche La- 
tinität merke man sich, dass nationes und gentes = Heiden ist, vgl. 
Gölzer Hier. S. 233. 

Nativitas, die Geburt, ist sehr Sp. L. und durchaus zu ver- 
werfen; man findet es oft z. B. bei Orosius, vgl. 1, 1, 6 a Nino 
usque ad nativitatem Christi, auch bei Tert., Hieron., Iord., Augustin, 
Terentian, vgl. Gölzer Hier. S. 103, Bergmüller Iord. S. 11, Paucker 
Oros. S. 4, Rönsch It. S. 52, Werth S. 312, Regnier S. 172; besser 
braucht man das Subst. ortus oder das Yerb nasci und die Partiz. 
natus oder ortus, auch, wo es passt, dies natalis; z. B. vor Christi 
Geburt, ante Christum natum, antequam Christus natus est; vor 
deiner Geburt, ante te natum, antequam tu nahes es; eine geraume 
Zeit vor deiner Geburt, ante aliquanto quam tu natus es (Cic. fam. 
10, 3, 2); gerade im Jahre vor der Geburt des Ennius, anno ipso, 
antequam natus est Ennius (Cic. Brut. 72); uns bringt den Anfang 
aller Dinge unsre Geburt, initium nobis rerum omnium ortus noster 
affert (Cic. Tusc. 1, 91). — Auch wird natio, dem Volksnamen im 
Abi. beigefügt, in der Redensart von Geburt angewandt; z. B. er 
ist von Geburt ein Sachse, est natione Saxo. Vgl. Caes. Gall. 1, 53, 
4 una Sueba natione. 

Natu; vgl. Natus. 

Natura, die Natur. Nicht selten denkt man sie als Person, als 
ein Gott ähnliches, unbekanntes Wesen, wo sie denn mater oder 
parens rerum omnium genannt wird. Die Tätigkeit der so auf- 
gefassten Natur gibt man mit a natura (mit der Präposition), wo 
wir mit dem Artikel sagen von der Natur; vgl. Cic. Phil. 14, 32 brevis 
a natura vita data est. Wenn sie aber nicht persönlich gedacht 
wird, wie wir sagen von Natur, d. h. durch natürliche Anordnung, 
Einrichtung, Fügung, von Anfang, von der Geburt an, so sagt man 
ohne a bloss natura; vgl. Madvig zu Cic. fin. S. 506. Doch finden 
wir klass. a natura auch da, wo Cicero den Ursprung bezeichnen 
wollte, z. B. Brut. 112 habebat hoc a natura ipso,, quod a doctrina 
non facile posset, sowie in limitierender Bedeutung, z. B. ib. 233 
medioeriter a doctriyia instruetus, angustius etiam a r natura; Sali. 
Jug. 48, 3 mons vastus ab natura, vgl. Lebreton Etudes S. 411, 
meine Syntax 3 § 124 ; Reisig-Haase S. 700. — Unser die Gewohn- 
heit ist die zweite Natur heisst consuetudo est seeunda natura bei 
August, c. Iul. üb. v. c. 59 extr. und ebenso bei Macr. sat. 7, 9, 7, 
offenbar ein Anklang an das Ciceronische : voluptatem consuetudine 



Naturabilis — 125 — Naturalis 

quasi alteram naturam effici, fin. 5, 74. Aber zur ziveiten Natur 
iverden heisst nicht in alteram, secundam naturam vertere, sondern 
bloss in naturam vertere, weil der Begriff der Ordinalzahl von zwei 
schon in vertere, verti liegt. So sagt nicht nur Ambros. bei August. 
c. Iul. Pelag. 2, 10 medd., und August, op. imperf. c. Iul. 6, 37 extr., 
sondern auch Sali. Jug. 85, 9 : mihi . . benefacere iam ex consue- 
tudine in naturam vortit; es ist etivas zur ziveiten Natur geivorden 
kann aber auch ausgedrückt werden durch aliquid iam naturae 
vim obtinet. Die Bedürfnisse der Natur befriedigen ist desideria 
naturae satiare, Cic. fin. 2, 25. — Unsere seltsame Redensart ein Solin 
der Natur, d. h. ein roher, natürlicher, einfacher, ungebildeter Mensch, 
findet sich nicht im Lateinischen ; man sage also nicht fllius naturae, 
wie man doch Erdensolm wörtlich durch terrae fllius übersetzen 
kann. Auch naturae alumnus passt für den Begriff nicht und findet 
sich ebenso wenig bei einem Alten. Man übersetze es daher etwa 
durch liomo rudis oder incultus, agrestis, simplex, impolitus u. dgl., 
wie es der Sinn verlangt. 

Naturabilis, natürlich, kommt Sp. L. bei dem Wortkünstler 
Apulejus vor und war wohl ein Wort der Volkssprache, für natu- 
ralis; vgl. Kretschmann Apul. S. 58. Die Form naturabilis hatte 
sich durch Abschreiber auch in die Handschriften Ciceros an einigen 
Stellen eingeschlichen, ist aber jetzt überall durch bessere Lesarten 
verdrängt. 

Naturalis stimmt allerdings meistens mit unserm natürlich über- 
ein, aber nur da, wo dieses letztere so viel bedeutet wie von der 
Natur eingepflcmzt, geschaffen, z. B. naturalis portus, naturalis situs, 
oder die Natur betreffend, z. B. naturalis historia; wo es aber so 
viel ist, als nicht ivunderbar, da ist nicht naturalis, sondern non 
mirus anzuwenden, wie z. B. in dem Zusätze zu etwas Gesagtem: 
und das ist (war) natürlich, neque hoc mirum, nicht idque est na- 
turale. — N. Kl. kommt zwar mors naturalis (für das Kl. mors 
necessaria, Cic. Mil. 16), ein natürlicher, d. h. nicht geiu altsamer Tod, 
vor, bei Plin. nat. 7, 180, von dem plötzlichen Tode, den er als das 
höchste Glück des Lebens preist, wie z. B. einen Tod vor Freude, 
aber nicht einen durch Krankheiten oder hohes Alter erfolgten Tod, 
woran wir bei einem natürlichen Tode denken. In dieser Bedeutung 
treffen wir naturalis mors nur Sp. L., z. B. bei Orosius 3, 23, 63 
nam neque ipse post LXXVII annos quietem naturalis mortis 
invcnit, sed extortam sibi infeliciter vitam velut immatura morte finir 
vit. Nirgends findet sich daher naturalem mortem ohire oder natura- 
liier mori, wie wir sagen eines natürlichen Todes sterben, wofür 
nach dem darin liegenden Sinne zu sagen ist morbo mori oder con- 
s/uiii, naturae concedere, naturae debitum reddere. Eines natürlichen 
Todes sterben kann man auch durch sua morte mori übersetzen nach 
Sen. epp. 69, 6 und sua morte defungi, Suet. Caes. 81), oder 
sua morte consumi, Treb. Poll. 30 tyr. 27, 2. — Oft bietet natura einen 
Ersatz: natürlicher Verstand ist natura atqiie ingenium } <lu* natürliche 



Natus — 126 — Natus 

Schamgefühl bei Cic. S. Rose. 9 natura pudorque. — Naturalis filius, 
ein natürlicher Sohn, sagt Cicero nicht, ihm ist das Adj. natu- 
ralis in dieser Verbindung* abzusprechen. Der Ersatz findet wie 
bei Ter. Ad. 126 durch den Abi. natura statt, vgl. Cic. Yerr. 
3, 162 si est tuus natura filius, Phil. 3, 15 cuius etiam natura 
pater; näheres bei Klotz Stil. S. 107, Nägelsb.-Müller 9 S. 299. Aber 
seit Livius finden wir naturalis mit pater, filius, avus zusammen- 
gestellt, vgl. Liv. 44, 41, 2, Vell. 2, 112, 7 und Georges Vell. S. 30, 
Quint. 3, 6, 96, Suet. Tib. 52 und noch Oros. 5, 15, 3; hierüberall 
bedeutet es ein leiblicher Sohn im Gegensatz zum adoptivus; da- 
gegen die spätem Juristen brauchen es in der Bedeutung ein un- 
eheliches, ausser der Ehe erzeugtes Kind, wofür nothus (vgl. Quintil. 
3, 6, 96) gewählt werde. — Ebenso vorsichtig muss das Adv. 
naturaliter angewandt werden, da es dem deutschen Adv. natür- 
lich oft gar nicht entspricht, z. B. da, wo es eben so viel ist als 
das (es) versteht sich und wo meistens das lebhafte scilicet dafür 
passt, wie bei Cic. Tusc. 5, 114 Democritus luminibus amissis alba 
scilicet (natürlich) et atra discernere non poterat, vgl. Näg.-Müller 9 
S. 784. 

Natus, a, um, gehören, erzeugt, abstammend von jemand. S. 
darüber unter Nasci. Natus hat aber auch als Adj. die Bedeutung 
alt, zur Bezeichnung eines gewissen, bestimmten Alters, welches dann 
immer im Accusativ beigefügt wird, z. B. unum annum, duos annos 
u. s. w. natus, natu, natum. Wenn zu solchen Angaben die Be- 
merkung hinzukommt: nicht älter, nicht jünger, nicht über, nicht 
unter so und so viel Jahren, so merke man folgendes: Da annos 
natus selbst einer Steigerung nicht fähig war, so sagte man für alter, 
jünger als nicht annos natus magis, minus quam quadraginta etc., 
sondern für magis, minus gebrauchte man entweder maior, minor 
und zwar so, dass erstens mit dem vollen Ausdruck gesagt wurde: 
maior, minor quam annos sex, triginta etc. natus, s. darüber fol- 
gende Belege: minorem quam annos sex, maiorem quam annos decem 
natam negaverunt capi fas esse, Gell. 1, 12, 1; nomina sunt recit ata 
prineipum Macedonum, quos cum liberis maioribus quam quindeeim 
annos natis praecedere in Italiam placeret, Liv. 45, 32, 3, oder 
man Hess quam (nach der Analogie von plus) nach maior, minor 
einfach weg und setzte den unveränderten Accus, des Zeitmasses, 
z. B.: maior annos LX natus decessit, Nep. reg. 2, 3; annos natus 
maior quadraginta, Cic. S. Rose. 39; annos nata est sedeeim non 
maior, Ter. Eun. 526. Drittens kann statt des Accus, auch der 
(seltenere) Ablativ gesetzt werden: minor quinque et viginti annis 
natus, Nep. Hann. 3, 2 und: minor triginta annis natus, Cic. Yerr. 
2, 122, oder man lässt nicht nur quam, sondern auch natus hin- 
weg und sagt einfach maior, minor annis viginti etc. : minor annis 
sexaginta, Cic. S. Rose. 100; sanxit, ne quis civis maior annis viginti 
minorve quadraginta . . . plus triennio Italia abesset, Suet. Caes. 42; 
qui minores quinque et triginta annis erant, in naves impositi, Liv. 



Natus — 127 — Natus 

22, 11, 9; nee ulli, qui non maior annis quinquaginta esset, vaca- 
tionem militiae esse, Liv. 42, 33, 4. Eine weitere, aber durchaus 
unklass. Art des Ausdrucks besteht darin, dass die Bestimmung des 
Alters als Genitiv der Eigenschaft der betreffenden Person angesehen 
wird : obsides Romayiis viginti dato ne minores octonum decem anno- 
rum, ne maiores quinum quadragenum, Liv. 38, 38, 15; qui maiores 
annorum quinque et triginta — nollent, Suet. Octav. 38 und : maiores 
triginta annorum servi, Graj. 1, 20. Für maior, minor annis — 
natus steht vorklass. auch plus, minus: annos sexaginta natus es aut 
plus, Ter. Heaut. 11 und vlus triginta annis natus sum, Plaut. Men. 
446, wofür Nepos sagt: non amplius Villi annos natus, Hann. 2, 

3. Näheres hierüber hat Landgraf zu Cic. S. Rose. S. 212 und in 
seiner Anm. 399 zu Reisig-Haase, ferner Hellmuth act. Erl. I S. 145, 
Kalb Progr. Nürnberg 1886 S. 46, Kühnast S. 175, Lupus S. 59. — 
Unser alt = betagt, in Jahren vorgerückt, heisst niemals magnus, 
sondern grandis natu, vgl. Cic. Cato 10 non admodum gr andern natu 
und pergrandem natu Liv. 29, 29, 6; für parvus natu, was früher 
hier gelehrt wurde, weiss ich keinen Beleg. Richtig hingegen ist 
maior, minor, maximus, minimus natu, während in dem unkl., aber 
bei Livius im Positiv ausschliesslich üblichen magno naht bei Nep. 
Paus. 5, 3, Dat. 7, 1, Timoth. 3, 1 und tanto natu senem Fronto 
S. 197, 2 N, natu als der Abi. der Eigenschaft aufgefasst werden 
muss, vgl. Nipp.-Lupus zu Nepos Paus. 5, 3, Ebert S. 321, M.Müller 
zu Liv. 2, 23, 3. — Wenn von Söhnen, Töchtern, Brüdern oder 
Schivestern und einem nach Jahren bestimmten Altersverhältnisse 
die Rede ist, so wird dafür bekanntlich regelmässig bloss maior, 
maximus, minor, minimus ohne natu gesagt; dagegen darf der Zu- 
satz natu nicht wegbleiben, wenn das Alter im Gegensatz zu der 
Jugend im allgemeinen bezeichnet wird. Diese Regel hat Hilde- 
brand im Progr. Dortmund 1865 S. 25 für Livius festgestellt; sie 
gilt, soviel ich sehe, auch für Cicero, z. B. rep. 2, 46 maior eius 
filius, Att. 1, 5, 2, vgl. dazu Boot; Q. fr. 1, 3, 3 quem mens Cicero 
et amabat ut fratrem et iam ut maior em fratrem verebatur ; dagegen 
Cic. off. 1, 109 audivi ex maioribus natu hoc idem fuisse, vgl. noch 
Fabri zu Sali. Jug. 11, 3. Im silbernen und im Sp. L. scheint man 
weniger genau mit dem Weglassen von natu verfahren zu sein, vgl. 
Mahne I S. 74. — Natus — ivie geschaffen für ist klass., vgl. Cic. 
Lig. 22 Africam natam ad bellum contra hanc urbem gerundum, Yerr. 

4, 54, Liv. 22, 44, 4 ; vgl. noch Eberhard zu Cic. Lig. 22, Anton 
Stud. II, 164. 

Natus (oder nach alter Schreibart gnat us) und natu (oder gnata) 
als Subst., in der Bedeutung Sohn, Tocliter, kommen Kl. nie vor, 
da sie von den Bessern nur als Partiz. mit ex oder dem blossen 
Ablativ verbunden werden, nie aber mit einem Genitiv oder Posses~ 
sivpronomen. Man kann also nicht sagen natus oder nata ('/<■< •nmis, 
der Sohn, die Tochter Ciceros, sondern /Hins, filia CiceroniSf nicht 

natus meU8, mihi n/ru, sondern filius nicus, film mcu. Ohne Zusatz 



Nauci — 128 — Navigare 

aber und im Gegensatz zu parentes kann nati — die Kinder heissen, 
wie bei Cicero (Lael. 27): Caritas, quae est inier natos et parentes; 
bellum prope inter parentes natosque, Liv. 1, 23, 1 und 5, 40, 3; 
diese drei Stellen sind übrigens die einzigen aus der bessern 
Prosa, wo nati = Kinder vorkommt, vgl. auch Archiv X S. 43; 
YII S. 74 und 85 f., Hey Semas. Stud. S. 173. So konnte Cicero 
also nicht schreiben: quae . . . suos natos. — Dichter aber brauchen es 
als Subst., hingegen bei Quintilian (instit. prooem. § 6) ist für 
nato tito zu lesen Getae tuo (Gaio tuo). — Selten wird nati auch 
von den Jungen der Tiere gebraucht, z. B. Cic. Lael. 27 bestiae ex 
se natos ita amant, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 197; sonst ist 
hier das Neutrum üblich, z. B. Cic. off. 1, 11 cum quaedam eorum, 
quae procreata sint, während von Menschen es unmittelbar nachher 
heisst amorem in eos, qui procreati sunt. 

Naitöi esse und nauci facere. Es ist zu beachten, dass man 
nauci facere, habere, nauci esse regelmässig bloss in Verbindung mit 
der Negation gebraucht: non nauci habere, facere, non nauci esse, 
also = nicht einer tauben Nuss wert halten, sein, d. h. für nichts 
halten, nichts, nicht das geringste wert sein. Es steht aber nicht 
bloss A. L. bei Enn. und Naev., sondern auch bei Plautus und 
Sp. L. bei Apul. apol. 91, ja selbst bei Cic. divin. 1, 132 non 
habeo denique nauci Marsum augurem. Ygl. Brix zu Plaut. Trin. 
396, Lorenz zu Plaut. Most. 1041, L. Müller zu Enn. sat. 81, Holze 
I S. 332, Dräger H. Synt. 1 S. 464, meine Syntax 3 § 66. Ohne 
Negation steht der Ablativ pret. nur bei Naevius com. 105 R. eius 
noctem nauco ducere. 

Nauclerus, der Schiffsherr, und nauclericus, dem Schiffsherrn 
gehörig, kommen nur A. L. bei Plautus, z. B. Mil. 1101 u. 1067 L., 
sowie Sp. L. in der Yulg., bei Tert. u. a. vor. Man brauche dafür 
das Kl. navicularius, welches Subst. und Adj. ist, Cic. fam. 16, 9, 
4 cuius auctoritate navicularius moveatur, und Yerr. 5, 46 navicu- 
lariam facere. 

Naviculator, Schiffsherr, ist jetzt ganz ohne Autorität, seitdem 
es aus Cic. Pomp. 11 durch navicidarius verdrängt ist. 

Navigare, schiffen. Die Ortsbestimmung auf die Frage tuo ? wird 
in schlichter Kl. Prosa nur durch in aliquo loco, z. B. in mari, in 
Oceano ausgedrückt oder ohne in, z. B. Cic. Att. 8, 3, 5 infero mari 
navigandum est, ib. 9, 19, 3 infero navigabimus, vgl. Boot z. Cic. Att. 
8, 3, 5; P. L. und N. Kl. durch den Accus., mare, Oceanum. Dazu 
gab schon Cicero Anlass, da er etwas poetisch von dem übermütigen 
Xerxes (fin. 2, 112) sagte: cum maria ambulavisset, terram naviga- 
visset; indes wollte hier Baiter und zwar, wie Madvig sagt, admodum 
probabiliter mari ambulavisset, terra navigasset lesen. Die P. und 
N. Kl. Stellen sehe man bei Dräger H. Synt. I S. 361, Kühner 
latein. Gr. II S. 197, Neue -Wagener 3 III S. 7; für das cic. Beispiel 
vgl. noch Iwan Müller Erlang. Univ. Progr. 1870 S. 16 f., wonach 
maria ambulare und terram uavigare der bei griechischen Khetoren 



Navigator — 129 — Ne 

und Sophisten beliebten Phrase -rrjv izMv, &dXaooav ne^eüecv nach- 
gebildet sei ; vgl. darüber Landgraf zu Reisig-Haase S. 648 Anm. 
559, Bagge S. 76. — Vom Lande abfahren heisst nicht navigare a 
terra, sondern navigare ex portu, a terra solvere und bloss navem 
solvere; aber cum ab Aegina Megaram versus navigarem schreibt 
Ser. Sulp, bei Cic. farn. 4, 5, 4, denn hier ist nicht vom Abfahren 
die Rede. 

Navigator, der Schiffer, ist sehr selten für nauta ; es wird 
nur aus Quintil. 5, 10, 27, wo es offenbar dem Tonfall zu lieb ge- 
braucht ist: rusticus forensis, negotiator miles, navigator medicus, 
sowie aus Quint. decl. 12, 23 und Paul. Nol. ad Cyther. 397 an- 
geführt. 

Naumachia, die Seeschlacht, kommt N. Kl., z. B. bei Suet., vgl. 
Bagge S. 56, nur als Spiel zur Belustigung der Zuschauer vor, nicht 
als wirkliche Schlacht, welche nur pugna navalis, proelium navale 
heisst. Niemals sagt der Lateiner pugna maritima, proelium mari- 
iimum, hingegen sowohl bellum maritimum als bellum navale. 

Nausea bedeutete bei den Alten prosaisch nur die Seekrankheit 
mit Ekel und Erbrechen; über diese Bedeutung geht es poetisch 
nur bei Martial 4, 37, 9 hinaus, wird aber nicht allgemein und 
bildlich gebraucht in der Bedeutung Überdruss an etwas, wie man 
es im N. L. für fastidium angewandt findet. Ebenso ist es mit 
dem Yerbum nauseare, welches nur bei Phaedrus 4, 7, 25 R. 
N. Kl. für fastidire, ekel, stolz tun, gebraucht ist. — Unter den 
Neulateinern braucht Erasmus die Redensart ad aliquam rem nau- 
seare, bei ehvas Ekel bekommen, z. B. ad mentionem huius rei nau- 
seo, für huius rei cum mentio fit, indignor, fastidio afficior. 

Ne, wahrhaftig, sicherlich (so und nicht nae heisst das Wort, 
vgl. Landgraf zu Cic. S. Rose. S. 231), wird in der guten Prosa nicht 
in den Satz, welcher beteuert werden soll, eingeschoben, sondern 
steht zu Anfang des Satzes und zwar eines Satzes, der einem Be- 
dingungssatz folgt oder einem solchen voräufgeht, ferner unmittelbar 
vor den Fron. pers. ego, tu und den das Fron. pers. der 3ten Person 
vertretenden demonstrat. Fiirivörtern hie, ille, iste, also ne ego, ne tu, 
ne ille u. s. w. Wenn jedoch auf die Frage der Yerwunderung 
egone ? die bestätigende Antwort ja du erfolgt, so tritt ne hinter tu 
zurück. S. darüber Plaut. Stich. 635, Epidic. 575, Capt. 857, Trin. 
634. Ebenso tritt es hinter andere stärkere Versicherungspartikeln, 
wie edepol ne tu, Plaut. Men. 160 und edepol ne ego, ibid. 908; vgl. 
hierüber Lorenz zu Plaut. Most. 955, Brix zu Plaut. Trin. 634; nach 
dem Muster der Komiker hat sich auch Cicero einmal, aber in 
einem Briefe an Att. erlaubt, es nach mc dius fidius zu setzen, Att. 
4, 4a, 2. Beispiele davon, dass ne ohne Verbindung mit einem 
persönlichen oder demonstrat. Pron. gebraucht wird, sind nur bei 
den Komikern zahlreich, s. Hand Turs. IV S. 25, sehr selten in Prosa: 
8i '//iis existimet hob . . . benignitatü fines introrsus referre, ne 
perperam monitiones nosiras exaudiat, Sen. benef. 1, 15, 2; aber 

l\ i <■!•-- Sc h m ;i I /., Aiitiburbiiru.s II. \) 



Ne — 130 — Ne 

Liv. 34, 4, 16 und 26, 31, 10 können nicht mehr hieher gerechnet 
werden, wie aus den Texten von Luchs und Weissenborn hervor- 
geht. Vgl. zum ganzen meine Anm. 382 zu Reisig-Haase S. 130, 
Fleckeisen im Philol. 2 S. 65, Holtze II S. 309. 

Ne, dass nicht, damit nicht, wodurch ein Verbot und eine Ab- 
sicht negativ bezeichnet wird, werde nicht mit at non, so dass nicht, 
welches einen Erfolg angibt, verwechselt, was oft genug geschieht. 
Wenn aber ne konzessiv gebraucht ist, wie Cic. Tusc. 2, 14: qaare 
ne sit seine summum malum dolor, so kann dafür auch ut non stehen : 
ut enim non effleias, quod vis, tarnen mors ut malum non sit efficies, 
ibid. 1, 16 u. 23. — Ganz selten ist ne mit Konj. Praes., z. B.Plaut. 
Mil. 1378 ne me moneatis; die Kl. Sprache braucht diesen Modus 
nur in der allgemeinen zweiten Person, z. B. Cic. Cato 10 ne requiras, 
vgl. Madvig op. acad. II S. 105 und zu Cic. fin. S. 137; vgl. meine 
Syntax 3 § 205 Anm. 1, Lebreton S. 300. — Unklassisch ist ferner ne 
beim Imperativ; diese Konstruktion gehört der Umgangssprache an, 
findet sich demnach bei den Komikern, aber auch bei Verg. und 
Liv., vgl. Aen. 6, 544 und Liv. 3, 2, 9 ne timete ; näheres bei Reb- 
ling 1 S. 22 zu Sen. contr. 1, 2, 5 ne metue, puella, Riemann etudes 
S. 259, Meissner zu Ter. Andr. 384, Dziatzko zu Ther. Phorm. 803, 
meine Synt. 3 § 209, Georges Jahresber. 1884 S. 122, wo Plin. ep. 
8, 18, 11, Sen. const. 19, 4, Ovid met. 1, 101 zitiert sind und Livius 
3 (nicht 4), 2, 9 zu schreiben ist. Dafür braucht man noli, nolite, 
mit ff. Inf., z. B. noli, nolite Untere oder (seltener) den Konj. der 
2ten Pers. Sing, und Plural des Perf. act. : ne timneris, ne timueritis 
oder cave mit ff. Konj. : cave putes etc. Man versäume in der Schule 
doch ja nicht, ne feceris mit ayj Tzot-qarf zusammenzustellen und die 
Schüler auf die Aoristnatur dieses Perf. Konj. aufmerksam zu machen; 
vgl. Wegener Grundfragen S. 192, meine Syntax 3 § 205. 

Ne als Fragewort wird gewöhnlich mit der Negation ne zu- 
sammengebracht, vgl. meine Synt. 3 § 191 und O. Keller Lat. Etym. 
S. 74 (anders Glöckner s. u.). Es wird P. L. in Gegenfragen ver- 
doppelt gebraucht für ne — an; z.B. bonme, maline plus, ob mehr 
Gutes oder mehr Böses, für an mali plus. In Prosa finden wir dies 
merkwürdiger Weise bei Caes. Gall. 7, 14, 8 neque Interesse, ipsosne 
interficiant impedimentisyxe exnant, sonst nirgends; daher haben auch 
die neuesten Texte ipsosne interficiant an impedimentis exnant; die 
Dichterstellen sehe man bei Dräger H. Synt. II S. 497. Aber ne 
— necne, z. B. Cic. nat. deor. 1, 61 quaeritur, sintne di necne sint, 
findet sich wiederholt bei Cicero, vgl. noch Att. 15, 20, 4; vgl. 
Gutsche S. 85, Frese S. 68. — Ne ist auch = nonne, z. B. : videsne, 
videmusne, s. Seyff. seh. lat. I S. 44 unten; namentlich gilt dies für 
Plaut, und Ter.; dass bei diesen nonne noch gar nicht vorkomme, 
hatte Spengel „Die Partikel nonne im Altlat.% Progr. München 1867 
behauptet; allein schon Schrader S. 42 hatte die Existenzberechtigung 
von nonne verteidigt und Lease stellt in Americ. Journ. of Phil. XX 
S. 61 fest, dass nonne sich bei Plautus achtmal finde und zwar sechs- 



Ne — 131 — Ne 

mal im Amph. ; bei Ter. hat Lease sechs Stellen mit nonne gezählt. 
Ygl. ausserdem noch Morris Sentence question S. 41, Sigismund in 
comm. Jen. III S. 231, meine Syntax 3 § 193, Z. f. G. W. 1881 S. 103, 
Spengel zu Ter. Ad. 660, Lorenz zu Plaut. Pseud. 340, Meissner u. 
Spengel zu Ter. Andr. 17, Süpfle-Böckel zu Cic. ep. S. 373 9 ; für 
Cicero vgl. Landgraf zu Cic. S. Rose. S. 205. — Ebenso ist ne = num: 
potestne vi?~tus servire? Cic. de orat. 1, 226, vgl. Sorof z. St. u. Tusc. 
1, 67, vgl. Meissner z. St. und Cato 56. Im übrigen hat Glöckner 
in N. Jahrb. 1886 S. 615 ff. darauf hingewiesen, dass ne und num 
nicht nur in direkten, sondern auch in indirekten Fragen, jedenfalls 
nach den v. quaerendi, genau geschieden werden; im Archiv XI 
S. 491 findet er jedoch, dass die bekannte Regel, wonach in ab- 
hängigen Fragesätzen ne und num ohne wesentlichen Unterschied 
in der Bedeutung stehen, für die Praxis des Schulunterrichtes aus- 
reiche. Yon S. 491 — 501 gibt er dann eine wissenschaftliche Be- 
handlung von ne, das er „auf das schlechthin positive ne" (nae) zu- 
rückführt, sowie von num., in welchem er keine Negation erkennt, 
sondern „ein schwaches, tonloses, unbestimmtes, fragendes jetzt". Die 
Ausführungen verdienen gelesen zu werden. — Wird ne an eine 
Präposition angehängt? An eine einsilbige jedenfalls nicht; vgl. Cic. 
fin. 2, 104 in nostrane potestate, ib. 107 ad corpusne ? bei Cicero 
wohl überhaupt an keine Präposition, vgl. Kunze Sali. III, 2, S. 97 
Anm. — Auf niliilne wird in der Anaphora bloss nihil gesagt, s. 
Cic. Catil. 1, 1, wie nach nonne zumeist non. 

Ne in der Bedeutung nicht einmal, für ne — qaidem, ist nach 
Madvig (z. Cic. fin. 1, 39) durch kein sicheres Beispiel zu erweisen ; 
vgl. jedoch Ribbeck Part. S. 47. Jedenfalls werde es gemieden. 
Näheres sehe man in meiner Anm. 494 zu Reisig-Haase und Stilist. 3 
§ 40, sowie Cotta S. 33. 

Ne mit qaidem verbunden, nicht einmal^ auch sogar nicht, ist 
eingehend behandelt von Grossmann im Progr. von Allenstein 1884, 
vgl. auch Ribbeck lat. Part. S. 46. Die unmittelbare Zusammen- 
stellung ne qaidem ist sehr selten. Sie findet sich jedoch sicher bei 
Gaius und andern Juristen, die Stellen hat Kalb Roms Juristen 
S. 87 zusammengestellt. Man führte sonst noch Cic. Att. 2, 16, 4 
an, wo alle Handschriften haben: ego illud ne qaidem contemnam; 
doch seit Corradus liest man hier ego ne illud qaidem. — Ferner 
wo wir sagen: nicht einmal dann, wenn — ; d. h. in dem Falle, wenn 
— , sagt man latein. nicht ne tum qaidem si — , sondern nur ne si 

— qaidem, mit Weglassung von tum, wofür dagegen die Haupt- 
wörter des Konjunktionssatzes zwischen ne und qaidem treten; z. B. 
nicht einmal dann, wenn ihre Verdienste um mich noch so gross 
wären, ne si summa qaidem eorum in nie merita constaront (Cic. 
fam. 1, 9, 11); nicht einmal dann, wenn ich abweichender Meinung 
hin, ne si dissensero qaidem (Cic. Phil. 12, 16). Indes darf man ne 

— qaidem nicht durch zu viele Wörter und auch nicht durch be- 
liebige Wortverbindungen sperren; in der Regel soll nur Präpos. u. 



Nee — i32 — K 



ec 



Casus, z. B. Liv. 1, 40, 2 ne ab Tarquinio quidem, oder Konjunktion 
und betonter Begriff des Satzes dazwischen treten; z. B. Cic. acad. 
2, 119 ne ut dubitem quidem; sehr selten werden drei Wörter ein- 
geschoben, z. B. Cic. Mur. 36 ne cum esset factum quidem, vgl. die 
Beispiele, welche M. Müller zu Liv. 2, S. 159, namentlich aber 
Grossmann S. 5 zusammengestellt hat. — Verschieden davon ist ne 
tum (tum) quidem, cum — ; nicht einmal damals als, dann wann — . 
Vgl. Cic. off. 3, 49, fam. 3, 10, 8 und unten Tum si. — In N. 
Jahrb. 1890 S. 299 u. 778 hat Max C. P. Schmidt gezeigt, dass 
nicht posse, sondern der zu ihm gehörige Infinitiv selbst dann 
zwischen ne — quidem tritt, wenn posse verneint sein sollte, z. B. 
Cic. Plane. 73 cid ne referri quidem gratia posse videatur; diese 
Verschiebung ist wahrscheinlich an den passiven Inf. gebunden. — 
Endlich ist nee — quidem in der Bedeutung und nicht einmal oder 
auch nicht einmal selten und in Kl. und N. Kl. Zeit fast überall 
beanstandet; es steht nur noch Cic. fam. 6, 6, 2; Cato 27; Vell. 2, 
67, 1, Quint. 9, 3, 55 sicher. Im Sp. L. ist es nicht zu bezweifeln, 
dort kommt es jedenfalls bei script. hist. Aug., bei Lucif. CaL, bei 
Claud. Mam. u. a. vor, vgl. Madvig zu Cic. fin. S. 803 ff., aber auch 
Ribbeck Part. S. 47 f. u. Gudeman zu Tac. dial. 30; dann Praun 
S. 100, wonach nee — quidem bei Vitruv nicht kopulative, sondern 
steigernde Bedeutung annimmt, Dräger H. Synt. II S. 74, meine 
Stilist. 3 § 40, meine Anm. 497 zu Reisig-Haase S. 485, Hartel in 
Wölinins Archiv III S. 26, Kellerbauer in Neue Jahrbb. 1877, S. 623, 
Cotta S. 33, Bonnet Greg. S. 311. Für nee — quidem sage man et 
oder ac ne — quidem oder nur ne — quidem, welches für sich 
schon verbindende Kraft hat, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 111. — 
Noch bemerke man, dass vor den Worten ne — quidem, wenn das 
Verbum oder sonst etwas Bejahendes vorausgeht, dieses negativ, 
nicht affirmativ ausgesprochen werde; z. B. irgend eine schönere 
Gestalt (als diese) kann nicht einmal gedacht toerden, nulla (nicht 
idla) species ne cogitari quidem potest ornatior (Cic. de orat. 3, 179); 
nicht einmal jenes werde ich übergehen, non praetermittam ne illud 
quidem (Cic. Q. fr. 2, 5, 2) ; Caesar sagt, dass er nicht einmal bessere 
griechische Sachen gelesen habe, Caesar yiegat se ne Graeca quidem 
meliora legisse (ib. 2, 16, 5); denn nicht einmal dieses darf über- 
gangen werden, non enim praetereundum est ne id quidem; ich fliehe 
nicht einmal diese Menschen, non fugio ne hos quidem homines, vgl. 
Seyffert-Müller z. Lael. S. 46. — Doch wird nachkl., wenn ein Ver- 
bum mit der Negation vorangeht, statt ne quidem auch das positive 
et gesetzt: non praeter mittenda est et pumicum natura, Plin. nat. 36, 
154 und ebenso 36, 204: non praeteribo et unum foci exemplum 
Romanis litteris darum. 

Nee und neque unterscheiden sich weder in der Bedeutung, noch 
im Gebrauche, vgl. Seyffert-Müller zu Lael. S. 283, Rhein. Mus. 37, 
S. 101, Kalb in Wölfflins Archiv I S. 88; immerhin aber lässt sich 
eine Vorliebe, neque vor Vokalen zu gebrauchen, nicht in Abrede 



Nee — 133 — Nee 

stellen; Caes. hat vor Vokalen nur neque, Lebreton Caes. S. 100. 
Nee und neque stehen nur für et non, nicht für et ne, und können 
daher streng genommen in verbietenden Sätzen, besonders beim Im- 
perativ, nicht angewandt werden; gewöhnlich setzt man dafür 
neu oder neue. Doch findet sich selbst bei Cicero an einzelnen 
Stellen neque für et ne nach vorausgehendem ut, wie Yerr. 3, 115 
und de orat. 1, 19, ferner nach Imperativ und imperativischem 
Konjunktiv, z. B. Cic. fam. 1, 9, 19 recordare nee timueris, off. 
1, 92 utilem se praebeat nee lubidini pareat, nicht aber nach 
ne. An dieser Regel, dass nee nie bei Cicero zur Fortsetzung von 
ne dient, dass also bei ihm ne — neque nirgends anzunehmen ist, 
muss unbedingt festgehalten werden. Vgl. C. F. W. Müller zu Cic. 
off. S. 57, meine Anm. 496 zu Reisig-Haase S. 482, meine Syntax 3 
§ 269. Auch bei Livius findet sich neque oder nee nach ut, wie 
3, 52, 11; 7, 31, 9; 27, 20, 12 und 39, 10, 8. Dies kommt 
indes bei ihm selbst nach ne vor, wie Liv. 2, 32, 10; 3, 21, 6; 
26, 42, 2 und 40, 46, 4; vgl. M. Müller zu Liv. 1, 2, 4, Frieders- 
dorff zu Liv. 26, 42, 2, Kühnast S. 373. Caesar und Sallust meiden 
nee nach ne, aber Nepos nicht, vgl. Lupus S. 150, welcher für Cic. 
off. 1, 91 noch nee festhält, auch Tacitus nicht, vgl. ann. 11, 18 ne 
qais agmine decederet nee pitgnam nisi iussus iniret, vgl. Nipp, zu 
Tac. ann. 1, 43 und 6, 12; nach Tacitus findet sich ne — neque 
allenthalben, vgl. Dräger H. Synt. II S. 606. — Auch brauche man 
neque nicht in der Bedeutung und nicht in solchen Verbindungen, 
wo der Sinn ist: und nicht vielmehr; hier ist dafür gewöhnlich ac 
non, seltener et non gebräuchlich. Vgl. Matthiae z. Cic. S. Rose. 33, 
92. — Und weder noch ist klass. nee aut . . . aut, z. B. Cic. Lael. 
65 neque vero aut fidus aut stabilis potest esse, ferner nee . . nee, 
z. B. Caes. Gall. 1, 36, 5 Haeduis se obsides redditurum non esse 
nee iis nee eorum soeiis iniuria bellum inlaturum, auch que nee — 
nee, z. B. Cic. Phil. 12, 12 iisque nee populum nee plebem teneri, 
14, 34 eosque nee inhumatos esse nee dese?~tos. Seit Livius findet 
man auch et nee . . yiee, z. B. Liv. 10, 29, 2 torpere quidam et nee 
pugnae meminisse nee fugae; vgl. noch 29, 24, 10; 39, 50, 2; Celsus 
sagt ac neque — neque, vgl. S. 14 D. — Unser aber nicht wird im 
Anfange eines vollen Satzes, wo es nicht adversative Verneinung 
einer vorausgehenden Bejahung ist, nicht durch non autem oder non 
vero, sondern durch neque vero ausgedrückt; denn neque autem steht 
zwar bei Plaut. Aul. 30 illa illum nescit neque compressam autem 
pater, und N. Kl. bei Plin. nat. 9, 115 nee in Acarnania autem. vgl. 
Grasberger S. 115, sonst aber nur bei korrespondierendem neque und 
so selbst einmal bei Cicero, fam. 5, 12, 6. Vgl. Dräger H. Synt. 
II S. 124. — Davon unterscheide man ein anderes aber nicht oder 
nicht aber, durch welches wir adversativ dem vorausgegangenen 
Bejahenden verneinend etwas entgegensetzen; z. B. das sind Fehler 
des Charakters, nicht über oder aber nicht des Alfers; — hier wäre 
falsch neque vero, non vero, non autem, sed non, da sich der Lateiner 



Nee — 134 — Nee 

mit non begnügt; also non senectutis. Dafür kann aber auch nee 
oder neque stehen, dessen adversativer Charakter nicht genug, be- 
achtet wird, vgl. meine Synt. 3 § 225, Burg S. 56, Näg.-Müller 9 
S. 771, Freund S. 67. S. Sali. Cat. 24, 3, Jug. 88, 4, Liv. 5, 12, 5 
und 3, 55, 1, Plin. epp. 3, 1, 9, Quintil. 8, 6, 74, Tac. Agric. 8. — 
Über nee vero etiam, aber auch nicht, und nee etiam, und auch nicht, 
vgl. Etiam. — Ebenso ist es N. L., nee für non zu brauchen, z. B. 
Wolfius nee Heynius, für non. — Beim Gebrauche von nee — nee, 
weder — noch, kann das Hauptverbum, wenn es vor das erste nee 
gesetzt wird, auch noch non bei sich haben, ohne dass dadurch eine 
Bejahung entsteht; es darf aber nicht später nachfolgen; z. B. ich 
kann vor Tränen das übrige weder denken, noch schreiben, prae 
lacrimis non possum reliqua nee cogitare, nee scribere, nicht reliqua 
nee cogitare, nee scribere prae lacrimis yion possum (Cic. Att. 9, 12, 
1). Das gleiche gilt, wenn nemo, nihil vorausgeht, vgl. oben I S. 227 
s. v. Aut. — Dagegen kann nach ne — quidem und nach neque 
enim (denn nicht) nicht nee — nee folgen, wo wir weder — noch 
brauchen, sondern dafür muss aut — aut stehen; z. B. man kann 
aber nicht einmal zu dieser Denkkraft gelangen, tueder plötzlich, noch 
schnell, sed ne ad hanc quidem vim cogitandi perveniri potest, aut 
subito, aut cito, nicht nee subito, nee cito (Quintil. 10, 6, 2. Vgl. 
Liv. 1, 3, 4, Plin. epp. 8, 23, 9). — Nicht zu beanstanden ist ut neque 
— neque in finalem Sinne, vgl. Cic. fam. 1, 9, 17; 9, 2, 3, Att. 8, 

11, 8 D, fin. 4, 9, vgl. Madvig z. St. und Seyffert - Müller z. Lael. 
S. 283; doch findet sich auch ut neve — neve fam. 1, 9, 19, Att. 5, 21, 

12, ne aut — aut, de orat. 2, 177, Caes. Gall. 1, 43, 9, ne neque — 
neque Caes. Gall. 7, 75, 1, Cic. div. Caec. 73, ne neve — neve leg. 2, 
67, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 283. — Im N. L. findet sich sogar 
nee nach sine, für et oder ac mit und ohne sine; z. B. sine loco nee 
anno, ohne Ort und Jahr, für et anno oder ac sine anno. — End- 
lich merke man, dass bei Cicero nee für ne — quidem, nicht einmal, 
auch nicht ganz selten vorkommt, z. B. top. 23, fam. 4, 4, 1, vgl. 
K. P. Schulze Berlin 1898 Progr. S. 4 gegen Madvig Cic. fin. S. 816 
ff. Sali, sagt im Cat., wo er ne — quidem noch nicht gebraucht, 
neque tarnen, vgl. Cat. 19, 2; doch hat nee = ne quidem die 
Autorität von Livius für sich. S. Liv. 5, 33, 11; 30, 15, 7; 
ibid. 42, 7 (aber Luchs tilgt neque)] 23, 18, 4 und 34, 32, 9; 
vgl. H. J. Müller zu 31, 22, 7 und Novak Stud. 1894 S. 82, sowie 
meine Stilist. 3 § 40. Auch Curtius, beide Plinius, Seneca, Colum. 
und Sueton bieten dafür viele Stellen, s. Mützell zu Curt. 7, 25, 
4; ebenso die Dichter seit Plautus, namentlich aber das Sp. L. 
ist reich an Beispielen, vgl. Dräger H. Synt. II, 71, meine Stilist. 3 
§ 40, Lönnergren S. 20 f., Freund S. 66, Schulze 1. 1., Kott- 
mann S. 10, Hartel in Wölfflins Archiv III S. 26, Madvig zu 
Cic. fin. 802 f., Ribbeck Part, S. 25 f., Grasberger S. 117; für die 
Juristen vgl. Leipold S. 23 (hier ist nee si — ood? ei, nee quisquam 
= oütf elg). 



Necne — 135 — Necator 

Necne, oder nicht, ist nach einer Frage mit quid, quando und 
ähnlichen unlateinisch; man sagt dafür aut non mit wiederholtem 
Yerbum. Ygl. darüber Aut. — Koch unpassender ist es, wo gar 
keine Frage steht, z. B. er mag wollen oder nicht, velit necne, für 
velit aut nolit, oder kurz velit nolit; vgl. Cic. nat. deor. 1, 17 ut 
mihi, velim nolim, sit certa quaedam tuenda sententia, vgl. Gutsche 
S. 96. Auch beachte man, dass necne, mit Ausnahme von Cic. 
Tusc. 3, 41 und Flacc. 59, sowie vorher von Lucr. 3, 711, nur in 
indirekter Frage gebraucht wird und zwar so, dass man nach 
necne das Yerbum gewöhnlich nicht wiederholt, z. B. Cic. off. 1, 48 
demus necne, in nostra potestate est; doch geht auch die Wieder- 
holung desselben an, s. Tischer zu Cic. Tusc. 2, 29 doleam necne 
doleam nihil interesse. Ygl. Dräger H. Synt. II S. 494, Holtze Lucr. 
S. 192, namentlich aber Gutsche S. 87 f. In direkter Frage heisst 
oder nicht an non; dies findet sich bei Cic. in indirekten Fragen 
höchst selten, inv. 1, 94; 2, 60; Balb. 22. 

Nee non oder neque non, ferner nee nullus (neque nidlus) bilden 
ursprünglich im Lat. so wenig eine Bejahung als dies im Griechischen, 
Deutschen und in den romanischen Sprachen beim Zusammentreffen 
zweier Negationen sein muss, vgl. Plaut. Cure. 580 neque tuas minas 
non pluris facio quam. Dies hat sich bis Yarro erhalten; bei diesem 
Schriftsteller können wir den Übergang zu dem Gebrauch, wonach 
zwei Negationen eine Bejahung bilden, bemerken, und in klass. Zeit 
ist er der herrschende. Aber die frühere Übung liess sich nicht 
ganz verdrängen; so lesen wir im b. Afr. 8, 4 neque locum excusatio 
nidlum hoher et und selbst bei Livius 43, 13, 1 non sum nescius 
neque nuntiari nidla prodigia neque in prodigia referri, 32, 26, 18; 
vgl. Wölfflin zu b. Afr. 8, 4 und Archiv YI S. 103. — Cicero stellt 
nie neque non zusammen, ausser wo neque — neque sich entsprechen, 
wie fin. 2, 15, fam. 3, 12, 2 und sonst; überall ist vielmehr neque 
durch ein oder mehrere Wörter von non getrennt, wie z. B. S. Rose. 
15 neque haec tu non intellegis, und überall verknüpft es Sätze, 
nirgends einzelne Wörter. Dagegen hat Yarro schon neque non sich 
unmittelbar folgen lassen, dann Yergil, und von da ab findet man 
allenthalben nee non, sogar nee non et oder etiam, was gleichfalls 
Yarro zuerst aufweist, und jetzt auch zur Yerbindung einzelner 
Wörter. Näheres sehe man in meiner Syntax 3 § 262 und Stil. § 40, 
Dräger H. Synt. II S. 68, Ziemer junggr. Streifzüge S. 141, Spengel 
zu Ter. Andr. 205, Ritschi op. II S. 334, Opitz Progr. Dresden 1884, 
S. 16, Sittl lok. Yersch. S. 98, id. bei Bursian-Müller 1877—83, 
S. 336, Seck II S. 20, meine Anm. 619 zu Reisig-Haase, Koziol 
Apul. S. 142, Wölfflin Cass. Fei. S. 427, Landgraf Z. f. ö. G. 1882, 
S. 433, id. zu Cic. S. Rose. S. 221; Keil zu Yarro r. r. 1, 2, 23, 
lleidrich S. 63, Burg S. 57, Kalb Roms Juristen S. 132 (Ulpian 
führt nee non, nee non et ein), Archiv YIII S. 181. 

Necator, der Mörder, ist 8p. L. für homieida, sicarius, percussor, 
Über interfector vgl. dieses Wort. 



Necessarie — 136 — Necesse 

Necessarie, notwendiger Weise, ist eine sehr seltene Form für 
die gewöhnlich übliche necessario. Sie steht Cic. inv. 1, 44 und 2, 

4, Yal. Max. 7, 6, 3, Cypr. 285, 25 H, Ps. Cypr. S. 55, 20 und 

5. 62, 12 H. Ygl. Thielmann Cornif. fi. 54, Georges Jahresb. 1880, 
S. 396, Neue 3 II, 627, wo noch mehr Stellen aus Sp. L. sich finden. 

Necessarius wird in der Bedeutung nahe bekannt, befreundet, 
verwandt, wie amicus und familiaris, nicht nur mit dem (am häufig- 
sten vorkommenden) Genitiv (wie ein Subst.), sondern auch mit dem 
Dativ als Adjekt. verbunden, z. B. mihi und mens, patri und patris 
necessarius. Das Neutr. necessarium mit est wird mit einem In- 
finitiv, der sein Subjekt ist, und dem Dativ der Person, deren not- 
wendige Pflicht etwas ist, verbunden; z. B. senatori necessarinm est 
nosse rempublicam, ein Senator mass den Staat kennen (Cic. leg. 
3, 41). Necessarium est kann aber, auch wenn kein Dativ eines 
Nomens oder Fron, damit verbunden ist, ebenso gut wie necesse est 
mit dem Infin. oder Accus, c. infin. konstruiert werden. Dafür vgl. 
Caes. civ. 3, 11, 1 necessarium esse existimavit de repentino adventn 
Caesaris Pompeium fieri certiorem. Ferner wird necessarium est 
mit ut konstruiert bei Cic. part. or. 31 nam nt dilucide probabiliter- 
que narremus, necessarium est. Näheres siehe bei Ott im Progr. von 
Rottweil 1869, S. 10, meine Anm. 484 zu Reisig-Haase S. 438, 
Dahl S. 249. — Auch der Plural necessaria ohne den Beisatz iisai, 
usibus, oder ad vitam, ad vivendum ist nicht zu bezweifeln, vgl. 
Front, strat. 3, 14, 4, Sali. Jug. 73, 6; Persae more solito armis 
positis ad necessaria ex proximo vico ferenda discurrunt Curt. 5, 
12, 6. Allerdings aber ist gewöhnlicher res ad vitam necessariae y 
necessarii vitae usus u. dgl. 

Necesse, necessis und necessus (necessim) werden eingehend 
besprochen von Brugmann (Sächsisch. Ges. d. Wiss. 1900 S. 400) und 
Skutsch Archiv XII S. 197. Necessus ist = ne cessus, also necessus 
est = es ist keine Möglichkeit auszuiv eichen. Necessum und necesse 
erklärt Brugmann für neutrale Adjektivformen, Skutsch aber sieht 
in necessum einen erstarrten Accusativ, nimmt neben necessus ein 
necessis (Abstrakt wie necessus) an, dessen auslautendes is sich zu 
e abstumpfte. Ygl. hiezu noch Zimmermann Progr. Posen 1891 u. 
Archiv XII, 366, wo darauf hingewiesen wird, dass necessis als 
Subst. schon von Lachmann in Lucr. 6, 815 eingesetzt wurde. Necesse 
ist die allein klassische Form; vgl. über necessum und necessus unten 
s. v. ; es wird als Indeclinabile oder als Neutrum mit esse verbunden: 
necesse est, es ist nötig, notwendig, es muss. Dazu kommt ein 
Infinitiv, entweder mit einem Dativ oder mit einem Accusativ; z. B. 
mihi (wenn die innere Beteiligung der Person an dem, was ge- 
schehen muss, hervorgehoben werden soll, vgl. Böckel zu Cic. epp. 10 
S. 103 in stiller Polemik gegen Lahmeyer zu Cic. Cato 30) oder me 
st ribere necesse est, ich muss schreiben, oder auch mit dem Nomina- 
tiv der Person und dem Konjunktiv; diese Konstruktion ist klass. 
nur dann üblich, w r enn necesse est im Ind. Präsens steht, z. B. 



Necessitas — 137 — Necessum 

necesse est virtus voluptatis aditus intercliidat, Cic. fin. 2, 118; vgl. 
Stegmann in N. Jahrb. 1887 S. 259. Seltener ist ut, s. rhet. Her. 

4, 23, Cic. inv. 2, 172, de orat. 2, 129, Brut. 289, Colum. 3, 21, 6, 
Sen. epp. 78, 17, n. q. 2, 14, 2, Cypr. 803, 21 IL; oft erst bei 
Lactanz, s. Bünemann zu inst. 3, 12, 7; vgl. zu necesse est ut Dahl 

5. 249, Thielmann Cornif. S. 85, meine Anm. 484 zu Reisig-Haase 
S. 440, Ott im Progr. Eottweil 1869, S. 11, Kottmann S. 34. — 
Ausserdem findet sich seit Terenz vereinzelt in der gesamten Latini- 
tät necesse habere, nötig haben, für nötig halten, womit aber nur 
ein Infinitiv verbunden wird; z. B. necesse habeo ad te scribere, ich 
halte es für nötig, an dich zu schreiben; die Stellen haben verzeich- 
net Landgraf elocut. S. 44 und zu Reisig-Haase Anm. 546 a, LIellmuth 
act. Erl. I S. 171, Georges im Jahresber. 1880, S. 416 und S. 426. 
Für den Kl. Gebrauch bemerke man, dass Cicero nur negiertes 
necesse habeo kennt, gerade wie auch Ter., vgl. Ad. 51; die Stellen 
aus Cicero hat Landgraf 1. 1. alle gesammelt. Ygl. noch Seck I 
S. 21 und II S. 5, Thielmann in Wölfflins Archiv II S. 88 und S. 71, 
id. Cornif. S. 77, Köhler act. Erl. I S. 453, Rebling 1 S. 25, Praun S. 13, 
Köhler Lent. S. 41, Leipold S. 5, Rönsch Coli. phil. S. 46. Ganz Sp. L. 
aber in der Vulg. I regg. 18, 25 und evang. Marc. 2, 17 non necesse 
habent sani medico findet man es auch mit einem Ablativ oder 
Accusativ verbunden, necesse habere aliqua re oder aliquam rem, 
etwas nötig haben, für opus esse aliqua re, ebenso necesse est in- 
vocatione Ps. Cypr. 82, 24 H. Ygl. Ott Progr. Rottweil 1869, S. 11. 
Ebenso Sp. L. ist die Parataxe bei necesse est, z. B. Hilar. Pict. sup. 
Psalm 120, 10, S. 658, 14 Migne ille necesse est custodietur, vgl. 
Stowasser in Wölfflins Archiv II S. 318. 

Necessitas bedeutet in der bessern Prosa nur das, was wir mit 
einem Kollektivwort die Notdurft nennen (Cic. Cluent. 68), nie aber 
ein einzelnes leibliches oder geistiges Bedürfnis; aber necessitates, 
mit und ohne den Genitiv corporis, in der Bedeutung leibliche oder 
Leibesbedürfnisse ist nicht unlateinisch. S. Cic. divin. 1, 110: vitae 
necessitatibus servire und sustinere necessitates aliorum, Liv. 6, 15, 9. 
Ygl. auch Tac. Germ. 15 und Sen. benef. 4, 5, 1. Wie dies ge- 
wöhnlich ausgedrückt ist, s. unter Necessarius. — In der Bedeutung 
Verwandtschaft gebrauche man nur necessitudo, obwohl selbst Caesar 
(vgl. Gell. 13, 3, 5) einmal in einer Rede necessitas — Verwandtsc] t oft 
verwendet hat. 

Necessitudo, die Notwendigkeit, war die ältere Form für neces- 
sitas und wurde nachher in der bessern Prosa auf die Bedeutung 
Bekanntschaft, Freundschaft, Verivandtschaft beschränkt; so findet 
es sich klass. auch im Plural, z. B. Cic. Sest. 39 omnes amicitiae 
necessitudines (Sp.L., z. B. bei Amm., ist necessitudines = Verwandte). 
Nur so brauche man es, nicht im Sinne von Not, vgl. Seyffert-Müller 
z. Lael. S. 454, Krite au Sali. Cat. 17, 2; Kunze Sali. III, 1, 8. 

Necessum ist A. L. Form bei Plautus u. a. für necesse; sie findet 
sich in Kl. Zeit nur bei rhet. Her. 4, 13 ergo <tli<//ut/ fuisse necessum 



Nee opinus — 138 — Negare 

est, ist bei Liv. 34, 5, 2 und 39, 5, 9 von Weissenborn durch necesse 
ersetzt, erscheint wieder bei den Archaisten, häufig bei Gellius; vgl. 
Holtze Lucr. S. 117, Reichenhart Inf. S. 476, Thielmann Cornif. S. 44, 
Kühnast S. 387, Gorges Gell. S. 17. — Necessus treffen wir bei Terenz, 
vgl. Engelbrecht S. 30, im Sc. de Bacan. und in einer Rede Scipios 
bei Gell. 5, 19, 16; vielleicht ist es eine Analogiebildung nach opus 
est, die man aber als unnötig bald aufgab, so Keller Etym. S. 75 
(vgl. oben s. v. necesse die zweifellos richtige Erklärung von Brugmann). 

Nee opinus, unvermutet, ist nur P. L. für nee opinans oder 
necopinatus. Nee opinans findet sich öfters bei Cicero, so in den 
Reden Süll. 54, Phil. 1, 20; 13, 18; Tüll. 21; Plane. 40, ferner 
fam. 13, 18, 1 und 15, 4, 6; aus Caesar kann man es nicht belegen, 
offenbar weil er nee nicht vor Yokalen gebraucht; umgekehrt lässt 
sich für das von Caesar öfters gebrauchte inopinans keine Stelle aus 
Cicero beibringen; neque opinans schliesslich steht nur bei Caesars 
Fortsetzern, vgl. Köhler act. Erl. I S. 404. Necopinatus haben Cic. 
u. Liv. in der ersten Dekade, nirgends Caes.; inopinatus Caes., Cic. 
u. Liv.; vgl. auch Stacey in Archiv X S. 63 u. Eberhard zu Cic. Phil. 
1, 20. 

Nectar ist in bildlichem Sinne, jede Lieblichkeit, SüssigJceit, nur 
P L.; ebenso neetareus für dulcis, iueundus, snavis. 

Nectere, knüpfen, binden, ist zwar gut und Kl., aber comam 
oder capillum nodo oder in nodum nectere, das Haar in Knoten 
knüpfen, ist nur P. Lt. für capillum nodo vincire, erinem in nodum 
cogere. Über die Konstruktion von nectere, das Cic. nur im Passiv 
mit Dativ, sonst mit inter oder ex verbindet, vgl. Landgraf Progr. 
1899, S. 20. 

Negantia, die Verneinung, werde als äxa<; elp, (Cic. top. 57), 
ersetzt durch negatio, was Cicero sonst gebraucht, z. B. fat. 15. — 

Negare, leugnen. Man hat gesagt, es werde im Passivum wohl 
nur personal mit dem {Nominativ und dem) Infinitiv, nicht imper- 
sonal mit dem Accus, und dem Infin. verbunden. Dabei konnte 
man sich auf Cic. Quinct. 68 Quinctius negetur absens esse defensus, 
Caec. 44 ibi vis facta negabitur, Livius 4, 6, 3 plebes indigna- 
tione arsit, quod auspicari negarentur posse und Stellen aus dem 
silb. Latein, namentlich aus Plin. nat. berufen. Aber nach zusammen- 
gesetzten Formen wie negari non potest, num negari potest, num 
negandum est steht der Accus, c. infin. nicht bloss bei dem Kirchen- 
vater August, de doctrina christ. 2, 29 und bei Capit. in v. Clod. 
Alb. c. 3, 4, Lact. 1, 11, 38, sondern selbst bei Cicero: primum igitur 
aut negandum est, esse deos, aut . . . nat. deor. 2, 76; quid verof negarine 
allo modo possit, nunquam quemquam stabili et firmo et magno animo 
effici posse, nisi . . . fin. 3, 29; num igitur negari potest, tripartito 
classem distributam fuisse, Flacc. 32. — Die Konstruktion non nego 
quin ist nicht KL; sie steht wohl zuerst bei Yerg. Aen. 10, 614 
und ist von da auch zu Liv. 40, 36, 2 und zu Sp. übergegangen. 
Vgl. Kühnast S. 233. 



Negativus — 139 — Negotium 

Negativus, verneinend, ist Sp. L., aber bei den Grammatikern 
stehendes Kunstwort; Cicero und andere brauchen dafür ner/ans (Cic. 
top. 49) oder privans (ib. 48) als Gegensatz von aiens, bejahend. 
Vgl. Privativus. 

Neglectus, die Vernachlässigung , ist sehr selten und steht nur 
A. L., N. Kl. beim altern Plinius und Sp. L. bei Symm., vgl. Schulze 
S. 17, und bei Gregor epp. 10, 40 extr. und 9, 60 init. 
für die Kl. Form neglectio, welche freilich ebenso selten ist, und 
für das häufig vorkommende neglegentia. Neglectio und neglegentia 
unterscheiden sich wie ignoratio und ignorantia, vgl. oben s. v. Ig- 
noratio ; ersteres bezieht sich auf den einzelnen Fall, letzteres be- 
zeichnet eine habituelle Eigenschaft, vgl. Seyffert-Müller zu Lael. 
S. 440. Übrigens ist neglectio abgesehen von Cic. Mur. 9 nur noch 
aus Fulg. Rusp. remiss. pecc. 1, 6 nachgewiesen, vgl. Gölzer Hier. 
S. 82. Zwar sagt Terenz (Heaut. 357) haec res neutiquam neglectui 
est mihi; aber neglectui habere ist ohne Autorität und muss, da es 
unerwiesen ist, vermieden werden. Vgl. Nieländer 1877, S. 5. 

Negotiator kommt erst nachklass. und Sp. L. für mercator vor; 
jenes bedeutet denjenigen, ivelcher Handelsgeschäfte im grossen, ent- 
xueder mit Geld oder mit Waren, z. B. Getreide, durch Kauf, Verkauf 
oder Darlehen treibt, während mercator der Handelsherr im grossen 
ist in Beziehimg auf Einkauf und Wiederverkauf von Waren. Ebenso 
sind negotiari und mercaturam facere verschieden. 

Negotium ist nie eine luissenschaftliche Beschäftigung, welche 
studium heisst, sondern jedes Geschäft, welches ich für einen andern 
oder für mich betreibe. Wenn aber Geschäft so viel ist, als Amt, 
Pflicht, Sache, so heisst es munus. Wo wir sagen: einem ein Ge- 
schäft auftragen, d. h. etwas zur Besorgung übertragen, sagt man 
lat. alicui negotium dare oder mandare, beziehungsweise committere, 
s. darüber unter Committere. Bei negotium gerere ist der Sing, 
(meistens von der Verwaltung ökonomischer Angelegenheiten ge- 
braucht) bei Cicero in der Regel auch da allein üblich, wo von einer 
Mehrheit der Geschäfte oder geschäftstreibenden Personen die Rede 
ist, s. Cic. Süll. 58, Sest. 97, Vatin. 12, Lael. 86. Daher sind 
Geschäftsleute negotii gereutes, s. Cic. Sest. 97 und Nägelsbach Stil. 
§ 54, 5. — Mit leichter Mühe, ohne grosse Mühe (Arbeit) heisst klass. 
mdlo negotio, Cic. S. Rose. 20 oder sine negotio Nep. Ages. 5, 4, 
vgl. Landgraf zu Cic. S. Rose. 169; facili negotio, wie oft gesagt 
wird, ist erst Sp. L. bei Aur. Vict. de Caes. 39, § 38, wofür bei 
Amm. Marc, levi negotio oder levi labore steht, 18, 1, 2; 20, 10, 2; 
26, 6, 10; 27, 10, 10 und 31, 8, 5. Dafür sagt Seneca: ne levi 
quidem opera aut parvo labore cognosdtur, epp. 76, 6. Parro negotio 
ist bis jetzt durch keine Stelle bezeugt. Wenn aber magno negotio 
bei Cels. 7, 5 init. und Hirt. b. Alex. 8, 4, wenn parvus läbor auch 
bei Sali. ep. Mithr. 16, wenn not/ minore negotio Cic. Verr. 5, 175, 
wenn endlich nou minus negotii habere bei Sen. tranq. a. 2, ö 
und minimo negotio bei Oros. 3, 1, 17 gefunden wird, so dürfte 



Nemesis — 140 — Nemo 

dadurch auch parvo yiegotio gedeckt werden. — Die Redensart alicui 
negotium est cum aliquo, mit einem zu hin haben, wird meist ge- 
braucht, wenn der Begriff der Unannehmlichkeit oder Verdriesslich- 
keit ausgedrückt werden soll. So ist wenigstens Cael. bei Cic. fam. 

8, 8, 9 Pompeio cum Caesare esse negotium nach Manutius aufzu- 
fassen. Bedenken wir aber, dass negotium in der Vulgärsprache = 
res gebraucht wurde, (vgl. Wolfflin Philol. 34, S. 147, Thielmann 
Cornif. S. 31 und Bayr. Gymn. XVI S. 207 und 358, Lorenz zu 
Plaut. Mil. 521 und Pseud. 976, Z. f. G. W. 1881, S. 130, Kraut 
Progr. Blaubeuren 1881, S. 4, Schmalz Pollio 2 S. 46, Burg Caelius 
S. 60, Bergmüller Plane. S. 25, Menge zu Caes. Gall. 3, 15, 4), 
so werden wir in nunc mihi cum universis negotium est bei Tac. 
dial. 18 die gleiche Wendung erkennen wie ib. 10 tecum mihi, Ma- 
terne, res est. — Über negotium conficere = das Geschäft abmachen, 
den Fall erledigen, vgl. Bergmüller Plane. S. 25. 

Nemesis kommt nur als Eigenname der Göttin der Gerechtigkeit 
vor, nie aber für iustitia oder ultio, vindieta (Rache, Vergeltung). 
Man sage also nicht: Nemesin exercere in aliquo, Rache an jemanden 
ausüben. Tändelnd nennen sich auch im N L. die Juristen Nemesis fllii. 

Nemo, niemand, hat in klass. Prosa erweislich nur den Dativ 
nemini und den Accus, neminem; die Form des Genit. neminis ist 
nur A. L. und aufgegeben bei Cic. Att. 14, 1, 1 und Cael. 56, vgl. 
Boot zu Cic. Att. 14, 1, 1, wogegen nullius das gewöhnliche ist. 
Die Ablativform nemine für nullo oder nalla findet sich Kl. nirgends; 
die einzige Stelle Cic. fragm. orat. tog. cand., wo Orelli neque alio 
nemine lesen wollte, ist von C. F. W. Müller in ne quem alium 
nominem hergestellt. A. L. aber findet sie sich bei Plaut. Mil. 1062 
und N. Kl. öfter bei Sueton und Tacitus. S. ausser lust. 1, 9, 10; 

9, 1, 4 und 12, 11, 8 und Tac. ann. 16, 27, hist. 2, 47, Suet. 
Octav. 45, Tib. 12; 17; 73, Cal. 46, Nero 47, Vitell. 17, Tit. 7, vgl. 
Bagge S. 106, Heraus zu Tac. hist. 2, 47. Der Dativ nemini ist bei 
Cicero die allein übliche Form; aber sie findet sich auch Sali. Catil. 
13, 1, Jug. 24, 5, Caes. civ. 1, 85, 12. Hieraus erhellt, dass die 
Behauptung Stürenburgs, dass Cäsar, Sallust und Tacitus die casus 
obliqui von nemo gar nicht gebraucht haben, nicht Stich hält. Somit 
lasse man in der Schule deklinieren: nemo, nullius, nemini, neminem, 
nullo. Näheres sehe man bei Stürenburg comm. II zu Cic. off. und 
meine Anmerk. 361 zu Reisig-Haase S. 69 ff., Klotz Stil. S. 209. — 
Zu bezweifeln ist gewiss nemo masciäus, keine Mannsperson, für 
nemo vir oder nemo mas, indem zu nemo, welches Substantiv, und 
adjektiv. meist nur von Personen, äusserst selten von Sachen ge- 
braucht wird {neminem excepit diem, Prudent. Perist. 10, 744), noch 
Substantiva hinzutreten, wodurch es dem malus gleich wird, wie 
denn nemo civis, nemo miles, sogar nemo homo und nemo deus 
vorkommt. Die Stellen für nemo homo siehe bei Holtze I S. 343 
und S. 409, Hellmuth act. Erl. II S. 51 und S. 165, Landgraf S. Rose. 
S. 374, Bergmüller Plane. S. 27, Thielmann Archiv VIII S. 260. 



Nempe — 141 — Neograecus 

Bei Cicero sind nemo und homo gewöhnlich durch einige Worte 
getrennt, z. B. S. Rose. 135 ut hominem prae se neminem putet; 
Ausnahmen Süll. 25, fam. 13, 55, 1. Nemo dens steht Cic. nat. 
deor. 1, 121 neminem deo nee deum nee hominem carum viiltis. — 
Zweifelhaft ist, ob man: niemand ist dem andern ähnlich, gleich gut 
übersetzen könne durch nemo nemini similis est und nemo älteri similis 
est, da nur für das letztere Beispiele vorhanden sind (Quintil. 2, 8, 2 u. 
Liv. 1, 17, 4), sowie bei neide?' in ähnlichem Falle gewöhnlich alter 
folgt. Vgl. Neider. — Nemo mit angehängtem dum — nemodum, 
noch niemand ist unlat. S. Lahmeyer zu Cic. Lael. 18 und Klotz 
Stil. S. 209. Für die Gegenwart sagt man nemo adhuc oder adhuc 
nemo, vgl. Cic. Lael. 18. Für die Vergangenheit wird einfach nemo, 
oder seltener nondum quisquam gebraucht; nondum steht für die 
Gegenivart and Vergangenheit, nihildum bei Cicero nur von der 
Vergangenheit und nullusdum bei Livius öfter, aber bloss adjektivisch 
und nur von der Vergangenheit gebraucht; vom Standpunkt der 
Gegenwart aus sagt jedoch Liv. 39, 15, 2 n alias adhuc vires 
coniuratio habet, ebenso 6, 40, 18 (der Unterschied ist von Stacey 
1. 1. nicht erkannt). S. Weissenborn zu Liv. 3, 50, 16 und 29, 11, 
2; Stacey im Archiv X S. 63. 

Nempe, nämlich, wird von nam + pe hergeleitet, vgl. Tegge 
S. 364 nach Corssen Kr. B. z. lat. Formenl. S. 293 ; nach Stowasser 
Arch. XII S. 418 ist es ein Lehnwort = enem-pe = etenim. Es dient 
nie nach Angabe von etwas Allgemeinem zur Aufzählung des einzelnen 
darin Enthaltenen, sei die Rede von Personen oder Sachen, weil 
dann im Lateinischen das eingeschobene Wort nämlich entweder 
unübersetzt bleibt oder durch id oder dico übersetzt wird. Es ist 
derselbe Fall, wie bei scilicet. Näheres sehe man bei Landgraf zu 
Reisig -Haase Anm. 433 zu S. 292, Dräger H. Synt. II S. 173, 
Nägelsb.-Müller 9 S. 785, Langen Beitr. z. Plaut. S. 125. 

Neograecas und ueolatinus sind neulat. Zwitterwörter, welche 
den Vorteil der Kürze, sonst aber nichts für sich haben. Versteht 
man nun unter neulat. Schriften solche, deren Verfasser eifrigst be- 
müht waren, in die Fusstapfen der besten Muster der altlat. Lite- 
ratur zu treten, so könnte man dafür sagen libri (scripta) latini (a) 
recentioris aetatis. Versteht man unter neulat. alles, was in Be- 
ziehung auf Wörter, Wortformen, Phrasen und Konstruktionen keinen 
antiken Boden hat, sondern modern gedacht und ausgedrückt ist, so 
könnte man etwa sagen: vox, dictio, locutio, conformatio verbornm 
auetoritatem antiquitatis non, nullam habet, recentioram qui lat ine 
scripserunt hominwm inventam, commentam, antiquis linguae latinae 
auetofibus inusitata (am) est. Denkt mau bei neugriechisch an 
solche Bücher, die in altgriechischer Sprache von modernen Ver- 
fassern geschrieben sind, so wären das etwa libri antiqua Graecorum 
lingua a nostrae, recentioris aetatis s&rvptoribus confecü. Will man 
aber mit neugriechischen Schriften diejenigen bezeichnen, welche nicht 
in der alt-, sondern in der von derselben so wesentlich abweichenden 



Neotericus — 142 — Nequiquam 

neugriechischen Sprache abgefasst sind, so wären dies libri lingua 
Graecorum recentioris temporis scripti. 

Neotericus und das Adv. neoterice, neu, nach dem griechischen 
vscozsor/M gebildet, sind sehr Sp. L., vgl. Gölzer Hieron. 213, und 
unnötig wegen novus, recens, recentior ; nove. 

Nepotismus, ein N L., ins Deutsche aufgenommenes Wort werde, 
wo es möglich ist, ganz vermieden, wo nicht, durch einen Zusatz 
(ut novo verbo utar) gemildert oder mit den in unsern Wörterbüchern 
angegebenen Ausdrücken: Stadium cognatos fovendi, augendi, honori- 
bus extollendi und ähnlichen umschrieben. 

Nequam, nichtswürdig, nequior, nequissimus und nequitia, die 
Nichtswürdigkeit, beschränken sich Kl. auf Wollust und Schwelgerei ; 
N. Kl. dehnte sich ihr Gebrauch auf alle Bosheit und Unredlichkeit 
aus, gleich scelus, improbitas u. a. ; nefarius, scelestus u. a. In diesen 
Bedeutungen ist nequam auch nachzubrauchen, so dass ein homo 
nequam einem homo nihili gleich ist. Weniger empfehlenswert ist 
es in der milderen Auffassung = schelmisch, vgl. Flach zu Martial 
1, 109, 1. — Näheres über nequam und nequitia siehe bei Tegge 

5. 339. Über den Sp. L. Gebrauch des Wortes vgl. Thielmann 
Progr. Speier 1883 S. 9 f., Wölfflins Archiv I S. 101- und S. 147, 
Georges Jahresber. 1884 S. 125. 

Über Neque, und nicht, für et non, et ne oder ^neve, vgl. Nee, 
und über ne — quidem, nicht einmal, unter Ne. Über neque vero 
vgl. unter Nee. 

Nequeo ist bei Cicero nicht üblich, er sagt dafür non queo ; 
aber Cic. Yerr. 3, 21 lesen wir nequeamus, und ebenso andere Formen 
sonst, nur nicht nequeo. Vgl. noch Neue -Wagener 3 III S. 623 ff., 
C. F. W. Müller im Progr. Breslau 1888 S. 3, Seck I S. 20, Novak 
Amm. S. 10. Das Passiv nequitur bei Sali. Jug. 31, 8 ist archai- 
sierend, ebenso bei Dictys 2, 21, vgl. meine Syntax 3 § 221, Neue- 
Wagener 3 III S. 577 und 626, Brünnert S. 13. 

Nequiquam, vergeblich, ohne etwas auszurichten, ohne Grund, 
leitet man wohl am richtigsten von ne—qui — quam (qui Abi.) her 
= nicht auf irgend eine Weise; zur Zeit des Plaut, schwankte die 
Schreibung zwischen nequidquam, nequicquam und nequiquam, später 
ward nequiquam herrschend, an dies halte man sich. Das Wort 
nequiquam fand den Beifall des sermo urbanus nicht und starb in 
der Prosa schon frühe ab. Bei Cicero ist eine sichere Stelle zu 
verzeichnen Quinct. 79 et sero et nequiquam pudet; schon Klotz er- 
kannte darin einen Anklang an die Sprache der alten Dichter, etwa 
an Ter. Heaut. 344 hodie sero ac nequiquam voles. Bei Cicero Att. 4, 

6, 2 schreiben die neuen Herausgeber nequiquam, aber der Med. 
liest nee quiequam, ob daraus richtig nequiquam hergestellt ist, kann 
immerhin fraglich erscheinen. In den Tusc. 3, 59 hat Cicero einen 
Yers des Euripides übersetzt, hier konnte er, weil in Poesie, un- 
bedenklich nequiquam verwenden, Cael. 37 ist Zitat aus Caec. Stat. 
233 R. Die Stelle ep. Brut. 1, 16, 5 stammt, wenn wir die Echt- 



Nescire — 143 — Nescire 

heit von ep. 16 anerkennen, aus der Feder des Brutus; wenn wir 
mit Gurlitt Philol. 1887 Suppl. Y S. 598 ff. darin eine N Kl. Sua- 
soria erkennen, so fällt neqiiiquam gar nicht auf, zumal es auch in 
der Suasoria de rep. ordinanda 1, 8, 2 sich findet. Bei Caesar lesen 
wir neqiiiquam nur in dem nicht überarbeiteten civ. 1, 1, 4 in einer 
solennen Phrase neqiiiquam auxilium implorare und Gall. 2, 27, 5. 
Näheres sehe man bei Wölfflin im Archiv II S. 5, 10, 24, 89, 614, 
Becher im Philol. 44 S. 477 Anm. 4, Neue-Wagener 3 II S. 637 und 
Brix-Niemeyer zu Plaut. Trin. 440. 

Nescire (vgl. Scire), nicht tuissen, nicht non scire ist zu ge- 
brauchen. Über letzteres äussert sich Cicero or. 157 non scire qui- 
dem barbarwn iam videtur, nescire dulcius. Doch finden wir non 
scire abgesehen von den Komikern auch sonst und in Kl. Zeit bei 
rhet. Her. 4, 37, bei Trebonius in Cic. fam. 12, 16, 3; doch Sali, 
hist. dub. 4 schreibt M. nonne tu scis und spricht mit Keil das Frag- 
ment dem Sali. ab. — Nescire mit indir. Fragesatz ist klass., aber 
bei Cic. nie mit num, mit ne nur fam. 2, 5, 2 sed haec ipsa nescio 
rectene sint literis commissa, in elliptischer Frage Att. 6, 2, 8 und 
7, 11, 4; öfters mit disjunktiver Frage, z. B. Cic. fam. 2, 5, 2 nescio, 
gratulerne tibi an timeam. — Nescire mit Infinitiv steht schon bei Plaut. 
Pers. 762 beneficium reddere nescit, auch bei Cicero, z. B. Tusc. 5, 104 ; 
rep. 1, 11; Tusc. 4, 43 qui irasci nesciat, Yerr. 3, 62; Mur. 43; 
Mil. 57; de or. 3, 38 und 3, 65; nicht bei Caes. und Sallust; vgl. 
Hildebrand Progr. 1854 S. 18. In iV T . Kl. Prosa wird es häufig, vgl. 
M. Müller zu Liv. 2, 2, 3, Dräger H. Synt. II S. 304. Die Ver- 
bindung von nescire mit Acc. c. inf. ist Kl. sehr häufig zu finden; 
erst Sp. L. ist nescio quod und nescio quia, z. B. Hier. ep. 120 nes- 
ciebat, quia Iesus erat; ebenso Sp. L. ist nescire = non nosse, z. B. 
Gennad. catal. I eum hunc nescisse scriptorem, vgl. Gölzer Hieron. 
S. 305, 378, 383, Könsch Coli. phil. S. 128. — Die Redensart nes- 
cio quo modo, nescio quo pacto, quando, ich weiss nicht wie, ge- 
wisser müssen, sonderbar, unbegreiflich, unwillkürlich, wenn sie zu 
einem Yerbum als Bemerkung gesetzt wird, wird im Latein, jenem 
Yerbum vor- und nachgesetzt, ohne auf den Modus desselben ein- 
zuwirken. Über den ersteren Fall s. Nepos Alcib. 11, 1, Thrasyb. 
1, 3, Cic. fam. 5, 15, 3, Mil. 76, Tusc. 1, 33, Liv. 43, 13, 2, Plin. 
epp. 4, 12, 7. Daher auch in der Konstruktion des Accus, c. infin.: 
contra rem suam me nescio quando venisse questus est, Cic. Phil. 2, 
3. Daselbe gilt auch von dem im Sinne eines Pronomens oder 
Adverbs (oft im verächtlichen, wegwerfenden Sinne) gebrauchten 
nescio quis. >S. Cic. Tusc. 3, 12, Quintil. 6, Prooem. 10 und 8, 4, 
28. Ja der Fall, dass nescio quo pacto seinem Yerbum mit dem 
Indik. vorangeht, ist sogar noch weit häufiger als das umgekehrte 
Verhältnis. Näheres über nescio quis-, quando, qwo modo findet man 
in meiner Anm. 359 zu Reisig-Haase S. 60, bei Nägelsbach-Müller 8 
S. 368, Seyttcrt-Müller z. Lael. S. 512, 504 und 542. — Das Par- 
tizip nesciens, der nicht weiss, ohne zu wissen, werde, da es sehr 



Neuter — 144 — Neutralis 

selten und Kl. nirgends vorkommt, gänzlich vermieden; man sage 
dafür nescius, welches, besonders in der Phrase: non sum nescias, 
häufig gebraucht wird, und womit, wie mit nescire, ein Accus, c. inf. 
oder ein abhängiger Fragesatz verbunden werden kann. Aber nes- 
cius mit einem Infin., z. B. / "allere, in der Bedeutung der nicht täuschen 
kann, ist P. L. und Sp. L.; die Stellen sehe man Dräger H. Synt. II 
S. 372, wo aber Oros. 4, 1, 8 nescius fug er e fehlt, ebenso Arnob. 
81, 7 R nescius commoveri, Ennod. wiederholt; für die Dichter 
vgl. Schmidt Inf. S. 91. — Passives nescius ist unklassisch, es findet 
sich wohl nur bei Plaut., z. B. Rud. 275, und Tacitus, z. B. ann. 1, 
59 (vgl. Schönfeld S. 25), dann Sp. L., z. B. bei Greg. Turon., vgl. 
Bonnet S. 262. — Über nescio an vgl. s. v. Stire. 

Neider, keiner von beiden. Über die Aussprache von neuter 
(= ne-uter) vgl. Birt in Rhein. Mus. 34 S. 1 ff., Schmitz in Wölfflins 
Archiv I S. 286, Plavet ib. S. 446. Unser deutsches: keiner (von 
beiden) übertrifft den andern, heisst auch lateinisch gewöhnlich neuter 
alteri praestat. Vgl. Plaut. Stich. 731 neuter alteri invidet (s. Götz 
z. St. und Lachmann zu Lucr. S. 313, aber auch Landgraf in Wölff- 
lins Archiv V S. 170, der an der Zulässigkeit der Parataxe neuter 
neutri in der Volkssprache festhält), Caes. civ. 1, 35, 5 debemus 
nentrum eorum contra alterum iuvare; Liv. 21, 46, 4 neutri alteros 
primo cernebant; Quintil. 1, 1, 14 ita fiet, ut neutra lingua alteri 
officiat u. a., Thielmann Archiv VII S. 361. Wir werden daher, was 
Laur. Valla eleg. 3 cap. 30 sagt „neuter neutri omnino non dixe- 
riin u für die klass. Sprache gelten lassen, aber neuter neutri, neuter 
neutrum als lateinisch anerkennen, um so mehr als sich auch nullam 
nulli Amm. 14, 8, 11 und nulla nullam hist. Apoll. 43 S. 55, 12 R. 
findet. — Dass in der Schulgrammatik der Genit. neutrius beizu- 
behalten und nicht durch neutri zu ersetzen sei, hat Stegmann in 
N. Jahrb. 1887 S. 263 dargetan; vgl. über die Deklination von neuter 
noch Neue- Wagener 3 II S. 545 und meine darnach einzuschränkende 
Anm. 362c zu Reisig-Haase S. 83. 

Neutiquam, durchaus nicht, keineswegs, ist mehr A. L. und 
archaisierend als Kl., jedoch steht es einigemal nicht nur bei Livius, 
in der Bedeutung dem nequaquam, haudquaquam, minime gleich, 
sondern auch bei Cic. Attic. 6, 9, 3, Tim. 40, Cato 42, ebenso braucht 
es Atticus bei Cic. Att. 9, 10, 6 (was bei Georges nicht bemerkt 
ist). Bei den Komikern ist stets zu trennen ne utiquam, vgl. Rib- 
beck Part. S. 13, Meissner zu Ter. Andr. 330. Für Gellius, der es 
2, 23, 22 hat, vgl. Gorges S. 12, für Livius Archiv X S. 29. 

Neutralis ist nur im grammatischen Sinne üblich, wie schon bei 
Quintilian, sonst in keiner andern Bedeutung. — N. L. ist es also 
in der Bedeutung zu keiner Partei gehörig, wofür medius (Cic. Att. 
10, 8, 4 und Antonius ib. 10, 10, 2), qui medium se gerit (Liv. 2, 
27, 3) und neutrius oder nullius partis (As. Pollio bei Cic. fam. 10, 
31, 2) gesagt wird, und ist vom Kriege die Rede, auch neutra castra 
sequi (bei Livius). — Ebenso ist N L. neutralitas, die Neutralität, 



Neve — 145 — Nexus 

das Halten mit keiner Partei, für Studium neutrarum partium, ani- 
mus a studio partium alienus. Neutral bleiben (bei einem Kriege) 
und Neutralität kann auch einfach und gut durch quiescere und 
quies übersetzt werden, s. Cic. Attic. 9, 10, 10 und Nepos Attic. 7, 
3. Aber das Adverb neutraliter war im Sp. L. üblich, wie aus 
Hier, in eccl. 7 col. 449 quod nos solemus neutraliter appellare, id 
est hoc quaesivi, istud volui invenire ; vgl. Gölzer Hieron. S. 199, 
Paucker ßeitr. S. 477. 

Neve oder neu — letztere Form hat Sali, nie vor Yokalen, 
neve nie ausser Cat. 33, 5 vor Konsonanten, vgl. Kunze Sali. III, 1, 
9 — dient zur Fortführung von ne, so schon bei Plaut., vgl. Brix 
zu Trin. 755, Holtze II, 326; der rhet. Her. hat es nicht, vgl. Marx 
S. 176, sehr selten Yarro, vgl. Krumbiegel Index s. v., oft aber Caes. 
und Cic, auch korrespondierend nach vorausgehendem ut, z. B. Cic. 
fam. 1, 9, 19 peto a te, ut id a me neve in hoc reo neve in aliis 
requiras, oder mit ne, also ne neve — neve (dies nur einmal bei 
Cic, vgl. C. F. W. Müller zu Cic. off. S. 83) ; üblicher als ut neve — - 
neve oder gar ne neve — neve ist ne aut — aut, an welches man sich in 
der Schule halte. Nach ne kann bei Cic. nur neve folgen, vgl. Cic. 
off. 1, 91 cavendum est, ne assentatoribus patefaciamus aures neve 
adulari nos sinamus, vgl. C. F. W. Müller z. St., sowie meine Syntax 3 
§ 358. Wünschenswert wäre eine Untersuchung über den Gebrauch 
von neve im Vergleich mit dem von neque. 

Nex. S. darüber bei Mors. 

Nexus beschränkt sich bei den Alten nur auf die Bedeutung 
körperliches Binden und Umschlingen und auf rechtliche Verbindlich- 
keit; so bei Cicero, nirgends aber bedeutet es, was wir Zusammen- 
hang in Worten und Gedanken nennen, wie es im N L. häufig 
vorkommt, nexus verborum, nexus sententiarum. (Doch nexus natu- 
ralium causarum und nexus latentium causarum findet sich bei Tac 
ann. 6, 22, Curt. 5, 11, 10.) Dietrich bemerkt, nexus, so gebraucht, 
sei nicht Kl., aber für alle deutsch gedachten Yerbin düngen sei 
schwer, ein ganz entsprechendes latein. Subst. zu finden, tenor, 
was einige vorschlagen, sei in dieser Bedeutung zu verwerfen; der 
nur einmal von Cicero gebrauchte Ausdruck contextus orationis (part. 
orat. 82) werde durch quasi entschuldigt, und in Cic. fin. 5, 83 
werde damit der Zusammenhang und die Konsequenz eines philo- 
sophischen Systemes ausgedrückt. Ebenso wenig, sagt er, passen 
cohaerentia, continuatio, perpetuitas ; am Ende also nur sententia oder 
ratio sententiarum, zuweilen ratio loci, oder mit einer Umschreibung, 
wie ratio, qua sententiae se excipiunt, qua altera sententia ex altera 
apta oder neu est, — man müsste denn der Kürze wegen nexus, 
aber nicht ohne sententiarum, beibehalten. — Nach der oben über 
G&ntextus gemachten Bemerkung und nach dem Gebrauche dieses 
Wortes bei Quintilian, welcher contextus rerwm ac verborum (11, 2, 
2) und in oontextu sermonis (8, 3, 38) sa^-r, möobte abgesehen von 
einer Umschreibung dieses das passendste Wort für unser Zusammen', 

Krebs-Schmalz, AntilmrbiiruH II. \Q 



Ni — 146 — Nihil 

hang sein; vielleicht ausserdem auch conexa series (verborum, sen- 
tentiarum) oder series allein nach Quintil. 8, 2, 17 und 9, 4, 22. 

Ni. Ni fallor, wenn ich mich nicht Umsehe, ist in KL Prosa 
ungebräuchlich für nisi me fallo und ähnliches, vgl. oben s. v. Er- 
rare. Über den Gebrauch von ni im altern Latein haben wir eine 
erschöpfende Abhandlung von Oskar Brugmann Progr. Leipzig 1887, 
die auch das Kl. Latein beizieht. Besonders wichtig ist ni in der 
Sponsio, wo es für si zu stehen scheint. Brugmann erklärt dies 
daher, dass man an die Aufforderung zu einer Wette, aber 
nicht an den Abschluss derselben zu denken habe, z. B. pignus 
da, ni omnia memini, „riskiere ein Pfand, wenn ich nicht alles iveiss u . 
Vgl. auch Stangl Tulliana S. 27. Ausser in der Sponsio ist ni selten 
bei Cicero; Böckel hat zu Cic. epp. 199 die Fälle zusammengestellt, 
wo Cicero ni anwendet: in Beteurungsformeln, z. B. moriar ni, fam. 
7, 12, 3, in Formeln mit ita, z. B. Tusc. 5, 115 ni ita se res hoher et, 
mit vereri, z. B. ni vererer fam. 6, 6, 6 u. sonst; vgl. auch Hellmuth 
act. Erl. I S. 159. Caesar und JSTepos gebrauchen ni nicht, ganz 
selten Yarro, vgl. Archiv IY, 334 und Keil zu r. r. S. 132, oft aber 
Sallust, Livius und Tacitus; im Gebrauche von ni und nisi scheint 
auch der Wohllaut mitgewirkt zu haben, vgl. für Sali. Kunze III, 1, 
S. 9. Auch im Sjh L. ist ni häufig, z. B. bei Oros. — Ni forte 
endlich (statt des gewöhnlichen nisi forte) bieten Zumpt und Mützell 
zu Curt. 5, 8, 12, aber Yogel -Weinhold liest nisi forte; es findet 
sich ausserdem auch bei Quintil. 11, 2, 27. 

Nidificare und nidiilari scheinen, wie unser nisten, Wörter der 

Volkssprache zu sein und kommen teils im A. L., teils beim altern 

Plinius und Colum. (8, 8, 3 und ibid. c. 15, 5), sowie im 8p. L., 

z. B. bei Lact, und Min. Fei. vor, für nidnm fingere, construere, 

facere, texer e. 

Nigredo, die Schivärze, schwarze Farbe, ist Sp. L.; Muret 
(Opp. T. II S. 74 ed. Fr.) sagt: Albedo latinum non est, non magis 
quam nigredo, worin er irrt; denn die Stellen im Sp. L., wo 
sich nigredo findet, sind sehr zahlreich, vgl. Paucker scrut. S. 24, id. 
Hieron. s. v., Gölzer Hieron. S. 107, Kretschmann Apul. S. 46, oben 
s. v. Albedo. Man brauche für nigredo folgende zwar auch nicht 
KL, aber immerhin der bessern Zeit angehörige Wörter nigror, color 
niger, nigritia, nigrities, nigrihulo, so dass man die späte Form ent- 
behren kann. 

Nihil hat fast alle Kasus, ausser dem Dativ, nach Deck II, 
Genitiv nihili, Acc. nihilum (neben nihil) und Abi. nihilo. Der 
Genitiv nihili kommt nur vor zur Bestimmung des Wertes und 
Preises, besonders bei homo und esse; vgl. Lorenz zu Plaut. Pseud. 
1085, Dräger II. Synt. I S. 464, Neue-Wagener 3 I S. 863 und 871. 
Man merke aber auch Cic. fin. 2, 88 at eum nihili facit, Sest. 114 
ut anspicia nihili piitaret. Zu eben dem Zwecke dient auch der 
Abi. nihilo bei Yerben, z. B. nihilo aestimare; er wird aber auch 
als Gradbestimmung des Komparativs gebraucht in der Bedeutung 



Nihil — 147 — Nihil 

um nichts, z. B. nihilo minus, um nichts weniger, vgl. Plaut. Men. 
953 quot sunt satis f Quattuor, nihilo minus, d. h. iveniger als vier 
dürfen es nicht sein; anders aufzulassen ist nihilo minus = nichts 
destoweniger, vgl. Wiehert Stillehre S. 256 ; dagegen das seltene 
minus nihilo (Ter. Phorm. 535 cid minus nihilo est) bedeutet 
iveniger als nichts. Das dem nihilo minus entsprechende nihilo plus 
steht vielleicht Cic. off. 3, 38, aber die Lesart ist nicht sicher, vgl. 
C. F. W. Müller z. St. — Mit nihilo minus verwechsle man nicht 
nihil minus, unser nichts iveniger, was stark verneint, gleich durch- 
aus nicht, im geringsten nicht, vgl. Cic. off. 3, 81 ; jedoch ist die 
Überlieferung nicht immer zuverlässig, vgl. C. F. W. Müller zu Cic. off. 

1, 72 und 3, 38, Bonnet Greg. S. 338 Anm. 4, Reid zu Cic. acad. 

2, 58. — Für nihilo minus sagen Caesar, Cicero (nur inv. 2, 132; 
2, 170), rhet. Her., Nep. u. a., vgl. Thielmann Cornif. S. 46, auch 
nihilo secius in derselben Bedeutung, wovon sich aber nihilo segnius 
unterscheidet, da dieses ebenso eifrig, mit gleich grossem Eifer heisst. 
Vgl. Landgraf zu Reisig-Haase S. 264, Wiehert 1. 1. — Auch kommt 
der Abi. instrumental vor, z. B. Cic. Tusc. 5, 93 satiari posse paene 
nihilo, doch sehr selten; üblicher ist er in Verbindung mit Präpo- 
sitionen, pro nihilo, z. B. putare, z. B. Cic. div. Caec. 24, Caec. 56, 
Yat. 23 und sonst, ducere pro nihilo, Yerr. 2, 40, für nichts rechnen, 
achten; ex nihilo, z. B. oriri, aus nichts entstehen, Cic. div. 2, 37; 
de nihilo, um nichts, ohne Grund und Ursache oder auch aus nichts, 
Cic. fat. 18. Unser: nichts kosten ist bei Cicero nie nihilo constare, 
sondern gratis stare, vgl. oben s. v. Constare. — Der Accus, ohne 
Präposition heisst fast durchaus nur nihil, höchst selten nihilum; in 
Verbindung mit Präpositionen, z. B. Cic. Phil. 7, 27 apparatum ne 
ad nihilum reeidere patiare, acad. 1, 27 interire non in nihilum, sed 
in suas partes, fam. 11, 12, 1 omnia tua merita ad nihilum esse 
Ventura, Cic. Att. 4, 18, 4 ad nihil reeidere, kommen beide Formen 
vor. Dabei bezeichnet nihil und nihilum das Nichts allgemein und 
abstrakt; man sagt daher wohl ad nihilum redigere, aber nur ad 
nullam rem utilis. Vgl. Andresen zu Cic. fam. 11, 12, 1. Nihilum 
ohne Präp. steht bei Cic. Caec. 95 in einer Gesetzesformel nihilum 
esse rogatum. — Richtig ist nihil esse von einer Person, jiichts sein, 
nichts gelten; nihil est, er ist, gilt, bedeutet nichts, wie aliquid esse, 
etivas sein. Vgl. Aliquid und Böckel zu Cic. ep. 22, 2, z. B. Cic. 
div. Caec. 47 iyse nihil est, nihil potest ; ebenso von Sachen, z. B. 
hoc nihil est, das hat nichts zu sagen, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. 
S. 205. — Über ein anderes nihil est = es nützt nichts, ist zwecklos, 
vgl. Landgraf zu Cic. S. Rose. S. 246, Brix zu Plaut. Capt. 341. — 
Man merke auch nihil atiinet, „es ist nicht der Mühe wert", z. B. 
Cic. Att. 12, 18, 2, sowie non attinet, Liv. 23, 3, 13; darnach ist 
auch Reisig § 473 berichtigt worden, vgl. meine Anmerkung /.. St. 
und Boot zu Cic. Att. 15, 1 a, 1. — N. und D. L. ist: hoc nihil est 
pro nobis, pro nostra aetate, das isi nichts für uns, für unser Alter; 
dafür sagt man hoc alienum est nobis, nostrae aetati (Cic. Attic. 14, 



Nil — 148 — Nimis 

13, 2), gut aber ist es in der Bedeutung günstig sein, s. unter 
Pro. — Schliesslich merke man: nihil altum ist = nichts was hoch 
int, nihil alti = nichts von dem hohen, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. 
S. 227. 

Nil, alte, kurze Form für nihil, ist N Kl. häufig bei Seneca, 
Sueton, Curtius und Tacitus. Hingegen in der KL Prosa ist es 
nicht üblich. Ygl. Nipp.-Lupus zu Nep. Thrasyb. 2, 6. 

Nimbus = Heiligenschein hat Servius in mehreren Stellen zur 
Aneide, z. B. 5, 839 nam semper deos ambit nimbus; näheres gibt 
Sittl in Archiv XI S. 119, der Yerg. Aen. 2, 616 an nimbus 
festhält. 

Nimie, zu viel, zu sehr, ist 8p. L., vgl. unter Nimius. 

Nimietas, das Übermass, der Überfluss, ist ebenfalls Sp. L. für 
satietas, abundantia, nimia copia u. a. Die Stellen siehe bei Paucker 
Spicil. S. 288, bei Gölzer Hieron. S. 103, Rönsch Ital. S. 52, Coli, 
phil. S. 117 und 179, Liesenberg I S. 20. 

Nimirum wird von 0. Bnigmann im Progr. Leipzig 1887 S. 19 
durch einfache Ellipse von est, also = „wenn kein Wunder vor- 
liegt" erklärt; vgl. dagegen Ribbeck lat. Part. S. 15 f. Nimirum 
dient nach C. F. W. Müllers Darlegung z. Lael. S. 357 ursprünglich 
dazu, eine Behauptung als eine in den Augen des Lesers vielleicht 
etwas gewagte, die man aber zu vertreten sich getraue, hinzustellen, 
vgl. Cic. Att. 9, 9, 3, Tusc. 3, 30 et nimirum haec est Uta divina 
sapientia ; vgl. noch Nägelsbach-Müller 9 S. 784. Mit Unrecht wird 
nimirum daher im N L. auch bisweilen in der Bedeutung nämlich, 
wie nempe und scilicet, bei näherer Angabe einzelner Gegenstände 
gebraucht. Man sage also nicht: quinque tantum fuerunt Codices, 
nimirum quattuor Florentini et unus Perusinus. Ygl. Nempe. 

Nimis, zu sehr, allzu, steht nur zur Yerstärkung der Positive, 
nicht der Komparative, z.B.: nimis multi, multa, saepe; bei den- 
jenigen Adjektiven, welche relative Bedeutung haben, bleibt es oft 
als unnötig weg, z. B. bei serus, zu spät (sero); multus, allzuviel; 
longus, zu tveitläufig ; angustus, zu eng; maturus, zu reif; es wäre 
zu weitläufig heisst gewöhnlich bloss longum est, nicht nimis longum 
est, s. darüber unter Longus. Oft liegt die Bedeutung zu sehr im 
Komparativ; daher ist falsch nimis longior, allzu lang, für nimis 
longus oder bloss longior. Zu den Komparativen kann wohl nimio 
treten. Es ist dies ein der Umgangssprache angehöriger Ausdruck 
für multo, weil die Umgangssprache gern emphatisch wird und den 
Mund etwas voll nimmt. Oft so bei Plautus, s. Lorenz zu Most. 72 ; 
aber auch Livius hat diese Redeweise bisweilen: nimio plus quam 
satis tutum esset accolis, rem Troianam crescere ratus, 1, 2, 3, vgl. 
M. Müller z. St.; nimio plus quam velim nostrorum ingenia sunt 
mobilia, 2, 37, 4. Ygl. auch ibid. 29, 33, 4 und 39, 40,' 9. Nimio 
plus te diligo, Ant. bei Cic. Att. 8, 10, A. § 1. Nimio amplior, 
Gell. 1, 3, 25, vgl. Gorges S. 38. Nimio mit Positiv hat Wölfflin 
im Archiv I S. 98 aus Plaut. Pers. 94 und Men. 821 zitiert; an 



Nimius — 149 — Nisi 

beiden Stellen finden wir nimio nicht mehr; auch für Plaut, ist nur 
nimio mit Kompar. anzunehmen, vgl. Langen Beitr. S. 335. Man 
merke übrigens, dass schon bei Plaut, nimis seine Bedeutung ab- 
schwächt, ebenso nimhts und nimium, besonders in der Volks- 
sprache : so erklären sich auch die Steigerungen mit nimis, nimio 
und nimium. Ygl. Stöcklein Archiv YII S. 260. — Falsch ist nimis 
mit einem Posit. bei darauf folgendem quam ut, z. B. : notus nimis 
satis est mos, quam ut a me illustrari debeat, für notior est iste mos, 
quam ut. — Und so sage man denn auch nicht nimis bene, quam 
ut — , zu gut, als dass — ; für melius quam ut — . In der Redens- 
art ad vivum resecare, etivas allzu scharf, allzu genau nehmen, wird 
nicht noch nimis hinzugesetzt, weil der Begriff zu viel schon in der 
Redensart liegt. Ygl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 107. 

Nimius. Dieses Adjektiv verliert im Sp. L. seine Bedeutung 
„überaus gross" und wird vollständig = „gross", vgl. Wölfflin Komp. 
S. 25, Harteis Index zu Ennodius und zu Cyprian s. v. nimius. Das 
Neutrum nimium wird adverbiell gebraucht schon bei Plautus, häufig 
bei Cicero und zwar mit Adj., Adv. und Yerben, vgl. z. B. die 
Stellen bei Merguet, jedoch nicht bei Caesar und manchen N Kl. 
Autoren. Das Adv. nimie ist erst Sp. L. bei scr. h. Aug., aber 
nur Gord. 6, 2, da an allen andern Stellen nimis oder nimium zu 
lesen ist; vgl. Noväk Hist. Aug. S. 4 f. (gegen Petschenig), auch 
Cotta S. 7. — Für die Bedeutung von nimis und nimius in der 
Yulgärsprache ist wichtig Augustin enarrat. in psalm. 118: „Nimis 
dicitur, quidquid plus fuerit quam oportet. Sed aliquando latina 
lingua hoc verbo sie abutitur, ut yiimis pro eo, quod est valde, et 
positum inveniamus in litteris sacris et ponamus in sermonibus 
nostris u . So finden wir, dass bei Plaut, schon nimis oft = multum 
oder valde ist, und so erklärt sich auch die Wortbildung pernimium 
bei Ter. Ad. 393, Andr. 455, beim Juristen Papinian und sonst im Sp.L., 
vgl. oben s.v. nimis, Brix zu Plaut. Trin. 28 und Wölfflin Komp. S. 25; 
fürs Sp. L. vgl. Westhoff S. 49, Kalb Roms Juristen S. 115, Berg- 
müller Jord. S. 16 und 37, Rönsch It. S. 342. — P. L. ist es, ni- 
mium wiederholend zu sagen: nimium nimiumque für das einfache 
nimium; dies hat nach Wölfflin Gem. S. 481 zuerst Lygdamus bei 
Tibull 3, 6, 21, dann Ov. her. 1, 41 o nimium nimiumque oblite tuorum, 
schliesslich Stat. Theb. 7, 547. — Nimius c. genit. z. B. : nimius 
sermonis = allzuredselig, nimius animi ==? stolz, anmassend, hat zu- 
erst Sali. hist. 4, 73 M., dann Livius, Yellejus, Tacitus u. a. ; nimius 
rebus seeundis = vom Glück berauscht steht Tac. hist. 4, 23; vgl. 
Haustein S. 44. — Unserm nicht zu wenig und nicht zu viel entspricht 
nee purum nee nimium, Cic. Phil. 10, 23. 

Nisi, tue hu nicht, werde, was im N. L., gerade wie schon im 
8p. L., vgl. Bonnet Greg. S. 321, nicht immer geschieht, nicht mit 
si non verwechselt. Ygl. über den Unterschied beider meine Syn- 
t;i\ :i § 344; darnach enthält der Satz memoria minuitur, nisi eam 
exerceas eine allgemeine Behauptung mit angefügtem Ausnahmefall, 



Nisi — 150 — Nisi 

aber memoria minuitur, si eam non exerceas eine Einzelbehauptung 
mit angegebenem Geltungsbereich. Näheres findet man in der 
von Landgraf zu Reisig- Haase S. 274 Anm. 429 a verzeichneten 
Literatur. — Die Verbindung nisi si weist eine der Volkssprache 
eigentümliche Fülle des Ausdrucks auf, die sich im A. L., bei Varro, 
rhet. Her., bei Cicero epp. und Erstlingsschriften, bei Caes. Gall. 
1, 31, 14 vielleicht, oft bei Colum., bei Tac. nur in den An- 
nalen, sehr häufig im Sp.L. zeigt; näheres s. Progr. Mannheim 1881 
S. 44, wo ich viel Literatur verzeichnet habe, und meine Anm. 612 d 
zu Reisig-Haase III S. 838 ; füge bei für scr. h. Aug. Cotta S. 57, 
dann noch Burg S. 42, Heidrich S. 63, meine Syntax 3 § 344, Linds- 
kog S. 138, Köhler Lent. S. 36, Kottmann S. 57. — Man braucht 
aber im N. L. nisi sehr oft falsch in der Bedeutung wo nicht, wenn 
sein beigesetztes Wort im Gegensatz zu einem andern steht, welches 
mit certe oder at, auch tarnen und aüamen, z. B. Cic. fam. 2, 6, 3 
folgt, wo der lat. Sprachgebrauch si non oder si minus fordert; so 
z. B. ille haec nisi reiecit, certe neglexit; haec prima nisi apud 
Batavos, certe apud Germanos parata sunt; mihi nisi invito, tarnen 
insperanti — , wo überall si non oder si minus gesagt werden musste. 
Trotzdem der Antibarbarus dies längst gelehrt, schreiben Seckel und 
Kubier in der praefatiuncula ihrer Ausgabe des Gaius doch : Gaius 
natus nisi Traiano, certe Hadriano imperante; dies nisi hat Kalb 
in Berl. Phil. 1904 Sp. 877 mit Recht durch ein beigefügtes sie ge- 
brandmarkt. — Obgleich nisi nach nihil, quis u. a. als bedeutet, so 
ist es doch nicht korrekt, wenn es nach einem mit jenen Wörtern 
verbundenen Komparativ gesetzt wird, da als nur zum Komparativ, 
aber nicht zu jenen Wörtern gehört; hier muss quam stehen. Nicht 
zu empfehlen ist daher: nihil est pulchrius, nisi (für quam) virtus; 
quis est subtilior, nisi (für quam) Aristoteles ? Erst im Sp. L. finden 
wir, z. B. bei Tert., nisi nach einem Komparativ statt quam, z. B. 
spect. 25 nemo in speetaculo ineundo prius cogitat nisi videri et 
videre; vgl. Hoppe Synt. Tert. S. 77. — Die Partikel nisi forte, 
wenn nicht vielleicht, es müsste denn ehva, welche oft, nisi vero, 
welche stets ironisch gebraucht wird, mit dem Imperf. Konjunkt. ist 
nach einem Satze im Praesens unlat., denn es muss in solchen 
Fällen das Praesens Indik. gebraucht werden. Vgl. hierüber den 
Schluss der langen Anmerkung C. F. W. Müllers z. Lael. S. 55. 
Falsch ist daher: detrimentum apte de eibis poni potest, nisi 
forte aptius et commodius esset (für est) scribere retrimentum. 
Gar nicht hieher gehört Sali. Jug. 14, 10 nisi forte quem ius- 
sissetis, dies ist = nisi forte is, quem vos iussissetis, vgl. meine 
Anm. z. St. — Non nisi, eigentlich nicht ivenn nicht, nicht 
ausser, kann im Deutschen durch nur übersetzt werden, und eben 
dadurch, dass dabei eine Bedingung gedacht wird, ohne deren 
Erfüllung etwas nicht ist oder geschieht, unterscheidet es sich von 
solum und tautum. Es kann daher bei Zahlen nicht angewandt 
werden; z. B. nur zehn Zuhörer sind da heisst weder: adsunt non 



Nisus — 151 — Niveus 

nisi decem auditores, noch auch non adsunt nisi decem auditores, 
sondern tantum decem — . Wo es aber passend ist, wird es Kl. 
fast immer (selten anders, wie Cic. Verr. 1, 98 legationis non nisi 
condemnato eo — ) getrennt, wie ne — quidem, so dass non mit dem 
Yerbum des Satzes dem nisi mit seinen Worten entweder voran- 
geht oder folgt; z. B. du hast dich nur nach vollbrachter Sache 
meinetwegen beruhigt, tu, nisi perfecta re, de nie non conquiesti, nicht 
tu non nisi — ; nur in den Komitien konnte über das Leben eines 
Bürgers geurteilt werden, non Jicuit de capite civis, nisi comitiis, 
iudicari, nicht de capite civis non nisi comitiis licuit iudicari; wahr- 
haftig du hast nur, ivas war, geschrieben, tu, nisi quod erat, profecto 
non scripsisti (Cic. Attic. 3, 15, 3), nicht tu non nisi quod erat, 
profecto scripsisti; nur dem Weisen gefällt das Seine, nisi sapienti 
stm non placent; ebenso werden auch nee nisi getrennt. — N. Kl. 
aber findet es sich nicht immer in dieser Stellung. Ungetrennt 
steht es wohl zuerst bei Celsus, vgl. 1, 3 S. 18; 6, 6 S. 226 (D.), 
dann bei Plin. nat. 10, 108, Plin. ep. 6, 64, Sen. ep. 22, 1, bei 
Quintil. 1, 5, 19, dann bei Tac. ann. 2, 26; 4, 68 u. 14, 63, hist. 
1, 58 u. 2, 33, oft bei Sueton, z. B. Caes. 56, Octav. 21; 41 u. 84 
und sonst, bei den Juristen seit Scaevola, vgl. Kalb Roms Juristen 

5. 70, regelmässig bei Amm., vgl. Novak Amm. S. 80. 

Nisus von der Rede gebraucht, in der Bedeutung Schwung, 
Flug, Erhebung, ist ohne Autorität; man sagt dafür elatio (nach Cic. 
Brut. 66) oder (wie Cic. ib. sagt) oratio quasi exaggerata altius. 
Auch gebraucht man es nicht vom Geiste, für Impetus ingejiii (in 
Plin. ep.). Überhaupt ist das Wort unkl. in übertragener Bedeutung, 
vgl. Schulze Symm. S. 20. 

Niti wird in der Bedeutung sich auf etivas stützen in eigent- 
lichem, natürlichem Sinne fast nur mit dem blossen Abi. verbunden, 
aliqua re, z. B. baculo, hastüi, sehr selten mit in; aber in bildlichem 
Sinne gleich gut aliqua re und in aliqua re; in der Bedeutung nach 
etwas streben, trachten mit ad aliquid. Die Konstruktion mit dem 
Infinitiv findet sich nicht bei Cicero, aber in Prosa z. B. bei Caesar 
Gall. 5, 42; 6, 37, bei Sali. Jug. 25, 37, bei Nepos, bei Yitruv 11, 6, 
bei Livius, Tac, Grell.; oft bei Dichtern, vgl. Dräger H. Synt. II S. 309 
ergänzt durch Praun S. 15, Schmidt Inf. S.75, Reichenhart Infin.S.467, 
Hildebrand Progr. 1854, S. 18, Werth S. 349, Gorges S. 47. 

Isiveus — schneeweiss ist nicht nur P. L., s. Sen. nat. 2, 36 
und über niveus candor rhet. Her. 4, 44. Ebenso ist nive candidior 
= schneeweiss aus P. in die Prosa übergegangen, vgl. Ovid met. 8, 
373 und Wöli'nin in Archiv YI S. 457. — Was nivalis betrifft, so 
ist es = schneeig, was zum Schnee gehört, denselben an sich hat, 
oder daraus gebildet ist. Schneewasser ist daher weder aqua uireu 
noch aqua nivosa, sondern aqua nivalis, Gellius 19, 5, 3, Flor. 2, 

6. 12, Amm. Marc. 23, 6, Sen. de cous. ad Marc. 18, 4, Liv. 21, 54, 

7. Nirosns dagegen ist schneereich, s. Colum. 2, 9, 7, Liv. 5, 13, 1, 
und 21, 58, 8. 



Nix — 152 — Noctuabundus 

Nix oder im Plural nives, mit dem Genitiv capitis verbunden, 
wird P. L. von den schneeweissen Haaren gebraucht, für cani (capilli); 
daher sagt Quintil. (8, 6, 17) von diesem Bilde: translatio est dura, 
id est, a longinqua similitudine ducta. Sp. L. erscheint nix capitis 
wieder bei Ennodius 35, 17 H. 

Nobilis bedeutete bei den Alten nur edel (adelig) von Geburt, 
berühmt, ausgezeichnet, z. B. nobilis gladiator Cic. Quinct. 69, medicus 
nobilissimus Cic. Cluent. 57, vgl. Landgraf zu Cic. S. Rose. S. 164 u. 
171; niemals aber entspricht es dem Worte edel in moralischem 
Sinne; dafür sagte man bonus, probus, honestus, generosus, liberalis, 
ingenuiis (Cic. Tusc. 5, 72 maxime ingenua delectatio, das edelste 
Vergyiilgen). Besonders merke man honestus, was sowohl in politi- 
schem, als in philosophischem Sinne das moralisch Edle, das Gefühl 
für Ehre und Tugend ausdrückt. — Man übersetze daher auch nicht 
edler Stolz durch nobilis superbia, sondern etwa durch generosus 
spiritus oder libera contumacia, was Cicero (Tusc. 1, 71) dem So- 
krates vor seinen Richtern beilegt. — Ebenso verhält es sich mit 
uobilitas, worin nur höchst selten (s. Fronto ad M. Ant. S. 150 N. 
nobilitas mentis), jedenfalls nicht Kl., die Bedeutung Adel der Seele 
liegt, und mit nobilitare, was nicht adeln in moralischem Sinne be- 
deutet ; man sagt dafür dignitatem afferre, generosum oder humanuni 
reddere (facere), ad humanitatem perducere u. ähnl. — Bei Pflanzen, 
wo wir veredeln sagen, brauche man mitigare. 

Nocere, schaden, wird überall nur mit dem Dativ verbunden, 
und steht daher bei allen Bessern im Passiv nur impersonal mit 
einem Dativ, z. B. mihi nocetur. Nocere aliquem und daher noeeor 
war vulgärlateinisch; die Beispiele findet man bei Rönsch Ital. S. 441, 
Coli. phil. S. 108 u. 173, Neue-Wagener 3 III, 6, Gölzer Hieron. S. 303, 
Praun S. 89, Paucker lat. Hier. S. 144, Georges Jahresbericht 1884 
S. 115, Hoppe Synt. Tert. S. 15, Archiv VIII S. 471. 

Noctambidns, der Nachtwandler, d. h. der im ScJUaf Umgehende, 
ist N. L.; die Arzte verwerfen es und wollen lieber somnambuhis 
setzen, welches freilich auch neu, aber dem Sinne nach besser ist. 
Bei den Alten findet sich dafür kein anderes Wort, als etwa lunaticus. 

Noctescere, Nacht werden, kommt nur einmal bei einem A. L. 
Dichter vor (nämlich bei Für. Antias, vgl. Gell. 18, 11, 3 und Sittl 
in Wölfflins Archiv I S. 487), welchem es Muret einigemal nach- 
gebraucht hat, für advesperascere oder nox obducitur, offunditar, 
ingruü, tenebrae ingrnunt oder oboriuntur. 

Noctu, nachts, nächtlicher Weile, ist selten, aber Kl. und gut 
neben nocte; über den Unterschied beider bei Caes. vgl. Meusel 
Jahresber. 1894 S. 290 (nocte == in der nächsten Nacht). Un- 
lateinisch ist quadam noctu, hac noctu. Vgl. Diu und Hey Semas. 
Stud. S. 126 Anm. 2, Neue-Wagener 3 II S. 651, Rönsch Coli. S. 131. 

Noctuabundue, bei Nacht, zur Nachtzeit reisend, gleich nocte 
oder noctu findet sich nur bei Cic. Attic. 12, 1, 2 noctuabundus ad 
me venit; vgl. Stinner S. 32. Ohne Erfolg verdächtigt Boot zu Cic. 



Nocuus — 153 — Nomen 

Att. 12, 1, 2 das Wort, das hinsichtlich seiner Bildung und Bedeutung 
allerdings ganz absonderlich ist. 

Nocuus, schädlich, ist nur P. u. Sp. L. für perniciosus, inutilis, 
infestus und das von Sallust in die Prosa eingeführte, bei Cic. und 
Caes. nicht gebrauchte, aber dann mit Livius im N Kl. übliche 
noxius, vgl. Hey Sem. Stud. S. 196 f. 

Nodus, der Knoten. Die nur im A. L. und im Sp. L. vor- 
kommende Redensart nodum in scirpo quaerere, Schivierigkeit finden, 
wo keine isf, werde nur mit dem Zusätze ut ahmt angewandt, vgl. 
Plaut. Men. 247 und dazu Brix, Ter. Andr. 941 und dazu Meissner 
und Spengel, Ennius ann. 576 M. und die Stelle des Festus 330, 
sowie Otto in Wölfflins Arch. IV S. 190 u. Marx zu Lucil. 1, 36. — 
Nodus wird auch trop. gebraucht = vinculum, und zwar sowohl als 
einigendes, zusammenhaltendes Band, z. B. amicitiae nodus, vgl. 
SeyfYert-Müller z. Lael. S. 350, als im Sinne von Hemmnis, Schwierig- 
keit, Verwickelung, daher die Phrasen: nodos linguae solvere, Justin 
13, 7, 6, in difficilem nodum incidere, Cael. bei Cic. fam. 8, 11, 1, 
dum hie nodus expediatur, Cic. Att. 5, 21, 3; vgl. noch ep. ad Brut. 
1, 18, 5, Juvenal 8, 50 u. Burg S. 66. 

Nolle. Nach nolo folgt Inf., Acc. c. inf., Konj., z. B. nolo venias; 
aber nolo ut findet sich vielleicht nur Hygin lab. 189, 9 nolo, ut 
f alias, vgl. Sjöstrand Loci S. 15. — Das heutzutage übliche nolens 
volem kommt nirgends bei einem Alten vor und ist N. L. für coactus, 
invitus oder velim nolim, vettern nollem (abgeändert nach den Per- 
sonen), oder wie bei Livius seit velim, seit nolim. Überhaupt kommt 
noleyis nirgends Kl. bei Caesar und Cic. vor; N. Kl. findet man es 
nicht selten, zuerst vielleicht bei Celsus, vgl. Brolen S. 18. Für 
nolens sagt die Kl. Sprache, auch Liv., invitus, z. B.: volens — in- 
vitus, Liv. 3, 40, 4; volens seit invitus, ibid. 7, 40, 13. Sp. L. ganz 
vereinzelt findet sich das Adv. nolenter, vgl. Archiv XI S. 130, 
Neue-Wagener 3 II S. 721. Näheres über nolens volens, das im 
Mittelalter entstanden ist, sowie über velim nolim u. ähnl. findet man 
bei Preuss S. 45 f., Neue -Wagener 3 III S. 622. 

Nomen, der Name. Inhalt: nomen = Ruf, guter Name; — 
Namen führen; — nomen mihi est; — Wie ist dein Name ? N. 
gehen, bekennen u. ähnl.; — von (unter) meinem Namen, sub no- 
mine; — Bedeutungen von nomine; — Im Namen des Staates. — 
Nomen wird auch bei den Alten in der Bedeutung Ruf gebraucht, 
aber nur in gutem Sinne, der gute Ruf, Ruhm, ohne den Zu- 
satz bonum ; also nicht bonum nomen, ein guter Name, guter 
Ruf, sondern nur nomen oder existimatio (Cic. inv. 2, 157), fama, 
bona fama; nirgends findet sich in der früheren Prosa daher auch 
malum nomen u. ähnl. Dem steht nicht entgegen Cic. fam. 5, 6, 2 
ut bonum nomen existimer und Sen. ben. 5, 22, 1 lenta nomina, non 
mala; denn hier geht nomen auf den Kredit und erträgt daher 
wohl den Zusatz bonum oder malum. Aber im ethischen Sinne 
kommt nomen honnm und nomen nuihnii erst 8p. L. bei Hieronymus 



Nomen — 154 — Nomen 

vor: Magis eligendum in paupertaie nomen bonuwi, quam in divitiis 
nomen pessimum, Comment. epp. Plin. epp. ad Titum, Parisiis 1546, 
S. 104 H. Wie aber bei occasio nicht bona, dagegen magna, qnanta 
etc. stehen kann, so findet sich auch und zwar Kl. magnwn, quantum, 
tantum und negativ nulluni in Verbindung mit nomen, vgl. Cic. Phil. 
11, 35 tantum eins in Syria nomen est, orat. 22 mag n um in oratoribus 
nomen habet. — Einen Namen führen heisst gewöhnlich nicht nomen 
gerere, sondern nomen habere, vgl. Cic. Yerr. 5, 112 harn habent Uli 
non mala nomina Latina, Sali. bist. 3, 79 nomen Danuvium habet, 
und von einem Bache sagt man gewöhnlich inscribitur oder inscriptus 
est, es führt den Namen, hat den Titel. Indes lesen wir doch coq- 
nomen gerere bei Sen. epp. 91, 17 und nomen gerere bei Lact. 1, 20, 
3; 4, 29, 15 und 7, 26, 9. — In der Redensart nomen mihi est 
tritt der bestimmte Name im Genitiv zuerst bei Vell. Pat. auf, vgl. 
1, 11, 2 cui ex virtute Macedonici nomen inditum, vgl. Dräger H. 
Synt. I S. 435, meine Synt. 3 § 74 Anm.; bei Sali. hist. 3, 44 M. cui 
nomen oblivionis condiderant ist oblivionis Gen. definitivus der Sache, 
wie er sich in andern Phrasen mit nomen ausser mihi est nomen 
auch bei Cic. findet, z.B. Cic. Mur. 13 qaae nomen voluptatis habent, 
vgl. Landgraf z. St. Bei Cicero und Caesar ist der Nominativ des 
Namens Regel (Ausnahmen nur Cic. S. Rose. 17, Yerr. 3, 74 und 5, 
16), bei Sallust wie im A. L. der Dativ; näheres siehe bei Landgraf 
zu S. Rose. S. 162, Stegmann in N. Jahrb. 1887, S. 261, Bonnet Greg. 
S. 544. — Unser tuie heissest du, wie ist dein Name % wird gewöhn- 
lich durch qaod tibi est nomen f qui vocaris ? bei Plautus durch quid 
tibi est nomen? vgl. Brix zu Trin. 889 und Lorenz zu Pseud. 615, 
nicht durch quod tuum est nomen ? ausgedrückt. Einen Namen geben 
heisst nomen dare, ponere, imponere, z. B. Cic. inv. 1, 34; fin. 3, 14; 
Tusc. 3, 81; nirgends bei Cic. u. Caes. finden wir nomen indere, aber 
schon bei Plaut., z. B. Capt. 286, bei Sali., Liv. u. N Kl; für einen 
einen Namen suchen = quaerere, vgl. Sali. hist. 3, 67 mari nomen 
inhospitali (sie, M.) quaesiverant; einen Namen herleiten nomen ducere 
Cic. nat. 3, 62. Einen Namen von etwas erhalten, bekommen, heisst 
entweder nomen assequi ab aliqua re, Cic. Tusc. 5, 7, oder nominari, 
nomen trahere, ducere, reperire, invenire ex aliquo, ex aliqua re, 
selten ab aliquo, ab aliqua re; z. B. sie haben ihren Namen nicht 
von dem Namen einer Kunst, sondern eines Volkes erhalten, non ex 
artis, sed ex gentis vocabulo nominati sunt (Cic. divin. 1, 2), vgl. 
Band I s. v. Invenire. Einmal bei Caesar civ. 3, 112, 1 steht nomen 
aeeipere ab insula, nirgends bei Cicero, aber bei Yarro 1. lat. 5, 
149, bei Sali. hist. 2, 98, 3 M. und im N Kl bei Tac. ann. 6, 37 
u. 15, 74, Plin. epp. 2, 10, 8 und sonst oft, bei Quintil. 9, 1, 8 u. 
3, 3, 13 u. s. w. und 8p. L. bei Justin 1, 5, 1. — In oder unter 
meinem Namen etwas schreiben, melden, grüssen heisst nicht in oder 
sab meo nomine, sondern bloss meo nomine, und bei nuntiare, de- 
nn utiare und salutare auch meis verbis ; z. 11 im Namen des Senates, 
senatus verbis (Livius 9, 36, 14); im Namen des Diktators, dietatoris 



Nomen — 155 — Nomen 

verbis (ib. 22, 58, 9), — beides meistens mit vor-, nicht »abgesetztem 
mens oder dem Genitiv desjenigen, in dessen Namen etwas geschieht, 
selten in umgekehrter Ordnung, wie bei Cic. (Q. fr. 1, 3, 4): verbis 
meis nuntiare. Aber N Kl. seit Livius findet sich sub nomine = 
unter dem fälschlich angenommenen, vorgegebeneyi Namen, z. B.: multa 
vana sub nomine celebri vnlgabantur = auf den Namen hin, Tac. 
ann. 6, 12, ib. 13, 25, hist. 1, 5; libellos sub alieno nomine edere, 
Suet. Octav. 55 und Quintil. 7, 2, 24, Liv. 40, 54, 9. Bei Liv. 43, 
16,6 heisst es: rogatio r&pente sub unius tribuni nomine promulgatur. 
Hier bedeutet sub nomine etwas anderes: auf den Namen, die Firma 
eines einzigen Namens hin, weil die leges nach den Namen der An- 
tragsteller benannt wurden. Vgl. auch Livius 1, 43, 9. So ist es 
auch bei Sueton: Quaedam etiam opera sub nomine alieno, nepotum 
scilicet et uxoris sororisque fecit, Suet. Octav. 29; diese Stelle erinnert 
an mon. Ancyr. 4, 23 sub nomine H. Marcelli generi, vgl. Wölt'flin 
Epigr. Beitr. II S. 176. Hierher gehört auch die Stelle des Plinius: 
Circumfertur sub nomine principis (=== mit dem dem Verzeichnis 
vorangestellten Namen des Kaisers) n tabida ingens rerum venalium, 
paneg. 50, 5. Ygl. Bagge S. 35. Über den Gebrauch der Juristen 
vgl. Leipold S. 21. — Sehr häufig und in vielfacher Anwendung 
findet sich der Abi. nomine mit einem attributiven Zusätze, z. B. 
meo, tuo, rei publicae etc. nomine; Seyffert-Müller z. Lael. S. 473 
unterscheiden eine dreifache Bedeutung: 1) unter dem Vorwande, 2) 
wegen, 3) im Namen; dasselbe ergibt sich auch aus folgenden Aus- 
führungen. Man merke zunächst alicui nuntiare, gratias agere meo 
nomine, wie denn Cicero (Att. 1, 16, 16) Antonio tuo nomine gratias 
egi sagt. Ebenso sagte man accipere pecuniam alicuius nomine, Geld 
auf jemandes Namen aufnehmen, z.B. Cicero (Q. fr. 1, 3, 7): acceptam 
ex aerario pecuniam tuo nomiyie (auf deinen Namen), vgl. noch Cic. 
Verr. 3, 175 eosdem abs te illarum civitatum nomine pecunias ab- 
stulisse. Merke ferner nomiyie mit dem Genitiv eines Sid)st. oder 
mit Proyi. in der Bedeutung unter dem Titel — Grund, Vorivand, 
z. B. nomine neglegentiae alicui suspectum esse, Cic. fam. 2, 1, 1; quid 
exornamus philosophiam aut quid eius nomiyie gloriosi simius, Tusc. 
2, 33; qui cum luxuriöse viverent, noyi reprehendereyitur eo nomine, 
fin. 2, 21; Clodio interfecto eo yiomine erat daynnatus, Caes. civ. 3, 21, 
4; quo noynine mandaia dedimus, Plancus bei Cic. fam. 10, 8, 5; sehr 
häufig hat im 8p. L. Tert. yiomine = wegen, z. B. Val. 28 ecclesiae 
protegeyidae nomine. Hierüber habe ich eingehend in Z. f. G. W. 
1881 S. 119 gehandelt; vgl. noch Schütz zu Hör. od. 3, 21, 5, Böckel 
zu Cic. epp. 20, 4, Georges Yell. S. 19, Bergmüller Plane. S. 40; 
Hoppe Synt. Tert. S. 30. Eine vierte Bedeutung gibt C. F. W. Müller 
z. Lael. S. 327: „gewis&ermassen, auf Konto", vgl. Cic. Plane. 68 boni 
viri et cives comitiis <tr<li(i<-iis aliquid se meo yiomine Flancio debere 
dicebant, Dagegeo ist nomen unlatein. von einem Buche in der 
Bedeutung Titel} z. B. libellus scriptus es! confutationis nomine, 
unter dem Namen, d. h. Titel einer Widerlegung, was umschrieben 



Nominare — 156 — Non 

werden muss. Vgl. Titulus. — Im Namen des Staates, so dass 
dieser als Person betrachtet würde, in deren Namen und Auftrag 
man bandelte, wird wohl nicht durch rei puMkae nomine ausgedrückt 
werden können, weil der Begriff von res publica dafür zu abstrakt 
ist. Doch ist rei publicae nomine gut, sofern es wie in den oben 
behandelten Stellen den Grund des Prädikates enthält == causa, um 
des Staates ivülen, von Staats wegen. S. Plin. epp. 3, 18, 1. Im 
Namen, d. h. im Auftrag des (republikanischen) Staates sprechen, 
unterhandeln u. dgl. wird man mit Liv. 5, 35, 5 gut durch agere 
senatus popidique nomine ausdrücken können, und so müsste denn 
nach aller Analogie auch regis, principis u. dgl. nomine bei einer 
monarchischen Verfassung richtig sein: misit regis nomine (Meleager), 
qui Perdiccam accerserent, Curt. 10, 8, 3. 

Nominare, nennen, benenneyi; — einen von etwas, wie vorhin 
schon erwähnt, ex aliqua re, doch auch vielleicht bei Cic. off. 3, 
116, vgl. C. F. W. Müller z. St., jedenfalls bei Yarro 1. lat. ab aliqua re. 
Das Verbum wird meistens da gebraucht, wo es einen Namen von etwas 
erhalten bedeutet, wie Cic. div. 1, 2 und ebenso rep. 2, 12: urbem Ro- 
mulus e suo yiomine Romam iussit nominari. Ist dies nicht der Fall, 
so wird appellare, dicere, vocare gebraucht. — Man vermeide die Sp. L. 
Verbindung des adjektivisch gebrauchten Partiz. nominatus mit den 
Wörtern ante, post, supra, infra, sie, ita für unsere deutschen Aus- 
drücke vorher, nachher, oben, unten, so genannt. Im N. L. kommt 
dies häufig vor, statt der Umschreibung mit dem Relativ quem, quam, 
quod ante nominavi, dixi u. a. ; und ebenso nominatus allein in der 
Bedeutung der Genannte, für is quem nominavi. Doch ist ita nomi- 
natus im folgenden Satze: hanc Uli ediav appellant iam a Piatone 
ita nominatam, Cic. acad. post. 30 von C. F. W. Müller wohl mit 
Unrecht als unciceronisch verdächtigt worden; denn hier ist ita 
nominatam = cum iam a Piatone ita nominata esset, also nicht = 
so genannt. — Kl. ist nominare „namhaft machen, ausdrücklich 
nennen", z. B. Cic. Lael. 22 qui pauci nominantur, vgl. Seyffert-Müller 
z. St., daher auch poeta nominatus „ein namhafter Dichter", vgl. 
C. F.W. Müller zu Cic. off. S. 196 entgegen der von Georges S. 1052 
angegebenen Erklärung; häufig ist dies nominatus im Sp. L., vgl. Gölzer 
Hieron. S.273. — Nominare inter in dem allgemeinen Sinne von nennen 
oder anführen hat wenigstens Autorität, s. Hier. comm. in epp. S. Pauli 
ad Galat. 5, 19—21; Gell. 10, 16, 12, Plin. nat. 14, 93 und 22, 55. 
N. Kl. seit Livius findet man, vgl. Bagge S. 35, nominare inter aliquos 
— in der engeren Bedeutung: jemanden als Teilnehmer an einer Ver- 
schivörung nennen oder augeben, Suet. Caes. 17, Curt. 6, 10, 5 und 
(aber ohne Präposition) Curt. 6, 9, 16 und 8, 6, 24, Liv. 9, 26, 7. 

Nominativus als Benennung des ersten Kasus deklinierbarer 
Wörter findet 'sich schon bei Varro, der ihn, wie auch Cic. orat. 160 
und Quint. 1, 5, 61, aber auch casus rectus nennt. 

Non, nicht. Inhalt: Stellung von non; — non enim; — n. in 
Fragen d. Verwunderung; — non fieri potest, f. non p. ; — non quis- 



Non — 157 — Non 

quam u. ähnlich. ; — non — ne = Verneinung, Verbot; — Kopulativ- 
partikel nach negat. Sätzen in entgegenges. Bejahung; — Nein/ mit 
folg. negat. Satz; nein vielmehr; — Rhetor. Wiederhol, von non, 
nihil; — Nein als Antwort auf direkte Frage; — deutsche Ne- 
gation in dem mit Fragewort gebildet. Ausruf; — non = non 
iam. — Dieses Wort wird im N L. oft falsch gestellt, da das 
Deutsche nicht selten verführt; z. B. qui non operam dat, für non 
dat; mensis non accurate significari potest, für non potest; hoc 
non verum esse potest, oder: hoc verum non esse potest, für non 
potest; id non animal esse posset, für non posset; opinionis est, non 
malum naturae, für non naturae malum, oder: opinionis est malum, 
non naturae; te non profecto iactare audebis, für non audebis, — 
und so viele andere. Indes finden sich doch auch Stellen, die dem 
widersprechen, vgl. Cic. fam. 7, 15, 2 non dici potest, quam valde 
gaudeam; namentlich muss man beachten, dass non oft des Nach- 
drucks halber ganz an den Anfang des Satzes tritt, selbst da, wo 
es zu einem bestimmten Worte gehört und vor diesem stehen sollte, 
z. B. Cic. Cato 8 non eum sua, sed patriae gloria splendorem asse- 
cutum. Ygl. hierüber Hofmann zu Cic. fam. 5, 2, 9 und besonders 
Böckel zu Cic. fam. 7, 15, 2. Auch wird non vor die Präposition, 
statt vor das zu negierende Wort gestellt, z. B. Cic. divin. 2, 106 
quod ipsum non ab omnibus conceditur. Yor ut muss non treten, 
wenn sed darauf folgt, z. B. Cic. de orat. 1, 75 tua oratio fuit eins 
modi, non ut idlam artem contemneres, sed ut . . diceres, vgl. Sorot' 
z. St. Das gleiche gilt für malus, nihil, welche überhaupt gerne 
vor die Konjunktion ut treten. — Grernhard hat die Behauptung 
aufgestellt, dass non enim zu Anfang eines Satzes sich kaum finde 
für nee enim. Allein non enim findet sich zu Anfang eines Satzes 
eben so oft, als neque enim. Ygl. über non enim Cic. Mil. 11, de 
orat. 2, 47; 2, 71 und 2, 88; S. Rose. 45, 106 und 111, Marc. 
20, Tusc. 1, 104, Attic. 5, 11, 6 und besonders oft in den rhetori- 
schen Schriften, z. B. opt. 12 und 21, orat. 61 und 101, Brut. 126 
und 151, de orat. 3, 75 und sonst oft. — Auch beachte man, dass 
non lat. oft in Fragen der Yerwunderung darüber, dass etwas nicht 
so sei, wie man gemeint, und des Zweifels an der Möglichkeit 
dieser Yerneinung (s. Madvig zu Cic. fin. S. 152) gebraucht wird: 
haec yion turpe est dubitare philosophos, quae ne rustici quidem 
didritant? Cic. oft . 3, 77. Quid? si nos tacemus, locus ipse tr non 
admonet, quid tibi sit deinde dicendumf leg. 3, 47. Quid? avium 
tuam . . pater tum non manifesto neeavit f Cluent. 40. Dies ist be- 
sonders häufig im silb. Latein, vgl. Grasberger S. 117; Landgraf zu 
Reisig-Haase S. 299 Anm. 437 und C. F. W. Müller im Piniol. 1854 
S. 614. — Man merke hier den Unterschied zwischen non fieri 
polest und fieri non potest; jenes bedeutet es kann sein, ixt möglich, 
dass es nicht geschieht, und wird selten gesagt; dieses aber es kann 
nicht sein, es ist nicht möglich oder unmöglich, dass es gescheite; 
dafür sagen wir meistens ganz kurz: dieses ist unmöglich. Über 



Non — 158 — Non 

unser etwas ist, war unmöglich s. unter Fieri. — Wenn Hand im 
Turs. III S. 19 lehrte und an vielen Gelehrten bis in die neueste 
Zeit (vgl. meine Bemerkung in Woch. f. klass. Phil. IV S. 78 gegen 
Oberineier) Nachfolger fand, dass im goldenen Zeitalter nicht gesagt 
wird non quidquam, non usquam, non ullum, sondern haud quid- 
quam u. s. w. für nulluni, nusquam, so ist dies unrichtig; in der 
Sprache Ciceros findet sich nie haud quisquam, sondern nur non 
quisquam, aber beide Wörter sind immer getrennt, vgl. Cic. S. Rose. 
52, inv. 1, 2 non certe quisqiiam adspexerat liberos, vgl. Schmalz 
Poilio 2 S. 38 und Landgraf zu Cic. S. Rose. 235. — Schon Quintil. 
(1, 5, 50) hält den Gebrauch des Wortes non zur Bezeichnung eines 
Verbotes, statt ne, für einen Sprachfehler; er sagt: qui dicat pro illo 
ne feceris, non feceris, in idem (soloecismi) ineidit vitium, quia alterum 
(non) negandi est, alterum (ne) vetandi. Hiernach war es Sprach- 
gesetz, non nur bei Verneinungen, ne aber bei Verboten zu brauchen, 
und darnach verlangt denn der Imperativ und sein Stellvertreter, 
der Konjunktiv, die Partikel ne, nicht non, was für uns Richtschnur 
bleiben muss, mögen auch selbst bisweilen die Alten non für ne 
gebraucht haben. Das Nötige steht gesammelt in meiner Syntax 3 
§ 205, meiner Anm. 495 zu Reisig-Haase S. 481 und der dort ver- 
zeichneten Literatur, wozu man beifüge Lönnergren S. 20, Ebert 
S. 333, Gölzer Hieron. S. 435, Gorges Gell. S. 53. Namentlich sehe 
man auch die Indices der Script, eccl. lat. ein, um sich einen Begriff 
von der weiten Verbreitung des non anstatt des ne im 8p. L. zu 
machen. — Es ist bemerkenswert, dass im Lateinischen nach einem 
negativen Satz oft die entgegengesetzte Bejahung nicht durch eine 
Adversativ-, sondern durch eine Kopidativpartikel, et, que, atque 
eingereiht wird : in quo (considatu) ego imperavi nihil et contra 
patribus conscriptis . . . parui, Cic. Süll. 21; non enim tua ulla culpa 
est . . . contraque summa laus, Marc. 6, 20; vgl. Landgraf zu Cic. 
Süll. 21 und meine Syntax 3 § 225. — Unser Nein! mit einem 
folgenden verneinenden Satze heisst nicht non mit einer folgenden 
zweiten Verneinung, sondern non steht nur einmal; z. B. Nein! so 
ist es nicht, ihr Richter: nein! wahrlich nicht, non est ita, iudices! 
non est profecto (Cic. Flacc. 53), nicht aber non jedesmal wiederholt; 
nein! das werde ich nicht tun! heisst bloss non faciam (Matius Cic. 
fam. 11, 28, 5), nicht mit doppeltem non — und so überall, wo wir 
das verstärkende nein! vorsetzen. Vgl. darüber Wölfflin Gem. S. 438, 
Näg.-Müller 9 S. 789, Landgraf zu Cic. S. Rose. S. 348 f. Nur bei 
Dichtern, z. B. Catull 14, 16 und in Prosa im 8p. L., z. B. bei 
Sulp. Sev. ep. 2 non deerit, mihi crede, non, non deerit findet sich 
doppeltes non zusammengestellt. — Auch das deutsche verbessernde 
nein! vielmehr wird bloss durch potius oder vel (sive) potius, nicht 
aber durch non potius übersetzt; z. B. was sage ich, ihr iverdet ge- 
halten, nein! vielmehr wir (iverden gehalten), quid dico, iudicamini? 
iudicamur potius (Cic. fam. 12, 3, 1). — Davon ist verschieden, wenn 
rhetorisch bald nach einander non wiederholt wird; z. B. non fuit 



Non adhuc — 159 — Nonduin 

igitur illud iudicium iudicii simile, iudices, non fuit (Cic. Cluent. 96) ; 
non est, non est in hoc nomine peccandi locus (Cic. Yerr. 1, 10); 
non illa praesidia, quae — — etsi — non afferunt tarnen [oraton] 
(Cic. Mil. 2), wo das zweite non wegen der Zwischensätze kraftvoll 
wiederholt ist. Und so werden nemo und nihil rhetorisch bisweilen 
verdoppelt gesetzt, jedoch so, dass meistens zu dem zweiten das 
Yerbum inqnam tritt. Über diese Gemination vgl. Wölfflin Gemin. 
S. 434. — Wenn wir eine direkte Frage mit Nein beantworten, 
z.B.: hat der Vater den Sohn enterbt? Nein! so ist es auch im 
Lateinischen ebenso: exheredavitne (pater filium) f Non/ Cic. S. Rose. 
54; iudices non crimina, non testes, non existimationem populi 
Bontäni sequenturf Non! Cic. Yerr. act. 1, 20. Immerhin aber hat 
die Kl. Sprache sehr selten non ohne Yerbum verwendet, dieser 
Gebrauch gehört der Umgangssprache an. Mehr Stellen haben 
Hellmuth act. Erl. I S. 136 und Thielmann Cornif. S. 71 aus KL 
Zeit, Holtze II S. 285 für Plaut, und Terenz. Ygl. noch Dräger H. 
Synt. I, § 84 und Landgraf zu S. Rose. S. 238, Nägelsb.-Müller 9 S. 372, 
Burg S. 57. — Im Deutschen endlich gebrauchen wir in einem mit 
einem Fragewort gebildeten Ausruf oft die Negation, obgleich der 
Satz positiv ist, z. B.: ivie gross ist nicht seine Torheit, was lat. nur 
heissen kann: quanta eins est stultitia, während non lat. nur in 
einem wirklich negativen Satze gesetzt werden darf, z. B.: quam id 
te non decebat = ivie ivenig ziemte sich dies für dich. Dem wider- 
spricht nicht Ovid her. 11, 39 qiias mihi non herbas, quae non 
medicamina nutrix attulit! Denn hier ist quas non u. quae non — 
alle. Darnach ist zu berichtigen Wiehert Stil. S. 196, der die ger- 
manisierende Zufügung der Negation bei Phaedr. App. II Burm. 24 
16 Hie secum Verax tanta si mendacio sit merces, qaanto non ego, 
dixit, munere donabor, verum si pro more dixero^ findet, während 
doch qaanto non wie qui non gebraucht ist. — Über non = non 
tarn vgl. s. v. Iam am Ende. 

Non adhuc oder adhuc non, noch nicht, verwerfen Einige als 
nicht gut lat., aber es ist ebenso Kl. und gut wie nondum. 

Non admodum, nicht sehr; vgl. Non valde und Jfaguojm'e. 

Nondam mit vorausgesetztem et — et nondum, und noch nicht. 
steht selten für needum oder nequedum; über letzteres vgl. Boot zu 
Cic. Att. 1, 5, 3, wo noch auf Att, 14, 10, 4, Tusc. 3, 68, Cluent. 
73 und Q. fr. 3, 8, 1 verwiesen ist. Es ist N. Kl., needum für 
nondum zu gebrauchen, vgl. Ribbeck Part. S. 24, und so finden wir 
denn bei Tac. hist. 1, 31, Plin. pan. 14, 56 und Sp. L. gar et needum. 
Im Sp. L. erweitert needum immer mehr sein Gebiet auf Kosten 
von nondum, vgl. die Stellen bei Gölzer Hieron. S. 434, Paucker 
Diomedes S. 6, Rhein. Mus. 38, S. 561, Bonnet Greg. S. 311. Über 
needum bei Livius, wo der Übergang zum N. Kl. Gebrauch sich 
vollzieht, vgl. Wölfflin zu Liv. 21, 18, 8. — Unser noch nicht einmal, 
in der Bedeutung kaum noch, heisst vixdum; z. B.: ich hatte deinen 
Brief noch, nicht einmal <j<'lesci/, als — , vixdum epistulam tuain 



Non modo — 160 — Non nihil 

legeram, cum — . — Daraus folgt noch nicht heisst nicht nondum 
Sequilar, es genügt non sequitur, vgl. s. v. Sequi. — In einem folgen- 
den Satze mit noch nicht wird wohl nondum nicht wiederholt, sondern 
nur non gesetzt, wie bei nonne. 

Non modo, nicht nur, wird in der Bedeutung nicht nur nicht 
bei folgendem sed etiam verworfen für das vollständige non modo 
non. Sonach ist zu tadeln: Ille vero non modo intermisit, sed auxit 
etiam quotidie — , für non modo non — , er unterüess es aber nicht 
nur nicht. Anders ist es aber in Sätzen, wo sed ne — quidem, aber 
nicht einmal, aber auch nicht, oder sed vix, aber kaum, folgt; hier 
gilt die Regel, dass non wegbleibt, wenn beide Sätze ein gemein- 
schaftliches, erst im zweiten Satze stehendes Prädikat haben, z. B. 
Cic. S. Rose. 65 non modo sine cura quiescere, sed ne spirare quidem 
sine metn 21 os sunt. Allein auch hievon finden sich Abweichungen, 
weil non modo = ich will nicht sagen, nickt etwa bedeutet. Näheres 
über non modo findet man bei Seyffert-Müller zu Lael. S. 515, 
Landgraf zu Cic. S. Rose. S. 256, id. zu Reisig-Haase S. 241, Anm. 
419 e und der daselbst verzeichneten Literatur. 

Nonne; über den Gebrauch des Wortes im A. L. vgl. s. v. Ne. 
Über die Herleitung von yiumne durch volksetymologische Vermitt- 
lung vgl. 0. Keller Lat. Etym. S. 74 und 156, dagegen aber 
F. Cramer in N. Jahrb. 1897 S. 106. Nonne steht nicht nur in ge- 
rader, sondern auch in ungerader Frage, aber nur nach quaero und 
dies nur bei Cicero, z. B. Tusc. 5, 34: Socrates, cum esset ex 
eo quaesitum, Archelaum — nonne beatum putaret (ob er nicht — 
hielte). Ygl. meine Syntax 3 § 272, Landgraf zu Reisig-Haase S. 300, 
Anm. 437, Madvig zu Cic. fin. 2, 58 ; Gutsche S. 25. — Wenn sich 
an eine erste Frage mit nonne andere ähnliche anreihen, so folgen 
sie meistens mit non, nur selten mit nonne : nonne vobis haec, 
quae audistis, oculis cernere videmini? non illum miserum rede- 
untern a cena videtis? non positas insidias, non impetum repen- 
tinumf Cic. S. Rose. 98 und ganz ebenso Süll. 7 und Cat. 
1, 27. Hingegen bei Cic. Yerr. 5, 149, Flacc. 30, Deiot. 32, nat. 
deor. 3, 13, sowie Caes. civ. 2, 32, 8 steht nonne auch in den an 
die erste Frage angereihten weitern Fragesätzen: nonne extremam 
paii fortunam paratos proiecit ille? nonne sibi dam vobis salutem 
fuga petivit? nonne proditi per illum Caesar is beneficio estis conser- 
ni tif Vgl. Landgraf zu S. Rose. S. 315 und zu Reisig-Haase S. 300, 
Stegmann in N. Jahrb. 1887 S. 261. — Nur selten trifft man nonne 
ohne Verbum = nicht wahr, z. B. Cic. Caec. 37, vgl. Hellmuth act. 
Erl. I S. 139. 

Non nemo verwechsle man nicht mit nemo non; jenes bedeutet 
mancher, jemand, dieses aber jeder, alle. Ebenso ist 

Non nihil, etwas, verschieden von nihil non, jedes, alles. Es 
wird aber non nihil nicht zur Verstärkung eines Komparativs ge- 
braucht; dafür pernio. Falsch ist: hie locus est nonnihil (etwas) 
difficilior, für paulo difficilior. 



Nonnullus — 161 — Norma 

Nonnullus, einiger, steht bei Cicero und Caesar gar nicht selten 
auch im Sing., s. Halm zu Cic. Sest. 8, Att. 2, 5, 1 est in non 
accipiendo nonnulla gloria, Yat. 41 nonmdlam labeculam adspergas, 
und frumenti copiam legionarii nonmdlam habebant, Caes. civ. 1, 78, 
1; nonmdla pars militant domum discedit, ibid. 1, 13, 4 und dort 
Kraner und c. 46, 2; esse nonnidlo se Caesaris beneficio affectum, 
Gall. 7, 37, 4; qaae res nonmdlam afferebat deformitatem, Nep. 
Agesil. 8, 1, Suet. Nero 3, de grammat. 10. Es hat ursprünglich 
limitierenden Sinn und hält die Mitte zwischen nullus und magnus, 
vgl. oben nonnidlo beneficio; der Plural nonnulli legt auf das Vor- 
handensein etwelcher einen gewissen Accent und neigt so dem midti 
zu. Ygl. auch Seyffert-Müller zu Cic. Lael. 11 und 30. — Man meide 
nonnulli pauci; dies ist deutschtet, für panci oder aliquot. 

Nonmdlibi, einigemal, ist N. L. für aliquoties, nonnumquam. 

Non posse non; vgl. Posse. 

Non mit folgendem quoque, auch nicht, vgl. Etiam non. 

Non unus, nicht ein einziger, ist allerdings ungewöhnlich 
für ne unus quidem; etwas anderes ist es aber, wenn unus 
vorangeht und die Negation nachfolgt; denn wenn es bei Cic. S. 
Rose. 77 heisst: unus puer vietns quotidiani minister ex tanta familia 
Sex. Roscio relictus non est, so bemerkt Halm dazu treffend: jene 
Wendung ist gewählt, weil das so der Negation vorangestellte unus 
in schärferen Gegensatz zu omnes servos tritt, und ganz ebenso ist 
es auch bei Cic. prov. 7 : ut unum signum Byzantii ex maximo numero 
nullum haberent; ebenso bei Florus: unus vir Numantinus non fuit, 
qui in catenis duceretur, 1, 34, 17. 

Non valde, nicht sehr, wie non admodum in derselben Bedeutung, 
bei Adjektiven und Yerben, verwerfen einige als sprachwidrig, für 
non ita; aber beide sind eben so gut und KL, indem valde und 
admodum das Adj. verstärken, was non ita nicht tut. 

Nonagesies, neunzigmal, steht vielleicht Sp. L. bei Euseb. chronol. 
ol. 197 für nonagies. 

Nonies, neunmal, findet sich auf Inscr. für novies. 

Noningenti, neunhundert, kommt als Nebenform von yiongenti 
bei Columella 5, 2, 7, aber nicht Lactanz 5, 3, 4 vor, wo Brandt 
nongentorum liest, vgl. Neue -Wagener 3 II S. 297. 

Nonus deeimus, der neunzehnte, kommt N. Kl. bei Tacitus ann. 
13, 6, dial. 34, Frontin. aq. 9, ferner Sp. L. in der Vulg. u. sonst 
vor, für undevicesimus. — Durchaus unkl. sind auch alle folgenden, 
z. B. nonus et vicesimus für undetricesimus u. s. w. ; vgl. Neue- 
Wagener 3 II, 313 ff. 

Norma, das Riclitsclieit, die Vorschrift, ist fast nur im Sing, 
üblich, so dass es keine normae loquendi, Vorschriften zu reden, gibt, 
sondern nur eine norma loquendi. Nur in Verbindung mit den 
Pluralgenitiven librationum et linearum sagt Vitruv (Praef. 1. 1.) 
normarum, — Das Adj. normalis kommt selten, aber A. Kl. bei 
Quintilian 11, 3, 141 und nur in seiner eigentlichen Kunstbedeutung 

K rebe- Schmalz, Antibatburus II. \[ 




Nos — 162 — Noscere 

vor, dem Winkelmasse gemäss, nie bildlich im allgemeinen in der 
Bedeutung vorschrißsmässig, gleich legitimus. Daher ist es in dieser 
Bedeutung nicht zu gebrauchen, sondern dafür ad normam directus 
zu sagen; auch kann man es durch ad normam dirigere umschreiben. 

Nos, wir, brauchen die Alten oft für ego, zumal wenn sie etwas 
teilnehmend ausdrücken wollen, und so dürfen auch wir sagen; aber 
lächerlich ist teils der zu häufige Gebrauch, teils es für ego zu setzen, 
wenn noch eine andere Person im Sing, damit in Verbindung steht; 
z. B. ich und mein Bruder, nos et frater mens, wo es durchaus ego 
heissen muss. Es ist auch zu beachten, dass überhaupt das persön- 
liche Fürwort als Subj. eines Satzes im Lateinischen nur im Falle 
des Gegensatzes besonders ausgedrückt wird, wogegen die neuern 
Lateiner oft fehlen. S. Liv. 7, 13, 10 und das. Weissenborn und 
Liv. 6, 6, 15. Dagegen im Gegensatz: nos, nos, dico aperte, consides 
desumus, Cic. Catil. 1, 3. Die Umgangssprache allein wich davon ab 
und fügte auch unbetontes Pronomen bei, was nicht nachzuahmen 
ist, vgl. meine Syntax 3 § 13. — Wenn die Alten von nos, homines 
nostri sprechen, so ist dies so viel als unser Volk, unsere Landsleute. 
Dürfen wir nun im modernen Latein nos und homines nostri ebenso 
gebrauchen? Unbedingt sicherlich nicht! Denn wenn die Alten so 
sprachen, so meinten sie damit die geschlossene Einheit eines eine 
bestimmte Sprache redenden Volkes. Aber wo ist heutzutage diese 
Einheit und dieses Yolk? Die lat. Volkssprache ist ausgestorben 
und lediglich Sprache der allen zivilisierten Nationen angehörigen 
Gelehrten und der katholischen Kirche geblieben. Insofern muss 
man mit Recht sagen, dass nos und nostri homines Wörter von nur 
historischer Geltung und Bedeutung geworden sind; denn wenn die 
Alten bei nos nur an Latini, Romani, bei noster nur an Latinus, 
Romanus dachten, so trifft das für uns an und für sich nicht mehr 
zu. Oder: wenn im modernen Latein nos und nostri homines gesagt 
wird, so können die Leser oft darüber in Zweifel und Ungewissheit 
sein, ob damit Deutsche, Franzosen u. s. w. gemeint seien. Der 
Deutsche sage daher für quod nos dieimus: quod (nos) Germani 
dieimus (quod Germani dieunt würde den Redenden noch nicht not- 
wendig als Genossen dieses Volkes darstellen und darum das kom- 
munikative nos und noster nicht ausdrücken), quod in nostro sermone 
— in Germanico sermone dicitur, und so füge jeder den Namen des 
betreffenden Volkes oder Vaterlandes bei. Nur wenn, wie z. B. bei 
Schilderungen der Sitten, Gewohnheiten, Gesetze und religiösen 
Einrichtungen u. s. w., der Zusammenhang deutlich und klar zeigt, 
von welchem bestimmten einzelnen Volke ausschliesslich die Rede 
ist, kann nos und nostri zur Bezeichnung eines modernen Volks- 
tumes ebenso gut gebraucht werden, als damit ursprünglich die rö- 
mische Nation und Nationalität bezeichnet worden ist. 

Noscere, kennen lernen; vgl. Novisse. Der Spruch am Tempel 
zu Delphi lautet lat.: nosce te oder te nosce, vgl. Cic. Tusc. 1, 52; 
Sen. dial. 6, 11, 2; ep. 94, 28; doch findet sich auch für Selbst- 



Noster — 163 — Noster 

erkenntnis se agnoscere Cic. Tusc. 5, 70 und se cognoscere, Ovid ars 
am. 2, 499, vgl. Miodonski Phil. Call. S. 19. — Das von noscere 
abgeleitete noscitare ist ein altes Wort, welches Plautus wieder- 
holt braucht, ebenso Catull 61, 223, vgl. Riese z. St., und Caelius 
bei Quint. 4, 2, 123, vgl. Burg S. 45 ; die Kl. Sprache verschmäht 
es, Livius nimmt es wieder auf, lässt es aber mit der 3. Dekade 
fallen, vgl. Wölfflin Arch. IY S. 208. Auch Tacitus, Plin. min. und 
Curt. haben vereinzelte Beispiele. Vgl. Jonas 1872 S. 6. 

Noster. Das deutsche: das Vaterland etc. von uns, euch allen 
heisst lat. gewöhnlich patria omnium nostram, vestrum. Diese Stel- 
lung der Pron. nach omnium ist die durchaus regelmässige, ja nach 
Koch zu Cic. Mur. 55 sogar die einzige, was insofern nicht ganz zu- 
treffend ist, als bei Cic. Mil. 33 in der Aposiopese de nostrum omnium — 
non audeo totum dicere und communis nostrum omnium patria, Flacc. 
5 gefunden wird. Indes haben C. F. W. Müller und Clark mit 
Gaumitz Progr. Dresden 1884, vgl. auch Landgraf Jahresber. 1884/85 
S. 45, die ganze Stelle Mil. 33 gestrichen, weshalb nur Flacc. 5 be- 
weiskräftig ist. Ganz dasselbe gilt auch von vestrum, denn während 
omnium vestrum wieder das gewöhnliche ist, kennen wir für die 
umgekehrte Stellung nur zwei Belege: caedes vestrum omnium, Cic. 
Phil. 14, 15 und: voluntati vestrum omnium parui, de orat. 3, 208. — 
In Betreff der weitern Frage, wie der Genitiv nostrum, vestrum (vor 
oder nach omnium gesetzt) zu erklären sei, hat Yogelmann im 
Württembergischen Korrespondenzblatt überzeugend dargetan, dass 
hier an keinen Genitiv partit. zu denken sei, sondern dass zu diesen 
Formen das Moment der Attraktion an omnium geführt habe; das 
war aber hier um so leichter und natürlicher, als nostrum, vestrum 
auch für sich allein im Genit. ohne partitiven Sinn steht, wofür 
Hofmann zu Cic. Att. 7, 9, 4 auch splendor vestrum, Cic. Att. 7, 13, 
A. 3 und custodem huius nrbis ac vestrum, Catil. 3, 29 und frequentia 
vestrum incredibilis, Phil. 4, 1 anführt; vgl. noch Phil. 5, 2; 6, 18; 
leg. agr. 2, 55. Wenn aber das Pron. dem betreffenden Subst. und 
dem von demselben regierten omnium vorangeht, so konnte die 
Attraktion an omnium ganz unterbleiben. Mit Recht hat daher 
Vogelmann noster, vester omnium anerkannt. Die Belegstellen dafür 
sind folgende: qui de nostro omnium interitu cogitent, Cic. Cat. 1, 9; 
ad vestram omnium caedem . . . Romae restiterunt, 4, 4; in nostro 
omnium fletu nullam lacrimam aspexistis Milonis, Cic. Mil. 92 und 
schon bei Terenz: (cid credas) nostram vitam omnium, Ad. 331. 
Nach Cicero scheint diese Verbindung fast gänzlich in Abnahme 
gekommen zu sein, denn mit Ausnahme der Stelle cogor vestram 
omnium vicem unus consulere (Liv. 25, 38, 3) steht sonst bei Livius 
nur omnium nostrum, vestrum, s. 25, 38, 2 und 21, 43, 18. 
Aus der nachklass. Periode aber kennen wir für omnium nostrum, 
vestrum gar keine Autorität; was Allgayer aus Gell. 6 (7), 19, 5 de 
ea re nostrum sententia omnium ea est zitierte, ist aus einem alten 
Dekret aus der Zeit des Scipio Africanus, und so finden wir das 



Noster — 164 — Noster 

erste Beispiel wieder beiLactanz: o miseram öblivionem nostrum omnium, 
3, 18, 16. Sehr spätlat. hingegen findet sich dieser Ausdruck wieder 
bei den Kirchenvätern und zwar so, dass merkwürdigerweise auch 
bei ihnen die Stellung omnium nostrum, vestrum das regelmässige 
ist, Stellen wie vestrum omnium. Aug. c. Iul. Pel. II, § 36, vestrum 
omnium vultum bei Leo Append. Opp. T. 3, S. 876 (M.) zu den 
grössten Seltenheiten gehören. Geht noster, vester dem dazu ge- 
hörigen Subst. und dem von ihm abhängigen Genitiv omnium voran, 
so haben auch sie die in diesem Falle von Cicero angewendete Art 
des Ausdrucks: nostra omnium delicta, Greg. M. lib. sacram. N. 820; 
gut ieiunii quadragesimalis observationem in unigenito filio tuo legis 
et prophetarum nostroque omnium domino exornasti, ibid. sabb. in 
hebd. tertia (Praef. S. 51) qui pridie quam pro nostra omnium salute 
pateretur, ibid. S. 66 unten; in nostra omnium communione persistit, 
Leo M. epp. 45, 2. — In der Umgangssprache sprang man schlimm 
mit den pronominalen Genitiven um, und so finden wir dort Ver- 
wechslungen aller Art, z. B. vostrorum omnium für vostrum omnium, 
quisquam vostrarum für quisquam vostrum u. s. w., vgl. Wagner zu 
Ter. Haut. 386, Lorenz zu Plaut. Pseud. 4 und 563, Brandt zu Lact. 
3, 18, 16, wo H nostrorum omnium bietet (über Codex H vgl. 
Brandt praefat. S. 35). — Ferner wird noster bei den Alten jeder ge- 
nannt, der uns angehört, unser Freund, unser Landsmann ist, zu 
unserer Partei gehört, und in wissenschaftlichen Dingen unser Berufs- 
genosse (Cic. Tusc. 5, 103), der, welchem wir anhängen und zu 
folgen pflegen, wie bei Cicero Plato noster in der Philosophie, 
Polybius noster in der Geschichte, nostri poetae sententia — Satz, 
Sentenz unseres vaterländischen Dichters, Colum. 1, 3, 26 und 2, 8, 
1; ut ait poeta ille noster, Cic. Rab. Post. 28, Cato 24: ut ait 
Statius noster in Synephebis; aber nie so, wie wir es sehr häufig 
bei Erklärung alter und neuer Schriftsteller brauchen; z. B. noster 
Cicero, noster Plato, yioster poeta, noster Vergilius, indem wir den, 
mit dessen Erklärung wir uns gerade vorübergehend beschäftigen, 
nostrum (unsem) nennen; — für diesen Gebrauch fehlt ein Beweis 
aus einem Alten. Doch sagt Cicero hie noster zwar nicht vom 
Redner, der erklärt, ausgelegt werden soll, aber doch von dem, der 
nach seinen Eigenschaften geschildert worden war, s. orat. 99. Eben- 
so wenig sagten die Alten: locus noster, hie locus noster, hoc verbum 
nostrum, was man so oft in Anmerkungen findet. Meistens reicht 
hie hin oder bei Personen bloss der Name. — Wiewohl nostra tem- 
pora, nostra memoria, nostra aetas — die jetzige, gegenivärtige Zeit 
bedeutet, so sagt man doch nie nostri dies, und N. L. ist also nostris 
diebus, in unsem Tagen, für las diebus oder, was meistens denselben 
Sinn hat, memoria nostra. — Wenngleich maiores nostri gesagt 
wird, so steht doch more maiorum nostrorum (nach Sitte unserer 
Vorfahren) nirgends, lässt sich aber durch exemplo maiorum nostrorum 
(so Riemann, Weissenborn nostrum), Liv. 24, 8, 17, verteidigen; 
gewöhnlich sagt man bloss more maiorum. Ganz gewöhnlich aber 



Nota — 165 — Notitia 

sagte man maiores nostri, in umgekehrter Ordnung, nostri maiores, 
nur dann, wenn sie im Gegensatze zu den Vorfahren eines fremden 
Volkes stehen, wie in Cic. Lael. 18, wo es nostri maiores, nicht 
maiores nostri heissen muss. 

Nota ist in der Bedeutung erklärende Anmerkung zu irgend 
einer Stelle einer Schrift ohne alle Autorität, dafür annotatio u. a. 
Vgl. Annotare. — Was nota bei den Alten bedeutete, darüber vgl. 
Nägelsbach -Müller 9 S. 38, Seyffert-Müller zu Lael. S. 405 (nota == 
Unterscheidungsmerkmal, Kriterium), Lagergren S. 77, Bonnet Greg. 

5. 49, oben s. v. farina und s. v. notarius. 

Notarius kommt in Kl. Sprache nicht vor, zuerst vielleicht in 
der Apocol. 9 quae notarius persequi non potuit, dann bei Quint. 7, 
2, 24, bedeutet aber hier ein Geschwindschreiber, der mit Abkür- 
zungen, welche notae hiessen, schreibt; erst Sp. L., z. B. bei den 
scr. h. Aug., bei Symm., vgl. Schulze Symm. S. 63, und bei Greg. 
Turon., vgl. Bonnet S. 89, bezeichnet es den Schreiber überhaupt 
oder den Sekretär. Für unser Notar kann notarius nur mit er- 
klärendem Zusätze gebraucht werden. 

Notescere, bekannt iverden, kommt fast nur P. L., ausser N. Kl. 
bei Tacitus und Sueton (Aug. 43, Nero 42), Lact. 4, 2, 5 vor, für 
die wenigstens öfter, obgleich auch nur N. Kl. vorkommenden 
Formen enotescere und innotescere; ausserdem brauche man notum 
fieri, celebrari. Vgl. Bagge S. 35, Sittl in Wölfflins Archiv I S. 482, 
Klotz Stil. S. 173, Dräger zu Tac. ann. 1, 73. 

Nothus, unehelich erzeugt, ist ein in Ermangelung eines lat. 
Wortes von den Juristen aus dem Griechischen genommenes Wort 
für non legitimus; es unterscheidet sich von spurius so, dass die 
nothi erzeugt sind a patre certo, die spurii aber nicht. In der 
Grammatik sind bei Varro 1. lat. 10, 70 notha nomina von einem 
Fremdworte auf römischem Sprachgebiet hergeleitete Ausdrücke. In 
der bildlichen Bedeutung unecht, erborgt, ist es nur P. L. ; man setze 
dafür non genuinus, alienus, falsus, adulterinus u. a. 

Notificare, bekannt machen, ist vielleicht nur A. L. und kommt 
auch so nur höchst selten vor, für notum alicui aliquid facere, was 
Kl. ist, vgl. Cic. Att. 15, 19, 2 facies omnia mihi nota, vgl. Georges 
Jahresber. 1882, S. 256, certiorem aliquem alicuius rei, de aliqua re 
facere, oder wenn es so viel ist als ausplaudern, verraten, enuntiare 
alicui aliquid u. dgl. 

Notitia ist einmal das Bekanntsein, z. B. Nep. Dion. 9, 4 hi 
propter notitiam sunt intromissi (aber nicht bei Cicero und Caesar, 
jedoch häufig im N Kl.), sodann aktiv die Bekanntschaft mit, das 
Wissen um ehvas, z. B. Cic. leg. 1, 24 notitiam habere dei; so ist 
denn z. B. Orts-, Lokalkenntnis lat. notitia locorum, Plin. uat. 5, 38 
und Liv. 4, 19, 6. Daher heisst unser: es war etwas zur allgemeinen 
Kenntnis gekommen, /-es in notitiam hominum perveneratj Sen. exe. 
contr. 6, 2, 5; quo notitia Bupplioii ad posteros pervmiret, Val. Max. 

6, 3, 1 (Halm aber liest: quo itistitia supplidi notior t(<l posteros 



Notorius — 166 — Novantiquus 

perveniret) ; in notitiam populi pervenire, Liv. 22, 26, 2; in notitiam 
alicuius aliquid perferre, Plin. epp. 10, 18 (86 B.) 2. Jedoch hüte 
mau sich vor der Phrase ad nostram notitiam venit, es ist zu unserer 
Kenntnis gekommen; entweder brauche man die oben erwähnten 
N. Kl. Phrasen oder comperimus. — Was wir aber Notizen, d. h. 
Mitteilungen, Aufzeichnungen über etivas nennen,* ist lat. niemals 
notitiae, also sind historische Notizen nicht notitiae historicae, sondern 
historiae flosculi, Gell. 17, 21, 1, excerpta, res excerptae ex historia 
(Graeca etc.) oder commentarii de vita et rebus gestis alicuius oder 
res mit einem Verbum, wie indicantur, significantur, oder auch 
wohl je nach dem Sinne, indicium, testimonium u. a. 

Notorius, kund tuend, z. B. notoria sc. epistula, ist ganz 8p. L. 
für notus, vulgatus, pervulgatus, apertus, manifesius u. a., vgl. Paucker 
lat. scr. h. Aug. S. 105. — B. L. ist notorie für aperte, manifeste. 

Notida, die kleine Anmerkung. Der Wert dieses Wortes hängt 
von dem Werte des Wortes nota ab, da es, wie dieses, nirgends in 
der angegebenen Bedeutung vorkommt, für brevis annotatio oder das 
Sp. L. annotatiuncula. 

Notus hat teils passive, teils aktive Bedeutung; jene ist die 
gebräuchlichste, nämlich bekannt, welchen andere kennen (auch im 
bösen Sinne = berüchtigt, z. B. notissimi latronum duces, Cic. fam. 
10, 14, 1, Hör. carm. 3, 4, 70, Ov. met. 1, 198), aber die aktive, 
der, welcher andere kennt, ist höchst selten, immerhin aber wird sie 
als Kl. anerkannt werden müssen, vgl. Richter und Thomas zu Cic. 
Verr. 5, 75 apud notos. Sicher aktiv ist notus im b. Hisp. 3, 3, 
vgl. Köhler act. Erl. I S. 398 und jetzt auch Wölf'flin Archiv XII 
S. 164, dann bei Dictys Cret. 6, 7; auch habe ich es Sali. Jug. 97, 
5 hergestellt, vgl. meine Anm. z. St. Schönfeld S. 24 nimmt bei 
Plaut. Pseud. 979 novi: notis praedicas ebenso aktive Bedeutung an, 
Lorenz z. St. schweigt. Wie notus zur aktiven Bedeutung kam, 
zeigt besonders Hör. ep. 1, 10, 5 vetuli notique columbi, wo noti = 
bekannt ist; aber aus der passiven Bedeutung inter se noti ergibt 
sich notwendig die aktive = die sich komen. Immerhin meide 
man es und ersetze es durch gnarus, qui alios novit. — Einen mit 
sich bekannt machen heisst aliquem sibi notum facere, und einen mit 
etivas bekannt machen, alicui aliquid notum facere, aliquem alicuius 
rei oder de aliqua re certiorem (s. certus) facere; bekannt mit etwas 
heisst nur gnarus alicuius rei, nie notus. — Notus wird endlich auch 
(selten, aber klass.) substantivisch gebraucht: hi suos notos hospites- 
que quaerebant, Caes. civ. 1, 74, 5; de dignitate M. Caelius notis ac 
maioribus natu . . . facile ipse respondet, Cic. Cael. 3; selbst im 
Sing., z. B. b. Alex. 16, 5, vgl. Ott im Progr. Rottweil 1869, S. 11, 
Frese S. 57. 

Notus als Subst., der Südivind, ist nur P. L. und aus dem 
Griechischen, für Auster. 

Novantiquus ist in der Bedeutung halb neu und halb alt 
N. L. unerhörte Zusammensetzung; es muss umschrieben werden, 



Noveüus — 167 — Novilunium 

so sehr es sich oft, zumal auf Titeln, durch seine Kürze em- 
pfehlen mag. 

Novellus, jung, gehört der Bauernsprache an; so lesen wir Cato 
agr. 33, 2 vitis novella, häufig treffen wir es bei Varro, einmal auch 
bei Cic. fin. 5, 39 arbor novella et vetula, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. 
S. 426; bei Livius 2, 39, 3 wird novella kaum richtig sein, vgl. 
M. Müller z. St.; oft aber findet es sich im Sp. L. bei Hieron., vgl. 
Gölzer Hieron. S. 158, ferner bei Arnobius, oft bei Ennodius, bei 
Cyprian, überhaupt im afrikanischen Latein und hier ganz im Sinne 
von novus, vgl. Wölfflin Cass. Fei. S. 408 und Schulze Symm. S. 55, 
bei Terentian, vgl. Werth S. 310. Aber novellae als Subst., in der 
Bedeutung Neuigkeiten, Zeitungen, ist N. L. für res novae, commen- 
tarii rerum novarum, ephemerides reram gestarum. Etwas anderes 
ist es in der Bedeutung neue Rechtsverordnungen der spätem 
Kaiser, welche unter diesem Namen im Corpus iuris vorkommen 
und von einigen novae constitutiones oder nova constituta genannt 
werden. 

Novemdecim oder novendecim, neunzehn, ist Sp>. L., aber nicht 
feststehende Form bei Liv. epit. 119. Regelmässig ist undeviginti; 
aber Caesar sagt Gall. 1, 8, 1 decem novem, und Livius wiederholt 
decem et novem, vgl. Richter Progr. Oldenburg 1880, S. 2, Neue- 
Wagener 3 II S. 288. 

Novermis, neunjährig, ist Sp. L. bei Lact. mort. 20, 4 für novem 
annorum, novem annos natus. 

Novercari, stiefmütterlich handeln, zuwider-, entgegen-, feindselig 
sein, ist erst Sp. L. bei Sidon. ep. 7, 14 für adver sari, infestum, 
inimicum esse, und wenn man vergleichungsweise sprechen will, 
agere novercae instar oder more. Auch maligne geht an: quis dixit 
naturam maligne cum muliebribus ingeniis egisse et virtutes illarum 
in artum retraxisse, Sen. Marc. 16, init. ; Germanos maligne solum 
sterile sustentat, prov. 4, 14. Ygl. auch Nepos: Agesilaus ut naturam 
fautricem habuerat in tribuendis animi virtutibus, sie maleficam 
nactus est in corpore flngendo, Agesil. 8, 1. Auch novercalis wird 
trop. = feindselig nur selten gebraucht ; jedenfalls fehlt es in der 
Kl. Sprache. Zuerst hat es wohl Sen. rhet. gebraucht, dann Tac. 
ann. 1, 6 und 12, 2; ausserdem kenne ich noch Ennod. 470, 17 H 
in novercali indignatione, Quint. deck 286, 3 R n. facta, 337, 6 
n. artes. 

Novilunium, der Neumond, scheint eine volkstümliche Bildung 
zu sein für das dem Griechischen entlehnte neomenia. Es ist nicht 
neulat., denn es findet sich öfter in der jedenfalls altlat. Übersetzung 
des (apokryphen) dritten Buches Esdra, welches in älteren Ausgaben 
der Vulgata nach der Apocal. Joann. steht. S. 3 Esdr. 5, 57; 8, t> 
und 9, Y. 16, 37 und 40; vgl. Thielmann in Wölffiins Archiv I 
S. 75 und dazu Georges Jahresbericht 1884, S. 126. KL. ist nova 
luna Cic. Att. 10, 5, 1, tempus intermmstruum Cic. rep. 1, 25, vgl. 
Gölzer Hier. S. 213. 



Novisse — 168 — Novissimus 

Novisse, kennen, ist die bekannte Perfektform von noscere, kennen 
lernen, erkennen. Über das Verhältnis der Formen nosse und novisse 
erfahren wir näheres aus C. Wageners Progr. Bremen 1878, S. 14 f., 
sowie aus Neue -Wagener 3 III, vgl. das Register S. 238. Während 
bei Cicero und Livius (vgl. noch Hildebrand im Progr. Dortmund 
1865, S. 19) die kurzen Bildungen von nosco und seinen Komposita 
überwiegen, finden sich bei Sallust, Caesar und im b. Afr. die langen 
Formen immer (Caesar hat nur Gall. 4, 23, 5 cognosset). Auch 
Nepos hat wie Cicero und Livius Yorliebe für die kurze Form, er 
hat nur eine lange, Agesilaus 8, 1 noverant. Bei Plautus dagegen 
sind die kurzen Formen ungebräuchlich, vgl. Fleckeisen Neue Jahrb. 
1867 S. 632, Ritschi zu Plaut. Trin. 2 952; Terenz gebraucht noras 
neben noveras, noris neben noveris, aber nur nosse, nossem, vgl. 
Dziatzko zu Ter. Phorm. 390. — Sowie man noscere und noscitare 
aliquem facie oder de facie sagte, einen von oder am Gesichte er- 
kennen, so gebrauchte man auch novisse oder nosse. Neben bene 
nosse aliqnem = einen gut kennen, Cic. Attic. 9, 7, B. § 2, sagt 
man auch pulchre nosse, s. Plancus bei Cic. fam. 10, 23, 1, und 
einen recht kennen ist recte novisse, nosse aliqnem, Cic. Yerr. 2, 175. 
Nosse Graece, Tunice u. dgl. scheint nur Sp. L. zu sein bei August, 
serm. 45, 5; 167, 40 und 108, 5 für das klass. Graece etc. 
scire. Aber linguam nosse ist Kl., z. B. Cic. de or. 2, 2 nnllam ut 
flösse aliam linguam videretur. Bemerkenswert ist auch novisse, 
kernten ivollen, verstehen, z. B. Cic. Tusc. 3, 42 quivis ut intellegat, 
quam voluptatem norit Epicurus; deor. nat. 1, 111 mdlam novistis 
nisi profectam a corpore voluptatem, vgl. Seyfferfc-Müller z. Lael. 
S. 481, Madvig zu Cic. fin. S. 148. — Novi mit Inf. ist nicht klass., es 
ist A. L., P. und Sp. L.; so sagt Augustin serm. 98, 3 qui non 
novit legere, vgl. Regnier S. 207; Paneg. 12, 285, 4 prodesse noverat, 
vgl. Chruzander S. 103, und schon Cato orat. S. 36, 9 ceteros sequi 
si norit. 

Novissimus in der Bedeutung der letzte, gleich extremus, kam 
nach Varro ling. 6 S. 236 ed. Speng. (S. 95 ed. Müll.) erst zu seiner 
Zeit in Übung und wurde auch von ihm selbst dreimal gebraucht 
(r. r. 1, 2, 11; 1, 14, 4; 3, 9, 18), ebenso von Sali. Jug. 71, 3, 
aber von vielen verworfen. Auch Cicero hat es in einer seiner 
ersten Reden (Rose. Com. 30), wo er novissimi histriones als 
Gegensatz von primi (dem Range nach) sagt ; später sagte er 
dafür extremus, proximus oder recentissimus (Att. 6, 1, 1). Da- 
gegen brauchten es Caesar, z. B. Gall. 1, 15 ; 2, 11 und sonst 
oft, ebenso seine Fortsetzer, z. B. b. Afr. 18, 2, b. Alex. 60, 4, 
b. Hisp. 33, 5, auch Nep. Eum. 1, 6, D. Brut, bei Cic. fam. 11, 1, 
3, Galba ibid. 10, 30, 4, Cass. ibid. 12, 13, 1, häufig auch Livius, 
Tacitus, Plin. min., Sueton, vgl. Dräger zu Tac. Agr. 34, Bagge 
S. 35 f., Landgraf elocut. S. 48. Das Adverb novissime verwendet 
Cicero selbst nicht, auch Caesar nicht, wohl aber nach des Cato 
Yorgang (Jordan 89, 24), ihre Zeitgenossen Varro r. r. 1, 31, 4; 1, 



Novitas — 169 — Nubere 

31, 64; Sallust, vgl. Fabri zu Cat. 33, 2, Plancus, Hirtius, D. 
Brutus, Cassius, vgl. Hellmuth Galba S. 21, Gebhard D. Brutus 
S. 46, Bergmüller Plane. S. 40, im N. Kl. Livius, vgl. Kühnast 
S. 341, Sen. phil., Quint., Suet., vgl. Bagge S. 35, im Sp. L. Fronto, 
vgl. Ebert S. 337, Firm. Mat,, vgl. Dressel S. 26, Orosius, vgl. 
Paucker Oros. S. 14; vgl. noch Thielmann Archiv VIII S. 530 u. IX 
S. 256. 

Nooitas ist nur die Neuheit von dem, was bisher ungesehen 
und unerhört war, z. B. gratia novitatis, der Heiz der Neuheit, nicht 
aber die Neuigkeit, eine neue Sache, etwas Neues, was wir Novität 
nennen ; dafür sage man res nova. Daher auch der prägnante Aus- 
druck von Tacitus: novis sermonibus laeta civitas = die sich gerne 
mit Neuigkeiten unterhaltende Hauptstadt. Sp. L. aber wird dies 
anders, so dass z. B. Oros. 3, 2, 4 von dem novitates rerum prurire, 
nach Neuigkeiten gierig verlangen, spricht. 

Noviter, neu, neulich, ist Sp. L. z. B. bei Fulg. Myth. 3, 1, 
S. 103 M., vgl. Zink II S. 41, Neue -Wagener 3 II, 732, Stangl 
Cassiod. S. 554, für nove, nova ratione, und von der Zeit — nuper. 

Novus, neu, lässt keinen Komparativ zu, weil es nach Reisig- 
Haase-Hagen S. 248 seiner wahren Bedeutung gemäss (das, ivas noch 
nicht ivar) keiner Beschränkung durch den Komparativ fähig ist; 
man sagte deshalb dafür recentior. Aber magis novus lesen wir bei 
Quint. 8, 5, 15 und novius steht bei Gell. 6 (7), 17, 8; vgl. Neue- 
Wagener 3 II S. 261. Über novissimus siehe oben. — N. L. sind 
de novo und a novo, von neuem, für denuo oder de integro. — Über 
novus und recens vgl. Tegge S. 276 f. — In Phrasen wie Hier be- 
ginnt ein neues Gedicht, dies ist der Anfang einer neuen Rede ist 
novus unlat. ; richtig ist alter oder alius. 

Nox, die Nacht. Unser bis in die Nacht hinein heisst in noctem, 
und bis in die tiefe, späte Nacht, in oder ad midtam noctem. Über 
diesque noctesque vgl. s. v. Diu. 

Nubere, heiraten, wird in der Kl. Sprache durchaus nur von 
einem Mädchen, welches einen Mann, nicht von einem Manne, welcher 
ein Mädchen oder eine Frau heiratet, gebraucht; man sagt also nur 
puella, virgo, femina alicui (viro) nubit, nicht adulescens, vir alicui 
(feminae, puellae, virgini) nubit. Wenn aber Muret (zu Tac. ann. 
IV S. 31 ed. Ruhnk.) sagt: quarum prineipes uxoribus suis n/i- 
buut, so will er scherzhaft damit sagen: deren Fürsten sich ihren 
Weibern ganz hingeben, sich von ihnen leiten und führen lassen, wie 
in Martial 8, 12, 2; vgl. aber auch Weidner zu luv. 2, 132. Viel- 
leicht schloss er sich jedoch dem vulgärlateinischen Gebrauch an, 
wonach nubere überhaupt „heiraten" bedeutet; nach Nonius 143, 27 
Nubere veteres non solum midieres, sed etiam viros dicebant. Die 
Spuren dieses von Männern gesagten und vielfach transitiv sich 
findenden nubere gehen durch die ganze Latinität, von den Komikern 
bis herab zu den Kirchenvätern; näheres siehe bei Rönsch Ital. 
S. 441 und Sem. III S. 61, Gölzer Ilieron. S. 303 und ganz be- 



Nubes — 170 — Nucleus 

sonders in der ausführlichen Darlegung von Rönsch Coli. phil. 
8. 266 ff. — Wiewohl nur gesagt wird alicui nähere, nicht cum 
aliquo (denn bei Quint. decl. 10, 11 hat Ritter für das überlieferte 
cum Mo geschrieben tmpsisti enim Uli), so wird doch das Partiz. 
nupta, verheiratet, nicht bloss mit dem Dativ, alicui, sondern gleich 
gut und Kl. mit cum aliquo verbunden; z. B. Cic. fam. 15, 3, 1. 
Dies erklärt Reifferscheid Bresl. Lect. 1885/86 S. 4 mit Recht daraus, 
dass nupta — matrimonio iuneta auch die Konstruktion dieser 
Phrase annimmt. Transitives nubere erwähnt Priscian 8, 3, 12: 
antiquissimi etiam activa significatione nubo te dicebant; Sp. L. steht 
nubor neben nubo, z. B. neque nubent neque nubentur. — Nupta = 
Ehefrau, das, was maritus vom Manne aussagt, ist lat. auch sub- 
stantivisch gebraucht und kann also auch ein Adj. zu sich nehmen, 
wie nova nupta = die Neuvermählte, s. Ter. Ad. 751 entsprechend 
dem novus maritus ib. 938, Plaut. Cas. 859, Tac. Germ. 18, Sen. 
contr. 7, 21, 9 und nupta pudica, Liv. 3, 45, 6, Ov. fast. 2, 794. — 
Über das Subst. nuptus vgl. Nuptus. 

Nubes kommt bildlich in der Bedeutung Menge zunächst bei 
Dichtern in Verbindung mit Begriffen der Furcht und Sorge vor, 
z. B. Ovid Pont. 2, 1, 5 pulsa curarum mibe, dann bei Livius, aber 
nur von einer ziehenden, sich bewegenden Menge (s. Liv. 21, 55, 6; 
42, 2, 4 und ibid. 10, 7 und Mützell zu Curt. 4, 15, 32); man 
sieht indes an dem Zusatz velut bei Livius, dass der dichterische 
Ausdruck der damaligen Prosa nicht geläufig war; vgl. Wölfflin 
zu Liv. 21, 55, 6 über nubes, imber, grando, procella, und ähnliche 
bei Livius übertragen gebrauchte Wörter. Der übliche Ausdruck 
ist zu ersehen aus Corn. Nep. Pel. 5, 4 coniectu telorum confbssus 
coneidit, Liv. 27, 18, 12 telorum vis ingens effusa in eos est u. ä. 
Nirgends aber findet sich Kl. oder N, Kl. das im N L. oft vor- 
kommende nubes exemplorum; erst dem Sp. L. war es vorbehalten, 
vgl. Oros. apol. 30, 1 divinorum nubes testimoniorum, nach dem 
Vorgange der Yulg. (ad Hebr. 12, 1) tantam nubem testium (zoerov- 
rov viepog fiaprupcov) dieses Bild einzuführen. Man enthalte sich 
der Metapher in beiden Redeweisen. Ygl. übrigens schon bei Homer 
Iliad. 17, 755 vktpog ^apajv, 23, 133 viepog ne^cov. 

Nubilosus, wolkig, nebelig, ist N. Kl. bei Sen. nat. 3, 12, 2 aer 
nubilosus und Sp. L., und nubilus N. Kl. und selten, für nebulosus, 
uubibus obduetus. Das substantivierte nubilum = Gewölke, trübes 
Wetter, ist nicht nur P. L., sondern auch in nachklass. Prosa beim 
Jüngern Plinius, den beiden Seneca und Sueton, sowie Sp). L., z. B. 
bei Hieron., vgl. Gölzer Hieron. S. 296. Ebenso ist der Plural nu- 
bila, orum = Regengeivölke auch in Prosa bei Plin. pan. 30, 3 zu 
finden. Nubila, die Wolken, ist nur P. L. für nubes. 

Nucleus, der Kern, wird fast nur von Früchten gebraucht, selten 
und nur bei Plin. mai. bildlich von dem, was hart und kräftig ist, 
z. B. ferri, nie aber, wie wir es brauchen, in der Bedeutung Kern 
von Menschen, Kern seiner Leute, was meistens in robur liegt. 



Nude — 171 — Nullificamen 

Nade, nackt, von der Rede, also ohne Schmuck, z. B. nude 
aliqiiid tradere, kommt zwar erst Sp. L. bei Lactanz 3, 1, 11 mit 
breviter verbunden vor, ist aber neben incompte, non ornate nicht 
zu verwerfen, da schon Cicero, das Vorbild des Lactanz, über Caesars 
Kommentarien sagt: midi sunt et recti omni ornatu orati&nis tamquam 
veste detracta, Brut. 262 und de orat. 1, 218, ferner Quintil. (8, 6, 
41) eine nuda et velut incompta oratio erwähnt, und 2, 4, 3 sagt : 
res indkare nudas atque inornatas, und brevitas nada atque inor- 
nata sich auch bei Cicero findet, de orat. 2, 341. Simplex ac nada 
veritas bei Lact. 3, 1, 3 ist die offene, nackte, unverblümte Wahr- 
heit, nuda rerum cognitio bei Plin. epp. 5, 8, 4 die blosse, nicht 
durch die Kunst der Darstellung illustrierte Erkenntnis. — Nudus 
a . . = eniblösst von . . steht bei Cicero bei Personen und Sachen, 
vgl. Cic. Quir. 16 nuduni a propinquis, Verr. 4, 3 ab his rebus vacua 
atque nuda; aber auch der blosse Ablativ findet sich Att. 7, 13 a, 
1 urbs nuda praesidio und nadam esse praesidiis Liv. 29, 4, 7. Der 
Gen. bei nudus scheint P. L. zu sein, z. B. Sil. Ital. 14, 343 nudus 
opum; er findet sich selten in Prosa, z. B. Sali. lug. 79, 6 nuda 
gignentium, jedenfalls nicht bei Cic. und Caes. — Über nuda verba 
= obscena, s. Lagergren S. 20 und 106. 

Nuditas = Nacktheit, Blosse, ist ein Sp. L. Wort, das sich be- 
sonders häufig in der Vulg. und bei den Eccl. findet, vgl. Gölzer 
Hier. S. 103. In der Bedeutung Mangel, Armut steht es nur Cod. 
Theod. 9, 42, 42 ; dieses seltene Vorkommen ist um so auffallender, 
als nudus in der Bedeutung „arm- 1 wiederholt bei Cicero vorkommt, 
vgl. Boot zu Cic. Att. 1, 16, 3. 

Nudius mit tertius verbunden, in der Bedeutung vorgestern, und 
so mit den übrigen Zahlen, z. B. quartns, quintus, sogar nudius 
tertius decimus, vgl. Cic. Phil. 5, 2 und Lorenz zu Plaut. Most. 944, 
ist Kl. ; aber nudiustertianus , dies nudiusquartana, ante hesternam et 
nudiustertianam diem u. ä. ist Sp. L., vgl. Rönsch Coli. phil. S. 101, 
N. L. ist nudius secundus, für heri, gestern. 

Nugamentum, Plural nugamenta, die Possen, ist Sp. L. bei Apul. 
met. 1, 25 und unnötig wegen niigae. 

Nidlatenus, keineswegs, ist ganz Sp. L. für minime, nequaquam, 
mala ratione. Vgl. Paucker Subind. S. 429 Anm. 13, Zink II S. 41, 
Archiv XII S. 3; Greg. Turon. zerlegt manchmal das Wort, z. B. 
non est idlateniis violata, vgl. Bonnet Greg. S. 310. 

Nidlibi, nirgendswo, an keinem Orte, ist Sp. L. Mit Unrecht 
hat es Uri S. 16 bei Vitruv 7, 1 angenommen, denn dort ist es be- 
seitigt, vgl. Wölfflin im Archiv III S. 297, Neue -Wagener 3 II 
S. 658. Es steht nur Iul. Val. 1, 8 nullibi gentium. KL ist nus- 
quam, mdlo loco. 

Nullificamen und nullificatio, die Geringschätzung, und nuüi- 
ficare, geringschätzen, sind Sp. L. Wörter für contempüo oder con- 
temptu8, despicientia u. a. ; contemnere, despicere u. a. Interessant ist, 
dass Ilieron. cp. 106, 57 annihilare, annuüare, nuUificare und ahn- 



Nullitas — 172 — Nullus 

liehe Wörter portenta verkomm nennt. — Das Yerbum kommt im 
N L. sogar in der Bedeutung zu nickte machen vor; vgl. darüber 
unter Annihilare. 

Nullitas, die Nichtigkeit, ist N. L. und muss nach dem Zu- 
sammenhange ausgedrückt werden, besonders durch nullus, z. ß. du 
gibst die Nichtigkeit dieser Dinge zu, has res nidlas esse concedis 
(Cic. S. Rose. 54) — und so ähnliche Umschreibungen. 

Nullus, a, um, kein, keiner. Man beachte zuvörderst, dass es 
keiner von mehreren bedeutet, nicht keiner von zweien oder von beiden; 
dies heisst neuter. Wenn Asinius Pollio bei Cic. fam. 10, 31, 2 
nullius partis statt neutrius partis geschrieben hat, so muss man 
einräumen, dass er in diesem Falle in freierer oder, wenn man will, 
nachlässigerer Weise sich ausgedrückt habe; vgl. Schmalz Pollio* 
S. 38. Nach Stürenburg (zu Cic. off. comm. 2) brauchte Cicero den 
Nomin. nullus, den Dativ nulli und den Accus, nullum nie substan- 
tivisch, sondern dafür nemo, nemini, neminem, wiewohl Caesar, Li- 
vius (6, 18, 7; 37, 15, 1) u.a. den Dativ nulli als Substantivum 
neben nemini verwendeten. Dies ist nicht ganz richtig; denn bei 
Cic. Att. 9, 14, 2 schreibt C. F. W. Müller nach C. F. Hermann im 
Philol. 3 S. 105 f. qui nulli non dicat, also hat Cicero auch einmal, 
freilich in einem Briefe ad Att., Substantiv, nulli zugelassen. Dieser 
Dativ nulli ist bei den Historikern so vor nemini bevorzugt, dass 
letzteres sichtlich von Livius, Vell., Seneca phil. gemieden wird; 
vgl. Kiemann Etudes S. 84, Fritsch S. 20, Grasberger S. 27, Schmalz 
Pollio 2 S. 39. Es findet sich nullus und nullum (Nomin. und Accus, 
masc.) als Substantiv A. L. bei Plautus, ^vgl. Bacch. 256; 190 qui 
scire possumf Nullus plus; vgl. Riemann Etud. S. 84 Anm. 3, eben- 
so Sp. L. bei Ammian, vgl. Hassenstein S. 31 und N Kl. bei Suet. 
Calig. 35 : Nullus denique tarn abieetae condicionis fuit, cuius . . . 
(nicht erwähnt bei Freund S. 55); hoc malus nisi arte assequi po- 
lest, Quintil. 8, Prooem. § 16; vielleicht bei Papin., vgl. jedoch Lei- 
pold S. 70 Anm. 3. Nulli Substantiv, ist im Plural nicht selten, s. 
die Stellen, welche Nipperdey darüber zu Tac. ann. 2, 77 zitiert; da 
Nipp, den Livius nicht berücksichtigt, so vgl. zur Ergänzung Riemann 
Etudes S. 81 und Cic. Att. 14, 14, 2, Pis. 94, ferner Seyffert-Müller 
z. Lael. S. 230. Ist auch der Nomin. nullum für nihil höchst selten, 
z. B. nullum magnum, quod extremum est, Sen. epp. 4, 3 und Fronto 
S. 180, 4 mdlum pulchrius, vgl. Ebert S. 328, ebenso der Gen. 
nullius = nullius rei, z. B. Hör. ars 324, so wird doch der Abi. 
nullo = nidla re im nachklass. Gebrauche nicht selten verwendet 
von Ovid, Sen. rhet. und Sen. phil., Quint., Tacitus, lustin, Filastr. 
u. a. Sp. L.; vgl. Nipperdey zu Tac. ann. 3, 15, 2, Ebert S. 328, 
Hirt S. 6, Juret S. 37. Wenn aber Cicero für das adjektivische 
nullus bei Personenbezeichnungen in der Regel nemo anwendet, also 
nemini homini, nemo homo, nemo civis Cic. Phil. 13, 8 sagt, so ist 
doch nullus nicht ausgeschlossen; vgl. für nullus homo z. B. Yerr. 
2, 15 nullis hominibus, Yerr. 2, 155 nullo in nomine, Yerr. 3, 206 



Nullus — 173 — Nullus 

in nulluni hominem, für nullus civis Cic. fam. 1, 9, 14 nulli im- 
probo civi. Auch Plautus sagt Merc. 35 nullus amator, Rud. 359 
aleator nidlus; ferner Sali. Jug. 14, 10 hostis nullus, vgl. Kiemann 
rev. crit. 1881 S. 176. Im Femininum ist nulla ganz regelmässig, 
vgl. Cic. har. resp. 24 matrona nulla, Verr. 1, 107 nulli neque vir- 
gini neque mulieri und ähnl. — Nie sagt auch Cicero und mit ihm 
die Besseren ohne Subst. nullus alias, kein anderer, für nemo alius 
(Cic. Pis. 94); nullus unus, für nemo unus ; malus sapiens für nemo 
sapiens, wiewohl mit einem Substantiv richtig ist: nullus civis unus. 
Was die Bedeutung von nemo unus, nullus civis unus und ähnliche 
betrifft, so sind diese Ausdrücke nicht — kein einziger, kein einziger 
Bürger, denn nach deutschem Sprachgebrauch ist kein einziger === 
auch nicht einer, gar keiner. Nemo unus, nulla una res u. dgl. 
bedeuten vielmehr kein einzelner, kein Individuum, keine einzelne 
Eigenschaß u. s. w. im ausgedrückten oder gedachten Gegensatze 
gegen eine grössere oder kleinere Pluralität. Unus behauptet also 
mit nemo verbunden seine Bedeutung wie in dem positiven quilibet 
oder quivis unus, s. Liv. 9, 17, 15, Cic. Caec. 62. Diese Geltung 
von nemo unus wird auch von Held zu Caes. civ. 3, 18, 2 aner- 
kannt. Wenn aber derselbe Gelehrte meint, dass von Livius u. a. 
zu nemo auch quisquam hinzugesetzt werde in der Bedeutung : kein 
einziger Mensch, so ist das nicht richtig. Die Yerbindung nemo 
quisquam findet sich bei Livius gar nicht ; dieselbe ist in der Prosa 
von Cato bis Sueton nicht zu treffen; wo sie aber gelesen wird, be- 
deutet sie weiter nichts als eine Yerstärkung des Begriffs nemo. 
Die Stellen für nemo quisquam und nihil quicquam und näheres 
siehe bei Dräger H. Synt. I S. 99 und in meiner Anm. 361 zu 
Reisig-Haase S. 73; beizufügen ist, dass Wölfflin im b. Afr. 47, 4 
nihil quicquam lesen will, vgl. Archiv YI S. 104; vgl. auch Freund 
S. 55, Bonnet Greg. S. 310. Wie zu nemo wird unus auch zu nihü 
(nur Liv. 41, 20) und zu nullus gesetzt, vgl. Cic. rep. 2, 65, prov. 
cons. 7, namentlich aber: in Curione hoc verissime iudicari potest, 
nulla re una magis oratorem commendari, quam verbornm splendore 
et copia, Brut. 216; hier wird man den Sinn dieser Worte so para- 
phrasieren können: Weyin man die Eigenschaften des Redners einzeln, 
im Detail betrachte, so gebe es keine, durch ivelche derselbe sich mehr 
empfehle, als u. s. w. Bei Cicero steht nemo unus nur Tusc. 5, 105, 
vgl. Meissner zu Cic. Tusc. 4, 7; die Stellen aus Livius hat M. Müller 
zu Liv. 2 S. 145, die aus Tacitus Dräger Synt. Tac. S. 7. Ygl. 
Oppenrieder in seiner Abhandlung über nemo unus und ähnl., Augs- 
burg 1862. — Nullus hat zwar, wenn im Satze der Teilbegriff vor- 
herrscht, den Genitiv bei sich, z. B. senatorum nullus, keiner unter 
den Senatoren, wo wir auch kein Senator sagen können; aber den- 
noch steht, wenn Wörter wie mens, m/nimus u. a. zu dem Subst. 
gehören, kein Genitiv dabei, wo wir ihn setzen; z. B. keines meiner 
Worte, nulluni meum dictum, nicht meorum dictorum; kein Wort 
von nur, auch nicht das kleinste, nuUum meum minimum dictum 



Num — 174 — Num 

(Cic. fam. 1, 9, 21). Vgl. auch non committam, ut ullum meiern fac- 
tum reprehendere iure possis = eine meiner Taten, Plane, bei Cic. 
fam. 10, 4, 3. — Was den Gebrauch von malus = non betrifft, so 
lässt sich diese Yertauschung allerdings wohl begründen, anderseits 
aber wird durch nidlas ein Ton oder Gewicht auf die Negation ge- 
legt, welches sich zu non verhält, wie unser nicht und in keiner 
Weise. Diese Redeweise hat also etwas (der familiären Sprache 
angemessenes) Hyperbolisches und findet sich deshalb bei Cicero 
hauptsächlich im Briefstile nach Verben der Bewegung, nirgends 
bei Caesar. Näheres sehe man bei Nägelsbach - Müller 9 S. 350, 
Stinner S. 31, Haupt quaest. Catull. S. 5, Ziemer junggramm. 
Streifzüge S. 90, Thielmann Cornif. S. 71, Lebreton Caes. S. 25, 
Landgraf zu Reisig -Haase S. 158 f., id. zu Cic. S. Rose. S. 361, 
Hellmuth act. Erl. I S. 135, Gorges Gell. S. 67. — Über den 
Genitiv nulli und den Dativ nullo, welche sogar dem Cicero nicht 
ganz fremd gewesen zu sein scheinen, vgl. Hellmuth 1.1. S. 111 f., 
Neue-Wagener 3 II S. 517 u. 528. Tatsächlich liest C. F.W. Müller 
bei Cic. Rose. com. 48 nulli consilii. Aber Cic. Quinct. 5 quod si 
tu iudex nullo praesidio fuisse videbere und rhet. Her. 2, 16 nos 
vero arbitramur non modo nullo adiumento esse, sed potius maximo 
impedimento werden wir mit Thielmann Cornif. S. 49, Nieländer 
1874 S. 31 ff. den Ablat. anzunehmen haben. Das gleiche gilt für 
Sali. Jug. 97, 3 rati noctem, quae iam aderat, et victis sibi muni- 
mento fore et, si vicissent, nullo impedimento, vgl. Uri S. 45, Nieländer 
1874 S. 31 und 38, 1877 S. 25. Fürs Altlat. vgl. Meissner zu Ter. 
Andr. 608. — Wie man sagt nemo alterum, vgl. s. v. Nemo, so 
auch Cels. 5, 28, 4 quarum mala altera maior est und entsprechend 
auch Quint. decl. 262 S. 72, 19 maior, si ulla lex contra alteram 
scripta est; klass. Stellen dafür kennt auch der Thes. nicht. 

Num (oder numne). Über Ableitung von num (schwachbetonte 
Form für nunc, wie tum neben tunc) und Gebrauch desselben handelt 
eingehend Glöckner Archiv XI S. 495 ff. Num in gerader Frage 
wird bei allen bessern Schriftstellern so gebraucht, dass der Fragende 
nein ! zur Antwort erwartet, weil er die Frage selbst verneint; z. B. 
Deum ipsum num (numne) vidisti f hast du Gott selbst gesehen ? — 
worauf jeder, wenn nicht von einem Traume die Rede ist, nein! 
antwortet. Daher heisst auch in einer solchen Frage jemand nicht 
aliquis, sondern quis oder quisquam. Man beachte beim Gebrauche 
dieser Fragpartikel auch, dass num nie im ersten Gliede einer dis- 
junktiven Frage angewendet werden kann. Daher steht es in KL 
Sprache nicht nach dubito, weil dies Verbum eine Doppelfrage ver- 
langt, deren erster Teil allerdings unterdrückt werden kann. Ana- 
phorisches num ist jedoch nicht selten, z. B. Cic. Flacc. 10 num 
Gallorum, num Hispanorum putaturf vgl. noch Verr. 5, 147. Wo 
tu im— an auftritt (z. B. Ter. Phorm. 412, Cic. Tusc. 1, 112, Cato 
23), leitet an = oder vielmehr eine neue selbständige Frage ein. — 
Numne wurde von Ritschi op. II S. 248 verworfen, ist aber doch für 



Numen — 175 — Numerare 

Cicero zu halten, vgl. nat. deor. 1, 88 deum ipsum numne vidistif 
und Seyffert-Müller z. Lael. S. 260 f., sowie Ribbeck Part. S. 13, 
meine Syntax 3 § 194 und Lease in Am. Journ. of Phil. XX S. 62. 
Die von Glöckner Archiv XI S. 499 für numne zitierten Stellen 
Plaut. Poen. 1079 und Trin. 922 weisen bei Götz und Scholl, so- 
w r ie bei Brix-Niemeyer kein numne auf. Aus dem Sp. L. hat Lease 
numne bei Prudent. wiederholt erwiesen. — Die Form numnam ist 
nur A. L., z. B. Plaut, fragm. 236 Winter (ine. 10 Scholl), Amph. 
321 und 1073, Aulul. 389, Ter. Andr. 591 numnam perimusf Varro 
Men. 7 B., vgl. Spengel Dziatzko zu Ter. Ad. 488, sowie Hinze 
im Progr. Brandenburg 1887 S. 2; aber Jiumquisnam und num- 
quidnam sind auch KL, z. B. Cic. S. Rose. 107 und dazu Land- 
graf, Phil. 6, 12, agr. 1, 11 und sonst; vgl. noch Hellmuth act. Erl. I 
S. 111. 

Numen. Dieses "Wort geht in KL Prosa schwerlich je über 
den Begriff des göttlichen Waltens und Wirkens, der tuirksamen Macht 
der Götter hinaus. Also würde man z. B. in dem Satze: wer sollte 
nicht bei dem Anblick des Himmels und der Gestirne auf den Ge- 
danken kommen, dass eine himmlische Macht, ein göttliches Walten 
alles regiere? dieses Walten durch numen divinum ausdrücken müssen. 
Allein N. Kl. wird numen, numina oft geradezu für eine göttliche 
Person, Personen, Götter gebraucht. Dafür zeugen Ausdrücke wie 
simulacra, efßgies numinum, bei Tac. ann. 1, 10; 1, 73; 3, 71; 15, 
45 und Suet. Calig. 22. Einen unter die Zahl der Götter aufnehmen 
heisst daher N. Kl. aliquem numinibus inferre, den Göttern gleich- 
stellen, numinibus aequare, bei Plin. pan. 35, 4 und von Yelleda sagt 
Tacitus: (eam) numinis loco habitam, Germ. 8. Die Götter, denen 
man opferte und die man zu Zeugen nahm, hiessen bei Yal. Max. : 
numina, quibus sacrificabat, testatus, 5, 10, ext. 2; ebenso bei Tacitus: 
Latonam edidisse ea numina (Dianam atque Apollinem), ann. 3, 61. 
Ygl. auch Plinius: duorum numinum, Liberi atque Herculis, patria, 
nat. 4, 25 und: inter duorum numinum dies festos Neptwii et Vol- 
cani, 18, 132. Merkwürdig ist ferner Plin. epp. 10, 96, 5 quam, 
(imaginem Traiani) iusseram cum simulacris numinum äffen- i vgl. 
mit § 6, wo es heisst: omnes et imaginem tuani deorumque shnulacra 
venerati sunt. Wenn es endlich früher im Antibarb. hiess, dass 
Beisätze, wie supremum, summum bei numen in der antiken Latini- 
tät nirgends vorzukommen scheinen, so ist dies wenigstens in Be- 
ziehung auf summum numen ganz unrichtig, denn es steht öfter bei 
Amm. Marc. 15, 8, 9; 17, 7, 3; 26, 6, 9 und Sen. nat. 7, 30, 4, 
wie auch caeleste numen nicht nur bei Amm. Marc. 19, 1, 4, son- 
dern auch bei Yal. Max. 2, 4, 4; 5, 1, 3 u. Liv. 1, 21, 1 gefunden 
wird. 

Numerare, zählen, rechnen unter — wird verbunden mit in und 
dem Abi., z. B. unter die, Redner, in oratoribus; unter die GHiter, 
in hoiiis; unter die Übel, in malis; unter die mittelmässigen Redner, 
tu mediocribu8 oratoribus (Cic. Brut. 166). Dafür kann man auch inter 



Numerus — 176 — Numerus 

c. accus, gebrauchen, wie sich dies besonders bei den späteren und 
den N. KL Autoren, aber auch bei Cicero, doch ausser Font. 38 
nur in der sprichwörtlichen Redensart inter vivos numerare findet; 
vgl. Landgraf zu Cic. S. Rose. S. 336. Aus N. KL Zeh mögen 
folgende Belege genügen: Liv. 3, 35, 3; 22, 49, 16; Vell. 1, 15, 3; 
Val. Max. 1, 6, 11; Sen. contr. 2, 10, 1 und oft, Tac. ann. 12, 64, 
Gell. 10, 18, 4, Flor. 1, 16, 6, Iust. 2, 5, 11 u. s. w. — Als etwas 
rechnen bei Sachen wird entweder als nähere Bestimmung des 
Prädikates ausgedrückt: quae isti bona namerant, Cic. Tusc. 5, 
44, oder es wird durch in loco oder parte alieuius rei bezeichnet, 
z. B. als eine Wohltat, als Belohnung, in loco oder parte beneficii 
(Cic. fam. 2, 6, 1), in loco mercedis. Bei Personen tritt es als Appo- 
sition oder Prädikat hinzu : diese tvurden als die ersten gerechnet, 
hi prineipes numerabantur (Cic. Brut. 316); so auch: hos non numero 
considares, als Konsularen (fam. 12, 2, 3); Stellas singulas numeras 
deos, als Götter (nat. deor. 3, 40), ebenso Mur. 49. — Etwas gar 
nicht rechnen heisst aliquid nullo loco numerare oder non numerare, 
vgl. Cic. Att. 16, 4, 4 nam Cassii classem non numero ultra fretum; 
vgl. auch Madvig zu Cic. fin. S. 547. 

Numerus, die Zahl. Man merke hier nur, dass, wo wir in Be- 
zug auf vorhergehende Nummern in einer Schrift (1, 2, 3 — ) sagen, 
z. B. unter oder bei Nummer (Nr.) 1, numerus nicht wohl passt. 
In numero esse heisst vor allem zu einer bestimmten Anzahl, Klasse, 
Kategorie gehören: quo sunt in numero Curiosolites etc., Caes. Gall. 
7, 75, 4; quo in numero erat T. Terrasidius, 3, 7, 2; quo in nu- 
mero fuerunt L. Torquatus . . . Nep. Attic. 1, 4; quo in numero 
ego sum, Cic. fam, 13, 23, 1; in eo fuit numero Valerius Flaccus, 
Caes. civ. 3, 53, 2 u. 2, 44, 3; in hoc erant numero complures Pom- 
peii milites, 3, 103, 5; qui in eo numero fuisset, Cic. Phil. 2, 25; 
sunt in illo numero multi boni, Cic. Flacc. 9; quo in numero tu 
certe fuisses, Cic. fam. 7, 6, 1. Wenn aber nun Kraner-Dittenberger 
zu Caes. Gall. 3, 27, 1 : quo in numero fuerunt bemerken, dass quo 
für in quorum stehe und dass so immer in eo numero = in eorum 
(der vorhergenannten) nmnero stehe, so ist damit doch etwas zu viel 
behauptet. Es wird nämlich von Anton, Studien I S. 88 u. ff. ge- 
zeigt, dass das Pron. auch im Genitiv stehen kann, wenn ein Re- 
lativsatz folgt, dessen Relativpronomen sich auf das demonstrative 
Pronomen zurückbezieht: in illorum enim numero mavult esse, qui 
a te vituperantur , Cic. Vat. 41; ebenso wenn numerus unmittelbar bei 
dem Relativ selbst steht: quarum societatum ex numero multi hie se- 
dent iudices, Cic. Mur. 69; mox cum meis ambulo, quorum in numero 
sunt eruditi, Plin. epp. 9, 36, 4 und 6, 16, 3; ne hunc quidem ex 
numero aeeepimus eorum, qui causas dictitarunt, Cic. de orat. 2, 56. 
Eine weitere Anzahl von Stellen für quorum e numero u. ähnl. hat 
Stürenburg zu Cic. Arch. S. 187 und 88 (lat. A.) gesammelt. — So- 
dann aber bedeutet numero, in numero aliquorum esse so viel als 
für ekuas gelten, und ebenso ist aliquem numero, in numero habere, 



Numisma — 177 — Numquam 

pidare, ducere, jemand für etwas ansehen, halten, unter eine Klasse rech- 
nen, als etwas behandeln. Bemerkenswert ist, dass Livius in diesem Falle 
numero (ohne in) aliqitorum esse, numero aliquorum habere, ducere 
sagt. S. darüber Liv. 4, 4, 12 und 56, 11; 36, 35, 9 und 45,20, 
8; 43, 3, 4; vgl. Kühnast S. 179. Bei Caesar wird in bald gesetzt, 
bald weggelassen: hostium, servorum numero habere, ducere, Gall. 
6, 6, 3; 6, 21, 2; civ. 3, 82, 3; noch öfter mit in: in hostium 
numero habere, Gall. 1, 28, 1 und in desertorum numero ducuntur, 
6, 23, 8; sese in hostium numero ducere, 6, 32, 1 und in necessari- 
orum numero habere, civ. 3, 57, 1. Auch bei Cicero kommt beides 
vor, z. B. aliquem in oratorum numero habere, de orat. 1, 72; in 
hostium numero ducere, Yerr. 5, 64 und 125 und in numero neces- 
sariorum habere, fam. 13, 6, 1; in numero patronorum esse, 
Brut. 124; in oratorum numero non esse, Brut. 133 und 165; in 
civium numero esse, Pis. 7, ebenso Caec. 96 und in servorum numero 
esse Yerr. 3, 87. Dagegen ohne in: cum is tibi parentis numero 
f uisset, div. in Caec. 62; qui hostium numero non sunt, Phil. 13, 11; 
numero eodem fuit S. Aelius, Brut. 78. Vgl. besonders Cic. Att. 11, 
6, 6 omnes mim, qui in Italia manserant, hostium numero habebantur 
mit Cic. Att. 14, 13, 2 quemcunque enim Caesaris morte laetatum pu- 
tabit, hunc in hostium numero habebit; vgl. Schmalz Pollio 2 S. 21 u. 
oben s. v. Habere. — Aliquo numero esse ist in einiger Ehre, Achtung 
stehen, so bei Cic. fam. 1, 10: tu velim ibi malis esse, tibi aliquo numero 
sis, und bei Caesar: aliquo numero et hoyiore esse, Gall. 6, 13, 1 und 
mit in: nemo qui aliquo esset in numero = der einige Bedeutung, 
einiges Ansehen besass, Cic. orat. 208 und de orat. 3, 33 ; Fufidius in 
aliquo patronorum numero fuit — hatte einiges Ansehen als Rechts- 
anwalt, Brut. 113; 94; 108 und 213. Als Redner nichts gelten, 
kernen Namen habeyi, nidlo in oratorum numero esse, Brut. 117 und 
sine actione summus orator esse in numero nidlo potest, de orat. 3, 
213. — Omnes numeros habet ist == perfectum et absolutum est 
Cic. off. 3, 14; ebenso sagt man perfectum expletumque omnibus suis 
numeris et partibns Cic. nat. deor. 2, 37 und poema elegans omni numero 
acad. 1, 9; aber omnibus numeris absolutus habe ich bei Cic. nichc 
gefunden. Es steht bei M. Yarro (Gellius 13, 11, 3), dann erst bei 
Quint. 10, 1, 70, Plin. ep. 9, 38. 

Numisma (nomisma), die Münze, ist fast nur P. und nachher 
Sp. L. als griech. Wort für das lat. nummus (numus); vgl. Bonnet 
Greg. S. 130. 

Numquam, niemals. Ungewöhnlich ist numquam aliquis, nie 
einer, numquam aliquid, nie etivas, für numquam quisquam, num~ 
quam quidquam (Cic. Tusc. 2, 29), oder nemo umquam und mit 
einem Subst. verbunden nidlus umquam (ibid. 4, 5), nihil umquam; 
niemals einer etwas, nihil quisquam umquam. Gut ist hodie num- 
quam, heule nimmermehr, heute durchaus nicht; vgl. Plaut. Rud. 
<U2 numquam hodie quivi ad coniecturam evadere; denn nunqtuxm 
— sagt Donat zu Ter. Andr. 384 — plus habet negationU quam 

K r eba-Sch nuil z, Anttbarbanu II. 12 



Nunc — 178 — Nunc 

no)i ; der Begriff der Zeit tritt dabei ganz zurück; vgl. noch Brix 
zu Plaut. Men. 1012 und namentlich Spengel zu Ter. Ad. 528, sowie 
Bonnet Greg. S. 310. 

Nunc, jetzt, nun. Es bezeichnet, streng genommen, was dem 
Erzähler und Schreiber gegenwärtig, nicht was für ihn vergangen 
ist. Wir brauchen unser jetzt auch von der Yergangenheit === dann 
oder darauf, die Lateiner aber in schlichter, gerader Rede nicht 
nunc, sondern tum, oder etwas lebhafter iam; s. Dietsch zu Sali, 
lug. 46, 1 ; z. B. jetzt begab er sich nach Rom, tum oder iam (nicht 
nunc) Romam se recepit; jetzt (nun) erst fing er an zu jauchzen, 
tum (nicht nunc) vero exsidtare laetitia coepit (Cic. Cluent. 14) ; 
unglaublich ist es, ivas mir für ein Unterschied zu sein schien 
ziuischen dem, der er jetzt ivar und dem, der er ein Jahr vorher 
gewesen ivar, — inter eum, qui tum (nicht nunc) erat, et qui anno 
ante fuerat (de orat. 2, 89). Eine scheinbare Abweichung findet 
im Briefstile statt, z. B. Cic. Att. 16, 3, 6 Brutus erat in Neside 
etiam nunc, wo wir erat mit ist übersetzen; vgl. Boot zu Cic. Att. 
5, 16, 4 und Böckel zu Cic. Att. 2, 24, 4. Anders aber ist es in 
der Sprache der Historiker. Der Stil derselben nimmt bekanntlich 
nicht selten etwas poetische Färbung an. Wie nun die Dichter zur 
lebhaften Yergegenwärtigung des Vergangenen nunc für tum ge- 
brauchen, so finden wir, dass auch bei den Historikern am häufig- 
sten in oratione obliqua das nunc der direkten Rede beibehalten ist, 
z. B.: dixit nunc demum se voti esse damnatum, Nep. Timol. 5, 3; 
nicht selten ist dieser Gebrauch bei Livius, wie Fabri zu Liv. 21, 
35, 9 und M. Müller zu Liv. 2, 54, 5 durch Anführung von Liv. 3, 
40, 10 und § 12 und 8, 33, 18; 3, 2, 4; 5, 2, 10 u. s. w. gezeigt 
haben. Vgl. auch Nipperdey zu Tac. ann. 14, 35, namentlich aber 
Knoke im Progr. Bernburg 1881, wo nachgewiesen ist, dass bei 
Caesar in orat. obl. oft hie und nunc beibehalten werden, ferner 
meine Stilistik § 18 Anm. 3, Lupus S. 114. Dies findet zumal auch 
dann statt, wenn das Früher oder Später zweier der Yergangenheit 
angehörigen Ereignisse angegeben werden soll, wie: tum invidia 
impedire virtutem alienam volaisse, et nunc id furere, quod . . . 
Livius 8, 31, 4 und ibid. 3, 40, 10, oder wenn die relative Gegen- 
wart, das Jetzt der Yergangenheit mit der Zukunft in Parallele ge- 
stellt wird: Numidiae partem, quam nunc peteret, tunc ultro adven- 
turam, Sali. lug. 111, 1. Selbst in direkter Rede wird nunc so 
gebraucht, entweder, um in lebhafter Schilderung auf etwas Ver- 
gangenes, als gehöre es der Gegenwart an, hinzuweisen, z. B. : 
incerto nunc etiam exitu victoriae . . . signa intulerunt, Caes. Gall. 
7, 62, 6 und 6, 40, 6, oder sobald das Zeitverhältnis zweier ver- 
gangener Dinge angegeben wird, vgl. nicht nur Liv. 3, 19, 8, sondern 
auch Cic. Yerr. 3, 47: quos ego campos antea . . . nitidissimos 
vidissem, hos ita vastatos nunc videbam, ut . . — Korrespondierendes 
nunc hat Lucrez zuerst gebildet, Yergil ihm nachgeahmt, Livius in 
die Prosa eingeführt, die es dann auch beibehielt, vgl. Wölfflin 



Nuncupare — 179 — Nuntiare 

Archiv II S. 242 und S. 616, Cotta S. 34, meine Syntax 3 § 239. 
Die Prosa vor Livius kennt es nicht, man meide es daher und 
halte sich an modo — modo, Archiv II S. 238, tum — tum, ib. 
S. 240. — Wie im Griechischen nach einem Irrealis die Wirklich- 
keit mit vuv oder vuv de eingeleitet wird, so wird im Lateinischen 
nunc, nunc vero = mm aber oft auch gebraucht, um die Wirklich- 
keit einem bloss gedachten Falle gegenüberzustellen, vgl. Seyffert- 
Müller z. Lael. S..234, Landgraf zu Cic. S. Rose. S. 325, Tischer zu 
Cic. Tusc. 3, 2, Fabri zu Liv. 21, 40, 3, Mützell zu Curt. 4, 46, 15. 
— Sp. L. und verwerflich ist nunc temporis für nunc oder nunc 
ipsum, s. Hofmann zu Cic. Attic. 7, 3, 2. Ygl. auch Tunc, sowie 
meine Syntax § 70 Anm. 5. — Unser nun als Übergangspartikel 
heisst iam, nicht nunc; z. B. nun komme ich auf den Punkt, iam 
venio ad eam rem. — Endlich ist die Redensart nunc homines, die 
Menschen jetzt, die jetzigen Menschen, griechischartig und nur A. L., 
z. B. Plaut. Pers. 385, sowie Sp. L., z. B. Oros. 3, 2, 14, für hi ho- 
mines oder homines, qui nunc sunt. 

Nuncupare in der Bedeutung anreden, und nuneupatio, die An- 
rede, sind ohne Autorität für alloqui, appellare; allocutio, appellatio; 
bei den Alten bedeutet nuncupare nur nennen, benennen, ernennen. 

Nuntiare heisst melden, berichten,, und zwar nicht bloss von münd- 
lichen Mitteilungen. Wenn nämlich Briefe nach der eigenen Erklärung 
Ciceros nichts anderes sind, als amicorum colloquia absentium (Phil. 2, 
7), so ist es natürlich, dass nuntiare auch von brieflichen Mitteilungen 
vorkommt: Thalna . . reeeptis litteris decretas ei a senatu supplicatioyies 
nuntiantibus conlapsus mortuus hnmi iaeuit, Yal. M. 9, 12, 3; litterae 
tuae laeta continebant, quod te in urbe teneri nuntiabant, Plin. epp. 
5, 21, 1. Eodem die meae litterae recitatae sunt tumidtum nuntiantes, 
Cic. Attic. 5, 21, 2, ib. 1, 19, 11, Pis. 45, prov. cons. 14. Hin- 
gegen von den Berichten eines Geschichtsschreibers sagt man aller- 
dings nie aliquis nuntiat, sondern scribit, tradit, narrat. Ygl. 
Nuntius. — Selten auch bedeutet es bildlich durch Erscheinungen 
verkündigen, wofür mehr denuntiare gebraucht wird, zumal von Un- 
angenehmem, wie die Bücher Ciceros de divinatione zeigen; vgl. 
z. B. 1, 75. — Im Passiv wird es sowohl personal als impersonal 
gebraucht; z. B. man erhielt die Nachricht, dass die Wasserholende) i 
gedrängt ivürden, aquatores (Nomin.) premi nuntiantur (Caesar civ. 
1, 73, 2), ebenso Cic. Mil. 66, har. resp. 62 faotus nuntiatur terrae 
motus, ferner Liv. 4, 21, 5; 4, 58, 4 und 22, 54, 9. Im silbernen 
Latein und im Sp. L. finden wir auch zusammengesetzte Formen 
mit Nom. c. inf., z. B. Plin. ep. 3, 7, 1, nuntiatus est Silius inedia 
finisse vitam. Häufiger als die persönliche ist die impersonale Kon- 
struktion, vgl. Cic. fam. 15, 1, 1, Yerr. 5, 87 und Mil. 48; nament- 
lich gilt dies für Caesar; vgl. Gall. 1, 10, 1 u. 38, 1 u. 46, 1; 6, 
4, 1; civ. 1, 18, 1; 1, 51, 1 und 3, 36, 1, aber auch für Livius, 
vgl. 4, 53, 3; 5, 8, 10; 6, 27, 10; 10, 1, 4; bei Sallust ist sie 
ausschliesslich im Gebrauch, vgl. Fabri zu lug. 113, 5; vgl. 1 hager 



Nuntium — 180 — Nuptus 

H. Synt. II S. 450 und S. 459. Kaum aber braucht daran erinnert 
zu werden, dass im Perf. Pass. nuntiatum est mit Accus, c. infia. 
(s. Cic. fam. 11, 12, 1) der bereits als N. Kl. charakterisierten 
persönlichen Konstruktion vorgezogen wird (Plin. epp. 3, 7, 1). — Der 
Ort, ivohin etwas gemeldet wird, wird fast nur mit dem Accus, be- 
zeichnet, selten und nicht nachzuahmen mit in und dem Abi.; man 
sagt daher in urbem, nicht in urbe; domum, nicht domi; Romam, 
nicht Romae. 

Nuntium ist als Substantiv höchst selten. Es steht bei Lucrez 
4, 704, bei Catull 63, 75, vgl. Riese z. St., in Prosa wohl zuerst bei 
Yarro 1. lat. 6, 86, der aus den tabb. censoriae zitiert: ubi de caelo 
nuntium erit, dann erst bei Tac. und im Sp. L., wo es Apul. hat, 
vgl. Kretschmann Apul. S. 47, und Servius, der zu Verg. Aen. 11, 896 
die Bemerkung macht, dass nuntius der Bote, nuntium die Nach- 
richt sei. Man halte sich an nuntius. — Nuntius aber als Person 
ist zumeist ein Bote, der mündlich berichtet, mündliche Nachricht 
gibt, wogegen tabellarius der ist, welcher schriftliche Nachricht 
bringt; daher sagt Cic. fam. 2, 4, 1 tuarum verum domesticos haben 
et scriptores et nuntios. Selten ist es allgemein = Kurier, wie 
bei Livius 42, 37, 6: nuntio ipsius, qui litteras attulerat, dici (placuit). 
Da aber nuntius sowohl den Boten als die von ihm gebrachte 
Nachricht bedeutet, so sagt man gleich gut mmtius affertur: es tuird 
die Nachricht gebracht und mmtius affert: der Bote meldet. Bremi 
glaubte irrig, dass Nepos, wenn er (Milt. 3, 3) sage: nuntii afferwü 
Dareum premi a Scythis, nicht Kl. gesprochen habe, indem er 
nuntii afferuntur hätte sagen müssen. Cicero sagt sogar (Att. 6, 8, 
2): Batonius miros terrores attidit, Batonius hat wanderbare 
Schreckensnachrichten gebracht. 

Nuper, neulich, vor kurzem. Ein Komparativ nuperius wird 
von Priscian 15, 26 zwar angeführt, kann aber durch keine Stelle 
belegt werden; aber der Superlativ nuperrime, ganz vor kurzem, ist 
zwar selten, aber Kl. bei Cicero, z. B. inv. 1, 25; vgl. Thielmann 
Cornif. S. 55, Neue-Wagener 3 II S. 188; 209; 758. 

Nupta, s. unter nubere. 

Nuptiae, die Hochzeit. Mit einem, einer Hochzeit feiern, ist 
nuptias facere cum aliquo, aliqua nach Plautus Cas. 486. — Wiewohl 
das Adj. nuptialis mit mehreren Substantiven verbunden wird, z. B. 
mit cena, dies, donum, munus, sacrum, pactio, Carmen, ludi, so findet 
man doch nicht lectus nuptialis, das Hochzeitsbett, sondern lectus 
genialis (Cic. Cluent. 14), weil es dem allschützenden Genius geweiht 
war. Der Ausdruck hat also für uns nur mehr historische Bedeutung 
und muss durch lectus nuptialis ersetzt werden. 

Nuptus ist als Subst. in der Bedeutung die Heirat P. L. und 
8p. L. bei Gellius und Aur. Victor. Man nahm vor Drakenborch 
(zu Liv. 1, 49, 9 u. 30, 13, 5) Redensarten, wie filiam nuptui dare 
oder collocare, eine Tochter verheiraten, für gut an, aber wo sie in 
den älteren Ausgaben des Livius u. a. vorkommen, lesen die bessern 



Nuspiam — 181 — Nutrire 

Handschriften nuptum als Supinum, wie es anderwärts in unver- 
dorbenen Stellen steht. Aber Muret schloss sich der Autorität des 
hl. Hieronymus an, der gegen Jovin. 2, 16 nuptui tradere sagt. 
Übrigens hat schon Hygin 257 Schm. (nicht bei Nieländer!) 
nuptui collocare, und Aur. Yictor 59, vgl. Nieländer 1877, S. 30, 
nuptui locare. Das Supinum nuptum findet sich Kl. in Verbindung 
mit collocare bei Caes. Gall. 1, 18, 7, nirgends bei Cicero; sonst 
treffen wir nuptum dare bei den Kom., in Prosa bei Nep. Paus. 2, 
3; Dio 1, 1; 4, 3, bei Liv. 1, 49, 9; 23, 2, 6 und im silb. Latein; 
locare bei Ter., tradere bei Justin und Dictys. Ygl. Richter I S. 22. 
Sp. L. (s. Yulg. in lib. Genes. 29, 26) lesen wir auch tradere ad 
nuptias, wie Exod. 21,10 auch nuptias puellae providere vorkommt. 
— Über nupta alicui und cum aliquo vgl. Nubere. 

Nuspiam, nirgends, ist jetzt ohne alle Autorität für nusquam; 
Neue 3 II S. 677 kennt es nur als eine Vermutung Carrios zu Gell. 
5, 4, 2, wo aber in una uspiam littera gelesen wird; vgl. noch 
Keisig-Haase-Hagen S. 279 Anm. 228. 

Nutricari (von nutrix, die Amme), ivie eine Amme pflegen und 
nähren, ist Ä. L. und selten, aber doch von Cicero nat. deor..2, 86 ab- 
sichtlich auf die alles gleich einer Amme pflegende und ernährende 
Welt angewandt, für das gewöhnliche nutrire, worin aber nicht der 
Begriff Amme liegt. Die aktive Form nutricare ist A. L. und Sp. L., 
vgl. Piechotta S. 45, Neue-Wagener 3 III S. 69. 

Nutricia (Neutr. Plur.), kommt von nutricius; dieses Wort findet 
sich Kl. nur bei Caesar civ. 3, 108 und 112 als Subst. = Erzieher; 
das Adj. ist unkl. Nutricia = der Ammenlohn, Pflegelohn, das 
Pflegegeld, war das späte, bei den Juristen übliche Wort, aber 
zur Kl. Zeit vielleicht nicht gekannt, da Cicero das griechische 
ßpsTTTijpia oder rpocpela (rep. 1, 8) durch alimenta übersetzte und, 
da ihm das Wort in dieser Bedeutung neu und gewagt schien, 
noch quasi davor setzte: nos hac lege patria non genuit aut 
educavit, ut nulla quasi alimenta (kein Pflegegeld, Kostgeld) ex- 
spectaret a nobis. Man gebrauche entweder jenes nicht ganz 
verwerfliche nutricia, oder alimenta oder das N. Kl. nutrimenta, 
was der Dichter Val. Flaccus (6, 570) in dieser Bedeutung an- 
wendet. 

Nutrire, ernähren, warten, pflegen, findet sich erst bei Livius, 
nirgends bei Cicero und Caesar, aber oft bei Celsus, dem altern 
Plinius, Suet. u. a., für das Kl. alere; vgl. Bagge S. 36. — Man 
verwirft barbam nutrire, den Bart wachsen lassen, da nur alc/c 
ha /-11(1111 vorkommt. Doch findet sich comam, capillum, capillos nu- 
trire — dm Haarwuchs befördern, ersteres bei Hier, comment. in 
Arnos 8, 9 und 10, Vulg. in I Cor. 11, 14 und 15 und bei Leo 
M. Append. ad opp. III S. 883 (659) (M.), Vulg. Ezech. 44, 20, 
und letzteres Plin. nat. Greg. M. in Job II, § 2!) und 84. — Nutrire 
= trop. unterhalten, befördern, = fovere, hat in Prosa nur Tac. bist. 
3, 53 u. Germ. 36 und inv. in Sali. 11. 



Nutritio — 182 — Ob 

Nutritio, die Ernährung, Pflege, Aufziehung, ist nicht N. L.; 
Georges zitiert Prise, part. 12 vers. Aen. 7, 156, S. 495, 34 K. ; 
ebensowenig das Subst. nutritus, welches Funck im Archiv VIII 
S. 381 aus Gloss. erwiesen hat und zwar im Abi. nutritu; doch 
beide Subst. sind zu meiden; sie werden durch die Verba alere, 
nutrire oder educare, oder durch den Plural alimenta, nutrimenta 
umschrieben. 

Nutus. Was die Redensart: natu significationeque appellare 
betrifft, so beruht dieselbe nur auf Cic. fam. 1, 9, 20, wo Med. signi- 
ficationeque, M 2 hingegen die Korrektur nutu significationeque 
bietet. Die neuesten Texte enthalten das Wort nutu nicht mehr; 
C. F. W. Müller hat die Madvigsche Verbesserung significo neque 
aufgenommen, Mendelssohn wagt keine Entscheidung, bezeichnet 
jedoch Madvigs Yorschlag als gut. Man meide also die Phrase. 
— Dass nutus stets von herrischen oder unbedingte Befolgung 
heischenden Befehlen angewendet wird, zeigt Friedersdorff zu Liv. 
26, 8, 3. 

Ngmplia in der allgemeinen Bedeutung junges Frauenzimmer, 
für quellet oder virgo zu brauchen, ist für den pros. Gebrauch lächer- 
lich; man überlasse es den Dichtern. 



o. o. 



als Interj. tritt zum Yokat. und Nomin., sowie zum Accusativ. 
Es steht nicht bei der gewöhnlichen Anrede, sondern nur, wo ein 
Affekt, z. B. Verwunderung, Unwille und Schmerz ins Spiel kommt, 
und dient mehr zum Ausrufe. Es werde daher nicht falsch ge- 
braucht, z. B. im Anfange von Briefen als Anrede. Beim Accus, 
der Sache darf o im Klass. nicht fehlen, während es vor persön- 
lichem Accus, oft ausgelassen wird. Näheres sehe man bei Neue- 
Wagener 3 II S. 981, namentlich aber bei C. F. W. Müller Progr. 
1860 S. 13, bei R. Klussmann in Z. f. G. 1880 S. 324, Richter im 
Progr. Hagenau 1878 S. 18 ff., der den Gebrauch bei den Dichtern, 
bei denen mit Yokativ besonders beliebt ist, genau behandelt hat, 
ferner Dziatzko zu Ter. Ad. 260 und 883, Hörle S. 11 für Properz, 
Ellendt zu Cic. de orat. 1, 40. 

Ob ist eingehend behandelt von Wölfflin im Archiv I S. 161 
bis 169. Daraus geht hervor, dass ein synonymischer Unterschied 
zwischen propter und ob nicht für die gesamte Latinität durchzu- 
führen ist, sondern dass sich bei den Schriftstellern eine Yorliebe 
für die eine oder die andere Präposition zeigt. So z. B. sagt wohl 
Caesar ob eam rem, ob eas res, ob eas causas, ob has causas, quam 
ob causam; aber abgesehen von diesen Formeln überwiegt bei ihm 
die kausale Präposition propter, während Cic. oft ob aufweist, viel- 
leicht mit einem leisen Bedeutungsunterschiede gegenüber propter 
(ob synonym mit pro, vgl. Lebreton Caes. S. 89). Sali, hat ob im Cat. 



Obambulare — 183 — Obdurare 

nur zweimal in der Formel quam ob rem, im Jug. und in hist. tritt 
propter gegen ob zurück und oft steht ob, wo nach strengem Sprach- 
gebrauche propter zu erwarten wäre. Bei Tac. kommt propter in den 
historischen Schriften nur einmal, hist. 1, 65 vor, während ob in der 
ersten Hälfte der Annalen 102 mal sich findet. Näheres hierüber 
in den musterhaften Programmen von Reissinger, Landau 1897 und 
Speier 1900, Kunze Sali. III, 1, S. 18, Novak (Studien zu Livius) 
S. 15 ff. und 237. Man merke für die Praxis des Schreibens, dass 
in den erwähnten ' Formeln ob eam rem, quam ob rem die Stellung 
eine ständige ist; in den Formeln mit causa gilt dies nur für ob 
eam (eandem) causam und quam ob causam, in allen übrigen wird 
ob bald vorangestellt, bald eingeschoben, ob hanc causam und hanc 
ob causam, ob hasce causas und hasce ob causas, unam ob causam 
und ob unam causam u. ä. Ferner sagt zwar Cicero Caec. 73 und 
Att. 16, 11, 6 ob hoc, ferner ob id inv. 2, 82, ob ea fin. 3, 28, ob id 
ipsum Tusc. 1, 11 und sonst; er scheint diese neutralen Formeln ein- 
geführt zu haben ; aber nie braucht er ob quae. Die Verbindung von 
ob mit Subst. und Part, perf., z. B. ob cives servatos, findet sich 
in bescheidenen Anfängen bei Plaut. (Asin. arg. 6) u. Cato, bei 
Varro 1. lat. 5, 179, bei Sali. lug. 55, 2 u. 79, 7, aber nicht Kl. (nur 
die Formel ob res gestas Cic. Par. 30 u. Phil. 14, 37); sie ist durch 
Livius besonders kultiviert worden und erhält sich im N. Kl. und 
Sp. L. Ob mit Gerundium (Gerundivum), welches sich A. L. auch 
schon vereinzelt findet, lesen wir bei Sali. lug. 82, 9 (vgl. Cato agr. 
134, 4), aber auch bei Cicero, freilich nur in Formeln, in denen er 
der Überlieferung sich fügte, z. B. ob rem iudicandam, ob ius 
dicendum, ob consiäatum obtinendum. Näheres bei Reissinger und 
Archiv I, 168, sowie Lebreton Caes. S. 88. 

Obambulare, auf- und abgehen, spazieren gehen, kommt in Prosa 
erst bei Livius vor und ist selten für ambulare. Es wird verbunden 
mit dem Dativ in dem Sinne an, um etwas, z. B. muris, an den 
Mauern (Liv. 36, 34, 4). Auch bei Suet. Tib. 11 wird gelesen 
gymnasio obambulare. Der Accus, findet sich bei Ovid, vgl. Bagge 
'S. 36. 

Obaudire, gehorchen, ist Sp. L. Form für oboedire; vgl. Rönsch 
Sem. III S. 61, Bonnet Greg. S. 488, Kretschmann Apul. S. 85; 
Sp. L. und selten ist obauditio, vgl. Archiv XI S. 130, ebenso oban- 
ditus, us, vgl. Regnier S. 167. 

Obauratus, vergoldet, ist Sp. L. und steht nur bei Apul. met. 
11, 8 für auratus. 

Obducere, überziehen, etwas über oder vor etwas, aliquid alicui, 
z. B. tenebras rebus, fossam castris, selten obducere aliquid aliqua re 
(Cic. nat. deor. 2, 121). 

Obdura/re ist bei Cicero, wo es übrigens nur einmal steht, Att. 
L2, 3, 1 obduretur lux- triduum, vgl. Boot z. St. und Paul Bleyer 
Progr. Bayreuth 1887, S. 30, und den Dichtern des Augusteischen 
Zeitalters nur Verbum intrans.; also sich verhärten = ausdanern, 



Obedire — 184 — Obiectio 

aushalten, heisst lediglich öbdurare; erst Sp. L. erscheint es als 
Transitiv : se öbdurare = sich verhärten, verstocken : contra mani- 
festem veritatem Lact. 1, 1, 23 (doch Brandt liest obdurant ohne se), 
Symra. ep. 8, 41 te in annum vel biennimn obdura, vgl. Schulze 
Symm. S. 107, so besonders im Part. perf. pass., vgl. Paneg. 10, 223, 
7 callo quodam obduratae patientiae. Kl. wurde es gemieden, indem 
man zum Ausdrucke der Richtung, des Zieles, der Ausdauer ad oder 
contra aliquid obdurescere sagte: obdurescit animus ad dolorem, Cic. 
fam. 2, 16, 1; obduruisse iam sese contra fortunam arbitrantur, Cic. 
Tusc. 3, 67. Im Perf. wird nicht obduravi, sondern stets obdurui 
gebraucht, s. Madvig zu Cic. fin. 3, 37. 

Obedire (nach den Handschriften richtiger oboedire), gehorchen. 
— A. L. sagte man auch mit diesem Yerb alicui dicto oboediens, 
wofür man Kl. und N. Kl. nur alicui dicto audiens sagte, z. B. Cic. 
Yerr. 5, 85; Deiot. 23; Phil. 7, 2 und sonst; aber ohne dicto nur 
alicui oboediens. Ohne den Dativ der Person sagt Plautus: sed si 
non dicto audiens est, quid agof Trin. 1062. Vielleicht zur Ver- 
stärkung kommen bei Livius einmal beide Wörter verbunden vor 
(5, 3, 8): nee plebs nobis dicto audiens atque oboediens sit. Doch 
hält Madvig die Worte atque oboediens für ein augenfälliges Glossem. 
S. opusc. acad. II, 313 und oben s. v. Audire. 

Obelare, etwas verwerfen, ausstreichen, ist ein Sp. L. Wort, 
welches sich erst bei Isid. Hisp. findet, vom Ausstreichen einzelner 
oder mehrerer Wörter, als unechter, für das griech. ößeAiZeiv, welches 
Cicero in Ermangelung eines Kunstwortes beibehielt (fam. 9, 10, 1); 
eigentlich obelum oder atrum Signum allinere, obelo notare, praenotare, 
dem Sinne nach expungere, tollere, conf ödere, delere. 

Obex, der Riegel, hat höchst selten (wohl nur Plin. pan. 47, 5, 
im Sp. L. bei Ennod. 368, 16 obex tarditatis) bildlich die Bedeutung 
Hindernis, dafür sagt man impedimentum, und es ist unnötig zu 
sagen alicui obicem ponere, in der Bedeutung einem hinderlich sein, 
ein Hindernis in den Weg legen, da impedire, impedimeuto esse, im- 
pedimentum inferre dasselbe ausdrücken. — Der Nominativ obiex 
wurde von Georges angenommen, dann aber wieder aufgegeben, 
vgl. Keller Etym. S. 77; Formen wie obiecis, obieci sind A. L., z. B. 
Plaut. Pers. 203. 

Obfuscare; vgl. Offuscare. 

Obiectio ist ein nur dem Sp. L. angehöriges Wort, welches zu- 
nächst Vorwurf bedeutet. Selten ist es in der bildlichen Bedeutung 
Einwurf, Einwand in gelehrten Sachen, was man gegen eine Be- 
hauptung einwendet, einwirft, vgl. Hier. comm. in epp. S. Pauli ad 
Rom. ed. Paris. 1545, S. 115, G, Ambros. de fide 4, 9, 100 (opp. 
III S. 636 (M.), Aug. epp. 166, 15, Greg. M. homil. 2, 26, 11, 
Macrob. somn. Scip. 2, 16, 20 (E.), vgl. Vogel Hegesipp S. 22 u. 
Rönsch Coli. phil. S. 71. Ebenso bedeutet obicere zunächst und 
dies oft bei Cicero voriverfen, vorrücken; einmal jedoch hat es 
Cicero in Phil. 2, 9 synonym mit dem kurz vorher gebrauchten 



Obiectum — 185 — Obire 

opponcre in der Bedeutung einwerfen, einwenden, Einwendung machen, 
sonst ist dies Sp. L., z. B. Hieron. epp. T. 3, S. 49 H. Man sage 
dafür occurrere, contra dicere, dubitatio, quod contra dicitur (Cicero 
de orat. 1, 90), im philosophischen Gespräche auch respondere, rogare, 
interrogare; ja, es liegt oft diese ganze Wendung in dem einem 
Einwände vorangeschickten at, at enim, at credo, oder dices, fortasse 
dices, quaeres u. s. w. = aber könnte man sagen, einivenden; dabei 
ist wohl zu beachten, dass alle diese Formen des Einwurfs keine 
adversative Partikel zulassen, also nicht at dices, at quaeres, inquies, 
was so fehlerhaft ist, als wenn man zu at, at enim noch ein Yerbum 
wie inquies, dicat, dixerit quis hinzusetzen wollte. S. über diese 
Materie die schöne Auseinandersetzung von Seyffert seh. lat. II 
S. 68 ff. 

Obiectum als Subst., der Gegenstand, ist erst N. L. Kunstwort 
in der Grammatik, wo es sehr häufig für das einfache res, und in 
der Philosophie, wo es für res obieeta sensibus, quod sensibus oder 
sensu pereipitur oder aeeipitur oder das Neutr. Plur.: sunt ea mathe- 
maticorum = das sind Objekte der M. u. dgl. gebraucht wird. Das 
Objekt einer Tätigkeit ist id, in quo quis, aliqua res versatur. In 
grammatischen Beziehungen liest man oft: hie deest obiectum verbi 
ajecv u. dgl. — Ein Gegenstand des Gehörs ist res auribus obieeta, 
und so ähnliche. 

Obicere, einivenden; vgl. unter Obiectio. 

Obire heisst eigentlich entgegengehen, z. B. einem Geschäft, um 
sich demselben zu unterziehen, ferner einem Termin u. s. w. ; vgl. 
Cic. Phil. 3, 20 Antonius diem edicti obire neglexit. Daher rühren 
auch die Redensarten diem, diem suum, diem supremum etc. obire. 
Man merke jedoch, dass diem suum obire = sterben den alten 
Dichtern eigen ist, z. B. Plaut. Poen. 904 quom diem obiit suom; in 
Kl. Zeit hat es nur Sulp. Rums bei Cicero fam. 4, 12, 2; oft findet 
man es bei den Archaisten Gell., Apul., Fronto, sowie bei mehreren 
Juristen; diem obiit (ohne suum) hat Suet. Tib. 4; diem supremum 
obire kenne ich nur aus Nep. Milt. 7, 6, Dion. 2, 5 und Timol. 
5, 4, sowie Petron sat. 61; Kl. ist nur mortem obire, Cic. Phil. 9, 
2 qui in legatione mortem obierunt, das später auch bei Scaev. Papin. 
u. a. Juristen sich findet. Merkwürdig ist vitam obire auf einer 
gallischen christlichen Inscr., vgl. Pirson S. 296 ; es ist eine Aus- 
gleichung aus vitam amittere und mortem obire. Obire ohne 
mortem ist aus Cicero nicht zu belegen, es steht aber Liv. 5, 39, 13, 
wiederholt in Briefen an Cicero und wird später allgemein üblich. 
Obitus = Tod ist doch KL, wir lesen es Cic. rep. 2, 52 post obitum 
vel potius excessum Romuli; hier geht excessus auf die Apotheose, 
für die es ständiger Ausdruck wurde, vgl. Geppert Progr. Berlin Gr. 
Kloster 1887, 8. 6 Anm. 1. Vgl. Seytfert-Müller z. Lael. S. 34, 
Z. f. G. W. 1881 8. 105 f., Georges Voll. 8. 49; Kalb Roms Juristen 
8. 106 und dazu N. Jahrb. 1891 8. 224, Leipold S. 35, Comin. 
Wölfflin. 8. 273. — Was morte <>l>/rc betrifft, so wird jetzt bei Suet. 



Obiter — 186 — Oblivisci 

Aug. 4 dafür allerdings richtiger mortem gelesen, allein ibid. Gralba 
c. 3 Ende heisst es ohne "Variante: voluntaria morte obiit, ebenso 
bei Vell. 2, 87, 3, Eutr. 7, 17 und obiit morte subita, 8, 15 und re- 
pentina morte obiit, 10, 17 und Ambrosius epp. 53, 3 (M.). — 
Dass mors obita und obeunda gut und Kl. ist, versteht sich nach 
dem Vorbemerkten von selbst. 

Obiter soll schon vom Komiker Laberius und dann vom Kaiser 
Augustus gebraucht worden sein (nach Charis. 2, 13, S. 209 K.); 
seine eigentliche Bedeutung ist die räumliche; es findet sich in der 
Literatur erst im silb. Latein, zuerst wohl bei Seneca de ira 3, 1, 2, 
und zwar in bildlichem Sinne, „wie es einem zufällig in den Weg 
kommt", wo wir sagen im Vorbeigehen, beiläufig, gelegenheitlich, bei 
Gelegenheit, z. B. etwas bemerken, sehen, berühren; namentlich ver- 
wendet es so öfters Plin. mai., vgl. Grrasberger S. 115. Cicero sagt 
dafür in einer Rede quasi praeteriens; im Briefstile hat er die 
griech. Ausdrücke iv izapödw oder iv napspyo)', Quintil. drückt es 
durch in transitii aus (2, 10, 15), und etwas leise im Vorbeigehen 
berühren, aliquid leviter in transitii attingere (7, 3, 27). Derselbe 
Sinn liegt auch meistens in den Kl. Wörtern strictim, leviter, breviter 
längere oder attingere aliquid, welche ausser quasi praeteriens und 
in transitii am meisten zu empfehlen sind. Oft passt auch per 
occasionem, occasione oblata. Näheres über obiter sehe man bei 
Reisig-Haase-Hagen S. 202 Anm. 241, namentlich aber bei Reissiuger 
Progr. Landau 1897 S. 49 f., Keller Lat. Etym. S. 107, Wölfflin 
Epigr. Beitr. II S. 178. — Über obiter = simul im Sp. L. vgl. Rönsch 
Coli. phil. S. 148. 

Oblatio, das Anerbieten, Geschenk u. ä. ist Sp. L., vgl. Gölzen 
Hieron. S. 73, Schulze Symm. S. 26, Chruzander S. 42, Regnier 
S. 169, Liesenberg I S. 12, Watson S. 267; 274; 284. Wir werden 
den Begriff am besten durch das Verbum offerre ausdrücken; soll 
es Geschenk heissen, so gebe man es durch donum oder munus; 
bisweilen liegt derselbe Sinn auch in votum oder promissum. 

Ohlectamen, eine Ergötzlichkeit, was ergötzt, ist nur P. L. für 
das Kl. oblectamentum, z. B. Cic. Cato 52, und wo mehr die Handlung 
gedacht wird, oblectatio. Oblectatio ist = Zeitvertreib, delectatio === 
Vergnügen und Befriedigung, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 554. 

Oblivium, meistens im Plural, die Vergessenheit, ist P. L. für 
oblivio; in Prosa treffen wir es nur bei Tac. hist. 4, 9 und Sp. L. 
bei Ambros. u. Ennod. Hierbei merke man noch, dass oblivioni aliquid 
tr ädere, etwas der Vergesseyiheit übergeben, erst Sp. L. vorkommt bei 
August, (civ. 18, 31, 2 Ende) und oft bei Hieronymus, z. B. comment. 
in Ps. S. 15, I u. ibid. 68, I u. 80, M. u. s. w.; dafür Kl. oblivione 
exstinguere, delere, obruere, praeter mitter e, oblivioni dare, s. Richter 
zu Cic. Cat. 3, 18. 

Oblivisci, vergessen, hat Kl. nur den Accus, der Sache, z. B. 
Cicero Lig. 35 qui nihil oblivisci soles nisi iniurias, nie aber den 
Accus, der Person; diese Konstruktion ist A. L. und Sp. L. Vgl. 



Obniti — 187 — Obscurare 

Ott Progr. Rottweil 1869 S. 12, Babcock S. 46 ff. Ferner beachte 
man wohl, dass das Verbum ein Deponens ist, und dass selbst oblitus 
als Partiz. nirgends in Kl. Prosa und in Prosa überhaupt nur ganz 
Sp. L. in passiver Bedeutung vorkommt; die Stellen für passives 
oblitus sehe man bei Neue -Wagener 3 III, 70. Man vermeide diesen 
Gebrauch und sage nicht: hoc sit oblitum, dieses sei vergessen, soll 
vergessen sein, für hoc oblivioni sit datum, oblivione exstinctam, 
deletum, ex omni memoria evulsum, hoc perpetua oblivio deleal u. a. 
— Oblivisci mit Inf. ist Kl., z. B. Cic. Yerr. 4, 27 und Quinct. 54, 
fam. 7, 14; 9, 24; mehr Stellen s. bei Dräger H. Synt. II S. 326, 
Schmidt Inf. S. 65. Auch mit Accus, c. inf., z. B. Cic. Rose. Com. 
50, vgl. Dräger H. Synt. II S. 367, Schmidt Inf. S. 123. 

Obniti, sich entgegenstemmen, iuider streben, ist als Yerbum erst 
N. Kl. bei Celsus, Yell. und Tac. für obsistere, resistere; vorher, 
z. B. schon bei Enn. ann. 149 M., in Prosa zuerst bei Nepos und 
Livius, war nur das Partiz. obnisus oder obnixus, an- und entgegen- 
gestemmt, gebräuchlich: obnixo genu scuto Nep. Chabr. 1, 2, stant 
obnisi, Liv. 7, 33, 12; vgl. Archiv X S. 48, Brolen S. 19, Georges 
Yell. S. 49, Lupus S. 42, der auf das Kl. innixus bei Caes. Gall. 
2, 27, 1 verweist. Früher stand es auch in Cic. Mil. 34, wo man 
aber jetzt enitenditm für obnitendam liest. Und so ist auch das 
Adverb obnixe in der ganzen Zeit von Terenz bis Fronto nicht zu 
belegen; bei Liv. 4, 26, 12 ist wohl enixe für obnixe zu lesen, vgl. 
Archiv X S. 48; erst die Archaisten griffen auf dies Wort zurück, 
und hier finden wir es namentlich bei afrikanischen Schriftstellern, 
aber auch Paneg. 12, 280, 23. Aus dieser Zeit stammt auch die 
Phrase obnixe petere, deprecari, vgl. Schulze Symm. S. 108. 

Obolus war zwar bei den Griechen die kleinste Münze, aber 
doch noch grösser als unser Heller oder Pfennig, wofür es im N. L. 
gebraucht wird. Yiel passender ist dafür teruncius, nummulus, as; 
z. B. keinen Heller (Pfennig) bekommen, ne teruncium (nummulum, 
assem) qnidem aeeipere. Auch brauchen die Lateiner obolus nie so. 

Obrepere, schleichen, beschleichen, über schleichen; — zu einen/, 
einen, etwas wird verbunden mit dem Dativ der Person und Sache, 
bildlich mit ad aliquid, z. B. ad hoyiores. Mit in und dem Accus, 
wird es verbunden in der Bedeutung sich in das Innere, das Ho: 
von jemanden einschleichen. S. darüber nicht nur Ambros. de off. 
ministr. 3, 6, 41, sondern auch Cic. divin. 2, 139. Mit dem blossen 
Accus. = jemanden iiberrumpeln, übertölpeln, steht es Plaut. Trin. 
61, Poenul. Prol. 14 und Sali. hist. 1, 77, 19 M.: si tanta torpedo 
animos obrepsit, iit . ., vgl. Schönfeld S. 43. — Obreptaye stand 
früher bei Cic. Att. 6, 5, 3, wo jetzt obrepebat gelesen wird. Wir 
finden dbreptare nur A. L. bei Plaut. Pers. 79 und N. Kl, bei Plin. 
nat. 35, 109, vgl. Jonas 1872 S. 12. 

Obscurare, verdunkeln, findet sich häufig in Ä7. Sprache; <*s hat 
die doppelte Bedeutung: in unbedeutendem Lichte erscheinen lassen 
und dadurch in den Hintergrund des Gedankens oder der Seele 



Obsecrare — 188 — Obsequentia 

drängen == vergessen machen, vgl. Cic. Phil. 9, 10 nulla eins lega- 
üonem posteritatis obscurabit oblivio und Seyffert-Müller z. Lael. 
S. 412 f. Es lässt aber in Kl. Sprache weder als Objekt se als 
rückbeziehend auf einen leblosen Gegenstand zu, noch auch das 
Objekt einer Person. Von leblosen Gegenständen heisst sich ver- 
dunkeln — obscurari, nicht se obscurare, z. B. sol, luna, sidera, wo 
auch bei den beiden ersten deficere in dieser Bedeutung gebraucht 
wird. Auch sagt man nicht: hominem obscurare, omnes obscurare, 
einen Menschen, d. h. seinen Namen und Ruhm verdunkeln, sondern 
(il/cuius hominis (omnium) laudem (laudes), gloriam, famam, nomen, 
Hominis famam obscurare; vgl. Cic. Marc. 30 ut tuas laudes mala 
umquam obscuratura sit oblivio. 

Obsecrare, bitten, wird, mit oro verbunden, als das stärkere und 
längere Wort in Kl. Sprache demselben wac/igesetzt, z. B. oro atque 
obsecro (Cic. Yerr. 2, 42), orare et obsecrare coepit (Cluent. 144); 
ebenso steht orare (implorare und rogare) mit obtestor verbunden, 
nur vor demselben. S. darüber Cic. fam. 6, 22, 2, Cael. 78, 
Attic. 9, 11, A. § 3, Plancus in Cic. fam. 10, 18, 2, Verr. 5, 188, 
Mil. 85. Aber im A. L. und bei den Archaisten finden wir auch 
obsecro atque oro, vgl. Plaut. Merc. 170, Fronto S. 47 K, Wölfflin 
Allit. S. 19 u. 72. Wenn jedoch obsecrare mit dem gleich starken 
und gleich langen obtestari verbunden wird, kann es auch im Kl. 
L. sowohl vor als nach demselben gesetzt werden. S. Cic. Quinct. 
91 und Sest. 147; mehr Stellen hat Wölfflin Allit. S. 72, Land- 
graf zu Cic. S. Rose. S. 147, Heerdegen Semasiol. III S. 43 ff. Es 
folgt darauf teils ut oder ne, teils der Imperativ, z. B. oro et obsecro, 
ignosce oder ut ignoscas; jedenfalls meide man den Inf. oder Accus, 
c. inf., was nur im Sp. L., z. B. bei Hieron. vorkommt, vgl. Gölzer 
Hier. S. 371. — Über obsecro te, obsecro vos = ich bitte dich, euch 
ums Himmels tuillen, s. Cic. Tusc. 1, 60, Liv. 5, 6 und 6, 40, 10; 
aber bei Antonius in Cic. Att. 14, 13, A, 3 steht nur obsecro; das 
folgende te gehört zum Infinitiv. 

Obsequentia, die Nachgiebigkeit, Willfährigkeit, findet sich bei 
Plaut. Asin. 65 durch Seal, aus obsequellam verbessert, vgl. auch 
Lachmann z. Lucr. S. 204, dann abgesehen von ganz Sp. L. nur 
noch bei Caesar (Gall. 7, 29, 4), für das sonst übliche obsequium, 
wiewohl obsequens, wenn auch nicht KL, so doch im A. L. und im 
N. Kl. neben oboediens nicht selten ist; dagegen ist das Adj. obseqai- 
osus nur A. L. bei Plautus Capt. 418, somit nicht zu brauchen. 
Dennoch findet sich im N L. in Briefen die Unterzeichnung obsequi- 
osissimus. Ygl. Miodonski Phil. Call. S. 3, der viele Beispiele aus 
Petrarca für obsequiosus beibringt und es auch sonst aus M. A. Lat. 
belegt. — Das Subst. obsequium aber bedeutet in der Kl. Prosa, 
wie auch schon bei Terenz, nicht Gehorsam, welcher oboedientia 
heisst, sondern nur Nachgiebigkeit, Willfährigkeit, und zwar mehr 
in schlimmem, als in gutem Sinne, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. 
S. 513. Nachgiebigkeit, Willfährigkeit gegen jemand ist lat. obsequium 



Observandus — 189 — Observare 

erga aliquem, s. Liv. 7, 30, 19, Tac. ann. 3, 12 u. 5, 3, hist. 3, 
5 oder obsequium in aliquem, Tac. ann. 6, 37, Iust. 20, 4, 9. — 
Im Sp. L. bedeutet obsequium Ordonnanz, Gefolgschaft, wie Rönsch 
Coli. phil. S. 125 nachweist, vgl. auch Chruzander S. 42, ebenso ist 
es == gratia und im Plural = beneficia. In der Phrase obsequium 
funeris, die auch Sp. L. sich findet, ist ein Zurückgehen auf die 
Grundbedeutung zu erkennen, vgl. Bonnet Greg. S. 266. 

Observandus findet sich in der adjektivischen Bedeutung ach- 
tungswert, Verehrung siuürdig, Sp. L., und zwar nicht in der Super- 
lativform, denn bei Fronto (epist. 4 ad Ant. Pium) hat die ed. Rom. 
1846 und Naber S. 167 lediglich den Positiv: in Cavium Maximum 
clarissimum et nobis observandum [uns achtungswerten] virum; vgl. 
noch Engelbrecht Titelwesen S. 57. — Im N. L. war es aber, auch in 
jener Superlativform, schon lange im Gebrauche, besonders in Dedi- 
kationen und Briefen; man gebrauche dafür maxime oder plurimum 
colendus, summa oder maxima observayitia oder summo honore dignus 
u. a. — Richtig ist dagegen in aktiver Bedeutung observans, hoch- 
achtend, achtungsvoll, mit dem Genitiv verbunden, wovon auch ein 
Superlativ, observantissimus, Kl. ist; vgl. Cicero Qu. fr. 1, 2, 11; 
fam. 13, 3, 1. 

Observayitia, was Kl. Hochachtung heisst, hat erst N. Kl. bei 
Yell. 2, 106, 3, Yal. Max. 2, 6, 7, oft im Sp. L. bei Hieron., vgl. 
Gölzer Hier. S. 102, auch bei Symm., vgl. Schulze Symm. S. 44, 
Georges Yell. S. 14, die Bedeutung Beobachtung, Wahrnehmung, 
Befolgung, für das Kl. observatio. 

Observare ist wohl etwas geistig und mit den Augen beobachten, 
achten, auf etivas merken, daher zum Beispiel diem observare = den 
Tag einhalten, Liv. 1, 50, 6, aber N. L. in der Bedeutung etwas 
mit Worten angeben, für dicere, statuere, annotare, scribere u. dgl. ; 
z. B. quae hoc loco observasti (angemerkt hast), ea mihi displicent, 
für annotasti, dixisti, scripsisti. Kl. aber ist es = etivas halten, 
etwas befolgen, auf etwas achten, wie leges, praecepta, auspicia, suf- 
fragium u. dgl. Man sagte aber von dem Augur, wenn er am 
Himmel Beobachtungen anstellte, nicht augur observat in caelo, sondern 
de caelo servat. Umgekehrt ist observare und nicht servare üblich 
= streng darauf achten, dass nicht mit ne, vgl. Cic. Lael. 58, or. 
190; observare ut ist bei Liv. und im N. Kl. zu finden, observare 
mit Acc. c. inf. erst bei Suet., man gebrauche lieber animadvertere, 
vgl. Max C. P. Schmidt in N. Jahrb. 1891 S. 196. — Für obsernor 
hatte man auch die seltene Nebenform observitare, welche selbst von 
Cicero gebraucht wird; denn in einigen Stellen (wie divin. 1, 2 und 
ib. 102) ist sie durch die Handschriften begründet und kann auch 
von uns, zumal von dem fortgesetzten, angestrengten Beobachten einer 
Sache, recht wohl gebraucht werden. — Observator hat neben Beiner 
allgemeinen Bedeutung von Beobachter auch noch speziell den Sinn 
von Aufpasser, Spitzel, s. Lagergren S. 69. Dies lässt sich auf die 
Kl. Bedeutung von observare zurückführen, vgl. Hahn zu Cic. Scst. 



Obsidio — 190 — Obstinare 

8 und Boot zu Cic. Att. 13, 49, 2. Über observans — hochachtend 
vgl. s. v. Observandus. 

Obsidio und obsidium, die Belagerung ; letzteres ist die ältere Form; 
diese hat schon C. Laelius in einer Rede (Nonius S. 216 M.) ut . . obsi- 
dmm facerent, wie es in der Dichtung Plaut, u. Ennius neben obsidio 
gebraucht hatten; Sali, zieht obsidium vor, hat aber hist. 2, 93 si exempti 
obsidione forent doch auch das klass. obsidio, Liv. kennt nur obsidio, 
auch 34, 33, 13 ist dies anzunehmen, Tac. weist dagegen beide 
Formen auf; im Sp. L. treffen wir obsidium noch bei Gell. 15, 31, 
1 u. Amm. 20, 7, 3. Kl. ist wie gesagt obsidio, vgl. Caes. Grall. 4, 
19, 4 obsidione liberare, Cic. Pomp. 20 obsidionis pericidis liberare; 
vgl. auch Wölfflin Col. rostr. S. 312, und besonders Heraeus in 
Archiv IX S. 132. — Obsidioyiem (urbis) solvere kann in dreifacher 
Bedeutung gebraucht werden, 1) voyi den Belagerten, welche durch 
Kapitulation oder durch mutige Verteidigung das Ende der Belagerung 
herbeifuhren, vgl. tolerando paucos dies totam soluturos obsidionem, 
Liv. 26, 7, 8 ; 2) die Belagerung aufheben, z. B. Liv. 36, 31, 7 
und sonst, Curt. 4, 4, 1; 3) eine Stadt entsetzen = aliquem obsidione 
liberare, vgl. Liv. 24, 41, 11; 25, 22, 15; 38, 5, 6 und sonst, 
Tacitus ann. 4, 24, hist. 4, 34. — Wenn Heraus zu den Worten 
des Tacitus: ad liberandum Mogontiaci obsidium hist. 4, 37 bemerkt, 
dass dies Neuerung sei für ad liberandum obsidione Mogontiacum 
oder ad solvendum Mogontiaci obsidium, so ist dies nicht richtig, 
denn es heisst ja schon bei Livius 26, 8, 5: non ad Romam obsi- 
dendam, sed ad Capaae liberandum obsidionem Hannibalem ire, vgl. 
Friedersdorff z. St. 

Obstaculum, das Hindernis, ist (mit Ausnahme von Sen. nat. 
2, 52, 1) Sp. L., vgl. Schulze Symm. S. 50, Kretschmann Apul. 
S. 41, Liesenberg I S. 10, für impedimentum, id quod obstat, impe- 
dimento est; — ebenso obstantia, die Abhaltung, welches zwar N. Kl. 
ist, aber nur bei Yitruv vorkommt, und, wie es scheint, Gem. L. 
aus der Volkssprache genommen, ebenfalls für id quod obstat, 
impedimentum. 

Obstare, im Wege oder dagegen sein, wird bei geistigen Dingen 
verworfen, und es wird z. B. in Disputationen, nach Widerlegung 
der Meinung eines andern, die Redensart getadelt : hoc non obstante, 
da nun dieses nicht im Wege steht; man sage quod cum iam non 
occurrat nach Cicero nat. deor. 3, 70: huic loco sie soletis oecurrere 
und fin. 2, 108 quid occurrat, non videtis, vgl. Madvig z. St., sowie 
Boot zu Cic. Att. 13, 19, 5. 

Obstinare transitiv ist nur vorklass. bei Plautus und Pacuvius; in- 
transitiv steht es bei Tacitus: ipso Vespasiano inter initiu imperii ad 
obtinendas iniquitates haud perinde obstinayite, hist. 2, 84 u. bei Livius: 
obstinaverant animis vincere aiit mori, 23, 29, 7, vgl. Kühnast S. 387 
und Heraus zu Tac. hist. 3, 29. Viel gewöhnlicher aber wird seit Livius 
das Part. Perf. Pass. obstinatum esse = fest entschlossen sein gefunden, 
und zwar entweder mit dem Infin. : dietatore obstinato tollere potius 



Obstinacitas — 191 — Obtentus 

totum e republica consulatum quam . . Liv. 7, 21, 1 und so noch 
öfter, s. Fabri zu Liv. 23, 29, 7, oder er verbindet obstinatwn esse 
ad aliquid: adventum hostium obstinato ad mortem animo ex- 
spedabat, 5, 41, 1; quibus animi in spe ultima obsünati ad decer- 
tandum fuerant, 6, 3, 9; dasselbe findet sich auch bei Curtius: 
videtisne obstinatum ad tacendum, 4, 6, 28 und ad moriendum ob- 
stinatus, 8, 2, 11 und Ulis ad silendum obstinatis, 8, 1, 30; obstinatos 
ad resistendum, Suet. Caes. 15. Selten ist die Verbindung von in 
aliquid obstinatus: obstinatae in perniciem Romae urbes, Amm. Marc. 
17, 11, 3 und: in extrema obstinatus, Tac. hist. 3, 56 — zum 
ausser sten hartnäckig entschlossen ; obstinatum esse pro aliquo = 
fest, hartnäckig jemanden in Treue ergeben sein hat Tac. hist. 2, 101. 
Im schlimmen Sinne == hartnäckig, verstockt gegen etwas bleiben 
nimmt es entweder contra zu sich: sit aliquis adeo contra veritatem 
obstinatus, ut . . Quintil. 12, 1, 10, oder adversus: adversus quae 
omnia obstinato animo Appius in tribunal escendit, Liv. 3, 47, 4 
und: midto obstinatior adversus lacrimas muliebres, ibid. 2, 40, 3. 
Nur bei Liv. 2, 15, 5 steht certum atque obstinatum est, wofür 
die Kl. Sprache sagt certum et deliberatum est, vgl. Cic. S. 
Rose. 31 und M. Müller zu Liv. 2, 15, 5. Die Kl. Sprache, der 
alle erwähnten Konstruktionen von obstinare und obstinatus fremd 
sind, kennt nur ein Adj. obstinatus, vgl. Cic. Att. 1, 11, 1 obstinatior 
voluntas. 

Obstinacitas, die Halsstarrigkeit, ist N. L. für obstinatio, perti- 
nacia, pervicacia. 

Obstrusus (Partiz. von obstrudere) ist in der Bedeutung versteckt, 
verborgen ohne Autorität, und man brauche dafür nur das Kl. ab- 
strusus. 

Obteyiebrare, verdunkeln, verfinstern, ist ganz Sp. L. bei Eccl., 
vgl. Gölzer Hier. S. 183, für obscurare, caliginem oder tenebras alicui 
obducere oder offundere. 

Obtentus, als Subst., kommt in übertragener Bedeutung, abge- 
sehen von Tac. ann. 12, 7, nur im Dat. und Abi. Sing, vor; es be- 
deutet der Vorhalt, Vorwand u. dgl. und findet sich in Prosa nicht 
bei Cicero und Caesar, aber bei Sallust hist. 1, 55, 24 M., Livius 
1 7 56, 8 = Schutz, Schirm, Tacitus, Iust. 5, 8, 12. Lactanz 2, 4, 
36, Amm. 26, 10, 9, für simidatio, causa u. a. Bei Juristen, auch 
bei Papinian, kommt öfters obtentu vor, bei einigen auch sub obtentu, 
vgl. Leipold S. 21, Krüger im Archiv XI S. 461; in den Kaiser- 
konstitutionen hat es die Bedeutung: im Hinblick auf, mit Rücksicht 
Huf wegen, oder unter Berufung auf. Vgl. Schulze Symm. S. 18, 
Schönfeld S. 10 u. unten s. v. Praetextum, namentlich aber Bonnet 
Greg. S. 243, wo über obtentus im Sp. L. eingehend gesprochen ist. — 
D;is Verbum <>hfrinl<T<' findet sich bei Cicero nur Q. fr. 1, l, 15 quasi 
velis quibusdam <>l>irii<ltin>- unius cuiusque natura, das [terativum 
obtentare vielleicht bei Cic. Att. 9, 10, 3, vgl. Boot />. St., der nach 
Lambina Vorschlag mit Wesenberg einend. S. 130 sustmtabai statt 



Obtinere — 192 — Obtruncare 

obtentdbat lesen will (Baiter u. C. F. W. Müller lesen mit Moser 
oblectäbat). Jedenfalls ist obtendere = vorgeben, vorschützen, erst 
N. Kl., s. Dräger zu Tac. ann. 1, 26, Lagergren S. 125, Bünemann 
zu Lact. 4, 24, 10. 

Obtinere heisst in der Kl. Sprache des Cicero nur das behaupten, 
was man erlangt hat, niemals aber bedeutet es erlangen, durchsetzen; 
bei Cic. leg. 1, 59 hat man daher in den Worten ad obtinendam 
adipiscendamque sapientiam ein hartes Hysteronproteron zu erkennen; 
vgl. Madvig fin. S. 262 u. S. 636, Yahlen zu Cic. leg. 1, 59; bei Cic. 
Balb. 61 will Reid obtenta sunt durch engl, obtain erklären, doch 
vgl. Tyrrell zu Cic. fam. 1, 7, 9. Aber bei Caes. Gall. 1, 18, 9 
summam in spem per Helvetios regni obtinendi venire hat obtinere 
die Bedeutung von occupare, vgl. Meusel s. v. ; ebenso Gall. 1, 3, 6. 
Im Sp. L. ist obtinere = occupare häufig, vgl. Archiv XIII, 176, 
ebenso = impetrare; näheres hierüber sehe man bei Bonnet Greg. 
S. 583; 605 f. — Obtinere intransitiv, ohne Accus., bedeutet in der 
Rechtssprache durchdringen, z. B. Cael. bei Cic. fam. 8, 6, 5, Suet. 
Caes. 11 und 14, so bei Gaius und bei späteren Juristen, vgl. Burg 
S. 54, Leipold S. 54. In der Bedeutung gelten, sich behaupten 
kommt es in der bessern Prosa nicht vor, es gehört den Dichtern 
und poetisierenden Prosaikern an, man vgl. Seyffert-Müller z. Lael. 
8. 535, Riemann etudes S. 206, Pabri zu Sali. lug. 80, 7. Mit Un- 
recht fasst jedoch der letztere Cicero rep. 6,17 subter mediam fere 
regionem sol obtinet das Verbum intransitiv auf, vielmehr ist hier 
subter Adverb, vgl. Meissner zur St. Für dies obtinere braucht die 
Kl. Sprache valere, cadere in, z. B. Cic. Lael. 92 nomen amicitiae 
valere non polest, auch obtineri, z. B. Cic. Tusc. 5, 118 lex, quae in 
Graecorum conviviis obtinetur. Wo aber bei Livius u. a. intransitives 
obtinere steht, ist es nicht schlechthin = esse; dies sieht man bei 
Liv. 21, 46, 10 fama obtinuit = hat sich behauptet gegenüber 
andern Ansichten; vgl. Wölfflin zur St. und M. Müller zu Liv. 1, 
4, 6; es werde daher nicht falsch gebraucht. Unrichtig ist z. B. sed 
posterius tantum obtinet in der Bedeutung: es ist aber bloss das 
letztere, anstatt est autem tantum hoc. 

Obtrectare, verkleinern, beneiden, heisst eigentlich „am gleichen 
Strick nach verschiedener Richtung ziehen u ; es wird entsprechend 
dieser Grundbedeutung bei Cicero und seinen Zeitgenossen nur mit 
dem Dativ, alicui, verbunden, seit Livius, vgl. Weissenborn zu Liv. 
45, 37, 6 und Landgraf zu Reisig-Haase S. 597, aber auch mit dem 
Accusativ der Sache, z. B. Tac. ann. 1, 17, extr. ; mit dem Accusativ 
der Person im dial. 25; sich unter einander, gegenseitig verkleinern 
heisst bloss obtrectare inter se ohne sibi, wie immer bei inter se; vgl. 
Inter. — N. Kl. sagt man se invicem obtrectare, was nicht nach- 
geahmt werde. Ygl. noch Hartmann in Wölfflins Archiv III S. 290. 

Obtruncare, verstümmeln, zerstückeln, kommt in der Kl. Sprache 
nicht vor; es wird von Ennius bei Cic. nat. deor. 3, 67 und Plaut. Aul. 
469, bei Sisenna S. 277, 15 P. und daher auch öfter bei Sallust, 



Obtueri — 193 — Obvenire 

z. B. lug. 35, 6, sodann N. Kl. bei Liv., Vell. und Tacitus oft, auch 
bei Curt. 6, 1, 1, wiederholt bei Fronto, vgl. Priebe IS. 14, und 
bei Iust. 16, 5, 15 gebraucht; vgl. Georges Vell. S. 49 und Archiv 
VIII S. 298. 

Obtueri, ansehen (einen, aliquem), steht nur A. L. bei Plautus 
für intueri, adspicere. Kl. ist aber das davon abgeleitete Subst. 
obtutus in der Bedeutung das Sehen, Hinsehen, z. B. Cic. nat. deor. 2, 
107; 3, 9; divin. 2, 120; de or. 3, 17, in Prosa nur mit dem 
Genitiv oculoriun (mit Ausnahme des Falles, dass oculi das Subjekt 
des Satzes ist: oculi in uno obtutu defixi === der stiere, auf einen 
Punkt hin gerichtete Blick, Sen. de ira 3, 4 init.), sonst ohne Genitiv 
nur P. L. und Sp. L., vgl. Schulze Symm. S. 20, Wölfflins Archiv 
III S. 299. Im Sp. L. scheint es oft geradezu = oculi, vgl. Ennod. 
im Index v. Hartel, namentlich aber Mohr Progr. Bremerhaven 1886 
S. 13, Chruzander S. 43, der aus Paneg. 11, 248, 13 provincias sub 
obtutibus suis vexari ac diripi sineret zitiert, Liesenberg I S. 16, wo 
aus Amm. sub obtutibus meis u. ä. angegeben ist. Dagegen nimmt 
Bonnet Greg. S. 261, Anm. 4 (gegen Mohr) die konkrete Auffassung 
nicht an; tatsächlich ist Sp. L. vielfach oculorum mit obtutus ver- 
bunden, und man kommt auch mit der Erklärung obtutus = Blick 
aus. — Nie bedeutet obtutus gut lat. Anblick (welcher adspectus 
heisst), wie es im N. L. in einigen Redensarten vorkommt; z. B. 
eins obtutum ferre non possum, mag es nun bedeuten, ich kann 
seinen Anblick nicht ertragen, für eins adspectum, oder sein Anblick 
ist mir zuwider, ich kann ihn nicht ansehen, für eum adspicere 
nequeo, eius vultum oder adspectum horreo u. a. ; — ebenso uno 
obtutu, mit einem Blicke, TJberblicke, z. B. alles übersehen, was omnia 
uno in conspectu videre heisst (Cic. Brut. 15); alle mit einem Blicke 
übersehen, uno adspectu omnes intueri (Cic. Sest. 1), beim ersten 
Blick prima fronte (facie), vgl. Sen. contr. 10 praef. 15, Hieron. ep. 
133, 5. Derartige Wendungen mit obtutus können nur durch den 
Sp. L. Gebrauch des Wortes gestützt werden, z. B. Paneg. 3, 111, 
28 obtutu mutuo. 

Obvenire ist in der eigentlichen Bedeutung entgegenkommen sehr 
selten, vielleicht einzig bei Livius 29, 34, 8: se pugnae obventurum = 
er werde zum Kampf entgegenkommen, erscheinen, sonst occurrere. 
Bei Cic. Attic. 2, 12, 4 lesen die edd. jetzt übereinstimmend obviam 
venisset; vgl. Boot z. St., der für Liv. 29, 34, 8 subventu) um vor- 
schlägt. In der Regel bedeutet es nur bildlich zu teil werden. Und 
so wird es auch im N. L. falsch von Wörtern gebraucht, die, wie wir 
sagen, in den Schriften vorkommen, d. h. gefunden, gelesen werden ; 
z.B. haec verba nusquam obveniunt, ftxrlegimus, leguntur, inveniuntur. 
— Da obvenire in der Bedeutung zu teil werden fast ausschliesslich 
mit dem Nebenbegriffe des zufälligen, z. B. durchs Los, gebraucht 
wird, z.B. provincia (diqua alicui stufe obvenit, vgl. Cic. Verr. 2, 17, 
Phil. 11, 17 und sonst, so wird für hereditas alicui obvenii in der 
gewöhnlichen Bedeutung er isi Erbe geworden, ihm ist die Erbschaft 

Krebu- Schmal 7., Antibarbara.s II. 1', 



Obvertere — 194 — Occasio 

zugefallen (nämlich wie es Recht und Natur fordert), Kl. bloss venit 
gesagt. Und so ist auch bei Cic. (Verr. 2, 21) quocl liereditas venisset 
und haec liereditas quo praetore Dionis filio venerat zu lesen; vgl. 
noch Cic. Phil. 2, 40. Doch darf nicht vergessen werden, dass ob- 
venit aliquid alicui hereditär tum, hereditates auch hereditati (Varro), 
ex hereditates sowie obvenit mihi liereditas nicht ohne Autorität ist. 
Man vgl. darüber nicht nur Iust. 38, 5, 4, sondern auch Plin. epp. 
7, 11, 6: cum obvenisset mihi liereditas und 3, 6, 1, paneg. 40, 1, 
Yarro r. r. 1, 12, 2 und Sp. L. bei den Juristen, s. Dirksen. 

Obvertere wird im N. L. sogar in wissenschaftlichen Dingen in 
der Bedeutung einwenden, einwerfen, Einwürfe machen gegen eine 
Meinung gebraucht, wofür sich nirgends eine Stelle findet. Vgl. 
Obicere. 

Obviare ist, in welcher Bedeutung es sei, Sp. L. für obviam ire, 
obviam venire, occurrere, obsistere u. a.; vgl. Rönsch It. S. 167, Coli, 
phil. S. 68, 103, 123, Gölzer Hieron. S. 173, Schulze Symm. S. 108, 
Bergmüller Jord. S. 12, Paucker Oros. S. 8 und Hier. S. 133, Stangl 
Cassiod. S. 580. Höchst selten ist transitives obviare, vgl. Archiv IX, 
138. — Im N. L. findet sich ein davon abgeleitetes Subst. obviatio, 
das Entgegengehen, Entgegenkommen, für das Kl., z. B. Cic. Att. 11, 
16, 1 und 13, 50, 4, obviam itio oder occursus, occursatio. 

Obvins ist wahrscheinlich ein von obviam rückgebildetes 
Adjektiv; es kommt bei Plaut, noch nicht vor; zuerst ist es bezeugt 
bei Ennius, später haben es Lucr., Sali, und auch Cicero. Es 
findet sich in der Bedeutung vorkommend (von Wörtern, Feldern, 
Irrtümern, Gedanken in einer Schrift) oft im N. L. Man kann 
sich dafür auf die Autorität des Gellius berufen, welcher 18, 12, 
10 sagt: alia istiasmodi pleraque, qaae, proinde ut in legendo 
fiterint obvia, notabioitur; aber bei Gell. 16, 13, 1 und 16, 5, 1 
sind obvia verba oft vorkommende, allgemein übliche Wörter. Phrasen 
mit obvhts sind Kl. nicht mittelst fieri gebildet, Kl. ist obvhts sum, 
z. B. Cic. Mil. 47 si ille obvhts ei futitrus omnino non erat, oder 
obviam fio, z. B. Cic. Mil. 29; aber Liv. 1, 60, 1, Plin. nat. 7, 
32 und sonst findet sich auch obvium fieri, vgl. Georges Jahresber. 
1882 S. 257, Thielmann Dare S. 103, Reissinger Progr. Landau 
1897 S. 23. Die Phrase obvium est, z. B. obvium est scire = facile, 
in promptu est, ist Sp. L., z. B. bei Gell. u. Paneg. 

Obumbrare, beschatten, ist fast nur P. L., sonst N. Kl. nur beim 
altern Plinius und Curt. 5, 4, 8, vgl. Kräh I S. 12; bildlich wird es P. 
und in nachklass. Prosa mit nomen verbunden, bei Tacitus hist. 2, 
32, vgl. Walter Progr. München 1887 S. 26; vgl. noch fidem amittunt 
propter id, quod sensus obumbrant, Quintil. 8, Prooem. § 23, dafür 
opacare und obscurare. 

Occasio wird von Cicero selbst off. 1, 142 definiert: tempus 
actionis oportunum graece ebxacpia, latine appellatur occasio, es 
bedeutet also : jeder günstige Zeitpimkt und Umstand, etwas zit tun 
oder zu etwas zu gelangen, Veranlassung zu etwas. Daher nimmt 



Occasio — 195 — Occasio 

das Wort (s. Seyffert, Progymn. S. 132) klass. keine Adjektive der 
Qualität, wie bona, melior, optima occasio, sondern nur solche Bei- 
wörter zu sich, welche das Moment des Günstigen oder Gelegenen, 
welches in occasio liegt, in einem Verhältnis von Steigerung aus- 
drücken, z. B. praeclara occasio, Cic. Mil. 38; occasio mirifica, 
Att. 2, 14, 2; oportuna occasio, Val. Max. 5, 4, 3; maior, facilior 
occasio, Plane, in Cic. fam. 10, 8, 2, Suet. Galb. 17; bemerkenswert 
ist auch Plane, bei Cic. fam. 10, 4, 4 ne nostra mala sie am putent 
occasionem, vgl. Bergmüller Plane. S. 34. Weniger gute Gelegenlieit 
ist occasio minor (Suet. Caes. 3); die beste Gelegenheit maxima oder 
summa occasio, s. Terenz Phorm. 885, Gegensatz minima occasio, s. 
Suet. Calig. 14. Aber Cic. Yerr. 2, 61 ist occasionem zu streichen 
und amplam allein = Handhabe zu lesen; vgl. C. F. W. Müller z. 
St. und R. Scholl im Archiv I S. 534 f. Doch bei Plautus findet 
sich occasio tarn bona, Most. 439 und occasio lepida, Mil. 977 und 
bellissima occasio bei Petr. sat. 25. Occasio nimmt ferner Adjektive 
der Zeitdauer wie brevis, oder des gemütlichen Anteiles und Eindruckes 
wie occasio optata, insperata an, s. Terenz Eun. 605. — Gelegenheit 
zu etwas bekommen, ist occasionem nancisci, Suet. Caes. 11, Gelegen- 
heit gebe?i — occasionem dare, praebere; vgl. Plaut. Men. 552, Nep. 
Milt. 3, 3, Cic. fam. 12, 24, 2. Es gibt sich die Gelegenheit zu 
etivas kann allerdings heissen — occasio se dat alieuius rei, Quintil. 
12, 2, 12, oder fert occasio, Plane, bei Cic. fam. 10, 21, 6, aber 
besser ist occasio est, vgl. Cic. Yerr. 5, 10 etiamsi qua fnit in Inn- 
re occasio, Att. 5, 18, 12 si fuerit occasio; auch occasio data est, 
Cic. fam. 12, 24, 2 und occasio offertur, Cic. imp. Pomp. 4 empfehlen 
sich mehr; vgl. hiezu Bergmüller Plane. S. 56. Gelegenheit zu etivas 
haben, einem Gelegenheit zu etwas geben, verschaffen, kann sowohl 
durch den Genitiv als den Accusativ mit ad ausgedrückt werden, 
z. B. : orta seditio inrumpendi in urbem occasionem dedit, Gurt. 4, 5, 
16; ne fugae quidem, nedum resistendi occasionem fuerit habiturus, 
ibid. 7, 4, 4. Quo faciliorem occasionem Othoni praebuit perficiendi 
conata, Suet. Galb. 17. Periadum est, ne immodestia militum vestro- 
rum occasio detur Lysandro vestri opprimendi exercitus, Nep. Alcib. 
8, 5 und Dion. 4, 1. Dagegen mit ad: occasionem consuli ad extru- 
heudum exercitum dedit, Front, strateg. 1, 5, 15. Ut scias et in 
afflieta re publica esse occasionem sapienti viro ad se proferendum, 
Sen. tranq. a. 5, 3. Occasionem aperire ad invadendum, Liv. 4, 
53, 9. Occasionem ad opitulandum habere, Plane, bei Cic. fam. 10, 
8, 2; occasionem sibi ad oecupandam Asiam oblatam esse urbilrunfur, 
Cic. Pomp. 4; die Gelegenheit ergreifen ist arripere occasionem, Liv. 
35, 12, 17. Niemals aber steht occasio mit dem Dativ Gorundivi 
bei Cicero, Caesar, Liv ins; erst Plinius mai. hat sieh diese Kon- 
struktion gestattet, z. B. 39, 65 occasio cortinis attollendis; vgl. 
Lorenz II S. 15 f. — Für occasio kann manchmal auch ein verwand- 
te! Wort stehen, wie oportunitate aliqua data bei Caes. (»all. ;>, 17, 
7 und Cic. divin. 1, 93, oder auch: .si (etil) commodum est, pro 



Occidens — 196 — Öccidens 

commoäo aliciäus. Ist Gelegenheit = Beschaffenheit, z. B. Zeit und 
Gelegenheit, so ist dies lat. durch pro re nata, si res ita fert, postidat 
wiederzugeben; über pro re nata, Cic. Att. 14, 6, 1, vgl. Landgraf 
Bayr. Gymn. 16 S. 328. Endlich beachte man, dass unser Gelegen- 
heit oft auch bloss bedeutet: Umstand, die zufällige Veranlassimg 
zu etwas. Hier sind andere Wendungen zu gebrauchen, z. B. hei 
vielen Gelegenheiten, midtis locis, midtis in rebus (Cic. fam. 5, 2, 6); 
bei andern Gelegenheiten, aliis in locis (Cluent. 5); bei dieser 
Gelegenheit wird oft bloss durch hie ausgedrückt (de orat. 3, 3, 
divin. 2, 71); bei welcher Gelegenheit, in quo (divin. 2, 14); er ver- 
mied alle Gelegenheit, seine Meinung offen zu sagen, in omni sermone 
cavebat, ne aperte sententiam diceret; die Gelegenheit gibt es, res 
(nicht occasio) dat; er sagte bei Gelegenheit des Streites, etwa dis- 
sensio fuit causa, ut diceret; davon ist oben bei Gelegenheit der Stadt 
Velia gesprochen worden, etwa de ea re supra, cum Veliae urbis 
mentio fieret (Veliae urbis mentione facta), dictum est — und so 
noch in manchen andern Redensarten. — Auch braucht man das 
einfache occasione, occasione aliqua = durch die Gunst äusserer 
Umstände, durch einen glücklichen Zufall nicht ängstlich zu ver- 
meiden und dafür nur occasione oblata oder data zu verwenden, denn 
es sagt ja schon Cicero: qui autem occasione aliqua etiam invitis 
suis civibus nactus est Imperium, Brut. 281 und ebenso agr. 2, 3; 
also ist es nicht gerade auffällig, wenn Suet. Caes. c. 35 sagt: occa- 
sione temporum bellare, vgl. ibid. Domit. 10. Occasione civilium 
armorum atrocius proruperat, Tac. hist. 1, 60 und Germ. 37, und so 
heisst bei jeder Gelegenheit auch omni occasione, Suet. Claud. 42. 
Wenn aber Hand im Tursell. II, 641 sagt, dass ex occasione erst bei 
nachaugusteischen Autoren vorkomme, so ist dies nicht richtig: inter 
eos levia proelia ex occasione aut oportunitate huius aut illius partis 
oriebantur, Liv. 24, 3, 17; darnach sagt auch Plin. epp. 7, 28, 1: 
tamquam amicos meos ex omni occasione laudem. Die Phrase per 
occasionem steht schon bei Sali. Cat. 51, 6, oft bei Livius, vgl. 1, 5, 
5; 2, 11, 2; vgl. M. Müller zu Liv. 1, 5, 5 und 2, 11, 2, Wulsch 
S. 73, der jedoch den Irrtum Kühnasts, dass Livius zuerst per 
occasionem gesagt, nicht hätte beibehalten sollen. 

Occidens wird mit Auslassung des Wortes sol auch von der 
abendlichen Weltgegend oder vom Westen, wie oriens vom Osten 
als Morgenland gebraucht. Werden unter oriens und occidens die 
im Osten und Westen liegenden Länder und Völker gedacht, so sind 
dies klass. gewöhnlich orientis, oeeidentis (solis) partes, Cic. fam. 12, 
5, 3, denn bei Cic. Deiot. 11 talibus enim nuntiis et rumoribus 
patebat ad orientem via ist nur im allgemeinen die Richtung der 
Gerüchte bezeichnet. Die N. Kl. Prosa lässt jedoch in dieser Be- 
deutung auch oriens und occidens allein zu und zwar schon Liv. 26, 
37, 5 Imperium orientis, dann Vell. 2, 122, 2 ordinatis rebus orientis, 
Plin. pan. 29, 2 oriens triumphis oeeidensque lustratus; vgl. noch Sen. 
nat. 3, 26, 4 idem in Oriente Tigris facit, Plinius nat. 7, 112: cui se 



Occidentalis — 197 — Occipere 

oriens occidensque siibmiserat und 4, 39 und 6, 122, Tac. hist. 2, 6: 
quietus oriens und ibid. 5, 8 und 2, 6: välidissima inter se civium 
arma viribus occidentis coepta; Curt. 10, 5, 36: exspectavere eum 
fata, dum Oriente peräomito . . ., Suet. Tib. 12: Gaium orienti prae- 
positum . . . alieniorem sibi sensit und ibid. Aug. 13, Calig. 1, Nero 
40; Iuat. 13, 5, 1; 30, 4, 15; vgl. Bagge S. 37. 

Occidentalis, was im N. L. oft gebraucht wird, ivestlich, abend- 
ländisch, ist unklass.; es kommt nur vor bei Plin. nat. 18, 338 occi- 
dentale latus septentrionis, bei Gellius 2, 22, 23 ventus occidentalis 
und Amm. Marcell. 15, 10, 2, bei Jordanes, sowie in der Vulg. Es 
war vielleicht ein Wort der Volkssprache, dessen sich die Schrift- 
sprache schämte. Das abendländische Reich der R. heisst daher 
nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch nicht imperiwn occidentale 
Romanorum, sondern imperium partium occidentis Romanorum, indem 
man durch den Genitiv occidentis oder ad occidentem vergens oder 
versus, occidentem spectans, qui est ad occidentem dem Gebrauche 
von occidentalis ausweicht. Doch ist das Wort, weil es kurz und 
gut bezeichnet, nicht schlechthin zu verwerfen. 

Occidere, töten, ermorden, wird häufig mit dem Accus, verbunden ; 
aber verworfen wird von einigen se occidere, weil es in den uns 
erhaltenen Schriften Ciceros nicht vorkommt. Se occidere ist aber 
nicht bloss spätlat. bei Aur. Yict. (de viris illustr. 9, 4 und 10, 6), 
Spart, v. Hadr. 24, 12, Lamprid. Heliog. 33, 4; öfter bei Eutr., z. B. 
1, 82 und 6, 24, Lact. 3, 18, 8, und Kl. in einer verlorengegangenen 
Rede Ciceros bei Quintil. (5, 10, 69), vgl. Cic. fragm. S. 234 ed. 
C. F. W. Müller, sondern es findet sich schon vorklass. bei Plaut. 
Trin. 129, ausserdem auch in der silbernen Latinität. S. Sen. contr. 
3 (7), 17, 14 und exe. contr. libr. 6, 5, 2, Curt. 6, 10, 18, Quintil. 
7, 3, 7, Suet. "Vitell. 10. Tropisch und im Gegensatz auch bei Cic. 
de orat. 2, 302. Vgl. Nägelsb. 9 S. 601 und oben s. v. Homo. 

Occiduus, abendländisch, ivestlich, ist P. L. zuerst bei Ovid, z. B. 
met. 1, 63 sol occiduus, und Sp. L., vgl. Amm. 25, 4, 14 plaga 
oeeidua und Ennod. carm. 1, 9, 128 occiduus orbis und muss durch- 
aus vermieden werden; ebenso die Mischform occidualis, welche Sp. L. 
bei Prud. und Jord. sich findet, vgl. Wölfflin Archiv XI S. 366, 
Bergmüller Jord. S. 31. Die westliche Gegend, der Westen heisst 
also nicht oeeiduae partes, sondern partes occidentis. Vgl. Occidens. 

Occipere intransitiv anfangen und in der Bedeutung anfangen 
mit dem Accus, steht A. L. bei Plautus, Terenz und Lucrez; 
in Prosa zuerst bei Sallust in den Orleaner Fragmenten 7, 4 
timul utrimque pugna/m oeeipiunt, vgl. Hauler in Wiener Studien 
IX S. 29 und inWölffiins Archiv III S. 536, dann bei Livius, 
hier aber nur in Verbindung mit magixtratum, ein Amt antreten, 
so auch bei Tac. ann. 3, 2 und 6, 45. Die Konstruktion von 
oedpio mit Infinitiv findet sich bei Plaut, und Ter., in Prosa 
zuerst bei Cato agr. 156, 2, dann bei Sisenna fr. 25 und 104 P., 
Sali, hist, 3, 25 M. (was Schmidt Inf. S. 42 entgangen ist), Livius 



Occulere — 198 — Occumbere 

und Tacitus, bei Liv. freilich nur in der ersten Dekade, vgl. Noväk 
Liv. 1894 S. 237. Tac. hat ann. 12, 13 auch das intransitive hiems 
occipiebat, was jedoch bei Liv. 29, 27, 6 der Lesart excepit hat 
weichen müssen. Die Kl. Sprache hält sich ganz fern von diesem 
Worte, sie braucht dafür incipio und coepi. Im Sp. L. ist occipere 
mit Inf. bei manchen Autoren beliebt, vgl. z. B. Arnobius im Index 
von Reifferscheid, bei Dictys, vgl. Brünnert S. 12. 

Occulere (Perf. occülui, P. L. und Sp. L. occidi, Part. Perf. 
Pass. occultatuSj denn occidtus ist Adjektiv, vgl. Wölfflin Archiv IY 
S. 220 und Sali. lug. 90 incepto suo occultato), verbergen, eigentlich 
bedecken, daher wird das Wo and Worin durch den blossen Abi. 
ausgedrückt; z. B. Cic. Tusc. 2, 36 midieres parietum umbris occu- 
luiitur, und se silva (im Walde) occulere (Liv. 25, 8, 5). Nur poet. 
steht es mit in c. abl. bei Yerg. Aen. 1, 110, sowie Tibull 1, 7, 24, 
vgl. Hörle S. 55 Anm. Statt occulere brauchen Caesar und Sallust 
nur occidtare, was auch bis ins Sp. L. dann bevorzugt wurde, vgl. 
Schulze Symm. S. 77, Wölfflin im Archiv IV S. 220; Cic. hat occu- 
lere nur de or. 2, 177 plerumque occulas und Att. 5, 15, 2 Appii 
vidnera apparent nee occidi possunt — denn die eben zitierte Stelle 
Tusc. 2, 36 ist ein Dichterzitat, vgl. Wölfflin Archiv YIII S. 298. 
— Was die Konstruktion von occidtare mit in und folgendem Accus, 
betrifft, so hat man sich dafür auf Caes. Gall. 7, 85, 6 berufen. Aber 
hier liest man jetzt (vgl. Meusel s. v. Contego): ea, quae in terra 
occultaverant Romani, contegit. Damit stimmt auch Ciceros Sprach- 
gebrauch, vgl. Att. 9, 11, 1 inventus est in hortis suis se oecultans, 
divin. 1, 120, leg. 3, 34, ebenso der N. Kl. und Sp. L., vgl. Plin. 
nat. 8, 85, Plin. epp. 4, 11, 11, Front, strat. 2, 5, 35, Iust. 25, 
2, 3. Daher werden bei occidtare auch nur solche Adverbien ge- 
funden, welche der Präposition in cum abl. entsprechen, wie ibi y 
alieubi, s. Cic. Phil. 2, 77, Attic. 10, 10, 3. Auch bei occidtare lässt 
sich wie bei occulere der Ort, an dem etwas verborgen wird, lat. als 
Mittel des Yerbergens betrachten und demgemäss durch den blossen 
Abl. instrumenti ausdrücken; vgl. Cic. Sest. 50 Marium senile corpus 
paludibus oecultasse demersum; ganz gewöhnlich ist dies namentlich 
bei se occidtare, wie Cic. Pomp. 7 ut se non Ponti neque Cappadociae 
hitebris occidtare velit; vgl. noch Hiempsal reperitur tugurio se oc- 
cuLtans, Sali. lug. 12, 5; Caes. Gall. 5, 19, 1; 6, 31, 3 und 7, 45, 
5, Liv. 7, 14, 8, Tac. ann. 2, 17, bist. 3, 84. 

Occumbere, fallen, in der Bedeutung sterben, wird wohl nur bei 
unnatürlichem Tode gesagt. Es steht teils absolut, teils wird es mit 
einem Kasus von mors verbunden. In der Kl. Sprache kommt nur 
occumbere mortem vor, vgl. Cic. Tusc. 1, 102 qui mortem pro patria 
non äubitaret occumbere; ebenso sagt Livius 26, 25, 14 pro patria 
yugnantes mortem oeeubuerunt, ebenso 2, 7, 8 und öfters; aber ihm 
ist auch der Abl. nicht fremd, vgl. 1, 7, 7 und M. Müller z. St., 
29, 18, 6 honesta morte occumbere, vgl. noch Kühnast S. 145 und 
Weissenborn zu Liv. 1, 7, 7, sowie Archiv X S. 31. Auch Curtius 



Occupare — 199 — Occupare 

sagt occumbere mortem, vgl. 4, 15, 24 und 8, 2, 8; Suet. Aug. 13 
voluntariam occumbere necem. — P. L. ist der Zusatz letum z. B. 
Enn. ann. 398 V., ferner leto, neci, morti im Dativ, so schon Enn. 
Sc. 136 V. ut liberi pro nostra vita morti occumbant, vgl. Yahlen 
z. St. — 8p. L. wäre sol occumbii, die Sonne geht unter, für occidit, 
praecipitat nach Iust. 37, 2, 3. 

Occupare. Dieses Yerbum ist nicht selten unser beschäftigen, 
aber nicht in jedem Sinne des Wortes. 1. Wird beschäftigen von 
der praktischen, insbesondere auch von der mit Erlernung irgend 
eines Geschäftes verbundenen Mühe und Arbeit gesagt, so wird dafür 
lat. gewöhnlich exercere aliquem in aliqua re angewendet. Wenn 
es scheint, dass auch occupare dafür gewöhnlich sei, so lehrt eine 
genauere Betrachtung der einschlägigen Stellen, dass occupare in den- 
selben nach seiner Grundbedeutung nicht mehr und nicht weniger 
ausdrückt als in Besitz, in Beschlag, gefangen nehmen, fesseln, be- 
herrschen. So ist z. B. die Stelle des Terentius: populus animum 
occuparat in funambulo, Hecyr. Prol. 1, 4 zu verstehen. Ygl. auch 
Plaut. Men. 452. Auch in Prosa wird occupat aliquid (z. B. certamen, 
timor, pavor, fuga, super stitio) aliquam rem {animos [um], cogitationes, 
mentes, oculos u. dgl.) im gleichen Sinne oft und von den besten 
Autoren gesagt. S. darüber Liv. 5, 38, 5; 4, 57, 1; 22, 48, 4 und 
27, 1, 8, Cic. Font. 20, Yerr. 4, 113, Caes. Gall. 1, 39, 1; ebenso 
auch in der Form des Passivums: ante occupatur animus ab ira- 
cundia, Cic. Q. fr. 1, 1, 38 und Livius 22, 15, 6: extemplo occupatus 
certamine est animus — sein Herz ivurde alsbald von Kampflust 
erfüllt. Besonders ist hier auch occupatum habere und teuere zu 
bemerken, z. B. Cael. bei Cic. fam. 8, 4, 3 comitiorum dilaüones 
occupatiorem me habebant; das stehende Objekt bei dieser Phrase 
ist jedoch animum, z. B. Cic. inv. 1, 31 in quo animum debeat habere 
occupatum, vgl. Thielmann in Wölfflins Archiv II S. 378, Burg S. 63. 
2. Ist aber sich beschäftigen = an der Ausführung, Vollbringung von 
etwas arbeiten, so ist dies occupatum esse (nicht occupari) in aliqua 
re, wofür Livius ohne Präposition aliqua re occupatum esse sagt. 
S. Cic. off. 1, 57, Nep. Hannib. 7, 1, Liv. 21, 45, 2 u. das. Fabri, 
Kühnast S. 172, Ebert S. 323. Setzt aber occupatum esse in aliqua 
re ein persönliches Subj. voraus und kann dafür auch versari in aliqua 
re gesagt werden, so ist dagegen das letztere allein anzuwenden in 
solchen Redensarten, wo von leblosen Gegenständen gesagt wird, sie 
beschäftigen sich mit etwas, d. h. behandeln etivas, handeln von etwas. 
Unlateinisch ist z. B. totus hie liber in eo ipso argumento occupatur. 
occupatus est, dieses Bucli beschäftigt sich gerade mit diesem Gegen- 
stände, wo versatur passender ist; ebenso hae artes in verbis facien- 
dis oecupantur, oecupatae sunt, für versantur. — Auch wird das 
Subst. occupatio, die Beschäftigung, vorzugsweise von der Tätigkeil 
des Staatsdienstes (s. Seyffert, Palästra 187), wohl nie von stiller 
wissenschaftlicher Beschäftigung gebraucht; dafür sag! man Studium, 
und gelehrte, geistige Beschäftigungen heissen siudia optima (Cic. 



Occurrere — 200 — Octodecim 

fam. 6, 10, 4). — Occupatio wird vielfach im Singular gebraucht, 
auch wo wir den Plural erwarteten, z. B. Cic. Att. 2, 23, 1 ex eo 
colligere poteris, qaanta occupatione distinear; doch findet sich auch 
der Plural, z. B. Cic. fam. 7, 8, 1 propter occupationes snas = viel- 
seitige JB.; vgl. Boot zu Cic. Att. 2, 23, 1. 

Occurrere, begegnen, setzt immer eine Beziehung auf das er- 
kennende Subjekt voraus und ist = unserem entgegenkommen. 
Richtig ist also aliquis, aliquid mihi occarrit, cogitationi, memoriae 
(Iust. 14, 6, 10) oder animo (ad animum) occurrit, es fällt mir 
ehuas ein, kommt in den Sinn, stösst mir auf, zeigt sich, tritt mir 
oder meiner Ansicht entgegen, vgl. z. B. : mihi tu occurrebas digniis 
eo mutiere, Cic. Cato 2 und Tusc. 1, 49 und 51; auch ohne ausge- 
drückten Dativ: ne quid honestum occurreret, Tac. Agric. 2. Atheni- 
ensium classes occurrebant = fielen ihm ein, Liv. 25, 24, 12; aber 
wohl nie steht es in dem Sinne, in welchem wir vorkommen ohne 
alle Personenbeziehung in der Bedeutung sein, sich finden, brauchen, 
z. B. von Wörtern, Stellen, Redensarten u. dgl., die in Büchern vor- 
kommen. Im N. L. wird dies ganz gewöhnlich durch occurrere aus- 
gedrückt, z. B. hoc vocabulum apud Ciceronem nusquam occurrit, 
für est, legitur, invenitur; vgl. noch s. v. Obvenire. — N. L. ist auch: 
legens multis occurro, im Lesen stosse ich auf vieles, für in midta 
legens incido. Ebenso heisst im Gespräche vorkommen nicht occur- 
rere, sondern incidere, z. B. incidunt in sermone vario multa, es 
kommt vieles vor. . 

Occursus, das Begegnen, ist nicht nur P. L.; es findet sich 
auch in Prosa seit Livius 5, 41, 5 (vgl. Georges Vell. S. 19) bei 
Yell., ferner bei Sen. phil., Curtius, Plin. mai. und min., Tacitus, 
Sueton. 

Octavus, der achte. Über die Redensart in octavo bei Büchern 
vgl. Folium. — Für octavus decimus, der achtzehnte, was sich bei 
Tacitus findet, wird in der bessern Prosa duodevicesimus gesagt. 

Octeni, ae, a, je acht, ist falsche Form für octoni. 

Octennis, e, achtjährig, ist sehr Sp. L. bei Amin. 18, 6, 10 für 
die gewöhnliche Umschreibung octo annorum. 

October, bris, bre, was den October betrifft. — N. Kl. heisst der 
dabei gedachte Monat bloss October, Kl. und überhaupt in der bessern 
Prosa mit dem Beisatze mensis, ausser wo der Zusammenhang das 
Wort nicht fordert. — Da es nicht Subst., sondern Adj. ist, so tritt 
zu den Tagesbestimmungen Kalendae, Noiiae und Idus nicht der 
Gerrit, des Wortes hinzu, sondern der Plural Octobres als Adject., 
welcher denn in den verschiedenen Kasus mit dekliniert wird, z. B. 
Kalendarum Octobrium. — Im Abi. Sing, hat es als Adject. Octobri, 
nicht Octobre. 

Octodecim findet sich bei Liv. 39, 5, 14, Front, strat. 2, 5, 37, 
decem octo und deeem et octo zweimal bei Caesar und achtmal bei 
Livius, auch bei lustin 9, 1, 8, s. Neue - Wagener 3 II S. 287, 
Kühnast S. 36, Richter Progr. Oldenburg 1880 S. 2, Seck I S. 15. 



Octuaginta — 201 — Ocularis 

Indes sagt Neue -Wagener mit Recht: „Die mit octo und novem zu- 
sammengesetzten Zahlwörter dürfen zwar nicht ganz verworfen 
werden, aber üblicher sind statt derselben die auf der Subtraktion 
von dem nächst höheren Zehner beruhenden Ausdrücke, also für 
achtzehn und neunzehn, duodeviginti und undeviginti. Auch mag 
zuweilen von den Abschreibern nach ihrem Gutdünken ein Zahlwort 
an die Stelle des von ihnen vorgefundenen Zahlzeichens gesetzt 
worden sein, wie bei Liv. 3, 24, 10 in einzelnen Ausgaben novem- 
decim, aber im Med. XIX, im Par. XVIII steht; daher ist den Hand- 
schriften, wie für die Zahlwörter überhaupt, so für die Verbindung 
mit octo und novem keine unbedingte Autorität zuzugestehen." 

Octuaginta für octoginta, octoagies und octuagesimus scheinen 
ohne Autorität zu sein für octogies und octogesimus ; denn sie sind 
überall, wie es scheint, ohne handschriftliche Gewähr, vgl. Neue- 
"Wagener 3 II S. 290 und Archiv VII, 70, aber auch Bonnet Greg. 

5. 449, der diese Formen aus Handschriften zitiert und Analogie- 
bildungen nach septuaginta darin erblicken zu dürfen glaubt. 

Ocularis, die Augen betreffend, ist Sp. L. Form für die fast 
KL ocularius, wie denn der Augenarzt — medicus ocularius (Cels. 

6, 6, 8 init.), vgl. Brolen S. 19, aber medicus ocularis nur bei Murat. 
inscr. 927, 5 heisst, vgl. Georges Jahresber. 1880 S. 397. Der 
Augenzeuge war aber weder testis ocularius noch ocidaris, sondern 
A. L. im gemeinen Leben testis oculatus, indem Plautus (Trucul. 
489) sagt: pluris est oculatus testis unus, quam awriti decem. Da 
sich aber weder testis oculatus noch testis auritus irgendwo in der 
juristischen Kunstsprache findet, so ist zu vermuten, dass Plautus 
beide Verbindungen zum Scherz gebildet habe. Übrigens wird die 
Plautusstelle von Apul. flor. 2, Festus S. 179 M. zitiert und in Pass. 
S. Petr. 59 lesen wir oculata, ut dicunt, fide cognoscere; fides oculata 
= Zuverlässigkeit eines Augenzeugen. Immerhin enthalte man sich, 
ausser etwa im Scherze, der Redensart und umschreibe so, dass das 
Sehen selbst berücksichtigt wird, testis qui ipse vidit, spectavit, rei 
interfuit, wie denn z. B. Seneca nat. 4, 3, 1 sagt: ex his me testibus 
numero secundae notae, qui audisse quidem se, vidisse negant (die 
sich zwar nicht Augenzeugen, sondern Ohrenzeugen nennen). Gut 
ist ferner für Augenzeuge — testis ac spectator. Vgl. auch Cic. 
Brut. 208. Sp. L. findet sich in diesem Sinne spectator, wie Rönsch 
Semasiol. Beitr. I S. 66 f. gezeigt hat. — Andere schlagen dafür die 
Adjektive certus, locuples, idoneus, gravis vor, aber man wendet 
mit Recht dagegen ein, dass durch diese nur der moralische Wert 
eines Zeugen angedeutet werde, nicht dass er es selbst (ipse) mit 
eigenen Augen gesehen habe, was doch ^gesagt werden solle. — Das 
obige ocularis wird von den neuern Ärzten der Besichtigung bei- 
gelegt; sie wird inspectio ocularis genannt, was sonst nicht vorkommt, 
wohl aber, obgleich Sp, L., OCUÜlta inspectio. Besser kann man dafür 
sagen: perlustratio oculorum ope facta, oder in rem praesentem h 
venire. Vgl. Sen. ep. 6, 5. 



Oculista — 202 — Oculus 

Oculista, der Augenarzt, ist N. und B. L. für das Kl. medicus 
ocularius. 

Oculus ist ein Lieblingswort der Lateiner auch in bildlicher 
Beziehung, z. B. in oculis ferre liehen, Cic. Att. 6, 2, 5, Phil. 6, 11, 
so dass es sogar als Liebkosungswort vorkam : mi ocule, mein Auge, 
d. h. mein Teurer, und dass Plautus im Scherz sogar sagte: mi 
oculissime, mein Allerliebster, für suavissime, carissime. Vgl. Plaut. 
Cure. 121. — Nicht verwerflich ist: hoc meis ocidis vidi, das habe 
ich mit meinen eigenen Augen gesehen (so wenigstens Ter. Eun. 677, 
Hecyr. 863), wiewohl man gewöhnlich sagt: hoc ipse vidi. Selten 
sagte man wohl : venire ante ocidos, für sub oculos venire, pervenire, 
cader e, in conspectum venire. Gut ist aber: ab alieuius ocidis ire 
oder ahire, aus jemandes Augen gehen, s. Plaut. Cas. 302, Trin. 989, 
Trucul. 477, Sen. epp. 36, 10; ab oculis recedere hat der jüngere 
Plin. epp. 2, 1, 11 und ab oculis aliciiius aliquo concedere, Cic. Catil. 
1, 17. Für ex alieuius conspectu ahire, se auferre (auferri) kann 
eben so gut ex ocidis abire gesagt werden; s. Liv. 25, 16, 2, Sen. 
cons. Marc. 23, 3, nat. 3, 26, 3, Tac. hist. 2, 50 und für abire 
das speziellere elabi, Liv. 26, 19, 7. Auch beachte man für den 
Ton des unwilligen Befehles: facessere ab ore atque oculis alieuius, 
Liv. 6, 17, 8. — Unser vor Augen stehen, unter den Augen jemandes 
sich befinden, ist lat. in oculis, in conspectu alieuius, z. B. donec 
universa clades in oculis fuit = bis das ganze Unheil vor Augen 
stand, Tac. hist. 4, 77; in oculis omnium maiora navigia submersa 
sunt, Curt. 9, 4, 11; in oculis esse civium, Cic. Tusc. 2, 63, vgl. 
Seyffert-Müller zu Lael. S. 274, wo noch mehr Stellen aus Cicero, 
z. B. Plane. 66 habitavi in oculis civium, zitiert sind. So oft auch 
bei Livius: Tei, cum in oculis populatio esset . . . 37, 28, 1, wo 
Drakenborch eine Menge Stellen aus Livius und ausserdem Ov. her. 
21, 82 anführt. Dafür kann ohne wesentlichen Unterschied auch 
ante oculos gesagt werden: ne se ante oados suos perire sinerent, 
Liv. 2, 6, 2 und 4, 14, 5; nunc prostrata et diruta ante oculos 
iacent, Sulpicius bei Cic. fam. 4, 5, 4; non libenter erat ante ocidos 
civium, Nep. Chabr. 3, 2; vobis veniat in mentem, neglegentia vestra 
.... illos omnes ante ocidos vestros trueidatos esse, rhet. Her. 4, 48. 
Ebenso geht auch sub ocidis an: expedit sub oculis domini esse 
apiarium, Colum. 9, 5, 2, ganz unser unter den Augen des H.; quos 
honores sub oculis tuis gessit, Plin. epp. 10, 11 (26), 2; ut sub avi 
p>otissimum oculis partus necaretur, Iust. 1, 4, 5; sub oculis miranlis 
eranuit, Flor. 4, 7, 8; hostes sub oculis erant, Liv. 22, 14, 3; sub 
oculis Hannibalis secum de proditione agi, 26, 38, 9; sub oculis 
Caesaris, Tac. ann. 2, 35; cum sub oculis omnium dimicaretur, Caes. 
Gall. 5, 16, 1 und civ. 1, 71, 1. — In oculis esse trop. = vor Augen 
schiueben u. ähnl., ist gleichfalls gut: acies et arma in oculis erant, 
Curt. 3, 6, 3; Philotae supplicium in oculis erat, 8, 6, 21; in oculis 
exemplum erat Q. Fabius M. Valerio legato, Liv. 8, 35, 10; frumenti 
spes, quae in oculis fuerat, utrosque frustrata, 26, 39, 23; publicanis 



Oculus — 203 — Oculus 

in ocidis sumus, Cic. Att. 6, 2, 5 = wir sind der Augapfel der 
Staatspächter ; das Transitivum zur letztern Phrase ist ferre oder 
gestare in ocidis, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 273 und 552. Gerade 
so wird auch ante oculos verwendet: ista facienti, ista dicenti gloria 
et aeternitas ernte ocidos erant, PI in. epp. 3, 16, 5; mors ante oculos 
debet esse tarn seni quam iuveni, Sen. epp. 12, 6; simul est illud ante 
ocidos —■ manifestum, Cic. de orat. 2, 349; sit ante ocidos Nero = 
man stelle sich Nero vor, vor Augen, man denke an etc., Tac. hist. 

1, 16. — Etwas vor Augen haben im eigentlichen Sinne ist auch lat. 
aliquid ante ocidos, in ocidis habere, z. B.: ante oculos habere urbem, 
Liv. 5, 30, 2; ut praesens semper in ocidis habendus esset dominus, 
35, 31, 9; ebenso auch trop.: in qua praeeipuum est semper id in 
ocidis habere (= im Auge behalten), de quo quaeritur, Quintil. 6, 4, 
13; ediena vitia in ocidis habemus, nostra a tergo sunt, Sen. de ira 

2, 28, 8. Sp. L. sagte man für das trop. verstandene vor Augen 
haben, prae ocidis habere, z. B.: prae ocidis habere terrorem futuri 
iudicii, Greg. M. epp. 2, 48, 3, 27 und 12, 14; nee iam fas ullum 
prae ocidis habent, Amm. Marc. 30, 4, 18. In der silbernen Latini- 
tät wird dafür sehr häufig aliquem, aliquid ante ocidos habere ge- 
funden: vir bonus semper ante ocidos habendus, Sen. epp. 11, 8; habe 
ante oculos mortalitatem, Plin. epp. 2, 10, 4; habe ante ocidos hanc 
esse terram . . ibid. 8, 24, 4; habens ante oculos, cid duci successisset, 
Iust. 5, 6, 1 ; habere aliquem ante oculos = es auf einen abgesehen 
haben bei der Wahl eines Nachfolgers, Iul. Capit. v. Alb. c. 10; 
Marium ante ocidos habens, Ael. Spart, v. Pesc. Nig. c. 11, 3. Klass. 
sagt man für unser: es steht, schwebt (einem) jemand, etivas vor den 
Augen (des Geistes) aliquis, aliquid alicui ob, ante oculos est, versatur, 
positum est, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 273, z. B.: mors ob oculos 
(ei) saepe versata est, Cic. Rab. Posth. 39; mors ob oculos erat, Liv. 
28, 19, 14; non versatur ante ocidos vobis Gianda? Cic. S. Rose. 
98 und Verr. 5, 94, fin. 2, 72 und 5, 3 und Sest. 47 u. 7, Mur. 88, 
rep. 3, 26, domo 141, Liv. 34, 36, 6. Etwas vor Augen stellen 
etc. heisst klass. ebenso ponere aliquid ante ocidos, z. B.: ea 
(translatione) uiimur rei ante ocidos ponendae causa, rhet. Her. 4, 
45; totam viris armisque instruetam coniurationem ante oculos ponere, 
Liv. 24, 24, 8. Sich etivas vor Augen stellen ist streng Kl. nur sibi 
ponere oder proponere ohne ante ocidos, oder ante oculos ohne sibi, 
z. B. Cic. fam. 4, 6, 1 qiiorum mihi exempla propono und Cic. Phil. 
11, 7 ponite ante oculos miseram illam speciem. Die Fülle des 
Ausdrucks sibi aliquid ante oculos ponere oder proponere gestattet 
sich Cicero selten, dagegen ist sie in der Umgangssprache jedenfalls 
unbeanstandet gewesen, weshalb auch rhet. Her., Ser. Sulpicius, Cic. 
fil. und das N. Kl. nicht davor zurückschrecken, vgl. Anton Studien 
I S. 120, meine Ausführung in Z. f. G. 1881 S. 112, Eberhard zu 
Cic. Phil. 2, 115 (Anh. S. 143). Beispiele sind: ora eonim ponite 
vobis ante <>r/d<>s, Cic. Phil. 13, 4; calamitatem Cottae sibi ante o<-uh>s 
ponivnt, Caes. öall. 0, 37, 8; exsilium Cn. M<</ri . . sibi proponunt 



Oda — 204 — Odisse 

ante oculos, Liv. 2, 54, 6; sibi qaisque ante oculos obsidionem . . 
proponentes, Iust. 5, 7, 9; studio, eorum vobis ante oculos proponite, 
rhet. Her. 4, 48, ebenso Cic. fil. fam. 16, 21, 7 und Sulp, bei Cic. 
fam. 4, 5, 1. Constituere sibi aliquid ante oculos findet sich 8p. L. 
bei Aug. serm. 233, 3 ; aber klassisch ist constituere ante oculos y vgl. 
Cic. Cael. 79. Auch sagte man: oculum alicui rei, animum ad 
aliquam rem (Ter. Eun. 143) adicere, sein Auge auf etwas iverfen, 
in der Bedeutung etivas wünschen (Cic. Yerr. 2, 37). Kein Auge 
von einem lassen, oculos de aliquo nusquam deicere, Cic. Yerr. 4, 33 
und trop. Phil. 1, 1. Unpassend ist oculus in der Redensart: ein 
Gespräch unter vier Augen, was man am passendsten ausdrückt 
durch: sermo ab arbitris remotus, collocutio. Auch heisst sich unter 
vier Augen besprechen colloqui cum. solo nach Caes. Gall. 1, 18, 2: quae- 
rere ex solo; einen unter vier Augen ermahnen ist secreto monere 
aliquem nach Sali. lug. 8, 2; auch arbitris remotis kann gesagt 
werden, obgleich es auch in weiterer Bedeutung ausdrückt, diejenigen, 
ivelclie man nicht bei einer Besprechung anwesend haben tvill, abtreten 
lassen, alle andern aber bei sich behalten. Waren aber solche Zeugen 
überhaupt nicht vorhanden, so wäre die deutsche Phrase wiederzu- 
geben durch loqui, colloqui cum aliquo sine arbitris, Curt. 7, 1, 31 
und Plaut. Capt. 211. — Sp. L. ist pulchrum, parvum u. a. in alicuius 
oculis esse, apparere, videri, in jemandes Augen schön, Mein — sein, 
scheinen, erscheinen, für pulchrum, humili statura — videri, existi- 
mari. Jenes findet sich oft in der Vulgata. Ferner, was sich eben- 
falls in der Yulgata findet: aliquid ab alicuius ocidis absconditum 
est, etwas ist vor jemandes Augen verborgen, für aliquid alicui igno- 
tum oder incognitum est — N. L. ist endlich: alicui aliquid ad 
oculos demonstrare, einem etwas klar und deutlich zeigen, für diliicide 
demonstrare. — Über mali oculi, böse Augen, vgl. Malus. — Was 
heisst kurzsichtig sein? Nach Mas. Sabinus bei Gell. 4, 2, 15 qui 
natura longe minus videt; mit einem Auge gut sehen ist oculo bene 
videre Cic. div. 1, 48; mit geistigem Auge betrachten oculo mentis 
videre Cic. or. 101; eine Augenweide ist nach Cic. Yerr. 4, 65 pascere 
oculos zu geben. 

Oda, die Ode, das Lied, wurde erst Sp. L. z. B. vom Scholiasten 
Porphyrio verwendet; es werde daher durch carmen hjricum oder 
melicum ersetzt. 

Odisse, hassen. Zur Verstärkung dienen acerbe, male, penitus 
und im Kompar. peius, selten und wohl nur N. Kl. magis oder plus. 
Auch kann bei peius der Abi. cane et angue beigesetzt werden, 
denn die von Horatius gebrauchte Yergleichung findet sich im wesent- 
lichen schon bei Plautus: TJxor rurist tua, quam dudum dixeras te 
odisse atque unguis, Merc. 760, was schon Lambin zu Horaz epp. 
1, 17, 30 angeführt hat. Für unsere Zeiten ist nicht mehr anwend- 
bar: odisse aliquem odio Vatiniano, was Catull (14, 3) in der Be- 
deutung einen bitter, schrecklich hassen braucht, für acerbe, male, 
vehementer aliquem odisse, capitaVi odio ab aliquo dissidere, Cic. Lael. 



Odor — 205 — Odorus 

2. — Das Pass. zu odisse ist oclio esse, s. Cic. Phil. 1, 33 und Liv. 35, 
19, 5: odi odioque sum Romanis, ebenso bei Plaut. Trin. 632 (ßr.) 
oder odio, in odio sum apud aliquem, Cic. Pomp. 65 und Yerr. act. 

1, 42: quo maiore apud vos odio esse debet, quam . . . Endlich 
auch von Sachen: cum videt, quo sit in odio statu s hie rerum, Attic. 

2, 22, 1. Mehr Stellen hat Andresen zu Cic. fam. 12, 23, 2; noch 
andere Umschreibungen führt Landgraf 1. 1. S. 158 auf, z. B. Cic. 
Cato 4 senectus plerisque senibus odiosa est = wird gehasst; vgl. 
auch Nieländer I S. 14; II S. 8 und 36; III, 2, S. 9. Odio habere 
= hassen und odio haberi = gehasst werden, ist nicht klass., es 
ist A. L., N. Kl. und besonders Sp. L., vgl. Hoppe Synt. Tert. S. 29 
u. Landgraf 1. 1. S. 156. — Die passiven Formen von odi, z. B. odirer, 
odiretur u. a. finden sich bei keinem mustergiltigen Schriftsteller, 
ebenso wenig präsentische aktive Formen, wie odientes, odiebant. 
Indes zeigt odivit bei Anton, in Cic. Phil. 13, 42, dass man im 
gewöhnlichen Leben nicht so ängstlich in der Konjugation von odisse 
war; näheres siehe bei Thielmann in Wölfflins Archiv II S. 381, 
Rönsch Ital. S. 281, Coli. phil. S. 31, 132, Gölzer Hieron. S. 288, 
Neue -Wagener 3 III S. 642 und ganz besonders Landgraf im Archiv 
XII S. 1 50 ff. — Die Verbindung von odi = nolo mit einem Inf. ist 
P. L. und findet sich in Prosa nur bei Cic. Brut. 1, 16, 6, vgl. 
Schirmer S. 18, Schäfler S. 76 f., Orelli zu Hör. od. 2, 16, 26. 

Odor, der Geruch, als einer der Sinne, ist ganz selten, z. B. 
bei rhet. Her. 2, 8 und Sp. L. für odoratus oder sensus narium, 
oder sensus odoris, Cels. 8, 1, S. 334 (D), aber richtig ist es in der 
Bedeutung Geruch, der von etwas ausgeht, wo denn odores gebraucht 
wird, wenn er von mehreren Dingen ausgeht. Und so bedeutet 
auch odores im Plural das RauchtverJc, Gewürz, aber nicht im Sin- 
gular. Vgl. Cic. Tusc. 3, 43, Verr. 4, 77; 5, 146. — N. Kl. und 
Sp. L. war dafür odoramenta (Plural von odoramentum), Sp. L. 
odoramen; vgl. Rönsch It. S. 24, Gölzer Hieron. S. 60. — Odor wird 
auch trop. gebraucht: est nonnidlus odor dietaturae, Cic. Attic. 4, 16, 
11 (18, 3) = es riecht etivas nach Diktatur. 

Odorari, riechen, wird erst im Sp. L. in der Vulg. und bei 
Eccl., z. B. Claud. Mam. 43, 12 E, nicht Kl. von dem Sinne des 
Geruches oder von der den Geruch einer Sache fühlenden Person 
gesagt, wiewohl der Sinn des Geruches odoratus hiess, sondern man 
braucht in jener Bedeutung olfacere (Cic. divin. 2, 9) oder meistens 
nur das allgemeine sentire (Cic. Tusc. 4, 54). Es kommt KL meistens 
in bildlichem Sinne, teils im Ernst, teils im Scherz, in der Bedeutung 
ausspüren, wittern, ahnen vor, wie bei Cicero (de orat. 2, 186): ut 
odorer quam sagacissime possim ; etwas fein ausspüren, aliquid festive 
odorari (Cic. Att. 4, 14, 2); jedoch fast immer im Scherz und mit 
Spott. — N. L. ist es in der Bedeutung nach etwas riechen, für 
olere aliquid. 

odorus, riechend, wohlriechend, ist selten in Prosa, /. B. bei 
Plin. mai. und Apul. und mehr P, L. für das gcwölinlichore odoratus. 



Oeconomus — 206 — Officere 

Oeconomus, der Haushalter, Verwalter, Schaffner, und so auch 
das Femin. oeconoma, sind im Sp. L. bei den Juristen und Eccl. 
üblich für dispensator, dispensatrix rei familiaris oder rerum 
cfomestiearum, und auf dem Lande — viUciis, vilica; vgl. Gölzer 
Hieron. S. 213. 

Oestrus, die Raserei, steht nur bei Dichtern und Sp. L. bei 
Amm. Marceil. für furor, insania. 

Offendere wird in der Bedeutung Anstoss bei jemanden erregen 
mit dem Accus, aliquem oder auch apad aliqnem (s. Cic. Sest. 105 
und Attic. 10, 4, 8) verbunden; es heisst also: „du fühlst dich durch 
mich beleidigt 1 - 1 , offendo te, vgl. Seyft'ert-Müller z. Lael. S. 554; wegen, 
betreffs einer Sache heisst offendere apud aliquem de aliqua re, wie: 
se apud plebem offendisse de aerario, Cic. Attic. 10, 4, 8, und in der 
Bedeutung Anstoss nehmen an jemanden, offendere oder offendi in 
aliquo, vgl. Landgraf zu Cic. Süll. 72, Boot zu Cic. Att. 7, 14, 3. 
Offendere bedeutet aber auch anstossen zum eigenen Schaden, Schaden 
nehmen, verunglücken: naves in redeundo offenderunt, Caes. civ. 3, 
8, 2, und so steht offenditur und offensum est auch impers.: = 
man erleidet ein Unglück. S. Kraner-Dittenberger zu Caes. Gall. 6, 
36, 2. — Auf etwas stossen, d. h. etwas antreffen, finden heisst offen- 
dere aliquid (Cic. rep. 1, 59, fam. 1, 9, 17). Offendere mit Dativ: 
ut legi non offendat, findet sich einmal beim Juristen Papinian, vgl. 
Leipold S. 58. — Man sage nicht: offendere aliquem animo, einen 
in (an) der Seele kränken, sondern alicuius animum; daher im Pas- 
sivum: ich werde in der Seele (im Herzen) gekränkt, animus mens 
offenditur. Und so heisst auch sich in der Seite verletzen, wehe tun, 
latus offendere, nicht se (in) latere offendere (Cic. Cluent. 175). 

Offensa ist ein vulgäres Wort, Cic. gebraucht es nicht (Att. 9, 
2 a, 2 enthalten Worte des Atticus), einmal Caelius bei Cic. fam. 8, 
16, 2, später wird es häufiger; vgl. P. Meyer 1887 S. 17, Burg 
S. 47; klass. ist offensio. 

Offene, anbieten. Selten ist: se offerre aliquid facturum, sich 
anbieten etwas zu tun (s. darüber Tac. ann. 11, 33 und 16, 26); 
dafür sagt man polliceri, recipere se aliquid facturum; nicht offerre 
pugna/m, proelium, eine Schlacht anbieten, sondern pugnandi pote- 
statem facere (Caes. Gall. 3, 17, 5). Die Stelle bei Caes. civ. 1, 72, 
5 gehört gar nicht hierher. S. Allgayers Zusätze und Berichtigungen 
zum Antibarb. S. 88. — Klass. ist pro te totiens morti me obtuli 
Cic. Mil. 94, aber #p. L. pro salute omnium ad mortem se obtule- 
runt, vgl. Rönsch Coli. phil. S. 59. 

officere, im Wege stehen, verhindern, wird auch bildlich mit 
den Dativen nomini und luminibus verbunden, wo nomen — Name 
und Rtihm und lumen oder lumina — Licht, Glanz und Ruhm, 
officere aber schaden, schädlich sein, verdunkeln bedeutet. Das Bild 
ist von Häusern entlehnt, die durch ihre Höhe und Grösse kleinern 
das Licht nehmen, wofür man luminibus officere und obstruere 
brauchte — bei den Juristen finden wir öfters luminibus offici, vgl. 



Officina — 207 — Offundere 

Leipold S. 58. — So sagt selbst Cicero de or. 1, 179 cuicumqiie 
partiadae caeli officeretur und dann bildlich entsprechend (Rabir. 
Post. 43): nee mentis quasi luminibus officit altitudo fortunae, dem 
Glänze und Rahme seines Geistes schadet nicht die Höhe und Grösse 
seines Glückes, und mit gleichem Bilde, nur mit dem Yerbum ob- 
struere statt officere (Brut. 66): Catonis luminibus obstruxit posteri- 
orum quasi exaggerata altius oratio, der höhere Schwung der Rede 
der Folgenden stand im Wege, verdunkelte das Licht, den Glanz und 
Ruhm Catos. 

Officina, die Werkstätte, wird, wenn es in bonam partem gebraucht 
ist, im trop. Sinne meistens mit quasi oder tamquam verbunden, wie 
bei Cic. Brut. 32, de orat. 2, 57, leg. 1, ## 36, fin. 5, 7. Ganz selten 
ist es, dass in diesem Sinne das die Übertragung mildernde quasi 
fehlt, wie bei Cic. orat. 12 und 40. Hingegen erlaubte der lat. 
Sprachgeist die genannte Partikel wegzulassen, sobald officina in 
übelem Sinne verstanden wurde. So steht officina bei Livius 39, 
8, 7 und ibid. c. 10, 6, Cic. S. Rose. 134, vgl. Landgraf z. St., und 
Phil. 2, 35, Val. Max. 3, 1, 2: puer in officina crudelitatis de- 
prehensus und Sen. contr. 5 (10), 33, 2: illam humanarum calami- 
tatium officinam. 

Officiositas, die Dienstfertigkeit, ist, obgleich officiosus Kl. ist, 
dennoch erst Sp. L. für officium. 

Officium ist vielleicht doch von officere herzuleiten mit der 
Grundbedeutung „Gefälligkeit, Gefügigkeit", vgl. Reissinger Progr. 
Landau 1897 S. 52. Es bedeutet Kl. nur ein übertragenes Geschäft 
und dessen Besorgung, sei es in einer öffentlichen oder privaten An- 
gelegejiheit, daher bei Caes. civ. 3, 5, 4 officium maritimum der dem 
M. Bibulus übertragene Oberbefehl zur See ist, und das officium 
scribae bei Nep. Eum. 1, 5 der Dienst, die Stellung des Geheim- 
schreibers, ivelche E. beim König Ph. einnahm. Umgekehrt werden 
aber bei Caes. civ. 1, 8, 2 privati officii mandata genannt, wie 
legationis officium, ibid. 3, 103, 4 sich wieder auf einen Auftrug in 
einer Staatssache bezieht. N. Kl. hingegen bezeichnet officium nicht 
nur die amtliche Verrichtung, den amtlichen Wirkungskreis, sondern 
auch das öffentliche Amt selbst = munus, magistratus, honor, s. 
Ruhnken zu Suet. Aug. 37, so dass officia geradezu = Beamten 
wird, vgl. Nägelsb.-Müller 9 S. 94, Bagge S. 37. — Durchaus N. L. 
aber ist officium aliquod ambire oder petcre, sich um ein Ami be- 
werben, durum (tithalten. — Etwas ist pflichtgemäss ist aliquid est 
in officio. — Ygl. auch s. v. Honor und Munus. 

Offundere, verbreiten; — etivas über etwas, aliquid alicui rci , 
z. B. caliginem oculis Livius 26, 45, 3, ebenso bei Val. Max. 7, :>, 
9 oculis tenebras, Lei Tac. und Curtius, vgl. Walter Progr. München 
1887 S. 35. Offundere ob ti/ii/tiiä wird nur in Verbindung mit os 
oder ocu/i gesagt: ignis <>/> os off usus, Cic. Tim. 49. Offundere 
aliquid aliqua re hat Val. Max. 2, 7, 6 oculos tenebris; os komml im 
Pass. nicht selten vor, z. B. <inil>us tenebris est offusa hominis cogir 



Offuscare — 208 — Omnigenus 

tatio, Lact, de ira 1, 5 und inst. 7, 24, 7; satis constat eo pavore 
offusum Claadiiim, ut . . Tac. ann. 11, 31; non existimare se tantis 
ieuebris offusam esse rem publicam, Yal. Max. 3, 8, 3 und 2, 7, 6 
und selbst bei Cicero: ut obscuratur et offunditur luce solis limien 
lucemae, Cic. fin. 3, 45. Über die vielbesprochene Stelle Cic. Marc. 
10 omnium Marcellorum meum pectus memoria offudit vgl. C. F. W. 
Müller z. St. 

Offuscare, verdunkeln, ist Sp>. L. für infuscare, obscurare, coli- 
ginem alicui rei offimdere. 

Olea und oliva bedeuten nicht das Öl, welches oleum oder oli- 
vum heisst, sondern den Ölbaum und die Ölbeere. 

Olere, nach ehuas riechen, einen geiuissen Geruch von sich gehen, 
und redolere, stark nach etivas riechen, werden teils mit dem Accus. 
aliquid, teils mit dem Abi. und der Präpos. ex: ex aliqua re olere, 
redolere verbunden. Diese beiden V erben werden von Cicero bild- 
lich meistens im Scherz, Spott oder Tadel angewendet, wie de 
orat. 3, 44, Rose. Com. 20, Brut. 82. Doch gibt es auch Stellen, 
an welchen die genannten Zeitwörter in bonam partem gebraucht 
sind: nihil ölet ex Academia, neqne ex Lycio, Cic. nat. deor. 1, 72. Mihi 
quidem ex illius orationibus redolere ipsae Athenae videntur, id. Brut. 
285. Verba omnia .... huius alumnum urbis oleant, Quintil. 8, 
1, 3, vgl. auch 6, 3, 107 und Yarr. ling. 5, 74. Übrigens wird es 
nie von der den Geruch fühlenden Person, welche etwas riecht, ge- 
braucht, vgl. Odorari. — Adverbien, wie bene, male, treten natürlich 
oft hinzu ; aber lächerlich ist pulchre olere für suave, vgl. Catull 61, 
7. Gut aber ist magis olere, Plin. nat. 21, 39. 

Olf actus kommt erst N. Kl. beim altern Plinius vor, teils für 
odor, der aus irgend etwas ausgehende Geruch, teils für odoratus 
oder sensus narium, der Sinn des Geruches; das Wort olfactio ist 
nur aus Gloss. erwiesen, vgl. Funck im Archiv VIII S. 381. 

Oligarchien,, die Herrschaft weniger Grossen und Vornehmen, 
ist nie ins Lateinische aufgenommen worden und werde durch 
imperium, dominatio paueorum, s. über letzteres Sali. hist. 3, 48, 
6 M., umschrieben; anwendbar ist es nur mit dem Zusätze ut graeco 
verbo utar. 

Olor, der Schwan, ist P. L. für eyenus; in Prosa wahrschein- 
lich nur bei Plin. nat. 10, 131 und dann im Sp. L. 

Omnifariam, allenthalben; auf alle Weise u. dgl., ist erst Sp. L. 
und selten; es werde ersetzt durch omnibus locis, usque quaque, in 
omnes partes, quavis ratione u. dgl., vgl. Gölzer Hieron. S. 157, 
Kretschmann Apul. 64. — Nicht N. L. ist ein davon gebildetes Adj. 
omnifarius, für omnis generis, cuiusque modi, sondern Sjo. L.; aber 
Cael. Aur. 3, 16, 129 steht nach Georges das Adv. omnifariam, 
während Gölzer Hieron. S. 157 die Stelle für omnifarius zitiert. 
Vgl. über solche Hypostasierungen Skutsch Indog. Forsch. 13 S. 488. 

Omnigenus, a, um, von allerlei Art, ist P. und Sp. L., z. B. 
bei Prudentius, (vgl. Brandes in Wölfflins Archiv II S. 354), Claud. 



Omnimodis — 209 — Omnino 

Mam. 47, 4; 184, 7 E, (vgl. Engelbrecht s. v. und Georges Jahres- 
ber. 1886 S. 40), und in Prosa durchaus zu verwerfen, da für omne 
genas alicuius rei, z. B. omne genas ferarum, auch ferae omnis generis, 
was freilich nicht Cic. u. Caes., wohl aber Liv. hat, dann in omni 
genere, gesagt wird ; manchmal genügt bloss omnis. Nur Sp. L. ist 
omnigenus = alles hervorbringend, vgl. Appel Coripp. S. 21 und 
Engelbrecht Wiener Sitz. Ber. 110 S. 496. Was wir allseitig ge- 
bildet nennen, heisst z. B. omnibus ingenais artibus instructus (Cic. 
de orat. 1, 73) oder omni doctrina eruditus. — Yon dem deklinier- 
baren omnigenas ist das indeklinable omnigenus zu unterscheiden (vgl. 
oben s. v. Genus), welches sich bei Yarro, z. B. r. r. 3, 5, 11 avibus 
omnigenus, und bei Apul., z. B. flor. 9 poemata omnigenus findet, 
vgl. Wölfflin im Archiv Y S. 394. 

Omnimodis, von allerlei Art, ist A. (Plaut. Stich. 684) und Sp. L. 
kurze Form für omnibus modis; die Stellen dafür hat Piechotta S. 40 
gesammelt. Im Sp. L. wurde davon ein Adj. omnimodus, a, um, 
und ein Adv. omnimode (aber nicht Fronto S. 24, wo nach Studemund 
ad Klussmann S. 24 omni modo zu lesen ist) gebildet, die aber in 
guter Prosa nie vorkommen ; dafür omnis, omnis generis, omni modo, 
omnibus modis. Die Stellen für das Adj. omnimodus, welches nach 
Koziol S. 275 von Apul. geneuert worden ist, aber vielleicht schon 
Yarro hat (vgl. Wölfflin Arch. Y S. 394), siehe bei Piechotta S. 49, 
Kretschmann Apul. S. 54, Gölzer Hier. S. 169, Paucker lat. Hier. 
S. 76 f., Regnier S. 184; füge bei Claud. Mam. 183, 13 E; Ennod. 
532, 16 H; Oros. 3, 21, 7; A. 16, 9 Z. 

Omnino wird im N. L. zur Bejahung einer Frage für unser ja, 
allerdings gebraucht; doch kommt es so antik nirgends vor. Wenn 
aber irgend ein Satz, eine Behauptung im Ganzen anerkannt und 
zugegeben, derselben aber etwas anderes berichtigend oder beschrän- 
kend gegenüber gestellt wird, wofür wir im Deutschen allerdings, 
freilich — aber sagen, so kann dafür lat. nicht nur ille quidem — 
sed (s. Cic. fam. 6, 2, 2) sondern auch omnino mit folgendem sed 
oder autem gebraucht werden. S. darüber Cic. Lael. 98 und das. Seyffert 
und Cic. acad. 2, 84, sowie Nägelsb. 9 S. 778 f. Übrigens bedeutet omnino 
nicht nur überhaupt, im allgemeinen, sondern auch völlig, ganz und gar, 
durchaus, sowohl zur Bezeichnung der weitesten Ausdehnung als auch 
des höchsten Grades eines Zustandes, einer Eigenschaft, daher om- 
nino, besonders bei omnis, bei Superlativen und Negationen häufig 
gefunden wird. Seyffert machte (zum Lael. 78) einen Unterschied 
in der Stellung von omnino vor oder nach omnis und meinte omnino 
omnes bedeute überhaupt edle, omnes omnino alle ohne Ausnahme; 
dasselbe Yerhältnis nahm er für omnino nemo, nullus, nihü und 
umgekehrt an. Dies hat C. F. W. Müller mit guten Gründen zurück- 
gewiesen, vgl. z. Lael. S. 477; denn gerade die Yerstärkungs- und 
Yersicherungspartikeln haben eine auffallende Freiheit in der Stellung. 
— Bei Zahlwörtern bedeutet omnino im ganzen, zusammengenommen, 
bisweilen nur = dem griechischen ol tz<lvts^, s. MützeU zu Curt. 

K re Iih-S c li m :i 1 /. , AntiluirbaruH II. | | 



Omnipotens — 210 — Omnipotens 

S. 140, wobei noch bemerkenswert erscheint, dass omnino selten vor 
das Zahlwort gesetzt wird. Auch sonst ist omnino manchmal = 
auch nur, z. B. Cic. Cluent. 60 quod omnino respondere ausus est, 
vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 506 und S. 525. — Was das Ver- 
hältnis von omnino zu plane betrifft, so lehrt die Synonymik mit 
Recht, dass dieses zu seinem Gegensatz paene, propemodum und vix 
habe, während omnino im ganzen, im allgemeinen, gegenüber den 
Teilen, den Einzelnen, den Ausnahmen bezeichnet. Wo dieser Ge- 
danke des Gegensatzes festgehalten werden soll, ist der Regel gemäss 
zu sagen : plane — propemodum, paene; omnino — ex parte aliqua. 
S. über propemodum — plane Cic. Brut. 332 und Attic. 11, 9, 3, 
über omnino — magna ex parte u. dgl. Cic. Tusc. 1, 1. Doch ist 
dieser Gegensatz kein so starrer und strenger, dass wenigstens bei 
vix nicht auch beide Partikeln promiscue gebraucht würden; denn 
während z. B. bei Cic. Attic. 11, 9, 3 vix und plane non einander 
entgegenstehen, erscheinen auch vix aut omnino non in dem gleichen 
Sinne Cic. Attic. 3, 23, 2, und so braucht derselbe Autor, wo kein 
Gegensatz, sondern bloss der Gedanke des Vollständigen vorschwebt, 
plane perire und omnino interire ganz synonym. S. Cicero fam. 14, 

4, 3 und 6, 2, 2. Deswegen würden wir es auch nicht für falsch 
halten, wenn jemand für das ciceronische se plane confirmare sagen 
wollte se omnino confirmare, obgleich uns eine Belegstelle dafür 
mangelt; selbst das auch von Poppo preisgegebene omnino mihi vide- 
tur (für prorsus, was Kl. insbesondere nach den Verbis sentiendi 
und dedarandi das gewöhnliche ist) scheint uns nicht durchaus ver- 
werflich, wenn wir uns erinnern, dass erstens omnino und prorsus 
auch in der Bedeutung kurz, mit einem Worte zusammentreffen. S. 
über das erstere Plaut. Most. 839, über das letztere Sali. Catil. 
15, 5 u. das. Dietsch, Tac. hist. 2, 5; dazu kommt zweitens, dass 
Cicero omnino und prorsus bei omnis ganz synonym gebraucht — 
s. über den letzteren Fall fam. 4, 10, 1 — , endlich dass es fin. 2, 
43 geradezu heisst: quae quod Aristoni et Pyrrlioni omnino visa 
sunt pro nihilo . . . 

Omnipotens, allmächtig, war zuerst nur P. L., z. B. Lucil. 444 
Iovis omnipotentis nach dem Vorgang des Enn. ann. 458, und findet 
sich in N. Kl. Prosa einmal bei Val. Max. 1, 6, 12, sonst nur Sp. L. 
bei Apul. met. 11, 16 init. : omnipotentis deae und bei den Eccl., 
welche Gott nicht nur omnipotentem, sondern noch öfter im Super- 
lativ omnipotentissimum nennen. Übrigens braucht es Plautus schon 
von den Göttern, und da es zur theologischen Kunstsprache gehört, 
so bleibe es in derselben; in der gewöhnlichen Rede aber genügen 
maximus, summus, praepoteyxs, und so nennt Cicero seinen obersten 
Gott Jupiter — rerinn omnium praepotens (divin. 2, 42) und bekannt 
ist Iupiter optimus maximus, vgl. darüber Seyffert-Müller z. Lael. 

5. 495. Ebenso kommt erst Sp. L. in Prosa vor: omnipotentia, die 
Allmacht, für summa potentia, maxima potestas; Paucker Z. f. ö. G. 
1873 S. 506 und 1875 S. 177, Stangl Cassiodor. Bayr. Gymn. 1898 



Omnipraesens — 211 — Omnis 

S. 275, Gölzer Hieron. S. 134, Regnier S. 171. Ygl. noch zu omni- 
potentia Ennod. 402, 22 H, Eugipp. 24, 21 H. 

Omnipraesens, allgegenwärtig, und omnipraesentia, die Allgegen- 
wart, sind ohne alle heidnische und christliche Autorität, denn selbst 
die altlatein. kirchliche Theologie kennt diese Formen nicht. Man 
drücke sie aus durch qui omnibus locis uno tempore simid est, qui 
ubique et omnibus praesto est (Sen. ep. 95, 47), qui nullo loco non 
est, deus ubique praesens, August, de spir. et litt. g. E. (opp. T. 13) 
und Greg. M. in lob lib. 27, § 9 und sonst; die Ällgegenwart Gottes 
behaupten heisst docere Deum nullo loco non esse. In der neueren 
Theologie gehören jene Wörter zur unveränderlichen Kunstsprache. 

Omnis, all, jeder. 1) wird mit omnis das Ausnahmslose 
bezeichnet, weshalb es vielfach unserm deutschen lauter ent- 
spricht, z. B. Sali. lug. 103, 1 turrim, quo Iugurtha perfugas 
omnes praesidium imposuerat, lauter Überläufer hatte er als 
Besatzung hineingelegt, vgl. Andresen zu Cic. fam. 4, 4, 5. — 
2) wurde in der guten Prosa bei der einfachen Negation sine 
nie ein Subst. mit dem Adjekt. omnis verbunden, sondern für 
omnis setzte man entweder aliquis oder idlus, — aliquis positiv 
in der Bedeutung einiger, bedeutender, idlus aber negativ in 
der Bedeutung kein, z. B. ohne einige, ohne bedeutende Furcht, 
sine aliquo timore, — ohne alle Furcht, sine idlo timore; ohne 
einige, ohne bedeutende Kenntnis, sine aliqua cognitione — ohne 
alle Kenntnis, sine idla cognitione. Und so unterscheiden sich sine 
aliquo und sine idlo periculo; sine aliqua und sine alla dubitatione; 
sine aliqua und sine idla vituperatione. Stellen aus Cicero für sine 
mit aliquis sind nat. deor. 1, 53 und fin. 3, 30; vgl. meine Anm. 
352 zu Reisig-Haase S. 54, Kühner latein. Gramm. II S. 467. 
Wenn aber mit diesem sine noch eine Negation verbunden ist, wo- 
durch der Satz bejahend wird, so wird nie idlus, sondern immer 
aliquis gebraucht; daher sagt man nur non sine aliquo (nicht idlo) 
periculo; non sine aliqua (nicht idla) dubitatione; non sine aliqua 
(nicht idla) vituperatione u. dgl. Und so sagt Cicero (fam. 7, 
19): nulla ars sine litteris, sine interprete et sine aliqua (nicht idla) 
exercitatione percipi potest. Nur in der Umgangssprache findet sich: 
sine omni malitiast und sine omni periculo, s. Brix zu Plaut. Trin. 
338. Wenn aber Cicero (de orat. 2, 5) sagt: sed ne sine omni 
ijiiidem sapientia, so bedeutet dies: aber nicht einmal ohne Kenntnis 
der gesamten Philosophie. — 3) Wenn unser all bei einem Zahl- 
worte steht, wo es teils jeder heisst, teils dieser Begriff in alle 
liegt, z. B. alle fünf Tage, so gebraucht man dafür gewöhnlich quis- 
que mit einer Ordinalzahl, welche in der Regel nachfolgt, z. B. jeder 
fünfte Tag, quintus quisque dies, nicht omnis quintus dies,' alle 
fünf Tage in dem Sinne an jedem fünften Tage, quinto quoque dir; 
doch wäre auch omnibus quinis diebus (aber ja nicht quinque) lat. 
nach Plin. nat. 7, G<>: omnibus tricenis diebus, ebenso quintis diebus 
nach Yarro r. r. 2 prae£ 1, vgl. Krumbiegel S. 20. — 4) Kl. sagt man 



Omnis — 212 — Omnis 

wohl nie im Sing, omnis qui, jeder ivelcher, ohne ein Subst, sondern 
quicumque; dagegen kommt das Neutr. omne qiwd, alles ivas, 
gleichsam wie ein Subst. oft vor. Ebenso gut ist omnia quae, s. 
Cic. off. 1, 11 u. 153, fam. 4, 3, 3, omnia, quaecumque agimas. — 
5) Wenn alle in Verbindung mit den Reflex, seiner, ihrer, sich steht, 
so wird gewöhnlich quisque gesetzt, so dass ein dabei stehendes 
Subst. zuerst allgemein vorangeht, dann durch qaisqae zerlegt wird, 
z. B. alle Soldaten kehrten in ihr Vaterland zurück, milites in suam 
quisque patriam redierunt. Zu beachten ist auch, dass quisque in 
der Konstruktion des Abi. absolut, unverändert im Nomin. bleibt, vgl. 
Sali. lug. 18, 3 ; anderer Ansicht sind Madvig und Riemann, vgl. 
meine Anm. 362 zu Reisig -Haase S. 81 und Samuelsson Kasus- 
assimilationen (Eranos Y) S. 66, sowie Darnley Naylor Class. Rev. 
1901 S. 314 „on the so called Indeclinable or absolute use of ipse 
and allied constructions". Samuelsson sagt, es könne quisque hier tat- 
sächlich fast als Adverb betrachtet werden. — 6) Unser alle zwei, alle 
drei u. dgl., wenn es nur entweder in der Apposition steht, oder auf 
zwei, drei vorher erwähnte Personen hinweist, heisst nicht omnes 
duo, omnes tres, sondern bloss duo, tres oder hi duo, hi tres, 
z. B. L. Gellius und On. Lentulus, alle zwei (beide) Censoren 
— stiessen jene aus dem Senate, duo censores. — 7) Alle Anivesen- 
den heisst nicht omnes praesentes, sondern omnes qui adsunt, Caes. 
Gall. 1, 32, 1. Nichts von alledem war geschehen heisst klassisch 
nach Caes. civ. 2, 43, 2 : earum, quarum rerum nihil omnino acciderat, 
oder N. Kl. nihil omnium, quae inopi invisas opes potentioris faciunt, 
praetermissum in oppidayios est, Liv. 29, 8, 8. Vgl. noch Epicurus 
ita dicit, omnium rerum, quas ad beate vivendum sapientia compa- 
raverit, nihil esse maius amicitia, Cic. fin. 1, 65; so auch nemo, 
malus omnium: nemo omnium erat, quin . . . Liv. 23, 48, 6; om- 
nium neminem praeter Aristomachum movit, 24, 3, 11; ego nulli 
omnium neque populorum neque regum . . . non ausim me comparare, 
37, 53, 20; neminem omnium imperatorum, qui vivant, acriorem 
virtutis iudicem fuisse sciunt, qui . . . 42, 34, 7 ; nemo omnium 
iittactus profugit, Sali. lug. 54, 10. Alle zusammen, alle keinen 
ausgenommen heisst nicht omnes una, omnes simid, sondern 
omnes ad unum (nur Gell. 3, 7, 16 sagt omnes cum und), oder 
wenn ein Kollektivbegriff Subjekt im Satze ist, auch bloss ad unum, 
z. B. Cic. Q. fr. 3, 2, 2 consurrexit senatus cum clamore ad unum; 
dies findet sich schon Ribb. trag. S. 273 2 , wie Lehmann Quaest. 
Tüll. S. 82 nachweist; vgl. noch Wölfflin zu b. Afr. 70, 4. Davon 
verschieden ist omnes praeter unum, welches bedeutet alle bis 
auf einen, einen ausgenommeji, .was im N. L. durch omnes usque 
ad unum ausgedrückt wird. Über: alle andern sehe man unter 
alius. — 8) In der Redensart: alles andere eher, lieber als — sagt 
man in guter Prosa nicht omnia alia potius, quam, — sondern ent- 
weder ohne alia — omnia potius, prius, citius quam — (Cic. Quinct. 
82), oder qaidvis 'potius, prius, citius (Cic. Att. 8, 11 (D.), 5; 14, 



Omnis — 213 — Omnis 

21, 4, fam. 7, 1, 3), oder omnia malle quam (s. Sali. lug. 79, 7, Liv. 
2, 39, 8). Der Beisatz von alins ist ganz Sp. L. bei August. : quod 
libet aliud quaerendum potius indicaret, quam . . ., de consensu 
evang. 2, 3, 7 (Opp. T. 4). Etwas anderes ist alia omnia sentire, 
wo man aber nicht omnia alia sagte ; dies scheinen die bessern 
Lateiner nur in Beziehung auf die Abstimmung bei Senatsbeschlüssen 
gebraucht zu haben, deuteten aber nur dadurch an: etivas Verschiedenes, 
Abweichendes denken, keineswegs das gerade Entgegengesetzte, in wel- 
chem Sinne es im N. L. oft gebraucht worden ist. — 9) Der Singular 
omnis kann nicht substantivisch gebraucht werden, dafür sagt man 
entweder quivis mit Positiv, z. B. quivis bonus, oder quisque mit 
Superlativ, z. B. optimus quisque. Ja nicht einmal der Plural onmes 
verbindet sich mit allen Adjektiven; daher sagt man wohl omnes 
boni, d. h. alle Patrioten, aber nicht omnes optimi, weil mit dem 
letzteren sich der Begriff eines abgeschlossenen Standes oder einer 
Klasse nicht vereinen lässt. Fälle wie Cic. Caec. 101: omnibus anti- 
quissimis civibus, d.h. allen Bürgern, auch den ältesten; part. 60: qui 
non omnia minima (alles, auch das kleinste) redetet, nat. 2, 141 u. a. m. 
gehören nicht hieher, da dort das grammatische Verhältnis des omnes 
zu seinem Superlativ ein anderes ist, wie schon aus der Übersetzung 
mit auch hervorgeht. Diesem omnes antiquissimi entspricht der 
Singular quivis antiquissimus, vgl. Cic. de or. 3, 103 quivis vitio- 
sissimus orator, fin. 4, 21 quivis improbissimus , vgl. Berl. Phil. Woch. 
1893 Sp. 610. Es kann indes dies auch lateinisch ebenfalls aus- 
gedrückt werden, vgl. Nero ad omnes etiam minimos Circenses 
commeabat, Suet. Nero 22, Treb. bei Cic. fam. 12, 16, 1, Lentul. 
bei Sali. Catil. 44, 5 und bei Cic. Catil. 3, 12, ebenso nach dem 
synonymen nidlus non bei Quintil. 5, 3. Ygl. auch Cic. Cat. 

4, 15. Davon sind omnia summa (Lucil. 713, Cic. fam. 10, 3, 2; de 
or. 2, 85 u. 3, 15, Brut. 109), extrema omnia (bei Sali. Cat. 26, 5) 
und omnia ultima (bei Liv. 37, 54, 2) auszuscheiden, bei welchen 
sich der Superlativ mit omnis genau verbindet, s. Richter zu Cic. 
Marc. 21; neben omnia optima sperare ist auch richtig omnia optime 
sperare, wie entgegen Madvig Adv. III S. 156 jetzt bei Cic. fam. 4, 
13, 7 gelesen wird; vgl. C. F. W. Müller Progr. Breslau 1888 S. 3, 
Nägelsbach-Müller 9 S. 625 ff. — 10) Man wird zwar den Satz: „In 
Rom war ihm alles feindlich u richtig geben Romani ei infesti erant 
omnes; indes wäre omnia auch nicht falsch, wenn man ausser den 
Menschen selbst noch sachliche Faktoren bezeichnen will, z. B. Cic. 
Quinct. 10 cum ei omnia inimica atque infesta fuerint; vgl. noch 
Cic. Lael. 52 omnia suspecta et sollicita und dazu Seyffert-Müller 

5. 358. — 11) Die Lateiner brauchen omnia ebenso, wie wir 
alles in Redensarten; z.B. er ist, gilt alles bei uns. is nöbis est 
omnia (Liv. 40, 11, 3); er vermag alles, potest omnia (Cio. An. 
4, 16, 10); er Inf alles (= - gihf sich alle Mühe) facit omnia, manch- 
mal verstärkt durch seduto wie Vatin. bei Cic. fam. 5, 10 a, 2 faciam 
omnia sedulo, vgl. .Marx zu Lucil. 2, 64, Schmalz Progr. Mannheim 



Omnisciens — 214 — Onustus 

1881 S. 21; auf ihm beruht für mich alles, in hoc mihi sunt omnia; 
vgl. dazu Lucil. 6, 243; 26, 614 und Cic. de or. 2, 215 in quo sunt 
omnia, sowie Marx zu Lucil. 6, 243; jedoch über alles geht, dass du 
von der Art bist, super omnia est tarnen — (Plin. paneg. 26); sogar 
wie wir sagen: ist alles wold (gesund)? rectene omnia f (Plin. epp. 3, 
17, 1). — 12) Die Deklination von omnia in Kl. Sprache ist: omnia, 
omnium rerum, omnibus rebus, omnia, omnibus rebus. Doch hat 
schon Cicero z. B. div. 2, 61 rationem omnium reddet, nat. deor. 
2, 133 ratio est, quae praestet omnibus u. ä. öfters, seltener 
Caes., aber doch z. B. civ. 1, 52, 1 his omnibus annona crevit, 
wo die Beifügung von rebus bei Kubier (nach Paul) unnötig ist, vgl. 
Lebreton Caes. S. 27, 30 und 111 ff.; auch finden wir solches bei 
Sali., vgl. lug. 90, 1 igitur consul omnibus exploratis exornat, und dann 
N. Kl. ist fast regelmässig omnium, omnibus. Schulmässig ist für „in 
allem, in jeder Beziehung u nur omnibus rebus, vgl. Cic. Q. fr. 3, 1, 16 
cui quidem vehementer satis facio rebus omnibus, fam. 6, 7, 2 omnibus 
rebus felix est, vgl. Andresen zu Plane, bei Cic. fam. 10, 23, 6. 
Näheres hierüber Z. f. Gymn. 1881 S. 116, Riemann Etudes S. 94, 
Landgraf S. Rose. S. 211, Kunze Sali. III, 1, 57 Anm. 31. — 13) Der 
Acc. adv. omnia ist nicht klass. ; Verg. hat ihn zweimal, Aen. 4, 558 
u. 9, 650, die Prosa erst seit Fronto, vgl. Archiv II S. 96, Novak 
Liv. 1894 S. 240. Dass omnibus partibus Kl. nie = in jeder Hin- 
sieht bedeutet, vielmehr = unendlich ist, z. B. omnibus partibus 
maior, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 326 f. — 14) Dass Cicero gerne 
zwei Formen von omnis zusammenstellt, um einen möglichst um- 
fassenden Ausdruck zu gewinnen, ist schon oben s. v. Miätus an- 
gemerkt, vgl. Cic. Verr. 5, 126 omnes omnium nationum peeunias, 
näheres mit vielen Belegen sehe man bei Andresen zu Plane, bei 
Cic. fam. 10, 24, 2, meine Stilist. 3 § 62 Anm. 2, Wiehert Stil. S. 487, 
Marx zu Lucil. 1233, Seyffert-Müller z. Lael. S. 147. Aber die Zu- 
sammenstellung omnes universi ist nicht klass. ; Plaut, wird sie wohl 
Trin. 1046 haben, vgl. Sjögren S. 18, dann aber erst die Archaisten, 
vgl. Wölfnin Münch. Sitzungsber. 1880 S. 427, Sittl Lok.Versch. S. 97, 
Archiv XII S. 192. 

Omnisciens, allwissend, und omniscientia, die Allwissenheit, 
kommen nur in der neuern theologischen Kunstsprache vor, nicht 
in der alten ; omniscius jedoch steht Sp. L. z. B. bei Ps. Augustin. 
med. 35, 3 ; spec. 16, vgl. Georges Jahresber. 1884 S. 92 und Archiv 
III S. 263. Man sage: qui omnia seit, quem nihil fugit, nihil fallit, 
nihil praeterit u. a. und scientia omnium rerum. Mit einer schönen 
Paronomasie heisst es im Append. ad opp. Leon. M. III S. 688 
und 689 (M.) von Gott dem Sohne und dem heiligen Geiste: omnia 
(eos) posse et nosse. Die Theologen mögen jene Wörter auch ferner 
brauchen. 

Onustus, mit etwas beladen, beschwert, wird in Kl. Prosa nur 
mit dem Abi., aliqua re, verbunden; die Verbindung mit dem Ge- 
nitiv ist sehr selten, Haustein S. 20 zitiert nur Plaut. Aul. 611 und 



Opera — 215 — Opera 

617, b. Afr. 63, 3, Tac. ann. 15, 12. Kl. Stellen für onnstus mit Abi. 
sind Cic. Yerr. 1, 46; 4, 23; 5, 44; off. 3, 12, div. 1, 60. Vgl. 
noch Köhler act. Erl. I S. 424, Wölfflin im Archiv IV S. 99. 

Opera ist die Müh Walking, der Dienst, daher der Plural operae 
forenses, Cic. fin. 1, 10, die Dienstleistungen auf dem Forum be- 
zeichnet. Von opus unterscheidet sich opera dadurch, dass opera 
jede Bemühung, die zur Dienstleistung wird, bezeichnet, dieselbe 
mag in Worten oder in wirklichen Werken bestehen ; opus dagegen 
ist die Werktätigkeit oder konkret das Werk einer produzierenden 
Tätigkeit, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 449. Sagen wir nun im 
Deutschen sich Mühe geben bei, in etwas, so ist wohl zu merken, 
dass operam sibi dare reiner Germanismus wäre, es heisst dies lat. 
stets operam dare (ohne sibi) alicui, alicui rei; dare ist hier = ztMvac 
= (Mühe) verwenden auf, vgl. Thielmann Dare S. 117. Im Deutschen 
bedienen wir uns dabei oft des Plurals : seine Dienste zu etwas ver- 
sprechen, anbieten, einem weihen-, dafür sagt man lat. stets operam (nicht 
operas) polliceri, promittere etc. ad aliquid, auch wo von mehreren 
die Rede ist, z. B. Cic. S. Rose. 20 operam suam pollicentur , ib. 153 
operam vestram profitemini, Caes. civ. 3, 59, 1, Sali. lug. 28 ; 1 und 40, 6, 
Tac. Agric. 42. Doch steht der Plural von den verschiedenen Fällen und 
Arten, in denen die opera sich bemerklich macht, z. B. pleraque 
sunt hominum operis effeeta, Cic. off. 2, 12. Auch im geistigen Sinne 
sagt man operam dare alicui von einem, der jemandes Zuhörer und 
Schüler ist: operam dat alicui (magistro, doctori), z. B. Suet. Caes. 
4 ut Apollonio Moloni clarissimo tunc dicendi magistro operam daret, 
vgl. Bagge S. 37 und Seyffert-Müller z. Lael. S. 9, Boot zu Cic. Att. 
4, 15, 6. Unsicher ist dare operam in aliquam rem, was nur bei 
Cic. (Tusc. 1, 7) vorkommt: in quam exercitationem ita nos studiose 
operam dedimus (aber Schiche liest operam impendimus, C. F. 
W. Müller in quam exercitationem ita nos studiose dedimus). — 
Operam dare wird gewöhnlich als ein Wort behandelt, und 
darum mit ihm meistens nur Adv., nicht Adj. verbunden, wie 
studiose, enixe, diligenter, sedido, maxime, omnino, s. darüber Heu- 
mann, Programm Dillingen 1850, S. 20 und 21. Doch finden sich 
auch adjektivische Verbindungen wie egregiam operam dare alicui, 
Cic. Att. 5, 3, 3, und omnem operam dare = unserem deutschen: 
sich alle Mühe geben (letzteres ist unklassisch und nicht nachzuahmen). 
Wenn ein Verbum dazu gehört, so steht sehr selten, nie klassisch, 
der Infin. (s. Terenz Hecyr. 553), auch nicht der Genitiv des Ge- 
rundiums, sondern bejahend ut, auch der Konjunktiv ohne ut, ver- 
neinend ne (ut ne); z. B. ich gebe mir edle Mühe, omnem operam do, 
id cognoscam, Sen. contr. 9, 24, 15, S. 399 K. und Sen. v. beata 3, 
2; Pomp, in Cic. Att. 8, 6, 2 dabis operam, quam primum ad nos 
venia»; dann ego omnem operam dabo, ne per venire ml me erubescat, Sen. 
Polyb. 13 (32), 3 und: semper animadverti studiose te operam dare, 
ut ne quid meorum lil>/ esset ignotum, Cic. fam, 13, 11, 1. — Unnütz, 
d. h. ohne Erfolg Mühe vertuenden, heisst im gewöhnlichen Leben 



Operari — 216 — Opinarius 

oleum et operam perdere, so bei Plaut. Poen. 332 und Cic. fam. 7, 
1, 3; ob das Bild von der Nachtlampe oder von der Palästra oder 
von dem Ol in der Küche zum Bereiten der Speisen oder von der 
Ölbereitung hergenommen ist, bleibe dahingestellt; vgl. Wölfflin 
Allitt. S. 29 (wo aber Briefe an Marius und an Atticus zu 
schreiben ist) und S. 72, sowie Otto im Archiv YI S. 14. Das 
Passiv lautet: oleum et opera perlt bei Cic. Att. 2, 17, 1, vgl. noch 
Macrob. sat. 2, 4, 30 opera et impensa periit. — Die Phrase dedita 
opera = consulto, de industria stammt aus alter Zeit, wo man noch 
sagte operam dedere, was in Kl. Sprache durch operam dare ganz 
verdrängt war ; dedita opera steht öfters bei Cicero, z. B. S. Rose. 
104, Att. 8, 14, 1 und sonst, in den Briefen stets mit mitter e, vgl. 
Landgraf elocut. S. 25, Thielmann Cornif. S. 41, Landgraf zu Cic. 
S. Rose. S. 326, P. Meyer im Progr. Hof 1900 S. 9; für Livius vgl. 
M. Müller zu Liv. 2, 29, 2. Data opera findet sich nicht bei Cic, 
aber bei Cael. in Cic. fam. 8, 1, 1, Plin. epp. 7, 12 extr., beim Ju- 
risten Gaius, bei Ulpian, Porphyrio, vgl. Kalb in Wölfflins Archiv I 
S. 83, Burg S. 65. Die Ellipse dedita ohne opera steht bei Cic. Att. 
15, 4, 4, vgl. Näg.-Mülier 9 S. 128. — Operae pretium est mit Inf. 
ist klass., z. B. Cic. agr. 2, 73 est operae pretium diligentiam maiorum 
recordari. Operae est ohne pretium hat Liv. öfters, vgl. M. Müller 
zu Liv. 1, 24, 6, Nieländer 1894 S. 10; schon bei Plaut, lesen wir 
operae non est ===== er hat keine Zeit, vgl. Lor. zu Plaut. Mil. 251, 
wofür Cic. Q. fr. 3, 4, 4 deest mihi opera sagt. 

Operari alicui rei, oder absol. = sich mit etivas (Geistigem oder 
Materiellem) beschäftigen, z. B. rebus domesticis, materiis caedendis, 
studiis, scholae kommt Kl. nirgends vor; Livius hat das Yerbum 
wie manches andere aus Yergil in die Prosa eingeführt, vgl. Wölfflin 
zu Liv. 21, 62, 6; es findet sich N. Kl. bei Colum. 12, 4, Yal. Max. 
8, 7, 4 ext., Plin. nat. 26, 11 und 11, 25, Tac. ann. 3, 43, hist. 5, 
20, Quintil. 10, 3, 13. Ganz gewöhnlich aber ist operari als t. t. 
der Religionssprache eine gottesdienstliche Handlung verrichten, einer 
Gottheit ein Opfer darbringen. S. darüber Yal. Max. 6, 6, 1, Tac. 
ann. 2, 14, Curt. 8, 10, 17 und das. Mützell, Liv. 1, 31, 8 und 10, 
39, 2, Rothstein zu Properz 2, 28 b, 45; 33, 1, Marx zu Lucil. 992. — 
Das Partiz. operatus hat bei den Bessern fast nur die Bedeutung des 
Präsens oder eines Adjektivs, beschäftigt, und nimmt daher zur Be- 
zeichnung der Yergangenheit fui, nicht sam, zu sich. So sagt schon 
Pompon. 133 R. ad Veneris est profectus, votum ut solveret: ibi nunc 
operatus est — „beim Opfer u ; vgl. Nipp.-Andresen zu Tac. ann. 2, 
14, Lorenz II S. 23, der sagt, dass das Wort überwiegend der reli- 
giösen Sphäre angehört. — Aktives operare ist Sp. L. und selten, vgl. 
Rönsch Coli. phil. S. 172, passives operatus steht erst bei Lactanz, 
Tert., Jul. Yal., \g\. Neue -Wagener 3 III S. 71. Ygl. noch unten s. v. 
Opus. 

Opinarius, eingebildet, ist N.L. für opinatus,fictus, animo cogitatus 
u.a.; — auch kann man es umschreiben durch quod in opmione est. 



Opinatio — 217 — Opinio 

Opinatio ist weniger die Vermutung selbst, welche opinio heisst, 
als das Vermuten als Handlung. Vgl. Klotz zu Cic. Tusc. 4, 15 u. 
Raschig, Progr. S. 34. 

Opinatus, a, um, eingebildet, in passiver Bedeutung, scheinbar, 
auf Vermutung beruhend, vermutlich, ist ein philosophisches Kunst- 
wort, welches Cicero in Yerbindung mit bonum und malum braucht-, 
vgl. Cic. Tusc. 4, 11. Erst im Sp. L. hat es die. Bedeutung be- 
rühmt, z. B. Yulg. Jud. 2, 13 civitatem opinatissimam, vgl. Ott Progr. 
Rottweil 1869, S. 12; opinati philosophi bei Firm. Mat., vgl. Dressel 
S. 26. 

Opinio. Einen auf eine Meinung führen, bringen heisst bei 
Nepos Dat. 6, 6 aliquem in opinionem adducere, mit folgendem Accus, 
c. infin. Aber Kl. wird noch ein vermittelndes ut putet eingefügt 
und damit dann der Accus, c. inf. konstruiert, vgl. Cic. Caec. 13 
in eam opiniojiem Caesenniam adducebat, ut nihil putaret agi ccdlide 
posse; Att. 2, 24, 3 res erat in ea opinione, ut putarent, vgl. Müller 
Inf. S. 13. — Der Meinung jemandes sein heisst regelmässig sum all- 
cuius (tuae, illius) seyitentiae, nicht opinionis, aber nicht deswegen, 
weil niemand der opinio eines andern beipflichten wird. Offenbar 
falsch ist nämlich früher im Antibarbarus behauptet worden, opinio 
sei nur eine vermutliche, nicht auf Gründe gebaute Meinung. Auch 
die (vernünftige) opinio hat ihre Gründe, nur dass sie für das Subj. 
nicht genügend, überzeugend und durchschlagend sind. Letzteres 
aber liegt gerade in sententia. Alicuius sententiae esse nun bietet 
in sententiae den Genit. possessiv, einer Überzeugung gleichsam an- 
geliörig, zu eigen sein, Liv. 27, 25, 5. Dieser zur Bezeichnung fester 
Überzeugung ganz geeignete Ausdruck wäre aber für den Begriff 
von opinio offenbar zu stark und wird deswegen lat. nur ausnahms- 
weise (s. Colum. 2, 12, 6) angewendet, während esse in opinione 
aliqua, eddem, qua u. ähnl. ein freieres Verhältnis zwischen dem Subj. 
und der opinio statuiert und deswegen auch oft vorkommt. S. Cic. 
Cluent. 142, Attic. 8, 11, D, 3, Liv. 44, 38, 4, Quintil. 3, 3, 11 u. 
4, 1, 28, Lact. 2, 5, 7 u. 3, 8, 32. Nach alle dem ist daher auch 
opinioni, opinionibus alicuius decedere, assentiri, oninionem alicuius 
sequi (Suet. Aug. 88) vom Antibarb. früher mit Unrecht verworfen 
worden. 8. darüber Quintil. 2, 15, 29, Tac. Germ. 4, Lact. 3, 29, 
8. — Wo wir sagen: im Rufe grosser Tapferkeit etc. stellen, 
nimmt der Lateiner das Attribut immer zu dem für unser Ruf ge- 
setzten Subst. : sammam habere iustitiae opinionem, Caes. Gall. 6, 24, 
3 und 7, 59, 5; quorum de iustitia magna esset opinio muJti- 
tudiuis, Cic. off. 2, 42; vgl. auch Caes. Gall. 2, 8, 1. Das gleiche 
gilt für fama, z. B. Tac. ann. 14, 29 magna, dum vixit, severitatis 
f'ama. — Wider Vermuten ist klass. praeter opinionem, so immer 
Cicero, z. B. Verr. 2, 182, bei Caes. und Hall, auch contra opinionem, 
z. B. Caes. Gall. 3, 9, 6, aber nicht adversus opinionem, was im l>. 
Afr. 46, 1 steht, vgl. Wölfflin Archiv VI 8. 99 und Stacey Archiv 
X 8. 69, sowie oben s. v. Contra. 



Opitulatio — 218 — Opponere 

Opitulatio, die Hülfe, Hülfsleistung, ist Sp. L. und nicht nach- 
zubrauchen für auxilium, opem ferre, auxilio venire; vgl. Rönsch 
Ital. S. 76, Coli. phil. S. 37, Gölzer Hier. S. 73, Schulze Symm. 
S. 27. Dasselbe gilt für opitulator, vgl. Rönsch Ital. S. 61, Gölzer 
Hier. S. 50. "Über opitidari, das sich bei Cic. S. Rose. 27 und öfters 
findet, handelt eingehend Landgraf z. St., indem er eine förmliche 
Geschichte des Wortes gibt. Ygl. jetzt auch Bergmüller Plane. 
S. 35. 

Oportere, müssen, bedeutet, wie Cicero orat. 74 sagt, perfectionem 
officii, also nicht das Müssen der Notwendigkeit, sondern das der 
Rechtlichkeit und Gerechtigkeit; somit geht oportere allemal auf eine 
Pflicht, durch deren Nichterfüllung die wesentlichste Bedingung 
eines Objekts vernichtet wird; umgekehrt aber bezeichnet non opor- 
tere — die Ungerechtigkeit, es dürfe etwas nicht geschehen. Vgl. über 
den Unterschied von oportere, necesse esse, opus esse, debere und der Coni. 
periphr. Seyffert-Müller z. Lael. S. 286 und S. 93, Boot zu Cic. Att. 

4, 6, 2, Tegge S. 141, Reisig - Haase ed. Schmalz und Landgraf 

5. 742, sowie folgende bezeichnende Stelle: si loquor de re publica, 
quod oportet, insanus, si, qnod opus est, servus existimor, Cic. 
Att. 4, 6, 2. — Über die Herleitung von ob-orior, so dass id facere 
nie oportet ■= das Tun dieser Sache tritt an mich heran wäre, vgl. 
Zimmermann im Archiv YII S. 437. — Das Verbum, welches von 
oportere abhängt, werde nie mit der Konj. ut verbunden, was 
Sp. L. ist, z. B. Augustin civ. D. 1, 10, vgl. Bonnet Greg. S. 647, 
Dahl S. 249, sondern mit dem Inf. (Acc. c. inf.), was bei Cicero 
Regel ist; der Konjunktiv folgt nur auf oportet und seltener opor- 
tebit, vgl. Stegmann N. Jahrb. 1887 S. 259. Der Dativ beim Inf. 
ist Sp. L. bei Tert. paen. 7 delinquere non oportet audientibus, vgl. 
Hoppe Synt. Tert. S. 30. Dass auch der aktive Infinitiv steht, wo 
keine Person genannt ist und überhaupt nicht genannt werden kann, 
zeigt Cic. off". 3, 3 ex maus eligere minima oportere, vgl. Madvig zu 
Cic. fin. 1, 30. 

Oppetere, für sich allein in der Bedeutung sterbe?!, ist P. L. und 
kommt N. Kl. in Prosa nur beim altern Plinius, Tacitus und ähn- 
lichen vor; Kl. und bei allen bessern steht es nur mit dem Zusätze 
mortem, P. L. und daher auch in der poetisierenden Prosa, z. B. 
Liv. 45, 26, 8, mit letum, Sp. L. z. B. Amm. 20, 4, 8 mit morte. 
Es wird aber nur vom unnatürlichen Tode gebraucht, sei es durch 
eigene oder fremde Hand (auch Enn. Sc. 203?). 

Opponere, entgegenstellen, entgegensetzen ; — einem etwas, alicui 
aliquid, nie aber ohne Objekt im Accus. Daher ist es N. L., wenn 
man in gelehrtem Streite sagt alicui opponere und halbdeutsch einem 
opponieren, für alicui adversari oder se alicui opponere: his opposuit 
.sr.se Socrates, Cic. Brut. 31 und rationibus labores opponere = ent- 
gegenhalten, rep. 1, 4; und so ist es auch N. L., denjenigen, 
welcher einem andern widerspricht und ihn widerlegen will, opponens 
zu nennen, was im N. L. in Disputationen als Kunstwort oft vor- 



Oppositivus — 219 — Optare 

kommt, für adversarius oder qui respondet. Doch hat opponere bei 
Cicero in den Reden und rhetorischen Schriften nicht selten die Be- 
deutung von erwidern, entgegnen: quid habes, quod mihi opponas, 
Cic. Phil. 2, 8 und § 9. Es soll ferner der Redner nach Cicero 
ante occupare, quod videat opponi, orat. 138, top. 92 und 96. Vgl. 
auch part. orat. 103 und Quintil. 3, 6, 98 und 5, 13, 53. Auch im 
erörternden (dialektischen) Sinne wird opponere so gebraucht, z. B.: 
quotiens quis dixerit, „occidit Alexander Persarum malta miliei", 
opponetur „et CallistJienem" , Sen. nat. 6, 23, 2, epp. 117, 5 und 118, 
8 und 9. So steht oppositum esse = contrarium esse, im Gegen- 
satz stehen, auch bei Cic. rep. 2, 51 und das Yerbum opponere, ent- 
gegenstellen, acad. 2, 131 und fin. 2, 42. Einem etwas entgegen- 
stellen, entgegensetzen, kann man auch ganz gut durch aliquid edicui 
contrarium ponere nach Cic. fin. 3, 40 u. ibid. aliquid edicui contrario 
nomine opponere übersetzen. — Erst Sp. L. ist das substantivierte Neutr. 
oppositum in der Bedeutung Gegensatz für contrarium. S. darüber 
Cic. fin. 4, 67, inv. 2, 165. Man nenne daher z. B. sanus und aeger, 
saluber (sedubris) und pestilens, dives und pauper — nicht opposita, 
sondern contraria. Auch nannten die Alten die Gegenüberstellung, wie 
aut hoc, aut illud, nicht oppositio, sondern disiunetio. Ygl. Cic. topic. 
56, fat. 37. — Wenn als Naturwunder gesagt wird: die Flüsse 
strömten in entgegengesetztem Laufe nach der entgegengesetzten Seite, 
so sagte man nicht: in oppositas partes, sondern in contrariets partes 
fiuxerunt (Cic. div. 1, 78). — Getadelt wird auch als unerwiesen 
se in discrimen opponere, sich der Gefahr aussetzen, für se discrimini, 
periculo, periculis opponere, wiewohl se in discrimen offerre richtig 
sei und auch obicere mit in aliquid verbunden werde. 

Oppositivus, ist N. L. für adver seitivus, z. B. vim habet opposi- 
tivam, für adversativam oder adversandi, oecurrendi. 

Opprobrare edicui aliquid, einem ettvas schmäJienel oder zur 
Beschimpfung vorwerfen, ist nur A. und Sp. L. für exprobrare, 
probrum alicui inferre oder iaetare in aliquem ; vgl. Gölzer Hier. 
S. 184. 

Opprobrium ist für die Kl. Sprache nur durch ein Fragment 
aus Cicero (rep. 4, 3) erwiesen, vgl. Nieländer 1874 S. 23. Das Wort 
ist in Kl. Zeit überhaupt selten; es steht noch bei Catull 28, 15, 
Nep. Ep. 6, 3. Die Phrase opprobrio esse finden wir ausser bei Cic. 
rep. 4, 3 noch Nep. Con. 3, 4, Prop. 5, 1, 6, Ov. trist. 2, 445, Quintil. 
3, 7, 19, Pseudo-Cic. in Sali. 5, 15, Suet. gramm. 24. Vgl. Lupus 
S. 44 und S. 214, Nieländer 1877 S. 14 und S. 36; 1894 S. 10. 

Optare, wünschen, dass . . wird lat. meist mit ut ausgedrückt. 
1) Die Kl. Prosa hat nie den Infinitiv nach optare, Caesar gebraucht 
das Wort optare in seinen Kommentarien überhaupt nicht; wir lesen 
es bei ihm nur in einem Briefe, vgl. Cic. Q. fr. 2, 10, 4, Kubier frg. 
Caes. S. 140, Frese S. 26; jedoch finden wir optare mit Inf. bei 
Ilirtius Gall. 8, '.), 2 Caesar <>tsi dimicare optaverat Der A.cc. o. inf. 
nach optare steht Kl. nur, wo ein Verb, senk mit optare konkurriert, 



Optare — 220 — Optare 

z. B. Cic. fam. 10, 20, 3 quem te esse opto et confido futurum, Phil. 
5, 51 qucdem eum maxime velle esse et optare debemus, oder wo die 
Konzinnität es verlangt oder die Konstruktion im Zusammenhang 
weniger auffällig erscheint, z. B. Cic. de or. 1, 87 ut ipse eis, apud 
quos ageret, Ullis, qucdem se esse optaret, videretur. Aus klass. Zeit 
stammt ferner Hirtius Gall. 8, 41, 2 hoc fönte prohiberi posse oppi- 
danos cum optarent reliqui. Für den Sprachgebrauch des Plaut, 
und Terenz vgl. Reinkens S. 9 und S. 20; Enn. hat ann. 560 sese 
laudarier Optant, Lucil. 235 quid ipsum facere optes. 2) Im N. Kl. findet 
sich nach optare der Infinitiv, z. B. cuius integra re consilium ex- 
quirere optassem, Plin. epp. 3, 4, 2; offlcia mandare deponere optayi- 
tibus, pan. 87, 2; Dareus equestri proelio decernere optabat, Curt. 3, 
11, 1 und 4, 12, 5; carmina et versus, quibus totam vitam Maternus 
insumere optat, Tac. dial. 9 init. ; vir, quo meliores Uberos habere 
ne opto quidem, Suet. Otho 1, extr. Für den Accus, c. infin. zeugen: 
impleri sinas optabimus, Quintil. 20, 7, 23, und (der Konzinnität 
wegen gesetzt) qui ipsum ex India sospitem aut optassent reverti aut 
credidissent reversurum, Curt. 10, 1, 7, vgl. Yogel z. St. 3) Der blosse 
Infin. steht auch Kl. nach praeoptare, wie: multi ut praeoptarent 
scutum manu emittere, Caes. Gall. 1, 25, 4 und nach exoptare: ego 
multis de causis te exopto quam primum videre, Cic. fam. 4, 6, 3. 
Ebenso steht Kl. nach den unpersönlichen Ausdrücken optandum, 
optabile est u. ähnl. der Inf. oder Acc. c. inf., z. B. Cic. Phil. 13, 49 
optatissimum est vincere, Cato 86 exstingui homini suo tempore 
optabile est, Yerr. 5, 183 mihi optandum illud est in hoc reo 
finem accusandi facere; vgl. noch Yatin. 8, Phil. 3, 17 u. a. Näheres 
siehe bei Müller Inf. S. 20, Anm. und Schmalz Pollio 2 S. 27, wo 
ich auch für optandum est ut und optabile est ut Beispiele beigebracht 
habe, Hildebrandt 1854 S. 18, Reichenhart Inf. S. 466, Schmidt Inf. 

5. 115. N. L. steht opto mit dem Gerund., z. B. opto mutandum, 
ich wünsche, dass es geändert werde, für ut mutetur. 4) Optare 
aliquid ab aliquo, ut . . von den an Gott gerichteten Bitten ist ganz 
gut, nach Cic. Catil. 2, 15; 3, 4, nat. deor. 1, 122, Pomp. 48, Liv. 
21, 43, 5; 28, 39, 13. Was optare alicui aliquid betrifft, so ist zu 
bemerken, dass es meist in malam partem = imprecari von dem 
Bösen, das man jemanden anwünscht, wie mortem, fugam, exsilium 
gesagt wird. S. darüber Cic. Pis. 46, Liv. 28, 27, 10, Sen. benef. 

6, 25, 2, ibid. c. 35, 4 und c. 37, 2, Lact. inst. 5, 19, 31. Selten 
wird es im guten Sinne angewendet, wie equidem tibi bona optavi 
omnia, Plaut. Rud. 639 und: tibi optamus eam rem publicam, in 
qua . . Cic. Brut. 331. Optamus tibi . . in proximum annum con- 
sidatum, Plin. epp. 4, 15, 5. Hoc (aurum argentumque) suis Optant, 
Sen. epp. 115, 11. JBene optare alicui kommt öfter bei August, vor, 
z. B. serm. 57, 6 (dreimal), was ganz gut ist, da auch N. Kl. bei 
Seneca steht: ei bene optate, qui vos ex hac voragine eduxit, Sen. 
de ira 3, 22, 3. Für unser: einem Glück wünschen sagt man 
auch optare, ut aliquid feliciter eveniat, velle oder cupere alicui 



Optice — 221 — Opus 

aliquid feliciter evenire, auch votis oder bonis ominibus aliquem pro- 
sequi, und bei etwas schon Geschehenem gratulari de aliqita re. 
Vgl. mehr darüber unter Gratulari. 

Optice, die Optik, kann als griech. Kunstwort unbedenklich lat. 
geschrieben aufgenommen werden, wie es auch Vitruv 1, 1, 4 ge- 
tan hat. 

Optimus. Wir brauchen im Deutschen das Neutr. das Beste 
als Subst. in der Bedeutung das Wohl, der Vorteil, z. B. das Beste 
des Staates; aber im Lateinischen sagt man nicht Optimum rei pu- 
blicae, sondern bonum publicum, salus publica, salus rei publicae 
{publica utilitas, Tac. ann. 1, 10) u. a. Bemerkenswert ist, dass dem 
pessimum publicum bei Livius sich kein entsprechendes Optimum 
publicum findet. 

Optio, die Wahl, Freiheit zu wählen, ist gleich gut mit und 
ohne den Zusatz eligendi, wiewohl es meistens ohne denselben steht. 
Die Wahl lassen, verstatten, heisst gewöhnlich optionem dare (Cic. 
Brut. 189 und öfter) oder optionem facere oder deferre (Cic. Att. 4, 
18, 3; 19, 2 Wes.), aber nicht optionem ferre ; unrichtig ist si 
optionem tibi Dens tidisset, für dedisset, fecisset, detulisset. Spätlat. 
sagte man dafür auch optionem tribuere. S. Hier, in Matth. S. 33, 
H. und Ambros. ed. Migne I, S. 265. Optionem proponere findet 
sich Ambros. poenit. 2, 6, 50 und August, trin. 14, 19. Vgl. Land- 
graf zu Cic. S. Rose. S. 193. 

Opxdenter heisst zwar reichlich, so Sali. lug. 85, 34, aber nirgends 
Kl., doch reichlich wiedergeben heisst nicht opulenter reddere, sondern 
cumulate, nach Cic. fam. 13, 4, 1 cumidatissime mihi gratiam ret- 
tiderunt. 

Opus, das Werk, und opera, die Werke, werden heutzutage ganz 
allgemein von den ivissenschaftlichen oder künstlerisclien Werken ge- 
braucht, z. B. hoc opus Ciceronis, opera Homeri, opera omnia Piatonis 
u. dgl. Opus ist aber nicht nur das Werk, die Arbeit eines Künstlers, 
wie z. B. eine Bildsäule ein opus Polycleti, Myronis u. s. w., und über- 
haupt alles der Art, was zum Bau-, Kriegs- und übrigen Künstler- 
Wesen gehört, opera genannt wird, sondern es kommt auch von 
Büchern und Schriften eines Mannes vor. Dieser Gebrauch findet 
sich zuerst bei Cicero, der den Varro acad. post. 1, 2 sagen lässt: 
habeo opus magnum in manibus ; vgl. noch fam. 16, 18, 3 an pangis 
aliquid Sopliocleum? fac opus appareat! Gewöhnlich versteht man 
unter opus ein grösseres Ganzes, vgl. Plin. nat. 1, 1 libros naturalis 
historiae, novicium opus, Quintil. von seinen institutiones oratoriae 
12, 11, 24 perficere tantum ojms, vgl. noch Quintil. 4, 1, 34: quod 
Homerus atque Vergilius operum suorum prineipiis faciunt; von 
Aristoteles rühmt er unter anderm auch die varietas operum die 
Mannigfaltigkeit seiner Schriften, ibid. 10, 1, 83 und ibid. § 89 und 
97 und 3, 6, 64 und 4, Prooem. § 1. Cicero hat auch den Aus- 
druck opusculum eingeführt; vgl. aeeipies igitur hoc parvu/m opusetdum 
lucubratum his iam contractioribus noctibus, parad. prooem. 5, wo er 



Opus — 222 — Opus 

also seine Paradoxa ein parvum opuscuhim nennt. Die Bezeichnung hat 
sich erhalten, vgl. Hör. ep. 1, 19, 35; 1, 4, 3; Stellen aus dem Sp. L. 
siehe Archiv YI S. 253. — Wiewohl opus — Mühe und Arbeit heisst, 
so ist doch zu bezweifeln, ob man mit leichte?' Mühe durch facili 
opere, mit grosser Mühe, mühselig durch magno opere, ohne alle Mühe 
durch nullo opere übersetzen könne. Falsch ist wohl locus facillimo opere 
(für facillime) emendari potest. Ygl. oben Negotium. — Nicht N. L. 
nennen die Theologen gute Werke, d. h. gute Handlungen, bona opera, 
für bene facta, bonae actiones, und gute Werke tun — bene facere; denn 
bona opera ist die lat. Übertragung der xaXä ipya des N. T. bei Matth. 
5, 16 und findet sich dann bei Cypr. epp. 18, 2, Ambros. off. m. 1, 
31, 163, Hier. opp. II S. 88 (D.) und sonst, endlich auch bei Lac- 
tanz inst. 3, 9, 15; 6, 18, 9 und sonst oft. Ja, man nahm so- 
gar aus der plebeischen Sprache dafür operae herüber und sagte 
operas bonas facere; allein Cyprian braucht nur bona opera, und 
diesen Ausdruck, sowie das Verbum operari werden wir für die 
klassische Bezeichnung des christlichen Begriffes der guten Werke 
erklären müssen; vgl. Koffmane Kirchenlat. S. 93 und S. 79. 

Opus (indecl.), nötig. Die vielbesprochene Phrase opus est hat 
in Wölfflins Archiv II S.207 ff., IY S. 152 und 325 und für die klass. 
Sprache in N. Jahrb. 1887 S. 252 (durch Stegmann) eine eingehende 
Behandlung gefunden; vgl. meine Syntax 3 § 90 Anm. 4. Darnach 
ist opus est nach Analogie von usus est mit Ablativ konstruiert 
worden und hat dann das letztere verdrängt. Die Bedeutung von 
opus est ist es ist geholfen mit etwas, z. B. Liv. 43, 19, 4 nihil 
Oaeneo capto opus esse, nisi in potestate et Draudacum sit, mit der 
Einnahme von 0. sei nichts geholfen. Die Verbindung von opus est 
mit Gen. ist nicht Kl., sie findet sich an folgenden Stellen: Lucil. 
334, vgl. dazu Marx, Properz 2, 10, 11 und dazu Rothstein, Livius 
22, 51, 3; 23, 21, 5; Quintil. 12, 3, 8; Apul. met. 9, 39; vgl. dazu 
Frigell Epileg. zu Liv. 23 S. 30, sowie Hoerle S. 56 und Riemann 
Etudes S. 269. Opus est mit Acc. ist A. L. und Sp. L., z. B. Claud. 
Mam. 65, 15 E. attentiorem mihi lectorem opus est; vgl. Engelbrecht 
B. 37, Zink II S. 43. — Wozu etwas nötig ist, wird durch ad, in 
aliquid ausgedrückt, z. B. ad valetudinem (Cic. fam. 16, 4, 2, Liv. 
37, 18, 10), si quid opus erit in sumptum, Cic. Attic. 8, 5, 2. Tanto 
maiore pecunia in Stipendium opus erat, Liv. 5, 10, 5. Auch der 
Dativ geht an: quae curando vulneri opus sunt, sedulo comparat, 
Liv. 1, 41, 1 (jedoch bestritten von Novak Liv. Prag 1894 S. 242, 
der opus tilgen will) und 30, 30, 11. Ob für opus est aliqua 
res in äliquam rem auch Liv. 30, 4, 6 zu zählen sei, ist sehr 
zweifelhaft, denn dort ist quae in rem opus erant falsche Lesart 
für quae in rem erant, s. Luchs zu der Stelle. Ein davon ab- 
hängiges Yerbum folgt meistens im Infinitiv oder Accusativ (aber 
nicht Dativ) mit dem Infinitiv (die Stellen aus Cic. und Caes. hat 
Stegmann 1. 1. S. 253), sehr selten mit dem blossen Konjunktiv oder 
dem Konjunktiv mit ut, was A. L. und N. Kl., sowie Sp. L. ist. 



Ora — 223 — Ora 

So steht der blosse Konj. bei Plaut. Merc. 1004 nihil opust resciscat, 
dann mit positivem opus est bei Plinius Ep. 9, 33, 11, und der 
Konj. mit ut A. L. bei Plaut, wiederholt und bei Tac. dial. 31, vgl. 
Gudeman z. St. und Dahl S. 249, auch Bennett Critique S. 72. — 
Was die persönliche Konstruktion von opus est aliquid betrifft, so 
ist dieselbe Regel bei den Neutra der Pronomina und Adjektiva: 
hoc, illutl opus est, illa, midta opus sunt, bei substant. Wörtern da- 
gegen selten, z. B. Cic. fam. 2, 6, 4 dux nobis et auctor opus est; 
Cic. Yerr. 3, 196; de or. 1, 251; inv. 2, 57; hier wird der Abi. 
vorgezogen, z. B. Cic. leg. 3, 5 magistratibus opus est. Ja, opus est 
c. abl. muss nicht nur für die fragenden und negativen Sätze, in 
denen der Abi. nach Madvig allein vorkommt, sondern nach dem, 
was eben über die persönliche Konstruktion erinnert wurde, geradezu 
als das Gewöhnliche und Regelmässige überhaupt gelten, so dass 
Stellen, wie nil sibi divitias opus esse, Cl. Quadrig. bei Gell. 17, 2, 
15 sehr selten sind; Livius hat z. B. nur eine, 2, 3, 3 tibi ins opus 
sit, vgl. Novak Czeske Mus. filol. 1900 S. 91. — Über die Konstruktion 
mit dem Part. Perf. Pass., wie proper ato opus est s. meine Anm. 
zu Reisig-Haase S. 796, Wenger S. 18, meine Syntax 3 § 90, Anm. 

4, Landgrafs Anm. 564 e zu Reisig-Haase, Thielmann Cornif. S. 66, 
Novak Czesk. Mus. filol. 1900 S. 93 (öfter bei Livius), Keller Etym. 

5. 81 ; sie findet sich oft bei den alten Dichtern, bei den guten 
Prosaikern zumeist nur in formelhaften Verbindungen, wie maturato, 
properato etc. opus est, z. B. Cic. Mil. 49 properato opus est, Caes. 
Gall. 1, 42, 5 opus esset facto. Noch seltener ist opus est mit IL 
Sup. ; bei Cicero findet sich keine Stelle (inv. 1, 28 liest man quam 
opus est ohne scitu), auch nicht bei Caesar, aber Plaut. Cist. 111 si 
quid tibi opus est promptu, Ter. Ad. 740 quod maxiine est opus iactu, 
Haut. 941 dictu opus est; vgl. Sjöstrand S. 22. — Falsch ist non 
oder nihil opus est quod — , für non opus est mit dem Infinitiv, oder 
noch gewöhnlicher non est, quod oder nihil est, quod ohne opus. — 
Fast einzig ist, was nur N. Kl. bei Columella (9, 1, 5) vorkommt, 
opus habere aliqua re; er sagt: ut graminibus, ita frugibus robur- 
neis opus habent, vgl. Kottmann S. 13. Ausser ihm hat es nur noch 
Sp. L. der Kirchenvater Augustin und Hier. opp. IY S. 9, K. und 
S. 52, K. und sonst; opus habere aliquid ist Sp. L. und selten, z.B. 
Past. Herrn. Vis. 3, 10, 6 interrogatio humilitatem opus habet ; weniger 
auffällig ist quid und num aliquid ojms habesf Näheres bietet 
Rönsch Sem. IIIS. 61. Opus habere ut . . ist alte lat. Übersetzung 
von I Thessal. 5, 1 bei Ambros. de fide, 5, 17, 213. — Nötig haben 
in der Bedeutung bedürfen heisst indigere ; sonst alicui opus esse. 
Vgl. Landgraf zu Reisig-Haase S. 612, Anm. 546 a und oben s. v. 
Necesse. 

Ora bedeutet zwar den Band, z. B. eines Bechers, aber nirgends 
Rand eines Buches, Briefes, beschriebenen Blattes, für margo oder 
latus; Hier, sagt ep. 106, 46 u In lere in corpus vom Rand in den 
Text geraten. Man meide also ora codicis in der Bedeutung Rand 



Orare — 224 — Oratio 

einer Handschrift. Auch die poet. Redensart in luminis oras, 
ans Licht, verbunden mit efferre, edere, exire, vgl. Enn. ann. 114 
und 131, wird im N. L. missbraucht, indem man sie (geziert und 
manieriert) für die gewöhnlichen Ausdrücke edere oder vulgare braucht, 
z. B. librum, ein Buch herausgeben. 

Orare, bitten. Über dieses Wort haben wir eine eingehende Ab- 
handlung von Heerdegen im 3. Hefte seiner Untersuchungen über 
lateinische Semasiologie (Erlangen 1881). Darnach ergibt sich für 
Cicero, dass er wie Plautus die Verbindung mit einem äussern Ob- 
jekt der Sache meidet und eine Vorliebe für bestimmte synonyme 
Verbindungen zeigt. So ist denn unkl. orare aliquem aliquid, einen 
um etwas oder von einem etivas, wofür A. u. Sp. L. auch ab aliquo 
und cum aliquo, aber nicht ex aliquo gesagt wird. Selbstverständlich 
kann auch Kl. ein pronominales sachliches Objekt stehen, z. B. Cic. 
Att. 11, 12, 2 quod te oro. Sp. L. wird es ohne den Zusatz deum 
gebraucht, in der Bedeutung beten; doch ist dies besser durch pre- 
cari deum, precibus deum compellare, supplicare deo u. a. auszudrücken. 
— Ein davon abhängiges Verbum folgt bejahend im Konjunktiv mit 
oder ohne ut, verneinend mit ne, vgl. Cic. Att. 3, 1 te oro, des 
operam, D. Brut, bei Cic. fam. 11, 13 a, 3 orare coeperunt, ut . .; 
Caes. Gall. 4, 11, 1 orabant, ne longius progrederentur. P. L., N. 
Kl. und Sp. L. (s. Tac. ann. 11, 32, Suet. Nero 47, Ammian 25, 2, 
8, Hieron. v. ill. 16; vgl. Gölzer Hieron. S. 371, mehr Stellen haben 
Dräger H. Synt. IT S. 310 und Schmidt Inf. S. 46, Köhler act. Erl. I 
S. 444) mit dem Infinitiv. Eine auffällige Kürze des Ausdrucks 
hat Sali. ep. Mithr. 1 ad belli societatem orantur, vgl. Fabri z. St., 
Heerdegen S. 49. — Die Redensart oro te, oro vos (Sen. v. beata 
7, 1 und Liv. 5, 5, 1) ich bitte dich, wird oft wie quaeso in den 
anderen Satz, der dann mehr hervorgehoben wird, eingeschoben, und 
dann kann das abhängige Verbum im Imperativ stehen; z. B. lib- 
rum, oro te, mihi quam primum mitte, für te oro, ut mihi — mittas; 
vgl. Cic. Att. 4, 8 b, 1 die, oro te, clarius. Auch kann oro, oro te 
an der Spitze des Satzes stehen ohne Einfluss auf die Konstruktion, 
z. B. oro, obsecro, ignosce, Cic.Attic.il, 2, 3; oro te, quis tu es? 
fam. 7, 16, 2. — Wenn orare mit rogare in Verbindung steht, 
so folgt es als das stärkere auf rogare; z. B. rogo atque oro, nicht 
oro atque rogo, vgl. Cic. S. Rose. 143, div. Caec. 3, Verr. 2, 96 und 
sonst, vgl. Boot zu Cic. Att. 16, 16 B, 9, oder asyndet. rogo oro 
(Plin. epp. 6, 8, 9) ; dagegen steht es vor obsecrare, hortari und 
obtestari, und zwar zunächst asyndetisch, vgl. Plaut. Rud. 882, Cic. 
Att. 11, 2, 3, dann aber gewöhnlich mit einer Konjunktion, wie oro 
atque obsecro, oro atque obtestor, oro et hortor und zwar aus Rück- 
sichten de3 Wohllauts, da in Kl. Sprache das längere Wort den 
zweiten Platz erhält; vgl. Wölfflin Allitt. S. 18 und S. 73 Anm. 1, 
Preuss S. 95 und dazu Burg S. 74, Sjögren S. 69. 

Oratio. Für die Bedeutung Gebet ist preces, precatio der Kl. 
Ausdruck; ein frommes Gebet wäre piae preces und precatio domini, 



Oratrix — 225 — Orbis 

das Gebet des Herrn. Doch ist unrichtig gesagt worden, dass oratio 
= preces unlateinisch sei; diese Behauptung gilt nur für die heid- 
nische Latinität; anders steht es in der Vulgata und in der patris- 
tischen Literatur seit Tertullian, vgl. P. Geyer im Archiv IX S. 586, 
sowie Stangl Cassiod. S. 562. Ygl. die Worte des hl. Hieron. in 
epp. 140, 4: oratio iuxta grammaticos omnis sermo loquentium est; 
in scrijituris autem sanctis difficile orationem iuxta hunc sensum 
legimus: sed eam, quae ad preces et öbsecrationem pertinet. Ebenso 
findet sich oratio dominica bei Hier, in Jesaj. 50, F. und ibid. 100, 
I. So ist denn oratio = Gebet und orare = beten auch in die 
liturgische Sprache der katholischen Kirche übergegangen und für 
diese der stehende und damit giltige Ausdruck geworden. — Oratio 
wird zwar vorzugsweise von der kunstvollen Rede gebraucht, vgl. 
Cic. or. 64, doch aber auch von der Rede des täglichen Lebens; so 
bildet es besonders den Gegensatz zu Handlung, Gesinnung, Miene, 
Sache; vgl. Cic. fam. 7, 3, 2 in oratione ita crudeles, in ihren Worten, 
9, 6, 3 erat iis et tua invisa voluntas et mea oratio; Att. 1, 11, 1 
non modo oratione, sed tuo vultu; nat. deor. 1, 123 Epicurus re 
tollit, oratione relinquit deos. Auch findet sich oratio = Gespräch, 
z. B. Cael. bei Cic. fam. 8, 1, 3 quam orationem habuerit tecum, fac 
mihi perscribas. Ygl. noch Matius bei Cic. fam. 11, 28, 5, Phil. 9, 
8. Oratio und seimo stehen oft im Gegensatz zu litterae, z. B. fam. 
3, 1, 2. Doch nur sermo ist üblich in Phrasen wie ins Gerede 
kommen, im Gerede sein; man sagt also nicht: in orationem homi- 
num venire, für in sermonem oder in ora hominum venire, vgl. Cic. 
Yerr. 4, 13; nicht in oratione, sondern in ore, in sermone omnium 
esse, Cic. Phil. 10, 14. Ygl. Andresen zu Cic. fam. 7, 3, 2. 

Oratrix, als Femin. von orator, die Rednerin, Redende, Bittende, 
galt früher bloss für A. L. (bei Plautus mil. 1072), doch ist es auch 
Kl. (bei Cic. rep. 2, 14). 

Oratus, das Bitten, ist nur im Abi. oratu, auf Bitten, üblich, 
wobei, wie bei allen ähnlichen, zu merken ist, dass kein Adj. dazu 
treten kann, aber ein Genitiv und ein Possessiv - Pronomen ; vgl. 
Plaut. Cas. 637 illarum oratu, Cic. Flacc. 92 oratu tuo. Man sagt 
wohl oratu fratris mei, auf Bitten meines Bruders, aber nicht iusto 
oder humili oratu fratris mei, auf das gerechte oder demütige Bitten, 
für iustis, humilibus precibus, humili obsecratione. 

Orbis in der Bedeutung Erdkreis, Erde ohne den Zusatz terrae 
oder terrarum ist fast nur P L. und kommt erst N. Kl. bei Yell. 
Pat., vgl. Georges Yell. S. 16, bei Tacitus, Curtius, Florus und 
Justinus vor. Es werde daher nicht ohne einen jener Genitive für terra 
oder im Plural terrae gebraucht. Ygl. die interessante Abhandlung 
von Friedrich, Materialien zur Begriffsbestimmung des orbis terrarum, 
Leipzig Progr. 1887 S. 1 f. — Die Verbindung ttrbi et orbi findet 
sich schon in A7. Zeit vorbereitet, vgl. Cic. Cat. 1, 9 qui de Indus 
ii i lux ii h/m' mli'o de orbis terrarum exitio cogitent, Nep. Att. 20, 5 
cum 96 uterque priucipou non aolum u/rbis Romae, sed orbis terrarum 

K rebn- Schmalz , AatibatbaiHl II. \~j 



Orbus — 226 — Ordinäre 

esse cuper et; dann Ovid fast. 2, 684 Romanae spatium est urbis et 
orbis idem; ebenso N. Kl. bei Yell. 2, 44, 1 quae urbi orbique ter- 
rarum exitiabilis fuit, vgl. Wölfflin Allitt. S. 32. Über den Unter- 
schied von orbis terrae und terrarwn vgl. unter Terra. — Da orbis 
nie geradezu das Weltall bedeutet und gleich mundus ist, so ist auch 
die im N. L. vorkommende Redensart ab orbe condito, von Erschaffung 
der Welt an, als ungebräuchlich zu verwerfen für iam inde a mundo 
condito, a primo mundi ortu u. dgl. Da ferner orbis nie Menschen 
bedeutet, zumal zerstreut ivohnende, so sind Redensarten, wie: orbis 
litteratus oder eruditus, orbis eruditorum, litteratorum, die gelehrte 
Welt, d. h. die Gelehrten, unlat. — Ebenso N. L. ist orbis christianus, 
die christliche Welt, Christenheit, Christen, für universi christiani, 
quantum est christianorum oder auf ähnliche Weise. — N. L. ist auch 
aliquid in plenam orbem redigere, in der Bedeutung etwas vervoll- 
ständigen. Endlich wird in den Redensarten: im Kreise herumgehen, 
herumstellen, herumstehen, sich im Kreise verteidigen und ähnl. nicht 
in orbe ire, circumire, consistere, stare, circumstare, se tutari, sondern 
in orbem gesagt. Vgl. Liv. 1, 17, 6; 28, 33, 15 u. a., Näg.-Müller 9 
S. 528. 

Orbus, verwaist, beraubt, wird meistens mit dem blossen Abi. 
verbunden, aliquo, aliqua re, so schon Enn. Sc. 88 arce et urbe orba 
sum; P. L. mit a und mit dem Genitiv. Doch ist in übertragener 
Bedeutung orbus ab auch Kl., vgl. Cic. Flacc. 54. Die Stellen für 
orbus mit Gen. und Abi. siehe bei Haustein S. 24; für Plaut., Ter. 
und A. L. überhaupt Lindsay zu Plaut. Capt. 818. Gut ist orbitas 
mit dem Genitiv eigentlich und tropisch : orbitates liberum, Cic. Tusc. 
3, 58 und: orbitas rei publicae talinm virorum, fam. 10, 3, 3; A. L. 
ist orbitudo, vgl. Schönfeld S. 5. 

Orcus, die Unterwelt, als Ort, ist nur P. L. für loca infera oder 
inferorum. Vgl. Inf er i. 

Ordinäre bedeutet meistens nur in Ordnung bringen, gute Ein- 
richtung geben, nicht anordnen, was comparare heisst. Teile einer 
Rede, einer Schrift ordnen heisst zwar ordinäre (Cic. inv. 1, 19); 
aber verwirrt gestellte Teile ordnen heisst disponere; und so auch 
Bücher, eine Bibliothek ordnen, bibliothecam oder libros digerere oder 
disponere. Vgl. Cic. Attic. 4, 8 a, 2, de or. 3, 137. N. Kl. jedoch 
wird ordinäre auch in solchen Verbindungen üblich, wie z. B. Suet. 
Caes. 56 cid ordinandas bibliothecas delegaverat schreibt, vgl. Bagge 
S. 37. — Wörter in einem Satze ordnen heisst nicht ordinäre, son- 
dern struere, woher bei Cic. (orat. 232) bene structa collocatio ver- 
borum, eine wohlgeordnete Stellung der Wörter bedeutet. — Einen 
Geistlichen ordinieren heisst nicht bloss initiare und wenn es gleich ist 
mit einführen — inaugurare, sondern auch ordinäre; dies ist der 
eigentliche t. t. für die Erteilung der kirchlichen Weihen, der sich an 
die Bedeutung von Bestallimg, Amtseinsetzung, anstellen, in welcher 
ordinatio und ordinäre schon bei Profanscribenten von der Beförde- 
rung zu weltlichen Ämtern gebraucht wird, ganz natürlich anlehnte. 



Ordinarie — 227 — Ordo 

S. über ordinäre und ordinatio Gölzer Hieron. S. 240, Koffmane 
Kirchenlat. S. 80, Watson S. 261, Bonnet Greg. S. 238. Das Sub- 
stantiv ordinatio ist in der Bedeutung Anordnung N. Kl. seit Yell. 
Pat., vgl. Georges Yell. S. 14. — Im Sp. L. tritt ordinäre an Stelle 
von iubere, so besonders auch auf Inscr., z. B. Nepos ipsius hoc fieri 
ordinabit, vgl. Pirson S. 270. 

Ordinarie (von dem unklass., aber bereits bei Livius häufigen 
Adj. Ordinarius) ist erst ganz Sp. L. bei Tertull. und nicht zu 
brauchen; in der Bedeutung ordentlich sagt man dafür ordine, Ordi- 
nation u. a., in der Bedeutung geivöhnlich, gemeiniglich — plerum- 
que, fere. 

Ordinate, geordnet, nach der Ordnung, ist Sp. L. in Yulg., bei 
Tertull., Lact., Hieron., Aug., vgl. Paucker Z. f. ö. G. 1874, Gölzer 
Hieron. S. 195. In aug. Zeit findet es sich bei Yitruv 9, 5, 3, in 
Kl. Zeit bei rhet. Her. 4, 69 für ordiyie, rede, ratione et via. Wört- 
lich nahm es aus dieser Stelle Muret. (opp. I S. 141), aber schon 
Ruhnken bemerkte dazu : Hoc habet ab auctore ad Her. 4, 56, ubi 
tarnen alii libri praebent ornate. Cic. dixisset ordine (so bieten auch 
die codd. P und C). — Auch ordinatim ist kein empfehlenswertes 
Wort, es steht zwar bei Caes. civ. 2, 10, 5, aber nie bei Cicero, der 
nur ordine braucht; näheres siehe Z. f. G. W. 1881 S. 112, Geb- 
hard S. 23. 

Ordiri, anfangen, sich anfangen, hat im Partiz. in guter Prosa 
nur orsus, Sp. L. orditus; vgl. Gölzer Hieron. S. 353 und Ott Progr. 
1869, S. 12; Neue -Wagener 3 III S. 72 und S. 559, Rönsch Coli, 
phil. S. 231. — Ordiri ist zunächst transitives Yerb, z. B. Cic. Att. 
4, 1, 8 alterius vitae quoddam initium ordimur ; so findet sich dann 
passives orsus noch bei Cic. Marc. 33 unde est orsa sc. oratio. Mit 
etwas anfangen heisst nicht ordiri aliqua re oder cum aliqua re, 
sondern ab aliqua re; so liest man jetzt auch Cic. Brut. 128 Bestia 
a bonis initiis orsus; daher ivomit oder ivo — unde; damit — hinc 
oder inde. Die Konstruktion mit Abi. ist N. Kl., vgl. C. F.W. Müller 
Progr. Breslau 1888 S. 3. Mit dem Infin. wird ordiri in klass. Prosa 
verbunden bei Cic. Brut. 22 und ibid. 301, ferner leg. 1, 14, oft bei 
Dichtern (schon Plaut. Trin. 1136) und seit Livius im N. Kl., vgl. 
Dräger H. Synt. II S. 333 und Schmidt Inf. S. 43, Georges Yell. S. 64, 
Hildebrand 1854 S. 18. 

Ordo, die Ordnung. Ob es auch von den Ordnungen der Schüler 
in Schulen gebraucht werden könne, darüber vgl. unter Classis. 
Sowie aber ordo das gewöhnlichste Wort ist, durch welches Klassen. 
Stände und Arten von Menschen nach ihrem Range, Stande und 
ihren Geschäften, entweder durch einen beigesetzten Genitiv oder 
durch ein Adj. bezeichnet und von einander unterschieden werden 
(so dass es also gleichsam als Standesbenennung gelten kann), so 
kann es auch in unserm Latein zur Bezeichnung unserer Stände 
gebraucht werden, z. B. Lehrstand, Bürgerstand, Bauernstand, <>></<> 
doctorum, ewium, aratorum; Kaufmannsstand, ordo mercatorum (s. 



Ore — 228 — Oriendus 

Cic. Yerr. 2, 17) — und so alle ähnlichen, so dass man nach unsern 
Sitten und unserer Sprechweise, wenn wir von neuen Dingen reden, 
einen ordo eruditorum hominum et doctorum, philosophorum, theolo- 
gorum, medicorum, iurisconsidtorum u. dgl. nicht nur nicht ver- 
werflich, sondern sogar echt lateinisch findet. — In ordinem redi- 
gere bedeutet selten (wie z. B. rhet. Her. 3, 16) in Ordnung bringen, 
sondern wie in ordinem cogere meistens demütigen, einschränken, 
wohl gar tiefer herabsetzen ; in Ordnung bringen übersetze man lieber 
durch das einfache ordinäre; z. B. eine Provinz in die beste Ord- 
nung bringen, nicht in Optimum ordinem redigere, sondern optime, 
accurate ordinäre oder (nach Cic. fam. 3, 2, 1) provinciam maxime 
explicare; alles ist in Ordnung, omnia explicata sunt; näheres hier- 
über sehe man bei Thielmann Cornif. S. 42. — N. L. ist ex ordine 
esse in der Bedeutung gewöhnlich sein, oft vorkommen, für in 
nsu oder usitatum est, moris est u. a. — Wie unterscheiden sich 
ordine und deinceps ? Ersteres bedeutet der Reihe, der Ordnung 
nach, Punkt für Punkt, ausführlich, im Detail, ist also === einem 
Adv. der Art und Weise, z. B. rem omnem ordiyie narrare, demon- 
strare u. dgl. S. Plaut. Capt. 77, Ter. Heaut. 706, vgl. Wagner z. St.; 
ebenso cuncta, omnia ordine exponere, referre u. ähnl., vgl. Cic. Yerr. 
3, Liv. 3, 50, 4; in gleicher Weise wird auch ex ordine gebraucht, 
welches geradezu die Bedeutung = alle bekommt, vgl. Yollmer zu 
Stat. silv. 1, 4, 9, Deinceps hingegen == darauf folgend, nach, 
hinter einander, bezieht sich auf Zeit und Ordnung, in welcher et- 
was nach dem andern folgt, z. B. de iustitia satis dictum est. Dein- 
ceps . . . Cic. off. 1, 42, Caes. civ. 3, 9, 7 und 3, 56, 1. Daher 
auch bei Aufzählungen der logischen Aufeinanderfolge, wie primum, 
deinceps, Cic. fin. 3, 20 und off. 1, 160. Von diesen Dingen der 
Reihe, der Ordnung, dem Range nach, welchen sie einnehmen, sprechen, 
wäre also de his rebus deinceps loqui, während de his rebus ordine 
loqui = wäre: von ihnen gehörig sprechen. 

Ore terms, mündlich; — vgl. unter Os. 

Organisatio, die Organisation, EinricJitung u. dgl., ist N. L. für 
temperatio, constitutio, z. B. civitatis (Cic. Tusc. 4, 1), rei publicae 
(leg. 3, 12), naturae (Tusc. 1, 21). Für organisiert kann man unter 
anderem auch constitutus verwenden, s. Tischer zu Cic. Tusc. 2, 11 
oder natura factum esse, s. Cic. Brut. 276. 

Organum in der Bedeutung Werkzeug, gleich instrumentum, 
war der El. Sprache noch durchaus unbekannt. Das Wort kam in 
aug. Zeit auf und ging als Kunstwort in die Sprache mancher 
Künste über. Oft wird dafür ausser instrumentum auch machina 
gebraucht. 

Oriendus, herstammend, kommt in dieser Form wohl nie vor für 
oriundus. Dabei beachte man wohl die Bedeutung des Wortes. 
Oriundus bezeichnet nicht den Geburtsort, auch nicht die Eltern, 
von welchen jemand abstammt, sondern den Ort, an dem unsere 
Yorfahren wohnten, von welchem wir eben darum unseren Ursprung 






Oriens — 229 — Oriri 

ableiten. Bezeichnend ist dafür Liv. 24, 6, 2 : Hippocrates et Epicydes 
nati Carthagine, sed oriundi ab Syracusis exule avo; oder durch 
oriundum esse ab aliquo wird der Stammvater eines Geschlechtes, 
Individuums oder Volkes angegeben. Cicero hat das Wort nur top. 
29, einem alten Juristen entlehnt, Caesar gar nicht ; er begnügt sich 
mit ortum esse ab aliquo, s. Gall. 2, 4, 1 ; dagegen ist oriundus ein 
Lieblingswort des Livius, das er vielleicht dem Epos entnommen, 
vgl. Enn. ann. 113 dis oriundum, 220 Sarra oriundos, 290 Didone 
oriundos. Vgl. darüber Liv. 21, 7, 2; 32, 22, 11; 35, 47, 5 und 
37, 37, 3, Curt. 4, 12, 8. Ist bei dem Namen des Ortes, von dem 
man abstammt, ein Land gemeint, so steht gewöhnlich die Präpo- 
sition ex, s. Liv. 4, 4, 7; 25, 15, 7; 27, 30, 9; 30, 16, 4 und 32, 
15, 8. Oriundi ab Sabinis steht bei Liv. 1, 17, 2, weil dort nicht 
der Name des Landes, sondern des Volksstammes im Gegensatz von 
Romani gemeint ist. Vor den Städtenamen hat Livius meistens die 
Präposition a. Vgl. ausser Liv. 24, 6, 2 auch ibid. 1, 23, 1 und c. 
52, 2; 26, 19, 11 und 34, 9, 1; der blosse Abi. nur Liv. 37, 56, 
7: Argis et illos oriundos esse und 1, 20, 3. Dass für die Präpo- 
sition und das Pronomen auch ein entsprechendes relatives oder de- 
monstratives Adv. eintreten kann, versteht sich von selbst. S. Livius 
2, 32, 8: inde oriundus und 26, 13, 16; 27, 9, 11 und 34, 9, 1. 
Der Genitiv bei oriundus ist Sp. L. bei Boeth. consol. 1, pros. 5 cuius 
patriae oriundus sit, vgl. Haustein S. 74. 

Oriens, s. unter Occidens. 

Orientalis, östlich, morgenländisch, ist erst Sp. L., vgl. Gölzer 
Hieron. S. 145, und wird sogar im Plural orientales bei Iust. 36, 3 
9 von den im Osten wohnenden Völkern gebraucht. Es werde aber, 
wie occidentalis, ersetzt durch den Genitiv orientis, ad, in orientem 
solem spectans oder orienti obiectus (Liv. 36, 15, 9), oder in orientem 
versus nach Liv. 42, 37, 3, orientem spectans, ad orientem vergens 
oder versus, sub Oriente u. a. 

Originalis, ursprünglich, ist Sp. L. seit Apul., vgl. Kretschmann 
S. 59, und zu vermeiden durch primus oder zu umschreiben durch 
origo. Unser Subst. Original von einer Schrift ist zu übersetzen 
durch archetyimm, was ins Lateinische aufgenommen war, oder durch 
exemplar. Doch wäre über originalis nicht N. L., denn der Kirchen- 
vater Hieronymus sagt comment. in Galat. 3, 10, Opp. IX, S. 70 
unten: hunc morem habeo, ut . . . recurram ad originales libros; 
ebenderselbe sagt originale exemplum, adv. lovin. 1, 27; un'nnale 
exemplum aber bei Cic. inv. 2, 2 kann nur das lebendige Original 
von Menschen und Tieren im Gegensatz zu den mutis simulacris 
derselben bezeichnen, was wir deswegen bemerken, weil wir das 
Wort Original in mehrfältiger Beziehung gebrauchen. 

Oriri, entstellen, ausgehen, den Anfang nehmen, Dass dieses 
Verbuni einzelne Formen nach der dritten Konjugation bildet, zeigt 
Neue -Wagener 3 III S. 253; klass. ist oreretur und orercniur neben 
oriretur und orirentur. Wo und woher wird Kl. nie mit dem blossen 



Ornatio — 230 — Ortus 

Abi., sondern nur durch ex oder ab ausgedrückt; daher auch da — 
hinc, dort — inde, wo — unde. Ygl. Cic. Seat. 141 und Madvig zu 
Cic. fin. 5, 69. Yon einer Quelle, einem Flusse gesagt ist oriri unser 
entspringen; das wo wird Kl. durch ex ausgedrückt, z. B. : der Rhein 
entspringt im Lande der Lepontier = Rhenus oritnr ex Lepontiis, 
Caes. Gall. 4, 10, 3; Maeander ex arce summa Celaenarum ortus, 
Liv. 38, 13, 7; so auch bei profiliere : Mosa profluit ex monte Vosego, 
Caes. Gall. 4, 10, 1. Doch N. Kl. wird statt ex oft auch die Prä- 
position in c. abl. gesetzt, sehr häufig ist dies beim altern Plinius, 
z. B.: Durias amnis ortus in Pelendonibus, nat. 4, 112; amnis Indus 
in Cibyratarum iugis ortus, 5, 103; ibi Caicus amnis oritur, ibid. 
125; Sagaris oritur in Phrygia, 6, 4 u. s. w. ; Tigris oritur in 
montibus TJxiorum, Curt. 5, 3, 1; fons oritur in monte, Plin. epp. 
4, 30, 2. Mit dem blossen Abi. wird orior von Tacitus verbunden: 
Rhenus Raeticarum Alpium inaccesso ac praecipiti vertice ortus, Germ. 

I, 2; ebenso von Curtius: incliti amnes Caucaso monte orti, 8, 9, 3. 

Ornatio, die Aus- oder Verzierung, kommt in der Literatur 
nur einmal N. Kl. bei Yitruvius 5, 7, 8 (bei Ulrich S. 10 nicht 
erwähnt) vor, für exornatio, was auch selten ist; man setze dafür 
lieber ornatus und die Yerba ornare und exornare. Ornatissimus 
als blosser Titel hat nur Sp. L. Autorität, vgl. Aug. civ. dei 1, 6 
Syracusae, urbs ornatissima; es wird in KL Zeit nur für diejenigen 
gebraucht, welche summis honoribus perfuncti sunt, z. B. Cic. Flacc. 
50 Naso, vir ornatissimus, iudex sumitur; vgl. oben s. v. Honorare. 

Ornatus (Subst.) ist das alltägliche Wort für unser Schmuck; 
gleichwohl nannte man nach Livius (34, 7, 9) den weiblichen Putz 
und Schmuck — mundus muliebris. 

Orphanus, die Waise, das elternlose Kind, findet sich im Sp. L.; 
es ist ein unnötiges griech. Wort für die lat. orbus, orba, parentibus 
orbatus (a). Aber nicht wohl kann man das Sp. L. Wort orphano- 
tropheum für unser Waisenhaus entbehren, da es kürzer als jede 
Umschreibung ist. 

Orthodoxus, rechtgläubig, ist zwar aS^. L., aber in der theolo- 
gischen Kunstsprache unentbehrlich, wie heterodoxus und haereticus. 
Wo orthodoxus nicht durchaus nötig ist, sage man der wahren Be- 
deutung des Wortes nach: verae Christi doctrinae addictus (von 
Personen), conveniens (von Sachen). 

Orthographia ist ein kaum entbehrliches Kunstwort und fast 
Kl. aus Augustus Zeit. Ygl. Suet. Aug. 88 u. gramm. 19. Die 
Sprachreiniger, z. B. Quintil. (1, 7, 1), übersetzten es durch rede 
scribendi scientia, und Sueton durch formula ratioque scribendi. Indes 
findet sich orthographia bei Quintilian zweimal, s. 1, 4, 17 u. 1, 7, 

II, Muret (Praef. Cic. Phil.) umschreibt es: scribendi ratio, quam 
öpßofpaipiav vocant. Oft genügt scriptum; z. B. haec est vera huius 
verbi scriptura. 

Ortus (Partiz. von orior herstammend) wird a) Kl. gewöhnlich mit 
ab aliquo verbunden und bezeichnet die entferntere Abstammung; 



Os — 231 — Os 

dies gilt auch für a me ortus, Cic. Plane. 67, wo a nie die Ahnen 
repräsentiert; vgl. noch qui ab Mo (Catone proavo) ortus es, 
Mur. 66, Nep. Attic. 18, 3; Beigas esse ortos ab Germanis, Caes. 
Gall. 2, 4, 1 5 amitae niaternum genus ab regibus ortum, Suet. Caes. 
6; patrieüts eras et a liberatoribus patriae ortus, Liv. 7, 32, 13; 
b) seltener ist bei den Namen von Personen ex, wie: nos ex iis (Ialio 
et Augusto) ortos, Tac. ann. 1, 42; ex Tantalo ortus Pelops bei 
Quintil. 9, 3, 57; wird hingegen an den Heimatsort, die Familie, das 
Geschlecht, den Stand von Vater oder Mutter gedacht, so ist ex ganz 
gut: scitis, equites Romani, me ortum e vobis omnia semper sensisse 
pro vobis, Cic. Rab. Post. 15; ortus ex Regillis, oppido Sabinorum, 
Suet. Tib. 1; ortus ex ea familia, quae . . . Liv. 7, 10, 3; ex patri- 
cio sanguine ortus, ibid. 6, 40, 6; ex coneubina ortus, Sali. Jug. 5, 
7 und 108, 1; c) selten ist in der frühern Latinität der blosse Ablat., 
wie Cic. nat. 3, 59 orta Nilo, und zwar zur Bezeichnung der un- 
mittelbaren Abstammung; hingegen von Livius an wird dieser Ge- 
brauch vorherrschend: Sahina matre ortus, Liv. 1, 34, 6; ortus sorore 
huius, Liv. 8, 3, 7; illum paelice ortum esse, 39, 53, 3; Numae 
Pompili regis nepos filia ortus Ancus Marcius erat, 1, 32, 1 ; Lucu- 
mortem exsule advena ortum, 1, 34, 5; ne se (Veientibus) ortum ante 
ocidos suos perire sinerent, 2, 6, 2 ; at me omnes, inquit, pater, tuo 
sanguine ortum vere ferrent, 8, 7, 13; sodann auch im silb. Latein: 
orti Atticis, Yell. 1, 4, 1; illustri magis quam nobili ortus familia, 
Vell. 2, 117, 2; antiquis nobilibus orti, Quintil. 3, 8, 31; oft bei Tacitus: 
Germanicum Druso ortum, ann. 1, 3; cum se divo Augusto ortam 
testaretur, ann. 1, 40; Thessalis ortos, 6, 34; regibus Arcadiae ortus, 
12, 53; matre libertina ortus, 15, 72; regia stirpe ortus, Curt. 4, 1, 
17; paelice ortus, Curt. 9, 8,' 22; maiores Othonis orti sunt oppido 
Ferentio, Suet. Oth. 1 ; equestri familia ortum se, Aug. 2; d) bei 
locus, genus, familia, stirps ist der blosse Abi. zur Bezeichnung 
des Standes gewöhnlich, loco, genere, familia, stirpe ortus, obgleich 
ex auch in diesem Falle vorkommt: viden me ex eodem loco ortum? 
Ter. Eun. 2*41. Ygl. Stegmann in N. Jahrb. 1887 S. 257. 

Os, der Mund, das Gesicht. Vielfältig stimmt bei dem Ge- 
brauche dieses Wortes das Deutsche mit dem Lateinischen überein. 
Man sagt z. B. im Munde der Leute sein, in ore Jiominum oder 
hominibus esse; auch von einzelnen, z. B. du hast immer im Munde, 
semper tibi in ore est (sunt). Es findet sich aber dieses in ore esse 
fast immer mit den Adverbien der Allgemeinheit, der Steigerung 
semper, valde, oder mit einem Genitiv oder Dativ verbunden, z. B. 
vidgi, omnibus, omni populo; oder für esse wird versari gebraucht, 
z. B. illa in ore vulgi atque in communibus proverbiis versantur 
(Cic. Verr. 1, 121); in ore atque sermone omnium coepit esse 
(ib. 2, 56); qui tum fere omnibus erat in ore (Lael. 2). Auf 
gleiche Weise sagt man in ore habere, wie wir im Munde haben, 
fuhren, wo aber nie die Pronomina nosfro, vestro, suo hinzutreten, 
wiihrend ein Adverbium wie semper bald hinzugesetzt, bald weg- 



Os — 232 — Os 

gelassen wird. Vgl. Cic. Att. 14, 22, 2 deinde habent in ore nos 
incjratos; fin. 3, 37 quem tu in ore semper hohes; fam. 5, 16, 2 
semper in ore atqae in animo habere; ib. 6, 18, 5 Lepta ediscat 
Hesiodum et habeat in ore; ebenso fin. 2, 22. — Der Plural in 
oribus ist in dieser Bedeutung unlateinisch. Dagegen sagt man 
nicht in os hominum, sondern in ora hominwn venire, pervenire, 
abire (Benecke zu Iust. 16, 5, 5), wiewohl richtig ist in sermonem 
hominum venire, in den Mund, ins Gerede der Leide kommen, vgl. 
unten. — Gut ist ferner aliquem pleno ore laudare, einen mit vollem 
Munde loben, z. B. bei Cic. (off. 1, 61): ea nescio quomodo quasi 
pleniore ore laudamus. — Gut, wenn auch nur A. L. bei Terenz 
(Adelph. 269), ist: aliquem in os laudare, jemanden ins Gesicht loben, 
wofür Sp. L. nach Lact. (inst. 3, 14, l)in fernem laudare gesagt wurde; 
derselbe Sinn aber liegt im klass. laudare aliquem praesentem, vgl. Cic. 
Caec. 77 me similis ratio pudoris a praesentis eins laude tardabat ihn 
ins Gesicht zu loben. — Auch brauchte man os gleichbedeutend mit 
oculi, wie denn Cic. (Verr. 2, 81) sagt: quae in ore atqae in oculis 
provinciae gesta sunt; ebenso in ore omnium versari, Cic. S. Rose. 
6, ebenso agere in ore alieuius bei Sali, und Tac, vgl. Schönfeld 
S. 30. Daher kann auch die Richtigkeit der Redensart esse 
ante os, vor Augen sein, die Cic. (rep. 3, 15) braucht: ut esset 
posteris ante os documentum Persarum sceleris sempiternum, nicht 
bezweifelt werden. — P. L. und in Prosa sehr selten ist ante 
ora: illos aiunt epidis ante ora positis exeruciari fame, Macr. somn. 
Scip. 1, 10, 13; id referre, utrum in pugna et in acie . . . an post- 
modo ante ora captarum coniugum liberorumque omnia foeda atque 
indigna passi exspirarent, Liv. 28, 19, 12. Aber per ora hominum 
incedere u. dgl. ist seit Enn. Y 18 per ora virum volito lateinisch 
sehr gewöhnlich, s. Fabri zu Sali. lug. 31, 10. Ins Gerede, ins 
Gespött der Leute kommen, ist selten, vgl. Hör. ep. 1, 3, 9 und Liv. 
2, 36, 3 = in ora hominum abire. Besser ist in sermonem hominum 
venire, Cic. Verr. 4, 13; vgl. M. Müller zu Liv. 2, 36, 3. — Man 
sagt aber nicht in Beziehung auf die Rede: quidquid 'in os venit, 
xuas nur in den Mund kommt, sondern quidquid in buccam venu 
oder auch quod in solum venit; beides sind vulgäre Phrasen, vgl. 
Landgraf Bayr. Gymn. 16, S. 318; die gewähltere Formel war quid- 
quid in mentem venit, Cic. Att. 9, 9, 1, vgl. Archiv VI S. 315, P. 
Meyer Progr. 1900 S. 11. Aber im Munde führen ist in ore esse, 
vgl. Cic. Att. 6, 3, 7 tibi valde solet in ore esse. — Gut ist uno 
ore omnes in der Bedeutung einstimmig, für uno consensu; vgl. Ter. 
Andr. 96, Phorm. 624, Cic. Lael. 86, Curt. 10, 2, 18, Sen. epp. 81, 
31, Amm. Marc. 20, 5, 8. — N. L. ist ore tenus in der Bedeutung 
mündlich, für coram, voce, verbo (Plancus bei Cic. fam. 10, 8, 5), oder 
verbis, ipse, praesens, wie es der jedesmalige Sinn fordert; ore tenus 
bedeutet nur bis an den Mund. Bei Tac. ann. 15, 45: hie Graeca 
doctrina ore tenus exercitus bedeutet ore tenus nur mit dem Munde, 
d. h. bis zur Zungenfertigkeit, ohne tieferes, ivissenschaftliches Ver- 



Oscen — 233 — Otiosus 

ständnis. — Bekannt ist, dass os = freches Gesicht öfters vorkommt, 
vgl. Brix zu Plaut. Mil. 190, Landgraf zu Cic. S. Kose. 296; z. B. 
Cic. Yen*. 4, 66 os hominis insignemque hnpudentiam cognoscite. 
Auch Livius hat diesen Gebrauch, vgl. Friedersdorff zu Liv. 26, 32, 
4 und oben s. v. Frons. — Endlich wird unser Sprichwort: Morgen- 
stunde hat Gold im Munde zwar meistens nach dem Sinne übersetzt: 
Aurora Musis amica, aber es kann auch mit dem Zusätze ut aiunt 
(dieunt) Germani, wörtlich mit Beibehaltung des Bildes übersetzt 
werden: Hora matutina aurum habet in manu (denn mhd. ist munt 
= Hand). 

Oscen in der Bedeutung der Singvogel, und im Plural o seines, 
die Singvögel, ist N. L. für aves cantrices oder cantatrices; denn bei 
den Alten heissen in der heiligen Augurnsprache oscines nur die- 
jenigen Yögel, welche den Augurn durch ihr Geschrei (cantu) etwas 
verkündigen, z. B. Raben, Krähen u. dgl. 

Oscitantia ist, in welcher Bedeutung es sei, nur aus dem Gloss. 
Labb. nachgewiesen: oscitantia apyia\ z. B. in der Bedeutung das 
Gähnen für oscitatio, was freilich erst N. Kl. ist, in der Bedeutung 
Nachlässigkeit für negligentia, socordia, ignavia. 

Osor, der Hasser, welcher hasst, ist A. u. Sp. L.; in der Prosa 
finden wir es nicht vor Apul., vgl. Kretschmann Apul. S. 37, Chru- 
zander S. 44. 

Ostensio, das Zeigen, Sehenlassen, ist Sp. L. für significatio; 
vgl. Gölzer Hier. S. 73, Kretschmann Apul. S. 38, Schmidt lat. Tert. 
S. 29, Thielmann Arch. VIII S. 509, Rönsch It. S. 76, Coli. 61; 
116; 177; in der Bedeutung Erscheinung hat es Cypr., vgl. Watson 
S. 250 und 302. 

Ostentare wird nur mit dem Accus, verbunden; daher aliquid 
ostentare, mit etwas prahlen, sich mit etwas brüsten, nicht aliqua re, 
aber gut ist ostentare se in aliqua re, s. Cic. Cael. 67. 

Ostentus (Subst.), das Zeigen, die Schau, der Beweis, der Vor- 
wand, Schein, steht nirgends bei Cic. u. Caes.; zuerst wohl hat es 
C. Gracchus gebraucht, orat. 6, S. 236 Meyer: quod unum nobis in 
ostentum, ipsis in iisam adportatur, dann Sali. u. Tac, allein diese 
nur im Dativ, ebenso Yop. Aur. 30, 2, während Gell. 20, 1, 48 es 
im Abi. verwendet; vgl. Schönfeld S. 10, Nieländer 1877 S. 31. 

Ostium (wie os, s. Livius 1, 33, 9), die Mündung, der Ausfluss 
eines Flusses, hat nie einen Zusatz, wie in mare, in flumen, bei sich. 
Ist etwas der Art nötig, so sagt man locus, unde (amnis, fluvius) in 
mare effluit oder eff'unditur. 

Otiari, feiern, ruhen von einer Arbeit, ist selten für das ge- 
wöhnliche cessare; aber es steht auch bei Cic. off. 3, 58. 

Otiosus, geschäftsfrei, müssig, ruhig. Den Begriff ot/osns linden 
wir genau bestimmt bei Seyffert-Müller z. Lael. S. 93 u. 503. Dar- 
nach ist otiosus sion nicht schlechthin = ich habe Zeil, sondern 
bezeichnet^ das ruhige Privatleben, die Zurückgezogenheii vom Staat»- 
diensie. Übertragen auf unsere Verhältnisse können wir daher un> 



Ovinus — 234 — Pacificare 

in unserer dienstfreien Zeit otiosi nennen. Ebenso können die Tage, 
welche von Geschäften frei sind, dies otiosi oder auch dies vacni 
(Cic. Yerr. act. 1, 56) genannt werden, ja Enn. Sc. 238 spricht sogar 
von einem otiosum otium, wo animus nescit, quid velit; aber wo wir 
sagen: ich habe dieses in einer müssigen Stunde geschrieben, möchte 
wohl in otiosa hora N. L. sein; es genügt hier, otiosus auf das 
Subjekt zu beziehen. So sagt Cic. (divin. 2, 63): quem locum nos 
otiosi convertimus, was wir übersetzen können: welche Stelle wir in 
einem müssigen Stündchen übersetzt haben. Gut wäre auch per 
otium, Cic. inv. 1, 4, Liv. 21, 28, 4; 33, 10; 55, 1; weniger zu 
empfehlen ist otio bei Petron. 51 phialam otio belle correxit, vgl. 
Heraus Progr. Offenbach 1899 S. 23. — Die Verbindung von otiosus 
mit Gen. ist KL, z. B. Cic. Q. fr. 3, 8, 3 otiosus supplicationum, vgl. 
Haustein S. 54. 

Ovinus, a, um, was das Schaf betrifft u. dgl., ist Sp. L. für 
das in Kl. Zeit bei Varro gebräuchliche und bei Liv. 22, 10, 3 
wohl der Quelle entnommene ovillus; vgl. Krumbiegel s. v., Schmidt 
Liv. 1889 S. 32. 



P. p. 

Pacate und pacifice, friedlich, finden sich nirgends klassisch, ob- 
wohl die Adj. pacatus und pacificus bei Cic, letzteres jedoch nur 
Att. 8, 12, 4 = friedenstiftend, vorkommen. Pacate steht zuerst 
bei Petron 10, 4 B pacatius ad reliqua secessimus; sonst sind beide 
$p. L., besonders das letztere für in pace, cum pace, cum bona 
pace (Liv. 21, 24, 5 und 28, 37, 4), sine ullo maleficio iter per 
provinciam facere = ganz im Frieden, Caes. Gall. 1, 7, 3, in 
otio, tranquille. So sagt Cic. (Tusc. 3, 25): tranquille placideque 
vitam traducere. Daher heisst etwas friedlich betreiben, aliquid cum 
pace agere. 

Pacificare und pacificari, Frieden machen, sind A. L. und später 
selten; sie finden sich nirgends bei Cicero und Caesar, aber bei 
Sallust und einigemal bei Livius, hier teils = Frieden schliessen, 
teils = Frieden stiften, vgl. Kühnast S. 263, auch im Sp. L., z. B. 
bei Justin, vgl. Seck I 8. 19, bei Paneg., vgl. Chruzander S. 45. Mit 
Unrecht hat man jedoch pacificare als die ausschliesslich poetische 
Form erklärt und pacificante bei Sali. Jug. 66 u. ähnl. auf pacificari 
zurückgeführt. Nach Wölfflin im Archiv III S. 130, der im monum. 
Ancyranum 5, 13 (cap. 26) pacificavi herstellt, ist vielmehr das 
Gegenteil richtig. Man meide beide Formen und halte sich an pacem 
facere, vgl. Cic. off. 3, 109 consules pacem cum Samnitibus fecerant; 
denn alle Yerba auf ficare haben einen vulgären Beigeschmack, vgl. 
Rebling S. 25, Uri S. 88, Kraut 1881 S. 6. — Pacificator = Friedens- 
vermittler steht bei Cic. Attic. 1, 13, 2 und 15, 7 (welch letztere 
Stelle Paul Meyer Progr. Bayreuth 1887 S. 23 entgangen ist, vgl. 



Pactus — 235 — Paene 

jedoch jetzt Progr. Hof 1900 S. 6), auch findet es sich Livius 27, 
30, 4. Das Adj. pacificatorius trifft man nur Cic. Phil. 12, 3, vgl. 
Hauschild S. 26, Guttmann S. 15. 

Pactus (Partizip, von pacisct) ist Kl. auch in passiver Bedeutung 
verabredet, ausbedungen, z. B. Cic. off. 3, 107 si praedonibus pactum 
pro capite pretium non aihderis. Doch steht es vielfach in alten 
Texten, wo jetzt f actus gelesen wird, z. B. Cic. off. 1, 33. — Der 
Abi. neutr. pacto in Verbindungen wie quo pacto, eo pacto bezeichnet 
zunächst die Bedingung, dann die Art und Weise. Im A. L. finden 
sich die Phrasen quo, hoc, eo, illo, isto pacto u. a. sehr häufig, wohl 
— wie Ladyzynski S. 20 meint — aus metrischen Rücksichten; 
klass. wird pacto seltener gebraucht; wir lesen bei Cic. nullo, alio, 
isto und besonders nescio quo pacto. 

Paedagogus, der Knabenführer, Knahenerzieher , wurde schon 
früh ins Lateinische aufgenommen, aber freilich nur von Sklaven 
gebraucht, welche Kinder in die Schule führten, aus derselben 
zurückbrachten und daheim beaufsichtigten. Es findet sich z. B. 
Plaut. Bacch. 138, Cic. Att. 12, 33, 2; Lael. 74, vgl. Seyffert- 
Müller z. Lael. S. 455. Der Erzieher im allgemeinen ist educator, 
als Lehrer ist er praeceptor, daher auch verbunden educator prae-- 
ceptorque, formator morimi et magister (besonders von der ethischen 
Seite). 

Paedantismus oder Pedantismus ist ein aus dem Französischen 
ins N. L. aufgenommenes Wort. Sofern man den damit verbundenen 
Begriff kurz und bestimmt wiedergeben will, mag man — vgl. unten 
den Artikel Pietismus — Pedantismus mit einem mildernden Zusätze 
wohl gebrauchen nach dem Vorgänge Ruhnkens, welcher Opusc. T. 
I S. 119 sagt: Hoc Pedayitismi Vitium (utamur enim Gallico verbo, 
cum in latina lingua non satis aptum Jude rei nomen inveniamus). 
Wie man jedoch gutlateinisch den in Pedanterie und Pedant liegenden 
Begriff gibt, haben Nägelsbach-Müller 9 S. 57 f. gezeigt. Beifügen 
kann man noch, dass ausser acerbitas, difficultas, molestia, morositas 
auch ineptiae = Pedanterie ist, vgl. Ter. Phorm. 648 ut mittam illius 
ine2)tias. Im Sp. L. ist auch super sütiosus = Pedant, Sidon. ep. 7, 
9, vgl. Mohr 1886 S. 18. 

Paene, fast, beinahe. Weissenborn sagt zu Liv. 31, 1, 5, dass 
dieses Adverbium bei Livius oft nach dem Hauptbegriffe stehe, was 
bei Cicero selten vorkomme, eine Behauptung, welche Kühnast in 
seiner Livianischen Syntax angenommen hat. Allein dies ist, was 
Cicero angeht, falsch. Busch weist in seiner Rezension der Livianischen 
Syntax von Kühnast folgende Stellen nach: par paene laus, de orat. 
3, 27; quot orato?-es, totidem paene genera, ib. 34; euneta paene 
/i/u/n'nte Graecia, ib. 127; qui ipse iam praeeipitans nie quoque haec 
araeeipitem paene evolvere co'egit, ib. 209; divini paene est viri, rep. 
1, 45 u. 2, 35; divin. 1, 2; 1, 115 u. 120; 2, 92 u. 147 and 
acad. 1, 44. Dass paene auch das Substantiv von seinem nach- 
folgenden attributiven Genit. oder Adj. trennt, zeigt Madvig zu Cic. 



Paenitere — 236 — Palam 

fin. S. 13 durch folgende Beispiele: Cic. leg. 2, 4 incunabiila paene 
mea, Phil. 2, 17 voce paene litterarum, fam. 4, 6, 1 societas paene 
aegritudinis, Cato 78 incolas paene nostros. — Wir verbinden es bei 
vergangenen Dingen gern mit dem Konjunkt. Plusquamperf, im La- 
teinischen wird der Indicat. Perf gesetzt, z. B. beinahe hätte ich jenes 
ausgelassen, illutl paene omisi, nicht omisissem. So sagt Lucil. 607 paene 
imminuimus, vielleicht schon Enn. Y. 40 paene praeterii (so Yahlen). 
Sogar in der irrealen hypothetischen Periode bleibt der Indikativ, vgl. 
Plaut. Pers. 595 paene in foveam decidi, ni adesses, Cic. Att. 15, 26, 4 
quod paene fecit, nisi tua malitia adfuisset, Liv. 2, 10, 2 pons 
sublicias iter paene hostibus dedit, ni unus vir fuisset; vgl. Priem 
S. 308. Abweichungen davon sind höchst selten; so sagt Caelius 
bei Cic. fam. 8, 4, 1 nisi nostri equites acatius vidissent, paene con- 
cedente adversario superasset; vgl. Johanson S. 24 Anm. 1, der paene 
mit concedente, nicht mit superasset verbinden will, weil sonst paene 
mit Konj. gutlateinisch nicht nachzuweisen sei; Burg S. 33. Im 
Sp. L., wo im Gebrauch der Tempora und Modi grosse Willkür 
einreisst, finden wir paene bald mit Indik., bald mit Konj., z. B. bei 
Ammian, vgl. Ehrismann S. 41. Für Cicero merke man entgegen 
Kühner II S. 130, dass ad Quir. 5 die Überlieferung quae paene 
amissa est zu halten ist, vgl. C. F. W. Müller z. St. Bei Cic. Cat. 
2, 12 cum domi meae paene interfectus essem ist der Konj. durch 
cum bedingt. 

Paenitere s. Poenitere. 

Paenultimus, der Vorletzte, ist Sp. L. für proximus a postremo 
(nach Cic. orat. 217). Als kurzes Kunstwort in der Prosodik ist es 
aber kaum zu entbehren. 

Paganitas, das Heidentum, und paganus in der Bedeutung der 
Heide, finden sich Sp. L. bei den Juristen und kirchlichen Schrift- 
stellern, sind aber weniger gut als gentilis oder idololatres (tra). 
Ygl. Ethnicus. Paganismus steht einmal bei August, de diversis 
quaest. 83, quaest. 83 init. (opp. T. 11). Die Erklärung des Wortes 
paganus gibt Oros. 1, prol. 9: qui alieni a civitate dei ex locorum 
agrestium conpitis et pagis pagani vocantur; vgl. auch Paucker lat. 
Oros. S. 28, sowie Bonnet Greg. S. 236, 4, der darauf hinweist, wie 
die Bedeutungsveränderung des Wortes paganus die Neuschöpfung 
pagensis herbeiführte. 

Pagus ist nicht sowohl ein Dorf, welches vicus heisst, als viel- 
mehr ein Bezirk, Distrikt, Kreis, Gau, Kanton, und daher bedeutet 
paganus nicht den Bewohner eines Dorfes, welcher vicanus heisst, 
sondern den eines Bezirkes. Doch findet sich pagus, namentlich bei 
Dichtern, auch im engern Sinne == Dorf, z. B. Hör. ep. 1, 18, 105 
pagus rugosus, rauhes Gebirgsdorf. 

Palam verwechsle man nicht mit publice, da beide durch 
öffentlich übersetzt werden; palam steht dem dam oder occulte, 
heimlich, versteckt, entgegen und bedeutet vor aller Augen; publice 
aber steht dem privatim, für sich, im Hause, entgegen und nimmt 



Palatium — 237 — Palinodia 

Kücksicht auf den Staat, für welchen oder auf dessen Befehl und 
Anordnung etwas geschieht. Wenn öffentlich so viel ist als auf 
einem öffentlichen Platze, so heisst es in publico; vgl. Cic. Yerr. 5, 
92 in publice- esse non audet Daher unterscheiden sich : statua eins 
palam — publice — in publice- collocata est. Vgl. auch Publice. — 
Res, aliquid palam est sind Ausdrücke des täglichen Lebens = es 
ist bekannt, oft bei Plautus und Terenz und einmal auch bei Cicero; 
haec commemoro, quae sunt palam, Pis. II. Palam facere — be- 
kannt machen, steht entweder absol., wenn sich die Ergänzung aus 
dem Zusammenhange von selbst ergibt, oder man sagt palam facere 
aliquid, Nep. Hann. 7, 7: hac re palam facta. So erklärt sich auch 
palam facere mit Accus, c. inf., vgl. Cic. in sen. 18 nondum palam 
factum erat oeeidisse rem publicam. Ferner merke man palam facere 
alicui mit einem das Objekt enthaltenden Nebensatz: ut palam facer et 
suis, quo loco Eumenes esset, Nepos Hann. 11, 1. Lact, sagt dafür 
auch palam facere alicui aliquid, 7, 7, 13. Mit de ist es von Nepos 
verbunden: huius de morte ut palam factum est, Dion. 10, 2; die 
Konstruktion erhielt sich im N. Kl., vgl. Suet. Nero 8 ut de Claudio 
palam factum est. Bemerkenswert ist auch noch palam ferre aliquid 
mit folgendem Accus, c. infin. == aus etivas kein Held machen, un- 
verhohlen äussern, oft bei Livius, z. B.: palam ferente Hannibale ab 
se Minimum, se a Fabio victum, 22, 29, 6. Wie Livius dafür auch 
aperte ferre sagt, so auch Cicero, z. B. Att. 14, 13, 2 laetitiam aper- 
tissime tidimus omnes, s. Fabri und Wölfflin zu Liv. 22, 29, 6. — 
Über die Verbindungen luce palam, perspicue palam, palam publice, 
palam aperte, palam secreto vgl. man Preuss S. 57 f., Landgraf Bayr. 
G. 16, S. 324, Lehmann Qu. Tüll. S. 23, Burg S. 40, Neue- 
Wagener 3 II S. 645. — Als Präpos. mit Abi. ist palam unklass., es 
steht so bei Horaz, bei Liv. 6, 14, 5 palam populo, N. Kl. und Sp. L., 
vgl. meine Synt. 3 § 132, Riemann etudes S. 275, Landgraf zu Reisig- 
Haase S. 726, Neue -Wagener 3 II, 770 und 783. 

Palatium bedeutet in guter Prosa nirgends Palast in unserem 
Sinne eines grossen umfassenden Hauses; es werde daher vermieden 
durch domus ampla und so heisst selbst der königliche Palast — 
domus regia, domicilium regis (Cic. Pomp. 21), aedes regiae. Im 
Sp. L. jedoch bezeichnet palatium jeden Palast, vgl. Cap. Ant. P. 1, 
8 educatus Lori, ubi postea palatium exstruxit. Die Geschichte des 
Wortes Palatium, wie dasselbe allmählich aus einem nomen proprium 
ein appellativum wurde, gibt Max Müller, nouvelles lecons sur la 
science du langage, II, vgl. noch Gölzer Hieron. S. 270, Paucker 
lat. Oros. S. 30. 

Palilia wird im N. L. pedantisch von jedem Stiftungsfeste ge- 
braucht, für dies natalis, z. B. urbis, scholae, academiae. 

Palinodia findet sich nirgends Kl. in der Bedeutung Widerruf} 
so erst Sp. L. für retraetatio bei Macrob. sat. 7, 5, 4 u. Hier. adv. 
Rufin. 1, 10 palmodiam Stesichori more oantato, vgl. Gölzer ELieron, 
S. 213, Sonny im Archiv IX, 73. 



Palmarius — 238 — Panis 

Palmarius, a, um, der Palme, des Preises würdig, ist nach 
Reisig (Yorles. ed. Hagen, S. 226) unlatein., auch Neue -Wagener 3 II, 
169 f. erwähnen es nicht; doch wahrscheinlich ist es A. L., später 
ausser Gebrauch gekommene Form für die Kl. palmar is, e. Übrigens 
liest C. F. W. Müller bei Cic. nat. deor. 1, 20 sed illa palmaria, was 
wohl von palmarius herzuleiten ist. — Jedenfalls irrt Reisig, wenn 
er das substantivierte palmarium bei Ter. Eun. 930 für = Palm- 
garten hält. Es ist unzweifelhaft so viel als Hauptwerk, Meisterstück. 

Palpare oder palpari, streicheln, der klass. Sprache fremd, 
ist nach Lorenz zu Plaut. Pseud. S. 251 ein gut plautinisches Wort, 
das sich bei den Dichtern fortgeerbt hat. In Prosa hat es Asinius 
Pollio bei Cic. fam. 10, 33, 2, Sen. de ira 3, 8, 8, ausserdem nur die 
Archaisten und Sp. L., z. B. Apul., Paneg., Ulpian dig. 9, 1, 1 § 7 
u. a. Näheres sehe man Schmalz Pollio 2 S. 41, Rönsch Sem. III 
S. 62. Die Subst. palpatio und palpator sind nur A. L. und Sp. L., 
vgl. Watson S. 302 und 303. 

Panegyricus, die Lobrede. Yon diesem griech. Worte haben 
nur die Rhetoren Gebrauch gemacht; es ist aber gleichwohl nie all- 
gemein in der Bedeutung Lobrede gebraucht worden, weil das lat. 
laudatio dafür genügte, wie denn die Lobreden auf Verstorbene nur 
unter dem Namen laudationes funebres vorkommen. Der jüngere 
Plinius machte nach dem Yorgange des Quint. 2, 10, 11 und 3, 4, 14 
in der Benennung seiner feierlichen Lobrede auf den Kaiser Trajan 
eine Ausnahme, indem er sie nicht laudatio, sondern Panegyricus 
nannte; und so blieb dieses Wort auch nachher für ähnliche Fälle 
von Lobreden auf Kaiser, vgl. Spart. Pesc. 11, 5 cum imperatori facto 
quidam pcmegyricum recitare vellet, und Hier. ep. 108, 20 historiam 
scribere, non panegyricum, vgl. Gölzer Hier. S. 213. 

Panegyris, die Versammlung, kommt nirgends bei einem La- 
teiner vor, für conventus, concilium, contio; es ist also affektiert, 
dasselbe zu gebrauchen. 

Panegyrista, der Lobredner, ist Sp. L. für laudator, vgl. Kretsch- 
mann Sidon. S. 16. 

Panicus, panisch, in der Bedeutung unerivartet, unvermutet, 
überraschend, kommt nirgends als lat. Wort vor. Man sage daher 
nicht panicus terror oder pavor, panischer Schrecken oder panische 
Furcht, sondern entweder wie Livius (10, 28, 10 und das. Weissen- 
born): victorem equitatum velut lymphaticus pavor dissipat, oder um- 
schrieben: pavor (terror) izavcxbg, qui dicitur, quem Graeci navcxbv 
dicunt. Auch kann man caecus metus, timor gebrauchen. S. s. v. 
caecus und Halm zu Cic. Lig. 3, sowie Yogel zu Curtius 4, 12, 14. 

Panis, das Brot. Unser: Sein Brot mit jemanden teilen kann 
auch lat. wörtlich mit unserer Phrase übereinstimmend gegeben 
werden durch: cum esuriente panem dividere, Sen. epp. 95, 51. 
Mit einem eine Erbschaft teilen: dividere cum aliquo heredita- 
tem, Yulg. ev. Luc. 12, 13, so wie man sicherlich auch esurienti 
panem suum frangere nach der Yulgata Jesaj. 58, 7 sagen kann. 



Papa — 239 — Paragraplius 

Das tägliche Brot des Vaterunsers lässt sich auch gut durch victus 
cotidianus ausdrücken. 

Papa, auch papas, ist ein Titel, welcher ursprünglich allen 
Bischöfen gemein war; so wird z. B. auch Cyprian in den Briefen 
an ihn vielfach papa angeredet, z. B. ep. 30 Cypriano papae (ep. 23 
Cypriano papat%)\ vgl. noch Bonnet Greg. S. 223. Im Anfang des 
6. Jahrh. n. Chr. begann man indes schon, diese Benennung aus- 
schliesslich dem Bischof von Rom beizulegen. Da heutzutage über 
den Träger dieses Namens nicht die mindeste Ungewissheit obwaltet, 
so braucht man weder dem Subst. papa, noch dem Adj. papalis 
ängstlich auszuweichen, sondern kann beides neben pontifex maximus 
und pontificalis und pontificius anwenden, also auch aula papalis, 
der päpstliche Hof, neben pontificalis oder pontificia. 

Papaver, der Mohn, ist in der bessern Prosa nur Neutrum und 
nur A. L. auch Masc. ; daher sage man im Accus, papaver, nicht 
papaverem, und im Plural papavera, nicht papaveres. 

Papyrus, die Papierstaude, kommt nur P. L. und Sp. L. in 
der Bedeutung Papier vor, vgl. Catull 35, 2 mit 36, 1, sowie 
Apoll. Sidon. ep. 4, 3, 1, S. 54, 19 mea papyrus; vgl. Bonnet Greg. 
S. 212. Im N. L. ist dies die gewöhnliche Bedeutung für 
charta. 

Par als Subst. das Paar, nimmt das betreffende Nomen be- 
kanntlich immer im Genit. zu sich; also ein schönes, sauberes Brüder- 
paar — par nobile fratrum, wie Hör. sat. 2, 3, 243 sagt; vgl. noch 
Cic. Verr. 2, 47 scyphorum paria complura, Lael. 15 vix tria aut 
quattuor paria amicorum. — Gleiches mit gleichem vergelten ist par 
pro pari referre nach Ter. Eun. 444 f. denique par pro pari referto, 
quod eam mordeat, vgl. auch Cic. fam. 1, 9, 19. Ebenso findet man 
malum pro malo reddere nicht nur Sp. L. bei Sulp. Sev. v. S. Mart. 
26, 5, sondern es sagt auch Tacitus: pro gratia (= beneficio) odium 
reddere, ann. 4, 18 Ende. Etwas anderes ist pari par referre bei 
Cic. de or. 3, 206 quae paribus paria referuntur = membra aequalia, 
vgl. Piderit z. St. Auch sagt man nur pari par respondere, vgl. Ter. 
Phorm. 212 par pari ut respondeas, Atticus bei Cic. Att. 16, 7, 6 
provide, si cui quid debetur, ut sit, unde par pari respondeatur . — 
Ein Komparativ von par ist nicht zu erweisen, der Superlativ steht 
IV Scip. Elog. u. Plaut. Cure. 506 parissumi estis hibus; vgl. Wölfflin 
Scip. S. 214, Neue-Wagener 3 II S. 261. 

Paradigma, ein Beispiel, ein Muster, wurde erst Sp. L. ge- 
braucht und ist wegen exemplum unnötig. 

Paraenesis, die Aufmunterung, ist erst 8p. L. für admonitio 
und adhortatio, durch welche jenes hinlänglich ersetzt wird. 

Paragraphus, der Barograph, kann, wiewohl es ganz .s'/>. L, 
ist und sogar da eine andere Bedeutung hat, doch heutzutage ;ils 
Kunstwort zur Bezeichnung der kleinern Teile einos Kapitels 
nicht wohl entbehrt und vermieden werden, da es durch ein 
passendes altes, zumal lateinisches Wort; nicht ersetzt werden kann. 



Parare — 240 — Parare 

Es ist im Griechischen generis communis, aber nach H. Stephanus 
(de abusu Graec. ling. c. 1, S. 24) in unserer Bedeutung nur generis 
femin. 

Parare, bereiten, rüsten, wird vielfach konstruiert. Deutsch sagt 
man: sich zu, auf etwas vorbereiten, davon abweichend der Lateiner 
gewöhnlich nicht se ad aliquid parare, sondern einfach aliquid parare, 
z. B. bellum, fugam, proelium u. s. w. Doch kommt auch se parare 
ad aliquid einigemal in Kl. Sprache vor, wie bei Cicero orat. 122 
orator parat se ad dicendum, Flacc. 11 ad id se parat; ebenso bei 
Livius, paranübus utrisqtte se ad proelium, 9, 14, 1 und 21, 31, 1; 
ad proelium vos parate, Curt. 4, 13, 10; ebenso ad iter se comparare 
bei Liv. 28, 33, 1. Dafür sagt man auch se parare alicui rei, z. B. 
proelio, nicht nur Sp. L. bei Iust. 26, 2, 2, sondern auch N. Kl. bei 
Vell. 2, 43, 2 und bei Sen. contr. 2, praef. § 4: foro se parant; 
noch öfter ist paratum esse alicui rei, s. darüber Liv. 1, 1, 8; 7, 16, 
4; 9, 36, 8 u. 26, 12, 13; Vell. 2, 56, 4. Auch sagt man alicui aliquid, 
einem ehvas, z. B. bellum, insidias, venenum, vgl. Cic. dorn. 129 Seio 
venenum parabatur; auch aliquem alicui mit Prädikativ, vgl. Plane, 
bei Cic. fam. 10, 7, 1 te mihi defensorem paravi, schliesslich aliquid ad 
aliquid, etwas zu etwas. Bei folgendem Yerbum wird es mit dem Infin., 
oder mit ad und dem Gerundium, oder mit ut verbunden; vgl. Cic. Sest. 
144 sed me plura dicere parantem horum adspectus repressit; mit ut 
kenne ich aus Cicero nur fam. 16, 10, 2 tu Musis nostris para ut 
operas reddas; denn Yerr. 1, 67 u. div. 2, 122 ist explikatives ut, wie 
auch Liv. 26, 41, 6; vgl. noch Dahl S. 282. — Das völlig zum Ad- 
jektiv gewordene Partiz. paratus = bereit, entschlossen zu etwas, 
wird sehr häufig mit dem Infin. verbunden, oft so bei Caesar, s. 
Kraner zu Gall. 1, 44, 4, bei Cicero doch wohl nur in Yerbindung 
mit esse, z. B. Yerr. 3, 193 ut mild parati sint respondere; 
viele Stellen hat Müller Inf. S. 17, sowie Schmidt Inf. S. 97. Bei 
Caesar trifft man es auch ohne esse, z. B. civ. 3, 9, 5 und 2, 32, 8. Sehr 
häufig ist in Kl. Sprache aber auch die Yerbindung mit ad, welches 
nach Kraner zu Caesar a. a. 0. immer der Fall ist, wenn die Be- 
deutung gerüstet vorherrscht. Paratus in aliquid, z. B. in omnem 
eventum, für ad omnem eventum, auf jeden Ausgang gerüstet, gefasst (Cic. 
fam. 6, 21, 1) ist N. Kl, vgl. Quintil. 10, 5, 12, Sen. contr. 3 (7), 18, 3, 
Suet. Galb. 19. Gut ist ferner auch paratum esse in aliqua re, z. B. in 
iure, in rebus maritimis == gewandt, geübt, geschult sein, s. Cic. 
Brut. 145 u. Pomp. 55. Paratum esse contra aliquid = gewappnet, 
gestählt, findet sich bei Cic. fam. 5, 13, 1. — Das Erioorbene endlich 
ist meist nicht paratum, sondern partum, aber gewöhnlich im Neutr. 
Plur. S. Sali. lug. 31, 17 und Catil. 51, 42, Cic. Phil. 2, 65 male 
parta male dilabuntur. Dies kommt daher, dass paratus als Adj. 
— bereit gefühlt wurde, und so musste partus seine Stelle ersetzen. 
Doch schwankt oft die Überlieferung, vgl. C. F. W. Müller zu Cic. 
Mur. 55 und zu off. 1, 92, Boot zu Att. 1, 10, 6, Dietsch zu Sali, 
bist. 1, 41, 17 (1, 55, 17 M.). 



Paratio — 241 — Parens 

Paratio, die Erwerbung, Zurüstung, ist in Prosa vielleicht nur 
bei Sali. lug. 31, 8 und bei Paul, in dig. 30, 1, 39 § 7 zu finden 
für comparaüo ; paratus hingegen = apparatus, das Angeschaffte, das 
Rüstzeug zu etwas, hat nicht Sallust allein. Es steht Kl. bei Cic. 
fin. 5, 53, vgl. jedoch Madvig z. St., bei Liv. 10, 41, 3, und N. KL 
bei Tacitus, Seneca und Sp. L. auch bei Gell. 19, 1, 7. 

Parcere, schonen. Im Perfekt halte man sich an die Form 
peperci, nicht an parsi, dagegen im Supin. an die Form parsum, 
nicht an parcitum, vgl. Neue-Wagener 3 III S. 367 u. 528, Georges 
Jahresber. 1884, S. 128, Lupus zu Nep. Thras. 1, 5. Es wird nur 
A. L. und Sp. L., hier z. ß. von Gellius 16, 19, 10, vgl. Gorges 
S. 26, mit dem Accus., in guter Prosa nur mit dem Dativ verbunden; 
P. L. in der Bedeutung nicht wollen, unterlassen, mit dem Infin., für 
nolle, dubitarc, intermittere. In A. L. Prosa kommt es so nur bei 
Cat. agr. 1, 1 opera tua ne parcas visere vor. Die klass. Sprache 
kennt diese Konstruktion nicht; einmal hat sie Livius 34, 32, 20 
parce fidem ac iura societatis iactare. Sp>. L. hingegen ist dieser 
Gebrauch nicht selten, wie denn Mahne, Mise. lat. 2, 58 aus c. 3 
und 6 des Paneg. von Pac. auf Theod. zwei Stellen beibringt: parcam 
explicare causas und sed parcam arcanum caeleste rimari. Ebenso 
heisst es bei Apul. apol. 23: parce postea paupertatem euipiam obiec- 
tare. Auch bei August, epp. 43, 24 steht: parco iam dicere etc. 
Näheres über parco mit Inf. sehe man bei Dräger H. Synt. II, 
S. 322, Schmidt Inf. S. 67, Georges Jahresber. 1880, S. 428, Riemann 
etudes S. 282, Ott Abi. Ger. S. 36 Anm., der viele Stellen aus 
8p. L. beibringt. Derselbe Gelehrte fasst bei Liv. 26, 31, 5 ne hie 
quidem contumeliis in eos dicendis den Kasus als Abi. auf und er- 
blickt hier den Vorläufer für das Sp. L. parcere mit Abi. Ger., z. B. 
non parcant obiurgando peccata. Auch parcere mit Abi. im Sp. L., 
mit Abi. und ab bei Liv. 25, 25, 6 u. ähnl. ist 1. 1. von Ott be- 
handelt. 

Parcitas, die Sparsamkeit, steht N. Kl. nur bei Seneca clem. 
1, 22, 2 und Spätem für parsimonia; die Stellen aus dem Sp. L. 
sehe man bei Gölzer Hier. S. 103 und S. 106. Parcitas und parsi- 
monia werden Sp. L. = teniperantia gebraucht, vgl. Bonnet Greg. 
S. 273; vielleicht hat parsimonia diese Bedeutung schon N. KL, z. B. 
Sen. ep. 58, 20. 

Parcus ist in der Bedeutung klein, gering, wenig, spärlich P. L. 
und Sp. L. für parvus, cx/giuts. Doch sagt schon Plin. pan. 49, 8 
inde tibi parcus et brevis somnus; ähnliches findet sich Sp. L., und 
so braucht Lact. 1, 132, 1 Br. auch parce: de quo nunc parcius 
sc. die am. 

Parens ist in der Bedeutung der Anverwandte, besonders im 
I Mural, erst Sp. L. und nicht anzuwenden für cognatus, propinquus. 
Bemerkenswert ist, was liier, adv. Rufin. 2, 2 sagt: parentes militari 
vulgarique sermone cognatos et adfines nominat; damit ist diesei 
Gebrauch des Wortes genügend charakterisiert Die Stellen, wo 

K rebs-So li niiilr, AntiliirbaruM II, | I, 



Parentalis — 242 — Paries 

parentes — Verwandte ist, sehe man bei Gölzer Hieron. S. 271, sowie 
bei Dressel S. 26, Rönsch Itala S. 330 und Semas. Beitr. S. 54, Berg- 
müller Jord. S. 15. Sp. L. ist ebenso das Subst. parentela, die Ver- 
wandtschaft, für cognatio. — P. u. Sp. L. steht parentes in der 
Bedeutung die Vorfahren, für maiores. Patres oder parentes (Liv. 
21, 43, 6) kann in guter Prosa nicht für maiores gebraucht werden; 
denn Seyffert-Müller z. Lael. S. 277 lehren, dass patres nur die zu- 
nächst vorangehenden Generationen der Väter, Grossväter und ihrer 
Vertcandten umfasse, was aber darüber hinausliege, das gehöre zu 
den maiores. Daher werden maiores und patres einander oft ent- 
gegengestellt, s. Liv. 22, 59, 7, Cic. de orat. 1, 8, Caes. Gall. 1, 13, 

6. S. auch Allgayers Zusätze und Berichtigungen zum Antibarb. 
S. 92. 

Parentalis, e, ist so sehr auf die Parentalia und dies parentales, 
das Leichenfest, die Leichenfesttage zum Andenken der Eltern und 
Yer wandten, und bei Ovid trist. 4, 10, 87 noch auf umbrae paren- 
tales beschränkt, dass man es durchaus nicht in der allgemeinen 
Bedeutung elterlich brauchen kann; man setze dafür den Genitiv 
parentum. Am Tage Allerseelen ist Kl. Parentalibus, vgl. Heraus 
Progr. Offenbach 1899 S. 22. 

Parentare alicui und parentationem habere ist in der Bedeutung 
eine Leichenrede auf jemand halten, N. L. und passt weder als 
Titel einer Leichenrede (oratio funebris), noch auf den Titel eines 
Leichenprogrammes, zumal bei nicht mit uns Verwandten; denn es 
bedeutet bei den Alten nur: den Eltern und Anverwandten ein Toten- 
opfer bringen oder eine Leichenbestattung halten. Aber ganz gut 
kann es in dem aus der Grundbedeutung natürlich entwickelten Sinn 
gebraucht werden : den Tod jemandes durch den Tod eines andern 
rächen, z. B. : parentemus Cethego, Cic. Place. 96, viginti legionum 
sanguine fratri parentare, Sen. Polyb. 16 (35), 2 u. Caes. Gall. 7, 17, 

7, Curt. 5, 6, 1 u. das. Mützell. So auch irae parentare = be- 
friedigen, sättigen: internecione hostium iustae irae parentatum est, 
Curt.9, 5, 20i 

ParentJiesis, die Parenthese, ist ein jetzt kaum zu entbehrendes 
Kunstwort, wiewohl es bei den Alten nur griechisch vorkommt und 
von Quintilian durch interpositio , interclusio, interiectio übersetzt 
wird. Man brauche aber im Genitiv nicht die griechische Form 
parentheseos, sondern die lateinische parenthesis. 

Paries, die Wand. — N. L. ist die nach dem Deutschen ge- 
bildete Redensart in quattuor suis parietibus oder intra quatuor suos 
parietes esse, sedere, se tenere, in seinen vier Wänden sein, sitzen, 
sich halten, für intra parietes esse, se tenere (Cic. Brut. 32, Quinct. 
38), domi esse, sedere, domo oder domesticis finibus se tenere (Cic. 
Attic. 7, 12, 6). Einem nicht einmal innerhalb seiner vier Wände 
seine Ruhe lassen, parietibus alieuias bellum inferre, Cic. dorn. 60; 
vgl. noch hostem intra parietes teyiere, Tüll. 50, domesticis me 
parietibus vix tueor, Phil. 12, 24; omnia praeter tectum et pa- 



Parilitas — 243 — Pariter 

rietes abstidit, Yerr. 5, 184; ferner das sprichwörtliche duo pa- 
rietes de eadem fidelia decdbare bei Curius in Cic. fam. 7, 29, 2. 
Ich füge letzteren noch folgende Sprichwörter, die denselben Ge- 
danken ausdrücken, bei: una mercede duas res assequi, Cic. S. Rose. 
80; ano labore duas aerumnas absolvere, Plaut. Arnph. 488; ano in 
saltu duos apros capere, Plaut. Cas. 476. Dass partes wie bei uns 
Wand in den Sprichwörtern eine grosse Rolle spielt, zeigt ausserdem 
noch Petron 39, 19 qui utrosque parietes linimt ; noch mehr Bei- 
spiele habe ich Z. f. G. W. 1881 S. 140 gegeben, vgl. auch Archiv 
V S. 12. — Merke noch einen daheim halten, limine continere 
aliquem nach Liv. 34, 1, 5. Wo wir von vier stillen Wänden 
sprechen, also von einem stillen, abgelegenen Wohnzimmer, da passt 
angidi. Vgl. Cic. rep. 1, 2. 

Parilitas, die Gleichheit, ist Sp. L. für aequalitas, aequitas u. a., 
vgl. Rönsch Ital. S. 54, Coli. phil. S. 179, Paucker Beitr. 3, 655, 
Kretschmann Apul. S. 45, id. Sidon. S. 8, Landgraf Z. f. ö. G. 1882 
S. 431. 

Parisii, iorum ist in der Kl. und N. Kl. Latinität nur der 
Name des Volkes jener Gegend; die Stadt hiess Lutetia Parisiorum, 
auch einfach bloss Lutetia, wofür erst 8p. L. auch Parisii gesetzt 
wird, z. B. Amm. 20, 5, 1. Das davon abgeleitete Adj. Parisiensis 
ist N. L. für Parisiacus, was auf Inschriften und bei Yen. Fort. vit. 
Mart. 4, 636 vorkommt. 

Paritas, die Gleichheit, ist Sp. L. für aequalitas, aequitas u. a. 
Merkwürdig ist, dass sich die Sprache gegen Aufnahme dieses Wortes 
paritas so sehr sträubte, dass man lieber in Kl. Zeit zu Umschrei- 
bungen griff und im Sp. L. gar demselben noch parilitas vorzog. 
Cicero sagt paria officia, Gleichheit der Leistungen, dispares mores, 
Ungleichheit der Charaktere. Ygl. Seyffert- Müller z. Lael. S. 457, 
Mohr 1886 S. 6. Yielleicht verführt durchs Sp. L. brauchte es 
Muret. (Opp. T. I S. 145): verborum paritatem, für acqualitatem. 

Pariter wird in der Bedeutung auf gleiche Weise Kl. nicht nur 
in Yerbindung mit einer vergleichenden Partikel, z. B. ac, cum ge- 
braucht, sondern auch ohne einen solchen Beisatz. So findet sich 
pariter schon bei Terenz Heaut. 132, ebenso bei Sali. lug. 80, 7 u. 
60, 1. Auch Cicero hat diesen absoluten Gebrauch von pariter, 
z. B. elaboratur, ut pariter extrema terminentur, Cic. orat. 38, off. 
2, 30 und Lael. 56; ebenso Quintil. 9, 3, 102, vgl. auch Landgraf 
zu Reisig-Haase S. 235 Anm. 419 b. Aus der Bedeutung des Gleich- 
massigen entwickelt sich die des Gleichzeitigen, und so ist pariter 
bei Livius und überhaupt bei den Historikern sehr häufig = gleich- 
zeitig, vgl. Wölffiin zu Liv. 22, 4, 6; so steht pariter absol. bei 
Livius procurrunt pariter omnes, 6, 8, 2; 3, 22, 6; 10, 19, 15 und 
26, 48, 13, Tac. bist. 4, 56, Plin. nat. 26, 6(5. Hingegen mit cum: 
pariter cum coüega, Liv. 10, 21, 14 und 27, 17, 6 und bei Sallust: 
Numidas equites i«t>il<T cum occasu solis expeditos educit, lug. <» s . 
2; 77, 1 und 106, 5 und in dieser vollen Konstruktion auch bei 



Parnasus — 244 — Pars 

Cicero : cum luna pariter crescere, divin. 2, 33 und de orat. 3, 
10 ; für Caes. wird temporales pariter von Meusel zu civ. 3, 52, 1 be- 
stritten. Der temporale Gebrauch hat sich im Sp. L. erhalten, vgl. 
Paucker lat. scr. h. Aug. S. 153; Rhein. Mus. 35 S. 599. Neu aber 
ist im Sp. L. pariter == una, z. B. Hier. ep. 26, 1 nuper cum pariter 
essemus. Dafür lässt sich aus der guten Zeit der Sprache keine 
Parallele bringen, vgl. Gölzer Hieron. S. 428. Über den reziproken Ge- 
brauch von pariter (nicht Kl.) handelt Thielmann im Archiv VII S. 384. 

Parnasus und Parnassus, der Parnass, der den Musen heilige 
Berg. Neu und gekünstelt ist in Parnasso peregrinum esse, auf dem 
Parnass fremd sein, in der Bedeutung von der Dichtkunst nichts 
verstehen. 

Paroclius ist in der Bedeutung der Geistliche, Pfarrer, Pastor 
N. L., indem es so nicht einmal bei einem alten kirchlichen Schrift- 
steller vorkommt, wiewohl parochia oder vielmehr paroecia bei den 
Kirchenvätern den Kirchsprengel oder die Diöcese eines Bischofs be- 
deutet, vgl. Gölzer Hier. S. 214 Anm., aber auch Gröber Archiv IV 
S. 430 und Bonnet Greg. S. 223. Je mehr indes das Christentum 
an Boden gewann, um so lebhafter stellte sich auch das Bedürfnis 
ein, nicht bloss in grösseren Städten, sondern allmählich auch in 
Flecken und Dörfern Kirchen zu bauen. S. Binterim, Denkwürdigk. 
etc. I, 1, 537 ff. Dies nahm natürlich noch zu, als die Verfolgungen 
aufgehört hatten. So konnte also schon um den Anfang des 5. Jahr- 
hunderts der Bischof Theodoret von Cyrus an Papst Leo I. schreiben 
(s. epp. Leon. 52, 4): octingentarum ecclesiarum pastoralem caram 
sortitus siim, tot enim Cgrus habet paroecias, d. h. offenbar so viele 
Pfarreien, Pfarrkirchen etc. Hingegen parochus = Pfarrer ist bar- 
barisch und um so anstössiger und verwerflicher, da es bei den 
Alten einen Gastwirt oder Lieferanten bedeutet, der auf Kosten des 
Staates oder einer Stadt einen Fremden beherbergen und mit allen 
Bedürfnissen versehen musste. Vgl. Cic. Attic. 13, 2, 2 und dazu 
Boot, Hör. sat. 1, 5, 46 mit der launigen Anm. Fritzsches. — Wie 
Geistlicher zu übersetzen sei, s. unter Contionator. 

Parodia, die Parodie, ist Sp. L., zuerst wohl bei Ps. Ascon. zu 
Cic. Verr. 1, 29, dann vielleicht auch bei Porphyrio, vgl. Stowasser 
Xen. Austr. S. 158. 

Paroxysmus, der Anfall einer Krankheit, ist ohne alle alte 
Autorität. Celsus sagt accessio morbi, febris, ein Fieberanfall, Fieber - 
schauer; auch wird dafür commotiuncula (Cic. Att. 12, 11), motiun- 
cula und motio gesagt. In derselben Bedeutung wird das Verbum 
accedere angewandt. 

Pars, der Teil. Zu bezweifeln ist pars im Sing, in der Be- 
deutung Rolle im eigentlichen, das Schauspiel betreffenden Sinne 
(vgl. F. A. Wolf zu Cic. Marc. 27). Auch wenn das Wort in der 
davon übertragenen Bedeutung überhaupt Aufgabe, Obliegenheit, Amt, 
Pflidit ausdrückt, ist der Plural das Regelmässige ; daher heisst 
klass. meine Rolle, meae partes; die erste Rolle primae partes u. s. w. 



Pars — 245 — Pars 

Der Sing, ist in dieser Beziehung erst nachklass. bei Quintilian, aber 
nicht gerade selten, s. Bonneil, Lexic. Quintil. S. 627 und Heraus zu 
Tac. hist. 3, 46 ; bei zweien wird gesagt priores partes, nicht primae 
partes, noch weniger prima pars; dagegen in der Bedeutung Partei 
sowohl im Sing, pars, als im Plur. partes. Indes kann auch darüber 
gesagt werden, dass der Sing, in der bessern Prosa verhältnismässig 
selten, dagegen der Plur. das gewöhnliche ist. Doch sagt man nur 
nullius partis esse, As. Poll. bei Cic. fam. 10, 31, 2, jedoch erat illa- 
rum partium, Cic. Quinct. 69. Parteieifer ist partium studium ib. 
70, Parteizwist p. certamen, Phil. 13, 47. Bei Marc. 27 hat pars 
nicht die Bedeutung Rolle, sondern ist synonym mit actus, 
wie Cato 5 non verisimile est, cum ceterae partes aetatis hene 
descriptae sint, extremum actum esse neglectum; vgl. Eberhard zu Cic. 
Marc. 27. — Unser zum Teil heisst partim oder ex parte, zu wel- 
chem letztern oft noch bestimmende Wörter, wie magna, maiore, 
maxima, aliqua, idla, ne minima quidem (ex parte) = nicht im ent- 
ferntesten (Cic. off. 1, 76) u. a. hinzutreten; dafür steht auch der 
blosse Abi. magna, maxima parte u. dgl., aber nicht bei Cicero und 
Caesar, welche nur magna, mala u. s. w. ex parte kennen, vgl. 
Seyffert-Müller zu Lael. S. 326 f. und S. 408 Anm., sowie C. F. W. 
Müller zu Cic. off. 1, 137, öfters jedoch bei Livius, vgl. Fabri zu Liv. 

21, 66, 8 und Weissenborn zu Liv. 9, 24, 12, auch sagt man mit 
dem unabhängigen Accus, magnam, maiorem, maximam partem. — 
Über altera ex parte im Sinne der dialektischen Entgegnung s. unter 
Alter. Doch wäre ex alteraparte ganz richtig, wenn die physische 
oder geistige Anschauung einer eigentlichen, im Gegensatz zu etwas 
anderem gedachten Seite gemeint ist, also das Gegenbild, Gegenstück : 
diät illam artem quasi ex altera parte respondere dialecticae, Cic. orat. 
114. Parvuli . . . amplexi patrem tenebant. Ex altera parte uxor 
maritum osculis fatigahat, Iust, 23, 2, 9; complosis manibus in tan- 
tum repente risum effusa est, ut . . . Idem ex altera parte et an* 
cilla fecit, Petr. sat. 18 Ende; omnia ex altera parte collocata = 
alles in die andere Wagschale Gelegte, Cic. off. 3, 11 und bei Liv. 

22, 59, 15: si videatis catenas . . . non minus profecto vos ea spc- 
cies moveat, quam si ex altera parte cernatis ... — Lokales altera 
parte hat vielleicht zuerst rhet. Her., z. B. 2, 7 si altera parle vires, 
altera parte imbecillitas demonstrabitur füisse (doch Marx liest ex 
altera parte), nach ihm Livius 23, 17, 12, nirgends aber Cicero, der 
auch hier wie bei magna, nulla u. s. w. nur ex parte zulässt; vgl. 
Kühnast S. 183, Tbielmann Bayr. Gymn. XYI S. 354. — Einseitig 
kann man nicht mit pars geben; Näg.-Müller 9 S. 326 bieten eine 
Reihe empfehlenswerter Übertragungen. — Ferner, wo wir sagen 
von meiner Seite, in der Bedeutung in meinem Namen, sagt man 
nicht ex oder a mea 'parte, sondern meo nomine, meis verbis. Doch 
wäre pars richtig, wenn wirklich zwei Teile gedacht werden, wie 
bei IMin. epp. 6, 31, 10: ü parle liercdmu /atrarernnt duo, oder wo 

n parte — vom Standpunkt 'ms, z. B. quod a parte dictum est ha- 



Partialis — 246 — Participare 

manitatis; ist dies nicht klass., so findet es sich vom silb. Latein an, 
vgl. Stangl Cassiod. S. 263. In Redensarteu, wie: keine, viele, einige 

— Briefe von meine)' Seite und ähnlichen, bloss meus — nullae, 
multae, aliquot meae epistulae. — Richtig aber ist pro mea — parte, 
für meinen Teil, d. h. so viel ich vermag, nach meinen Kräften — 
pro meis viribus. Vgl. Cic. fam. 5, 2, 9; 15, 15, 3 und öfters in 
den Reden, z. B. Yerr. 4, 81, Süll. 4. Es ist bescheidener Ausdruck 
für das zuversichtliche und starke pro virili parte und das unklass. 
pro virili portione, welche bedeuten: so viel es bei einer gemeinsamen 
Sache auf den einzelnen trifft, also nach Kräften, nach Manneskraft. 
Vgl. Cic. Sest. 138, Phil. 13, 8, M. Müller zu Liv. praef. 3, Bünemann 
zu Lact. 2, 7, 2. Für pro virili parte sagt nur Livius pro parte 
virili, was Reisig (S. 871 unserer Ausgabe, vgl. meine Anm. 619 d) 
zu der Patavinität des Livius rechnet. Vgl. Drakenborch zu Liv. 3, 
71, 8. — Noch bescheidener als pro mea parte sagt Cicero (S. 
Rose. 136) pro mea tenui infirmaque parte. — Der Redensart: pro 
virili parte korrespondiert pro civili parte, so viel ein Bürger tun 
kann and muss, nach meiner Bürgerpflicht; so schreibt Matius bei 
Cic. fam. 11, 28, 4, vgl. Böckel z. St. und Comm. Wölfflin. S. 273. 

— Ob sich aber bei einem guten Lateiner pro virili ohne parte 
finde, wie Manut. (Epist. 3, 27) sagt, oder pro mea virili parte (ib. 
2, 21), oder pro sua virili, scheint zweifelhaft, wenigstens kennen 
wir für diese Ausdrücke keine Autorität, vgl. Reisig-Haase S. 828. 

— Auch ist es sehr gewagt und gewiss ohne Autorität, von einer 
Frau zu sagen pro sua virili parte, z. B. huius mores pro sua virili 
parte prosecuta fuerat Elisabetha. — Über das doppelte partim vgl. 
nachher Partim, über omnibus partibus vgl. s. v. Omnis. 

Partialis und partilis, partialiter und partiliter, partiarius, teil- 
nehmend, teilweise, auch parteiisch, sind alle Sp. L. und ohne allen 
Wert; man drücke sich durch pars oder particula, parüceps, im Adv. 
durch das aus Varro und rhet. Her. belegte particulatim und in der 
Bedeutung parteiisch durch partium studiosus aus. Über die mathe- 
matische Bedeutung von partilis und partiliter, welche z. B. bei Firm. 
Mat. stets zu der Bedeutung pars = Grad zu ziehen sind, vgl. 
Dressel S. 27 f. Was man im N. L. causa partialis nennt, ist bei 
Cicero (fat. 41) causa adiuvans et proxima. 

Participare mit dem Accus, aliquem alicuius rei, aliqua re ist 
plautinisch (Cist. 165, Epid. 266 und Stich. 34), auch participare ali- 
quid, an etwas teilnehmen lassen oder teilnehmen, mitteilen, findet sich 
meistens nur A. L., bei Cicero in Prosa nur einmal (leg. 1, 33 
ad partieipandum), bei Livius zweimal mit dem Accus, der Sache 
/audes, Liv. 2, 52, 8, vgl. M. Müller z. St., und mit Bezeichnung 
auch der Person, die man an etwas teilnehmen lässt: participare 
aliquid cum aliquo, Liv. 3, 12, 5; später meidet Livius das Wort 
und ersetzt es durch das auch dem Cic. geläufige Wort communi- 
care, z. B. 8, 30, 10; vgl. Stacey Archiv X S. 79. Häufiger ist par- 
tieipare im Sp. L., z. B. bei Iust. 34, 2, 8 und Apul. met. 8, 9, bei 



Participatio — 247 — Partim 

Gell., Tert., Lact., Auson., Symm., Paneg. u. s. w.; im Sp. L. findet 
sich auch das Deponens participari, gewöhnlich aliquid, z. B. saht- 
tem, auch mit Dat., z. B. sententiae = teilnehmen an . . . Näheres 
bieten Bünemann zu Lact. inst. 5, 6, 1, Schulze Symm. S. 85 f., 
Kretschmann Apul. S. 76, Piechotta S. 12 Anm., Paucker lat. Sulp. 
S. 89, Hoppe Synt. Tert. S. 15, Chruzander S. 45, Rönsch Sem. III 
S. 62. Man meide das Wort und halte sich an participem facere, 
im Pass. fieri, impertire, impertiri, in partem alicuius rei vocare, im 
Pass. venire, participem fieri u. a. 

Participatio und participatus, die Mitteilung, Teilnahme, sind 
Sp. L. für communicatio oder die Umschreibung mit particeps, vgl. 
Rönsch Ital. S. 76, Gölzer Hieron. S. 73, Kretschmann Apul. S. 38. 
Für N. L. in participatum rei publicae adsciscere sagt Livius regnum 
oder Imperium consociare und Cic. rep. 2, 13 cum aliquo sociare. 

Particularis, einen Teil betreffend, besonder, abgesondert, ist 
Sp. L. für singularis, praecipuus oder die Umschreibung durch pars. 
Ebenso Sp. L. ist particulariter für particulatim, per partes, mem- 
bratim, singillatim, praecipue. 

Partim ist eigentlich die alte Form des Accus. = partem, vgl. 
Hey Semas. Stud. S. 142. In dieser Bedeutung tritt partim nicht 
nur bei Sallust auf: partim vi, cdia metu avortere ab hostibus, 
lug. 89, 1 und hist. 2, 47, 1 M., sondern auch bei Livius partim 
copiariim mittit, partim ipse dncit, Liv. 26, 46, 8 und bei Cic, 
eorum partim in pompa, partim in acie illustres esse voluernnt, 
de orat. 2, 94. Ygl. darüber ausserdem Liv. 33, 11, 1, Cic. Pis. 48, 
de orat. 1, 141. Wie nun aber bei Cic. off. 1, 24 maximam autem 
partem ad iniuriam faciendam aggrediuntnr der Acc. maximam par- 
tem das Subj. vertritt, so ist auch für das durch Isolierung seine 
ursprüngliche Accusativbedeutung allmählich verlierende partim der 
Gebrauch als Subj. naheliegend. Es kann daher partim — partim 
auch wie ein Nominativ = alii — alii, alia — alia absolut oder v 
auch mit dem Genitiv oder der Präposition ex verbunden werden, 
z. B.: eorum partim ea sunt . . Liv. 42, 41, 2, Nep. Attic. 7, 2 und 
dazu Lupus, Cic. off. 2, 72. Über die Verbindung mit ex vgl. man 
Cic. leg. 2, 42, Yatin. 16 und Phil. 8, 32. Statt des zweiten partim 
erscheint namentlich bei dem auf steten Wechsel des Ausdrucks be- 
dachten Sallust auch alii, s. Sali. lug. 19, 5; 38, 3 und 40, 2, vgl. 
Wölfflin im Archiv II S. 253 und namentlich Gorges Gell. S. 32. — 
Es liegt in der Natur von partim — partim, dass es nur dann ge- 
braucht werden kann, wenn entweder von mehreren Gegenständen 
etwas Verschiedenes, nichtjillen Gemeinschaftliches gesagt wird, z. B. 
die Feinde wurden teils (partim, pars) gefangen, teils (partim, pars) 
getötet; denn der Sinn ist: ein Teil, ein anderer Teil, Sali. lug. 13, 
2, Suet. Aug. 21. (Aber falsch wäre: Thebani partim cives otficiosi 
sunt, partim maxime quieti, die Thebaner sind teils dienstfertige, 
teils sehr ruhige Bürger, für tum — tum, da von allen Thebanern 
beides gesagt wird.) Oder partim — partim kann auch nach einem 



Partire — 248 — Parum 

singularischen Subjekte stehen, sobald die einzelnen Momente oder 
Teile angegeben werden, welche zur Begründung des Prädikats- 
begriffes dienen sollen, z. B. : postea renuntiavit foro partim pudore, 
partim metu, Suet. rhet. 6 ; ebenso Liv. 29, 26, 5, Curt. 7, 5, 23, 
vgl. Yogel z. St. Ferner bei Caes. Gall. 5, 6, 3 wird erzählt, Dum- 
norix hätte dringend gebeten, bei dem Seezuge Caesars nach Bri- 
tannien in Gallien bleiben zu dürfen: partim quod insuetus navigajidi 
mare timeret, partim quod religionibus impediri sese diceret. Mit 
Recht weist daher Landgraf zu Reisig-Haase S. 217 Anm. 414 b die 
Angriffe auf partim — partim bei Cic. Marc. 1 zurück ; ein Beweis- 
mittel für die Unechtheit der Rede ist durch diesen Gebrauch von 
'partim — partim nicht gegeben, höchstens ein weiterer individueller 
Zug der an Eigentümlichkeiten so reichen orationes Caesarianae. — 
Sp. L. bei Tert., Ambros., Aug., Boet. ist partim — partim = bald 
— bald, vgl.Wölfflin Arch. II S. 251. — Tum auf partim folgen zu 
lassen, ist gegen den bessern Gebrauch. — Eine singulare Form ist 
partium = einzeln bei Solin. 7, 18, vgl. Funck im Archiv VII 
S. 491. 

Partire, teilen, ist in der aktiven Form A. L. für partiri als 
Deponens, vgl. Enn. Sc. 327, Lucil. 98 gaudia mecum partisses. Doch 
haben Sali. lug. 43, 1 und Tac. ann. 12, 30 nach den ungewöhnlichen 
Formen partivenmt und partivere gegriffen, vgl. Uri S. 48 und Sirker 
S. 46. Passives partiri hat auch Cicero, z. B. orat. 188 pes partitur 
in tria. Das Partiz. partum hat fast nur passive Bedeutung, geteilt, 
abgeteilt, z. B. Caes. Gall. 6, 6, 1; 7, 24, 5; Cic. de or. 3, 30'. 

Parum, was nicht zu verwechseln ist mit paulum (paullum), be- 
deutet Kl. und auch sonst meist zu wenig, allzu wenig, nicht genug, 
nicht bloss wenig, und ist gleich non satis oder minus. S. Dietsch zu 
Sali. lug. 85, 31. Ihm steht nimium, zu viel, entgegen und zwischen 
beiden liegt satis, genug, vgl. Cic. Cluent. 160. Daher sagt Cicero (orat. 
73): magis offendit nimium, quam parum, das Zuviel missfallt mehr, 
als das Zuwenig, und (ib. 178): in hoc genere nimium quod est 
offendit vehementius, quam id, quod videtur parum; inv. 1, 1 zuerst 
parum prodesse und nachher nimium obesse, und fam. 7, 13, 1 quod 
parum mihi constans et nimium cupidus decedendi viderere. — Da- 
her bedeutet parum est, es genügt nicht, gleich non satis est; par- 
umne est? genügt es nicht? (Cic. Sest. 32), parum midti, allzu (gar 
zu) wenige (Cic. Plane. 18); parum midta, allzu iveniges, nicht genug 
(Tusc. 5, 107); parum diu, nicht lange genug, d. h. allzu kurz. Doch 
schon in der ersten Kaiserzeit ging parum in die Bedeutung „nicht 
eben viel" über, wie uns Quint. 3, 1, 5, Sen. epp. 2, 6; 110, 20; 
116, 7, besonders aber Plin. pan. 20, 3 adeo nihil aut certe parum 
intererat inter imperatorem factum et brevi futurum zeigen ; den 
Ansatz dazu können wir im b. Hisp. 3, 4; 8, 1; 24, 4 in der Li- 
totes erkennen, ja schon früher bei Cic. Verr. 4, 29 non parum 
clarus — multum clarus, entsprechend der Herleitung parum von 
parvom, vgl. Skutsch bei Kroll, Die Altertumswissenschaft, S. 331. 



Parum — 249 — Parum 

Namentlich bei den Ärzten können wir sehen, wie purum, ein wemg 
aufkommt. Während Celsus nur paulum und paululum cibi, olei sagt, 
finden wir dies paulum später durch partim ersetzt; jetzt heisst ein 
Schluck Wein bei Cael. Aur. chron. 2, 7, 102 parum vini, und dem 
entsprechend lesen wir auch sonst, z. B. bei Oros. 4, 12, 8 partim uquae 
ein Schluck Wasser. Nunmehr konnte auch Veget. 4, 4, 9 sogar sein 
perparum wagen. Vgl. Madvig fin. S. 769, Nägelsb. -Müller 9 S. 370, 
Helmreich in Archiv II S. 127 f., Wölfflin Komp. S. 9, Stöcklein in 
Archiv YII S. 260, Cotta S. 7, Burg S. 58. Aus diesem N. KL und 
Sp. L. Gebrauche erklärt sich, dass Heyne (praef. Virg. I 8. 23): parum 
aat nihil sagt und N. L. ad sensum parum interest sich findet, für 
das klass. non multum oder non magnopere, welche beide wenig be- 
deuten. — Ferner heisst nicht wenig auch multum oder steigernd 
non minimum (Cic. Att. 14, 13, 3 nos cum multum litterae, tum non 
minimim Idus quoque Martiae consolantur) ; dafür kann auch non 
oder (bei Livius immer) haud parum als klass. Ausdruck stehen. 
S. Fabri zu Liv. 22, 26, 4; zu den von ihm dort zitierten Stellen 
füge man noch Cic. fin. 2, 12, Nep. Attic. 13, 6. Zu bemerken ist 
übrigens, dass non oder haiul partim nicht für sich allein, sondern 
nur bei Adjektiven und Adverbien vorkommen, um durch eine Li- 
totes steigernd zu wirken = gar nicht ivenig = recht sehr, gar 
wohl; z. B. Cic. Yerr. 4, 29 non partim clarus, Cic. fin. 2, 12 est autem 
dictum non parum saepe (■= oft genug), vgl. Nägelsb.-Müller 9 S. 406 
Anm., Wölfflin Komp. S. 9, M. Müller Progr. Stendal 1877 für haud 
partim, ebenso Planer S. 60, Weyman Litot. S. 543; über non mininwm 
vgl. Z. f. G. W. 1881, S. 136 und dazu Weyman S. 531, Lupus S. 123, 
Kühnast S. 351, Berl. Phil. Woch. 1902 S. 1451. In Verbindung 
mit Komparativ und Superlativ ist es jedoch Sj). L., z. B. Apoll. 
Sidon. 4, 10 partim cultior, Mohr 1886 S. 10; daher mag auch 
Mahne Crito S. 257 sein asino parum sollertior haben. — Non parum 
kann als neutrales Subst. gerade wie purum auch den Genitiv zu 
sich nehmen: non partim humanitatis — satis humanitatis, s. Cic. S. 
Rose. 46, parum miseriae ib. 49. Ein wenig heisst paulum, z. B. 
Cicero (rep. 2, 25): ii paulum (ein wenig) ab illa consuetudine sunt 
revocandi; — sehr wenig heisst admodum nihil, nicht purum ad- 
modum; — wie wenig heisst nicht quam partim, sondern quam non 
(Cic. Tusc. 2, 17 quam hoc non curo) 1 quam nihil, quam non multum 
(orat. 3, 197), auch quam vix Cic. Att. 5, 11, 1, quam hu ml mul- 
ium (Liv. 26, 6, 7); so ivenig heisst adeo non (Cic. Att. 6, 9, 3), 
funtulum, usque eo non (Tusc. 3, 27), nicht tarn purum; — 80 
ivenig etwas heisst nicht tum parum aliquid, sondern sie nihil (fam. 
12, 9, 1); — so wenig weder — novit heisst nicht tarn parum neque 
— neque, sondern ilu neque — neque (S. Kose. 82); — 80 wenig, 
dass —, ilu mm, ut (fam. 7, 1, 3, fin. 2, 22), usque eo non, ut 
(Sest. 110, B. Robc. 45), adeo non. ut etiam (Cels. Med. 2, Lü g. E., 
alicr nicht klass.!), nicht ita oder t<im oder adeo purum, ut, wie 
Ernesti (opusc. orat. S. 172) sagt: quia adeo parum bumanus est?; 



Parum — 250 — Parvus 

näheres siehe bei Seyffert- Müller z. Lael. S. 61, Nägelsb.- Müller 9 
S. 370. — Wenn bei Sali. (lug. 85, 31) mit P C früher parum id 
facio gelesen wurde, hat man jetzt mit Recht aus dem Vaticanus 
pur vi id facio aufgenommen; Kuhlmann hat die Lesart der Hand- 
schriften P C sehr mit Unrecht in Schutz genommen Progr. Olden- 
burg 1887 S. 35, vgl. auch Madvig fin. S. 769. — Wie vielfältig im 
Gebrauche des Wortes parum gefehlt werde, zeigen teils die bisher 
angeführten Beispiele, teils folgende Redensarten: parum (für leviter) 
aegrotare; parum attingere, für breviter, leviter, paiwis verbis u. a., 
je nach dem Sinne; parum exspectare u. a., für paulisper, parumper; 
parum curare, sich wenig kümmern, wofür Terenz sagt parvi pendere, 
parum laborare, für non magnopere laborare u. a. m. 

Parum in Verbindung mit abest und folgendem quin oder ut, 
es fehlt wenig, dass — , ist Sp. L. bei Donat vita Yirg. c. 8: parum 
abfuit, quin occideretur, für non multum, non longe abest, quin — 
(Caes. civ. 2, 35, 4), oder paulmn (paullum, nihil) abest, quin — 
(ibid. 2, 35, 2, Suet. Calig. 34 und Nero 28), was mit jenem irrig 
verwechselt wird, oder für prope est, ut — , was Livius in gleichem 
Sinne braucht, z. B. 2, 23, 14 und an vielen andern Stellen, 
welche M. Müller Anh. S. 152 zitiert, vgl. auch Dahl S. 244. Ygl. 
auch Abesse. — Im N. L. aber ist nichts häufiger als parum abest, 
quin oder ut. — Ferner ist N. Kl, (z. B. beim Jüngern Plinius) pa- 
rum est, es genügt nicht, mit ut zu verbinden; z. B. Plin. (paneg. 
60, 1): parum est, ut in curiam venias, für quod — venis, oder mit 
si (Liv. 6, 40, 18) oder mit dem Accus, c. infin., was bei Cicero be- 
sonders üblich ist, vgl. Lig. 35 sed parum est me hoc meminisse. 
Letzteres hat auch Sali. lug. 31, 22, ebenso parum habere aliquid 
mit folgendem Infin., ibid. 31, 9. Merke noch die Verbindung 
mit nisi, welches nach parum etwas das gewöhnliche Mass Über- 
schreitendes anführt, s. Weissenborn zu Liv. 27, 10, 5 und Liv. 42, 
3, 6. Von allen konjunktionalen Verbindungen ist klass. nur parum 
est quod bei Cic. Sest. 32 (Merguet falsch parum est u £), sowie parum 
est nisi etiam bei Cic. S. Rose. 49. — Dass parum = non wird, 
zeigt Hey Archiv XI S. 527. 

Parumper bedeutet „auf einen Augenblick" , z. B. Cic. Phil. 2, 
104 remove gladios parumper illos, nachher kann wieder ein Wechsel 
des Zustandes eintreten; paulisper aber enthält nur den Begriff der 
Zeitdauer, z. B. Cic. dorn. 47 intuemini paulisper animis iuventutem 
„eine kleine Aufmerksamkeit oder Betrachtung schenken", vgl. Seyffert- 
Müller z. Lael. S. 23, Meissner zu Cic. Tusc. 5, 68. Zu meiden ist 
paidumper, das bis jetzt nur aus einer afrikanischen Inschrift belegt 
ist, vgl. Kubier Arch. VIII S. 197. — Im Sp. L. verliert parumper 
den Begriff der Zeit und wird Synonym von paulum, z. B. parumper 
farinae, vgl. Bonnet Greg. S. 277. 

Parvus, klein, gering. Der Superlativ heisst Kl. und überhaupt 
in guter Prosa immer nur minimus, da die Form parvissimus, welche 
der Dichter Lucrez, ebenso Varro und dann wieder Sp. L. Cael. 



Pascere — 251 — Pascere 

Aur., Veg. u. a. gebraucht haben, nur der nachlässigen Volkssprache 
angehört, vgl. Neue -Wagener 3 II S. 207, Paucker lat. Oros. S. 30, 
Paucker Hier. S. 178, Könsch It. S. 279, Bergmüller Jord. S. 15. — 
Das Adj. parvus aber bezeichnet im bessern Latein nicht die kleine 
Statur eines Menschen; man sagte nicht parvus homo, ein kleiner 
Mensch, sondern brevis (Cic. de orat. 2, 245 brevior ipse quam testis, 
der selbst noch kleiner als der Zeuge war), oder statura brevis 
(Quintil. 2, 3, 8), oder pusillus (Cic. de orat. 2, 245), sowie gross — 
longus, nicht magnus hiess; daher sagt Cicero (inv. 1, 35): longus 
an brevis, ob gross oder klein; auch kann man sagen homo brevis 
staturae, humilis staturae, statura. humili et corpore exiguo (Nep. 
Ages. 8, 1). Nach rhet. Her. (4, 45) wurde parva statura fälschlich 
gesagt für brevis statura. Und so heisst auch die kleine Statur geradezu 
bei Caes. Gall. 2, 30, 4 brevitas. Ygl. Magnus. Erst Sp. L. kommt 
parvus so vor: Zachaeus statura parvus erat, August, serm. 113, 3 
(opp. VII) und in Ps. 143, 1. — Wenn klein sich auf das zarte 
Alter bezieht: unsere Kleinen, wird hiefür auch lat. parvus gut 
gesagt, z.B.: salutaria appetunt parvi, Cic. fin. 3, 16 und parva, 
parvula soror, Ter. Eun. 521 und 524 und parva virgo, ibid. 
766. — Kleine Buchstaben heissen selten parvae litter ae, häufiger 
minutae litterae oder litterulae. — Wie man lat. oft findet magno, 
maiore, minore labore, z. B. Iust. 2, 12, 20, Curt. 6, 3, 12, Sen. 
brev. vit. 17, 4, tranq. a. 1, 13, Liv. 10, 17, 6; 31, 16, 4, Cic. 
de orat. 2, 210, Ter. Eun. 399, so muss natürlich auch das Gegen- 
wart parvus, parvulus, exiguus labor richtig sein. S. darüber 
Sen. epp. #> 76, 6, Colum. 2, 2, Caes. civ. 1, 9, 1 und Cic. de orat. 
2, 174. Über den Unterschied von parvo labore und nullo negotio vgl. 
das Wort Labor. — Das Substantiv parvum kommt vor im Gen. 
bei den Verben des Schätzens und im Abi. bei den Verben des 
Kaufens. N. L. ist also der Genit. parvi in der Bedeutung wohl- 
feil, am einen geringen Preis bei Kauf, Verkauf u. dgl., für parvo. 
Sonst finden wir vom substantivischen parvum nur noch parvo con- 
tentns, z. B. Cic. Lael. 86; mit sehr wenigem zufrieden ist minimo 
contentus, Cic. Flacc. 28; mit weniger zufrieden ist vielleicht pauc'i- 
oribus rebus contentus nach Hör. sat. 1, 3, 16. Jedenfalls hüte 
man sich mit Liv. 44, 26, 6 parvum auri zu sagen; vielleicht 
hat Livius selbst^ parvum, pondus auri (Weissenborn praef. S. 18) 
geschrieben. — Über parvi pendere vgl. Pendere. — Bei den Redens- 
arten a parvo, a parvulo und a parvis, a parvulis, von Kindheit an, 
welche seltener sind als a puero und a pueris, merke man, dass 
der Sing, nur von einem, der Flur, aber nur von mehrere)) gebrauch i 
wird. Vgl. Puer. — Parvuli = Kinder findet sich zuerst V. A7. 
(bei Caes. Gall. 6, 21, 3 liest man jetzt mit ß u parvis statt a 
parvulis) bei Val. Max., Quint., Tac, oft erst im Sp, L., vgl. Funck 
in Arch. VII S. 94 ff., Bonnet Greg. S. 206. 

Pascere sc, sich weiden, sich nähren, im eigentlichen Sinne ist 
Sp. L.: sc suloris arte j>nsn>re, August, civ. dei 22, S. Derb ist der 



Pascha — 252 — Passim 

Ausdruck ventrem pascere (parasitando) Plaut. Pers. 55. In trop. 
Bedeutung seine Freude haben, finden ist se pascere D. L. für pasci, 
aber richtig mit einem andern Objekte, aliquem, z. B. animwn, oculos 
pascere, die Seele, die Augen weiden, z. B. Ter. Phorm. 85 restäbat 
aliud nil nisi oculos pascere, Cic. Yerr. 5, 65 cum eius cruciatu atque 
supplicio pascere oculos vellent; und so heisst auch pastus animi — 
die Seelenweide (Cic. Tusc. 5, 66). Vgl. Langen N. Jahrb. 1882 S. 766. 

Pascha ist sowohl in der Bedeutung von Osterfest als Osterlamm im 
Nomin. und Accus, stets generis neutr., z. B. : erat proximum Pascha, 
festus dies Iudaeorum, Yulg. bei Joann. 6, 4 und 1 1, 55. Was die Flexion 
betrifft, so bildet es den Genitiv regelmässig nach der 1. Deklination: 
Paschae, z. B. Yulg. bei Luc. 2, 41, Joann. 19, 14, August, opp. ed. 
Benedict. X, 546 und Y, 916, Tertull. adv. lud. 10 g. E., Ambros. 
epp. 1 class. epp. 23, n. 9 und 11. Für den Dativ ist uns keine 
Stelle bekannt. Für den Accus, ist nur Pascha zu gebrauchen; denn 
Pascham steht nur in dem Gedicht unter Tert. Namen adv. Marc. 
2, 80; 285, vgl. Neue -Wagener 3 I S. 866, Schepss im Archiv III 
S. 314, Schmidt lat.Tert. S. 35, Fürtner Progr. Landshut 1885 
S. 19. S. darüber Yulg. Matth. 26, 19, Marc. 14, 12, Luc. 22, Y. 
7, 8 und 11, August, opp. X S. 11 und IX S. 596, Hier. epp. 96, 
20 und Tertull. adv. Marc. 4, 40 (dreimal) und adv. Jud. 10 g. E., 
Ambros. ed Migne I S. 281 und sonst. Der Abi.: in Pascha 
steht Yulg. bei Joann. 2, 23; 18, 29 und Hier. opp. II S. 92, G. 
Daneben findet sich auch die Flexion Paschatis, z. B. Paschate vicino 
bei Hieron. comment. in Matth. 26, 3 und de futuro Paschate esto 
sollicitus, Leo M. epp. 131, 2. Im Plural bleibt die als Neutrum 
behandelte Form des Singul. Pascha entweder auch als indeklinables 
Fremdwort unverändert, wie tria Pascha bei Hier, in Jesaj. 1. 9, c. 
29, opp. Y, Y. 1 — 8 S. 56, B., oder es wird als Neutrum der dritten 
Deklination flektiert: per tria Paschata, Hier, in Dan. 9, 24, opp. 
Y S. 275. Ganz selten ist das Femin., z. B. Pascharum bei Pris- 
cillian, vgl. Schepss im Archiv III S. 314. — N. L. ist der Name 
Paschalia, welcher neben den alten heidnischen Festnamen auf alia 
nicht zu verwerfen ist, zumal da das Adj. paschalis gebräuchlich war, 
vgl. Rönsch Coli. phil. S. 41. 

Passibilis, der Empfindung , des Leidens fähig, ist Sp. L. für 
patibilis, und ebenso in der Bedeutung erträglich für tolerabilis; vgl. 
Rönsch Ital. S. 113, Coli. phil. S. 100, Gölzer Hier. S.137, Paucker 
Hier. S. 62 und 170 und s. v. Patibilis. 

Passim, welches weit und breit, überall, an allen Orten (s. Fabri 
zu Liv. 21, 7, 4) bedeutet, wird im N. L. ganz gewöhnlich in der 
Bedeutung hier und da, hier und dort, nicht selten gebraucht, was 
es bei den Alten nie bedeutet; man sage dafür yionnullis, aliquot, 
multis locis, non semel, non raro, oft auch leviter. — N. Kl. ist 
passim = in Menge, kaufenweise, vgl. Nipp, zu Tac. ann. 14, 15 
(nicht 12, 46, wie Georges hat), Heraus zu Tac. bist. 4, 33. So hat 
es sich auch im Sp. L. erhalten, vgl. Bünemann zu Lact. 3, 9, 5. 



Passio — 253 — Pater 

Passio ist, in welcher Bedeutung es sei, Sp. L.; in der Be- 
deutung Erduldung, für perpessio oder perpessiones^ s. Nägelsbachs 
Stil. 9 , welcher das Leiden Christi S. 76 nach vortrefflicher Analogie 
durch perpessiones Christi übersetzt; in der Bedeutung Leidenschaft, 
Begierde, für cupiditas, animi affectio u. a. Näheres über passio 
siehe bei Gölzer Hier. S. 73, Koffmane Kirchenlat. S. 51 (bei Eccl. 
ist passio = Leiden Christi), Wölfflin Cass. Fei. S. 391 (bei Med. 
= Krankheit), Watson S. 248 und 267. 

Passivus, leidend u. a., ist Sp. L. und meistens durch patiens 
oder das Yerb pati zu übersetzen; nur in der Grammatik kann es 
als altes Kunstwort beibehalten werden. Näheres hierüber gibt 
Paucker Diom. S. 20. Übrigens sagt Quintilian (1, 6, 10) für verbum 
passivum — verbum, quod habet nataram patiendi. Über passivus 
in erotischem Sinne vgl. Dressel S. 30. 

Pastor ist im N. L. die gewöhnlichste Benennung für den Geist- 
liehen; das Wort kommt schon bei Cyprian vor, freilich nur im 
Bild und nach Watson S. 259 of bishops only; allgemein für Geist- 
liche war es nicht üblich und ist daher in guter Prosa ganz zu ver- 
meiden. Man sage daher nicht de officio et conditione pastoris rusti- 
cani (eines Landgeistlichen). Andere bessere Wörter s. unter Contio- 
nator. 

Pastas ; vgl. Pascere. 

Pater, der Vater. Falsch ist imtris frater vom Oheim väter- 
licher Seite in Beziehung auf den Sohn, für patruus, und patris 
soror von der Tante väterlicher Seite, für amita. — Der Vatermörder 
heisst zwar zunächst und besonders parrieida; doch dieses Wort hat 
meistens, wie parrieidmm, eine sehr allgemeine Bedeutung. S. 
Osenbrüggen zu Cic. Mil. 17. Bei Plaut, Epid. 349 f. hat Leo 
(Vindiciae Plautinae Rostock 1887) ein neues Wort pärentieida er- 
schlossen und damit Fr. Schölls Beifall gefunden, vgl. Archiv IY 
S. 632. Man halte sich an patrieida, das Cic. dorn. 26 neben fratri- 
eida und sororieida gebraucht, oder sage patris interfector. — Der 
Haus- oder Familienvater heisst pater famüiae und pater famüias, 
welche alte Genitivform sich erhielt; näheres hierüber habe ich 
Progr. Mannheim 1881, S. 32, zusammengestellt, vgl. auch Wagener 
in Philol. Rundschau I, Nr. 6, S. 198 f. — Sehr selten ist patris 
loco, Cic. Phil. 2, 99, an Vaters Statt (Stelle), für parentis loco. S. 
Liv. 4, 42, 8. Parentis loco wird auch von der Mutter gesagt, S. 
Tac. ann. 12, 2, Curt. 5, 3, 12 und Liv. 8, 22, 3 und 26, 49, 13: 
pro parente colere. — Was Vater im bildlichen Sinne = Urheber. 
Erzeuger, Gründer betrifft, so steht dafür allerdings parens am 
häufigsten, z. B. purens urbis (Cic. divin. 1, 3), ebenso heisst der 
Vater der Philosophie, parens philosophiae (Cic. fin. 2, 1). Hat aber 
Dietrich früher den Kanon aufgestellt, dass man lat. sich den fcrop, 
Gebrauch von pater nur da erlaubt habe, wo die Vergleich ung mit 
einem Familienhaupte nahe lag, wie bei Cicero: Zeno pater st<>i- 
COrum, mit. deor. 3, 23, so ist dies entschieden unrichtig, denn damit 



Patere — 254 — Paternus 

stimmt nicht zusammen: Isocrates pater eloquentiae, Cic. de orat. 2, 
10; Herodotus pater historiae, leg. 1, 5. Und was ist bekannter als 
pater patriae = der Beschützer, der Erlialter, der Hort des Vater- 
landes:? S. Cic. Sest. 121, Rab. P. 27, Tac. ann. 11, 25, Ov. fast. 

2, 127, trist. 2, 39, 181, Pont. 1, 1, 36, pater orbis, fast. 3, 72, 
Stat. silv. 1, 4, 95 und 4, 8, 20. — Endlich heisst der Stammvater 
nicht pater stirpis, sondern aactor gentis oder generis; vgl. auch 
princeps nobilitatis vestrae, Cic. Brut. 53. 

Patere in Verbindung mit foras von der Tagend, in der Be- 
deutung nach aussen hin streben, sich nach aussen zeigen, virtus, 
quas foras patet, ist nicht gut lat., richtig virtus foras spectat, 
nach Cicero, fin. 5, 67 iustitia foras spectat. Dagegen ist klass. 
libidinum omnium patet licentia, Cic. Lael. 83, vgl. Seyffert-Müller 
z. St. — Dass bei patere die räumliche und zeitliche Ausdehnung 
nur durch den Accus., nicht durch den Abi. gegeben wird, hat 
Wölfflin im Archiv YIII S. 296 für Flor, praef. 6 sequens aetas centum 
quinquaginta annos patet erwiesen. 

Paternus (patrius). Patrius bedeutet, ivas der Natur, dem An- 
seilen, der Stellung u. s. iv. des Vaters als Familienhaupt entsprechend 
ist. Daher gibt es eine ganze Reihe von Substantiven, bei denen 
nur patrius in guter Prosa gebraucht wird. Die väterliche Gewalt 
ist immer patria potestas, s. Cic. inv. 2, 52, Sen. dem. 1, 14, 2, 
ebenso patrium ins et potestas, Cic. Phil. 2, 46, Liv. 1, 26, 9, Sen. 
contr. 1, 7, 14, patria maiestas, Liv. 4, 45, 8; 8, 7, 15 und 23, 8, 
3; das väterliche Herz, Gemüt, animus patrius, Ter. Hecyr. 244, Cic. 
S. Rose. 46, Liv. 2, 5, 8, Sen. provid. 2, 6; das väterliche Ansehen, 
auetoritas patria, Cic. Cael. 37 ; väterliche Liebe, väterliches Wohl- 
w ollen, patrius amor, patria benevolentia, Cic. fin. 1, 23; Tac. ann. 
4, 4. Hoc "patrium est = das charakterisiert den (rechten) Vater, 
Ter. Ad. 74 und 50. So ist auch der maeror patrius bei Cic. Flacc. 
106, Pomp. 22: der dem Vaterherzen notwendige oder natürliche 
Gram und poenae patriae, Cic. Phil. 13, 46, ist die von seiten des 
Sohnes dem Vater geschuldete Rache. — Paternus dagegen bedeutet 
lediglich äusserlich alles das, was der Yater hat oder gehabt hat, 
was von ihm herkommt, sich auf ihn bezieht, wie agri, liberi, servi, 
liberti. S. z. B. Cic. Flacc. 89 und Phil. 4, 3. Datier ist auch die 
Abkunft vom Vater, die väterliche Seite, im Gegensatz zu mütter- 
licher etc., immer paternus, z. B. praedia paterna et avita, Cic. Rull. 

3, 7 und 2, 82, Cael. 34, Sest. 57, Pis. 62, Phil. 10, 14, Brut. 126, 
de orat. 1, 38, S. Rose. 66. — Das Adj. patrius gehört aber auch zum 
Plural patres, und so erklären sich einfach viele Zusammenstellungen, 
z. B. Cic. S. Rose. 24 sepiderum patrium = Grabstätte der Almen, 
Familiengruft, Hör. sat. 2, 3, 196 per quem tot iuvenes patrio caruere 
sepidero; darnach sind bona patria Familiengüter, von den Vor- 
fahren tierrührendes Vermögen, Ter. Eun. 235. Ferner ist patria 
virtute praeditus filius Cic. Sest. 48 der Sohn, in welchem der gute 
Geist seiner Vorfahren lebt; hierher gehört auch patrium institutum ; 



Patescere — 255 — Pati 

mos patrius et disciplina, Cic. Brut. 79, ib. 213, Cato 37. Je nach- 
dem daher dem Sprechenden die Idee des Vaters oder de?- Väter 
vorschwebt, wird auch das eine oder das andere Wort gebraucht. So 
konnte bei Cicero wegen der bestimmten Beziehung auf den Vater, Brut. 
126, de orat. 1, 38, Yerr. 3, 43, nur paternus gesetzt werden. Oft 
steht es im Belieben des Sprechenden, dieselben Dinge als vom Vater 
herkommend oder als Familienstücke anzusehen, daher sowohl bona 
patria als paterna. S. über ersteres Cic. Quinct. 98, Verr. 2, 45, de 
orat. 1, 175, über das letztere Cic. Yerr. 1, 113 und 2, 80; regnam 
patrium atque avitum, Cic. Pomp. 21 und regnam paternum atque 
avitum, Cic. Sest. 57; der erstere Ausdruck ist offenbar der stärkere, 
der Sinn ist im wesentlichen derselbe, vgl. noch Reisig-Haase-Hagen 
S. 232 Anm. 189. 

Patescere, offenbar werden, gleich patefieri, ist bei Cic. Phil. 
14, 15 nicht mehr zu rechnen, denn dort wird jetzt qaae res 
patefecit gelesen (oder mit Koch Rh. Mus. 1858, S. 286 qaae 
aegre patefeci)] es gehört den Dichtern und der N. Kl. Prosa, 
d. h. Liv., Sen., Plin. min., Tac. an. Ygl. Sittl in Wölfflins Archiv I 
S. 480. 

Patlieticiis, pathetisch, affektvoll, ist zu Sp. L., als dass es ge- 
braucht werden könnte, für commovens, concitans oder umschrieben 
durch qua re concitantar, commoventnr, perturbantnr animi. Wie 
das rednerische Pathos ausgedrückt werden könne, zeigt Nägelsbach- 
Müller 9 S. 75. 

Pati heisst a) eigentlich es aashalten. Dies sehen wir aus vielen 
Beispielen der Umgangssprache, in welcher es ausserordentlich beliebt 
war, vgl. qaemqaam patrem putas pati sine liberis posse, vgl. Rebling 

5. 25. Dieses Aashalten geschieht nun entweder willig und geduldig, 
oder unwillig und ungeduldig, oft geradezu gerne, daher die Verbindun- 
gen aegre pati, moleste, periniquo animo, indigne, aequo animo, libenter 
und besonders facile oder gar facillime; vgl. zu diesen Phrasen Cic. 
Yerr. 5, 31; fam. 12, 18, 1; 5, 7, 2; Phil. 12, 9; 12, 3; Tusc. 5, 15; 
Süll. 1; rep. 2, 51; fin. 5, 56. Das Objekt des Aushaltens ist dabei 
entweder durch einen Acc. oder einen Acc. c. inf. ausgedrückt; ein 
Satz mit ut folgt klass. wohl nur auf negiertes pati, vgl. Cic. Lael. 
87, Caes. Gall. 6, 8, 1, so auch noch im Sp. L. bei Paneg., vgl. 
Chruzander S. 103. b) Das Aushalten kann auch in mutiger, stand- 
hafter, besonnener Weise vor sich gehen, weshalb sich in diesem 
Sinne pati in der silbernen und goldenen Latinität oft findet, z. B. : 
mentietur in tormentis, qui dolorem pati potest, mentietur, qui non 
potest, Quintil. 5, 10, 70; aequo animo magnam morbum palt, Sen. 
epp. 66, 36; imperaiurus es hominibus, qui nee tptam servitutem pati 
possuni nee totam libertatem, Tac. bist. 1, 16; non potest generosus 
animus servitutem pati, Sen. contr. 9, 24, 2; aliae nationes ser- 
vitalem pati, possunt, populi Romani proprio, est libertas, Cic. Phil. 

6, 19; norme extremam pati (= perpeti, tolerare) fortunam paratos 
proiecit ittef Caes. civ. 2, 32, S. Hierher gehören auch Ausdrücke 



Pati — 256 — Pati 

wie: sitim aegre pati = schwer ertragen bei Curt. 7, 5, 10; vgl. 
auch hiemem atque aestatem iuxta (= gleich gut) pati, Sali. lug. 
85, 33. c) Überall bezeichnet hier das Objekt einen unangenehmen 
Zustand, daher ist der Übergang zur Bedeutung erleiden sehr einfach. 
So finden wir klass. bei Cic. Phil. 12, 9 aequo animo belli patitur 
iniurias lässt über sich ergehen, erleidet, ja bei Cic. rep. 3, 23 ist 
iniuriam pati mit iniuriam accipere synonym, und dem iniuriam 
facere ist pati entgegengesetzt bei Cic. Lael. 78 ut in culpa sit qui 
faciat, non is qui patiatur iniuriam, Liv. 3, 65, 11 tamquam aut 
facere aut pati iniuriam necesse sit. Immerhin liegt auch hier in 
pati noch das Aushalten, über sich ergehen lassen; wo aber dies 
nicht der Fall ist, kann klass. pati nicht stehen, d) Aber dies Sprach- 
gefühl erhielt sich nicht; die N. Kl. Sprache hat viele Beispiele, wo 
pati = erleiden, d. h. begegnen, widerfahren, betroffen werden ist, 
z. B. cladem pati = eine Niederlage erleiden, nur einmal bei Suet. 
Caes. 36, für das gewöhnliche cladem accipere. Repulsam pati, 
eine Niederlage (bei einer Amtsbewerbimg) erleiden, ist poet. und 
spätlat. für das stehende repulsam ferre; auch naufragium pati wird 
durch Eutr., Hier, und Sen. Herc. Oet. 118 nicht so wohl beglaubigt, 
dass es neben naufragium facere, navem frangere gebraucht werden 
könnte. So ist auch famem und morbum pati nur Sp. und ver- 
einzelt bei Yeget. 3, 3 und Gell. 17, 15, 6; gerade so verhält es 
sich mit mortem pati bei Lact. epit. 50, 1, Sen. epp. 94, 7, 
mit adver sa proelia pati, Iust. 16, 3, 6, mit infamiam pati, Sen. 
epp. 74, 2, endlich auch mit sterilitatem famemque pati, Iust. 28, 3, 
7. Unklassische Phrasen mit pati sind ferner poenam pati = Strafe 
erleiden, welches neben poenas dare etc. nicht nur bei Front, strat. 
3, 12, 1 und Yal. Max. 6, 2, 1, sondern auch bei Sen. controv. 1, 
5, 6, Plin. epp. 2, 11, 20 gefunden wird; ferner dolorem pati bei 
August, epp. imporf. c. Iul. 6, 26 (bis): dolores pati in partu, ebenso 
incommodum pati, Quintil. 11, 3, 32, vim pati, Suet. Nero 29, quid- 
quid in captivum inveniri potest, passurum esse te cogita, Curt. 4, 6, 
26; cruciatus corporis pati, Sen. suas. 6, 10, ni dederent (arcem), 
ipsos ultima esse passuros, Curt. 3, 1, 6. Wie die klass. Sprache 
dies erleiden ausdrückt, ist zum Teil gesagt; man merke noch dam- 
it am, detrimentum facere oder capere, beiladen, Verlust leiden, (s. 
Plaut. Bacch. 67), (daher damnum factum, der erlittene Schaden; 
Cic. fam. 10, 28, 3 magnum damnum factum est in Servio, ein 
grosser Verlust, Schaden ist erlitten worden), contraJiere damnum, 
a/ftei damno; facere oder accipere detrimentum, und in der Senats- 
formel capere detrimentum (ne quid detrimenti capiat res publica). 
Gegen das zweideutige damnum facere zeigen die Juristen eine ent- 
schiedene Abneigung; sie sagen damnum capere, damno affici, dam- 
num pati und besonders damnum sentire, vgl. Kalb Roms Juristen 
S. 11 f., N. Jahrbb. 1891 S. 218, wo ich damnum sentire auch aus 
Orosius 2, 8, 12 belegt habe. Was damnum oder iacturam accipere 
betrifft, so können sie nicht wohl in dem allgemeinen Sinne von 



Patibilis — 257 — Patrare 

Schaden erleiden gebraucht werden. Das letztere findet sich unseres 
Wissens nur einmal bei Liv. 4, 32, 2, aber ganz passend, sofern 
dort nicht von Schaden überhaupt, sondern von einer kleinen mili- 
tärischen Schlappe die Rede ist und dafür gerade accipere mit defri- 
mentum oder incommodum verbunden die vox proprio, bildet. S. 
Caes. civ. 1, 59, 2, Cic. Pomp. 67. Auch dammim accvpere kommt 
nach unseren Beobachtungen nur zweimal (und zwar gleichfalls im 
militärischen Sinne) vor, s. Liv. 31, 43, 4 und 38, 41, 3. Doch ist 
in der letzgenannten Stelle die Lesart unsicher, s. Weissenborn zu 
Livius 38, 41, 3. Gut ist aliqiäs oder aliquid dilationem patitur, 
das leidet Aufschub (Liv. 1, 14, 6; 21, 52, 2); tempus patitur, 
die Zeit leidet es; dignitas mea non patitur, mein Anseilen 
leidet es nicht — und ähnliche andere. — Unser rein phraseo- 
logisches lasseyi mit einem reflexiven Infin., z. B. sich überreden, 
sielt abschrecken, sich bewegen lassen und ähnl., wird im La- 
teinischen weder durch pati, noch durch sinere mit dem Infin. über- 
setzt, sondern ohne diese durch die Passiven persuaderi, deterreri, 
commoveri. Wenn aber lassen signifikant = gestatten ist, wäre 
pati richtig wie bei Liv. 32, 36, 2: aut persuasurum se aat persua- 
deri sibi passurum; ebenso Liv. 2, 2, 9 und 6, 23, 8, Curt. 8, 9, 
23, Sen. prov. 3, 2. In diesem Sinne ist pati gebräuchlicher als 
sinere gewesen und hat sich auch erhalten, als letzteres bereits ab- 
gestorben war; vgl. darüber Kalb im Archiv I, 91, Praun S. 35. 

Patibilis ist in der Bedeutung erträglich ein philosophisches 
Wort bei Cicero (Tusc. 4, 51) für die häufig vorkommenden tolera- 
bilis, ferendus; in der Bedeutung für Empfindung fähig, mit Em- 
pfindung begabt steht es zwar nur einmal bei Cic. (nat. deor. 3, 29) von 
der Natur, ist aber sehr passend. 

Patiens ist in der Bedeutung Patient, Kranker Sp. L., vgl. 
Paucker Add. S. 60, für aeger, aegrotus. — Patiens = ausdauernd 
mit in ist KL, vgl. Cic. Cael. 13 quis in laboribus patientior? Die 
Konstruktion mit Gen., z. B. laboris, famis, frigoris, servitutis, ist 
seit Sali, in Prosa üblich, Cic. hat sie so wenig wie Caes., häufig ist 
sie infolge des Einflusses der aug. Dichter im N. KL, z. B. bei 
Colum., vgl. Kottmann S. 16; patiens ad hat Colura. 6, 29, 4 wegen 
der Konzinnität, übrigens steht es auch Liv. 33, 36, 8. 

Patrare, machen, verrichten, zu Ende bringen ist ein altertüm- 
liches Wort; es kommt bei Cicero nur zweimal vor (Att. 1, 14, 7 
promissa patrare, vgl. Boot z. St., und leg. 2, 19, aus einem alten 
Gesetze), bei Caesar gar nicht, oft bei Sallust und Tacitus, auch bei 
Liv. 1, 24, 6; 28, 41, 8 und 44, 25, 6; auch Flor, und Voll. Pater- 
culus haben das W T ort, s. Drakenb. zu Liv. 42, 30, 11, ebenso Sp. />• 
wie Orosius. Cicero und Caesar haben patrare, sowie sein Kom- 
positum perpetrare — siehe unten — offenbar absichtlich gemieden; 
man wird daher auf patrare nur greifen, wenn man der Sprache 
eine altertümliche Färbung geben will, vgl. auch Thielmann Philol. 
42, S. 342. — Das bei Livius 1, 24, 7 sieh findende pater patratus 

K rebü-S chinal z, AntibiirburuH II. »' 



Patriciatus — 258 — Patronus 

ist nach Iwan Müller in act. Erlang. II S. 68 = pater factus, d. b. 
fetialis ad deditionem perpetrandam pater r ei f actus est indeque 
nomen patris patrati accepit; nach Keller Etym. S. 82 aber der 
Priester mit der patera. 

Patriciatus, das Patriziat, findet sich zwar erst N. Kl. bei Sueton 
Aug. 2, ist aber für den Begriff Kl. und einzig. 

Patriota (aus dem Griechischen) kommt nirgends bei einem 
Alten in der Bedeutung Freund des Vaterlandes, für patriae amans, 
qui de re publica bene sentit u. a. vor, wohl aber findet es sich 
Sp. L. bei Greg. ep. 8. 37 in der Bedeutung Landsmann. Das Adj. 
patrioticus ist ebenfalls sehr Sp. L. in der Bedeutung vaterländisch , 
vgl. Paucker Add. S. 60. 

Patrius; vgl. zunächst s. v. Paternus. — Man sagt zwar sermo 
patrius, wo wir sagen die Muttersprache (vgl. Materniis), aber nie 
lingua patria. Hingegen ist ganz gut Carmen patrium canere = 
ein nationales Lied singen, Curt. 3, 3, 9. — Nur P. L. scheint ein 
Dativ nach griech. Art (bei xarpipoi) damit verbunden statt eines 
Genitivs, abhängig vom Subst., wie z. B. patrius genti timor, für gentis; 
patria Tyriis formido, für Tyriorum. 

Patrocinari alicui, einen oder etwas in Schutz nehmen, be- 
scliützen, beistellen, findet sich zuerst bei Ter. Phorm. 939, dann 
bis auf Quint. herab nirgends ausser im b. Hisp. 29, 8; Quint. hat 
es 2, 4, 23, auch Tac. dial. 10, ferner Plin. nat. 14, 28, und von 
da ab treffen wir es da und dort, z. B. Capit. v. Macr. 4, 4, Lactanz 
5, 17, 2, absol. bei Gell. 14, 2, 16, ad aliquid patrocinari bei 
Macrob. somn. Scip. 1, 1, 5, und oft bei Tertull., August, und Leo 
M. Passives patrocinatus hat nur Tert., vgl. Hoppe Tert. S. 63 und 
Neue -Wagener 3 III S. 76. Nach Köhler act. Erl. I S. 468 war 
patrocinari ursprünglich ein Wort der Rechtssprache, das nachher 
beim Yolk sich einbürgerte und von da aus in die Schriftsprache 
Eingang fand. 

Patronus, Schützer, Beschützer. Wenn es früher im Antibarbarus 
hiess, dass patronus und patrona von Göttern, Göttinnen und Heiligen 
sich nirgends bei den Alten finde, so ist dies zu berichtigen. Aller- 
dings wurden in der heidnischen Sprache die Schutzgötter gewöhn- 
lich anders genannt. S. darüber das nähere unter dem Worte tute- 
laris. Allein wenn man Plaut. Ilud. 258 ff. nachschlägt, so wird 
über Venus 260 f. gesagt, sie höre auf die Bitten der ihre Hilfe 
Anrufenden: bonam atque opsequentem deam atque haud gravatam 
patronam exsequontar benignamque multum. Bezüglich der Heiligen 
der christlichen Kirche aber erinnern wir daran, dass sie schon in 
den ersten Jahrhunderten nach Christus als die patroni der streiten- 
den Kirche verehrt wurden, wie es z. B. im über sacr. Gregors des 
Grossen S. 34 heisst: omuipotens, sempiterne deus, qui fragilitati 
nostrae consulens assidua nos sanetorum tnorum celebritate solaris, da 
nobis sub patronis talibus constitutis, ut . . . ferner: tuerc nos domine 
preeibus saneti Laurentii martyris tui, ut gratia tua semper mereamur 






Pauculus — 259 — Paucus 

augeri, qui talium praesidiis confidimus patronorum, ib. S. 96 und: 
celebrantes sanctorum natälicia patronorum, ib. S. 137 und serm. 82, 
7 Ende. Wie daneben precator schon frühe vorkommt und auch 
dem christlichen Latein nicht fremd ist, hat Usener Archiv II S. 228 ff. 
gezeigt; vgl. noch s. v. Defensor. — Das Wort patronatus, das Pa- 
tronat, kommt erst Sp. L. bei den Juristen vor, für patrocinium, ins 
patroni. 

Pauculus ist von mir eingehend in Z. f. G. W. 1881, S. 108 
besprochen. Caesar braucht es nie, er sagt dafür perpauci, Cicero 
hat es nur in den Erstlingsschriften, den Briefen ad Att. und der 
Schrift de legg., sonst meidet er es sichtlich. Zu der 1. c. verzeich- 
neten Literatur über pauculus füge Schulze Symm. S. 55, Berg- 
müller Jord. S. 39. 

Paucus, a } um, wenig, kommt im Sing, selten vor. Wir finden 
es in Kl. Zeit bei rhet. Her. 4, 45 pauco sermone und im b. Afr. 
67, 2 pauco numero tritici (so Kubier, Wölfflin nimmt Interpolation 
an), dann bei Yitruv 1, 1, 6 pauca manu, Hyg. fab. 194 post paucum 
tempus, bei Gell. 9, 4, 5 und 20, 1, 31 pauco aere, bei Gregor. 
Turon. 5, 20 infra paucum tempus und sonst Sp. L.; Dichter wie 
Horaz ars 203 pauco foramiue brauchen es mit poet. Lizenz. Das 
Wort hat sich in der Volkssprache besonderer Beliebtheit erfreut 
und ist von da ins Ital. (poco) und ins Französ. (peu) übergegangen. 
Vgl. Fröhlich S. 61, Riemann etudes S. 50, Köhler act. Erl. I S. 390, 
meine Stil. 3 § 8, Georges Jahresber. 1886, S. 36, Bonnet Greg. 
S. 201. Gewöhnlich ist dafür parvus und exiguus und rhet. Her. 4, 
45 tadelt ausdrücklich pauco sermone. — Pauci (nicht viele, aber doch) 
einige wird mit plures und plurimi gesteigert, z. B. Cic. fin. 4, 13 
pauca mittat, vel plura sane; at cum de plurimis eadem dielt, tum 
certe de maximis, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 60, Nägelsb.-Müller 9 
S. 333. — K. L. ist es, wenn man unser einzelnes, absolutes kurz, 
womit man in der Rede forteilt und andeutet, man wolle mit 
wenigen Worten seine Meinung sagen, durch paucis oder paucis 
verbis ausdrückt. Vgl. darüber unter Brevis. — N. L. ist auch 
paucis deinde, für paulo ante und paulo post. — Der Begriff der 
Beschränkung wird, da derselbe schon in pauci, wie in unus liegt 

— s. Seyffert, Progymn. S. 106 — in der Regel gar nicht ausge- 
drückt; daher heissen nur wenige pauci; viele Belegstellen dafür 
findet man besonders bei Sallust, z. B. Cat. 6, 4, vgl. meine Anm. 
z. St. Wenn derselbe übersetzt werden muss, wie im Gegensatze, 
so braucht Cicero dafür modo, z. B. namque aliis unus modo, aliis 
plures, aliis omnes idem videutur, orat. 180, bei Livius und Späteren 
dafür unus tantum. — Wo wir sagen: wie wenige gibt es, welche 

— und ähnliche, sagt man latein. meistens quotusquisque est. <jin 

— selten ipiuin pauci s/m f. — Copiae, Heeres-. Streitmacht ter- 
citus, bedeutet ein geschlossenes Ganzes, das ebendarum in der kor- 
rekten Sprache keine Adjektive der Zu hl, sondern mir der Grösse 
oder Kleinheit zu sich nimmt; wie min Flor us 4, l\ 58 exigua uiu uu 



Paulisper — 260 — Paulus 

sagt, so ist auch viel und wenig Truppen durch magnae, parvae, 
exiguae copiae auszudrücken, vgl. Cic. tarn. 3, 3, 2 si istas exiguas 
copias quam minime imminueris; vgl. noch parvis iam copiis obsi- 
debatur, Cic. fam. 12, 5, 2; maiores copiae Caes. Gall. 5, 11, 8; 
magnae copiae ib. 7, 57, 2; civ. 3, 103, 2; exiguae copiae civ. 2, 39, 2; 
tantulae Grall. 5, 49, 6. Gegen den klass. Sprachgebrauch erscheinen 
daher im b. Afric. 31, 9 paucae copiae, und ib. 26, 5 propter copiarum 
paucitatem für exiguitas copiarum, wie Caelius bei Cic. fam. 8, 10, 
1 sagt; vgl. s. v. Copia. — Der Antibarbarus hat früher auch magna 
paucitas — geringe Anzahl verworfen und gesagt, man dürfe dafür 
nur insignis paucitas oder mira paucitas setzen, nach Liv. 2, 50, 8 
und Cic. fam. 2, 11, 2. Allein Marcelius sagt bei Cic. fam. 4, 11, 1 
in summa paucitate amicorum, und Cicero selbst de or. 1, 8 qnanta 
sit semperque fuerit oratorum paucitas; von tarda paucitas aber ist 
der Rückschluss auf magna paucitas nahe, besonders da magna 
sapientium civium penuria, tanta penuria dieselbe Autorität hat 
(Cic. Brut. 2 und fam. 3, 11, 3). — Wenn der Antibarbarus ferner 
früher nimis pauci mit Poppo verworfen hat und wenn es noch bei 
Tischer-Dittenberger zu Cicero Tusc. 5, 107 (6. A.) heisst, dass nimis 
pauca ein Germanismus wäre, so ist diese Behauptung irrig. Ygl. 
darüber liaec turba causarum aut nimium multa aut nimium pauca 
comprehendit, Sen. epp. 65, 11;. nimis pauca et exigua de quibusdam 
minutis quaestiunculis edidit, Suet. gramm. 24 extr.; Lgcurgus 
yigovTas Lacedaemone appellavit, nimis is quidem paucos XXVIII Cic. 
rep. 2, 50; nimium pauci steht auch bei Lact, ira D. 20, 5 und 
nimia paucitas suorum, Liv. 28, 3, 8. — Nicht bloss N. Kl. beim 
altern Plinius und Quintilian finden sich die Redensarten in paucis 
und inter paucos mit einem Adj. entweder im Posit. oder Superl. ; 
z. B. bei Plinius (nat. 30, 1): in paucis digna res est, de qua plura 
dicantur; ib. 27, 7, 28 absinthium — herba inter paucas utilissima; 
und sonst bei Quintil. (10, 3, 13): inter paucos disertus, und Curt. 
(4, 8, 7 und 6, 8, 2), sondern auch bei Liv. 23, 44, 4 und 38, 15, 
9 ; aus der Kl. Sprache jedoch ist kein Beispiel beizubringen ; 
Wölflflin sagt Komp. 25 richtig, dass inter paucos erst seit Livius so 
gebraucht werde. — Über pauci = oi bXiyoc vgl. Wölfflin Arch. YI 
S. 92; es gehört Plaut, und Sali, an, vgl. Brix-Niemeyer zu Plaut. 
Trin. 34 und Fabri zu Sali. Cat. 20, 7; doch sagt auch Cic. rep. 1, 
44 paucorum et principum administratio. 

Paulisper (paidlisper) ist in der Bedeutung ein tuenig N. L. für 
paulum oder paululum. Was es bedeutet, darüber s. unter dem 
Worte Parumper. 

Paulus (paullus), a, um, und paulidus, Idein, gering, ist als 
Beiwort mit einem Subst. verbunden A. und P. L. für parvus; in 
Prosa treffen wir ganz wenig Beispiele, z. B. Cato agr. 14, 2 paul- 
lüla pila, ib. 10, 2 labellum pöllulum, Yarro 1. lat. 5, 17 § 92 a 
paulo Iure, Liv. 8, 11, 4 paulula via, ib. 35, 11, 7 homines paululi 
et graciles, vgl. Spengel zu Ter. Andria 266. Klass. ist adj. paulus 



Paulus — 261 — Paulus 

im Neutr. bei Pron., z. B. Cic. S. Rose. 115 non paulum nescio quid, 
vgl. Hellmuth act. Erl. IS. 169 und Landgraf z. St. Am häufigsten 
kommt paulum im Aceus. und paulo im Abi. für sich allein vor; 
paulum bedeutet nur wenig, z. B. Cic. leg. 3, 12 etsi a ie paulum 
adlatum est novi, vgl. auch Seyffert-Müller z. Lael. S. 286; häufig 
dient es in der Bedeutung etwas, ein wenig, um ein Adjektiv oder 
ein Yerbum näher zu bestimmen. Der Abi. paulo in der Bedeutung 
um ein iveniges, ein wenig, etwas u. dgl. steht gewöhnlich nur bei 
Komparativen, z. B. paulo maior, auch bei Verben, die komparativen 
Sinn haben, z. B. antecedere (doch geht hier der Acc. noch am 
ersten an, vgl. Cic. Brut. 82 aetate paulum antecedens, ebenso ib. 
109, Wölfflin Komp. S. 35) und bei ante, post, infra, supra, weil 
auch in diesen Partikeln komparative Bedeutung liegt. Für ganz 
unlat. halte ich jedoch paulo mox, welches ich in einer Abhandlung 
aus dem Jahre 1904 fand! — Der Accus, des Masses bei supra 
und ähnlichen Präpositionen ist Mass. überall beanstandet; freilich 
ist bei Caes. Gall. 7, 51, 4 paulum minus gerade so der Accus, 
überliefert wie bei Caes. Gall. 6, 9, 3 paulum supra eum locum facere 
pontem instituit, aber an beiden Stellen liest man jetzt den Abi., 
vgl. Meusel s. v. paulum; nicht zu beanstanden ist jedoch ib. 7, 50, 
6 post paulum (= paulo post) coneidit, s. Kraner zu diesen Stellen, 
namentlich aber Wölfflin Komp. 35, wo nachgewiesen ist, dass seit 
Livius der Accus, sich öfters findet, und vgl. auch Hirt S. 9 für 
Quint., wonach Kraners Bemerkung, dass post paulum sich öfters 
bei Quint. finde, als übertrieben bezeichnet wird (2, 17, 25; 11, 3, 
148; 9, 4, 19, sonst nirgends), C. F. W. Müller zu Cic. off. S. 156 
und meine Synt. 3 § 88 Anm. 1. Die Frage bedarf noch der näheren 
Untersuchung, die freilich durch die Unzuverlässigkeit der Über- 
lieferung sehr erschwert wird. Vgl. Berl. Phil. Woch. 1903 S. 574. 
Unbeanstandet wird bei Dichtern paulum mit Komparativen ver- 
bunden für paulo. — Man sage also nicht: ille paulum melius 
locutus est, für paulo; nicht paulum ante Ennii mortem, für paulo; 
nicht paulo mihi arrisit, paulo mecum iocatus est, paulo editi loci, 
für paulum; auch nicht paulo exspeetare, opperiri, ein wenig, etwas, 
d. h. ein Weilchen warten, für paulum oder paululum oder noch 
gewöhnlicher paulisper oder parumper. — In der Redensart paulum 
abesse folgt das davon abhängige Yerbum mit quin. Vgl. Caes. civ. 
2, 35, 2. — Die frühere Behauptung des Antibarbarus, dass pau- 
lidum mehr im Gebrauch sei als paulum, ist unrichtig. Beide kommen 
häufig vor; übrigens sind beide Wörter nicht identisch, denn paulum 
ist = ein klein wenig, paululum = ein ganz klein /reuig. Daher 
erklärt sich auch, dass die bessern Autoren nur paulum modo, aber 
nicht in abundantem Ausdruck paululum modo sagen, vgl. Cic. tarn. 
1, 56, 2 8% paulum modo ostenderit, Caes. Gall. 4, 25, 2, Sali. lug. 
93, 4. Darauf hat Vogel act. Erlang. I S. 314 aufmerksam 
macht, um Sali. Cat. 52, 18 die Lesart des Yat. paulum modo 
gegenüber der des Par. paululum modo zu stützen. Kuhlmann liai 



Pauper — 262 — Pausa 

im Progr. Oldenburg 1887 S. 36 dem entgegen auf Ter. TIaut. 316 
ubi si paululum modo quid te fugerit verwiesen, aber dies ist eine 
Dichterstelle, kann somit für den prosaischen Gebrauch nichts be- 
weisen. 

Pauper, arm, wird nur im Gegensatze von reich gebraucht, 
nicht aber dann, wenn arm bildlich im Sinne von unglücklich, be- 
klagenswert steht; z. B. der arme Mensch, die armen Menschen, das 
arme Italien u. dgl., nicht pauper, sondern gewöhnlich miser — 
miser Jwmo, miseri homines, misera Itcdia (Cic. Att. 8, 11, 14). 
Dafür im gemütlich weichen Tone des Briefstils auch misellus. S. 
Cic. fam. 14, 4, 3 und Attic. 3, 23, 5: cui nihil misello relinquo . . . 
Pauper bezeichnet übrigens den Mann, der zwar nicht viel, aber 
doch soviel besitzt, um davon leben zu können; also ist arm streng 
genommen nicht pauper, sondern egenus (egens), inops und mendicus. 
Es bezeichnet demnach paupertas den dem Reichtum entgegen- 
gesetzten Zustand am mildesten, mendicitas aber am härtesten; in 
der Mitte liegen inopia und egestas. In der Kl, Sprache ist pauper 
selten, weil es eben den erwähnten eingeschränkten Begriff hat, 
Caesar braucht es gar nicht. In nichtklass. Sprache wird nicht so 
scharf geschieden, hier überwiegt pauper, wie es sich ja auch im 
Romanischen erhalten hat. Bei den Rhetoren bezeichnen pauper 
und dives den Klassenunterschied von Arm und Reich; näheres 
bei Landgraf S. Rose. S. 177 und bei Köhler in Bayr. Gymn. 21, 
S. 159. 

Pauperies, die Armut, ist P. L. für paupertas; es fehlt in Kl. 
Prosa und fand erst N. Kl. Eingang in die prosaische Darstellung, 
vgl. Tac. hist. 4, 47, Suet. gramm. 11, Lact, 6, 20, 25; oft steht 
es bei den Juristen und bei Apulejus, auch findet es sich noch 
Vulg., vgl. Thielmann Philol. 42, S. 343, Neue-Wagener 3 I S. 567. 

Pausa ist A. und Sp. L. in der Bedeutung Stillstand, Ende, 
für quies, finis. Die Prosa vor Gellius braucht das Wort höchst 
selten; bis jetzt kennen wir nur Claud. Quadrig. 137, 37 P. pugnae 
facta pausa est, häufiger haben es die Dichter, besonders in der 
Phrase pausam facere, auch pausam dare, vgl. Thielmann Dare 
S. 61, Marx zu Lucil. 18, Enn. ann. 586 und V. 10, Acc. 290 R 3 . 
Die Archaisten nahmen es wieder in die prosaische Diktion auf und 
so hat es sich im Sp. L. erhalten, z. B. bei Arnob., Iul. Yal. itin. 
Alex., vgl. Reichardt N. Jahrb. 1889, S. 85. — Das Yerbum pausare 
aber ist nur Sp. L., die Stellen siehe bei Rönsch Ital. S. 253, Coli, 
phil. S. 91 und Sem. III S. 62; transitives pausare findet sich einmal 
im Sp. L., vgl. Archiv XI S. 130. . Im gallischen Latein ist es auf 
Inscr. — requiescere, z. B. hie pausat in pace, vgl. Pirson S. 250. 
Bei Plautus Trin. 187 ist für pausa mit Studemuud in Hermes I 
S. 304 f. na~j(jat zu lesen, vgl. Brix-Niemeyer z. St. Man brauche 
statt pausare vielmehr quiescere, interqaiescere, Cic. Brut. 91, 
finire. — Eine Penise, d. h. Unterbrechung, z. B. von einer Stunde 
heisst nicht, wie man es im N. L. findet, pausa, sondern mora, 



Pavefacere — 263 — Pax 

cessaüo, intervallum unius horae; eine Pause in der Musik heisst 
nach Cicero (nat. deor. 2, 146) distinctio; eine Pause im Heden respir 
ratio, mora. 

Pavefacere, in Schrecken setzen, findet sich in der Kl. Sprache, 
welche alle derartigen Bildungen zurückdrängte, vgl. Wolfflin Cass. 
Fei. S. 423, nicht; es ist vorwiegend P. L. und Sp. L. für terrere, 
pavorem alicui meutere, inicere u. a. Doch das Part. Perf. Pass. hat 
nicht nur Gell. 2, 29, 12; 5, 14, 20 und 19, 1, 9, sondern auch 
Suet. Aug. 99, Calig. 51, Nero 48, Otho 7 g. E., und Sp. L. noch 
Oros. 4, 4, 5, vgl. Paucker Spie. S. 114. 

Pax, der Friede. Selten (aber Kl. bei Cic. off. 1, 35) ist in 
pace vivere, in Frieden lehen, für tranquüle, otiose vivere, otio per- 
f'rui. Sonst ist in pace nicht selten, namentlich wenn in hello gegen- 
übersteht, vgl. Cic. Yerr. 4, 7; Pomp. 60; Marc. 16, und sonst; aber 
pace ohne in ist selten; Cic. hat es wohl nur acad. 2, 1 quaesturae 
iempus pace consumpserat, Sp. L. die Paneg. 12, 297, 12 pace 
saevitum; vgl. Chruzander S. 86. Reiche Abwechslung in der Ver- 
bindung von pax und bellum findet man bei Livius, z. B. pace 
belloque, pace ac hello, hello ac pace, vgl. M. Müller zu Liv. 2, Anh. 
S. 144. — Einen in Frieden entlassen heisst nicht in pace, sondern 
cum pace aliquem dimittere (Cic. Mur. 32); ein tiefer Frieden, summa 
pax Cic. Yerr. 2, 159 placidissima pax, Cic. Tusc. 5, 48, nicht pro- 
funda. Unser mitten im Frieden ist auch latein. media pace oder tu 
media pace, s. Liv. 36, 11, 2, Curt. 8, 10, 17, Sen. epp. 18, 6 und 
91, 5, Tac. ann. 14, 32. Unser im tiefsten Frieden heisst bei Plin. 
pan. 56, 4 nach Cic. Pis. 91: in intimo sinn pacis; alta pax kommt 
nach Nägelsb. 9 S. 279 Anm. bei N. El. Dichtern, z. B. Lucan 1, 249 vor. 
Ich will Frieden mit meinem Volke haben ist nach Cic. Phil. 7, 22 
iis pacem cum populo Romano esse posse zu geben; doch ist pacem 
Jtabere auch Kl., vgl. Cic. Phil. 2, 90. Friede mit ist auch pax c. 
gen., z. B. Cic. Phil. 1, 11 de Pyrrhi pace agebatur. — Die Höflich- 
keitsformel pace alieuius, tuet dixerim ist nur da anzuwenden, wo 
man von jemandes Meinung abweicht und ihn tadelt, nicht aber, wie 
es im N. L. bisweilen geschieht, zur Entschuldigung eines beige- 
fügten Lobes; es enthält den Gedanken, ohne dir zu nahe treten zu 
tvollen, nimm es mir nicht übel, ich bitte um Entschuldigung. Wir 
finden gewöhnlich pace tua dixerim, z. B. Cic. Mil. 103, fam. 7, 17, 
1, N. Kl. öfters bei Yell., z. B. 1, 7, 4, vgl. Georges Yell. S. 20, 
selten das Präsens dteam, z.B. Cic. Marc. 4 hoc pace dicam tun; 
dass diese Yerbalformen optativisch sind, schliesst Cramer S. 55 aus 
Lutat. Catul. bei Cic. nat. deor. 1, 79 pace mihi liceat, caelestes, dicere 
vestra; richtiger werden wir hier einen Konjunktiv des Willens er- 
kennen, vgl. Blase last. Gramm. § 8 und § 14. Ycreinzelt findet 
sich auch Claudi pace loquar, Liv. 3, 19, 7; quod pace vestra !<><iuur 
Paneg. 138, 16, vielleicht nach dein Vorgänge Ovids am. .'>, 2, 60 
itucc loqaar Veneris. Ganz eigenartig ist Val. Max. 5, 2, H) pace 
cinerum <n<>runi reges gentium exterarum seeundum hunc tarn con- 



Peccare — 264 — Pectere 

tempfoim gregem se referri patientur; vgl. noch Eberhard zu Cic. 
Marc. 4. 

Peccare, fehlen, sündigen. Wenn der Antibarbarus früher sagte, 
peccare in se ipsum sei gleich in se admittere, so ist zu beachten, 
dass in se admittere in der bessern Latinität fast durchgehends mit 
bestimmten Objekten, wie scelus, culpam, noxiam, dedecus, turpe 
aliquid, eigentlich ein Vergehen an sich herankommen lassen, dem- 
selben hei sich Eingang verschaffen, d. h. sich dasselbe zu Schulden 
kommen lassen bedeutet, ohne dass jedoch durch diesen Zusatz die han- 
delnde Person als Ziel des eigenen Vergehens bezeichnet wird; des- 
wegen kann in se ohne Veränderung des Sinnes auch wegbleiben; vgl. 
oben s. v. Admittere. So wird auch scelus concipere mit oder ohne in 
se gefunden. S. Cic. Yerr. 1, 9, Catil. 2, 7. Nur selten wird admittere 
so gebraucht, dass durch in aliquem, in aliquo das Ziel der ver- 
brecherischen Handlung ausgedrückt wird. S. darüber Curt. 7, 6, 
15 und Iust. 15, 2, 4. Hingegen ist dies stets der Fall bei in se 
ipsum peccare, s. Cicero Attic. 3, 15, 4 si quid in te peccavi, ignosce; 
in me enim ipsum peccavi vehementius. Gewöhnlich sagt man sonst 
peccare in aliqua re, in aliquo, z. ß. Cic. Marc. 21 si in alterutro 
peccandum sit und Verr. 1, 10 non est in hoc homine cuiquam 
peccandi locus, vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 299, und bei einem 
Neutr. auch mit dem Accus, des Gegenstandes: nihil, aliquid, multa, 
magna, plura peccare, z. B. Cic. off. 3, 38 nihilo plus sibi licere putat 
peccare, vgl. C. F. W. Müller z. St., nat. deor. 1, 31 Xenophon eadem 
fere peccat, ib. 1, 29 multa alia peccans. — Die Person, der gegen- 
über oder zu deren Nachteil man sich verfehlt, steht im Dativ, z. B. 
Ter. Ad. 116, besonders im Eccl., vgl. Vulg. Esd. 42, 42 dominus 
cid peccaverunt; vgl. Juret S. 69. 

Peccator, der Sünder, und peccatrix, die Sünderin, kommen 
erst Sp. L. bei christlichen Schriftstellern, hier aber sehr häufig 
und zwar substantivisch wie adjektivisch vor, für qui, quae peccat, 
peccavit; vgl. Gölzer Hieron. S. 50 und 53, Kretschmann Sidon. 
S. 7, Koffmane Kirchenlat. S. 45, Schmidt Tert. S. 24, Neue- 
Wagener 3 II S. 36. 

Peccatum wird von einigen zu sehr beschränkt; es ist aber jedes 
Versehen, worin es auch sei, im Denken, Handeln und Verfahren, gleich 
error, vgl. dieses; daher kann es auch von Fehlern (Schnitzern), die 
man im Gebrauche von Wörtern macht, gesagt werden, wie es z. B. von 
Sinn- und Gedankenfehlern bei Cicero vorkommt (Tusc. 3, 47) : paucis 
verhi* tria magna peccata; in peccata incidere = in Paralogismen 
verfallen, Cic. fin. 4, 40. Vgl. Anton, Progr. S. 50. — Ob es ein 
Subst. peccatus, Abi. peccatu gab, ist zweifelhaft; bei Gellius 13,21, 
17 wird es für Cic. Verr. 2, 191 angegeben, aber die codd. lesen 
peccato und so auch C. F. W. Müller. 

Pectere, kämmen. Gut beglaubigt ist im Perfekt nur die Form 
pexi; Sp. L. hat Ale. Avit. einmal pexuisti; pectui ist nur von 
Grammatikern gemutmasst. Vgl. Neue-Wagener 3 III, 400 ff. 



Pectus — 265 — Peculiaris 

Pectus, die Brust, kommt in geistigem Sinne bei Cicero selten 
vor, da auimus seine Stelle vertritt. Es erhielt sich bei ihm in der 
sprichwörtlichen Redensart toto pectore, mit ganzer Seele, von ganzem 
Herzen, mit Verben wie amare, incumbere, cogitare verbunden, wohl 
nur in den Briefen ohne den Zusatz ut ahmt, ut dicitur, vgl. Land- 
graf Bayr. Gymn. 16, S. 318, sonst braucht er es kaum und nie 
ohne den entschuldigenden Zusatz ut dicitur, vgl. Lael. 97 in qua 
nisi, ut dicitur, apertum pectus videas, vgl. Seyffert-Müller z. St. 
Vgl. Cic. leg. 1, 49, Att. 13, 12, 4, fam. 10, 10, 2 u. a. Dagegen 
kommt pectus trop. nicht nur bei Tac. ann. 4, 52, Curt. 4, 12, 14, 
Quintil. 12, 1, 4, sondern oft auch bei Livius vor. S. u. a. Liv. 
1, 21, 1 und ib. 56, 4; 10, 41, 2; 28, 19, 14 und 35, 18, 6. 
Das Wort wird also namentlich im höheren Stil ganz gut gebraucht 
werden können. Vgl. z. B. Liv. 21, 30, 3 und 10, 31, 11, wo 
Livius den Samniten das Zeugnis gibt, dass bis dahin dura illa 
pectora, d. h. jene eisernen Meinnerherzen, nicht hätten bezwungen 
werden können. — Wo wir bei der Stimme und Rede dem Redner 
eine starke oder schivache Brust zuschreiben, brauchen die Lateiner 
nicht pectus, sondern latus und besonders im Plural latera, und 
so findet sich bei Cicero oft bona latera, eine starke Brust, nicht 
robustum pectus, z. B. Cato 14, auch allgemein vom Körperbau, 
z. B. Cic. Phil. 2, 63 tu istis faucibus, istis lateribus, bei so 
starker Brust. 

Peculari, bestehlen, findet sich nur einmal N. Kl. bei Florus 
3, 17, 3 mit dem Accus, rempublicam verbunden, für das Kl. 
depeculari, z. B. Cic. fin. 3, 32, wiewohl pecidatus und peculator 
Kl. sind. 

Peculiaris bezeichnet zunächst zum Privateigentum, zum Sonder- 
gut gehörig, eigentümlich. Dagegen wird es im N. L. nur zu häufig 
in der den Alten unbekannten Bedeutung (von etwas räumlich) 
abgesondert, ausgeschieden oder (im Gegensatze zu communis) auf 
eine Person oder Sache beschränkt gebraucht, wofür wir oft auch eigen 
sagen. Lat. wird dafür angewendet singularis (Cic. nat. deor. 2, 73), 
separatus (Cic. Att. 14, 17, 6 volumen separatum), proprius, praeci- 
ptius, welches letztere dem communis entgegensteht, z. B. bei Cic. 
(Att. 11, 14, 1): me cum communibus, tum praecipuis (eigenen, nicht 
peeulianbus) malis oppressum, fam. 4, 3, 1. — Ebenso wird das 
Adv. peculiariter nicht in der Bedeutung einzeln, besonders gebraucht, 
für singülatim, separaten, proprie; dieser Gebrauch ist ßjjp, />.. wie 
z. B. Paneg. 5, 148, 1 cuius nomine mihi peculiariter gratulandum, 
vgl. Chruzander S. 45. — Ein Substantiv peculiaritas, welches BellaDger 
in seiner Grammatica disquisitio in Antonini Piacentini itinerarium 
Paris 1902 S. 3 gebraucht (forma n im peculiaritates considerabo), 
kenne ich nicht. — Man sage also nicht ea de re peculiarem librum 
scripsit; nicht de ea re peculiariter disseruit, sondern singularem 
oder separatwn librum, separat/im disseruit. Wenn indes der 
Unterschied nicht bloss äusserlich ist, sondern angegeben wird, d 



Pecunia — 266 — Pecunia 

etwas zugleich seiner Art nach von andern Dingen unterschieden, 
eigenartig, ausserordentlich, ungewöhnlich sei, ist peculiaris dafür 
klass. Ausdruck: exoritur peculiare edictum repentinum, Cic. Verr. 
3, 36. Venlo ad . . . peculiarem tuum festem, Cic. Flacc. 51, Liv. 

3, 19, 9. Me peculiaris quaedam impedit ratio, Plin. epp. 1, 8, 16; 
10, 2, 2 und pan. 23, 4. 

Pecunia bedeutet ursprünglich Viehstand und dann, da nach 
dem Viehstand der Wert des Besitzes gemessen wurde, Geldwert, 
vgl. Tegge S. 36. Somit bezeichnet es nicht ein einzelnes Geldstück, 
sondern Geld im allgemeinen, auch einen Haufen Geld im Gegen- 
satze zu andern Gütern, oder eine Geldsumme. — Geld, das man 
bei sich hat, ist also entweder nummi, nummuli, z. B. nummos 
secum habere; Geld geben, nummos dare (Cic. Att. 1, 16, 13); Geld 
verteilen, nummos dividcre; etwas Geld, nummorum aliquid, aliquot 
nummos; ziemlich viel Geld, aliquantum nummorum (Cic. Cluent. 
179), oder pecunia, z. B. pecuniam secum afferre, portare, dare, 
dividere u. dgl. S. darüber Cic. Verr. 1, 101, Nep. Hannib. 9, 2, 
Arist. 3, 1, Liv. 29, 21, 4, Suet. Otho 10. Um Geld bitten heisst 
nicht pecuniam rogare, orare, obsecrare, sondern pecuniam oder 
nummos veter e, poscere oder flagitare; von seinem Gelde etwas kaufen 
u. dgl., aere suo emere; Geld zusammenbringen, pecuniam conficere 
(Cic. agr. 2, 33, Verr. 1, 138); Geld haben ist Kl. pecuniam habere, 
z. B. Cic. agr. 2, 66. Bares Geld ist pecunia praesens, Cic. Att. 2, 

4, 1 und dazu Boot, oder numerata; Geld bar auszahlen, pecuniam 
repraesentare, und als Subst. repraesentatio, z. B. Cic. Att. 12, 31, 
2 si Faberianum venderem, explicare vel repraesentatione non dubi- 
tarem. Sich Geld aus ehvas machen ist Kl. pecuniam facere ex aliqua 
re oder aliqua re, z. B. Cic. Verr. 2, 17 quibusnam rebus maximamuno 
( un io pecuniam facere posset, Geld machen überhaupt pecuniam facere, 
z. B. Cic. div. 1, 111 etiam philosophum pecuniam facere posse; vgl. 
s. v. Facere. — Wenn Zumpt (zu Cic. Verr. I S. 70) sagt, es werde 
der Plur. pecuniae nur in Bezug auf mehrere Menschen gebraucht, 
der Sing, dagegen in Bezug auf einen, so versteht sich das wohl 
von selbst. Aber wie verhält es sich, wenn in einem und demselben 
Satze neben dem individuellen Subjekte noch eine Mehrheit von bei 
einem Geldgeschäfte beteiligten Leuten genannt ist? Wird der 
Hauptnachdruck auf das individuelle Subjekt gelegt und der Begriff 
Geld als Ganzes, als Einheit oder im Gegensatze zu etwas anderem, 
z. B. Naturalabgaben, gedacht, so steht der Sing., z. B. exige pecu- 
niam a civitatibus, Cic. Verr. 3, 202 und: ab soeiis maximam pecu- 
niam auferre, ib. 224. In der ersteren Stelle steht pecunia singu- 
larisch wegen des Gegensatzes, in der letzteren deswegen, weil 
dadurch die Gesamtsumme dessen, was der räuberische Verres 
erpresst hatte, bezeichnet werden sollte. Wird umgekehrt der 
Schwerpunkt auf die Mehrheit der Beteiligten gelegt, und geht 
eben damit der abstrakte Begriff von Geld in die konkretere 
Anschauung von wirklichen, d. h. einzeln gedachten Geldsummen 






Pedantismus — 267 — Peierare 

über, so gebraucht man lat. den Plur. pecuniae. Indirekt liegt dies 
in den Worten Suetons: Galba nummulario non ex fiele versanti 
peeunias manus amputavit, Galb. 9; vgl. noch Cic. Yerr. 1, 28, Liv. 
35, 49, 11. Direkt stellen dieses Verhältnis Ciceros Worte dar: 
idem peeunias las, qui ab isto aliquid mercabantur, faenori dabat, 
Verr. 2, 170 und das. Zumpts Bemerk.; vgl. auch Caes. Gall. 7, 64, 
8, Liv. 32, 38, 7 und Riemann etudes S. 53. — N. L. ist peeunia 
pusilla; über multa peeunia vgl. Maltas, und über peeunia falsa vgl. 
Falsus und Moneta. 

Pedantismus; vgl. Paedantismus. 

Pedatus, der Angriff, steht nur A. L. bei Plautus und Cato, 
vgl. Plaut. Cist. 526; Cato 9, 5; 39, 10; 85, 4 ed. Jordan, und zwar 
primo, seeundo, tertio pedatu. Dies kann nur mit Beziehung auf 
Kampf und Krieg, aber nicht bei einem Gelehrten vom dritten 
schriftstellerischen Versuch gesagt werden. Vgl. Näg.-Müller 9 S. 66 
Anm. 

Pedester, stris, stre, den Fussgänger beireffend. Pedestris fürs 
Masc. finden wir nur Sp. L. bei Vopisc. Prob. 21, 1 pedestris sermo 
und bei Veget. 22, 4; 23, 8; 24, 4 Lang, pedestris exereitus; alle 
übrigen Stellen — vgl. Neue-Wagener 3 II S. 18 — sind unsicher. 
Man sage also nicht sermo oder exereitus pedestris, sondern pedester. 
— Im N. L. wird sermo pedester und oratio pedestris von dem ge- 
braucht, was die Alten prosa oratio, und wir Prosa nennen, obgleich 
jenes sermo pedester nur P. L. bei Horaz ars 95, pedestris sermo 
nur an der zitierten Stelle des Vopiscus, opus pedestre bei Auson. 
ep. 16, 78, oratio pedestris aber nirgends vorkommt und Quintilian 
(10, 1, 81) — falls der Zusatz quam pedestrem Graeci vocant kein 
Glossem ist, vgl. Wölfflin Archiv XI S. 8 — ausdrücklich dieses 
nur als griechiscJie Benennung der Prosa angibt, wie auch Horaz 
sermo pedester und sogar sat. 2, 6, 17 Musa pedestris versteht. Man 
vermeide daher pedester in dieser Bedeutung und halte sich an prosa 
oratio und andere Ausdrücke, von denen unter Prosa die Rede sein 
wird. — Her pedestre ist klass. bei Caes. civ. 2, 32, 12. 

Pedisequus, der Diener. Man schreibe nicht, was oft geschieht, 
pedissequus ; nach Spengel zu Ter. Andr. 123 entbehrt diese Schrei- 
bung jeder Begründung; vgl. auch Boot zu Cic. Att. 2, 16, 1. 

Peierare und periurare, falsch schwören, waren beide Kl. im 
Gebrauche; unkl. ist perierare, z. B. Plaut. Truc. 30. Doch lesen 
wir die altertümlich feierliche Form periurare nur Cicero off. 3, 108 
non enim falsum iurare periurare est, sed . .; sonst sagt Cic. immer 
peierare, z. B. Rab. Post. 36, Cluent. 134, Q. Rose. 46 und sonst; 
vgl. Ncue-Wagener :j II S. 822. Die Ableitung des Wortes von prior 
oder peius wird von Osthoff Gesch. des Perf. S. 115 Anm., (<. Bieyer 
Z. f. o. Gr. 1885, S. 280 gegeben und von Schweizer-Sidler in Woch. 
f. klass. Phil. 1887, S. 206 als probabel anerkannt, dagegen von Stolz 
im Archiv II 8. 501 und von Ilintner mit Wöli'tlins Zustimmung 
(Archiv III 8. 566 und IV, 8. 12) bekämpft, weil die Ableitungen 



Peiuscule — 268 — Peloponnesiacus 

von Komparativen erst bei Afrikanern vorkommen. Brugmann macht 
Indog. Forschg. XII S. 397 peierare von iurare und von peior los; 
er stellt es zur Wurzel jes — fervere = heisse Anstrengung machen, 
sich ins Zeug legen und verweist bezüglich der Bedeutungsentwick- 
lung auf contendere, das zu behaupten wird. Näheres über periurare, 
peierare und perierare (wie Plaut. Truc. 30, Catull 52, 3 und Sp. L. 
seit Min. Fei. 23, 1 sagen) findet man Obricatis S. 22, Usener N. 
Jahrb. 1865, S. 226 f., Studemund Rh. Mus. 21, S. 588, Lorenz in 
Philol. 27, S. 549, Löwe Anal. PI. S. 171, Georges Jahresber. 1884, 
S. 125, Thielmann Philol. 42, S. 375, Archiv V S. 495; Walde Etym. 
Wort. s. v. 

Peiuscule, etwas schlimmer, schlechter, kommt, sowie das Adj. 
peiusculus, nirgends vor; unlat. ist daher cum peiuscule me höherem, 
da ich mich etwas schlimmer befand. 

Pelagus, das Meer, war ein vulgäres Wort; es findet sich in 
Prosa in Kl, Zeit im b. Hisp. 40, 8, dann bei Yitruv 2, 8, 14 (hier 
vielleicht als masc, vgl. Nohl Anal. 7); 5, 12, 3; 8, 2, 2; im N. Kl. 
Latein wird es häufiger, hier treffen wir es bei Sen. rhet., Yal. Max., 
Plin. mai., Tacitus u. a., ebenso ist es Sp. L., vgl. Thielmann Apoll. 
S. 5, hier auch masc. gen., z. B. Cassiod. variae 241, 10 furentem 
pelagum, vgl. Stangl Cassiod. S. 583. Die Dichtersprache griff auch 
nach dem Worte; so brauchen es z. B. wiederholt Vergil, Ovid und 
andere Dichter, vgl. Neue -Wagener 3 I S. 502. Das Adj. pelagius 
hat schon Yarro r. r. 3, 3, 10, häufig findet es sich in der Termino- 
logie der Naturgeschichte als Beiwort der Meer- und Seefische u. dgl. 
neben dem Adj. marinus, und so sagte man gewöhnlich pisces pelagii. 
— Nur P. L. ist terra pelagoque, für marique. Näheres über pelagus 
Rebling 1 S. 20, Köhler act. Erl. I S. 405, Nipperdey quaest. Caes. 
S. 25. 

Pelasgus kommt, wie Pelasgicus, als Adj. bei Plin. mai. vor, 
Pelasgum lauri genus nat. 15, 132, sonst ist Pelasgus nur P. Das 
Subst. findet sich wohl nur im Plural Pelasgi. 

Pellere, vertreiben, verdrängen, wird verbunden a) mit dem blossen 
Abi., z. B. Cic. har. resp. 39 foro pellere, b) mit ex, selten mit de, 
aus einem Orte, z. B. e patria, e regno; der Abi. ohne ex ist hier 
P. L., selten in Prosa, vgl. Wölfflin Archiv YI S. 98; für pellere de 
vgl. Cic. acad. 2, 141 deque eo nulla ratione neque pelli neque moveri 
potes, Plin. nat. 18, 230 aquam de agro pellere, Hier. ep. 40, 1 Arnos 
de Samaria pellitur, vgl. Gölzer Hier. S. 340, c) mit a wohl nur, 
wenn es bedeutet zurückweisen, abhalten von einem Orte, worin 
jemand noch nicht ist, wie bei Cic. (Att. 10, 8, 2): pelli istum ab 
Hispania, er werde von Spanien zurückgelialten, Flacc. 57 cuius 
patrem armis pellendum a suis moenibus censuissent. 

Peloponnesiacus und Peloponnesius, Peloponnesisch, sind gleich 
gute adjektivische Formen; Subst. ist gewöhnlich nur Peloponnesius, 
wofür Peloponnesiacus nur bei Mela 2, 3, 9 steht. Peloponnensis 
kommt nicht nur Sp. L., sondern auch bei Curt. 4, 13, 29 vor 






Pendere — 269 — Pendere 

(Peloponnesium Gen. plur. zu Peloponnenses). Bei Tust. 26, 1, 2 
lesen Rühl und Jeep Peloponnensü (wie Curt. 3, 9, 8 ; 7, 4, 32 die 
codd. bieten). 

Pendere, wägen, abwägen u. dgl.; — etwa*, nach etwa*, aliquid 
ex aliqua re, z. B. Cic. Quinct, 5 si ex opibus, non ex veritate causa 
pendetur, auch mit Abi. allein, Cic. Yen. 4, 1 vos eam suo, non 
nominis pondere penditote, vgl. Hellmuth act. Erl. I S. 170. Pendere 
mit einem Genitiv des Wertes gehört dem A. L., den Dichtern und 
den archaisierenden Prosaikern an. Wir finden es nicht bei Cic, 
Caes., Livius, aber bei Sali., Tac, Sen. phil., Gell., Apul. und andern 
Sp. L., auch in der Yulg., vgl. Thielmann Piniol. 42, S. 342, aber 
nicht bei Amm., der parvi ducere und im Passiv parvi haberi ge- 
braucht, vgl. Novak Amm. S. 56, in P. bei Plaut., Ter., Lucr., Hör. 
Man vergleiche folgende Stellen: niliili pendere steht, wie bei Ter. 
(Eun. 94), auch bei Leo M. epp. 26, S. 745 (Migne); parvi pendere 
zweimal bei Sali. Cat. 12, 2 und 52, 9, gratiam parvi pendere, bei 
Apul. met. 4, 25 extr., Macr. somn. Sc. 2, 9, 10; bei August, de anima 
3, 21, de ordine 2, 9, 27 und sonst, ebenso bei Greg. M. in Job 3, 59 
und 21, 18 und sonst, bei Hier. ep. 51, 3; 84, 7, vgl. Gölzer Hieron. 
S. 191; bei Greg. Turon. ist parvi pendere ein Wort = dedaigner, 
daher auch die Konstruktion parvi pendens de his, quae dicebantnr, 
vgl. Bonnet Greg. S. 481; minoris pendere bei August, de üb. arbitr. 
1, 6, 14 und sonst; pluris pendere, August, de magistro 9, 25 (bis) 
und § 26; magni pendere steht bei Tac. ann. 12, 18, Sen. de v. 
beata 10, 3, Gell. 16, 9, 3; bei Hör. serm. 2, 4, 93. — Auch die 
Phrasen pensi habere aliquid und alicui aliquid pensi esse sind 
A. L. und archaisierend; Cic. u. Caes. kennen dieselben nicht. Sie 
finden sich bei Plaut., z. B. Truc. 765, dann bei Sali., z. B. Cat. 5, 
6; 12, 2; lug. 41, 9 und sonst, auch bei Livius, z. B. 26, 15, 4; 
34, 49, 7; 34, 31, 3; 42, 23, 2, Sen. ben. 1, 9, 4; bei Quint. 11, 
1, 29, Suet. Nero 34, Domit. 12, vgl. fürs Sp. L. Lönnergren S. 42. 
Sie stehen entweder absolut oder mit einem indirekten Fragesatz 
verbunden, immer nur in negativen Sätzen: nihil pensi habere, mihi 
nihil pensi est, auf ehvas nicht achten, sich nichts daraus machen, 
sich nicht seltenen. Erst bei Yal. Max. und Tac. ist pensi Gen. 
pretii, während es früher immer von einem Neutrum abhängig war, 
vgl. Tac. ann. 13, 15 ut neque fas neque fidem pensi Jinberet, bist. 1, 
46, dial. 29 und dazu Gudeman; Yal. Max. 2, 9, 3 nee pensi duxerat, 
und positives pensi habere hat erst Symm. 1, 73 dignum esse, quem 
pensi habeas gewagt. — S. Nipperdey zu Tac. ann. 13, 15, Dietsch 
zu Sali. Catil. 5, 6, Constans S. 131, Fabri zu Sali. Cat. 5, 6, Heraus 
zu Tac. bist. 1, 46, Bagge S. 38, namentlich aber Thielmann im 
Archiv II S. 387. 

Pendere, hangen, hängen, hat 1. in physischer Bedeutung u (s. 
darüber Cic. Yerr. 4, 74 sagittae pendebant <d> umero) und ex (von 
ehvas herab) und in mit dem Abi. (au etwas), Cic. Yerr. .'>. 57 tum 
diu pependit in arbore soeius i»>i>. Eomani, bei sich; /'. />. auch de 



Pendere — 270 — Pendere 

und den blossen Abi.; 2. in bildlicher oder geistiger Bedeutung, abhängig 
sein von etwas, beruhen auf etwas, wird es a) mit ex oder dem blossen 
Abi. verbunden, z. B. ex ancipiti temporum mutatione pendere, Curt. 
4, 1, 27; ex quo verbo tota illa causa pendebat, Cic. de orat. 2, 107; 
pendere ex vultu et natu alicuius, Liv. 39, 5, 3, ist Bezeichnung der 
sklavischen Abhängigkeit von einem anderen; ex vultu dicentis pendent 
omnium vultus, Sen conti*. 9, 23, 5; der blosse Abi.: salus vestra, 
(juae spe exigua extremaque pendet, Cic. Flacc. 4; tarn levi momeuto 
mea apud vos fama pendet, Livius 2, 7, 10; an ignoratio . . . vecti- 
galia perlevi saepe momento fortunae . . . pendere, Cicero agr. 2, 80; 
b) auch mit in, z. B. Cic. Pis. 98 in se?2tentiis omnium civium famam 
nostram pendere. Aber die Konstruktion mit ab ist nicht klass., 
denn bei Cic. Sest. 115 liest C. F. W. Müller qui pendet rebus levis- 
simis, vgl. auch Landgraf zu Reisig-Haase S. 704, sie ist, z. B. pen- 
dere ab ore alicuius, vorzugsweise poet., s. Thiel zu Yerg. Aen. 4, 79, 
und Sp. L., z. B. Eutrop 8, 9, 1 cum eins origo paterna a Numa 
Pompilio penderet. — Grammatische Redensarten, z. B. der Genitiv 
hängt von demselben Nomen ab, gehören wohl mehr zur ersten, als zur 
zweiten (bildlichen) Bedeutung; man sagt also wohl gleich gut: pendet 
ab oder ex eodem nomine. — Das deutsche schwankend, ungeiviss, in 
Ungewissheit sein heisst pendere, z. B. Cic. Att. 4, 15, 6 ne diutius 
pendeas, vgl. Boot z. St., doch findet man öfter pendere animi, auch 
bei Cicero, z. B. Att. 11, 12, 1; 16, 12; Tusc. 4, 35, leg. 1, 9, auch 
bei Cael. in Cic. fam. 8, 5, 1; im Plural sagt man peyidemus animis, 
Cic. Tusc. 1, 96. Aus letztgenannter Redewendung namentlich hat 
man geschlossen, dass animi kein Genitiv, sondern ein Lokativ ist, 
eine Ansicht, welche Delbrück zuerst ausgesprochen hat und die 
auch Ebrard S. 601,' Peter Anm. zu S. 65 in Haases Vorlesungen, 
Kühnast S. 391 u. a. verteidigen. Dagegen sind entschieden auf- 
getreten Riemann Etudes S. 270 Anm. 2, Schönfeld S. 37 und Golling 
im „Gymnasium" 1885, Nr. 16, denen sich Landgraf in Anm. 526 zu 
Reisig-Haase S. 557 anschliesst. Das richtige wird wohl O. Keller 
in Neue Jahrb. 1887 S. 488 getroffen haben; er sagt: „Animi ist 
von Haus aus nicht Genitiv, sondern Lokativ. Ich füge hinzu „von 
Haus aus" : denn dass die späteren Schriftsteller wie Livius, Vell., 
Sen., Florus solche Wendungen noch als Lokativkonstruktionen fühlten, 
bezweifle ich stark. Sie hielten sich vielmehr an eine ihnen unver- 
ständliche Überlieferung etc." Doch das hat Keller nicht genug 
beachtet, dass schon frühe animi parallel mit wirklichen Genitiven 
erscheint, z. B. Sali. hist. 3, 91 M. ingens ipse virium atque animi; 
darnach ist das Gefühl für den Lokativ früh schon verblasst. Übrigens 
ist bei Cic. Tusc. 1, 96 vielleicht animi statt animis zu lesen, vgl. 
C. F. W. Müller z. St., ebenso Liv. 7, 30, 22, während Liv. 7, 10, 9 
toi c'/rca mortalium animis spe metuque pendentibus recht gut animis 
zu tot genommen werden kann. Näheres sehe man bei Schönfeld, 
Golling und Landgraf, sowie Archiv XIII S. 312; vgl. auch Blomquist 
Gen. S. 97 und Zieler Abi. S. 26. — Um jemandes willen in Unge- 



Penetrale — 271 — Penitus 

luissheit sein heisst pendere de aliquo, vgl. Cic Att. 16, 12 quam animi 
pendeam et de te et de me. — Sp. L., namentlich bei Juristen, heisst in 
Ungewissheit sein, in pendenti esse, für in suspenso, incerto, dubio esse. 

Penetrale (Plur. penetralia), das Innere, Innerste, findet sich 
nirgends bei Cic. und Caes., es ist meistens P. L. für locus interior, 
intimus, pars intima u. dgl., aber mehr bei heiligen Gegenständen. 
Die poetisierende Prosa des Liv., Tac. und anderer nahm das Wort 
auf und so finden wir es Liv. 41, 20, 7, Quintil. 6, 2, 25 und 12, 
Prooem. § 3, Tac. dial. 12, Agr. 30. Die Verbindung penetralia 
animi, cordis ist nur P. und Sp. L.: penetralia animi, Ambros. ex- 
pos. in ev. Luc. 1, 1, 12 und ibid. lib. 5, 105: penetralia rnentis (vgl. 
auch Augustin, c. academicos 2, 3). Näheres siehe bei Paucker lat. 
scr. h. Aug. S. 31, Schulze Symm. S. 60. 

Penetrare mit einem Accus., z. B. se, pedem u. dgl., in der Be- 
deutung seinen Fuss setzen in, sich hineinbegeben, eindringen, ist nur 
A. und Sp. L. für das einfache penetrare, vgl. Brix-Niemeyer zu 
Plaut. Trin. 146, Gorges Gell. S. 68, Lorenz zu Plaut. Pseud. 535, 
Neue -Wagener 3 III S. 125. In der Bedeutung tief in etwas ein- 
dringen, etwas durchzielten steht es mit dem blossen Accus, poet. und 
später auch in nachklass. Prosa und zwar eigentlich und trop., vgl. 
Georges Yell. S. 42 ; auch im Sp. L. hat sich die Konstruktion er- 
halten, z. B. Hieron. ep. 53, 1 opulentissima Indiae regna penetravit, 
vgl. Gölzer Hier. S. 306. Eindringen bis zu, an etwas hin, ist pene- 
trare ad aliquid, z. B. Cic. prov. cons. 32 non ipse ad eorum urbes 
penetravit; ad ostium Pelusii, Curt. 4, 1, 29. In etwas hineindringen } 
eigentlich oder bildlich, ist penetrare in aliquid, z. B. in portum, in 
urüssimas fauces penetrare, Cic. Yerr. 5, 96, Curt. 5, 3, 17; in 
castra hostium penetrare, Liv. 2, 12, 3; in animos penetrare, Cic. 
Brut. 142. 

Penitus ist 1. ein altes Adverbium, welches a) in seiner Grundbe- 
deutung ausdrückt: ganz tief innen, tief, aus der Tiefe heraus und 
ganz, tief nach innen hinein zunächst von Örtlichkeiten und dann 
von Sachen „in aliquo loco interiore positis vel reclusis u ; sein Gegen- 
satz ist also das Äusserliche, an der Ober/lache Liegende und zwar 
wird penitus so im eigentlichen und tropischen Sinne gebraucht. 
Nach dieser Grundbedeutung des Wortes sind daher Redensarten 
wie: penitus loqui, genau reden (für aecurate loqui)] penitus inex- 
speetatus, ganz unerwartet (für prorsus inexspectatus)\ penitus negare, 
ganz oder durchaus leugnen (für prorsus negare), penitus avolare, 
ganz wegfliegen (für plane avolare) u. dgl. gewiss als klass. zu be- 
zweifeln, b) Aus dieser Grundanschauung entwickelt sich dann der 
metaphorische Gebrauch, in welchem penitus das Centrum, die Tiefe, 
(lux Innerste einer geistigen Tätigkeit ausdrückt. Wie man daher 
eigentlich sagt: argentum penitus äbditum, Cic. off. 2, L3 das tief 
,in ScJiosxe der Erde geborgene Silber, 80 auch trop. penitus aliquid 

amiftere völlig einbüssen, oll*. 2, 27, penitus aliquid tollere, oat. deor. 

1, 119 etwas VOn innen heraus, aus seinem (>' runde mit seinen 



Penna — 272 — Penna 

tiefsten Wurzeln herausnehmen, d. h. ganz und gar aufheben, leugnen, 
so auch penitus perspicere aliquid, de orat. 1, 108 von der in die 
Tiefe gellenden, auf den tiefsten Grund einer Sache eindringenden 
Erkenntnis, und penitus pernoscere, intellegere aliquid, de orat. 1, 17 
und Attic. 8, 12, 1 ; aus dem Mittelpunkte, aus dem tiefsten Wesen, 
dem Grunde des Herzens jemand bitten ist penitus rogare aliquem, 
fam. 16, 8, 1, und penitus in ■memoria insidere, memoriae mandare 
= dem Gedächtnis tief eingeprägt sein, tief einprägen de orat. 2, 
122; se penitus in causam demittere = sich auf den tiefsten Grund 
einlassen, Attic. 7, 12, 3. Einen gründlich hassen ist penitus odisse, 
Cluent, 171, gründlich verachten, penitus contemnere, Mil. 74. — Dass 
penitus in klass. Sprache zur Verstärkung der Adj. gebraucht würde, 
ist mir nicht bekannt, es tritt hier nur zu Yerben und Partiz., z. B. 
penitus ereptus, defixus, penitus insitus, Cic. S. Rose. 54 und dazu 
Landgraf, penitus dilectus, Hör. od. 1, 21, 3, wo es Porphyrio mit 
valde erklärt, vgl. Wölfflin Komp. S. 24 und Archiv I S. 98. Anders 
ist es im P., N. Kl. und Sp. L., wo penitus auch zu Adj. tritt, so- 
gar zu Kompar. und Superlat., z. ß. zum Komparativ setzt es 
Prop. 1, 16, 17 penitus crudelior, zum Superlativ Yell. 2, 27, 1 pe- 
nitus infestissimus (aber nicht Apul. met. 2, 7, Amm. 21, 16, 7; 24, 
1, 3; Sidon. Apoll, ep. 9, 11, wo überall perquam mit Superlativ 
steht, wonach zu berichtigen das Druckversehen bei Wölfflin Komp. 
S. 48). — Sp. L. ist penitus — omnino, z. B. Treb. Poll. Val. 6, 7 
ut iudicem de omni penitus orbe, vgl. Gölzer Hier. S. 427, Thielmann 
Piniol. 42 S. 348, Cotta S. 7, und penitus mit Negation = omnino 
non ; vgl. Kalb Roms Juristen S. 27; dies hat Öfters Tustinian, aber 
nicht die Juristen vor seiner Zeit, aber die leges nach ihm, vgl. Kubier 
Archiv VIII S. 447; ebenso Gfreg. Turon. u. andere Sp>. L., wo penitus 
fast nur mit Negation sich findet, vgl. Bonnet S. 307. — 2. Das Adj. 
2)enitus ist vulgär ; es findet sich bei Plaut, (der penitus nicht adverb. 
braucht, vgl. Langen Beitr. S. 80), Varro, Vitruv, Apul. u. a., auch im 
Kompar. und Superlat., z. B. Hieron. in Tit. ad 3, 9 penitissimis sensibus. 
Vgl. Kretschmann Apul. 54, Gölzer Hieron. S. 286, Skutsch bei Kroll 
Die Altertumswiss. S. 336, namentlich Piechotta S. 39, wo viele Bei- 
spiele aus Sp. L.; für Adv. penitissime vgl. Kretschmann Sidon. 
S. 12 und Neue -Wagener 3 II S. 760, bei Plaut, fr. 3, 15 ist peni- 
tissime in penitissumae verbessert. 

Penna, die Feder (Nebenform pinna), ist von den Alten erst 
spät als Schreibfeder benutzt, wie wir dies aus chron. Vales. 14, 79 
und aus Isidor. Hisp. 6, 14, 3 ersehen; denn hier werden pennae 
zuerst als instrumenta scribendi erwähnt. In klass. Zeit schrieb man 
mit geschnittenen Rohrfedern, welche calami hiessen. Daher heisst 
zur Feder greifen calamum sumere, nach Cic. Att. 6, 8, 1 cum in- 
stituissem ad te scribere calamumque sumpsissem. Celsus spricht 5, 
28, 12 von calamus scriptorius, und Quint. sagt 10, 3, 31 quoad in- 
tinguntur calami. Doch kann man statt calamus auch das Wort 
stilus setzen, besonders im Sinne der Schreibübungen. Daher sagt 



Pennatus — 273 — Peplum 

auch Cicero (de or. 1, 150): sülus optimus dicendi effector ac ma- 
gister, und (orat. 150) exercitatus sülus, was wir eine gewandte 
Feder nennen. — Einem die Flügel stutzen ist pinnas alicui incidere 
nach Cic. Att. 4, 2, 5, vgl. auch Hör. ep. 2, 2, 50 decisis humilem 
pinnis; Hör. ep. 1, 20, 21 maiores pinnas nido extendere, Amm. 16, 
7, 2 ad evagandum altius validiores sibi pinnas aptare, vgl. Otto in 
Wölfflins Archiv III, 392. — Über das Verhältnis von pinna zu 
penna (vielleicht ist pinna keine Nebenform zu penna, sondern be- 
deutet ursprünglich Spitze oder Orat) vgl. Hey Semas. Stud. S. 140. 

Pennatus bedeutet zwar geflügelt, aber nicht gefiedert; dies 
heisst pluma öbductas oder plwniger. 

Pensare; vgl. Pensitare. 

Pensi verbunden mit esse oder habere; vgl. Pender e. 

Pensiculare, wägen, erwägen, ist nur Sp. L., wahrscheinlich aus 
der Volkssprache genommen und durchaus zu ersetzen durch pen- 
dere und ponderare, vgl. Kretschmann Apul. S. 76. — Ein von dem 
passiven Partizip pensicidatas gebildetes Adverbium aber, pensiculate, 
mit Bedacht, Überlegung, beruht auf einer Stelle des Gellius 1, 3, 12 
(also Sp. L.) und ist um so mehr zu vermeiden, als accuratius, 
subtilius, diligeyxtius dafür klass. Bezeichnungen sind. 

Pensio, die Pension, das Jahrgeld, ist N. L. (denn bei den Alten 
hat es andere Bedeutungen; vgl. die Lexica) für Stipendium oder 
salarium annimm. Ygl. Suet. Nero 10. Da den Alten der Begriff 
Pension = Ruhegehalt, ebenso pensionieren = einen Beamten zur 
Ruhe setzen fehlten, so finden wir natürlich auch keine Ausdrücke 
dafür in den alten Autoren und müssen zu Umschreibungen greifen, 
z. B. einen mit vollem Oehalte, mit seiner ganzen Besoldung poisio- 
niereyi: cum integri salarii iure aliquem dimittere. 

Pensitare hat in klass. Sprache nur die Bedeutung bezahlen. 
z. B. Cic. Pomp. 16 qui vectigalia nobis pensitant; dagegen kommt 
es in der Bedeutung erivägen einmal bei Livius 4, 41, 3, öfters 
N. Kl. bei Tac. ann. 3, 52 u. 12, 17 und Suet, Caes. 30, Aug. 66, 
Plin. epp. 1, 8, 9; 4, 14, 6; 4, 15, 8; 7, 9, 3 und 7, 17, 7 vor; 
vgl. Jonas 1884 S. 7, H. J. Müller zu Liv. 4, 41, 3. 

Pensum wird in der Bedeutung Aufgabe in geistigem Sinne von 
vielen verworfen, und doch braucht es so selbst Cic. (de orat. 3, 
119): me ad meum munus pensumque (und zu meiner Aufgabe) 
revocabo. Ebenso findet sich pensum absolvere bei Yarro r. r. 2, 2, 
1. — Über den Genit. pensi, verbunden mit esse und habere, vgl. 
Pendere. 

Penultimus, vorletzt; vgl. Paenultimus. 

Peplum und peplus, der Schleier, das Gewand, der Mantel, sind, 
wie im Griechischen (rd ~£~)dt und b tJ~a<k) gleich gute Formen, 
aber nur /'. und 8p. L. Neu ist die Redensart peplo silentii ali- 
quid involvere, etwas in den Manie! des Stillschweigens einhüllen, 
d. h. etwas mit Stillschweigen übergehen, \'\\v die einfachen süentio 
aliquid praeterire, transire. 

K rebH-S cli malz, AntibarkiruB II. 



Per — 274 — Peragrare 

Per. Diese Präposition ist eingehend behandelt von Obricatis 
fürs Ä. L., von Wulsch für Livius, von Hensell für Tacitus, daran 
scbliesst sich eine gründliche Abhandlung von Fr. Stolz in WölfT- 
lins Archiv II S. 497 — 508, wo namentlich Herleitung, Grundbedeu- 
tung und Zusammensetzung von per klar dargelegt ist. Die Grund- 
bedeutung von per ist die räumliche Durchdringung, von wo die 
nächste Übertragung wie immer auf die Zeit erfolgte. So bezeichnet 
denn per mit dem Accus, der Zeit Kl. immer den ganzen Zeitraum, 
während dessen etwas geschehen ist; später empfand man die Grund- 
bedeutung nicht mehr, und so wird per im Sp. L. zur Angabe eines 
Zeitpunktes gebraucht, also per idem tempus — eodem tempore, vgl. 
Lönnergren S. 30, oder es wird gesetzt, wenn angegeben werden 
soll, wie oft etwas innerhalb, im Laufe eines ganzen Zeitraumes ge- 
schehen sei. Man sage also nicht quater per annum, sexies per 
mensem, für in anno, in mense. — Die klass. Sprache Ciceros unter- 
schied genau zwischen per und ab beim Passiv; die tätige Person 
wird nur mit Abi. und ab bezeichnet. Wenn daher Q. Met. Celer 
an Cicero schrieb (fam. 5, 1, 1) fratrem meum per te oppugnatum 
iri, so verbesserte dies Cicero in seinem Antwortschreiben (fam. 5, 
2, 6) quod scribis non oportuisse Metellum fratrem tuum a me oppug- 
nari. Sp. L. findet sich oft per statt ab, vgl. Paucker Oros. S. 46, 
Lönnergren S. 29 ; man ahme dies nicht nach. — Ferner verwerfen 
die gelehrten Juristen per testamentum declarare, durch das Testa- 
ment erklären, für testamento declarare, und warnen, wenn dabei 
steht bei seinem Tode, vor in morte, statt in morte sua, was, so 
überflüssig es auch scheint, dennoch für notwendig erkannt wurde. 
Vgl. Klotz zu Cic. Reden I S. 478. — Es ist bekannt, dass die 
Zusammensetzung der Adj. mit per besonders in der Umgangssprache 
beliebt war; daher finden wir beispielsweise überaus viele solche 
Kompos. in Cic. epp., sehr wenige aber bei Caesar, vgl. Wölfflin 
Komp. S. 26, Archiv I S. 99, Guttmann S. 11, Stinner S. 17 f., 
Paucker lat. scr. bist. Aug. S. 26, Schulze Symm. S. 103, Köhler act. 
Erl. I S. 21 und sonst. Diese Komposita mit per waren selbstver- 
ständlich nicht mehr steigeruugsfähig, weshalb die gute Latinität 
keine Superlative davon zuliess. Mit Recht macht jedoch Wölfflin 
darauf aufmerksam, Komp. S. 47, dass perpolitissimus bei rhet. Her. 
4, 44 nicht hieher gehöre, da dasselbe von perpolire sich herleite. 
Die Verstärkung des Superlat. durch perquam ist Sp. L., sie findet 
sich zuerst beim Juristen Pomponius, vgl. Kalb Roms Juristen S. 64, 
dann bei Apul. met. 2, 7, vgl. Becker S. 28, ausserdem bei Amm. 21, 
16, 7; 24, 1, 3; Sidon. ep. 9, 11; Cypr. ep! 63, 11 aus Psalm 23, 5. 
Die Verbindung von per mit Superlat., also permaximus, peroptimus 
gehört der N. Kl. und Sp. L. Sprache an und ist zu meiden, vgl. 
Wölfflin Komp. S. 59; Thielmann Apoll. S. 5; Neue -Wagener 3 II, 256. 
— Über per im verbalen Kompositum vgl. auch Näg.-Müller 9 S. 343. 

Peragrare, durcliwandcm, wird mit dem blossen Accus, ver- 
bunden, z. 15. agros, insnlas, urbes; pass. vgl. Cic. Brut. 315 a me 



Perceptibilis — 275 — Percontari 

Asia tota peragrata est; mit per bei Cicero wohl nur in über- 
tragenem Sinne (de or. 1, 222) per animos hominum, vgl. Sorof 
z. St. — Nicht nachzuahmen ist, was nur Vell. 2, 97, 4 sich ge- 
stattet hat: peragratus in aktivem Sinne; vgl. jedoch Georges Vell. 
S. 36, der für Ruhnkens Konjektur pervagatus spricht. 

Perceptibilis ist ein Sp. L. philosophisches Wort in der Bedeu- 
tung begreiflich, fasslich; man umschreibe es durch percipi posse, 
sensibus, mente, animo percipi. Ebenso Sp. L. ist es = teilhaftig, 
teilnehmend. 

Perciyere, ergreifen, sich bemächtigen, von einer geistigen Sache, 
die jemanden ergreift, findet sich nur A. L. bei Terenz und Lucr., 
vgl. Terenz Eun. 972: neque arbis odium me umquam percipit; Lu- 
cret. 3, 80: vitae percipit humanos odium. Kl. ist das übrigens 
schon bei Pacuvius (bei Cic. div. 1, 24) sich findende capere, vgl. 
Cic. Phil. 2, 91 tantum te cepisse odium regni videbatur, Liv. 27, 49, 
8 victor es caedis ceperat satietas, u. oben I S. 258. 

Percontari, auch percunctari, welches nach Keller eine volks- 
etymologische Umformung von percontari ist, fragen. Über Ab- 
leitung und Form handeln Corssen krit. Beitr. S. 4, Nachtr. S. 427, 
Bugge Philol. 31 S. 257; Georges Lex. Wortformen s. v., Keller 
Etyrnol. S. 31, Volksetym. S. 108, Stolz Hist. Gramm. S. 641, Bonnet 
Greg. S. 188. — Gewöhnlich sagt man percontari aliquem. Selten, 
aber gut ist percontari ab aliquo, s. Yarro r. r. 3, 12, 1, rhet. Her. 
2, 22, Cic. acad. 1, 2 (hier aber unsicher). Dafür bei Cicero auch 
percontari aliquid ex aliquo, divin. 2, 76, Yerr. 3, 183 und percon- 
tari aliqiiem de aliqua re, rep. 6, 9, Liv. 40, 21, 3 und Sali. Cat. 
40, 2. Auch percontari aliquem ex aliquo = nach einem bei einem 
fragen hat Autorität (bei Plaut. Asin. 502). — Percontari aliquem 
aliquid, endlich ist nicht bloss P. L., sondern auch, nach der Analogie 
von interrogare aliquem aliquid, seit Livius in Prosa zu finden, vgl. 
darüber Curt. 5, 11, 8, Liv. 39, 12, 1 und dazu Weissenborn und 
39, 49, 12, Kräh I S. 8. — Weissenborn hat zu Liv. 31, 49, 11 
die Behauptung aufgestellt, dass percontari aliquem mit einem 
indirekten Fragesatze selten sei. Diese Wahrnehmung hat für 
die Kl. Sprache ihre volle Richtigkeit; denn Caesar braucht das 
Yerbum percontari überhaupt nicht, aus Cicero kenne ich nur 
folgende indirekten Fragen mit percontari: Yerr. 3, 183 ex Jus 
scribis percontamini, quid velint, leg. agr. 2, 94 concursatio percuno- 
tantium, quid praetor edixisset; fin. 2, 118 percontare ipse te, per- 
petuisne malis voluptatibus petfruens degere omnem aetatem, Brut. 172 
cum j)< rrontaretur ex anicula quadam, quanti <iH<jii/d venderet, acad. 
1, 2 pereontantibu>8, nobis, ecquid forte Roma novi. Dazu kommt 
aus Kl. Zeit rhet. Her. 2, 22 und Cael. bei Cic. fem. 8, 7, 2. Nur 
fin. 2, 118 und Cael. in Cic. tarn. 8, 7, 2 stein percontari <il ii/iicm mit 
Fragesatz, sonst überall erscheint percontari in anderer Konstruktion. 
Jedoch bei Liv. ist der Gebrauch häufig; Vgl. folgende Stellen: unus 
i i statione pereunetatus proximum opp/diinorum . . . <ims>him i$ 



Percreber — 276 — Percutere 

esset, qui ... 5, 15, 5; sinas hie coram virgine nutricem percontari, 
quid hoc rei sit, 3, 48, 4; Tullium secreto, quaenam haec res sit, per- 
contatur, 7, 14, 1 ; legatos mütunt ad pereunetandos Carthaginienses, 
publicone consilio Hannibal Sagimtwn oppugnasset, 21, 18, 1; ut 
consulem percunctaretiir, liceretne extra ordinem . . . pugnare, 23, 
47, 1 ; quem cum percunctaretiir Scipio, quis et euias et cur id 
aetatis in castris fuisset . . . 27, 19, 9; cum alii ipsos, alii comites 
eorum, quae acta essent, percontarentur, 27, 51, 3. Weitere Stellen 
bietet Liv. 31, 49, 11; 36, 33, 1; 37, 17, 10; 39, 11, 4 und 44, 
35, 10. Auch finden sich im A. L. und im N. Kl. viele Beispiele 
vgl. percontatus eam (virginem), quem potissimum augurem consideret, 
Iust. 11, 7, 6; amicos percontatur, videanturne similem sibi reperturi 
regem, ibid. 12, 15, 5; Messalinum Asprenas percontatus est, an 
prudens praeterisset, Tac. ann. 3, 18; accitos pontifices percontatus 
est, num . . . ibid. 4, 17; percontatusque Caesarem, an . . . ibid. 
12, 5; ebenso hist. 4, 82; admissos amicos percontatus, ecquid iis vi- 
deretur . . . Suet. Aug. 99; accersitos, qui ei (sermoni) interfuerant, 
percontabatur , an . . Yal. Max. 5, 1, ext. 3; cum Hermoclen percon- 
tatus esset, quonam modo clarus posset evadere, ibid. 8, 14, ext. 4; 
Forum percontatur, an vera essent, quae . . . Curt. 9, 2, 5 ; Bubacen 
spadonem . . . percontari iubet, numquid ipsi velit dicere, ibid. 5, 11, 
4; percontari proximos coepit, quid ex Clito audissent, 8, 1, 29. Me 
infit percontarier , ecquem noverim . . . Plaut. Asin. 343; cocum per- 
contabatur, possentne seriae fervescere, ibid. Capt. 917; dum percontor 
portitores, ecquae navis venerit, Stich. 366. 

Percreber, sehr häufig, ist N. L. 

Percurrere, durchlaufen. In geistigem Sinne teils etwas Ge- 
schriebenes flüchtig durchsehen, teils mit Worten erwähnen und 
aufzählen, ist Kl. aliquid percurrere mit und ohne oculo, animo, 
oratione. Ygl. Cic. de or. 1, 205, Caec. 94, Balb. 50, Liv. 9, 18, 12 
paginas in annalibus — percurrere. Einmal wird es von Cicero zum 
Zwecke lebhafterer Darstellung mit per verbunden: per omnes civitates 
percurrit oratio mea, Verr. 3, 100; doch liest man dies jetzt auch 
Cic. Cluent. 166 per quae nunc paucis percurrit oratio mea, vgl. C. F. 
W. Müller z. St., sowie Clark; an beiden Stellen ist oratio Subjekt. 
Caesar hat civ. 1, 15, 1 percurrit omnem agrum, doch Gall. 4, 33, 3 
natürlich per temonem über . . . hinlaufen ; vgl. noch N. Jahrb. 1896 
S. 369. 

Percutere, mit foedus verbunden, ein Bündnis machen, schliessen, 
ist seltener und steht nirgends bei Cic, Caes., Sali., Liv. (vgl. M. 
Müller zu Livius 2, 33, 4) für ferire, icere, facere. Es kommt in 
klass. Zeit nur im b. Alex. 44, 1, sonst nur N. Kl. bei Sen. contr. 
9, 2 (25), 15 und exe. 6, 5, und Sp. L. bei Aur. Yict. de viris illustr. 

2, 10; 59, 5 und Flor. 1, 1, 14; 3, 11, 4 und 4, 10, 1, lustin. 42, 

3, 4 und 43, 5, 10, Hieron. chron. I S. 32 und II S. 133, Anthol. 
lat. ed. Riese 1, 12, 4 S. 15 vor. Hingegen sind für foedus percu- 
tere Cic. dorn. 129 und Liv. 2, 33, 4 fälschlich zitiert worden. An 



Perdere — 277 — Perfectio 

beiden Stellen heisst es foedus ferire. Ygl. Wagener Beitr. 23 ff., 
der percussi und percussam als Ersatz zu ferio nur für die Phrase 
securi ferire anerkennt; zu foedus ferire gehören ici und ictum als 
Ersatz, vgl. oben I S. 585. 

Perdere, verlieren, mit dem Accus, causam, litem, einen Prozess, 
Streit, ist klass., vgl. Cic. de or. 1, 167 neque intelleg ebat, si ita esset 
actum, litem adversarium perditurum; Cic. Q. Rose. 10 causam perdi- 
disti. Das Passiv von perdere mit Ausnahme von perdendus und 
perditus ist wenigstens in den guten Zeiten der Sprache ungebräuch- 
lich, und dafür wird perire angewendet; vgl. Lachmann zu Lucr. 
S. 121. Im Sp. L. lassen sich jedoch viele passive Formen von perdo 
nachweisen, besonders in Vulg. und bei Eccl. Übrigens sagt schon 
Hör. sat. 2, 6, 59 perditur, vgl. dazu Fritzsche und Ott Progr. 
Rottweil 1869 S. 13, Heiss Vulg. S. 16. 

Perdifficilis. Der Superlativ perdifficillimus bei Liv. 40, 21, 4: 
aditus perdifficillimus verdient keine Nachahmung, vgl. s. v. Per. 

Perducere, durchführen. — A r . L. ist perducere per aliquem 
locum, für ducere per. — N. L. ist auch perducere aliquam causam, 
eine Sache durchführen, d. h. zu Ende bringen, für perferre. 

Peregregius, sehr vortrefflich, ist Sp. L. bei Apul., vgl. Kretsch- 
mann Apul. S. 54, auch ganz unnötig, da egregius hinreicht. Mit 
Recht führt daher auch Wolf (Analect. I S. 490) das Adv. peregregic 
als schlechtes Latein an. 

Peregrinatio kommt von peregrinus, dies von peregre über Feld, 
nach Skutsch N. Jahrb. 27 Suppl. S. 101 ff. = über [das was] auf 
dem Acker [ist, Lokativ] hinaus; das Wort peregrinus scheint sich 
erst gebildet zu haben, als die Römer den „friedlichen Fremden u 
im Gegensatz zu hostis unterschieden; vgl. Hey Semas. Stud. S. 97. 
Peregrinatio ist Kl., es bedeutet jedoch nur das Herumreisen und Auf- 
halten in der Fremde, aber nicht das Fremdartige, z. B. sermonis, der 
Rede; dafür sagt man perecjrinitas, pereqrinum quiddam; vgl. Cic. 
fam. 9, 15, 2, Arch. 26. 

Perfectibilis , der Vervollkommnung fähig, perfektibel, ist ein 
N. L. philosophisches Wort, welches die Philosophen kaum entbehren 
können, für consummabilis, bei Seneca (ep. 92, 27): ratio in dis con- 
summata est, in nobis consummabilis (der Vervollkommnung fähig), 
welches für uns, da ein Kl. Wort fehlt, als Ersatz dient. Ygl. s. v. 
Consummare und Perfectio. 

Perfectio bedeutet nicht eine einzelne Vollkommenheit, d. h. gute 
Eigenschaft, in konkretem Sinne, indem wir von mehreren Voll- 
kommenheiten eines Wesens reden, da perfectio vielmehr den höchsten 
Zustand der Vollkommenheit bedeutet. Eine einzelne Vollkommen- 
heit heisst meistens virtus. D. L. ist daher: multas ille ei magnas 
habet perfectiones, oder: in isto nomine ha/nc (has) perfectionem (per- 
fectiones) desidero, oder: voluptatem capimua ex alterius veria per* 
feetionibus ((ins dm wahren Vollkommenheiten). — Da perfectio 
schon das Höchste in etwas bedeutet, so läset es keine erhöhenden 



Perfectus — 278 — Perfide 

Adjektiva zu, wie magna, maior, maxima, summa. Die höchste 
Vollkommenheit erreichen kann übersetzt werden durch ad summum 
pervehi, ad summa atque in omni genere perfecta pervenire, consum- 
muri, ad cumulum perfectionis decedere, Greg. M. epp. 7, 10 Ende; 
zur Vollkommenheit bringen, erheben durch cousummare, vgl. jedoch 
dieses Wort oben I S. 349. 

Perfectus, vollkommen, aber nur immer jeder und jedes in seiner 
Art, z. B. perfectus vir, Cic. Lael. 9, vgl. Seyffert-Müller z. St., per- 
fectus orator (Cic. Brut. 35), imperator, magister (ib. 32), perfectus 
Stoicus, Cic. parad. Prooem. 2 u. a. — Einen Komparativ und Super- 
lativ leugnet der Grammatiker Pompei. (S. 151 ed. Keil.); aber 
Cicero sagt Verr. 4, 124 valvas perfectiores niälas fuisse, de or. 1, 5 
politius perfectiusque, auch Quintil. (12, 1, 21) hat perfectius und 
Cicero (Brut. 118 und orat. 1, 3 und ib. 47) perfectissimus — und 
so noch andere, z. B. Front, strateg. 3, 9, 3, vgl. Neue -Wagener 3 II 
S. 235. — Über die Redensart: mit vollkommnem Rechte, was man 
B. L. durch perfecto iure übersetzt, vgl. Ius. — Auch das Adv. 
perfecte werde nicht da gebraucht, wo unser vollkommen nur so 
viel ist als ganz oder gänzlich; in diesem Falle sind meistens plane, 
penitus, prorsus richtig; z. B. er hat mich vollkommen befriedigt, 
nicht perfecte, sondern plane. Richtig aber ist perfecte bei Adj., z. B. 
Cic. Brut. 101 perfecte disertus vollkommen der Rede mächtig, vgl. 
Wölfflin Arch. I S. 98. 

Perferentia, die Ertragung , Erdiddung, kommt erst Sp. L. bei 
Lactanz inst. 3, 11, 9 vor, ist aber neben perpessio, toleratio und 
tolerantia unnötig. 

Perferre, bringen, hinterbringen, melden; — einem etwas, alicui 
und ad aliquem aliquid; z.B. nuntius mihi und ad me perfertur ; ad 
vos oder vobis omnia perferuntur. Besonders üblich ist perferre zur 
Bezeichnung des eigenhändigen Überlieferns eines Briefes oder auch 
des mündlichen Berichts eines Boten oder sonstigen Überbringers im 
Gegensatz zur schriftlichen Nachricht, z. B. Cic. fam. 4, 2, 1 litteras 
tuas breviores fuisse, quod eum perlaturum putasses ; perferri litteras 
ibid. 2, 6, 1. Vgl. noch Att. 16, 8, 2; fam. 2, 5, 1. Briefe, die ihn 
nicht erreichten sind also epistidae, quae ad eum perlatae non sunt; vgl. 
s. v. Bare. — Wenn auch perferre aliquid = erdulden klass. ist, 
z. B. Cic. Sest. 145 pertidi poenarum satis, so ist es doch P. und 
N. Kl., sowie Sp. L. mit folgendem Accus, und Infin. bei Properz 
2, 8, 30, Tac. hist. 4, 58 und Min. Fei. 37, 4, vgl. Dräger Synt. 
Tac. § 146. 

Perficere hat einen Satz mit ut, mit ut non oder ne nach sich, 
letzteres je nach dem Charakter des Nebensatzes; aber perficere mit 
Acc. c. inf. scheint nur Sp. L. zu sein, vgl. Paneg. 4, 128, 24 (aber 
bei Arnob., welchen Chruzander S. 104 zitiert, ist die Konstruktion 
nach ReifTerscheids Index nicht zu finden). 

Perfide, treulos, steht N. Kl. bei dem Rhetor Seneca conti*. 9, 
26, 11 und Sp. L., z. B. Gell. 20, 1, 54 für das Kl. perfidiose oder 



Perfiuire — 279 — Pergere 

per fidein, z. 13. Caes. Gall. 1, 46, 3 eos ab se per fidem in colloquio 
circamventos. Vgl. hierüber Paulus in Korr. f. Württ. 1886 S. 1 
bis 11. — Dass perfidus mit seiner gegenüber infidus auffallenden 
Quantität aus der adverbialen Wendung per //dem z. B. fidlere 
hervorgegangen, lehrt Usener Neue Jahrb. 117, S. 74 f. Vgl. noch 
Landgraf eloc. S. 49, id. zu S. Rose. S. 340 f., Jordan krit. Beitr. 
S. 95, Stolz im Archiv II S. 503, Nägelsb.-Müller 9 S. 250 Anm. 
und Paulus 1. 1., sowie Skutsch N. Jahrb. Suppl. 27 S. 93. 

Perfinire ist aus keinem lat. Autor zu erweisen,- da man seit 
Lachmann bei Lucr. 1, 618 praefiniet liest. Nur bei Lucifer S. 251, 
28 hat jetzt Hartel perfinientes statt praefinientes geschrieben. 

Perflare, durchwehen, galt früher nur für N. Kl. und mehr P. L., 
ist aber auch Kl.; denn Cicero (rep. 2, 11) sagt: colles, qui cum 
perflantur ipsi, tum afferunt umbram vallibus. Vgl. auch s. v. Aerius. 

Per fixiere findet sich in klass. Sprache nicht, es stand früher 
mit voluptatibns verbunden in Cic. fin. 2, 118, in der Bedeutung 
an Vergnügen reich sein, ohne alle Autorität; aber jetzt steht 
dort aus den besten Handschriften perfruens für perfluens. Doch 
P. und Sp. L. hat perfluere die Bedeutung überfliessen, reich 
sein an, z. B. Tibull 1, 10, 68 perfluat et pomis candidus 
ante sinus. 

Perfnnctorie, leicht, obenhin, flüchtig, ist Sp. L. und beruht nur 
auf der Autorität des Petronius sat. 11, 4 und der patristischen 
Latinität für leviter. Im N. L. findet es sich nicht selten, doch ist 
es ohne Wert, vgl. Rebling 1 S. 26, Vogel Heges. S. 22, Leipold 
S. 72 Anm. 3, Rönsch Coli. phil. S. 64; 66; 159, Heraus Progr. 
Offenbach 1899 S. 27. Auch perfusorie dicere hat diese Bedeutung, 
vgl. Näg. -Müller 9 S. 561 Anm. Wenn Landgraf im Archiv XII 
S. 470 bemerkenswert findet, dass Hegesipp perfunetorius und per- 
funetorie gern mit einer Negation verbindet, so ist zu beachten, dass 
das erste Auftreten des Worts bei Petron 11,4 schon die Verbindung 
mit der Negation aufweist. 

Pergamenum (als Neutr.) das Pergamen (Pergament), ist falsche 
Form für Pergamena (als Femin.), wobei Membrana zu ergänzen ist, 
welches oft schlechtweg dafür steht, z. B. bei Plin. (nat. 7, 21): 
Homeri carmen in membrana scriptum. Vgl. Varro bei Plin. nat. 13, 
70 idem Varro membranas Pergami tradit repertas. Doch findet 
sich Sp). L. ein Plural Pergamena, pelles animalium, quae dieuntur 
pergamena, vgl. Hauler im Archiv X S. 441. 

Pergere. Die ursprüngliche Bedeutung dieses Verbums ist etwas 
mit Eifer, Kraft und Energie betreiben, verfolgen, s. Hofmann zu 
Cic. Att. 3, 15, 5; daran schliesst sich eine begonnene Richtung, 
Bewegung eifrig fortsetzen. Es steht a) absolut mir folgendem 
Imperativ, wie Plaut. Merc. 618, Ampb. 277 und bei V\v. poet 
Tusc. 2, 21: perge, aude, nate, b) mit dem fu/iu. eines Verbums 
ler Bewegung, namentlich ire f z. B. Cic. div. 1,26 x/ ire perrexisset, 
verbunden, wobei oft noch in oder ad zur Bezeichnung de/- Richtwig, 



Pergula — 280 — Perinde 

des Zieles dient, z. B. Cic. acad. 1, 1 confestim ad eum ire perrexi- 
mus; dann ad Victumulas oppugnandas ire pergit, Liv. 21, 57, 9; 
pergit ire sequentibus pancis in hospitium Metelli, ibid. 22, 53, 9. 
Doch finden wir bei pergere auch andere Infinitive ausser ire, 
proficisci u. ähnl., und zwar schon bei Plaut., z. B. Amph. 803 
perge porro dicere, Cic. Mur. 35 pergitis agere cum popido u. ähnl. 
c) Ein substantivisches Objekt wird ausser Her wohl kaum bei pergere 
angetroffen; doch ist Her pergere nicht klass., es steht z. B. Ter. 
Hec. 194, Sali. lug. 79, 5, b. Afric. 69, 4, vgl. dazu Köhler act. 
Erl. I S. 428, Tac. ann. 3, 66 und 4, 20. Cicero sagt div. 1, 123 
cur non eadem via pergeret. Eine Ellipse haben wir anzunehmen 
bei Cic. Phil. 13, 40 pergit in nie maledicta, sc. dicere, Att. 3, 15, 5 
pergo praeterita, vgl. Boot z. St., Att. 4, 11, 1 perge reliqna, leg. 2, 
69 perge cetera, vgl. Bake z. St. — Ygl. auch s. v. Continuare. 

Pergula, die Bude, brauche man ja nicht für schola oder ludus 
litterarius, die Schide, mögen auch wirklich die Schullehrer in Rom 
bisweilen in Buden unterrichtet haben, vgl. Suet. gram. 18. Für uns 
wäre der Gebrauch dieses Wortes in dieser Bedeutung lächerlich. 
— Wer sich näher für pergula interessiert, vgl. Obricatis S. 45 und 
Rönsch Semas. Beitr. S. 54 f., Walde s. v. 

Perhorrere, schaudern, Schauder empfinden, hat nur Sp. L. 
Autorität für das klassische perhorrescere, welches mit dem Accus. 
dessen, ivovor man schaudert, verbunden wird, z. B. Cic. Cat. 

4, 16 qui non audaciam civium perhorrescat. Aber perhorresco mit 
Inf. ist P. und N. Kl, z. B. Hör. od. 3, 16, 18, Yal. Max. 6, 3, 2; 
vgl. Ott Progr. Rottweil 1869, S. 13, Georges Jahresber. 1880, 

5. 428. 

Pericidosus, gefährlich. Verworfen wird als selten oder gar 
nicht vorkommend causa periculosa, ein das Leben, die bürgerliche 
Existenz and Ehre gefährdender Prozess, für capitis iudicium (Cic. 
fam. 3, 10, 5), capitis causa (Brut. 47), und oft bloss periculum 
(fam. 6, 11, 1). Über periculum Kriminalprozess vgl. Landgraf zu 
Cic. S. Rose. S. 294. — Die passive Bedeutung von pericidosus ist 
Sp. L. bei Firm. Mat., vgl. die schöne Darlegung von Dressel S. 30. 
Klass. ist gefährdet sein = in periado esse; der Abi. quäl, periculo 
äliquo esse, z. B. Cic. fam. 4, 15, 2 ne quo periculo te proprio existi- 
iiMtres esse wird bestritten; näheres hierüber siehe bei Burg S. 23, 
wo auch die Literatur dazu verzeichnet ist, und bei C. F. W. Müller 
zu Cic. fam. 4, 15, 2, sowie bei Becher S. 11. 

Perinde, mit esse verbunden, in der Bedeutung gleichviel, gleich- 
gütig sein, ist ohne Autorität, im N. L. aber nicht selten; z. B. 
perinde mihi est, cuius sub nomine hoc fragmentum prodeat, für mea 
nihil interest. Gut aber ist perinde est, ut in dem Sinne von in 
dem Masse , je nachdem: habes munus a patre mea quidem sententia 
magnum, sed perinde erit, ut aeeeperis, Cic. off. 3, 121, vgl. C. F. W. 
Müller z. St. und Piderit zu Cic. Brut. 188. Gut ist ferner perinde 
ac si, z. B. quod ego perinde tuebar ac si usus essem, Cic. Attic. 13, 









Periodicus — 281 — Periodus 

49, 1, Rose. Com. 15 und sonst; dies hat auch der Jurist Papinian, 
vgl. Leipold S. 7; ebenso gut wit perinde quasi, z. B.: perinde valebit, 
quasi armatissimi fuerint, Cic. Caec. 61; perinde loquor, quasi debueris 
Quinetium de possessione deturbare, Quinct. 83; für perinde ac si } 
perinde quasi steht aber auch perinde ac allein : Africam ei, perinde 
ac debellatum in Italia foret, provinciam destinabant, Liv. 28, 38, 10; 
ebenso 2, 58, 1 und 32, 21, 3; Suet. Nero 15; perinde tamquam 
bei Liv. 4, 3, 7 ist selten für perinde quasi; ferner ist perinde quam 
und perinde quam si nachklass. bei Tacitus, Sueton und Florus. S. 
Hand, Turs. IV S. 460—61 und für Suet. Freund S. 53. — Haud 
(non) perinde, ursprünglich mit einem gedachten Yergleich, ist bei den 
Spätem = nicht recht, nicht gerade, nicht besonders. S. Nipperdey 
und Becher zu Tac. ann. 2, 88 Ende, Freund S. 20. — Perinde ac, 
ac si, quasi und proinde ac sind nicht wesentlich, jedoch so von 
einander unterschieden, dass perinde ac etc. das stärkere ist, und 
ganz, förmlich so als wenn ausdrückt, während proinde ac weniger, 
d. h. nur so viel sagt, dass ehuas dem Verhältnis gemäss, entsprechend 
sein würde. Cäsar gebraucht perinde gar nicht, proinde ac si nur 
civ. 3, 1, 5 und 3, 72, 4, dann proinde ac civ. 3, 60, 5 (wo jedoch 
Paul si nach ac einschiebt). Cicero sagt Tusc. 1, 86 proinde quasi 
und 3, 62 perinde quasi; Sali, hat nur proinde quasi, aber einmal 
perinde ut, vgl. Kunze Sali. III, 1, 47. Dabei ist noch zu bemerken, 
dass auf proinde auch nachklass. nur quasi oder ac si folgt, s. Heraus 
zu Tac. hist. 1, 30. 

Periodicus, periodisch, zu bestimmter Zeit wiederkehrend, ist 
ein medizinischer Kunstausdruck bei den Griechen von Fiebern, die 
in gewisser Zeit kommen und verschwinden. Nur der ältere Plinius 
nat. 20, 15 braucht das Wort, aber mit der Bemerkung, dass es 
fremd sei: febres, quas Graeci periodicus vocant; sonst ist es nicht 
im Gebrauche. Celsus umschreibt es, z. B. 3, 5, durch cuius certus 
cireuitus est, und 3, 12 durch quae certum habet cireuitum. Auch 
status, a, um kann aushelfen, z. B. sacrificia statu bei Cic. Mil. 45. 
— Unsere periodischen Blätter werden periodicae chartae genannt; 
die Alten haben dafür kein Ersatzwort, wiewohl Tagcsblälter oder 
Journale acta diurna, commentarii diurni, ephemerides genannt 
werden können. 

Periodus, die Periode, ist ein bekanntes griech. Kunstwort in 
der Rhetorik, welches die Alten auf verschiedene Weise zu über- 
setzen versuchten, z. B. Cicero (de orat. 3, 198) durch cireuitus et 
quasi orbis verborum; aber dennoch behielt er (und andere nach 
ihm, z. B. Quintilian) der Kürze wegen periodus bei. Vgl. über 
mehrere Versuche Ellendt zu Cic. Brut. § 33, Klotz Stil. B. 282. 
N. L. aber ist es, periodus von wichtigen Zeiträumen zu brauchen, 
wofür die Alten ebenso wenig ein Ersatzwort haben, als für unser 
periodische Blätter. Es wird daher in der Geschichte Kunstwort 
dafür bleiben; nur brauche man es nicht für unser gewöhnliches 
Zeit oder Zeiten, wofür durchaus tempus oder tempora zu Bagen ist, 



Peripbrasis — 282 — Peritus 

z. B. die Kindheit des Tacitus füllt in die Periode der Kaiser 
Claudius und Nero, — in tempora, nicht in periodum. 

Periphrasis, die Umschreibung, ein griech. Kunstwort, kommt 
vor Quintil., der es wiederholt braucht, z. B. 8, 3, 53, nicht vor. 
Es kann durch circumlocutio (vgl. dieses Wort) oder ambitus verborum 
(Suet. Tiber. 71), circuitus eloquendi (Quintil. 8, 6, 59) vermieden 
werden. Wer es braucht, setze nur nicht im Genit. periphraseos nach 
griech. Art, sondern nach lat. periphrasis. 

Peritia, die Bekanntschaft mit etwas, Geschicklichkeit, findet sich 
nirgends bei Cicero, Caesar, Livius; wir treffen es nur bei Sallust, 
lug. 46, 8 und hist. 1, 137 M. mit oder ohne Genit., sonst erst N. Kl. 
beim altern Plinius, Quintilian, Sueton, Tacitus, Gell. 15, 31, 1, 
Amm. 19, 8, 5. 

Peritus, erfahren, kundig, geschickt, ist ursprünglich Partizip = 
der die Probe gemacht hat; Spuren des verbalen Charakters finden 
wir noch bei Plaut., z. B. Pers. 270 nil iam mihi novi offerri potest, 
quin sim peritus ; sonst tritt es überall als Adj. auf und wird a) mit 
dem Genitiv eines Objektes, alicuius rei, in etivas erfahren, ver- 
bunden; z. B. peritus iuris, wiewohl auch iure, z. B. Cic. Cluent. 107 
quis Balbo ingenio prudentior, iure peritior, vorkommt; diesen Abi. 
iure erklärt Skutsch bei Vollmöller Rom. Jahresber. IV, 81 (Archiv 
XII, 199) als Abstumpfung aus iuris; vgl. dagegen Wölfflin 
Archiv XIII S. 409. Der Ablativ findet sich häufiger N. Kl. und 
Sp. L.; so sagt Vell. 2, 29, 3 peritus bello, vgl. Georges Vell. S. 60, 
Köhler act. Erl. I S. 431 ; aber Gell. 4, 8, 2 steht der Genit. b) Weniger 
üblich ist peritus mit einer Präposition, und wenn Cicero (de or. 1, 
66) sagt: te hominem prudentissimum et peritissimum in iis ipsis 
rebus, quas abs te didicerit, dicendi arte superabit, — so gehört in 
nicht zu peritissimum, sondern zu superabit. Peritus de hat 
Varro allein r. r. 1, 2, 10 geschrieben (vgl. Archiv V S. 308); hier 
ist de = ivas anbelangt. S}). L. finden wir nach dem Vorgange der 
Dichter peritus in, vgl. Prop. 3, 32, 82 sive in amore rudis, sive 
peritus erit, vgl. Hörle S. 83, Spart. Hadr. 15, 10 in omnibus artibus 
peritissimus, vgl. Cotta S. 26; jedoch lässt sich peritus in aus der 
ursprünglichen verbalen Bedeutung leicht erklären, vgl. Acc. Aen. 
8 R 3 : quod periti sumus in vita atque usu, callemus miigis, vgl. 
Hey Semas. Stud. S. 161. — Wo peritus mit ad verbunden ist, z. B. 
Cic. de or. 1, 212, Font. 43 ad usum ac disciplinam peritus, bezeich- 
net ad mit seinem Acc. die Richtung, in welcher sich das peritum 
esse äussert. Denn peritus steht auch absolut, und es bedarf nicht 
gerade der Hinzufügung eines Objektes, wenn die Beziehung auf ein 
solches sich leicht aus dem Zusammenhange ergibt, wie in Cic. Brut. 
154, de or. 1, 66. Doch beachte man, dass peritus oft mit paratus 
verwechselt wurde, vgl. Hertz zu Gell. 4, 8, 2, Seck II S. 12, Anm. 
16. — Der Erfahrene an und für sich schlechthin ist omnium rerum 
peritus oder usu peritus Caes. civ. 3, 93, 1, wie der Unerfahrene 
rerum imperitus ist. 



Periurare — 283 — Pernotus 

Periurare, vgl . Peierare. 

Perlator, der Überbringer, z. B. litterarum, ist sehr Sp. L. für 
tabellarius, qui litteras reddit; vgl. Rönsch It. S. 61, Gölzer Hier. 
S. 50, Schulze Symm. S. 11. Zuerst hat es wohl Symmachus ge- 
braucht. 

Permagni, sehr teuer, ist als Genitiv zur Bestimmung des 
Preises bei Kauf und Verkauf u. dgl. ungewöhnlich für permagno; 
richtig aber ist es als Angabe des Wertes und bei interest und refert. 

Permanere ist in der Bedeutung bleiben (an einem Orte auf einer 
Reise) wohl unerweislich für consistere; wohl aber kann man mauere 
so brauchen, vgl. oben II S. 53. 

Permigrare, durchwandern, ist N. L. für peragrare, iter facere 
per provinciam, terram aliquam, s. Caes. Gall. 1, 7, 1, permeare, 
auch wohl perambidare. Aber permigratio ist Sp. L., vgl. Paucker 
Add. S. 63. 

Permissus, die Erlaubnis, ist nur im Abi. permissu üblich, z. B. 
permissu tuo, mit deiner Erlaubnis, ipsorum permissu (Cic. Balb. 43); 
doch kann dazu, wie zu allen ähnlichen, kein Adj. treten. Eben so 
wenig darf cum permissu statt des blossen Abi. gesagt werden, s. 
Liv. 5, 18, 2; ib. 21, 14; 7, 7, 8 und 23, 47, 1. Sp. L. aber finden 
wir citra permissum bei Juristen und absque sui permissu bei Amm. 
30, 10, 6. Klass. ist ohne Erlaubnis mit invitus oder non concedere 
zu geben, z. B. me invito oder non concedente. 

Permittere wird mit Inf. konstruiert, wenn ein Dativ dabei steht, 
also permiüo tibi facere, sonst mit ut. Permitto mit Acc. c. inf. ist 
nicht KL, aber A. L., bei Liv., N. KL und Sp. L.; der Nom. c. inf. 
ist Sp. L., z. B. Augustin. tract. 27 in Joan. Laurentius diu vivere 
permissus est, Filastr. 79, 7 M. haec cuncta fieri permittuntur. Per- 
mittere mit Konj. ohne ut findet sich seit Sali., z. B. Cat. 45, 1 ita 
agant permittit, Curtius 3, 12, 13. 

Permultus. Der Genitiv permidti, in der Bedeutung sehr hoch. 
sehr teuer, kann weder als Genitiv des Wertes bei Verben, wie 
aestimare, facere u. a., noch als Genitiv des Preises bei Verben des 
Kaufes und Verkaufes, noch auch bei interest und refert gebraucht 
werden, dafür nur permagni bei den ersten und dritten, und per' 
magno bei den zweiten, sowie bei den zwei letzten auch die adver- 
bialen permultum. und plurimnm. 

Pernecesse, sehr notwendig, steht nur bei Cic. Tüll. 49, hat aber 
dadurch Kl. Wert; vgl. Hellmuth act. Erl. I S. 128. 

Peritic/tdi/lis, verderblich, kommt zuerst bei Liv. 27, 23, 6, vgl. 
jedoch den Apparat bei Luchs, dann bei Tacitus ann. 4, 34 und 
Curtius 7, 3, 13 vor, ebenso selten ist pernicialü bei Plinius drin 
altern für die gewöhnlicheren perniciosus, exitiosus, exitidbilis und 
exHidl/s. 

Pernotus, sehr bekannt, ist sehr selten, da es klass. nirgends 
und nur bei Curt. 9, 7, 16, Mola 2, 3, 6 und Min. Fei. Oct. \\. I 
vorkommt. 



Peroptatc — 284 — Perpetuus 

Peroptate, recht erwünscht, recht nach Wunsch, ist ungebräuch- 
lich für peroptato bei Cic. de or. 2, 20 (dies fehlt bei Neue -Wagener 3 
II, 627). 

Perosum esse mit einem Accus, eines Obj., in der Bedeutung 
etwas hassen, ist seitVerg. (Aen. 6, 435; 9, 141), Livius (3, 34, 8 
und 3, 58, 1) und Ovid, vgl. Georges Jahresber. 1882, S. 253 sowie 
Archiv X S. 44, im Gebrauche. Auch der Kaiser Augustus bediente 
sich des Wortes, vgl. Suet. Tib. 21 deos obsecro, si non populum 
Romanion perosi sunt. Von da ab findet es sich häufig, vgl. 
Colum. 9, 5, 2, wo jedoch Accus, und Gen. in parallelen Gliedern 
wechseln, vgl. Kottmann S. 49, dann bei Quintil. 1, 10, 30; über das 
Partizip perosiis vgl. Tac. ann. 4, 67, 1; 14, 26, 3 und 16, 14, 5 
und hist. 2, 16, 4, Curt. 5, 12, 10, Colum. 8, 8, 6, ibid. c. 11, 
16, Plin. epp. 8, 18, 4, Iust. 17, 1, 4, vgl. Seck I S. 20, bei 
Tert. und Lucifer, vgl. Hartel im Arch. III S. 27, bei Oros. 3, 23, 
56, bei Paneg. XI, 255, 1 non modo Imperium, sed etiam vltam 
perosi, vgl. Chruzander S. 46. Der Infin. nach perosas findet sich 
wohl nur Lucan 1, 438, vgl. Schmidt Inf. S. 62. — Sp. L. braucht 
man perosus auch in der passiven Bedeutung verhasst, für invisus, 
perodiosus, sogar im Kompar. perosior, vgl. Tert. an. 1. 

Perpendicularis oder perpendicularius und das Adv. perpendi- 
rulariter, senkrecht, sind Sp. L., und noch später ist perpendiculatus ; 
man ersetze sie durch die Kl. directus oder factus ad perpendiculum, 
auch bloss ad perpendiculum oder bloss rechts, und als Adv. rede, 
ad lineam, ad perpendiculum. 

Perpes, dauernd, fortwährend, ist A. und Sp. L. für perpetuus, 
continuus u. a. Eine grosse Zahl von Belegstellen hat Piechotta 
S. 37, vgl. auch Kretschmann Apul. S. 59, z. B. perpetem noctem, 
Paucker lat. Sulp. S. 70 Anm., Obricatis S. 46, Chruzander S. 46. 

Perpessicius, der viel geduldet und ausgestanden hat, kommt 
N. Kl,, aber nur zweimal bei Seneca in seinen Briefen 53, 6 und 
104, 27 vor, vielleicht von ihm selbst gebildet, für qui multa tulit, 
pertxdit, perpessus est u. dgl. 

Perpeirare, vollenden, wurde von Cicero und Caesar nie gebraucht, 
auch A. L. und N. Kl. ist es als verbum finitum selten, wie bei 
Tac. ann. 13, 27 und 14, 7, Curt. 7, 2, 29; bei Livius findet sich 
nur der Infin. Fut. Act. perpetraturos esse (31, 17, 9) und das 
Partiz. perpctratus, s. Liv. 23, 35, 18 und 44, 37, 13. Das Part. 
Perf. Pass. findet sich denn auch nachklass., s. darüber Tac. ann. 15, 
14 Ende u. ibid. c. 72, 1, Curt. 4, 13, 16 und 6, 3, 18; das Ge- 
rundiv findet sich selten, wie ad reliqua belli perpetranda, Tac. ann. 
14, 38 und hist. 4, 51. Das Part. Fut. Act. steht bei Suet. Calig. 
46, vgl. Bagge S. 39. 

Perpetuus. Perpetua oratio ist klass., vgl. Cic. fin. 2, 17 quasi 
perpetua oratio rhetorum solum, non etiam philosophorum sit. Ihr 
entgegengesetzt ist die altercatio, vgl. Liv. 4, 6, 1 res a perpetuis 
orcttionibus in alter cationem vertit, vgl. Hofmann zu Cic. fam. 5, 12, 



: 



Perplacere — 285 — Persa 

2. — - Gut ist zwar in perpetuum, auf immer (vgl. Aetemus) ; aber 
oft drückt man es besser durch das Adj. aus; z.B. etwas auf immer 
und ewig vergessen, aliquid perpetua oblivione obruere, Cic. fin. 1, 57. 
Das Adv. zu perpetuus heisst klass. perpetuo; die Form perpetue ist 
A. L. und Sp. L. } vgl. Paucker Spie. 8. 117 ; bei rhet. Her. 4, 69 
liest Friedrich perpetuo, vgl. dagegen Marx S. 377, der perpetue hat, 
Thielmann Cornif. S. 54 und Georges Jahresber. 1884, 8. 92, Neue- 
Wagener 3 II S. 627. 

Perplacere, sehr gefallen, kommt zwar nur einmal bei Cicero 
Att. 3, 23, 4 und sonst nur A. L. vor; da aber die Yerbindung des 
Wortes per mit andern Wörtern sehr beliebt war, so ist es nicht 
zu verwerfen. Sonst sagt Cicero valde, sane placet, vgl. Meyer Progr. 
Bayreuth 1887, S. 48. 

Perplexus, verwirrt, unverständlich, zweideutig , findet sich nicht 
bei Cicero und Caesar, wohl aber mehrmals bei Livius, welcher wie 
Curtius (8, 5, 13) auch das Adv. perplexe braucht; ausserdem steht 
es nur noch im Sp. L., wo auch perplexio und perplexitas vorkommt, 
vgl. Gölzer Hier. S. 74, Liesenberg I S. 20. Fürs A. L., wo sich 
perplexus, perplexe und perplexim findet, vgl. Langen Beitr. S. 148, 
Obricatis S. 23. 

Perplures und perplurimi standen früher beim altern Plinius, 
sind aber jetzt durch bessere Lesarten der Handschriften verdrängt. 
Aber im Sp. L. finden wir perplures bei Yen. Fort. v. Maur. 15 
und perplurimi bei Rufin. Euseb. hist. eccles. 6, 7, wie auch ad- 
modum plurimi im Itiner. Alex. 35 ed. Yolkmann, vgl. Wölfflin Komp. 
S. 60. 

Per quam, recht sehr, wird zwar oft mit dem Positiv von Ad- 
jektiven und Adverbien, wie sane quam und valde quam, verbunden, 
auch bei Cicero, z. B. de or. 2, 201 perquam breviter, ib. 1, 129 
perquam tenuis, aber beim Superlativ ist es erst Sp. L. Die Bei- 
spiele für perquam mit Superl. stehen oben s. v. Per; vgl. noch 
I S. 98. Selten ist perquam mit Yerbum. Wenn auch Yarro bei 
Nonius S. 145 perquam laudari gesagt, so finden wir es sonst nur 
mit velle verbunden, ähnlich dem sonst vorkommenden pervcUv. bei 
Plinius (epist. 7, 27, 1) perquam velim. Man vermeide es, zu 
sagen: aliquem perquam laudare, amare, diligere u. a. — Näheres 
über perquam siehe Wölfflin Komp. S. 27, Arch. I S. 99, Hellmuth 
act. Erl. I S. 133, Köhler act. Erl. I S. 413, Burg S. 58, Z. f. 
Gymn. 1881, S. 110, Kalb Roms Juristen S. 132, Novak Btud. 1-iv. 
1894, S. 181 {perquam bei Liv. 2 mal), Landgraf Untersuchg. S. 29. 

Perquisitio, die Erforschimg, Untersuchung, ist ohne alle Au- 
torität, also N. L. für indagatio, mvestigatio, pervestigatio. 

Persa, der Perser, ist in dieser Form nur A. und Sp. L. } ge- 
wöhnlich ist Perses, und so sagt Cicero immer, z. B. rep. 1, 43: 
Cyrus ille Perses; Tusc. 1,101: Perses hostis; ebenso Nepos, Quintiliao, 
Curtius 6, 2, 11 u.a. — Dem ähnlich Bagi mau nur Scythes, Dicht 
Scytha, Cic. Tusc. 3, 90; näheres siehe bei Nene- Wagener 8 I B. 55, 



Persecutor — 286 — Persona 

Persecutor, der Verfolger (im strengen Sinne), ist Sp. L. für 
insectator, exagitator, vexator, homo infestus; sonst sagt man auch 
persequens, qui persequitur, vgl. Paucker lat. Hier. S. 30, Gölzer Hier. 
S. 50, Paucker lat. Oros. S. 27, Regnier S. 164. Ebenso ist per 'secutio, 
die Verfolgung (im strengen Sinne), Sp. L. für vexatio, insectatio 
oder mit den Verben vexare, insectari, exagitare. Doch steht rhet. 
Her. 2, 18 persectdio im juristischen Sinne, ebenso haben Heerdegen, 
Friedrich, Weissenfeis (Piderit praeceptiohum) bei Cic. or. 141 perse- 
cutio wieder aufgenommen. 

Persentire, fühlen, wahrnehmen, ist wohl nur P. und Sp. L., 
und persentiscere, fühlen, merken, wahrnehmen, nur .4. L. und Sp. L. 
für sentire, percipere; die Stellen für persenüsco, welche sich mit 
Ausnahme von Augustin und Serg. Gramm, durchaus auf die archai- 
sche und archaisierende Latinität (Dictys, Solin) beschränken, hat 
Sittl in Wölfflins Archiv I S. 470 zusammengestellt; vgl. noch Obri- 
catis S. 38. Beide verdienen keine Nachahmung. 

Per sequi als Passiv ist Sp. L. und höchst selten; Stellen aus 
Hygin, Itala und Augustinus sehe man bei Rönsch It. S. 388, 
Tschiassny S. 12; klass. ist exagitari = verfolgt werden. 

Perseus, der Name des bekannten Macedonierkönigs, dekliniert 
sich bei Cicero nach der I. und III. Dekl. mit dem Nominativ Perses, 
Gen. Persae, Dat. Persi (Cic. Tusc. 5, 118), Acc. Persen, Abi. Perse 
und Persa. Daran halte man sich. Anders ist die Deklination bei 
Livius, Justin u. a., vgl. Kühnast S. 30, Seck I S. 9, Neue -Wagener 3 
I S. 517. 

Persevero wird klass. mit dem Acc. und Infin. verbunden, z. B. 
Cic. Lael. 24 in der Bedeutung ernstlich versichern, ebenso Vell. 2, 
92, 3 ; aber = bei etwas ernstlich verharren mit dem Inf., vgl. Cic. 
fam. 9, 16, 8, Caes. Gall. 1, 13, 4, civ. 2, 22, 4, dann mit ut, 
z. B. Cic. Att. 9, 19, 4 ad urbem ut non accederem perseveravi; 
dies hat auch Quint. decl. 9, 2, vgl. Georges Vell. S. 64, Morawski 
Z. f. öst. Gymn. 1881 S. 9; absolutes persevero steht Caes. civ. 
3, 14, 2. 

Persona ist eigentlich die Maske, welche im alten Schauspiele 
getragen wurde; daher erklärt sich, wie Seyffert-Müller zu Lael. 
S. 21 ausführen, dass es nicht das deutsche „Person" im Sinne von 
Individuum (homo) ist, sondern auf die Eigenschaft oder die äusseren 
Verhältnisse des Standes, Ranges und Amtes Rücksicht nimmt. So 
kann es auch die Rolle, welche eine Person spielt, bezeichnen, und 
deswegen heisst eine Person, d. h. eine Rolle spielen, personam Uteri, 
sustinere, gerere bei Cicero, ferre bei Livius , nie aber personam 
ludere; perxonam agere findet sich schon Sen. ben. 2, 17, 2; auch 
bei Vopisc. Prob. 10, 7; und wenn Cicero den Sinn der Worte: er 
sei nicht (wie im Theater) Trüger einer fremden, sondern Vertreter 
der eigenen Rolle, wiedergibt durch non actorem esse alienae per- 
sonae, sed auctorem sitae, de orat. 2, 194, so ist dieser Ausdruck 
so schön und klar, dass wir vorkommenden Falles dieselbe Parono- 



Persona — 287 — Persona 

masie gebrauchen können. Vgl. Agere und Gerere. Eine Rolle nicht 
mehr weiter spielen ist deponere personam nach Cic. fam. 7, 33, 3, 
vgl. Süpfle-Böckel zu Cic. fam. 6, 6, 10. — Schlossmann 1. 1. denkt 
sich die Bedeutungsentwicklung phraseologisch vermittelt, z. B. durch 
die Verbindung personam alicuius gerere = partes alicuius agere; 
persona komme auf diese Weise zuerst (bei Ter.) zur Bedeutung 
„Typus von Menschen, ivie sie in der Komödie geschildert werden" ; 
dann erfolgt die Übertragung von der Bühne aufs Leben; es löst 
sich persona hierauf aus dem phraseologischen Zusammenhang; es 
ist personam regis gerere = regem gerere, somit persona regis = 
rex. So sei persona zu einem Füllwort degradiert, der Gen. fiel 
weg, es blieb persona = Person; vgl. jedoch dazu Hey Archiv XV 
S. 149. — Wir brauchen das Wort Person oft in der ganz allgemeinen 
Bedeutung Mensch, Mann, z. B. eine Privatperson; es waren viele 
Personen da; viele Personen hörten, sahen zu u. dgl.; im klass. Latein 
geht dies, wie oben bemerkt, nicht an, ausser wo der Gegensatz : 
Personen und Sachen bezeichnet wird, wie bei Cicero: at rerum, ut 
personarum dignitates ferunt, de orat. 3, 53. Nur selten, z. B. Suet. 
Nero 1, kommt persona in der allgemeinen Bedeutung von liomo vor; in 
der Rechtssprache erst wird der Gebrauch häufiger, so besonders von 
personae = homines == Leute, und von da ist er auch in die Umgangs- 
sprache übergegangen. Viele Beispiele findet man bei Paucker lat. 
Sulp. S. 73, Beitr. S. 658 und bei Göl/er Hier. S. 264, Cramer im 
Archiv VI S. 368. Verwerflich ist daher persona privata, eine 
Privatperson, für liomo privatus; multae personae aderant, audiebant, 
inspectabant u. dgl., für multi homines; er tat das in eigener Person, 
nicht (in) proprio, persona, sondern ipse, praesens, coram. — Ich für 
meine Person heisst equidem; lesen wir bei Cic. Att. 8, 11 D, 7 ut 
mea persona semper aliquid videretur habere populäre, so ist hier 
persona mea allerdings ich für meine Person, aber = entsprechend 
meiner Stellung im Staate, oder wie Böckel übersetzt v ieli mit meiner 
Vergangenheit" , vgl. Boot z. St. Wo das Leben ins Spiel kommt, 
z. B. sich an jemandes Person rächen, passt caput, aber in dieser 
und vielen ähnlichen Verbindungen nicht persona. — Noch merke 
man, dass der Lateiner zwar in der Person dieses Menschen wird 
sichs entscheiden übersetzt in hoc homine statuetur, Cic. Verr. 1, 47, 
Nägelsb.-Müller 9 S. 218, dass er aber dem Deutschen ähnlich sagt: 
in alicuius persona, in der Person, d.h. in der jemand zübeschiedenen 
Rolle, Aufgabe jemandes (etwas tun, sprechen, bemerken u. s. w.), 
es ist eben persona regis = rex, qua rex oder rex ipse (Hey); 
man hat dies bezweifelt, wiewohl es durch Beispiele erwiesen im, 
z. B.: fateantur in Maeandri persona esse expressam spc<-ie>u civitatis, 
Cic. Flacc. 53. Auch kann die Präposition in weggelassen werden: 
/// quo lepide soceri mei persona lusit is, qui . . . , wo persona — 
s. Seyffert, Cic. Lael. S. 524 f. — Abi. de* Mittels ist, ebenso Quintil. 
10, 5, 2. Für in persona wird auch ex persona oder per personam 

gebraucht; vgl. über letzteres Colum. 12, 3, 5 und Cic. fam. 7, 82, 2, 



Personaliter — 288 — Persuadere 

Über ex persona vgl. man nicht nur Lact. epit. 48, 7, Gell. 10, 
22, 1, sondern auch Vell. 1, 3, 2 und 3 und Cic. inv. 1, 99. Wenn 
in der eben angeführten Stelle von Vell. § 2 auch sab persona ge- 
sagt ist, so ist zu bemerken, dass dies seit den aug. Dichtern üblich 
wurde und sich bei Suet. Domit. 10, sowie bei Gell. 10, 22, 24 und 
13, 22 (23), 11 findet, vgl. Georges Vell. S. 20, Seyffert-Müller z. 
Lael. S. 525, Gorges Gell. S. 36. — Zur Bedeutungsentwicklung des 
Wortes persona vgl. Max Müller Biographies of words etc., besprochen 
von Funck im Archiv VI S. 283. Gegen die noch von Müller fest- 
gehaltene Herleitung von personare wendet sich Stowasser (Wiener 
Stud. XII S. 156) und führt es auf perzonare {C,covrj) = verkleiden 
zurück; Keller (Volksetymol. S. 126) nimmt eine verstümmelte Ent- 
lehnung von Tzpöaconov an; Skutsch Arch. XV S. 145 leitet es vom 
etruskischen <persu, das lat. perso wird, her; daraus sei personare 
und durch retrograde Ableitung persona entstanden; vgl. noch Schloss- 
mann, der sich für „Maske" (Larve) entscheidet und dazu Hey Arch. 
XV S. 147. 

Personaliter, persönlich, ist Sp. L. und werde, wo es möglich 
ist, vermieden, ausser etwa in der Grammatik; z. B. persönlich dasein 
heisst ipsum oder coram adesse; sich persönlich stellen wird bloss 
durch se sistere ausgedrückt. Auch ipse lässt sich dafür verwenden, 
z. B. non video, cur, quid ipse sentiam de morte, non andeam vobis 
dicere, Cic. Cato 77 — meine persönliche Ansicht. 

Personare, personare aliqua re (intransit.) von etwas durch and 
durch hallen, ertönen ist klass., z. B. Cic. Phil. 2, 105 personabant 
ornnia vocibus ebriorum, vgl. auch Cic. off. 3, 5 talibus aures tuas 
vocibus undique circumsonare, auch N. KL, z. B. ploratu lamentis- 
que et planctibus tota regia personabat, Curt. 10, 5, 7; ille humi 
prostramrat corpus, gemitu ehäatuque tota personante regia, 8, 2, 5. 
Transitiv wird es von Cicero gebraucht: quas res isti in angulis 
personant = welche Lehren jene in allen Winkeln ertönen lassen, 
rep. 1, 2. Auch der Acc. c. inf. steht nach personare bei Cic. Cael. 
47 und Plane. 86 (nicht 36, wie Georges S. 1461 sagt). 

Perspicacitas stand früher bei Cic. Attic. 1, 18, 8, ist aber dort 
jetzt beseitigt, vgl. Boot z. St. und Wesenberg emend. S. 8. Es findet 
sich jedoch bei Amm. 15, 3, 2 (codd. perspicaciter). Perspicacia 
z. B. mentis ist jetzt im Arch. III S. 497 aus Sp. L. nachgewiesen; 
doch stand dies Wort nie bei Cic. Ate. 15, 16, wie dort angegeben ist. 

Perstare, beharren; — auf etwas, in aliqua re, z. B. Cic. Q. Rose. 
56 perstat in sententia Haturius. Die Verbindung mit dem Inf. findet 
sich bei Cicero nur fin. 2, 107 si perstiteris ad corpus ea, quae dixi, 
referre, vgl. jedoch Madvig z. St., sonst ist es P. und N. Kl. bei 
Tac. ann. 4, 38 perstitit aspernari talem eultum. 

Persuadere, überzeugen, überreden, wird 1. bei persönlichem Objekt 
A. L. von Ennius ine. 4 V 2 quis te persuasit mit Acc. konstruiert. 
Dieser Konstruktion begegnen wir in der guten Zeit der Latinität nir- 
gends; erst Petron wagte sat. 46 te persuadeam und 62 persuadeo hos- 



Persuaclere — 289 Persuadere 

intern nostrwm; häufig finden wir transitives persuadere im 8p. L., z. B. 
Fulgent. 2, 5 quae eum persuasit und 3, 6 quam persuadet, vgl. Zink II 
S. 43, Paucker lat. Oros. S. 47, Neue-Wagener 3 III S. 4, Hoppe Synt. 
Tert. S. 15, Howard S. 17, Appel Coripp. S. 50. Anders als mit 
dem aktiven verhält es sich mit 'passivem persuadere, namentlich mit 
persuasus. In klass. Zeit lesen wir bei rhet. Her. 1, 9 animus per- 
suasus esse videtur, 1, 10 si persuasus uuditor fuerit; ferner sagt 
Caecina bei Cic. fam. G, 7, 2 si persuasus est, und der auet. b. Afr. 
55, 1 Caesaris nomine persuasi, vgl. dazu Wölfflin. Auch im N. Kl. 
findet sich persuasus, z. B. Yal. Max. 3, 8, 1 ; 5, 9, 4, vgl. Blaum 
S. 12, Plin. nat. 10, 66; dies ist um so erklärlicher, als auch die 
Dichter der aug. Zeit sich das bequeme persuasus nicht entgehen 
Hessen, vgl. Prop. 5, 1, 146, Hörle S. 38, Ovid ars am. 3, 679. Im 
8p. L. ist selbstverständlich persuasus häufig zu treffen. Aus Cicero 
merke man Tusc. 3, 72 quo viso et persuaso, wo die Konzinnität 
persuaso verlangte. Klass. ist nur persuadere alicui und mihi per- 
suadetur, wie schon Lucil. 675 hat, also auch sich überzeugen, sibi 
persuadere. — 2. Das Wovon wird bei Substantiven durch de und 
bei Sätzen mit dass durch den Accus, mit dem Infin. ausgedrückt; 
eine Ausnahme finden wir bei Cic. Yerr. 5, 11 neque enim metuo, ne 
hoc cuiquam persuadeatur, ut, ad quod facinus nemo praeter te ulla 
peeunia adduci potuerit, id tu gratiis suseipere conatus sis; wir er- 
warten statt ut den Acc. c. inf.; die Konstruktion mit ut erklärt sich 
wie bei addueor ut, vgl. oben Band I S. 86 und Halm und Thomas 
z. St., sowie Hellmuth act. Erl. I S. 156. Beredet man aber wozu, 
dass etwas geschehen oder nicht geschehen möge, so wird dafür 
klass. ut oder ne, P. und N. Kl. auch der Infin. gesetzt, s. Tac. Germ. 
14, Sen. brev. vit. 13, 4, Plin. nat. 29, 10. Doch sagt auch Nep. 
Dion 3, 3 ut ei persuaserit tyrannidis facere finem, und selbst Cicero 
Phil. 13, 35 qufbus persuasum sit hostem persequi. Sp. L. ist der 
Inf. sehr gebräuchlich, vgl. Gölzer Hier. S. 364, Chruzander S. 104. 
— Nur bei den Neutra von Adjektiven und Pronominen wird nicht 
de gebraucht, sondern der Accusativ, z. B. unum (von dem einen), 
multa (von vielen), hoc, id, illud, quid, quidquaui (Matius bei Cic. 
fam. 11, 28, 1: Hin quidquam persuaderi potuisse, dass du von etwas 
luvtest überzeugt werden können), Cic. Tusc. 2, 47 quod si tili persua- 
sum est, vgl. Meissner zu Tusc. 3, 72. Die letzte Stelle zeigt, dass 
auch die bessern Schriftsteller das Participium persuasus brauchten, 
aber nur im Neutrum. Ebenso finden wir persuasum als Ad- 
jektiv, aber gleichfalls nur im Neutrum mit folgendem Accus, c. 
infin. in passiver Bedeutung, wovon man überzeugt worden ist, und 
im Superlat. persuasissimum, wovon man die vollkommenste Über' 
zeugung hui, wovon man sich, ganz Überzeugt hat; verbunden isl 
teils mit rsse, teils mit habere, auf dieselbe Weise, wie man aliquid 
cognitum, aliquid perspectum habere sagt, wozu man auch, um die 
subjektive Beziehung hervorzuheben, noch bei esse (weniger bei 
habere) mihi, i/l>/, sibi, nobis, vobis hinzusetzte. Persuasum habeo 

K rcbs-Scli mal z, Antil>;irkiriiH II. IM 









Persuasio — 290 — Pertimefactus 

(mihi persuasum habeo) ist allerdings seltener als mihi persuasi, mihi 
persuasum est; es findet sich nicht bei Cicero, der sich mit mihi 
persuasi und mihi persuasum est begnügt (vgl. Thomas zu Cic. Yerr. 
5, 63, wo die schlechte Überlieferung persuasum liabent liest); aber 
wir lesen es bei Yal. Max. 2, 6, 10, Suet. Nero 29, Colum. 1, 1, 4; 

4, 3, 3 und 11, 1, 32, Plin. nat. 23, 40, Plin. epp. 1, 20, 9 und 
sibi persuasum habere bei Caes. Gall. 3, 2, 5, sowie Sp. L. in Yulg. 
Dieses mihi persuasum habeo ist ähnlich wie mihi curae habeo eine 
Kontamination von mihi persuasnm est und persuasum habeo; man 
sollte diesen unklass. Überschuss des Ausdrucks dem Caesar nicht 
zutrauen, aber — sagt Thielmann Arch. II S. 532 — in Caesars 
Kommentarien steht noch manches, was auf Klassizität keinen An- 
spruch erhebt; vgl. auch Frese S. 36. Persuasissimum habere belegt 
Thielmann 1. 1. S. 532 durch Colum. 12, 1, 5 und Suet. Nero 29, 
mihi per suasissimum est sagt D. Brut, bei Cic. fam. 11, 9, vgl. Gebhard 

5. 44. Näheres über per suader e haben Köhler act. Erl. I S. 392, 
Thielmann Cornif. S. 58, Wölfflin Rh. Mus. 37, S. 115, Georges 
Jahresber. 1880 S. 432, Landgraf zu Reisig-Haase Anm. 562, Thiel- 
mann Arch. III S. 117 und S. 534, Obricatis S. 27. 

Persuasio, die Überzeugung, Überredung, findet sich in klass. 
Zeit nur bei rhet. Her. 2, 5 und Cic. inv. wiederholt, sonst nicht. Im 
N. Kl. liest man es häufiger, zunächst in passiver Bedeutung, z. B. 
Suet. Yit. 7 veterem de se persuasionem auxerat, vgl. Bagge S. 39, 
dann auch in der Bedeutung „Einbildung" . — Das Wovon wird 
teils durch den Genit., teils durch de ausgedrückt, z. B. de se, von 
sich, Quint. 2, 4, 16; scientiae, von seinem Wissen, 1, 1, 8; venera 
accepti Tac. ann. 2, 69; selten durch Acc. c. inf., vgl. Suet. Tib. 69 
pilenus persuasionis cuncta fato agi, vgl. Freund S. 46. Im 8p. L. 
treffen wir es wieder, vgl. Yogel Heges. S. 23, auch im Plural, 
z. B. Hier. ep. 51, 6 persuasionibus decepti, vgl. Gölzer Hier. S. 301. 

Pertaedet hat im Perf. per taesum est, vgl. Cic. Q. fr. 1, 2, 2, 4 
pertaesum est levitatis. Nur Sp. L. steht dabei der Dativ der Person, 
z. B. Oros. 4, 9, 12 qaibus pertaesum esset nauticae rei; in klass. 
Zeit verbindet es sich teils mit dem Accus, der Person, teils ohne 
diese, und mit dem Genit. des Objektes des Überdrusses: pertaesum 
est vos iniuriae, Sali. hist. 3, 48, 8 M.; nunquam suscepti negotii 
eum pertaesum est, Nep. Attic. 15, 2. Das Partizip pertaesus == 
überdrüssig ist N. Kl. und wird bei Tac. ann. 15, 51 mit dem Genit. 
und bei Suet., (vgl. Bagge S. 104), sowie lustin 38, 9, 4, (vgl. Seck 
I S. 20) mit Accus, angetroffen. 

Perterrere ist in der Yerbindung aliquem ab aliqua re, also in 
der Bedeutung einen von etwas abschrecken, entfernen, nicht zu er- 
weisen, da Cic. Caec. 37 proterritus gelesen wird. Klass. ist per- 
terrere — sehr erschrecken, besonders üblich das Part, perterritus. 

Pertimefactus hat in Prosa nur die Autorität des Dec. Brutus 
bei Cic. fam. 11, 20, 2 für sich; per terref actus ist Sp. L., bei Amm. 
17, 1, 17; 28, 1, 48; 30, 1, 7. Sonst kommt perterrefacias A. L. 



Pertimere — 291 — Pertinere 

bei Ter. Andr. 169 und pertimefactus Pacuv. tr. 302 vor, Cicero 
kennt nur timef actus off. 2, 24, vgl. Obricatis S. 49, Gebhard S. 21, 
Deecke Facere S. 17. 

Pertimere, sich sehr fürchten, ist Sp. L., z. B. in der Yulg. und 
bei Firm. math. zu finden für pertimescere. Pertimuere bei Sali, 
hist. 3, 48, 8 und 21 kommt von pertimescere. 

Pertimescere wird in der Bedeutung einen oder etwas fürchten, 
vor einem in Furcht sein klass. mit dem Accus, aliquem (aliquid) 
verbunden; in der Bedeutung um einen oder etwas in Furcht, Be- 
sorgnis sein mit de aliquo, de aliqua re (Cic. Sest. 94). 

Pertinax, beharrlich ; das Worin heisst klass. (Cic. fin. 1, 27) 
und nachklass. (Vell. 2, 27, 1) in aliqua re, nachklass. auch in 
aliquam rem (Sen. ira 1, 1, 2), oder adversus aliquant rem (Liv. 
28, 22, 14, nicht 23, 14, wie Georges hat), oder ad aliquam rem 
(Liv. 29, 1, 17). Mit dem Genitiv wird es nur von Yal. Max. 6, 3, 
3, Apul. mag. 102, S. 601 und Auson. prof. Burd. 5, 33, S. 54 P 
verbunden, vgl. Haustein S. 73. — N. Kl. und Sp. L. nimmt pertinax 
die Bedeutung grausam an, z. B. Sen. ep. 104, 29, Cypr. 637, 20, 
vgl. Watson S. 305. 

Pertinere wird, in welcher Bedeutung es sei, verbunden ad 
aliquem, nie bloss aliquem; also nicht hoc me, sondern hoc ad me 
pertinet. Das Verbum pertinere wird nicht genug in der Stilistik 
berücksichtigt; aus der Grundbedeutung „es erstreckt sich etwas bis 
zu mir u lassen sich eine Reihe von Phrasen ableiten, wie dies 
Seyffert- Müller z. Lael. S. 70 f. an einigen Beispielen gezeigt haben; vgl. 
auch Näg.-Müller 9 S. 477. Namentlich beachte man, dass pertinere ad = 
von wesentlichem Finfluss sein, von Interesse sein, in Verbindung stehen 
mit, einen Genuss haben von, dauern bis bedeutet; negatives pertinere ist 
= nichts angehen, irrelevant sein, ohne alle Bedeutung und Finfluss 
sein, nicht berühren; dies findet sich noch im Sp. L. oft = sich 
nicht kümmern, z. B. Evang. Marc. 4, 38 (cod. Palat.) non pertinet 
ad te, quia perimus ? Unpersönliches pertinet mit Acc. c. inf. — es 
ist von Belang verdient gleichfalls Beachtung, z. B. Cic. Att. 1, 17, 
4 ad me maxime pertinet neminem esse meorum qui, vgl. Andresen 
zu Plane, in Cic. fam. 10, 15, 1 ; unklass. aber ist quo pertinet mit 
Inf., ivozu ist es gut, z. B. Tac. ann. 3, 12 quo pertinuit nudare 
corpus? vgl. Ott Progr. Rottweil 1869 S. 13. — Sp. L. ist es in der 
Bedeutung einem angehören, in jemandes Besitz sein aus der Vulgär- 
sprache in die Schriftsprache aufgenommen worden; unzweifelhaft 
war frühe in vulgärem Gebrauch z. B. hie Über ad nie perl inet, dieses 
B. gehört mir, ist mein, für mens est. Vgl. Fabretti inscr. 3, 610 
hie locus ml I /her los pertinet Aus der früheren Literatur läset sieh 
nichts Beweisendes beibringen. Man führt dafür an Liv. 40, 11,7 
ad quem iure — regnum perlinet, aber dies bedeutet dem es gebührt, 
nicht der es besitzt, denn er besass es nicht, sondern hatte nur ein 
Recht dazu. So iteht pertinere auch bei Cic.Yerr.4,61undQuinlil. 

5, 14, 15. Aber von Amin. Marc. 26, l, <» wird erzählt, dass der 



Pertingere — 292 — Pertingere 

Perserkönig nach dem Tode des Kaisers Jovian Truppen nach 
Armenien geworfen habe, unter dem Vor wände, dasjenige wieder zu 
gewinnen: quae antea ad maiores suos pertinuisse monstrabat = was 
einst seinen Vorfahren gehört habe. Ebenso sagt Hieron.: ut quae- 
dum villae sint pertineyites ad iura urbium, vgl. Gölzer Hier. S. 329. 
Aus diesem pertinere ad wurde dann adpertinere und daraus ent- 
stand appartenir. Vgl. noch Georges Jahresber. 1884 S. 137, 
Rebling Lat. und Roman. S. 96 und Ronsch Sem. III, 63. — N.L. sind 
Redensarten wie proverbia ad hoc (illud) genas pertinent, die Spr. 
gehören zu dieser (jener) Art oder Klasse, für in hoc genere sunt, in 
hoc genus coniciuntur (Cic. de orat. 2, 258); ad Utas oportimitates 
pertinent etiam viae publicae, für in illarum oportunitatum numero 
sunt; pertinere inter aliquos oder aliquas res, unter Leute — geholfen, 
für esse in numero aliquorum oder annumerari hominibus, rebus — ; 
dahin gehören die Bücher Ciceros, eo pertinent libri, für eis annume- 
randi sunt, in eorum numero sunt, eo referendi sunt u. dgl. ; hoc 
aut illud pertinet ad verbum, dieses oder jenes gehört zu dem Worte, 
für hoc aut illud est ad verbum (Quintil. 1, 6, 13). — Pertinet 
aliquid ad aliquem ist in der Bedeutung: ivas eineyx anbelangt, angeht 
nicht bloss Sp. L., z. B. Nov. trin. 15 und 27, vgl. Weyman-Land- 
graf in Archiv XI S. 248, Paneg. 4, 120, 10, vgl. Chruzander S. 46, 
sondern kommt auch nachklass. nicht selten vor: quod ad Dymnum 
pertiyxet, nihil scio, Curt. 6, 11, 30; quod pertinet ad elephantos, 
ibid. 9, 2, 19; quantum ad decernentes pertinet, Plin. epp. 8, 6, 14, 
vgl. Lagergren S. 179; oft bei Celsus, der nur einmal so adtinet 
gebraucht, vgl. Brolen S. 19, z. B. quod ad Erasistratum pertinet, 
ipsa evidentia opinioni eins repugnat, Cels. 10 Dar.; quod ad nationes 
exteras pertinet, Cicero varie, Quintil. 11, 1, 89; quod ad me pertinet y 
intelleg o me non opes, sed occupationes perdidisse, Sen. Helv. 10, 2; 
quod ad illos pertinet, apud quos . . Ben. epp. 119, 12; quod ad 
rerum expositionem pertiyxet, non committam, ut . . Sen. conti*. 1,3, 
6; quod ad hanc pertinet, agisne Fortmiae gratias, quod . . . 
ibid. 2, 13, 2; quod ad servitatem pertinet, noyi recusabit, suas. 6, 12; 
ijuod ad me quidem pertinet, multum a Ciceroyie absum, ibid. 7, 1. 
Ja selbst bei Cic. Plane. 7 nam quod ad popidum pertinet, freilich 
beanstandet von Köpke, nicht jedoch von C. F. W. Müller, Land- 
graf, Holden und Nohl ; dann bei Caesar : quod ad indutias pertiyieret 
(■= was den Waffenstillstand betreffe), sie belli ratioyiem esse divisam, 
ut . . . civ. 3, 17, 3, bei Varr. 1. 1. 5, 10, 57, ut prius, quod ad 
deos pertinet, dicam, und quod ad rem publicum pertinet, Cael. bei 
Cic. fam. 8, 8, 4, vgl. Burg S. 65. — Über den Unterschied zwischen 
hoc ad me attiyiet und pertinet vgl. I S. 215. 

Pertingere, sich erstreckeyi, reichen, wurde in den Handschriften 
vielfach mit pertinere verwechselt, und so fand man es früher an 
vielen Stellen, wo man jetzt pertinere liest. Aus Mass. Zeit ist es 
nur durch Sali. lug. 48, 3 belegt: colli s in imyyiensum nertiyigcxis , 
dann findet es sich bei Vitr. 2, 10, 1, oft erst im 8p. L. In der 



Pertransirc — 293 — Pervenirc 

Bedeutung n auf etwas sich erstrecken 11 lesen wir es bei Fronto S. 144 
N; dafür sagt man sonst pertinere. 

Pertransire kommt nur N. Kl. beim älteren Plinius 37, 68 und 
Sp, L. Vulg., sowie bei Hier, und Firm, math., vgl. Dressel S. 32, 
auch bei Oros. 3, 13, 4, vgl. Paucker lat. Oros. p. 31, sowie in der 
Peregrinatio ad loca sancta, vgl. Wölfrlin Arch. IV S. 268, vor. Ueber 
die sich findenden Formen vgl. Rönsch Coli. phil. S. 189 und 107, 
Ital. S. 290 und 293, Neue-Wagener 3 Index s. v. 

Perturbator, der Störer, Beunruhiger, ist ganz Sp. L. bei Sulp. 
Sev., Ambros., Augustin., Hegesipp., vgl. Paucker lat. Sulp. S. 69, 
Rönsch Coli. phil. S. 60, und durchaus zu vermeiden durch turbator 
und durch das etwas poetische oder richtiger vulgäre turbo, Cic. Sest. 
25 duo rei publicae turbines. Merkwürdigerweise ist jedoch pertur- 
h<i i rix klass., vgl. Cic. leg. 1, 39, freilich steht es nur hier. 

Perturbatio mit und (im Zusammenhange auch) ohne den Gen. 
animi, die Leidenschaft, kann, wenn es auch nur von Cicero ge- 
braucht worden ist, von uns recht wohl nachgebraucht werden; vgl. 
Cic. Tusc. 4, 34, wo die perturbatio definiert wird. 

Pervadere wird in dem Sinne = etwas durchdringen entweder 
mit dem blossen Accus, oder mit per verbunden: quod (venenum) 
ita cunctos eins artus pervasit ut . . Tac. ann. 13, 16; Thessaliam 
cum exercitu pervasit, Liv. 42, 13, 8 und: omnes per aequa atque 
iniqua loca pervadunt, Liv. 25, 14, 9; incendium per agros pervasit, 
Cic. Yerr. 3, 66 u. ibid. 1, 96. Tropisch steht es bei Livius ge- 
wöhnlich mit dem blossen Accus.: murmur totam contionem pervasit, 
Liv. 26, 15, 9 und bei Cicero Pomp. 23: quae animos gentium 
barbarorum pervaserat; ebenso bei Quintilian: multos pervasit per- 
suasio 8,2,21; magnam partem Asiae eis Euphraten mäli fama 
pervaserat, Curt. 10, 5, 18 ; selten und nur zur Wahrung des sinn- 
lichen Bildes und damit zur Verstärkung des Ausdruckes ist es, per 
tropisch zu gebrauchen: per omnes velut continens incendium perva- 
surum, Liv. 37, 25, 6. — Hindurchdringen , sielt verbreiten, bis zu, an 
etwas wird natürlich mit ad ausgedrückt: pars magna equitum . . . 
ad terga puynautium pervasit, Liv. 42, 7, 7; aus Cicero jedoch, 
Caesar hat das Wort überhaupt nicht, ist mir keine Stelle dafür be- 
kannt. Hindurchdringen bis in etwas, d. h. in eine Lokalität 
hinein, nimmt /"// <:. accus, zu sich, z. B. pervadere in Asiam, in 
Italiam, Liv. 45, 10, 1 und Cic. Verr. 5, 6, Süll. 53 und terror in 
loht ut penitus aciem pervasit, Liv. 8, 9, 11 und 42, 5, 7. 

PerveUere, zupfen, kränken, hat im Perf. pervelli, nicht per- 
vulsi; vgl. Neue-Wagener 3 III, 419. — Man sagt gleich gut (aber 
nicht bei Cicero) alicui aurem und aUcuius aurem pervellere; vgl. 
Sen. benef. 5, 7, 6; Val. Max. 1, 5, 8. 

Pervenire, gelungen, kommen. Man sagt nicht: mihi pervenit 
in/ aures, es kam mir zu obren, sondern ad aures mens perve 
S. d;is Wort A'tris. über unser: die Sacke ist s<> weit gekommen, 
unter Venire. — Richtig ist aber: in tun uns hominum pervenire, 



Pervidere — 294 — Pes 

Cic. de or. 1, 94, ad suum pervenire, zu dem Seinigen kommen, 
Cic. Quinct. 46; ad nummos pervenire, zu Geld kommen, Cic. fam. 
13, 14, 2. 

Pervidere heisst klass. nicht einfach selten, sondern etwas durch 
und durch, in allen seinen Teilen erkennen und steht bei Cicero an 
mehreren Stellen, z. B. off. 3, 75; Att. 12, 38, 3, auch bei Plancus 
in Cic. fam. 10, 9, 1. Indes Cic. Att. 15, 4, 2 ibi te quam primum 
per videre velim muss per von videre getrennt und dem Sinne nach 
zu velim gezogen werden, also pervelim, ich wünschte sehr, vgl. Boot 
zur St., P. Meyer S. 48, Bergmüller Plane. S. 24. Im Sp. L. ist je- 
doch pervidere ganz gleich videre, z. B. bei Filastr. 22, 1 pervidit 
in spelunca stantes viros. 

Pervolutatio, die Durchblätterung, Durchsicht, ist aus keinem 
lat. Autor zu erweisen; es werde durch das Yerbum pervolutctre 
ausgedrückt. Und so ist auch pervölvere, eine Schrift durchblättern, 
durchlesen, in Prosa ungewöhnlich für pervolutarc ; es steht Catull 
95, 6 als a-ßc eipyfdvov in diesem Sinne, vgl. Riese z. St. Auch 
ist iV. L. aliquid pervolvere animo, etivas im Geiste überdenken, über- 
legen, für das einfache volvere oder volutare animo, in animo oder 
secum. Aber animus pervolvitur in aliqua re — beschäftigt sich 
mit etwas, wäre gut, s. Cic. de orat. 2, 149; es ist pervolvi ein 
gesteigertes versari, vgl. Nägelsbach 9 S. 469. 

Pes, der Fuss, oder pedes in bildlichem Sinne, der Fuss des 
Berges, ist ganz Sp. L. bei Amm. 14, 8, 10 für radices, wozu oft 
infimae tritt. Auch der Sing, findet sich Sp. L. im Itin. Burd. S. 17 
(Tobler) ad pedem montis ipsius, auch Theodos. § 40, vgl. P. Geyer 
Festgruss S. 14, ebenso im Itin. Anton. Plac. 165, 9 a pede montis, 
vgl. Bellanger S. 129. Ebenso Sp. L. ist pedem frangere = den 
Fuss, das Bein brechen, s. August, civ. 22, 22, 3 und serm. 273, 7 ; 
klass. ist crus frangere, z. B. Cic. Phil. 11, 14. Gleichfalls spätlat. 
ist der Gebrauch des Sing, pede für pedibus, z. B. pede ire, proficisci, 
proeliari, zu Fuss gelten, reisen, streiten, für pedibus ire, iter facere, 
proficisci oder peditem ingredi (Curt. 5, 6, 14) und ähnliche. Ueber 
Iordanem transmiserunt pede s. Ambros. in Psalm 118, Vers 165, 
n. 16. Auch sagt man in Prosa nicht pergere pede, quo qais coepit, wo 
pede nur durch die Autorität von Ov. trist. 1, 9, 66 gestützt werden kann. 
— Richtig aber ist: pedem referre, efferre, z. B. pedem porta non efferre 
(Cic. Att. 8, 2, 4), keinen Fuss vor das Tor setzen ; pedem limine efferre, 
Cic. Cael. 34; doch kann man nicht sagen nulluni pedem. Sich nicht um 
einen Fuss, keinen Fuss breit von einem entfernen ist lat. non pedem ab 
aliquo discedere, Plaut. Asin. 603, Cic. Dei. 42, und keinen Fuss 
breit aus dem Landhause herausgehen: pedem e villa non egredi, 
Cic. Att. 13, 16, 1. Einem auf dem Fasse nachfolgen ist vestigiis 
alieuius insistere, Liv. 25, 33, 9. Niclä Hand und Fuss haben (von 
einer sinnlosen Rede) ist sermo cui neque pes neque caput compareai, 
nach Plaut. Capt. 610 (Br.) und Asin. 728 f.: nee caput nee pes 
sermonum apparet; vgl. Curius bei Cicero fam. 7, 31, 2 nee caput 



Pestifer — 295 — Festilentia 

nee pedes und dazu Manutius, Plin. nat. 27, 131 nee caput nee pedes 
habeat und dazu Vogelmann Philol. 25, S. 695 f., der darin einen 
volkstümlichen Yers erkennt. Vgl. noch Landgraf Bayr. Gymn. 16, 
S. 319 und 324 und meine Ausführung in Z. f. G. W. 1881 S. 139 f. 
Beide Sprachen begegnen sich in vielen Metaphern mit Fass und 
pes, z. B. pedem ponere in, Cic. Phil. 2, 48, quod ante pedes est, 
nemo spectat, Cic. div. 2, 30; pedem in Italia video nulluni esse, qui 
7ion in istius potestate sit,kei7i Fuss breit Landes, Cic. Att. 7, 22, 1. 
Mehr Beispiele hat Meyer Progr. Bayreuth 1887 S. 55. — Die bild- 
liche Redensart vom Fasse bis zum Scheitel wird in mustergiltiger 
Latinität nicht durch a pede, sondern durch ab imis unguibus nsque 
ad verticem sum/mum (Cic. Rose. Com. 20) übersetzt. In dieser Be- 
deutung wird pes erst Sp. L. in der patristischen Latinität gebraucht, 
z. B.: a pedilnis asque ad caput, Hier, homil. 4, in Ezech. S. 926 
ed. Yallarsi, Ambros. enarr. in Ps. 1, n. 28 und enarr. in Ps. 37, 
n. 30 und ibid. n. 57; s. darüber auch August, in Ps. 55, n. 20 
und in Ps. 90, serm. 1, 2 und in Ps. 103, serm. 4, 7. Wenn aber 
Ambrosius sagt: a vesligio pedis usque ad verticem, offic. ministr. 
2, 22, 114, so kann dies wohl keinem Anstände unterliegen. — Für 
die im N. L. vorkommenden bildlichen Redensarten: levi pede aliquid 
transire, über etwas leise hingehen, flüchtig über etwas hinausgehen, 
und sicco pede aliquid transire, etwas still übergehen, weiss ich keine 
Autorität; vielleicht hat man sie nach Analogie von obinrgure aliquem 
molli brachio Cic. Att. 2, 1, 6, consiäes, qui illudlevi brachio egissent, 
ib. 4, 17, 3, Sen. quaest. nat. 7, 32, 4 levi manu quaerimus gebildet. 
Man sage leviter aliquid perstri?igere oder attingere; silentio aliquid 
transire, praeterire u. a. N. L. ist auch per pedes und stante pede. 

Pestifer (die Nebenform pestiferus ist überall aufgegeben, vgl. 
Neue-Wagener 3 II, 7 u. 3) bedeutet Pest bringend; so muss wohl 
Liv. 25, 26, 11 nach dem ganzen Zusammenhang odor corporum 
pestifer aufgefasst werden. Häufiger jedoch ist es in übertragener 
Bedeutung, klass. besonders = verrucht, vgl. civis pestifer Cic. dorn. 
85, vitia pestifera Cic. fin. 3, 75, vgl. Deipser S. 9. Für Seuchen, 
Krankheit, Pest bringend sagt man lieber pestilens, was daher oft 
durch ungesund übersetzt werden kann, aber nie, wie pestifer, von 
Menschen gesagt wird. Denn bei Cic. fam. 7, 24, 1 Sardus homo 
patria sua pestilentior ist die Grundbedeutung von pestüens durch 
den Vergleich mit patria gewahrt. 

Pesülentia ist das KL und eigentümliche Wort für Fest odor 
jede ansteckende Krankheit, vgl. die Zusammenstellung Cic. Piso 40 
exercitus nostri interitus ferro fame frigore pesülentia. Dagegen be- 
deutet pestis bei allen Besseren fast nur Unglück, Unheil, Verderben, 
und nur selten und mehr P. und Sp. L. Pest in wirklichem Sinne. 
Auch bei Cic nat. deor. 1, 101 ibes avertunt pestem ab Aegypto 
überhaupt an Verderben zu denken, wenn auch das abschliessende 
ne noceant odore mortuae Seuche unter pestis imfterstehen lässt. Das 
wichtigste ist, dass Cclsus nie das, was wir Seuche und Pe^ nennen, 



Petere — 296 — Petere 

durch pestis bezeichnet, sondern durch pestüentia. Vgl. Cels. 1, 10, 
u. ö. — Jedoch brauchten die Dichter für pestilentia, weil es dem 
epischen Silbenmasse nicht angemessen war, pestis, ebenso Livius 
einigemal, doch so, dass vorher pestilentia gesagt ist und darauf 
pestis als das Genus folgt; vgl. Seyffert-Müller z. Lael. S. 249. 

Petere wird in der Bedeutung jemanden bitten in guter Prosa 
nicht nur mit ab aliquo, sondern auch mit ex aliquo verbunden; 
vgl. Cic. fam. 15, 6, 2 tantum ex te peto, ut, orat. tog. cand. fragm. 
20 te ex nie petisse, ut tibi primiim locum concederem; doch ist 
petere ex selten, vgl. Böckel zu Cic. fam. 15, 6, 2. Klassisch ist 
ferner petere ab aliquo pro aliquo, einen für einen bitten, Cic. Lig. 
31; ebenso gut ist petere aliquid ex aliquo — etiuas über einen zu 
gewinnen suchen: victoriam ex hostibus petere, Liv. 8, 33, 13 und 
Weissenb. zu Liv. 28, 19, l'l, sowie petere aliquid ex holen, z. B. 
Cic. prov. cons. 20 exempla ex summorum hominum factis petere. 
Man sage aber nicht petere ab aliquo peeuniam in der Bedeutung 
von jemanden das ihm geliehene Geld fordern, sondern dafür debi- 
torem appellare oder admonere, vgl. Cic. Phil. 2, 71 appellatus es de 
peeunia, quam pro domo debebas. — P. und 8p. L. wird es in der 
Bedeutung bitten auch mit aliquem verbunden, und so sagt auch, 
mit vorhergehendem allgemeinem Accus, obj. Dolabella bei Cicero 
(fam. 9, 9, 2): illud autem te peto, für a te; näheres darüber habe 
ich Z. f. G. W. 1881, S. 133, zusammengestellt; vgl. noch Rönsch 
lt. S. 441, Kaulen S. 228, Gölzer Hier. S. 304, Bonnet Greg. S. 535, 
Appei Coripp. S. 50, wo auch petere aliquem pro aliqua re, z. B. 
dominum pro salute petiere aus Coripp zitiert ist. — Eine Bitte 
mit dass wird klass. durch ut und mit dass nicht durch ne ausge- 
drückt, erst P. L., N. Kl. und 8p. L. wird (selten) nach peto der 
Accus, c. in f. pass. gebraucht. Stellen dafür sind: Suet. Aug. 5, 
Gell. 4, 8, 5; 9, 2, 1, Hygin. fab. 32, Hier. ep. 13, Dictys 2, 48, 
Sidon. ep. 1, 11, Rufin. im Cant. 3, S. 59 L.; vgl. Bagge S. 99, 
Gorges S. 49, Gölzer Hier. S. 371, Paucker lat. Oros. S. 52, Kretsch- 
mann Sidon. S. 20, Kalb 1886, S. 37, welcher die Konstruktion aus 
dem Juristenlatein herleitet, wo der Inf. formelhaft beigefügt wurde, 
z. B. decem rede dari petit, Kalb Roms Juristen S. 98, Thschiassny 
S. 25, Neue Jahrb. 1891, S. 224, Leipold S. 46, meine Syntax 3 
§ 155. Für den Infinitiv nach petere, der sich seit Lucr. 3, 86 in 
P. findet, hat Schmidt Inf. S. 38 die Stellen zur Ergänzung von 
Dräger IL Synt. II S. 298 zusammengestellt; aus 8p. L. Prosa füge 
bei Tert. praescr. 1 1 vidua a iudice petebat audiri. — In der Phrase 
poenas petere Rache nehmen, wird an jemanden durch ab aliquo 
ausgedrückt. — Weder peto noch ut peto, mit und ohne a te, wird 
je wie quaeso in die Bitte eingeschoben, indem die Bitte nie im 
Tmperat. dabei steht, sondern mit ut oder ne als von ihm abhängig 
beigesetzt wird. Wir können sagen : Melde mir, ich bitte dich, recht 
bald deine Ankunft, die Lateiner aber nicht: fac me quamprimum, 
peto a te, de adventu tuo (■ertiorem, wie man wohl mit eingeschobenem 



Petessere — 297 — Phantasia 

quaeso sagen kann, sondern de adventu tuo ut me quamprimum 
facias certiorem, etiam atque etiam peto oder rogo. Vgl. auch s. v. 
Quaeso. 

Petessere aliquid, nach etwas streben, ist A. L. ; Cicero braucht 
es einmal Tusc. 2, 62 mit dem Accus, laudeni; also werden wir wohl 
das gleiche tun dürfen. Doch Sp. L. ist petescere, z. 13. Paul. Nol. 
bei Aug. ep. 32 nunc aliena petescis, vgl. Archiv XI S. 130. 

Petitio ist klass. in der Bedeutung Angriff, Amtsbewerbung, An- 
spruchsrecht, aber nicht in der Bedeutung Bitte und in der noch 
stärkeren Bedeutung Forderung. Nach Georges hat petitio indur 
tiarum die Autorität des Livius, später steht es bei Plin. nat. 29, 
66 und Trajan bei Plin. epp. 10, 7 (23), für preces oder das 
seltenere rogatio, und wo wir sagen: jemandes Bitte erfüllen, wird 
sehr oft allem veniam dare gesagt. — Ist die Bitte an Gott ge- 
richtet, so heisst sie precatlo. — N. L. ist der philosophische Aus- 
druck petitionem prineipii committere, für sumere pro certo, quod 
dubium sit u. ähnl. — Nur Sp. L. ist petitu = auf Bitten, z. B. 
Amm. 31, 7, 3, mehr Stellen hat Neue -Wagener 3 1 S. 757, auffällig 
Cypr. ep. 64, 1 sine petitu et conscientia plebis (nicht bei Neue). 

Petitor wird in klass. Prosa nur in gerichtlicher Beziehung ge- 
braucht von dem, der auf etwas Anspruch macht; besonders ist es 
ein Kläger in eiuem Privatprozesse. — Bei Hör. od. 3, 1, 11, ferner 
bei Scip. Afr. in Macrob. sat. 3, 14, 7, sowie N. Kl. bei Sueton 
(Caes. 23) bedeutet es Bewerber um ein Amt, welcher Kl. candi- 
datus hiess, vgl. Bagge S. 39. Das davon abgeleitete Adj. petitorlus, 
z. B. artes petltorlae, ist Sp. L. und selten, vgl. Chruzander S. 47. 

Phalereus (viersilbig), a, um, als Adj., Phalerlsch, z. B.portus, 
scheint falsche Form für Phalerkus zu sein, wie es denn auch im 
Griechischen die Endung cxög hat; und so haben auch die besseren 
Handschriften und neuesten Ausgaben des Nep. Them. 6, 1 Phalerico 
portu, für Phalereo oder gar Phaleraeo. — Das dreisilbige Phalereus 
ist mehr Subst. und Benennung z. B. des Demctrius, z. B. Cic. 
leg. 3, 14, Nep. Milt. 6, 4. 

Phantasia findet sich nur Sen. suas. 2, 14 (Georges und nach 
ihm Saalfeld 2, 15) — Einfall, Gedanke und Petron. sat. 38 phan- 
tasia, uon homo mir ein Gedanke von einem Menschen, ähnlich so 
dann bei Lucifer 212, 8 und 325, 20 II.; aber Porphyrio sagt 
'phantasia poetica finxit, vgl. UrbaS. 40. Sonst wird es mir griech. 
angeführt und von Cicero (acad. 2, 18) durch visum und von 
Quintilian durch visio übersetzt, in der Bedeutung ErscJieinung, 
Phantasiebild; es wird also etwas ganz anderes darunter verstanden, 
als was wir Phantasie oder Einbildungskraft nennen. Es ist daher 
ein neues philosophisches Kunstwort für diesen Begriff, für welchen 
in seinen mancherlei Beziehungen die Alten kein erschöpfendes Wort 
hatten. Die philosophische Kunstsprache kann es nicht entbehren, 
alter im gewöhnlichen Gebrauche werde es als fremdes Wbr( ver- 
mieden und etwa durch vis aliquid animo fingendi, Ingenium, anitnus, 



Phantasma — 298 — Philologia 

mens, cogilatio (rliet. Her. 3, 32) und sensus ausgedrückt, oder was 
der Sinn des Gedankens jedesmal fordert. So beisst z. B. die 
Phantasie kann sich jede Gegend denken oder vorstellen, cogilatio 
quamvis regionem potest amplecti; also lebhafte Phantasie ist ingenii 
celeritas, ingenii celeres motus; fröhliche und fruchtbare Phantasie: 
ubertas quaedam ingenii hilaritasque, s. darüber Seyff. Pal. 181 und 
276, Nägelsb. Stilist. 9 S. 56 f. — Was wir bei einem Kranken 
phantasieren nennen, ist etwa errore, per errorem alienatae mentis 
loqui (nach Quintilian), im Zusammenhange auch bloss aliena loqui 
oder vanas imagines accipere. — Vgl. oben Imaginari, 

Phayitasma, die Erscheinung, das Gespenst, steht N. Kl. bei 
Plinius synonym mit idolon und imago (ep. 7, 27, 1), simidacrum 
(7, 27, 7), sonst nur Sp. L. für visum, imago, species (Cic. divin. 1, 
80). Aber ganz Sp. L. und durchaus zu vermeiden ist es = Vor- 
stellung, Bild der Einbildungskraft (Phantasie). Vgl. auch Appa- 
rentia. Sp. L. Belegstellen für phantasma siehe bei Rönsch Ital. 
S. 244, Gölzer Hier. S. 214. 

Phantasticus findet sich erst Sp. L., z. B. Fulg. myth. 3, 10, 
vgl. Zink II S. 40, oft bei Eccl., vgl. Stangl Cassiod. S. 554; 
ebenso ist phantastice Sp. L., vgl. Paucker Spie. S. 120, Georges 
Jahresber. 1884, S. 93; unser Phantast ist oft gleich ineptus, vanus 
homo, fanaticus oder ähnliches; auch kann man es mit vaticinari, 
stärker vaticinari atque insanire umschreiben; vgl. Halm zu Cic. 
Sest. 23, Manutius zu Cic. fam. 2, 16, 6 sed ego fortasse vaticinor, 
oder mit alucinor, vgl. Cic. Att. 15, 29, 2. 

Pharmacum, das Arzneimittel, findet sich nirgends bei einem 
Lateiner; es ist A r . L. für remedium, medicamentum u. a. 

Pharus, der Leuchtturm, ist, wie im Griech., gen. femin. ; daran 
halte man sich, mögen es auch Sueton (Alexandrini phari Claud. 20) 
und Val. Place. 7, 85 als Maskul. gebraucht haben. 

Pharsalicus und Pharsalius, Pharsalisch, sind offenbar gleich gute 
Formen. Pharsalius findet sich nicht nur bei Liv. 33, 6, 11, sondern 
auch Cic. divin. 1, 68, Phil. 2, 39 und 14, 23. Ebenso lesen von 
Jan und Detlefsen bei Plin. nat. 8, 53 Pharsalius gegen Sillig. 
Pharsalicus steht b. Alex. 42, 3 proelii Pharsalici; zuerst finden wir 
das dann allgemein üblich werdende acies Pharsalica Cic. Lig. 9, 
oft N. Kl. und Sp. L., vgl. Landgraf Unters. S. 47. 

Philippica im allgemeinen Sinn = Donnerrede ist Sp. L. bei Hier, 
ep. 57, 12 Philippicas tibi scribere; von den Reden gegen Antonius 
gebraucht Cic. selbst das Wort Philippicae, ad Brut. 2, 4, 2; vgl. Sonny 
Arch. VIII S. 490. Man gebrauche vehementer invehi in aliquem 
für eine donnernde Philippika halten, vgl. auch Cic. de or. 2, 304. 

Philologia und r philologus haben ihre Begriffe mit der Zeit ge- 
ändert und erweitert. Bei Cicero kommt philologia nur Att. 2, 17, 1 
ne et opera et oleum philologiae nostrae perierit, ebenso N. Kl. nur 
einmal bei Vitr. 7 praef. 4 reges Attalici magnis philologiae dnlce- 
dinibus indueti und einmal bei Sen. ep. 108, 30 vor; Cic. fil. in Cic. 



Philologicus — 299 — Philomela 

fam. 16, 21, 4 braucht das griech. (piXoXoyia, Dagegen findet sich 
öfters philologus, teils griech. als Adject., <peX6Xora multa (Cic. Att. 
13, 52, 2), und sogar im Komparativ: haec (peXoXorojrspu (ib. 12, 3), 
teils \a,te'm. philölogi, ebenfalls als Adjekt. : homines nobiles Uli quidein, 
sed Jiullo modo phüologi; — und so auch philölogi als Subst. gen. 
masc. im Ablativ de philologis (ib. 29, 1), über Philologen, Q. fr. 
2, 10, 3 nos ita philölogi sumus, ut vel cum fabris habitare possimus; 
vgl. noch Vitruv 6 praef. 4, Sen. apoc. 5, 4, Suet. gramm. 10. Aber 
was Cicero unter philologus eigentlich versteht, sagt er nicht bestimmt 
und genau erklärend, wiewohl er offenbar ausgebreitete Gelehrsam- 
keit dem trockenen Philosophieren entgegengesetzt denkt, also vielleicht 
ungefähr das, was man sich zu Senecas Zeiten (nach epist. 108) bei 
einem Philologen im Gegensatze zu einem Grammatiker und Philo- 
sophen dachte, nämlich einen Kenner der Geschichte und Altertümer 
und dessen, ivas dahin einschlug; denn nach Seneca bekümmerte sich 
ein Philosoph nur um den Gedankeninhalt einer Schrift, ein Philolog 
nur um Geschichte und Altertümer u. dgl., und ein Grammatiker 
nur um die Worte (wovon er in jener Stelle Beispiele anführt). Daher 
war auch nach Sueton (gramm. 10) der Name philologus geachteter, 
als der Name grammaticus und litterator, weil man unter philologus 
denjenigen verstand, welcher vielseitige und mannigfache Gelehrsam- 
keit besass, qui multiplici variaque doctrina censebatur. — Später er- 
weiterte man den Begriff des Wortes, verband mit demselben auch 
den des Grammatikers und begriff darunter ausser der Kenntnis der 
Sprachen die Kenntnis alles dessen, was zum genauen Verstehen der 
Schriftsteller, alter sowohl als neuer, sowie auch der Kunstwerke 
unentbehrlich ist. . Es ist daher das Wort Philologie bei uns ein im 
Begriffe sehr erweitertes und für unsere lateinische Sprache unent- 
behrliches Kunstwort; wir behalten es, da es jedem Kenner ver- 
ständlich ist, wohl besser bei, als dass wir es auf eine andere, nicht 
erschöpfende Art ausdrücken, zumal da wir nicht allein von 
occidentalischer und orientalischer, sondern auch insbesondere noch 
von Mass. Philologie sprechen. Wie diese letztere, die von einigen 
vorzugsweise Philologie genannt wird, zu übersetzen sei, darüber 
siehe mehr unter Humanus. — Für philologus sagen einige litterarum 
antiqtmrum studiosus. 

Philologicus, philologisch,, die Philologie betreffend, ist ein den 
Alten ganz unbekanntes Adjekt., welches nicht einmal griech. ist, 
indem nur (fcXöXoyog als solches üblich war, was denn auch Cicero 
(in den oben angeführten Stellen) wörtlich aufnahm. Gleichwohl hat 
sich jene neue Form für philologus eingeschlichen. Man ersetze sie 
durch das adjektivische philologus (wie auch Yitruv 8 prooem. 4 plii- 
lologae res sagt) oder durch die Genitive philologiüe und philologoram ; 
bisweilen auch wohl durch grammaticus. Vgl. unten Philosophicus. 

Philomela ist in der Bedeutung die Nachtigall nur P. /.. und 
8p. L. für lascinia. Lächerlich wäre: in hoc nemore multae philo- 
melae nidulantur, was selbst ein Dichter nicht sagen würde. 



Philomusus — 300 — Philosophicus 

Phüomums kommt zwar als ehrender Eigenname vor (doch, 
wie es scheint, nirgends bei einem lat. Autor), aber nie als Adjekt. 
für litterarum studiosus, z. B. in usum philomusae iaventutis. 

Phüosophaster steht dreimal bei Augustin; an der einen Stelle 
contr. Iul. 6, 18 kann kaum tadelnde Bedeutung angenommen werden, 
wohl aber an den beiden andern Stellen; im Ital. filosofastro hat 
sich dieselbe erhalten. Näheres bietet Seck in Wölfflins Archiv I 
S. 391. 

Philosophicus, philosophisch, die Philosophie betreffend, wird nur 
ganz Sp. L. aus Sidon. epp. 4, 1 u. Ambros. off. m. 2, 9, 49, Hier, 
opp. II S. 27 IL, philosopliice aus Lactanz 3, 14, 19 angeführt (aber 
Brandt liest philosophe vivit). Locum philosophicum introduxit stand 
früher auch bei Sen. contr. 1,7, 17, wofür jetzt philosophiimenon locum 
gelesen wird; ebenso problemata philosophumena bei Sen. contr. 1, 
3, 8. Auch bei Macr. sat. 7, 1, 1 war ehedem zu finden: tractatibus 
2)hilosophicis , wofür von Jan jetzt aus Codd. philosophis aufgenommen 
hat. Indes ist Eyssenhardt zu dor Lesart philosophicis zurückgekehrt. 
Sonst stand es auch bei Cicero (Tusc. 5, 121): ad philosophicas 
scriptiones; aber schon Davies nahm aus mehreren Handschriften 
philosophas dafür auf und ebenso Wolf, Orelli und Baiter, welche 
philosophus für ein Adjekt. erkannten, wie es denn griechisch wirklich 
so gebraucht wird. Ebenso bemerkt darüber Tischer-Sorof zu Cicero 
am eben angeführten Orte: philosophas nach den Handschriften, was 
mit Unrecht in philosophiae verändert worden ist, da auch das Adverb 
philosophe acad. 1, 8 von Halm nach den Spuren der Handschriften 
hergestellt ist. Aber C. F. W. Müller kann sich damit nicht be- 
freunden; er schreibt Tusc. 5, 121 philosophiae und lässt acad. 1, 8 
pliilosophie mit dem Kreuz versehen stehen, vgl. seine Anm. zu beiden 
Stelleu; aber auch Näg.-Müller Stil. 9 S. 39. Bei Cic. Q. fr. 3, 1, 5 
ist philosopha substant. gebraucht: wie eine Art von Philosophin. 
Ich bin der Ansicht, man meide selbstverständlich philosophicus, aber 
auch philosophas als Adj. und halte sich an pliilosophiae, an Um- 
schreibungen mit philosophia oder nehme lat. Ausdrücke, wie dies 
Cicero selbst, besonders in seinen Reden tut {philosophia findet 
sich nur in or. in Pis.), noch mehr aber Tacitus, der lieber sapientia 
als philosophia, sapientiae praecepta, sapientes als pliilosoplnae pr., 
phihsophi sagt, vgl. Leipold S. 25, Heraus zu Tac. hist. 3, 81 nach 
Wölfflins Beobachtung. Näheres hierüber sehe man bei Nägelsbach- 
Müller 9 S. 39 f. u. 136, Klotz Stil. S. 102. Klassische Beispiele sind: 
z. B. für philosophisclie Vorschriften, praecepta philosophiae oder philo- 
sopliorum (Cic. Tusc. 2, 9); philosophische Bücher, libri, qai sunt de 
philosophia, auch kurz libri de philosojjhia ; philosophische Sätze oder 
Gegenstande, quae in philosophia tractantur (Cic. Tusc. 5, 1); ein 
plulosopliischer Hörsaal, auditorium philosophorum ; philo sopl dsche 
Geschichte, historia philosophiae; ein philosophisches Gespräch, sermo 
de philosophia (Nep. Epam. 3, 3) u. ähnl. — Bisweilen passt auch 
wohl philosophoruin proprius. — Als Adverb brauche man weder 



Phliasius — 301 — Phrasis 

philosophice noch philosophe, sondern etwa philosophorum more, ut 
philosophi. Ygl. auch Reisigs Vorlesung, ed. Hagen S. 233. 

Phliasius und Fhliuntius, ein Einwohner von Phlius. Beide 
Formen finden sich bei Cicero, zuerst die zweite (rep. 2, 8), welche 
von ihm nachher, Att. 6, 2, 3 verworfen wurde. Statt derselben 
empfahl und verwendete er später ausdrücklich die erste als die 
bessere (Tusc. 5, 8), wonach also auch wir uns zu richten haben. 

Phocaei, die Einwohner von Phocaea in Klein- Asien, ist vielleicht 
nur P. Form bei Horaz epod. 16, 17 und dem späten Mela statt 
Phocaeenses bei Liv. 37, 21, 7; 38, 39, 12 u. a. Plin. nat. 3, 34, 
lustin 37, 1, 1, wofür manche Gelehrte, durch falsche Lesarten im 
Livius verführt, irrig Phocenses sagen, welches die Einwohner von 
Phocis bedeutet. 

Phoebe ist nur P. L. für Diana oder Luna (luna); man brauche 
es nicht vom Monde. — Ebenso ist Phoebus nur P. L. für Apollo 
oder Sol (sol) und wird fälschlich von der Sonne (im gewöhnlichen 
Sinne) gebraucht. 

Phoenicia, Phönizien, ist im N. L. der gewöhnliche Name der 
Landschaft Asiens, nicht nur in Büchern, sondern auch auf Land- 
karten, für Phoenice oder mit lateinischer Endung Phoenica, wie Cic. 
fin. 4, 56 sagt. Jenes hat nur die Autorität später Inschriften und 
des Ambros. de Noe et arca, 23, 84 u. Mart. Cap. 6 S. 234 u. 235 
(bis) (Eyss.), sowie des Oros. 1, 2, 24, der jedoch 1, 2, 96 und 6, 
6, 1 Phoenice schreibt. Überall steht sonst nach den Handschriften 
entweder Phoenice oder Phoenica: bei Yarro (1. 1. 5, 6, S. 47 ed. Sp., 
S. 13 ed. Müll.), Cicero (fin. 4, 56, Phil. 11, 35), Caesar (civ. 3, 3, 1), 
Plin. nat. 5, 66, Curtius (nur Phoenice nach dem Index v. Stangl), 
lustin und Mela, und wer sonst noch des Landes gedenkt. Früher 
stand es freilich in den gewöhnlichen Ausgaben des Varro (aber 
Spengel und Müller haben Phoenice), und auch bei Cicero (fin. 4, 
56) wird jetzt für das von den meisten Handschriften gebotene, 
sinnlose poetim allgemein Phoenica gelesen, s. Madvig zu der Stelle. 
— Dagegen heisst das Adjekt. Phoenicius, wofür (in der Bedeutung 
purpurrot) auch Poenicius und Punicus gesagt wurde, und die Per- 
sonalsubstantive waren Phoenix, der Pliönizier und Phoenissa, die 
Phönizierin; die Stellen hiefür siehe bei Neue -Wagener 3 I S. 915. 

Phoenix, als Name des fabelhaften, höchst selten erscheinenden 
Yogels, kommt bei den Alten nirgends zur Bezeichnung einer grossen 
und einzigen Seltenheit vor und kann so nur im manieriertesten 
Latein gebraucht werden, dass man von einem Manne sagt: Phoenix 
die ingeniorum. 

Phrasis, was bei den Griechen den rednerischen Ausdruck be- 
deutete und was die Lateiner (nach Quintil. 8, 1, 1) durch elocuMo 
übersetzen, hat im N. L. die Bedeutung Redensari, • doch kommt 
bei den Alten nie so vor, für loquendi modus, coniuneta nomina oder 
verba oder vocabula, nach andern locutio, dictio, was wenigstens 
etwas anderes bedeutet. Da aber keines von diesen ganz passend 



Phrygianus — 302 — Pierides 

ist, so bleibe phrasis als grammatisches Kunstwort; nur sage man 
nicht im Genitiv Plural phraseon nach griech. Art, sondern mit latein. 
Flexion piirasium. — Was wir rednerische Phrasen nennen, kann 
aber nicht durch phrases rhetoricae oder oratoriae ausgedrückt 
werden, sondern wohl besser durch rhetorum pompa. 

Phrygianus == Fhrygisch ist falsche Lesart bei Plin. nat. 8, 
195, Sen. benef. i, 3, 7, für Phryxianus = dichtwollig} ebenso 
Phrygicns bei Val. Max. 7, 5, 2 für die sichere Phrygius, welches 
aber nur Adjekt. ist; denn das Subst. der Phryyier heisst Phryx, 
und nur Dichter brauchen dieses für Phrygius. 

Physiognomus, der Kenner der Natur, ist falsche, nirgends vor- 
kommende Form für physiognomon (Genitiv -gnomonis). Dieses braucht 
Cicero (fat. 10) und erklärt es (Tusc. 4, 80) durch: qui naturam 
cuiusque ex forma perspicit. Das Subst. physiognomonia ist Sp. L., 
vgl. Rönsch Coli. phil. S. 180. 

Piaculare, aus- oder versöhnen wurde bisher bei Cato agr. 141 
angenommen, aber Krumbiegel erwähnt in seinem Index dies Yerb 
nicht, scheint also piaculo als Abi. anzusehen und in der erwähnten 
Gebetsformel precor zu ergänzen; Keil schweigt. Das Verb piare 
ist meist P. L. für expiare ; doch steht si quid piandum f lasset bei 
Cic. dorn. 132 und fiägura atque obstita pianto aus alten Gesetzen 
in leg. 2, 21. Piaculiim aber bedeutet in klass. Sprache Sühnopfer 
bei Cic. leg. 2, 57. Ausserdem kommt es bei Cicero nur noch Att. 
15, 25 vor, hier, scheint es, in der Bedeutung Scliuld, Frevel; 
übrigens sind beide Stellen kritisch zweifelhaft, vgl. Yahlen zu Cic. 
leg. und Boot zu Cic. Att. Sonst ist piaciüum — Schuld, Frevel 
A. L. bei Enn. Sc. 331 V 2 , Plaut. Truc. 223, dann üblich im N. Kl. 
bei Livius, z. B. piacidum silri contrahere, piaculiim committere, bei 
Tac, Plin. u. a., im 8p. L. bei Symm., vgl. Nipp.-Andresen zu Tac. 
ann. 1, 30 und Schulze Symm. S. 51. Die Form piaclum, welche 
nur aus Sp. L. bezeugt ist, will Bosius bei Cicero Att. 15, 25 im 
Crusellinus gelesen haben. 

Pictura, das Gemälde, wird N. Kl. nicht nur in Beziehung auf 
Inhalt und Darstellung, sondern auch körperlich = tabula picta ge- 
sagt; wie man daher Kl. simulacra oder signa und tabulae pictae 
verbindet, z. B. Cic. de or. 1, 161 tabulis et signis palam collocatis, 
so N. Kl. auch statuae et picturae, Sen. epp. 16, 8 ; auch die piclura 
kann daher sowohl betrachtet, gelobt, getadelt, verändert, als in die 
Hand genommen, weggetragen und aufgestellt werden. S. darüber 
Sen. contr. 10, 5, 14: positae sunt picturae Herculis liberos occidentis 
und Tac. ann. 16, 23: statnas et pictaras avehere. 

Picturatus, gemalt, buntfarbig, gestickt, ist nur P. L. und in 
Prosa erst Sp. L. und selten. 

Pientissimus ; vgl. Pius. 

Pierides, die Musen, ist nur P. L., wie Cic. nat. deor. 3, 54 sagt, 
und wird nur in Beziehung auf Poesie gebraucht, für Mnsae, welches 
auch in Prosa in allgemeinerem Sinne vorkommt. 






Pietismus — 303 — Pingere 

Pietismus, Frömmelei, der Pietismus, ist N. L. und ohne Zweifel 
von demjenigen, welcher es erfunden hat, zum Spott gebildet; ebenso 
pietista, der Frömmler. — Beide sind als neue Wörter für eine 
neue, den Alten unbekannte Idee beizubehalten, jedoch womöglich 
mit Andeutungen, welche die Neuheit bezeichnen. 

Piger, träge, saumselig; bei Cicero, in etwas, in aliqua re, z. B. 
Cic. fam. 7, 17, 1 in labore militari; zu etwas, ad aliquid bei Cael. 
in Cic. fam. 8, 8, 1, Liv. 21, 25, 6 u. 39, 13, 11, Sen. de ira 3, 3, 
1 u. Curt. 6, 9, 29. — P. L. wird es mit dem Genitiv verbunden, 
vgl. Haustein S. 65. Mit dem Infin. steht es nach dem Vorgänge 
des Horaz sat. 1, 4, 12 bei Tac. Germ. 14, 4 u. 8p. L. bei Augustin 
ep. 114, 2. 

Pignerare, zum Pfände geben, verpfänden, versetzen, lässt sich 
nicht aus Cic. und Caes. erweisen, es findet sich in Prosa seit Livius, 
vgl. Bagge S. 39, wo aber Wahres und Falsches gemischt ist. Als 
Deponens, mit und ohne sibi, heisst es. sich zum Pfände nehmen, 
zum Eigentum, verbindlich machen, und ist in dieser Form und Be- 
deutung klass., vgl. Cic. rep. 1, 8, Phil. 14, 32 (nicht 23, wie Neue- 
Wagener 3 III S. 16 angeben), Chruzander S. 47. — Keines von 
beiden bedeutet aber pfänden, auspfänden, was pignora capere heisst 
(Suet. Caes. 17), vgl. Bagge S. 40 und Piderit zu Cic. de or. 3, 4. — 
Das verpfändete Wort ist lat. fides interposita, Cic. Brut. 89. 

Pigrari, saumselig, träge sein, steht in Prosa vielleicht nur bei 
Cicero (Att. 14, 1, 2) scribere ne pigrere, säume nicht zu schreiben, 
für pigrum esse; auffällig ist an dem Worte noch der Konj. Praes., 
was als nachlässige Ausdrucksweise zu notieren ist, vgl. Wölfflin in 
act. Erl. II S. 70; klass. wäre pigratus ne sis. Postgate sieht in ne 
pigrere einen Archaismus oder ein Zitat, Lebreton aber etudes S. 302 
macht es von quaeso abhängig; letzteres scheint mir wenig em- 
pfehlenswert. 

Pilare, Ball spielen, ist N. L. für pila oder (selten) pilam ludere. 

Pileus, der Hut (selten als Neutrum pileum) ist für uns in der 
bildlichen Bedeutung Freiheit nicht anwendbar, die alten Römer ver- 
standen sie. — Den Hut (sich) aufsetzen, in der gewöhnlichen Be- 
deutung, heisst nicht pileum imponere, sondern caput operire. vgl. 
Cic. Cato 34 capite operto, und so auch den Hut abnehmen, abziehen, 
nicht pileum deponere, sondern caput aperire, vgl. Cic. Phil. 2, 77 
<a/>ni aperuit. 

/'/Ins, das Haar. Man bemerke die Gleichheit beider Sprachen 
in den Redensarten: um ein Haar weniger, püo minus, vgl. Cic. Q, 
fr. 2, 15, 5 ego ne pilo quidem minus nie amäbo; auch nicht ein 
Haar von einem elirlichen Manne haben, ne ulhou quidem pH um boui 
e'tii habere, vgl. Cic. Rose. Com. 7 ; hieher gehört auch das nur bin Catull 
10, 13 und 17, 17 sich findende pili nou facere, nicht ein Haar /rot 
i ich Ich, vgl. Kiese zu Catull 10, 13. 

Pingere, wird bildlich ausmalen, ausschmücken, auch klass. 
für depingere gebraucht; •/,. B. wie man sagt: vitam verbis (oraüone) 



Pinguedo — 304 — Pius 

depingere (Cic. fin. 2, 69); imaginem verbis depingere; aliquid cogi- 
tatione depingere u. a., so auch pingere, z. B.: Britanniam pingam 
coloribus tuis penicillo meo, Cic. Q. fr. 2, 13, 2; quem locum ego varie 
meis orationibus soleo pingere, Cic. Att. 1, 14, 3 u. 2, 21, 4. Ygl, 
Madvig fin. S. 259. 

Pinguedo, die Fettigkeit, ist wohl ebenso gut als pinguitudo, 
was öfter vorkommt; klass. ist keines von beiden; pinguitudo findet 
sich indes schon bei Yarro r. r. 2, 4, 6; 3, 9, 19; 2, 4, 11 u. 12, 
pinguedo nicht vor Plin. maior. Ygl. für pinguitudo Ulrich S. 16. 

Pinsere mit dem Accus, panem, in der Bedeutung Brot backen, 
ist gegen die Bedeutung des Yerbums, welches stampfen, stossen 
heisst, mag auch der Backe?' — pistor heissen und diesen Namen 
vom Stossen des Getreides haben; vgl. Plin. nat. 18, 107 und Hey 
Semas. Stud. S. 161. Man sage panem coquere, wie Yarro und Plin. 
mai. sich ausdrücken. 

Piraeus, de?' Piräische Hafen. Dies ist die gut lat. Form, wie 
Cicero selbst Att. 7, 3, 10 bezeugt; vgl. Nipp. -Lupus zu Nep. Them. 
6, 1, Nipp.-Andresen zu Tac. ann. 5, 10, meine Darlegung in Z. f. 
G. \Y. 1881 S. 121, Sirker S. 10, Neue -Wagener 3 I S. 506 f. Man 
dekliniere also Piraeus, Piraei, Piraeo, Piraeum, Piraeo und halte 
sich trotz Cic. Att. 6, 9, 1 vom Accus. Piraeea fern ; die dreisilbigen 
Formen stehen bei Cicero rep. 3, 44, Att. 7, 3, 10, Ter. Eun. 290 
und sonst fest. 

Pirata, de?* Seeräuber, ist zwar ein fremdes Wort, aber auch 
im Kl. ebenso häufig im Gebrauche wie loraedo maritimus; vgl. z. B. 
Cic. off. 3, 107; für Liv. vgl. Schmidt 1889 S. 38 (5 Stellen). Caesar 
und Augustus halten sich an praedo und sagen nie pirata, vgl. 
Wölfflin Epigr. Beitr. II S. 176. Im Seeräuberkrieg ist Yarro r. r. 
2 praef. 6 bello piratico, Cic. Flacc. 30 bello mariümo. 

Pirum werde nicht verwechselt mit pirus; jenes ist die Birne, 
dieses der Birnbaum. 

Pixcatio, das Fischen, ist Sj). L. für piscatus, vgl. Gölzer Hier. 
S. 74, Dressel S. 32. 

Piscosus, fischreich, findet sich nicht nur bei Dichtern, sondern 
auch in Prosa bei Sen. benef. 6, 7, 3, Iust. 44, 1, 7, und ist als kurzer, 
bequemer Ausdruck brauchbar neben plenas piscium ; wenigstens ist 
es besser als das A. L. piscalentus. 

Pias, fromm. Eine eigene Komparativform kommt nicht vor, 
aber auch eine eigene Superlativform war im bessern Latein nicht 
im Gebrauche, so dass Cicero den M. Antonius, der in einem öffent- 
lichen Schreiben piissi?nus gesagt hatte, tadeln konnte (Phil. 13, 43), 
er habe verbum omnino nullwm i?i lingna latina gebraucht. Später 
aber kam diese Form, besonders durch die Titulatur der Kaiser, 
z. B. fortissimum et piissimus princeps, immer mehr auf, so dass sie 
sich N. Kl. einigemal findet bei den beiden Sencca, Tacitus, Florus 
undCurtius, öfters im Sp. L. bei Hieron. u. a., auch in Grabschriften, hier 
sogar wie amantissünus mit Gen. verbunden, vgl. Pirson S. 180, Sirker 






Placare — 305 — Placitum 

S. 39, Neue -Wagener 3 II, 204, Gölzer Hier. S. 286, Ebert S. 334, Schöner 
S. 457 ff., Landgraf Arch. XII S. 150 Anm., Engelbrecht Titel wesen 
S. 57. Weniger gut ist die Form pienüssimus, welche sich nur auf 
späten Inschriften findet, vom Positiv piens ; dieser Positiv piens, 
dessen Existenz Hülsen Phil. 56, 385 A. bestritten, ist von Heraeus 
Archiv XII S. 63 aus einer Inschrift (Anthol. lat. v. Bücheier II 
Nr. 1826) erwiesen; vgl. noch Neue-Wagener 3 II S. 208. 

Placare, versöhnen; einen mit einem versöhnen ist nicht placare 
aliquem cum aliquo, sondern alieui: coeperas eum mihi placare, Cic. 
Att. 7, 1, 8 = mit mir . . . / (rogavit) nt te sibi (mit ihm) placa- 
rem, fam. 13, 1, 3. S. darüber auch Liv. 8, 33, 1 und 23, 9, 4. 
So auch im Pass. : Demetrius neque magnam neque nullam spem 
habebat, patrem sibi placari posse, Liv. 40, 20, 5; quae fuit eornm 
tanta iniquitas, ut placari populo Romano non possent, nisiviritales 
occidissent? Cic. nat. deor. 3, 15. Sich mit jemand versöhnen heisst 
nie se placare alieui, wofür das mediale placari und zwar gewöhnlich 
mit in c. accus, gewählt wird, z. B.: post id factum nunquam animo 
placari potuit in eum, a quo . . . Nep. Pelop. 5, 2; vultu ac sermone 
in omnes placato, Liv. 28, 32, 1, vgl. auch Nep. Iphicr. 3, 3. Dafür 
sagt man natürlich auch in gratiam cum aliquo redire, reverti (Petr. 
sat. 87) und mit einem versöhnt sein entweder cum aliquo in gratia 
esse oder cum aliquo in gratiam redisse. Ygl. Cic. fam. 1, 9, 4, 
ebenso reconciliari in gratiam, Cic. dorn. 129. — In der Bedeutung 
besänftigen, beruhigen passt es wohl zu denm, deos, hominem, ani~ 
mum, iram u. dgl., aber nicht zu gentem (ein aufrührerisches Volk), 
populum u. ähnl., wo pacare besser ist. — Die Versöhnung, Be- 
ruhigung heisst aktiv placatio, passiv reditus in gratiam oder recoii- 
ciliatio gratiae aliquorum, s. Cic. nat. deor. 3, 5, Tusc. 4, 60, har. 
resp. 51, Rab. post. 32 u. Liv. 27, 35, 6. Für placatio, das im Sp. L. 
häufig ist, vgl. Gölzer Hieron. S. 82. 

Placate braucht Cicero, wie manche derartige Adverbien, nur 
im Briefstil, z. B. fam. 6, 1,. 4 omnia humana placate, et moderate ferre. 

Placere. Besser gefallen ist mag 'is placere, z. B. Nep. Them. 3, 1, 
Cic. Verr. 5, 68, ein bischen besser paulo magis, Cic. Yerr. 4, 42, 
sehr gut vehementer, Cic.Vat. 1, weniger gut minus, Cic. de or. 2, 1."). 
deterius Hör. sat. 1, 10, 90. Unser selbstgefällig ist = sibi placens, 
z. B. Sen. phil. und sonst; das Subst. sibiplacentia ist jedoch sehr 
8p. L. u. selten, vgl. Hönsch It. 222, Heraus Progr. Offenbach 1899 
S. 32. — Placet ut findet sich erst seit Cicero, /. B. Cic. Phil. 1 1. 
38, de or. 1, 155; Caes. Gall. 1, 34, 1; Livius hat es nur 10, 21, 7, 
sonst überall den acc. c. inf. ; vgl. Gebhard S. 35. 

Placiditas, die Sa/nffheit, ZahmJieit, kommt /war in A7. Zeil bei 
Varro r. r. 2, 1, 4 vor, aber sonst nur Sp. L. und selten, häufiger 
ist lenitas im Gebrauche. Ygl. Stünkel S. 29, Schulze Symm. S. 36, 
könseli Coli. phil. S. 60, Liesenberg 1 S. 20. 

Placitum ist als Subst. (in der Bedeutung Lehre, Grundsatz, 
Meinung) N. Kl. und findet sich nicht nur heim altern Pliniua v«>u 

Brebi-Sohmals, Antibarbtrui II. 20 



Plaga — 306 — Planare 

Vorschriften der Ärzte und nat. 8, 20 von den Regeln Oatos über 
die Ölbäume, sondern auch im wissenschaftlichen (ethischen) Sinne 
= Grundsätze, Maximen bei Sen. epp. 95, 10, ib. 37 u. 66, 45, 
Colum. 9, 2, 1, Plin. nat. 2, 191, Tac. ann. 14, 22 u. 16, 19, hist. 
3, 81 u. dial. 19. Cicero spricht acad. 2, 27 von den decreta philo- 
sophorum, was lateinisch für döy^aza sei. An dies Wort halte man 
sich, nicht an das minder gute placitum, vgl. Klotz Stil. S. 89 und 
173. — Placitum est als Perf. zu placet meide man; es steht zwar 
Cic. Yerr. 4, 1 und rep. 1, 18, aber sonst sagt Cicero regelmässig 
placuit, vgl. Hellmuth act. Erl. I S. 120, Z. f. G. W. 1881 S. 97, Burg 
S. 14, Rönsch It. S. 142, Neue-Wagener 3 III S. 116, Gebhard S. 34, 
Becher S. 17, ebenso ist zu meiden placitus, z. B. pax deo placita, 
was Sp. L. ist, vgl. Rönsch Coli. phil. S. 160, Chruzander S. 47, 
Bonnet Greg. S. 413 Anm. 5. 

Plaga, Dieses Wort findet sich in der Bedeutung Gegend, 
Landschaft, Bezirk für terra, terrae pars, regio nach Madvig zu Cic. 
fin. S. 156 nirgends vor der Zeit des altern Plinius in Prosa, ausser 
in einer „wunderbaren und streitigen Stelle" bei Livius (9, 41, 15). 
Dass das Wort in der geographischen Schulsprache zunächst Zone 
bedeute und dann von jedem grossen Erdstrich oder einem grösseren 
oder kleineren abgeschlossenen Land-, Meeres- und Himmelsstrich 
ohne Rücksicht auf orographische und ähnliche Yerhältnisse, aber 
mit Beziehung auf seine Lage gesagt worden sei, darüber sehe man 
auch die schöne Auseinandersetzung von Mützell zu Curt. 516 und 
517. — Was den Singular